Einzelbild herunterladen

Kr. 25| Zweiter Blatt Sietzener Anzeiger (Genial-Anzeiger für Gberhesscn) Mittwoch. 26. Sltoder (921

Der Schuh im Vlut.

Roman von Horst Bodemer.

21 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Als das Menuett zu Ende getanzt war, brachte man den Wärhahns in reichlich über- ichwenglichen Morten die Verwunderung ob solcher Leistung zum Ausdruck. ^Breitbeinig stand der Alte da und lachte.

»Ja. ja, die Kinderchen machen sich," sagte er höchst zufrieden ein über das andere Mal.

Der Henner empfand ach groste Genug­tuung, Maria nahm die Wo^üe wie eine Huld- volle Königin hin und dachte, heute eigentlich zum ersten Male feit langem, wieder an Adalbert Züschen. Einen verstohlenen Blick warf sie in den Spiegel. "Menn der heute hier gewesen Ware, hätte er sich doch die Finger geleckt!

-Die Gäste bestellten ihre Wagen, und als der letzte durchs Hoftor gerattert war, zog Chri­stoph Wärhahn Rlaria an seine Brust, klopfte sie auf den Rucken und sagte:

»Die grösste Freude hast du mir heute ge­macht! Ich danke dir! Lind nun will ich mich eine Stunde aufs Ohr legen nach den Anstren- gimgen. An solchem Lage spürte man doch, dast man älter wird!"

Sen Blick sah er nicht, den Maria mit ihrem Manne wechselte .

Erst gegen Abend wachte Christoph Wärhahn auf. Verdutzt sah er aus seine ülhr. So hatte er noch nie die Zeit verschlafen . Den ge­wohntem Gang durch die Ställe während des Futterschüttens machte er. Heule abend feierten ferne Leute im Gasthofe, da wollte er mit Maria

und Henner noch hin. Dann wanderte er, die Hände auf dem Rücken, durch den Garten, nach seinem sieben Hainbuchrngang . . . Köstlich war nach solch anstrengendem Lage die Kuhle hier und die Dämmerung. Langsam wandelte er auf und ab. Hier irrten die Augen und die Ge­danken nicht ab. Was er erreicht im Leben, so deutlich wie heute hatte es noch nie vor seiner Seele gestanden, verdankte er wesentlich mit diesem Hainbuchengang. Hab wenn andere darüber lachten, mochten sie. Er wusste es besser. Hatte er sich noch so geärgert, betrat er Öen schat­tigen Gang, war ihm die kühle Ruhe sstmell wiedergekommen. Da nidte er den knorrigen Stämmen zu. als wären sie alte Freunde . . ülnd als die goldenen Strahlend, schel der unter- gehenden Sonne schräg durch das Dlätterwert drangen, stieg er hinauf zu seinem Luginsland am Südende des Ganges. Drüben, zur Rechten, über die Waldecker B.rge, halte die Sonne vor ihrem Scheiden noch einmal ihren goldenen Man­tel gebreitet, die Fenster in Fritzlar standen wie in Glut. Wenige Minuten noch, und die Glut war aus den Fenstern verschwunden, keine halbe Stunde mehr, und der Gold'aum war von den Bergen genommen. Dann standen noch ein paar Federwölkchen am Himmel im Purpurschein und dann kam die Rächt. Mil sechzig Jahren stand auch sein Leben im Abendglühen. Heilte war ein solcher Sonnentag g.to sen. Roch k rze Zell, dann kam für ihn die Rächt, die letzte Purpur­glut am Himmel war nichts anderes als das freundliche Erinnern oder die Dankbarkeit der Mitmenschen. Auch das sank bald in die Rächt, in Vergessenheit. Reu es Leben ging im Osten auf und wirkte, solange es Lag war . . Schwer

Der Abg. Ruh beantragt, der Landtag wolle die Regierung ersuchen, unverzüglich in Verbin­dung mit der Reichsregierung und den Landes­regierungen in Bayern und Baden in geeigneter Wecse dafür Sorge zu tragen, dah die durch die Oppauer Katastrophe verursachten Sach'chären unter allen Umi'tänben von dein Fiskus bezahlt Derben.

