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Das Geheimnis des Alten.

Roman von Sven Elvestad (Rackbruck verboten.)

1. Kapitel.

Ich hatte ihn seit mehreren Jahren nicht mehr Hi Geftcht bekommen, als er eines Tages ganz unerwartet in mein Hotelzimmer trat.

Ich wohnte damals seit einiger Zeit in einer Deinen norwegische^ Kordstadt. Ich kannte mc- manden in dreier Stadr, verkehrte mit niemandem und hielt mich die meine Zeit über im öotef, in meinem Zimmer, aus; eru um _bie Tämerung pflegte ich einen halbstündigen Spaziergang zu machen, um sodarm wieder zu meiner Arbeit zu- rückzukehren.

So verging ein Dag um den anderen und td? mag nicht bestreiten, da6 hnr diese Art von 2o benssührmrg allmählich selber eintönig und lana- meilig vorkam; ich fühlte das Bedürfnis nach Ab- wechslung, raxd) einer anderen Umgebung. ia. ici es womöglich auch nur nach einem anderen Hotel. Ueberdies aber wirkte der Umstand, daß ich mich langweilte, auch aus meine Arbeit ein. dre der wertem nicht mehr so glatt, wie vordem, von statten ging.

So saß ich denn eines Tages da und dachte ollen Ernstes darüber nach, ob ich meine Stof Ter packen und adreisen sollte; ich brauchte ja, wenn ich sonst nicht wollte, nicht einmal sonderlich.weit xu reisen, sondern konnte ein'ack die nackte südlicher gelegene Küstenstadt ackfsucken. wo ich noch von früher her ein gutes, altes x>otcl mit einem außer- ordenttich tüchtigen Wirt kannte, ein Ho'el mrt großen warmen Zimmern, einem vorzüglichen

Abendtisch und höflicher, aufmcrk'amer Bedienung Ich fast am Schreibisch und ärgerte mich mit der knirschatden Feder herum, ohne zu einem Entschluß kommen zu können, es war noch nicht einmal Zeit zu meinem abendlichen Spaziergang, denn die Sonne war noch nicht untergegangen und ich konnte durch das Fenster sehen, wie sie mit einer schweren, schwarzen Wolke kämpfte., die wie ein strahlenumwobener Gold wagen lang am über die weite Fläche des Simmels dahinglitt ....

Es mußte mit der Feder wohl doch nicht etwas in Ordnung fein; ich nahm deshalb eme neue, aber auch diese sagte mir nicht zu. und schließlich er­hob ich mich unwillig, und begann im Zimmer aus und ab zu wandern, machte mir mechanisch am Kamin zu schäften, der längst erloschen war und sah von Zeit zu Zeit durch das Fenster hinaus, nne weit Die schwarze Wolle auf ihrer Fahrt bere.ts vorgerückt war. Sie sank nun mehr und wehr zum westlichen Horizont hinab und schien den Tag mit sich zu ziehen. Ich strich prüfend mit den Fingern über die Fenstersckxixn, die bereits eis­kalt geworden waren, berat wir schrieben erst irra* März. Trausten lagen iwch überall Schneewehen. Die Pfützen und Tümpel waren jeben Morgen fest iugttroreren und an den Bäumen war.noch nicht die geringste Spur des nahenden Frühlings tu sehen.

Ich liest die Rollgardinen herab, drehte das elektrische Licht an und setzte meine Wanderung durch das Zimmer fort, ohne daß ich zu. sagen ver­mocht hätte, an was ich die ganze Zeit über dachte Jedenfalls aber rotes ich alle Merkmale einer schlechten 2aune auf, darunter eines de' fu-y> sachlichsten: ich begann angestrengt aus «ule mög­lichen gleichgültigen Geräusche zu horchen^ die von

klr. 22 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhefsen) Donnerstag, 27. Januar 1921

Verrtscher Neicbstag.

Berlin, 26. Ian.

flei sehr schwach besetztem Sause wird die Beratung des Zufti^wtS fortgesetzt.

