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Die Aetherwellen

Wirft man

S.V,

Ammerlcurd, 12.10. *9.

einen Stein in einen die ganze Umgebung

Leich, so der Sin- wird; eS

schwingt. Und gelegentlich bleibt ein Unbehagen über den hartnäckigen, wenn auch siegreiche Kampf des Sprechers mit seiner Stimme in den

Die Wunder des größten Fernrohres der Welt.

Ein neues riesiges 1 0 0 z ö l l i g e s Fernrohr auf der Sternwarte des Mount Wilson in

fieQI »crn, wie , _

wWßSstelle in Mitleidenschaft gezogen

Kalifornien in einer Höhe von 5700 Fuß auf­gestellt worden, und der Direktor deS Obser­vatoriums, G. E. Hale, der zugleich Professor der Astronomie an der Universität Chicago ist, berichtet uns über dies Instrument und die Wun­der, die es offenbart. »Das Fernrohr", schreibt er,ähnelt einem großen Marinegeschütz, das sich auf einem Drehturm mit einer Kuppel von 100 Fuß Durchmesser befindet. Das Glas, daS für fernen größten Spiegel verwendet wurde, ist 13 Zoll bid und wiegt 4*/e Tonnen. Die beweglichen Teile wiegen 100 Tonnen und werden durch einen mächtigen Uhrmechanismus in Bewegung gesetzt, der der Sonne und den Sternen folgt. Im Ver­gleich mit dem 60-Zvll- Fernrohr schützt man daß das 100-Zvll-Fern rohr einige 100 Million« Sterne erreichen kann, die früher zu blaß erschie­nen, um mit dem kleineren Instrument Photo» graphiert zu werden. Wichtige Ergebnisse sind bereits mit diesem neuen Wer^eug der Himmels- bevbachtung erreicht worden. Feinste Einzelheiten der Oberfläche des Mondes, die vorher noch nicht photographiert werden konnten, sind jetzt aufge­nommen worden. Entfernungen zwischen Doppel- (tarnen konnten trotz der ungeheuren Weite fest- gestellt werden, und es wird möglich sein, Sterne und Nebel weit über die Grenzen hinaus zu be­obachten, die uns bisher geftedt waren."

Wie Deutsche, Engländer und Franzosen sich im Bade benehmen.

.Diesen Sommer hatte ich Gelegenhe beobachten, wie drei verschiedene Völker___

länder, Franzosen und Deutsche ihre Ferien verbringen" so schreibt D. Ward Price in der -Daily Mail", und wenn wir Deutschen bei die­sem völlerpshchologischen Vergleich auch nicht be­sonders gut wegkommen, so ist es doch interessant, zu erfahren, was einem Engländer an unserem Dadeleben merkwürdig vvrkommt .Mir scheint es", so führt Price aus, .daß Engländer in den Ferien vor allem Freiheit lieben: sie wollen

Er ihren Hort sich nimmt zu leihnl

Tritt in den Wald beim Sonnenschein. Erquicke dich am gvldnen Wein, Pirsch' nach dem Wilde wohlgemut. Verjüng' dich an der Liebe Glut: Doch nenne mir nicht »Zeitvertreib" Den Wald, das Wild unb Wein und Weib. Wem Go «esgaben v»Lauf stieße», Der soll sie Gott gum Denk genj^en.

leicht in ein kreischendes, oft beinahe komisch wir­kendes Falsett umschlug. Man höre mir, um Ben Akibas Weisheit wieder einmal bestätigt zu fin­den, was Tied in seinemPhantasus" über Iff- lands Spielweise sagt. Es könnte gestern auch über Bassermann geschrieben worden sein:Iffland hat für seine Tonlosigkeit ganz eigene Modulationen erfinden müssen, woher jenes Zurüdsinken der Stimme, jenes Husten, die Pausen, das Stottern der Verlegenheit und, um Effekt zu machen, dies plötzliche Dufkreischen nebst anderen Auswegen entstanden sind: künstliche Behelfe, teils um den Mangel zu verdeden, teils um aus diesem Mangel eine Art von Schönheit zu bilden. Dies aber ist es gerade, waS an ihm bewundert, ja ihm nach­geahmt wird, und aus welchen Schwächen und Mängeln eine Kritik der Kunst und eine Schau- spielerschule sich zu verbreiten anfängt, die gerade­zu alles umkehrt und die Sachen auf den Kopf stellt."