2lvg. Zilch (Ztr.) beantragt, um gegen der­artige Schäden in Zukunft ohne weiteres ge- sicherl Hu fein, das Brandversicherungsgesey ent­sprechend abjuänbem.

2Ibg. Dr. Osann (D. Dpt.) als Bericht­erstatter beantragt, die Anträge für erledig! zu erkläre«, soweit ihnen bereits entsprochen, sie im übrigen der Regierung zu überweisen als Material.

Zum Antrag ül r st a d t und Gen., betr. das Siedlungswesen, ba tragt der Auvschifr, der Regierung das Mat r.al zu ubei'w.isen. im übrigen aber das S.e. lung w.sen nach Mögi.ch- leit zu fördern. Der Antrag wird a'.genommen.

Zum Antrag Reh und Gen., die V e r p a ch- tung des Selge n Hofes d t ., beantrag! der AuSfchutz. die R.gienrg welle v.r 2lb d) ug dcS Pachtvertrages ei e gröbere Fläche Ri sen und Ackerland abschneiden und an lanbbebüritige An­wohner abgeben.

Abg Hahn (D. D.) wendet sch dagegen, weil, wenn eine gröbere Fläche ehedem war nur die Rede von 20 Morgen abgetrennt wird, die Landwirtschaftskammer von der Pacht ab­stehen würde, weil der Hof dann unrentabel werde. Der Ausschubanttag wird angenom­men.

Die Vorstellung des Kreisvereins aller Land­bewerber im Kreis Schotten e. V. in Gonters­kirchen, Landzuteilungsverfahren betr., wird für erledigt erklärt.

Rach der Pause folgt zunächst die zweite Lesung der

Dolksschulnovelle.

Generaldebatte ist nicht erwünscht. Gs wird sogleich in die Epezialdebatte eingetreten.

Zum Artikel betr. die Mittelschulen führt Abg Dr. G a n n s (D. V.) aus: Wir hatten hierzu beantragt, die Mittelschulen so zu er­halten, wie es ursprüng'.ich die Regierungsvor­lage wollte. Für unseren Antrag stimmten nur 5 Abgeordnete. Wir verzichten darauf, unseren Antrag wieder einzubringen, stellen aber fest, da!) wir die sachlichen Gründe für die Beibehal­tung der Mittelschulen durchaus b i'?e!xtl'en und darum gegen den jetzt vorliegenden Kompromib- antiag stimmen. Redner legt die Gründe noch­mals dar und verweist auf die Darlegungen des Rektors Lösch, der als Schulmann und Demokrat für die Beibehaltung der Schule erntritt. Ich darf noch anerkennen, dab hier gerade eine Frau den Mut gehabt hat, gegen den Parteizwang auf­zutreten und für die Beibehaltung zu stimmen. lFrau Abg. Balser. D. Red.)

Abg. Reiber (Dem.) stellt fest, dah in dieser Frage kein Parteizwang geherrscht hat.

Der Artikel 3 wird dann angenommen und erhielt folgende endgültige Fassung:

Artikel 3 Absatz 2:Grobe Schnlkrper sind auf Deschluh des Schulvorstandes mit Genehmi­gung des Kreisschulamtes nach Begabung und Leistung der Schüler zu gliedern. Die Mebcr- weisung der Schüler in die Klassen mit erweiter­ten Lehrzielen, die im Rahmen der einheitlichen Volksschule weitergehende Bildungsbedürfnisse be­friedigen, ohne jedoch die Ziele der höheren Lehr­anstalten erreichen zu wollen, in die Förderklasien für Kinder, die In den Rormalklassen das Ziel der Schule nicht erreichen, und in die Hill-klassen für Schwachbefähigte geschieht durch den Klassen­lehrer unter Mitwirkung eines vom Cebrerrat ge­wählten Ausschusses, dem der Schulleiter ange­hört. Die üleberweisung in die Klassen mit er­weiterten Lehrzielen bedarf der Zustimmung bei Eltern. Bei der üleberweisung in die Hilfsklassen sind der Leiter der Hilfsklassen und der Schul arzt zu hören. Heber Beschwerden entscheidet der Schulvorstand. Gegen dessen Entscheidung ist weitere Beschwerde an das Kreisschulamt zu­lässig."