Abg. Gvm M Dohna D. Vpt): Wir leben unter den Folgen des unerhörten Rochrsbri'ches der Wtatfaidjte. Im Innern drohen unS Umfturz- gelüste. die bte Folge feder Revolution find. Auch nnr würben eS begnifKn, wenn in Bayern der Ausnahmezustand befitiat werben könnte Aber eS handelt sich um einen Rech^notslond. ter außer- ordentliche Maßnahmen yur/ Schutze der Staats­autorität erfordert. Wir hofren, daß es in nicht all»! ferner Zeit zum Abschluß "bed großen Re­form roerkes im Strafgesetz und in der Strvn- vro eßordnung kommt Tte UeberntngSrorLaqv darf ckt der großen Reform vorgreifen. Ter Ent- ioim über die Jugendgerickste mnß aber bcfd»>:i<- uigt ücra'idribct werd.n Wir len die Ju­gend retten, wenn wir überhaupt fr einer Wieder­ausbau des Vaterlandes kommen wollen. ^Bei­fall.) Ter StrasvollMg ist 'einer Bedeutung ent- iprochend zu regeln. De Bildung von Fachgrup­pen der Studenten kann b?r Fortbildung mir förderlich sein. Die Verein atiung des Prüftmgs- wesens und die uud-dingte Freizügigkeit im Reiche sind durcknus berechtigte 'Foiderunqen der Stu­denten. Tie Beschränkung des Studiums ans 2*'j Jahre must allen Kriegsteilnehmern zugute kom­men. Wenn bad Ansehen der Regierung immer mehr schwindet, so sind dafür verantwortlich die Reden und (Sdrrftrn der sozialdemokratischen Par­teien. (Sehr richtig, rechts.) Die schmerige Aus­gabe der Verfolgung der Knegsvarbreckier fnvb vom Reichsgericht in vorbildlicher Weile gelöst. Wenn aber die Feinde trotzdem die Unparteiigkeit unseres höchsten Gerichtes cmzweileln sollten, bann können sie sich leider auf die Rcken berufen, die auf der linken Seite gehalten »weben find. (Leb- Hoile Zustimmung rechts.) Wie die Sozialdemo­kraten das Urteil gegen die Marburger -Studenten angreifm können, ist unverständlich. Unsere Rickster haben zum Glück ein starkes Gefühl

für die Stacitsautorität unb den Schutz der öffent­lichen Ordnung An die Stelle dieses intellef- tuellen und sittlich so hochstehenden RrchterstandeS hvollen die Sozialdemokraten eine Ärt gewähltes Parlament setzun. Das machen wir nicht mit. (Sehr richtig.'i Gegen die Liste ter von den Sozial­demokraten ausgeführten angeblichen Fehlurteile könnten wir ktdjt eine Gegenliste mach n Wir tnattm das ober nicht, und lehnen es überhaupt ab, den von Ihnen konstruierten künstlichen Gegen­satz zwischen Bürgertum und 9Lbit:r(fxft anzu- erfemicn. -Lautes Gelächter bei den Sozialdemv- froten. ' Zwischenruf des s2£bgrorbnetcn Dr. Moses stlSD): Spielen Sie dock nickst diese üvmödie ) Wir bestreiten, daß die Arbeiter vor Gericht schlecki ter behandelt werden als andere Wir lehnen das Bolkönchltertuin ab Die Zulassung von Frauen gunr tKüfirramt kann man nid# unter Berufung auf die Reichsverfassung sördern. Wir wollet, die Eignung der Frauen zum Richteramt sachlich be­raten, können aber den Antrag der Frauen aller Parteien nicht ohne weiteres annehmen. Ich schließe mit der Mahnung: Hüten Sie sich, auch, noch, unsere Justiz noch unter das Joch der Partei- Dolitif zu zwingen. Solange wir nritzureden haben, werden nnr das nicht buchen. (Beifall rechts.)

