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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Ur. 175 Zweites Blatt

Mittwoch, 27. Juli 1921

lieber Heinr. v. Frauendorsers Ende

itfen wir in den ,,Münch. Reuest. Rachr":

3m Jahre 1855 als Sohn eines Dorffchul- lehrers in der Oberpfalz geboren, studierte Frauendorfer die Rechte, legte hervorragende 54Mgtetten an den Tag und wandte sich in der Praxis der Verwaltung bei den Eisenbahnen zu 3n raschem Laus durchging er die unteren Stufen des Staatsdienstes, trat unter dem Mi­nisterpräsidenten Grasen v Crailsheim, dessen Ressort die Derlehrsverwaltung damals ange­gliedert war. in den Ministerialdienst ein und wurde in der Verkehrsverwaltung die rechte Hand 'eines Ministers. Als dann im Jahre 1906 die Verkehrsverwaltung vom Ministerium des Aeu- hern abgetrennt wurde, übertrug ihm. dem ein­zigen Manne, der damals das nötige umfassende Dissen und organisatorische Talent für die Lei- ,ung des neuen Ministeriums besah, Prinzregent Luitpold das neue Ministerium. Herr v. Frauen­dorfer rechtfertigte das in ihn gesetzte Vertrauen nach der organisatorischen und technischen Seite glänzend. Die bayerischen Dahnen und die baye- r-ische Post, für deren Selbständigkeit v. Frauen­dorfer stets geschickt und kräftig eintrat, nahmen unter seiner Leitung eine erste Stelle im deut­schen Verkehrswesen ein und wenn sie sich im Weltkrieg mit einer musterhaften Leistungsfähig­keit in Die Lösung der enormen Aufgabe, die dem Verkehrswesen beim Aufmarsch zugewiesen war. einfügten, so war das in allererster Linie v. Frauendorsers Verdienst: denn schließlich hätte fein Rachfolger im Amt des Verkehrsministers in den zwei Jahren seiner Tätigkeit nicht schaffen können, was die bayerischen Verlehrseinrichtungen im Jahre 1914 darstellten.

Herr v. Frauendorfer gehörte der freiheitlichen Richtung an und der alte Deamtenliberalismus war ihm ein viel zu enger Rahmen. So muhte er in scharfen und immer schärfer werdenden Gegensatz zu der Landtagsmehrheit des Zen­trums geraten, da er zudem beim Regenten zwar obS Fachmann, nicht aber als Politiker Vertrauen genoß, war er einem akuten Konflikt, den das Zentrum Anfangs 1912 über der Frage des Eisenbahnerreverses bezüglich des Streik- rechts der Staatsangestellten vom Zaune brach, nicht gewachsen. Mit ihm ging damals das aesamte Ministerium Podewils. v. Frauendorfer, der Arbeit und Tätigkeit nicht entbehren mochte, übernahm mit gutem Erfolg die Direktion der städtischen Straßenbahnen in München und die Aufsichtsratstätigkeit in verschiedenen groben in­dustriellen Unternehmungen.

War in der Krise von 1912 v. Frauendorfer als aufrechter und zielbewuhter Staatsmann er­funden worden, so begann sein Dild heftig zu schwanken, als die Revolution über Bayern ihre schmutzigen Wellen ergoß. Schon am zweiten Revvlutionstag konnte der Vater der bayerischen Revolution, Eisner, Herrn v. Frauendorfer als einen seiner Mitarbeiter derprovisorischen Rationalversammlung", einem chaotischen Haufen von Revolutionshelden, vorstellen und diese Ver­sammlung begrüßte Herrn v. Frauendorfer als Verkehrsminister stürmisch. Man mag ihm bei feiner damaligen raschen Bereitwilligkeit zugute holten, dab es immerhin galt, vor den zügel­losen Revolutionshaufen zu retten, was zu retten war: man mag ihm auch zugute halten, dab er, notgedrungen, auch Eisners allzuwilden Phan­tastereien gelegentlich entgegentrat. In der später folgenden Rätezeit jedoch hing er unter Preis­gabe fast all seiner eigenen Persönlichkeit den Mantel ganz nach dem Winde, ertrug sogar einen Paulukum alsVerkehrsminister" neben sich, gab lebe Führung der in seinem Ressort beschäftigten Dassen auf und besann sich bis zur endgültigen Entscheidung gegen dieRäteregierung" über den Deg. der ihn doch sofort nach Bamberg hätte bhren sollen, wo der Landtag war. Auch später- n. bei einem neuen Wechsel der Regierung, ot er sich allzu bereitwillig an, obwohl keine Partei ihn zu übernehmen bereit war. So schwankte fein Charakterbild gerade in den Zeiten, in denen ein Mann von feiner Hohe und Be­deutung, von seiner Verantwortlichkeit vor allem gegenüber der Psychologie der Massen wie ein ragender Grundpfeiler hätte stehen sollen, wie »in Richtung gebender Leuchtturm.

