Unterhaltung-Erhebung»Belehrung
Vie erste deutsche Gesandtschaft in Persien.
<jirm 250. Lofe^toge wn ’TCbom OlsariuS.)
Am 22. Februar 1671, also qerade vor einem Pierretrahrta'isend, starb in Schleswig im 72. Le- -»ensiahre der Bibliothekar imo Hoftnathemarikus !ldan! Oleariu?, dessen Ruhm in der oeutschen Literaturgeschichte daraus beruht, daß er als erster ne Wunder und die Dichtung Persiens erschlossen lat und ban'it oer Dorläufer Goethes wurde, der hn im Westöstlichen Diwan gefeiert. Olearius, der m'prünglick Celftflßger hieß. mürbe als der Sohn 'ines armen Schneiders in Aschersleben geboren, lungerte sich -nirch Gymnasium und Theologie 'tudium durch, brachte es zum Magister und fron reftor unu nxiubte »ich dann immer mehr, astronomischen ©hibien zu. Das große Ereignis seines Lebens aber wurde feine Teilnahme an der ersten putschen Gesandt,chast. die nach Persien ging, nm :*)n einen Handelsvertrag abzuschließen. Zu der abfnteueriiäien und ge ahrvollen Fahrt bedurfte man der Gdaulmiß des nissischen Zaren, und so reifte denn die Gesandtschaft, der Philiop Crusius 'Md der Hamburger Äolzhändler Otto Brügge- nann als erster und Zweiter Leiter, Olearius als Gesandtschastsiekrelür und der Dichter Paul Fle- ming als Hosjunker angehörten, zuerst 1833 nach nZoefau, kam nach glücklicher Erlangung des freien Durchzuges durch Nußland wieder nach Hause zurück und begann tum 1635 am 27. Oktober von Travemünde aus die eigentliche Reise nach 'Beriten. Olearius hat in seiner berühmt geworbenen .«•urieufen Beschreibung der Neuen Onentaliichen steife" eine klassische Schilderung der Abenteuer und Eindrücke geboten, die diese ersten Deutschen ii dem fernen Wimderlande hatten. Zu seiner Reisebeschreibuna, die das größte Aufsehen erregte nno in die üerimiebenflen fremden Sorachen übersetzt wurde, hat er ein Schriftwerk geschaffen, das nicht nur als literarhistorische Quelle für aas Leben seines Freundes Fleming, nicht nur als eine unschätzbare Stoff,ammlung, sondern auch als aortrefuiebe stilistische Leistung von großer Be- ■reutung ist. Goethe stellt ihn als „Deutschen in einer Kraft und Würde" den Reisenden anderer Nationen gegenüber und weist auch auf die unendlichen Schwierigleiten bin. die der Charakter des '•inen Leiters ter Gesandtschaft, des Abenteurers örüggemanu, hervorrief. In einem RechtSver- rabren, das Olearius sväter gegen diesen wegen Kroafttütiger Gei Slrrdüng des ganzen Unterneh- menß onftrengfe, wurde Brüggewann zum Tode rernxteilt imb mit dem Schwert bingerirfftet.