Abg. Frau Tr. Lüders (Dem^: Die Be- schwerden der äußersten Linken über Fehlurteile sind nicht vollständig. Ich kenne auf dieser Seite des Hauses einen Kollegen, der sich selber Darüber ge­wundert hat, daß er frei gesprochen wurde, während er darauf gerechnet hatte, mitckestens ein Jahr iu brummen. -Heiterkeit.) Wir erkennen an, daß Fehl­urteile Vorkommen können, erheben aber deswegen nicht, wie die kommunistischen Interpellanten, den Dorwurs der bauernden Rechtsbeugung. Wir Frauen halten die Verfassung nicht für eine Samm> hmg schöner Tendenzen, sondern sind so naiv, sie wortwörtlich zu nehmen. Darum müßten wir ver­langen,, daß die Frauen ganz gleichberechtigt mit den Männern als SckHften und Geschworene zu- gelaßen werden. Wir teilen auch das Verlagen des Abg Radbruch. daß bei der Auswahl der Schöf­fen und Geschworenen alle Bevölkerungsklassen be­rücksichtigt werden. Tie btebnerin begründet hierauf den von den weiblichen Abgeordneten aller Par­teien gestellten Antrag, durch einen scksteunigen Ge­setzentwurf die Frauen unbeschränkt als Richter, Staats- und Rechtsanwälte zuzulassen. Unter hei­terer Zustimmung des Hauses verweist die Rednerin oarmr, daß 1-hon Shake p ave b e bei ordere Eig­nung der Frau zum Richterberuf durch b:e Fiyur der Porzin in seinemKaufmann von Venedigs jeroorge hoben htt. Wir braurfjen eine zeitgemäße Reform des Familienvechtes. Tas SchTidungsver- fahren ist eine unerträgliche Prozedur geworden. Geradezu unsittlich: Prozesse müssen geführt wer­den. Tie Heiligkeit der Ehe wird untergraben, wenn wir nicht die Ebesch?idung erweitern. Widerspruch

im Zentrum. Auch die "Rechte der Hausfrau be­dürf« eines stärkeren Schutzes Dem Manne gegen­über ist die Frau rechtlos. Verbrechen gegen un­bescholtene Mädchen müssen urrngte bestraft wer­den. Tas 3dn6altrr der Mädchen muß auf min­destens 16 Jahre hinauf gesetzt werden, gerade weil so viele Mädchen mit 14 Fahren hinaus müllen Tie Reglementierung der Prvßftution entsprich nicht den Wünschen der Frau. Von unserer Justiz darf niemals vergessen toeriwn, daß cS zweierlei .Geschlechter gibt.

ReickSjustftminister Heinz e erklärt sich feder zeit bereit, über die Kriegsverbrecher Auskunft zu geben. Zu dem Frauenantrag bemerkt er, dop die geplanten Aenderungen bmfidjtiith der un 'belichen Kinder dem Hause demnächst zugehen würden. Familien- und Frauengütervech werden seinerzeit bei der Revision des bürgedüben Gesetz - buche» mit erlebigt werben. Was die Zuziehung der Frau zum juristischen Berui anbekcm-u. so smd sie schon heute zur ersten Prüfung zugelallen Tie gesetzliche Gleichstellung von Mann und Frau roerben die weiteren Wege weisen. Die übriger, angeschnittenen Fragen werden bann bei dem Ju gendgesetz herangezogen werben.