Für die Schüler der Klassen mit erweiterten Lehrzielen können weitere Schuljahre, so min­destens ein neuntes Schuljahr eingerichtet werden Die näheren Bestimmungen über die Einrichtung und den Lehrplan trifft unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse die oberste Schulbehörde."

Artikel 22a Abs. 5 erhält folgende Fassung: Die Kosten der Unterbringung fallen der Ge­meinde zur Last, in deren Bezirk die Eltern oder deren Stellvertreter ihren Wohnsitz haben, soweit sie nicht von den Eltern oder deren Stellvertretern oder aus den Erträgnissen des Vermögens des Kindes bestritten werden können oder von dem Staat getragen werden."

Kann ein Kind wegen dauernder Krankheit oder körperlicher oder geistiger Gebrechen nicht am

allgemeinen Unterricht teilnebmen. so hat die ochulbehördc eine be i c ichungSbedürsnissen deS Kindes entsprechende Eiziehung zu veranlassen."

Artikel 2o Abs. 1 erhall folgende Fassung:

.Der Slaa: ist verpflichtet, den Volks- und Zoi'bildungsschilern die Lernmittel kostenlos zur Beifügung zu stellen "

Zu Artikel 23 Mädchenfortbildungs- schule) wird der Antrag B i e r a u (D. Dp.) an­genommen. nach de-n für Mädchen, die bereits eine fortgeschrittene Bildung haben. Fortgeschrittenen» Kurse eingerichtet werden. * .

Abg. Köhler (D. Vp ) stellt fc't, dab dieser Artikel nicht mit dem Artitel 90 r.b r.insttmmt, und dah er auch dem Reiche'get.'n nicht ent­spricht. Redner w.. d.t sich b L d.rs gegen die Bestimmung. In* dir Genri.id n. wenn d.e El­tern sich ire g.r i. Lcrnm.tt.l beschaffen und de Gelder dafür bei den Eltern eint reiben sollen. Das muh za unerträglichen Zu ä den und zu einer llcb.rkiOung der Gemeinde, führen. Das Gegebene wäre die Ihbernabme der Gefam:kosten auf den Staat, der sich seinerseits wieder an das Reich zu halten hat.

Abg. Kaul (Eoz.) meint, das Vorliegende war die einzig möglich: Form, alle wid.rstrebei- den Meinungen in das eingesch.agrne Kompro- mib zusammenzufassen. 3m Grund: wird fein Vatei gezwungen ivecden können, Lernmittel zu bezahlen. Abg. D. Dr. Diehl (Hess. Vp.i stellt fest, dah der Antrag 26 I. ausgenommen werd.n mutz, weil wir sonst die Verfassung g'brachen hätten. Das; man die Kosten, da d:r S aal sie nicht tragen kann, den Gemein dm auf erlegt, ist eine Vergewaltigung der Gemeinden jib ftebl mit der Verfassung im Wibersp'uch. Der Ar­tikel 90 ist auch unsozial. Es bleibt nur übrig, bat) der Staat die Kosten für die wirklich armen Kinder übernimmt.

Abg. Schorn (Ztr.) erklärt, in Mainz habe es keine Schwierigkeiten gemacht, die Gelder von den Eltern eiazutrciben.

Abg. Köhler (D. Vpt.) stellt nochmals fest, bah die Gemeinden eine weitere Belastung nicht ertragen können. Der Staat muh so oder so die Mittel zur Verfügung stellen. 'Set Artikel 26 wird angenommen.

Gegen den Artikel 67 c Absatz 1 (Aushebung der Schulgüter usw.) erhebt Abg. D. Dl Diehl <Hess. Vpt.) nochmals schwere Bedenken, doch wird der Artikel angenommen.