Schon oie Seefahrt nach Moskau brachte un» -mbliche Geiahten und Mühseligkeiten, da ihr Schiff strandete. Om Schiff ging es bann auch die Wolga fe runter bi« nach Astrachan, imb aus bem Kaspi- 'cheu Meer erlitten die Reisenden wieder Schiff» beuch: sie mußten zu Land weiter reffen und kamen im 3 August 1636 nach Isvaban. der Residenz des Schahs (sefi; am 8. November 1633 waren sie von Travemünde aufgebrochen Während das erste imb zweite Buch die Abenteuer biß Moskau schliert, sandelt das dritte vom russischen Reick und das vierte beschreibt die Fahrt von Moskau dis Persien. Im fünften Buch erhalten wir in 26 Ka- titeln eine aus ühriicke Darstellung be4 persischen Reiches imb feiner Bewohner, ihrer Sitten und Brauche, deS Hofes und feiner Feste. Erstaunliche Dinge erzählt da der Reisenbe feinen deutschen Landsleuten von der Bracht, mit der sie der Schah nusnahm, von der Unmenge wunderlichster Speisen, tic sie verzehren mußten, aber auch von der bunten ifnb reichen Kultur des Orients. Was man erreichte, war nicht viel, nur die Zusage, baß eine Gegengesandlschait an den Veranstalter der beut- schön Gesandtschaft, den Herzog van Schleswig- Holstein, geschickt werden würde. Die Rückreise nng besser von ftattrn, und nachdem man am U. Dezember 1637 Isvahan verlassen hatte, traf Olearin? schon am 15. April 1638 in Gottorp ein. Hier imirbe er zum HofmatdematikuS ernannt und 'vtätigte sich auf den mannigfachsten Gebieten, übernahm die Leitung beim Bau einer Kirche, ordnete als Bibliothekar die große Bücherei seines .fürsten und schuf die herzogliche „.Kunstkammer", ..worinnen allerhand ungemeine Sachen, so teil« die Natur, )rils künstliche Hände hervoraefrradit. .rufgesteller sind," wie er in ferner Beschreibung Meie« Museums sagt. Er verfertigte dafür selbst werfdriebene physikalische und astrvnomischr In-- strumsnte, so einen berühmten Globus, der elf un Durchmesser hatte imb burck Wasserkraft in Bewegung »riebt tmtrbe. Der vielseitige Mann, brr *9. auch eine „lustige Historie, woher dos Tobaktrinken tommt", geschrieben imb em Ballett „von der Unbeständigfeil bet weltlichen Dinge und Herrlichkeit der Tugend" verfaßt, schuf iam auch feine lieber,ebung beß „Berfianffcken Rosental«", des Güliftan von Soabi^ die der neueste liebe riebet des Werkes. Friednch Rosen, noch al« die „riaenarrigste imb wertvollste" der früheren Verdeutschungen bezeichnet bat. Dies Werk, bt dem er „den Perser in einem deutschen Mantel auftreten läßt", hat Goethe zn einigen 'einer Gedichte de« Westöstlichen Duvan angeregt imb unsenn Schrifttum zum erstenmal die Wunder orientalischer Dichtung vermittelt.
Das tot« Dorf.
„Tote Dörfer" — der Reifende trifft sie ofi im indischen Dschungel —, sie gehören zu ihm wie die flamme des Walde« mit ihrem Blumenduft, wie seine kühlen Winde, seine Sternenvrächt, wie bnS Liebeslocken der Bulbus und das T ode-lieb der Nachtigall, wie fein majestätisches, hehres, sphinrartigeS Schweigen. Professor I. A. S a u ter, der über anderthalb Jahrzehnte in Indien, imb ßwar nickt unter den ffmglänbem, sondern unter den Ein- lieimischen, lebte, hat in einem Buche, .Mein Anbien" (Verlag K. ss Koehler, Leipzig), in stimmmtgsvollen Schilderungen das von Ge heimniffen umwobene Land mit seinen fett* •Omen (Gegensätzen vargestellt, und ec gibt aus einer abenteuerlichen Fahri durch den Dschungel die nachstehenden, ergreifenden Dil der eines jener toten Dörfer, von denen mir eben sptachen:
Em totes Dors! Oft habe ich solche «ff menten Wanderun^m getroffen, aber noch nie bat die ^odesstimmimg mich so ergriffen wie au jenem Orte. Tvtt Dörfer sind von Geiste«: und Dämonen
bewohnt. Zn chver Nahe zu taffen, birgt Gefahr Deshalb wollte äTifthrta trotz oct Dunftlheft roeitergteben. Dock mich hatte die Neugier ergriffen, und nach einigem nutzlosen Sträuben willigte er ein, unter einem Baume vor dem Dorfe das Nachtlager zu benetzt. Eine wunderschöne, eben m ihrer tfffütrnjrradn : rang ende „Flamme des Baldes" breitete in beffen Nähe ihre blätterlosen Aeste aus.