9lbg. Sauerbrev (US.) hält an ber Aus- fasfung seft, daß die Arbeiter anders behandelt mürben als z. B Fürst Eulenburg Schon bannt fei ber Beweis erbrach, daß wir einen Klasfenstaet lzaben. Ter Rebncr Nagt über schlechte Verpflegung und Behanblung der Unterfiichungsgefanaenen uns forbert, baß die Gesängnisarbeiter nicht den freien Arbeitern »Konkurrenz machen bürfeit So nötig die Strafrcform fei, fo wenig fei er von einer Besserung überzeugt. Tie Justiz habe stets den Kapitalismus gesckfützt. wie aus der Stellung­nahme des Reichsgerichts zum Streik heroorgehe. Daß die Kriegsverbrecher heute noch frei herum» laufen, wird draußen nicht verstanden. Ge­gen die rote Armee ist sofort cingcfäri: ten worden, warum nicht gegen die hoch verräterischen Geiterale? Verlangen müssen wir eme Erklärung des Ministers, daß die 'Dicke mit der Königspariei tatsächlich eine Fälschung ist. Das Geständnis Runges stammt bereits vom 6. Dezember 1920. Es ist von ihm an und den Präsidenten des Militärgerichts eutgefanbt worden. Ich frage den Minister, ob er gegen den fetzigen Oberpräsidenten Kioske nnb den früheren Präsidenten des Reick.sinftitärgcrichts Anklage tre gen UnftridTagung wichtiger Aktenstücke erheben ivill. Eine von sieben ReichSwehrfvldatat überfal­lene Frau in Rheinland-Westfalen soll «rusg-wiesen werden, weil der Prozeß der Regierung nnbequent ist. Zahllos sind dic iDtorbe an Arbeitern durch Reichstvehrsoldaten. StcvC einzige Anllage hat der Staatsanwalt erhoben Das Proletariat wird diese Taten sühnen. (Erneuter Lärm. Zuruf: Hetzer.) Bei der ganzen Reform ist die Hauptfach-, daß die elfen ungesühnten Verbrechen gcgit die Arbeiter­schaft endlich ihre Erledigung ftndm. damit das Vertrauen zur Justiz wieder hergesiellt wird. Erst die restlose Beseitigung der kapifalrstischeii Gesell­schaftsordnung wirb der Gerechtigkeit zum Sieg* verl-elfen. lBeifall bei den Kommunisten

ReichSiüsttzmftiister Tr. Hetnzc: Die vom Vorredner angeführten Fälle werden b:m zustän­digen preußischen Iustizmrni^n: zur Erledigung überwiesen werden. Was sollen wir gegen Ge­neral Ludendorft unternehmen, nackdem festgestellt ist, baß auf dem von ber kommunistischen Presse veröffentlichten Dokument die Untend- irten von Ludendorfs, Reventlow und Escherich gZällcht sind? Lebhafte Sört-Hört Rufe bet bet Me.'nheit Lärm bei den Kommunisten.^ Mas haben Sie überhaupt für ein Interesse daran, einen verdienten General zu versolgen? (Beifall rechts. Lärm links ) und ein Verfahren gegen ihn zu fordern, wenn die Untenuchung des Reichsgerichts fcstge'lellf hat. daß ein Verdacht deS Hochverrats gar nicht vorliegt? Großer Lärm auf der äußersten Linken. Beifall rechts.^ Gegen Z?apv und die übrigen Beteiftglcn des Hochverrats sind Steckb i 'fe raid Ha t e e'ste erlassen und die n möge - isbeschlagi' c verfügt worden. Tie deutsche Justiz steht so hoch, daß sie sich auch durch die hier vorgebrachten Belei­digungen nicht hindern teilen wird. Gerechtig'e t zu üben, auch gegen Sie. (Beifall rechts. Unruhe bei den Unabhängigen.) Ich warne Sie dringend, mit der Gewalt fr spielen. (Lärm aur'ber äußersten Linken.) Ter Gewalt wird die Reichs u^izrenval- hmg mit der äusterstm Energie und mit Eriolg entgegen treten. (Stürmischer Bia l rechts, Lärm auf ber äußersten Linken. Erneuter, langanha!- tenber Beifall rechts.)