Der Artikel 81 a wird nach dem Antrag K a u I in der Fassung der ersten Lesung des Ausschusses <Wiederherstellung der ersten Fassung) angenom­men. Er ist eine Einigung aus den Artikeln 26 und 90.

Das gleiche erfolgt mit Artikel 83, dessen Ziffern 7 und 8 gestrichen werden.

Abg. Reiber als Mitunterzeichner hält den Antrag aufrecht, der nur den Zweck haben soll, den Liebergang zu erleichtern. Abg. Din- geldeh hätte gewünscht, dah sich der Schill- ausschuh mit dem Antrag befahl Hätte. Wenn der Antrag Härten ausgleichen soll, muh man sich über formelle Bedenken Hinwegsehen. De» Antrag wird angenommen.

Artikel 90 Abs. 2 erhält folgende Fassung

BiS zum 1. April 1924 sind die Gemeinden mit weniger als 3000 Einwohnern von der Ver­pflichtung entbunden, Fortbildungsschulen für Mädchen zu errichten. Die bestehenden erweiterten Volksschulen nach Artikel 18 des Volksschulge- sches von 1874 sind jahrgangweise abzubauen. Statt des Artikels 26 gelten bis zum Erlah reichSgesehlicher Vorschriften, jedoch längsten- biS zum Beginn des Schuljahre- 1926, folgende Be­stimmungen: ,,Soweit die Gemeindevertretungen nicht allgemeine Lernmittelfreiheit für Volks­und Fortbildungsschiller einführen, sind die El­tern oder deren Stellvertreter verbunden, ihren Kindern die notwendigen Lernmittel zu beschaffen. Leisten sic dieser Verbind­lichkeit nicht Genüge oder erscheint eS sonst zweckmässig. so können die Lernmittel von der Gemeinde beschafft und die entstehenden Kosten von den Eltern wiedererhoben oder auf dem Verwaltungswege beigetrieben werden. Für die Kinder unbemittelter Gemeindeeinwohner sind die Lernmittel auf Kosten der Gemeinde zu beschaffen. Bis zum Erlah reichsgesehlicher Vorschriften über die Lehrerbildung, längsten- jedoch bis zum Jahre 1926, kann die zur Aufnahme in die Lehrer­bildungsanstalt notwendige Vorbildung durch be­sondere Prüfung nachgewiesen werden. Schul­güter, die nach den Bestimmungen diese- Ge­setzes abgetreten werden müssen, aber für das Erntejahr 1922 besonders angebaut sind, werden den Inhabern bis nach eingetaner Ernte belassen.

Das Gesetz wird im ganzen an­genommen.

Darauf wird die Sitzung auf nachmittags 3 Llhr vertagt.

Der Dollar 200!