Es muh hervorgehvben werden: diese ge­dehnte Sprechweise schafft, wie es schon Tied an­genehm auffiel, auch ihre eigenen Reize. Gewisse abgedroschene Sentenzen zeigen plötzlich wieder ihren höheren Sinn in solcher Klangart. Manches bekommt eine neue Beleuchtung, und oft werden dadurch Tiefen und Abgründe in einer Dichtung aufgerifsen, an denen wir, ohne daß die ausein­ander gezogene Stimme uns auf diese Klüfte wies, wie im Dunkeln borübergeglitten wären. Zuweilen kommen auf diese Weise, wenn das Organ, zurück­gezogen, sich undeutlich hernach wieder Bahn bricht, auch herrliche Naturlaute heraus, die Kunst­kenner bereits bei Iffland rühmten. Bei Basser­mann fand ich sie besonders in seiner Wiedergabe des »Othello" gut Beispielsweise an der Stelle, wo dieser Sohn der Wildnis auf Zypern wieder seiner jungen Ehefrau Desdemona begegnet und nun seine Freude in rohen, aber erschütternden Tönen fast kannibalisch hervorsprudelt, bis sich mühsam die ersten Worte bilden:O meine holde Kriegerin!"

Jedenfalls ist dies Mittel der Dehnung der Worte, mag sie nun wie bei Iffland in hannover­scher oder wie bei Bassermann in mannheimischer Mundart erfolgen, zu billigen, wenn dadurch eine von Natur mangelhaft ausgerüstete Stimme über­wunden wird. Auch dann kann freilich dieser Fehler nur ausgeglichen werden, wenn, wie bei den beiden genannten starken Schauspielern, der Reiz einer besonderen Persönlichkeit dahinter

entstehen ringS um diese Stelle in konzentrischen Kreisen Erhöhungen und Vertiefungen oder Wel­len. Fegt der Wlud über ein Aehrenjeld, so wev-

Mbert Bassermann.

Von Herbert Gulenberg.*)

Wenige wissen wohl, daß dieser auf seiner Stimme wie auf einem struppigen Gaul herum- reitende große Schauspieler einen Vorgänger in Iffland gehabt hat. Auch dessen Organ hatte nach dem Urteil seiner Zeitgenossen wenig Klang-und mir geringen Umfang. Auch er mußte deshalb seine Betonungen mehr durch Dehnungen hervvr- bringen, wodurch sein Vortrag oft unnatürlich und schleppend wurde. Auch ihm widerfuhr es darum schon, wenn er im leidenschaftlichen Ausdruck höhere Lonstufen wagte, daß seine Sttmme dann

) Wir entnehmen diese Skizze einem äußerst Lebendigen und anregenden neuen BucheD e r ® udlaften" (Deutsche Verlagsanstalt, Stutt­gart), in dem sich ötee Fülle gl< -chartiger De- fcatfctungen und Reminiszenzen aus der deutschen AÜHnenwnst finden.