-lamme des Baldes! Benn alles Leben in der Natur zu Grabe gegangen, der letzte Halm in der sengenden Smme vertrocknet und selbst die roten Blüten der eintönigen Kakteen erstorben find, bann bedeck fit sich mit einem Meer blutigroter, stammender Pracht: Alle Blätter fallen zur Erde, und der zartestt Zweig ist mit einer kelchartigen Blume verftden. Die Aeste greifen aus in glrickmähiger Ent-ernung, Blüte reiht sich cm Blüte, fo daß der griffe Baum von ferne sich ansteht wie ehi gewalriaer, feurig roter Blumenstrauß. Mmiadeu von Glühwürmchen und anderen j)nfetten umschwärmen den Baum, der einen fußen, schweren Duft, fast wie von sterbenden Lilien, um sich verbreitet Kein Dichter hätte eine schönere Bezeichnung für diesen Baum erfinden können als der Bolksnnmd fand, Flamme des Waldes!
Gegenüber stand eine Baniane, deren Wurzeln gierig vom Aste hinunter nach der Erde sich streckten.
ES ist etwas Eigentümlich?- um die indische Nacht, ganz besonders im Dschungel und nmn man allein ist. Aus jedem Baum tönt taufend- sach's, re ick) pulsierendes Leben, und doch — jenes wunderbare, hehre Schweigen. Grillen schmettern zu Taufenden im Gra'e: um die Büsche flimmern leuchtende Glühwürmchen, und wollüstiger, schwerer Blütenduft weht, man weiß nicht woher. In einem Busche unweit von mir schluchzt eine Nachtigall ihre lüste Liebes klage. Schmelzende, fast ersterbende £önc, die anwachsend in einem jubelnden Triller wieder ausklingen, als zöge die Seele des kleinen Geschöpfes mit bem Liede hrnaus in die Nachtluft — — „Hafar- giftma" br „Xauitnbliebngt", nennt der Inder die Nachtigall feit alters her, auch dies ein schönes Zeugnis der poetischen Ausdnrcks traft des indischen Goikes. Aus einmal verstummt das Lied; ein flattern, dann ein angstvoller Schrei, und das Lfebeslfed hat sich in Todes klage verwandelt. Das ist das Leben im Dschungel: süße Lieder und Todes schrei, Lmst und L-chmerz, Furcht und Schrecken, "Tod, Led.m, Geburt und B.-michtung: darüber majestätisches Schweigen, durchdrungen von der Ueberfülle des Ladens; und über allem der demanGnbestreute, ftmfeinde Nachtbimmel, so wie nur der Osten ihn fcnnt.
Die Hälfte miß verdichrefe fick, die Ochsen lagen am Boden imb kauten träge an den Garbistauden. Um uns herum erscholl das heisere Bellen der Schakale, Papageien krächzten im dunklen Gezweig, Myriaden von Grillen sangen ihr ohrenbetäubendes Lied, und in irgendeinen, Baume trn ter hielten sich noch einige gesäavätzige Assen. Aus einmal verstummte alles Leben, als wäre ein Schauer über alle Wefen gekommen: aus der (ferne ertönte em heiseres Knurren und schwoll an ju drohendem Donner, zornigem Gebrüll; stoß- weile, immer lauter; die Ochsen zerrten an den Kvppeln, .fiifcfjna warf schnell noch einige Aeste auf das Feuer. im Laub der Büsche raschelte es; jedes Tier suchte Schutz und Sicherheit, und die 'onst so mutigen Affen flohen entsetzt in bad höhere Geäst. Ich wollte die einsame Stelle verlassen und zum (feuer urtb m Krischna znrückfehren. Da glaubte ich rm Dimfel ienter „der Flamme des Waldes" eine Gestalt zu sehen; ich hatte mich nicht getäuscht, dort war fenuntb. Ich gma näher und fragte, wer e- fei, dock ich bekam keine Antwort. Da ging ich hinzu, und al6 das Wesen fab, daß etnr Flucht nicht mehr möglich war, erhob es beide Arme tote zur Äbwebr und rief: „Maika!" Untern! Es