Es hat wohl jeden Beteiligten, ebenso wie jeden Laien in Deutschland in einen riesigen xxfcred versetzt, als am 17. Oktober abends die Kursmeldungen ter Danken für den Dollar» tand auf 200 lauteten. Macht man sich klar, dah darnach die deutsche Mark in Amerika nicht mehr als etwa mit 2 Pfennig bewertet wird und dementsprechend alle anderen Län­der mit ihrem Devisenkurs folgen, so wird niemand geneigt fein, ohne weiteres die Tat­sachen einfach ymzunehmen, sondern eS ist er- orderlich, die Möglichkeit eines solchen Er- - ignisfeS überhaupt, sowie deren schleunigste -Abwendung, zu erwägen. Wenn auch inzwi­schen dieser höchste Stand längst wieder er- Leblich reduziert worden ist, so ist immer­hin folgende Betrachtung heranzuziehen. Doch ,u Beginn dieses Jahres bewegte sich der Zollarstand zwischen 50 und 60; inzwischen haben sich die Geschäfte gerade in Dollar­noten riesig erweitert und dadurch zu einer ständigen KurSethöhung geführt, toobii ichliehlich auch Käufe Jür die Reparation nicht rhne Einfluß geblieben sind. Dun aber liegt die Frage offen einerseits: Sind die Geschäft: Deutschlands mit Amerika infolge der wirt­schaftlichen Beziehungen so umfangreich ge­worden, dah der Dollar derart an Wert ge­winnen konnte, oder bestanden andere, etwa politische Gründe, oder wirtschaftliche Beden­ken Amerikas gegen Deutschland, dah eben dort die deutsche Mark sticht höher bewertet wirb; andererseits: sollten aber nicht Kräfte an der Arbeit sein, deren Schmarotzerwesen wir fast schon feit 1918 täglich spüren, die jetzt wieder dies verheerende Ereignis herbeizu- sühren geholfen haben. Die Frage der rohen Devifen-Spekulation muß mit der denkbarsten Schärfe von allen Seiten beleuchtet werden, um die Möglichkeit der Anwendung von Ge­genmitteln beurteilen zu können. Es gibt eine Reihe von oft sogar angesehenen Bankhäu- icm, deren Haupttätigkeit darin besteht, De­visen zu kaufen und zu verkaufen, Kurse zu treiben und damit eine Geldgier zu befriedi­gen. Das ist das schlimmste Verbrechen am deutschen Volk, das täglich in der rigorosesten und gewissenlosesten Weise geübt wird. Kaum ein Geschäftsmann ist heute noch in der Lage, die Preise des Auslandes zu bezahlen; die Kapitalerhöhungen der Gesellschaften mehren sich täglich, um damit die noch vorhandenen Goldbestände glücklich in Pavierwerte über­zuführen. Ist es dann dem deutschen Kauf­mann zu verdenken, wenn er, feinen Kräften entsprechend, sich durch Ankauf von Aktien Sachwerte zu verschaffen sucht oder auch nur in der Spekulation durch das Steigen der In­dustriepapiere entsprechend dem Steigen der Devisenkurse mit der Geldentwertung Schritt hält. Der Rentner aber sieht einerseits täg­lich sein Kapital kleiner werden und anderer­seits die Preise für seinen Lebensunterhalt täglich steigen, und so sinkt jeder Deutsche durch diese doppelte Beanspruchung, namentlich auch diejenigen, die nur auf ihre Arbeit angewiesen sind, täglich in seiner steigenden Rot noch tiefer. Das sind die Ausklänge des Rufes nach Arbeit im deutschen Lande, welcher nach der Weimarer Nationalversammlung bzw. nach Annahme deS Versailler FriedensverttageS laut wurde, daß wir die Erzeugnisses der deut­schen Hand- und Geistesarbeit, namentlich der Industrie für Spottgelder durch die riesige Kaufkraft deS ausländischen Geldes ins Aus­land abwandern sehen. Zu dieser Gefahr der Entwertung der deutschen Arbeit sehen wir noch die Gefahr derlleberfrembung deut­schen Besitzes. Die ileberfrembung kann einem Lande in gewisser Hinsicht nützlich fein, aber mrch den Friedensvertrag von DersaiNeS ha- »en wir uns so vieler Rechte, auch in dieser Umsicht dem Auslande gegenüber begeben, dah wir nicht nur eine ileberfrembung durch Kapital zu erwarten haben, sonbern auch in ber Verwaltung; unb toieber bient bte beutsche Arbeit ber Frembherrschaft. Bei all biesen Gefahren erhofft sich baS beutsche Volk bte '"eiftung einer Kapitalhilfe von Amerika, wäh­rend eS gerade dort selbst dazu beiträgt, das Vertrauen zum deutschen Volke bzw. zur deut­schen Wirtschaft täglich herabzumindern. Dor

dem Kriege konnten wir etwa von einem Gleichgewicht sprechen, in welchem die Stabili­tät der verschiedenen europäischen Länder in der Dalutafrage gestanden hat. Unsere Valuta ist aber zunächst der Ausdruck dessen, in wel­chem höheren Maße, gegenüber den anderen Ländern, wir namentlich durch den Krieg und schliehlich durch den Friedensvertrag wirt­schaftlich in Anspruch genommen und belastet sind.