Doch dienen soll die Zeit dem Mc Nicht daß er sie »vertreiben" kann Nein daß Dem Edelsten zu wcihn

gelvnl hplitifdic Atm Dice schon lch erhitzt- M h? tnNWSa1 verdammen i|t, gerade in der Appell schmat Teil die daran jeder Weise nu Es ist jedoch be gewissenlos, to1 beraer, dessen helll sind, M Hegensätze plo vertiefen. Cs dch von der' Mahnung ins von Taten ui und verderbe lanzler Dr. W sucht und einj nicht ohne Bei Kanzlers bei d noch einigemas er durfte mit Ä sehens und der so ist doch manc die Cemüter r MntagSauSgc bringt an ihre Dr. Wich ih futter Aufeni schreibt lvörtl

,Der Herr als sehr ernst, die Aufgabe i Staat zu schift Demagogie mii gegenzutreten.

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Bismarcks Sturz und die öffentliche Meinung!

Die nachstehenden Ausführungen ent­nehmen wir einem demnächst erscheinenden WerkeBismarcks Sturz" von Privatdozent Dr. Schüßler. IDerlag von Quelle & Meyer in Leipzig ) Auf Grund des 3. Bandes der Gedanken und Erinnerungen" sowie an­deren noch unbekannten Aktenmaterials, er­halten wir ein abgeschlossenes Bild jener gewaltigen Tragödie. Die Politik Wil­helm II. erscheint vielfach in neuer Beleuch­tung: die Katastrophe von 1918 wird bereits in jener Zeit eingeleitet.

Bismarcks Stimmung in den Tagen seiner Entlassung wurde durch die beispiellose Haltung der Oeffentlichkeit aufs tiefste verbittert. Das Ge­fühl des unvermeidlichen Geschehens beherrschte Deutschland in dieser weltgeschichtlichen Stunde weithin: es blieb stumm. Die großen Massen des Volkes, die anders als die eingeweihten Führer in Parlament und Presse die Dinge nicht in ihren Zusammenhängen und in ihrer innerlichen Not­wendigkeit sahen, empfanden zwar anders: da sie aber kein Organ hatten, und da die Führer schwie­gen, schwieg auch das Voll.

Das System Bismarck fällt," schrieb ein demokratisches Blatt,es stirbt ab an dem jugend- kräftigen Wesen einer neuen Zeit, die sich aus dem Volle heraus offenbart und auch auf der Höhe die Geister beherrscht... Alle bannt das Gefühl, daß ein historischer Prozeß, der unabwendbar sei, sich vollziehe."

Am 21. Marz erhielt das Preußische Abgeord­netenhaus die offizielle Mitteilung von Bismarcks Entlassung. Das Haus verharrte nach der Ver­lesung in eisigem Schweigen, ülnd die Frankfurter Zeitung schrieb an demselben Tage:Die Nation ist ruhig: nicht ohne Bewegung, aber ohne Furcht vor der Zukunft sieht das deutsche Voll den ge­waltigen Mann aus der Machtfülle scheiden, in der er für die innere Entwicklung seit Jahren ein un­überwindliches Hindernis geworden war.... Möge auch von ihm gelten, daß nicht wiederkehrt, was einmal gegangen ist: die Nation wird "bann den 18. Marz 1890 bald zu den Tagen zählen, derer man mit Freuden gedenkt."

Ist es ein Wunder, daß angesichts dieses Ver­haltens die Franzosen fanden, die Deutschen seien kein großes Volk? Sie hätten an der Deutschen Stelle dem Gründer ihres Reiches Altäre errichtet. Die Spanier banden selbst den toten Cid noch auf sein Schlachtroß, um es in den Kampf zu führen und so die Feinde zu schrecken. Die Deutschen aber blieben stumm, als sich ihr Schicksal zugleich mit dem des Fürsten Bismarck entschied.

In den Preußischen Jahrbüchern erinnerte Delbrück an einen Gesandtschaftsbeittcht aus Eng­land vom Jahre 1742 nach dem Sturze Robert .Walpoles, der Zustände schilderte, die genau auf das Deutschland dieser Tage paßten:Was in 28 Jahren nicht gesehen, nicht gehört, nicht ge­glaubt worden, das hat sich nunmehr begeben; Whigs und Tories,, Patrioten und wie sie alle hießen, seien einig miteinander und wetteiferten miteinander, ihre Königstreue und Vaterlands­liebe zu betätigen. Whigs und Tories wurden bei Hofe gesehen und gnädig empfangen; weder im Ober- noch Im ülnterhause gäbe es eine Opposition; was der König vom Parlament fordern möge, alles werde ihm bewilligt."