Als die bayerischen Staatsbahnen in den öeHb deS Reiches übergingen, wurde Herrn von Frauendorfer die Leitung des bayerischen Zweiges des Reichsverkehrsministeriums übertragen. Seine Derson trat in diesem Amt nicht mehr hervor: das tragische Ende, das v. Frauendorfer genom­men hat, dürfte eine Erklärung für diese Er­scheinung geben.

Jur Gießener Ferienordnung.

Zu dieser Frage, die gerade in diesem Jahre infolge der ausgedehnten Hitzeperiode wichtig er­scheint. schreibt uns Rektor Fischer:

Beobachtungen, die schon in den letzten Jah­ren, ganz besonders aber in diesen Wochen ge­macht werden konnten, geben Veranlassung, einmal der Verteilung der Ferien an den Gießener Schulen einer Prüfung zu unterziehen.

In der Vorkriegszeit hat es in Giehen für alle Dchulen von Pfingsten bis Weihnachten nur ttne einmalige Unterbrechung durch Ferien ge­geben, eine so unglückliche Ferienordnung, dah man sich noch heute über den Gleichmut wundern mutz, mit dem Elternhaus und Schule diese Re- gelung hmgenvmmen haben. Seit wenigen Iah-

i Serien In 4 Wochen Sommer- und 2 Wochen Scrbftferien geteilt, und es ist damit eine Ordnung gesunden, wie sie wohl in den meisten Städten seit Jahren besteht und wie sie auch dem Bedürfnis sehr gut entspricht. - Richt g ucklich aber erscheint die Festlegung, besonders die Lage der Sommerferien, auch heute noch lmd^soll deshalb einmal versucht werden, die -Aufmerksamkeit der Beteiligten auf diesen Punkt iu lenken und eine Aenderung herbeizuführen.

Zunächst fallt auf: Die letzige Ordnung, die et ^n ganzen Juli hindurch in der Schule lest halt, ist durchaus unglücklich. Der Juli ist besonders in der zweiten Hälfte, eine sehr beiße oeu, weist oft nicht nur in diesem Jahr Abschnitte anhaltender Hitze auf. und es h »^halb gesundheitlich in hohem Mähe be= .Eich, unseren auch jetzt noch stark unterernähr­ten Kindern die 2aft der Schularbeit zuzumuten ^lt, in der selbst Erwachsene an ihrer ^enissarbeit schwerer tragen als sonst. Verschärft axrö dieser ilebelftanb dadurch, daß die Iuli- wochen am Ende eines Schulabschnittes liegen und

die Kinder eben ohnedies abgearbeitet und wenig leistungsfähig sind. So kann man sich nicht wun­dern, wenn in den letzten Wochen vor den Som­merferien immer mehr Eltern an die Schullei­tungen herantreten und gestützt auf das Zeugnis des Hausarztes Antrag auf Beurlaubung ihrer schwächlichen, blutarmen u. a. Kinder bis zu den Serien stellen. Bei meiner Gruppe liegen bereits 19 Anträge vor. darunter allerdings auch einige, bei denen besondere häusliche Verhält­nisse die Beurlaubung erforderlich machen. Von einer anderen Gruppe höre ich. daß dort 51 Fälle von Versagen vorliegen, und daß dort drei Lehr­kräfte wegen nervöser Erschöpfung beurlaubt wer­den mußten.