Abg. Dr. Levi (Komm.): Dem Minister gegenüber wiederhole ich: Es gibt in Deutschland Rickter, die bewußt das Recht beugen zur Er­reichung politischer Ziele. 'Unruhe rech's Beifall auf bet äußersten Lmben.) Ist bas Geständnis stftinges 9toske vor oder jiac£ Bestätigung deS strieg-?genckftsurteils zugegangen? Ist es wahr, daß dec Hoch'Verräter Hauptmann Pfeffer gegen 20 000 Mark Kaution auf freien Fuß gesetzt wor

den ist? Die Zahl der Amnestieren von rechts teuet BeogteUhMmrßttod An einer großen Reibe von Einselfällen sucht der Redner des wenenen tne Parreiischklät der Justiz nachtzuweisen. Erpresfung von llKsiänbaillen, m- betraft liehe Festhaltung ohne Verbot sind an ber Tagesordnung, wenn es sich u» «cvmmunvfen han­delt. Tte gelinge Schilderung des Minisbers über btt Schnnm-ckeuru emrr Äbuneüung ber Ärttg*- vcrbrvcher trifft nicht zu, denn es gibt doch auch Fälle, wo die Angell arten foeufagen geständig sind. Wenn eS sich um Offiziere handelt, beugt txr Justiz ohne Bedenken das Recht «der die Arbeiter kommen zuerst heran. Gegen Lubcnborss liegt so viel Material vor. daß es bet letzten Veröffent­lichung zu seiner Uebrrfübruna nicht bedarf

Adg Bock (US.): Ter Marburger Fall bett dem Faß den Boden auSgtsckrtegen. In gani Thüringen gibt es keinen Menschen, der den Freispruch be­greift. Von 15 Arbeitern haben meliridu zwei ein kleines Vergehen begangen. Tie anbent waren völlig nnschuloig. ES liegt ein glatter Mord vor. Abg. stahl ruft dazwischen: Alles ist längst wider­legt? Eine wahre Lügenmauer ist von ben Mili­taristen aufgerichtet worden. (Hört, hört! bei den Unabhängigen^ Wir verlangen eine Reform ber 5rfirnirgertebte. Ein Marburger Pvoftllor hat die Niedcrttachtigkeit besessen, die Shtbcnten wegen ihrer Mordtat noch zu rühmen. Vizepräsident Bell rügt diesen Angrift auf einen Professor > Tiefer Mann trat ftlr die Mordbestien ein. (Stürmische Entrüstiingskundgebungen auf der Rechten. > Die Professoren sind ja gekennnichnet diirch den be- kanriten AuSfvruch deS früheren Königs von Han­nover : Profefforen unb Huren find immer für Gelb zu haben. (Minutenlang anhaltende stürmische Enl- rüstungskniidgebungen der Rechten. Laute wieder­holte Rufe: Pfui Teufel. Vizepräsident Bell rügt den Redner, ersucht aber das Haus, die lärmenden Zwisckxmrufe cinzustellen.)

Reichs;üs!izmruiüer Hctnze lehnt es ab, mit Einzelheiten ewjugeten. Tu Justiz werde tm Smnc striktester Gerechtigkeit nach alten Seiten hin arbeiten. Allen Anzeigen in Sachen der stgiegS- verbrecher geht das Reichsgericht in seinem stren­gen Pflichtgefühl nach An die preußische Justiz leien 191b allein 1 432 000 Altungen ergangen, allo etwa zwei T-rittei der Massen aus dem Reich Als ber Minister den Fckll bet Ermordung s>s Leutnants Sckfröder schildert, kommt eS zu ftiir- mifd'ai Szenen.

?lbg. Rosenfeld (U'SP.) -ieht aus dieser Tarlcgimg des Ministers den Schluß, drtz keine Hofwung aus "Besserung der Justiz besteig. (Er­neute stürmische Protestrufe bei der Rechten. Tie Teuychinationalen verlassen den Saal.) Die Justiz sei ein Produkt des Kapitalismus imb werde nie etwas für den Arbeiter übrig haben (Lärm. Vize­präsident bittet um Ruhe. Tv nächsten Ausfüh­rungen des Redners werden zunächst überschrieen und bleiben im Zusttinrnenhang zunächst unver­ständlich. Alles schreit durcheina'.der. Präsident Höbe greift ein unb appelliert im Interesse des Ansehens des Hauses an beide Seiten des Haches, sich zu mäßigen. Abg. Rosenfeld (torttab- tenb): Von einer objcTtioen Rechtsprechung könne ferne Rebe fien. Es könne nur von enter subiek- tioen Rechtsprechung gesprochen werden.