Groß war in den hohen Qlemtem, an den Re­gierungsstellen, die Genugtuung über den Sturz . des bisher Allmächtigen. Der österreichische Bot­schafter konnte nicht genug staunen, daß in den ersten Tagen nach der Entlassung in den höheren Kreisen der Gesellschaft von diesem Ereignis kaum gesprochen wurde. Mit Entrüstung erlebte er, daß ie Leute, die noch eben vor Bismarck und allem, was Bismarck hieß, auf dem Bauche lagen, jetzt auf das unverschämteste das Seziermesser an seine Vergangenheit legten, um seine kleinen Fehler und Schwächen herauszuschälen. Gerade bei den Mitgliedern des Bundesrates begegnete er der größten Genugtuung. Hätte Fürst Bismarck dem Kaiser geraten, sagte ein Bundesratsbevollmäch­tigter dem Grafen Szöchßnyi, Schritt zu fahren, wo Seine Majestät Trab anschlagen wollte, so hätte der Kaiser sich gefügt; daß er dem Monar­chen das Fahren aber überhaupt verbieten wollte, war zu viel. Beim Ordensfest am 23. März sah der Statthalter Fürst Hohenlohe zwischen den Generälen Stosch und Kamecke.Ersterer ... war froh wie ein SchneeDnig, daß er jetzt offen reden konnte, und daß der große Mann nicht mehr zu fürchten ist. Dies behagliche Gefühl ist hier vor­herrschend." Wenige Monate später merkte er, daß in den hohen Regionen Berlins alle Individuen geschwollen seien, daß jeder einzelne sich fühle. Während früher unter dem vorwiegenden Einfluß des Fürsten BiSmarck Die Individuen ein­geschrumpft und gedrückt waren, sind sie jetzt alle aufgegangen wie Schwämme, die man ins Wasser gelegt hat."

Nach dem Tode Friedrichs des Großen war es geradeso gewesen; und dieselben Leute, die sich damals mit ihrer neuesten Weisheit brüsteten, führten Preußen dem Tage von Jena entgegen Das war 20 Jahre spater, nachdem Friedrich der Einzige in die älnsterblichkeit eingegangen war. Zwanzig Jahre nach Bismarcks Tode enbete das von ihm gegründete deutsche Kaiserreich.

In trauriger, durch den widerlichen Jubel der Gegner weiter verdüsterter Stimmung empfing und machte BiSmarck Abschiedsbesuche.

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Zeitvertreib".

Aus Franz Pvccis Nachlaß" hat der Deutsch-Meister-Verlag in München ein lite­rarisch wertvolles Heftchen zusammengestellt, in dem wir folgende Verse finden, die der Dichter dem Gästebuch in Ammerland anvertraute. Er fand dort nachstehenden Zweizeller:

Wald und Wild und Wein und Weib, Die sind mein' Lust und Zeitvertreib.

9. Sept. 1849. Kvbell.

Pocci gab darunter folgende Antwort:

ZumZeitvertreib" willst du dir wähle», Was ich zum Schönsten möchte zählen. Wald Wild und Wein und Weib erfreut Des Menschen Herz, well's Gott gebeut!