Gewiß wird zuzugeben sein, daß die außer­ordentliche Hihwelle der letzten Tage diesen Uebel- stand verschärft hat. aber auch in weniger heißen Sommern ist für den Schulmann kurz vor den Sommerferien ein ausfallendes Rachlassen, rasches Ermüden, Mangel an Aufnahmefähigkeit der Kinder in oft erschreckendem Maße erkennbar. Das ist besonders in Jahren der Fall, in denen Ostern früh liegt und also der Abschnitt von Pfingsten bis zu den Ferien zu lang wird.

Man sollte es vermeiden, von unfern unter der Wirkung der Kriegsernährung noch heute leidenden Kindern Arbeit und Leistungen in einer Zeit zu verlangen, in der die Bedingungen für eine erfolgreiche Schularbeit kaum noch vorhanden sind. Ist es nicht ein unerträglicher Widerspruch, daß wir von Amerikanern Zuwendungen anneh­men, von Reich und Stadt erhebliche Zuschüsse leisten lassen, um die oft gar zu jämmerlich ent­wickelten und genährten Kinder hochzubringen, und dah wir zu gleicher Zeit dieselben Kinder unter Arbeitsbedi .gungen in der Schule festhalten, die ihre Kräfte mehr als zulässig in Anspruch nehmen? Jeder Schüler kennt die schmalen Kerl­chen in seiner Klasse, die schon in der dritten Stunde am Vormittag abgleiten und in der vier­ten und fünften überhaupt nicht mehr mittönnen, vom Rachmittagsunterricht ganz zu schweigen. Und dann sollen die Kinder in diesem Zustand noch mit Lust und Interesse Hausaufgaben an- fertigen! Ist's ein Wunder, wenn sie gerade noch soviel zusammenbringen, daß es eben noch so gebt? ilnb solche Arbeiten sollen viel Wert haben?

Es wäre unseren Kindern viel nützlicher, wenn sie sich jetzt vier Wochen erholen und etwa Mitte August mit frischen Kräften an die Arbeit gehen könnten. Selbst dann, wenn einmal, was kaum eintritt, Ende August längere Zeit größere Hihwellen kommen sollten, ist das Opfer nicht so groß wie eben! Der Abstand von den Sommer- zu den Ferbstferien ist kurz (in diesem Sommer viel zu kurz), und die Kinder wären nach der Erholung von 4 Wochen viel widerstandsfähiger als heute.

Zu den gesundheitlichen kommen aber auch sehr gewichtige unterrichtliche Bedenken: In den letzten Wochen vor den Sommerferien mit den vielen heißen Tagen gtüffen die letzten Vor­mittags- und die Rachmittagsstunden oft ausge­setzt werden. Für die Kinder ist das natürlich immer eine große Freude. Aber eigentlich be­steht für sie dazu gar kein Anlaß. Das dicke Ende kommt ja doch nach. Wenn meinem Kinde 4 Wo­chen lang Latein oder Physik ausfällt, dann fehlt ihm Vio der Jahres stunden in diesem Fach. Wird damit das Ziel in diesem Fach um ein Zehntel herabgesetzt? Kein Mensch denkt daran. Das Ziel ist verbindlich, und die Lehrer sind einfach gezwungen, den Stofs aus derverloren gegan­genen" Zeit in die noch verfügbaren «Stunben hineinzupressen. Lind die haben heute bereits alles, was sie tragen können. So trägt unsere heutige Ferienordnung in bedenklicher Weise dazu bei, die alten Klagen von der ileberbürbung mit Stoff noch zu verstärken.