war etnr Aussätzige. Im Schrine der gerade auslodernden Flamme an unserem Feuer erkannte ich ein Weib in »erriffenem, gelbem Gewände; also time doppelt Geächtete Aussätzig imb verwitwet ’ Sie gestand, daß sfe in der Dunkel- krit in die Nähe meines Feuers gekommen sei, um nach Sperferesten zu suchen, die mir vielleicht ;vtggeworfen. Ganz an unser Feuer wollte he nicht kommen, so lehr ich auch drängte: freilich Krisckna machte Anstalten zu reichen, denn er war noch ein Ämb feines Bolfes imb wurzelte in dessen Ofeyw und oft grausamen Borurteilen. Etwas adfe.ts fetzte sie sich mts den Boden, zu- sarnrnengekauert, bribc Hände vor der Stirn und das Haupt an* die Ähfe gesenkt. Das Duck batte sie bei ihrem toiberftTebcnbrn Näberkommen bis auf dir Nafe über das Gesicht hrnmfrr gesogen So saß sie da, und das flackernde Feuer, das wnst so mftleidig ist, hatte fein Erbarmen, sondern warf dätmmisch boshaft feine grellen Licktter auf die elende Gestalt, nm ihr Elend noch sichtbarer <u machen Wenn fte auf meine Fingen nach langen Pausen kurze Antwort gab, dann klang c-5 fo rranrig, wie die Sprache der bittersten Ber- rweiftung: immer her gleiche Tonfall, feine Gfe bärt*. ferne Bewegur.g verriet das Furchtbare, das sie durchgemacht hatte. Ein widerlicher fffentfb von Fäulnis webte von ihr aus, tdtb im Feuerlichte fab ick an br, wenn sie ab inth zu das Tuck ein torwia rem Besicht hob, die htmetflidic tferbeerung der frranfhrit. ffittgrv und Zehen waren angewuU, eme referiere Schickt lag auf hm Unter!chven, und an Stelle der Nase starrten -wri ixfRiicbt Löcher mir entgegen wir aus einem Totenfckädel. ---Dazu eine Witwe'
Ich fragte sie nach dem 'Sckrckfal des Dorfes, '.Md da entolte das Weid in jener dntihritren aber beredsamen Zvracke, die tne H^'rftnmg^loftqkrit, der tiefste Schmerz nur verleibt, die (beschichte vom Steroen in jenem Dorfe
Sn eindringlicher Schlickt!»eit läßt der yerfnsser die Au-gestoßene ihr- entfetzlickes Leid erzählen, wie sie aussätzig und aus bem Torfe verbannt wurde, wie fte in ihrer einsamen Hütte auf den erlösenden Tod wartet, imb wie sie nun, al- die entfevliche ttranfe beit mit dem großen Sterben auch in das Dorf kam, als Einzige noch lebe, gerabc sie, die sterben wollte:
Touri ama i<6 ra unfevem Feuer zurück. Der Dschungel ickwieg nackrum'ärlun^cn ,md rüstete sich iür einen nruen^ Tag, die Sterne verblaßten Allmdbl d?, mrd im Süden, ..'xr dem iwtf 'ckwar- zen Dschungelrande, mstrahite das südlich. Kreuz: der letzte Borboke beS grauenden borgens
külüer Wutd strick durch Baume und Büsche, d: ffffüt" vfh nr*r ck,wfttt-n schon lang' nicht mehr un. du duften der Mll^-sflamm?, und
fekbn tne n-mtnennüben Grillen waren verstummt. Der an Geheimnissen und Wundern etoigreidfe Dfchmiqel fdjuf jetzt feiner Wunder schönstes er gebar den neuen Tag' Im Osten erschienen zarte Lich-fluten und verdrängden langsam die Erinnerung an die dunkle Nacht mit ihren Schatten. —
Ich wandte rnick ab und folgte dem Wogen, der dem offenen Dschungel zufuhr
Tas Dorf lag schon icrit hinter uns, als ich unter einer Tamarinde am Äfege die Witwe erblickte. Krft'chna hielt dft Ockfen auf meinen Befehl hin an, und ich ging auf sie zu, um mit ihr zu fort (fern, denn nmn ck auck nrcht wußte, nxto tun, so fühlte ich dock, daß das arme Weib nicht allein in jener Todesöde bleiben könne.