Ohren der Zuhörer zurück. Der heldenhaft im Selbstmord gestorbene Berliner Schriftsteller Felix Poppenberg wußte hiervon eine ergötzliche Ge­schichte zu erzählen. Poppenberg gehörte zu den nicht sehr zahlreichen Kunstrichtem, die ihren Be­rus mit Liebe ausüben und eine durch nichts zer­störbare Zuneigung für das Theater haben. So wohnte er auch jener Erstaufführung desDon Carlos" bei Reinhardt bei, in der Albert Basser­mann zur Bewunderung Berlins denKönig Phi­lipp" spielte.Ende nach 11 Tlhr", stand auf dem Zettel. Eine etwas ungenaue, verschwommene Zeitangabe. Da Poppenberg nur einen Platz für den Abend gewährt bekommen hatte, so war er leider gezwungen, diejenige seiner vielen Freun­dinnen, die gerade zur Zeit seine Favoritin war, daheim zu lassen.DerDon Carlos" ist ein sehr langes dramatisches Gedicht von Schiller," erklärte er ihr in seiner überlegen lächelnden Art beim Abschied:Ende nach elf? Wir wollen uns auf zwölf Uhr im Vorraum des Theaters an der Abendkasse treffen. Sei bitte pünktlich! Wir sou­pieren dann hinterher göttlich zusammen!"

Es war in jener reichen, seligen Friedenszeit, in der man solche Verabredungen schließen konnte. DerDon Carlos" rückte weiter in seiner ungekürz­ten Form. Längst vorüber waren schon die er­schütternden Stellen, in denen Bassermann als König Philipp sich fröstelnd in seinem Escorial die welken Hände an einem Holzkaminfeuer wärmt. Gmsam und von Eifersucht viel tiefer noch zerfres­sen als der Mohr von Venedig. Längst verklun­gen waren die Worte, die Bassermann rührend wie ein von allen Verlassener zu seinem Himmel gebetet hatte:Jetzt gib mir einen Menschen, gute Vorsicht!" Unb soeben war bereits jene letzte Szene vorbeig zogen, in welcher der neunzigjährige blinde Großinquisitor seinen grauen königlichen Schüler in den Elementen der Monarchenkunst überhört. Röchelnd hatte Bassermann die Verse hervorgeblu­tet:Es ist mein einz'ger Sohn Wern hab' ich gesammelt?" Unb die kälteste Antwort aus Prie­stermund war ihm schon geworden:Der Ver­wesung lieber als der Freiheit." Schnell war da­nach bas kurze AbschiedSgespräch zwischen der Königin und ihrem sie unglücklich liebenden Sohn, dem Prinzen, üerflattert Unb nun stand der Vater und König zwischen ihnen, Bassermann zu Basalt versteinert, und hatte nur noch kalt und still jenen letzten Vers zu sagen:Kardinal, ich habe daS Meinige getan. Tun Sie das Ihre!"

Verstohlen drückte Poppenberg seine goldene Taschenuhr auf. Es war fünf Minuten vor Atoolf, als Bassermann andrehte: »Kardinal--. Ge­

rade um Mitternacht konnte Poppenberg, wie ver­einbart, im Vorraum des Theaters zur Stelle sein. Man denke sich mein Erstaunen!", so pflegte er zu berichten:Als ich mich zum Schluß des Stückes von meinem Platz erhebe und wieder nach der Uhr sehe, zeigt mein Chronometer halb eins an. Fünf- unddreihig Minuten hatte also Bassermann für jene zehn Worte gebraucht." ilnb dann ahmte er auf- vortrefflichste die langgezogene, Silbe auf Silbe schwer gebärende Sprechweise des von ihm leidenschaftlich verehrten Künstlers nach.

Das Tollste dabei war," so schloß Poppen­berg diese Geschichte stets, »daß ich mich, wie ich gleich meiner ungeduldigen Freundin beteuerte, während dieser über eine halbe Stunde dauernden mühseligen Prozedur nicht eine Sellmde lang- wellte, ja die Zeit überhaupt verzeih mir, gänzlich vergessen hatte."