Angesichts dieser Tatsachen sollten Schritte unternommen werden, um eine FtÄherlegung der ©ommerfeffen bereits für das nächste Ha hm herbei­zuführen. (Gegen die Lage der Herbstferien läßt sich wohl weniger einwenden.) Ich schlage vor, die Sommerferien (vier Wochen wie seither) an dem Samstag beginnen zu lassen, der zwischen dem 10. und 15. Juli liegt. Damit gingen wir noch nicht so weit wie andere Städte in der Rachbarschaft, die ausgesprochene Iuliserien haben (Frankfurt) und wir kämen auch einem für das öffentliche Leben unserer Stadt sehr wichtigen Fattor weit entgegen.

Die in vorstehenden Wrsführungen vorge­schlagene Aenderung kann nicht von der Schule allein beschlossen werden. Es wäre eine Aufgabe für Elternabende und die uns in Aussicht ge­stellten Elternbeiräte, die Sache zu erörtern. Viel­leicht aber werden Väter und Mütter veranlaßt einmal ihre eigenen Beobachtungen mitzuteilen und ihre Meinung zu sagen. Ich sollte meinen die Angelegenheit könnte ihnen und auch den Hausärzten nicht gleichgülttg fein.

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

Das Amtsverkündigungsdlatt Rr. 107 vom 26. Juli enthält: Voranschlag der Kreiskasse des Kreises Gießen. Maßnahmen gegen den Wohnungsmangel. Jugendherbergen. Schlußprüfung der Aspiranten und Aspirantin­nen des Schulamts im Herbst 1921. Klauen­viehmarkt in Hungen. Dienstnachrichten. Straßensperre. Aenderung der Ortssahung über den Bezug von Wasser aus dem Wasserwert der Gemeinde Ronnenroth (Schluß.)

Maßnahmen gegen Wohnungs­mangel. Das Hessische Landes-Arbeits- und Wirtschaftsamt ordnet mit Zustimmung des R?ichsarbeitsministeriums für das Gebiet des Freistaates Hessen an, daß auf Reubauten, die ohne Beihilfen aus öffentlichen Mitteln errichtet werden, die Vorschriften der Mieterschutzgei ey- gebung keine Anwendung finden.

Diehmarkt in Hungen. Montag den 1. August 1921 findet zu Hungen ein Klauen- viehmarkt statt. Zugelassen ist Klauenvieh, das aus dem Kreis Gießen stammt oder die vorgeschrie­bene Quarantäne überstanden hat. Ein Llrsprungs- zeugnis der betreffenden Dürgermeisterer oder das Zeugnis eines beamteten Tierarztes über die ab- gelaufene Quarantäne mutz bei Auftrieb vor­gezeigt werden.

Die Maul- und Klauenseuche in der Stadt Wetzlar ist erloschen. Die Sperrmaßnah­men sind aufgehoben. Unter den Viehbestän­den in Amönau (Kreis Marburg) ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Kirche und Schule.

± Gedern, 25. Juli. Unter Teilnahme öer ganzen Gemeinde wurde gestern hier das Iugendfest gefeiert. Lehrer List legte auf Dem Fest platz die Bedeutung des Festtages für ba£ Vaterland in schlichten Worten dar. Bald entwickelte sich ein fröhliches Treiben unter der Jugend, indem sie ihre Reigen, Spiele und Welt­rufen zur allgemeinen Zufriedenheit erledigten. Die Pausen wurden ausgefüllt durch Vortrag von Gedichten und humoristischen Stückchen durch die Schulkinder, sowie durch Gesänge der hiesigen Gesangvereine unb des Gemischten Chores. Die Schulkinder wurden durch Brezeln und durch er­folgreiche Betätigung beim Wurstschnappen für ihren Eifer entschädigt. Am Schlüße der Ver­anstaltung dankte Bürgermeister Müller allen i>encn, die zum Gelingen des Festes beigetragen hatten.

Züricher Devisenmarkt.

Wechsel auf Holland ........

Deutschland......

Wien.........

Prag.........

Paris.........

London ........

Italien........

Brüssel........

Budapest ....... Neuyork........

Agram.........

Bukarest.......