Aber sie führte alnvelwend und dankend ihre verstümmelten Hand-' zur Stirne und sorack wieder diefe hoffnungslosen Worte des indischen Paria-: „Äl)a Faido" .
Tann fügte ne inwzu: „Du bist gut, Sahib, aber ich bleibe bei meinem Kinde, es ift mein ftarma. Möge da» d.'iue ein glückliches fein!"
Und sie fehrr? sich um und ging langsam, euer durch das Gebüsch ihrer Hütte zu und verichwand zuletzt in enter B.'ricnkung. Als ich nach einem Monat auf der Heimreise wieder an teuer Stätte vorbei kam war auch ihre Hütte zerfallen. Die Aussätzige war n:cht mehr da, neben dem aus getrockneten Teiche fdrmmcrten die iveiyen Knochen in der Somtenglut, und auf dem Tvrivlatze patte eine Sckftcmge hi den Wurzeln das Pipuldaumes sich eine Wohnung gebaut; aber im kleinen Tempel ebn am Eingänge des Dorfes hockte der dickbäuchige Ganescha m beschaulicher Ruhe auf feinem Altar und einige Eidechen huschten äuf feinen Armen umher. T-odb bie Deck über ihm ipar schon zerrissen, und eim- Banianenwurzel strecke von unten h.rauf ihre zerstörungssüchtigen Ringer nach der Gottheit, um ihr zu bciorifen, datz auch die ewigen Götter dem Grfeye des Werdens und Vergehens witcrroorien sind.
rervollkommner arm «ckchfeckx bet ?lmati, üarm von Stradivarrus, hänat mit bet lecken'ckaftlüj^, Muftkl^bhaberri Pünrhmer #orffe tn Maffay zufammrn.
Ter Bau der ältesten bekannten B'.olme ist bald e.nem Gasvaro au» Salo am Gardasee tu geschrreben matten, bald c-nem andern v*fefwtu mtt dem seltsamen Namen Dckffovru^car, offenbti Berwclschung eines deutschen Namen; Tiefer Instrumenten macker kam an» bayerischem AYmftler» borf nach Cremona
Deutsch- imb Italteuer brachte bic ^mriufeme iDiui;fliehe stets wieder zusammen, was auch hte Bolitik verbrechen mochte, lind auck Frankrrick umschlang das mystisch zarte Band der Mufik. ak 'ernste Blüte gefelltgen FrendenspendenS.
Fran; I. von öranPreich, ein treuer freund oer Jtimft, her mitten in mtb (Sewiwt
fernen Künstlern grohe Cofer brachte und die Geldhilfe durch verionltche Freundschaft ergänzte, berief den alternden Lionardo. der im eigenen Vanb etwas vergessen und aus der Mode gekommen war, wie warmer Liede ju sich. Und mit Lionardo .zugleich soll er bett deutschen Instrumenten macker, lenen Tmftavrugrar berufen haben als fbniglitfci iVnstrumentenmacker, wohl aut des ^.tlnstlers emif fehlung. Auch feil Lionardo bfe ersten Meister- geigen selbst mit Malereien verzien haben. Biel- lsickt trug er bei zum Bau, vielleicht freute er tick, seinen Fugendtraum in alten Tagen verwirklicht zu fefrm durch den gewonnenen Sauber klang der gänltchm Geige, imb es war ihm betihalb daran gelegen, |ic göttlich zu schmucken. Verhielt es sich so, wie es viel Dahrschrinllchfeil hat, so erlebte bie Welt bei Geburt ihres liebsten Instruments enten feiten schönen Zusammen klang: et trugen dazu bei ein Italiener und ein Deutscher, und der französische Renaissancekönig ermöglichte durch ferne Gunst baS geduldig liebevolle jbmft-* schaffen.
Täglich zu siugeu.
Ich danke Gott und freue mich
Wie's Kind zur Weihnachtsaabc, Daß jch bin, bin! Und daß ich dich.