So wirksam vermochte die Persönlichkeit dieses Schauspielers die Menschen zu verzaubern und Fehler der natürlichen Anlage durch die Kunst zu übertrumpfen.

hingehen, wo es ihnen beliebt, tun, wa- ihnen beliebt, und tragen, was ihnen beliebt. Die Fran­zosen haben ihre Freude daran bie künstlichen Vergnügungen ber Stadt Cafös, Konzerte, Kasinos, Modefeste, Jazz-Musik und elegante Hotels in die lieblichere Hmgtgenb der Bade­örter zu verpflanzen. Und der Deutsche ist nur glücklich, wenn er in seinen Ferien von einer herrschsüchtigen Ortsbehörde bevormundet wird. Tatsächlich sind Deutsche im Bade die Gefangenen und Untergebenen einer merkwürdigen Körper- schaft, genannt berKurverein", ber sie besteuert unb ihnen enblofe Vorschriften für ihr Benehmen macht. DerKurverein" weih ganz genau, was ein anftänbiger beutscher Besucher am Strande tun darf unb was nicht, unb sucht diese Forde­rungen in die Wirklichkeit umzusehen Durch alle möglichen Anschläge werden bie guten Ferien­instinkte ermutigt unb bie schlechten bekämpft. Zum Beweise habe ich drei von den sieben Ver­ordnungen abgeschrieben, die ich bei meinem Aufenthalt im Kurhaus zu Zoppot vor Augen hatte:Cs wird im Interesse des muflliebenben Publikums höflich gebeten, während der Musik- stücke jeden Lärm, besonders auch bas Sprechen, zu unterlassen. Das Benutzen ber Sitze vor dem Orchester ist Kindern unb Kindermäbchen verboten Herumgehen währenb bes Konzertes ist verboten." Die anberen vier Anschläge beschäftigten sich mit Hunben, mit bem Vermieten von Stühlen, mit bem Betreten bes Rasens unb bem Fortwerfen von Papier- ober Speiseresten". Will man in einem beutschen Dabevrt haben, so muß man sich einem so komplizierten Prozeß unterwerfen wie bei unS in einer Lebensversicherung. Man bars nur in der zu diesem Zweck errichteten Anstalt baden u nd zwar in einer ber drei Abteilungen, die für »Män­ner", Frauen" ober Familien' bestimmt sind. Wenn man sein Billett gekauft hat, bann übergibt man seine Wertgegenstänbe bem Babemeister und muh darüber eine Bescheinigung in einem Buch ausstellen, die ber Babewärter gegenzeichnet. Dann werben bie Sachen in ein Kästchen getan, dessen Schlüssel man an seinem Badeanzug be­festigen muh usw. Im Wasser selbst wirb man sorgfältig von einem Manne mit einer Pfeife be­wacht, unb wenn man über bie burch ein Sell bezeichneten Grenzen des Babes hinauSschwirnmt, wirb man sofort zurückgepfiffen. Benutzt man seine Kabine länger als 45 Minuten, so wird man von einem uniformierten Beamten zur Rebe gestellt. Auch in manchen französischen Däbern wirb man, wenn man zu weit hinausschwimmt, durch einen Wächter mit einem Hom gewarnt. In England aber schwimmen junge Mädchen so weit inS Meer hinaus, daß man ihre Köpfe nur noch alS schwarze Punkte sieht. Des Nachmittags, während der Deutsche ber Musik lauscht unb ber Franzose Im Cafe sich amüsiert, geht ber rastlose Englänber Golf spielen. Nur am Abend nimmt auch er den kontinentalen Geschmack für gesellschaftliche Zu­sammenkünfte an.