100 3L

100 W

100 fir.

100 Kr.

100 Fr.

1 £

100 L.

100 Fr.

100 Kr.

100 $

100 str.

100 C.

25. 7. 2& 7.

Schweizer Franken

19 .50

189.-

=3

7.72

7.75

=3

0.75

0.60

7.75

7.65

47.05

47.10

21.80

21.80

*

26.-0

26.10

45.90

46.-

1.75

1.70

609.50

610.-

3.60

3.50

8.-

7.90

Müller'schc Badeanstalt.

Wasserwärme der Lahn am 27. Juli: 21" R.

Handel.

Rückgang des französischen Außenhandels.

Paris, 26. Juli. Die Havascmentur ver­öffentlicht die Statistik der Ein- u^d Aus­fuhr Frankreichs im ersten Halbzahr 1921 Die Einfuhr hat in diesem Zeitraum einen Wert von 10 407 438 000 Franken erreicht. Im glei­chen Zeitraum des Vorjahres belief sie sich aus 26 191 702 000 Franken Der Rückgang ist in der Hauptsache auf die Einschränkung des Bedarfs für die Industrie zurüclzuführen. Die Ausfuhr irn ersten Halbjahr 1921 betrug 10 799 855 000 Franken gegen 12 256 233 000 Franken in dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Frankfurt a. M., 26. Juli. Die feste Tendenz, welche an der Mittagsbörse vor­herrschte, übertrug sich auch auf den Abend­verkehr. In verschiedenen Werten wollte man Intereffenkäufe beobachten. Unter den nicht amtlich notierten Werten fielen besonders Ge­brüder Fahr durch lebhafte Käufe auf, sie wurden mit 424 bis 429 gehandelt. Rastatter Waggon wurden mit 404, 405, Wolf Buckau mit 447, Gummiwarenf. Pollack mit 520 ge­nannt. Deutsche Petroleum blieben weiterhin fest, zirka 835 bis 840. Harpener, die heute im Mittelpunkt des Interesses standen, eröffne­ten 645 und waren zu diesem Kurse gesucht. BerzeliuS fliegen auf 50472, TelluS auf 403. Rheinstahl fest, 580, auch Öberbedarf blieben gut behauptet, 315. Chemische Werte waren befestigt. Scheideanstalt 687, Elberfelder Far­ben 361. Ferner waren wieder Zellstoff Wald­hof lebhaft beachtet. Hirsch Kupfer 403. Für Elektro Licht u. Kraft zeigte sich einiges Inter­esse, 241, Schuckert aber schwächer, 294. Die Geschäftstätigkeit am Markte der Einheits­werte war sehr lebhaft. Brauerei-Aktien, Eisenwerk Meyer, Badische Manuf., Schuhs. Leander blieben zu wesentlich erhöhten Kursen gesucht. Filzfabrik Fukda notierten 354. Hapag gebessert, 172.75. Die Börse schloß auf allen Gebieten in fester Haltung.

Frankfurt <t. TL, 27. Juli

Berliner Devisenmarkt. Geld Brief Geld Brief

Datum: 25. Juli. 26. Juli.

Amsterdam- Notterd. 2437,55 2442,45 2437,55 2442,45 Brüssel-Antwerpen . 593,40 594,60 589,40 590,60 Christiania......1013,- 1'46,051008,95 1010,05

Kopenhagen..... 1193,801196,201188,80 1191,20

Stockholm 1603,35 1606,65 1583,40 1586,60

Helsingfors...... 125,60 125,90 124,45 124,75

Italien........ 343,65 344,35 340,65 341,35

London........ 281,20 281,80 279,95 280,55

NeuvorK....... 78,79 78,95 78,29 78,45

Paris......... 608,85 610,15 604.35 605,65

Schweiz........ 1293,701296,30 1283,701286,30

Spanien....... 1008,-1011,05 995,- 997,-

Wien (altes). . . , .,

Deutsch-Oesterr. . . . 9,93 9,97 9,23 9,27

Prag......... 99,60 99,80 99,95 100,25

Budapest....... 23,47 23,53 22,37 22,43

Bulgarien......,

Konstantinopel. ... -, (

Börsenkurse.