Schön menschlich Antlitz! habe;
Daß ich die Sonne, Berg und Meer, Und Laub und Gras kann sehen, Uitb abends imterm Sternenheer
Und lieben Monde gehen;
Und daß mir dann zumute ist,
Als wenn wir Kinder kamen,
Und sahen, was der focifgc Christ Bescheret hatte, Amen!
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Das Gedicht, das noch weitere Serie hat, ist bekanntlich von Matthias Claudiu-, und wir entnehmen es einer zierlichen Neuausgabe ^.Das fromme Buck" (Berlag E. P Toi u. Co . LrivKig), in bem all die Reinen, schönen Bolks- gebickfte oes -mtig frommen Deutschen enthalten sind.
Die Entstehung der Geige.
D«S Mailand des 1b. Jahrhundert- ist ebenso mufifftrubin, ja musiktoll wie baS Mailand au- späteren Zetten und Lionardo da Vinci wurde Itauptfäcklick wegen feiner musikalischen Talente am .vof sctmell beliebt. Lionardo als Jüngling stellt, so schreibt Alexanber v. G1 e i che n R u n w u r m in seinem neuesten htlhtrbtihnifdm Werke „Die Sonne der Renaissance"" (Verlag vM ). Hoffmann-Stuttgart), btiv eine Fülle lebendiger Unterhaltung und Anregung enthält, an diesem glänzeuben Hof der Frübrenaissance z^writ bas Ideal de<> feinen Hofmannes ins Leben. Zritgenoifen rühmen von feinem Auftreten m der Mailänder Gesellschaft; die Anmut war mehr als unendlich in allem, was er tat, und er fana rrmwovniert göttlicherweife. Auch begleitete er sick mit rjtem In- sirr'.ment, das er selbst aus Silber (mit silbernen Saiten) gefertigt, zum Teil in der Form eines BferdesckädelS gebaut, auf daß eS einen stärkeren und füfferen Ton von sich gäbe. .
Der Improvisator war alw «nick 5hntru* mentenmaater, er oegnügle sich nicht mit der ge- brciilcklick-n Laute imb Viola da braccw ober da spalla, mit betten jeder Gebildete seiner Tage -.ngelH'n 'erstand.
Verschollen und verloren ist Lionardo? fnr schönen Augenblick geschaffenes Zauberinstrument, und es ist schwer, lick oorzustenen, weicher Art eS gewesen fern mag.
Nock schwebt (»febrimnü über der Erfind uns her neuzeitlichen Geige, und es scheint, als wäre sie au6 der fange Mflbmben Familie der Streich- mftrumente burck Mutation entstanden, tote neu- geartch* Pflanzen zuweilen aus alter Art ent- sprieß« .
Das ismtfirben brr Geige bemat -ebenfan* eng tuiammm mit dem (Meiit bei Arübrenaiffanöe. Die fffefrur. brr Biolir« Hel rn ihren Frühling Betrachtet man bie Form brr alten Baßviolen, tetaen 'ick biefelben als ausgeprägt gotisch im Ausdruck. nässend -um Spitzibogenstrl und damaliger Musik. Berglicht man damit tne sanften, gra Stofen, ftafstschk-n Biegungen, bie über-eugend ein wche Linteniüdrung an der Geige, die trdmerfe, die athrennibx*t*n Schultern, bas feine Maß halten in allem der 3eiwtft der die Bau formen und Sckmnck'ornv.i um'ckmft hat offenbar Teil an bem neuartigen Instrzunent
Hub cmck der Srtgeift der eine aufgeklärte Meni'ckh7-t zu bilden trachtete, schns mit an bem kleinen W'.mder an Gestalt unb Ton. Vie im men schlicken Körper feder Teil Bezug auf bas iHouk und bas Ofenje Bezua auf feden Teil bat. so ist e» m diesem uninberiam klingenden Körper von Holz ^Stoeving^. Lwnardo, der so stark die lieberieugung vertrat, daß der M-nfch das Maß aller Tinge fei, der grübelnd erfindungsreiche Mami. sollte rr nickt einen Berfuck gemacht ha» ivu, in flffo utaRrvLl anmutiger Weife imb dock klangvoll mächtig die alte Viola da spalla in bie Bto inc itmzuwmibeln? Tas Instrument, mit dem er b vornehm. Gefell schäft von Mailanb ent» zückre .st Dfellritfct gar nwrt fo verschollen, wie wir glauben, v Gleicht gab es die erste Anreaung ui dem großen Ereignis der Srfindnng unterer Violine.