Inzroischen geht ein Antrag aus Schluß ber Debatte ein. Tie Rochbe, Zentrum und Demo­kraten stimmen dem Antrag zu, ber tarn unter lauten Pfuirufen der Linken angenommen wird. Auf Antrag des Abg. Hoffmann erhält 2lbg. K o e- nen (Komm.) das Schlußwort. Redner greift den Minister auf das Heftigste an, weil er Mordtaten offiziell gedeckt habe und damit den Beweis für seine Einseitigkeit erbradtie Die bürgerlichen Par­teien verfassen ftuckstarlig den Saal.) Zwisckien bem 9£bg. Höriing 'So* ' unb den Unabhängigen nnb Kommunisten entsteht ein lebhafter WoNwcck.si-l. Abg. Hoffmann ruft: Hörsin^ ist besoffen. Präsi­dent Lobe ruft den Abg Hofsurann zur Oidnun?. Abg. Hoffmwin ruft: Rufen Sie lieber Hörsing zur Ordnung, lassen Sie den Besoffenen hinaus bringen. Abg. Q'oenen fährt fort: Herr .Heinze hat sich heute als Chef der Klassensusti; gezeigt. Tenrygenüber zeigt sich und deullich die Frage der Weltrevolution 23cgen des WortesChes der Klassenjusriz" erhält Abg Koenen einen Drb- itungdruf. In ber Abstimmung wird ber Etat an­genommen, desgleichen der Antrag Radbruch mit den Stimmen der Linken gegen die noch nicht voll­zählig versammelten~ge lvhen Porte en, rtrnfo der Frauenantrag Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr. Schluß gegen 8 Uhr.

Au» Sta&t und Cant.

Gießen, de» 27. Jan. 1921,

«raftwagenltnie

Mücke-Ulrichsiein.Lchotten.Gederu.

Die Reichspostverwaltung betreibt seft August vorigen Jcchres die Kvaftwagcnlinien von Mücke über Ulrrchjtein, Schotten nach Gadern auf eigene

draußen zu mir heremboangtn, aus die Stimmen im anderen Teile des .HauscS, aus bas Scharren emes Stuhles im Stockwerk über mir, ober bas Schlürfen von Schritten, bec sich irgendwo fern m den Gängen verloren ....

Endlich aber nahm ich mich doch zusammen, setzte mich an den Schreibtisch und griff aufs neue zur Feder. Fast gleictzeitig aber ertönten draußen im Gang abermals Schritte, bte nur bieientgen eines Fremden sein konnten, denn ich hatte es mit ber Zeit gelernt, die Schritte aller Haus­bewohner voneinander zu unterscheiden. So ging zum Beispiel Almo, bas Zimmermädchen, und so ging Theodora, bte Köchin. Unb so ganz lang­sam und schwer ging der Wirt selbst. Tte Schritte aber, die ich fetzt tm Gang draußen hörte, konnten nur die eines Fremden fein Ixnn sie waren ;ögerrib und unsichrn, als wüßten sie selbst nicht recht, wo sie hm wollten, ja bisweilen ver­stummten sie ganz, als müsse ber Fremde erst nach den Türnmnmern sehen.

Und plötzlich hatte ich das bestimmte (9efüf)L daß diese Schritte ba draußen im Gang out mich zu wanderten. Ich legte bt e Treber hin und iah gespannt nach ber Tür. Unb in ber Tat: draußen vor meiner Tür machen die Schritte halt, es klopft, ich rufe herein! Und ein unbekannter Mann tritt zögernd über die Schwelle.