ben durch das Hin- und Herfchwingen der zuerst getroffenen Halme auch bie benachbarten in Schwingungen verseht; es entsteht eine wellenför­mige Oberfläche bes Getreidefelbes. Miher ben Wasserwellen unb ben Wellen bei einem wogen­den Aehrenfelb gibt es noch andere, z. D. bie Luftwellen, von denen die durch eine Tonguelle erzeugten die regelmäßigsten sind. Irgenoeinc Tonquelle, etwa eine angeschlagene Stimmgabel, erzeugt durch ihre Schwingungen ebensolche ber benachbarten Luftteilchen, bie biese wegen ber elastischen Kräfte zwischen ben Teilchen mit einer gewissen Geschwinbigkeü nach außen hin fort­pflanzen. Die Schallgeschwinbigkeit beträgt rund 340 Meter in ber Eekunbe, b. h. 1 Sekunbe nach bem Anschlägen der Stimmgabel fangen alle bie Luftteilchen an zu schwingen, bie 340 Meter von ber, Quelle entfernt sind, nach 2 Sekunden alle die in 680 Meter Entfernung usw.; natürlich nimmt die Intensität der Schwingung mit ber Entfer­nung ab, bn übrigen aber herrscht um bie Schall­quelle herum eine erstaunliche Regelmäßigkeit bes Schwingungsvorgangs unb bes Gesamtbildes ber Schwingungen, ber Lustwellen. Bei jeher Wellen­bewegung unterscheiben wir Wellenberge unb Wellentäler, unb man nennt bie Entfernung zwi­schen Anfangspunkt eines Berges unb Endpunkt des benachbarten Tales dieWellenlänge" ber Bewegung; bie Höhe bes Berges, bzw. bie Tiefe des Tales nennt man bie Schwingungsweite, sie ist mahgebenb für bie Heftigkeit ber Bewegung, bie Stärke des Tones. Don ber Wellenlänge hängt bei ben Luftwellen bie Art bes Tones ab; lange Wellenlängen entsprechen tiefen unb kurze ent­sprechen hohen Tönen. Je mehr Schwingungen bie Luftteilchen in einer Sekunbe vollführen, je grö­ßer also ihreSchwingungszahl" ist, um so kleiner wirb bie Wellenlänge ber betreffenden Luftwelle, so bah man auch sagen kann: Kleine Schwingungs- zahlen ergeben tiefe Töne, große Schwingungs­zahlen hohe Töne; bie Geschwindigkeit ber Fort­pflanzung ist babei in einem unb bemfelben Mittel (Mebium) stets biefelbe. Bei ben Luftwellen er­folgen die Schwingungen der einzelnen Teilchen in ber Richtung ber Fortpflanzung ber Welle, so baß man eigentlich anstatt von Bergen unb Tä­lern von Verbichtungen unb Verbünnungen spre­chen müßte, boch sinb bie Begriffe Berg unb Tal anschaulicher unb auch bei sogenannten Längs- wellen, zu benen bie Luftwellen gehören (Wasser­wellen unb auch bie Aetherwellen gehören zu ben Querwellen"; bei biefen schwingen bie Teilchen quer zur Fortpslanzungsrichtung), ohne Schaben für bie Betrachtung zu gebrauchen.

Was sinb nun Aetherwellen? Sicherlich solche, bei denen von irgenbeinem Störungszentrum aus sämtliche Aethertellchen ringsum in Schwingun­gen geraten, bie sich nach allen Seiten mit einer gewissen Geschwinbigkeit fortpflanzen unb als Ge- famtbilb ein Wellensystem ergeben. Unter Aether verstehen wir hier aber nicht bie wohlbekannte, leicht verdunstenbe Flüssigkeit gleichen Namens, sondern einen Stoff, ben noch niemanb gesehen hat. Merkwürbig! Wie kann man nur mit einem Stoff operieren, von benen man gar nicht weih, ob er existiert, unb boch geht bie Naturwissen­schaft mit bem Aether um wie mit einem wirk­lichen, greifbaren Stoss. Die Wissenschaft barf bas tun, so lange es ihr möglich ist, bie Naturerschei­nungen damit zu erfiären. Der Aether ist ein hypothetischer Stoff, ein Stoff, mit bem man sich den leeren Raum ausgefüllt denkt, unb in welchem sich Vorgänge abspielen, ohne beren Annahme es ber modernen Naturwissenschaft unmöglich ist, bie Natur zu erklären. Jebe Naturwissenschaft ist Hypothese, Vermutung, unb kann nur so lange Anspruch auf Allgemeingültigkeit haben, als nicht Erscheinungen hinzutreten, bie sich nicht burch sie erklären lassen, unb ba müssen wir uns halt baran gewöhnen, bah bei solchen Hypothesen auch einmal ein Stoff wie ber Aether benutzt wirb, besten Existenz selbst hypothetisch ist. Anspruch auf ab­solute Wahrheit hat keine Naturwissenschaft unb schon gibt es in allerneuester Zeit Hypothesen, welche bie Naturerscheinungen, bie wir mit Hilfe bes Aethers erklären, ohne ihn zu deuten bestrebt sind.