Soweit die vorher besprochenen Momente für die Dalutabilbung in Frage kommen, wirb auf eine Dauerhaftigkeit solcher Devisenkurse nicht gerechnet werben können, aber wir wissen, welcher Schaben schon an einem einzigen Tage baburch entsteht. ES bleibt dahingestellt, ob unsere Börsengeseygebung mit ihren ständi­gen Ausnahmebestimmungen den richttgen Weg zu einer Besserung geht. Ein Blick auf die Wiener Börse und die daraus entstandenen Verhältnisse dürfte für jeden Einzelnen sehr belehrend sein. ES ist aber er­forderlich, bei Besprechung dieser Fragen, die i Aebersicht ber gesamten wirtschaftlichen Zu- [fammenhänge vorauSzusehen.

Gertrude Bretsch.

Hessische Volkskammer.

118. Sitzung.

St. Darmstadt, 25. Oft. 1921.

Am Regierungstisch: Finanzminister Henrich, Iustizminister v. Brentano und Regierungskom- missare.

Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um IO1/4 Ahr. Das Haus tritt alsbald in die Tagesordnung cjn. Die Dolksschulnovelle wird voi erst zurückgestellt. Es wird zunächst die seiner­zeit an den Ausschuß zurückvcrwie ene Vorlage, be­treffend den Entwurf einer Geschäftsordnung für

den Staatsgerich tsh0f

besprochen. Die Vorlage wurde dem Ausschuh nochmals übergeben, well nach § 2 die Vereidi­gung der von dem Landtag delegierten Mitglieder des Staatsgerichtshofes durch den Präsidenten des Staatsgerichtshofes erfolgen soll. Damit glaubte die Sozialdemokratie nicht einverstanden sein zu können weil Abgeordnete als Erwählte des Bolkes doch über den Beamten der gewählten Regierung stehen. Der Ausschuß hat nach dem Bericht des Abg. Kaul auch in seiner neuer­lichen Beratung einen praktischen Vorschlag nicht tnachen können, sondern beschlossen, die Vorlage dem Präsidenten des Oberlandesgerichts zurück- zugeden, weil er nicht damit einverstanden ist, dast die Mitglieder des Landtages durch den Präsidenten des Oberlandesgerichts vereidigt wer­den sollen. (Mit 5 gegen 4 Stimmen.)

Staatsrat Lorbacher (aus der Tribüne schwer verständlich) stellt u. a fest, daß der Staats­gerichtshof ein Gericht sei wie jedes andere auch, und daß im ganzen Deutschen Reich es üblich ist, bah die Vereidigung durch den Vorsitzenden er­folgt.

Abg. Dr. W ü n z e r (D. Vpt.) hält es eben­falls für durchaus richtig, bah die Mitglieder des Landtages, wie alle anderen verpflichtet wer­den. Eine Sonderstellung dürfen diese Herren nicht einnehmen, wenn sie einmal dem Staats- oe richt sh of angehören. Der Redner bittet, den Entwurf, wie er vvrliegt, anzunehmen.

Damit schlieht die Debatte. Der Lsiisschuh- antrag wird abgelehnt, der Antrag Wünzer, die Vorlage aneber herzustellen, wird ange­nommen.

Kleine Vorlagen.

Der Antrag Kaul und Gen., Entfernung ber Hoheitszeichen des früheren Regimes usw., wird, weil inzwischen bereits eine dem­entsprechende Verordnung der Regierung ergan­gen ist, ohne Debatte für erledigt erklärt.

Der Antrag Bornemann, betreffend Abänderung des Jagdgesetzes. über den die De­batte bereits geschlossen war. wird abgelehnt. Als über den Antrag des Ausschusses abgestimmt werden sott, den Antrag der Regierung als Material zu überweisen, verlassen die So­zialdemokraten bis auf zwei den Saal unb Abg. Kaul bezweifelt die D e - schluhfähiakeit des Hauses. Die Auszäh­lung ergibt jedoch die Deschluhsähiakeit. (Heiter­keit.) Der AuSschuhantrag wird bann ange­nommen.