Tos heißt, ein Unbekannter war es ja eigent­lich nicht, sondern es nxtr vielmehr einer meiner alten Freunde, den ich nun bereits feit zwei Jahren nickt mehr gesehen :a test völlig aus bem Gk- dächttiis verloren hatte, so daß es sogar ein Deft- jzn dauerte, bis ich ihn überhaupt wiedererkaratte Er war ber erste, ber einige schritte auf mich

Rechenrng und Gesobr. fordert jedoch al» conditio tine aua non" dieErrich-tungeiner Ära ft* ' r\ der 3n- terrifernen Tm Wascnvalle muh 3 Kraftwagen, aufnehmen, mu Werknatte unb Benzol raum ver­sehen unb icurrutx': g/baui »ein. Iwn Dunkel he»! beleuchtet unb in. Winter geheizt werden tonnen Tie Kosten belaufen litt auf 21f> OCk^ Mari. Für Verzinsung. AmvNiicuwn. Herzuna unb Btteuch tun« sind etn» ü Prvz-nc. b. d 17 200 Mari jährlich aufoubringen Die an ber Linie intvr ri-vnen Gemeinden, Mteifc unb bic Provinz £ betreff en hoben sich nach langen 'l<rrbonblunacii betril erfl4rt, lähnick. zusammen 9400 Mk. zum Bau ber Wagenhalle beizmLuem Ter Rest von 7800 Mark soll alS staatliche 2^ e t Cm l f c von ber hessischen Regierung i ibrlid) mix- Verfügung gestellt werden Da hie Jbtchnx; .niltn-.e enicm außcrvidentttzch dringenden ^Th-biv.öüifriu' Rech mmg trägt, wird beabfuttigt, den 'iktrag von 7800 Mark lährlich und nnxn erstmalig im Staats- voranschlag für 1921 berät urteilen. ? Hei'i (tx Ministerium der Fmmizen büiet auf i üuno tvf AnikelS 56 ber Verfassung die Ennachriaung r.\ ertrilen, das; dieser Zuschuß von 7800 Maik bereit* jetzt zt.gesagt wird

' Woldema r Hon sei S. Wiederum bringt die L't Geselfschasl om Freitag dl*nh rine literarische Veranstaltung, die für ('nefrn beim bete Acdeutiing haben hnri>, in ber ein Dichter lesen wird, tkT zu beit meistgelesensten yttge nössischen Autoren ghört: Waldemar B o n f e lS aus Amback am -Starnberger Sa*. Don feiner großen Leser gemeinde, die M pbantnsievvlle Dich ter muf) in unserer Stabt hot, nnrb es sicher sehr lebhaft b-grüßt, ben dbltor persönlich tarnen zu Icrnat. (Siche Anzeige.)

Der Ng.t urheilverein marftt seine Mitglieber unb alle, ivelche sich für Fragen brr Gesundheil interessieren, aufmerksam auf die bpn ber Volt Shock.schule angeregt? Bo.lcfung über All­gemeine L< benSe rschein unoen vou Herrn Prof. Burker. Direktor beS Ptmsiolodi^- fchen InftftutS Tu: Vorlrinn^f umfaßt nur mer Sttmbrii (AbendeV Die näckitr Stunde tft am Freitag b<*n 28. Januar, abends um 7 Uhr, im Phnsiologifchien Institut, Senckenl*vierstraße 15 Die ganze Vorlesung kosdcl nur 1 Mark unb bir Auswriskartengebühr Mirmdbungcn imb Zahlun - gen können vor ber Stunde im Institut ersvlgm.

Landkreis Gießen.