Frankfurt Berlin Abend» Abend- Schluß- Schluß- Kurs Kurs Kurs Kurs

Datum: 25.7. 26.7. 25.7. 26.7

5» . Dtsch. Kriegsanl. 77,50 77,50 77,50 4°/. Disch. Reichsanl. 79,50

3*/o Dtsch. Reichsanl.,, 76,25

4*7, Preuh Konsols -,- -,- 70,60

Darm st ä vier Bank .,170,50 -

Deutsche Bank ... ,- - - 300,- - -

Disconto-Gesellschaft,f 263,,

Dresdner Bank. . ., 214,

Nationalbank f. D. . -,- - - 183,-

Mitleid. Creditbank.- 166,50 H.-Amerik. Pakelf. .172,75 170^ Norddeutscher Lloyd.-- 150, -

Boch.Gußstahlwerk . -' - 518,-

D.-Luxemb. Berg«.. 383,- - - 382,50

Gelsenkirch.Berg«. . 4C0,- 399,- -,-

Harpener Bergbau . 629,50 642 - 590,-__

Oberschles. Tisenb.-B. 312^- 315 - 309,84 Oberschles. Eisenind. .-- 270,- - -

Phönir-Bergb -Akt.. 848,50 851'- 841,-

Bad. Anilin- u. Soda 404,- 404 - 407,-__

Höchster Farbwerke. 338,- 340,'- 335,-

Llektr. A. EG. . . . 314,50 318,- 312,- - -

Schuckert-Werke. . . 294,- 295,

Felten-Euilleaume . -,- 530,- -,-

Daimler..... . 259,75 264,75 257,-

Bud.- Eisen«.. 200. , 594,- -,- 578 50

Adlerwerke...... 280,- -,- 282,50 -,-

4'/oHess-5taatsanl. , -,- 69,- -,-

Elektron Griesheim -,- 335,- -.-

Marknotierungen.

Für 100 deutsche Wart wurden gezahlt:

Datum: 1.7.1t. 25.7. 23.7.

Zürich...........Fr. 125,43 7,75 7,77

Amsterdam........Fl. 59,23 4,08 4,10

Kopenhagen........Mr. 88,83 8.60 8,55

Prag............Kr. 117,30 -,-

Stockholm.........Kr. 88,83 6,36 6,30

Wien............Kr. 117,88 -,-

London..........Sh. 97,83 7,- 6,26

Paris...........Fr. 125,40 16,50 16,50

Neuyork..........I 23^0 L28 1,27

(In einem Teil der Auflage wiederholt.) Die englisch-französische Abmachung für den

4. August.

Paris, 26. Juli. Havas. Der diplomatische Vertreter der Havas-Agentur glaubt zu wißen, daß nach den abends verspätet eingegangenen Rachrichten Curzon im Verlauf einer Unterrcbung mit dem französischen Botschafter am Rachmsttag im Hamen seiner Regierung grundsätzlich feine Zustimmung aussprach zur Einberufung des Obersten Rates für den 4. 21 u g u ft und zur vorläufigen Prüfung des oberschlesischen Problemes durch eine Sachverständigenkommission unter der Bedingung, daß die Regierungsober- häupter sich zur festgesetzten Zeit versammeln, wie auch das Ergebnis der Arbeit der Sachvevstän- digen ausfalle. Dagegen soll der britische Außen» Minister seinen Widerspruch gegen die Entsendung von Verstärkungen nach Ober» sch'.esien in aller Form aufrecht erhalten haben, indem er neben anderem bemerkte, daß diese Maß­nahme das mit vieler Mühe im Abstimmungs­gebiet hergestellte Gleichgewicht stören werde