Man erflärt mit Hilfe des Aethers, bzw. mit Hilfe von Wellenbewegungen im Aether die Fort­pflanzung der Lichtstrahlen, der Wärmestrahlen, der elektrischen Strahlen und ber Röntgenstrah­len. Alle biese Strahlen sind nach den Anschauun­gen unb Forschungen der letzten Jahrhunderte und Jahrzehnte Schwingungsvorgänge, Wellen­bewegungen eines unb desselben Stoffes, des Weltathers, hervorgerufen durch irgendeinen Schwingungsvorgang oder irgendeine Störung im Aether. Wir kennen bie elektrischen Strahlen aus ihrer Verwenbung in der drahtlosen Tele­graphie, die Wärmestrahlen aus ihrer Wirkung auf Gefühl. Thermometer unb wärmeempfindliche Instrumente, die Lichtstrahlen aus ihrer Wir Ling auf unser Auge und auf die photographische Platte, unb die Röntgenstrahlen aus ihrem gro­ßen Durchbringungsvermögen und ihrer Wirkung auf den Organismus. Trotz dieser grundverschie­denen Wirkungsarien find alle diese Strahlen­gattungen miteinander verwandt; sie pflanzen sich mit derselben Geschwindigkeit fort, nämlich mit 300 000 Kilometer in der Sekunde, werden zurück­geworfen, gebrochen und gebeugt; sie unterscheiden sich vhysikalisch nur in der Wellenlänae, die vom Gebiet ber Wärmestrahlen an, mit ben Schall­wellen verglichen, allerbings außervrdenllich klein ist. Wellenlänge (in runben Zahlen) der elektri­schen Wellen: 100 000 000 bis 3 Millimeter, ber Wärmestrahlen: 0,5 bis 0,0008 Millimeter, ber sichtbaren Lichtstrahlen (rot, gelb, grün, blau, violett: 0,0008 biS 0,0004 Millimeter, ber ultra­violetten Strahlen (chemisch wirksam): 0,0004 biS 0,0001 Millimeter, der Röntgenstrahlen: 0,000 0001 bis 0,000 COO 01 Millimeter. Würden wir anstatt mH Wellenlängen mit Schwingungszahlen rechnen, so hätten wir es, von den elektrischen biS zu den Röntgenstrahlen aufsteigend mit ungeheuer wachsenden, riesenhaften Zahlen zu tun.

Noch gibt es in ber Skala der Aetherwellen Gebiete von Wellenlängen, für die biS jetzt keine Strahlen in ber Natur nachgewiesen sind, doch stellt die Forschung trotz dieser noch vorhandenen Lücken einen ungeheueren Fortschritt hinsichtlich ber Vereinheitlichung unserer Naturauffassung dar. Die Einordnung der Röntgenstrahlen in die Skala ber Aetherwellen ist dabei eine ber neuesten Errungenschaften; sie stammt auS der Frankfurter Zeit des nach Berlin berufenen Physikers von Laue und ist in gleicher Weise theoretisch wie praktisch von bedeutendem Wert. CH.

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