DaS Oppauer llnglüd.

Die Abgg. Knoll unb Genossen beantragen, ber Landtag wolle beschlichen, bah ben schwer geschädigten Familien in Oppau seitens des Hessi­schen Staates eine weitgehende Unterstützung zu­teil werden möchte.

stützte Christoph Wärhahn die -Hände auf die Sands!einmauer. Also so alt schon', Da bäumte sich leine ganze Lebenskraft in ihm auf, ben Kopf warf er in ben Racken, abbanten etwa, einer tote er, zu Gunsten des Sohnes, so lange die Zaust sich noch ballen konnte und der Kopf klar war? Rein, das gab es nicht! Einer wie er fetzte sich nicht auf Altenteil, obgleich er ganz genau wuhte, wenn auch nie ein Wvri darüber gefallen war. dah Henner und Maria sich das wünschten

Sen Hut in der Hand, festen Schrittes, ging Christoph Wärhahn durch den Garten in das Haus, bas er ernst, nachdenklich, nicht ohne Sorge, aber kampfesfroh zum erstenmal betreten hatte

10.

Es kam zu Verstimmungen, Henner unb Maria hatten fest geglaubt, der Vater werbe nun dieHausmacht in ihre Hänbe legen unb sich auf s Altenteil zurückziehen. Sie warteten darauf vcn Tag zu Tag. Aber Christoph Wärhahn dachte nicht einmal im Traum baran. Mario lag ihrem Manne immer wieder in den Ohren.

»Ein hoher Dreißiger bist bu unb nicht selbständig! Wenn wir einmal verrollen wollen, müssen wir Grohvater erst um das Geld dazu bitten!

Ser Henner versuchte sich wenigstens schwach zu wehren.

Aber er gibt uns doch immer, um was wir bitten meistens mehr!

Dann tanzten Maria bte Herben auf der Stirn.

»Fühlst du berat nicht, wie peinlich es für einen Marrn in deinem Alter ist, den Vater um Geld zu bitten? Ich muh ja ben Mund halten, well ich nichts mtt in die 65e gebracht habe!'

Rach solchen Worten zog der Henner bte Unterlippe zwischen die Zähne. Maria hatte bann Tage lang mit ihm umzugehen, die, ohne bah eS zu Heftigletten kam, doch unausstehlich war sobald sie allein waren. Befand sich Grosjvater bei ihnen, war sie von gleichbleibender Liebens­würdigkeit. Er merkte nichts.

Eines Tages kam der Henner wütend nach Hause. 'Warf die Mühe aus den Tisch, ging mit gefurchter ©tim im Zimmer auf unb ab Maria fragte nicht. Sie fah auf dem Auftritt und bes­serte Kinderwäsche aus Ihr Mann behielt seinen Aerger ja doch nicht lange bd sich.

.Du.'' polterte er endlich loS, ..ich habe heute eine heftige AuSrinandersei^ung mit Vater ge- babt toie noch nie! Maria hoo ben Kopf legte bie in den Schob, sah ihren Mann fragend anDenke dir nur, meine Einteilung auf ben getbern hat der alte Starrkopf zum Tell über den Haufen geschmissen. Er wird nörglich, es ist nicht zu sagen!

Maria zuckte mit den Achseln, sagte trocken:

Er ist der Herr!

Der Hieb sah! Die Fäuste ftieh der Henne? in die Iackentaschen, stellte sich "brriubeinig vor leine Frau, seine Mundwinkel zuckten.

Ülnd ich hab's satt, den dummen Iungen zu spielen. Ein Wort gab das andere, schliehlich meinte Vater noch, wir sollten bie Kinder etwas straffer halten, vor allem Hänschen entwickele sich zum vollkommenen Rüpel, wenn wir die Zügel nicht fester anzögen!

(Fortsetzung folgt)