London, 26. Juli. (WB.) In einem Leit­artikel hebt die »W e st m i n st e r G a z e t t e" die Gründe hervor, die eine schleunige Lösung des oberschlesischen Problems erfordern. Die Vor­wände für den Aufschub, sagt das Blatt, seien offenbar unaufrichtig. Wenn sie noch länger auf­rechterhalten würden, würden sie den moralischen Kredit verhängnisvoll erschüttern, auf den die Alliierten sich letzten Endes bei'Regelung der An­gelegenheit stützen müßten. Die Franzosen müßten begreifen, daß es wirtlich nicht Englands Schuld sei, wenn die interalliierte Diplomatie, so wie eS während der letzten Wochen der Fall gewesen, den Deutschen Gelegenheit gebe, du* ßerst unangenehme Fragenzu stellen Das Blatt weist auf die in R u ß l a n d drohende Katastrophe hin und sagt, die Rachrichten von der russischen Hungersnot sollten eine Warnung für alle Regierungen fein, mit den ötänlereien aufzuhören und den fmcht- baren Tatsachen ins Auge zu sehen. Dreißig Millionen Menschen sollen von der Hun­gersnot bedroht und große Scharen unterwegs sein, um sich Rahrung zu verschaffen. Wenn daS so weitergehe, werde es keinen Frieden für die Randstaaten geben. Es würde ein geringer Trost für sie sein, daß die Sowjettegierung in der Ka­tastrophe zu Grunde gehe, da weite Gebiete der Anarchie anheimsallen wurden. Di fes ungeheure Elend zu vermindern sei sowohl eine politische Rotwendigkeit, als auch eine Pflicht der Mensch­lichkeit. Es werde sicher ein gemeinsames Zu­sammenwirken erfordern, wob i Engläi d r, Fran­zosen, Deutsche und Polen ihre Differenzen schon im eigenen Interesse beiseite stellen mühten.

Aus dem englischen Unterhaus.

London, 26. Juli. (WTB.) Im Unter« Hause wurden auf eine Reihe von Anfragen durch die Regierung folgende Antworten erteilt: Etwa 85 Proz. von der ausgelieferten deut­schen Tonnage sei England zugewiesen. 1 350 000 Tonnen feien den britischen und alliierten und etwa 75 000 den ehemals feindlichen Firmen überwiesen worden. Die Anfrage, ob der britische Botschafter in Berlin angewiesen sei, Schritte zu unternehmen, um ein En tweichen der Kriegsve rbrecher zu verhindern, wirb von Harmsworth verneint mit dem Bedeuten, die Regierung sei nicht der Meinung, daß dies erforderlich sei.

HeberfieMung des früheren Kaisers Kart nach Spanien.

M a d r i d, 26. Juli. (WTB.) Havas. Die Zeitungen veröffentlichen ein Telegramm, wo­nach der frühere K a i f e r K a r l sich demnächst in S p a n i e n niederlassen wird, nachdem ihm die schweizerische Bundesregierung mitgeteilt habe, er müsse das Schweizer Gebiet spätestens bis zum 31. August verlassen.

Kommunistenterror in Wien.

Wien, 26. Juli. (WTB.) Die von Ange- jörigen der ehemaligen österreichischen ÄriegS- lotte geplante Lissaseier wurde von kom­munistischen ElemeMen gestört, die in ihr eine monrachistische Kundgebung erblichen. Der am Lissadenkmal niedergelegte Kranz wurde von den Kommunisten zerrissen.

Die Lage in Marokko.

Madrid, 25. Juli. (Havas.) Mehrere Ab­teilungen Infanterie, Artillerie und Kavallerie, sowie Flugzeugmaterial ind nach Mellila abgegangen. Man ist hn Ungewissen über das Schicksal der Kolonnen und Posten in der ilmgegenö von Mellila und be­reitet sich auf alle Eventualitäten vor.

Brand des Dampfers Mauritania.

P a r i S, 26. Juli. (WTB.) An Bord deS Cunard-Dampfers Mauritania brach gestern in Southampton Feuer aus, das erst nach sechsstündiger Arbeit gelöscht werden konnte. Die Höhe des angerichteten Schadens teht noch nicht fest.