o. Hungen, 25. Jan. In der Gemeinde- r^atSfitzung von, 24. Januar wurde für das Setzen des HotzeS tm GeineindewaL rine v.'bn* Prozentigc Lohnerhöhung beantragt, aleidaettui liegt eine Eingabe des Bauori>eiterverbatldeS vor, ironttd' eine Erdölmng des HauerlohneS auf LOO Pwzent des Vor.obres »ertengt wirb. Die Dher- it'rflcrn (in Lick- hat gegen ritten Beschluß auf v, rböhung deS Lohnes m ber Holtzhauerri Lick beim rtrritamt Beschwerde ringe egt. Ter Gemevideral bricklließt. mit der Regelung der genannten Lohn- Mehrforderungen zu warten, bis der Entscheid deS SVrriSam« vor liegt. Ter Sportverein Htt um Holz zur Einfriedigung feines Sportplatzes nachgesuckt ES ergibt fick, daß ber betreffende Platz durch Einebnung eines Grabens beryridy- tet werden soll, was nicht zuläfste erfchrint, M der Graben Kultnrzwecken bient: die Angelegen­heit wird vorläufig zurückgestellt Zur Er­richtung eines Kriegerdenkmals ist der öemetnbe- rat ber Ansicht, daß man aus ber Stübtoertretwia, ben Vereinen ufro. einzelne Herren cckS Tcnf- malskommissftm berufen möge, die sich mft der An­gelegenheit befassen; auS tem Gemei ckerat wer­den 3 Mitglieder für diele vorbereitenden Be­ratungen bestimmt. TaS Gesuch um Urberiaf- iung des Singsaales im Sckulhause für Zufanimen- künfte einer Fvauenveremigung wird abgelehnt; man ist im Gemeindentt der Ansicht, baß bie Schute nicht für alle Berente bergeieben werden soll Ter Gemeinberat stellt ben Saal im Ähb- hause ober den im Reben geb Lude yir Verfügung In der Organiilenf age war man für bai Uebergangsjahr einer Einigung nahe: von beit Organisten wird aber verlangt, daß bic erhöt.te Bewilligung ber Gebühren auch für daS laufende Jahr rückwirkend fein solle ES ist vereinbart, für 1919/23 1000 Mk.: für 1921 22 werden 1350 Mark bewilligt, jede nrit?rt Forderung lehnt ber ©ememberat ab. Tte Vergebung von Fuhrwerk wird genehmigt Zur .vmMümg von Gräben soll eme Kommission Augensckrrin r.dmten Tte Dolzsubmissionen weiden sestgestellt und Verfchie- ben eS vertagt.

Anis Schotteu.

ed. Eschenrod, 26. Ian. Unser Dors, ba-3 in der NachkriogSzeft durch üirchneubau unb elek­trische Lichtanlage große Ausgaben hatte, die trotz großer ffimtdbme aus Holzoerkäufen zum Teil noch ungedeckt sind, ist bestrebt, alte Schulden nach Möglichkeit schnell loSzuwerden ©3 wurden txerer Tage die noch vorhandenen 32 000 Mk. Wasser-

Mtrat rack mir in seiner alten, herzlichen Wei e die Hand entgegenstreckte.

Ich machte kein Hehl aus meiner Freude über diese- völlig unerroartete Wiegenehen. urb auch er schien ehrlich erfreut zu fein, obwohl o.ete Freude eigentlich nicht aut feinem Gefickt jiim Ausdruck kam, bas fernen verschloßenen, ja beutibe harten Ausdruck beibehielL Ich mußte unwillkür­lich staunen: als ich Fridtiof Bürge vor zwei Jahren zum letztenmal gesehen hatte, war er ein 26jübriger, bartloser junger Mann gerne:cn, der das Leben durch rosenrote Brillen gl ä'er sah, der Mann aber, der jetzt vor mir stand, am inzwischen so gealtert, daß er den Eindruck eines Bierz-.gers mackte Er schien meine Gedanken zu erraten, berat er tegte, während ich ihn immer noch be» tracktete, ganz unvermittelt:

Tu fftidest wohl, daß ich infrnschen sehr g» altert bin, roteT'' Und er lächelte wehmütig, wäh­rend er in der Soteetfie Ptetz nahm.

,^fr, eS ist schließlich kern Wunder, berat ich habe die Zeit über viel Sorgen gehabt ..."

Ich bemerkte jetzt erst den Rmg, ben er am Finger trug

Du bist verlobt?" fragte ich.

Jo," antwortete er rasch ,Jch bat mit dem schönsten Mädchen der Umgegend, mit der Tochter unseres AmtsmarmeS verlobt."

Mehr schien er über diese An^elegeTcheit nickt sagen zu wollen, ja, ich hatte betnabe das Gefühl, als fei meine Frage ihm etwas pemlich gero-len.

(Forffetzung folgt.)