Tast gerade' im Mailändischen, in dremona Brescia, bet Gr gr-dau einzigartig gebiet <ht J renumq wird d-u '•Me Instrument «t»fe höchste
Gin Vries HanS Thomas.
Der Altmeister der deutschen ®afer, Hans Thvmo, hat an die ..Deutsche Rav«"" noch« siehendeS Schreiben gerwfxrt;
,W6eeebarr Herr! Für Ihron Vriri w6 oer 'feeunblidm «tiffmbrrung, für die ..Deutsche Revue"" etwas über „den Schu tz der reinen Kun st"" LU schrecken, danke ich Ihnen verbacktichst. Leider (fegt es nicht in meinem Bermögen, des« Wunsch, sv nste ich wohl gerne Mächte. M erfüllen, beim jetzt, in memem 82. Lebenswbre. hat mich meine Arbeitskraft verlassen, meine Intene sen am Leben und auch an der Kunst haben ganz abpenoaN men sie weichen naturgemäß vv. bei großen Müdigkeit, welche das Alter mit sick bringt. Ich bin fu dem Glauben gekommen, daß bie reine fünft nicht von Theorien und Meinungen abhängig ist, imb wenn man diese ihr vorspannt, sie in euren Sumpf gerät; aber am Schlaffe des Ledens glaube ck auch, daß alles in der öät sich von selber im eher reguliert wie das Wetter, fn auch die mit Dem Mewchen gebotene ftnttl Diefer «laude hält mich davon ab letzt ün 82. Iahte noch an der Welt herum verbessern zu wollen — die Zetfreft tft erschlafft, unb so habe ich auch nichts mehr zu tagen. Ohne diesen Glauben an die Selbto rb» n u n n mschte man. besonders wenn man nicht mehr mittun kann, in der heurigen Zeit verzweifeln an her Zukunft — Auch die tottb auf ihrer JSemrimnM wieder ernt werden, berat ffe wir' immer m der Menschheit neu geboren, ffe ist br Menschen stiller Trost den er braucht, sie ist tir unb ^anz mit feiner Wesensart in den Untieftn be- Taseins vertvachsen — sie ist der Seele mitgegeden als ein gültiges Zeugms ihrer Sch-v'erkraft, welche sie unb ihre Simre mit der (Sottbeit verbindet Bitte, entschuldigen Sie, daß ich Ihnen auf Ihre Aufforderung so gar nichts ®*entltdjrt lagen kann In vorzüglicher Hochachtung Jbr ergebener Hans Thoma."'
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Hn brr 9anbftrafcr.
„Ein großes Sterben geht »oieder einmal unter? Landstraßen entlang Mit Axt unb Säge schreitet der Tob, von der Stadt her heute, vom 'bawruhauS morgen. Dumofes Hinschmettern, splitternde Aeste nnd nacke Stammleichen bfr Seichnen seinen Weg. Hier auf bet windigen Hoch- 'äche, wo der Obstdoum nicht mehr recht gfr eiben will, führt -um abgelegenen Schwarzwald- oörsckeit vom Walde herüber eine weckselvolle Reib- alter Bogel her r bäume. Cchiefaewacksen, vom Sturm geknickt der eine, aufrecht mit geschloffener strone oer andere. Die schön das rringefieberte Laub im Spiel des Winoeö, die weißen Blütenbüschel im Frübiadr, die glühend raten Frucht- bolben am blauen Spätsommer Himmel l Und -wischen den Ebereschen mertiae Mchlbeerbäume mit Mitgrün- unb silberweißleuchtendem Lautnverk. Hab heute liegt dar alles am Boden, ungehindert pfeift unb der Kmd entgegen: die anstoßende Oede ist umgegraben zu Ackerland, und weil eS dvck in einem binging, bat man ohne -v fragen bic „häßlichen, unnützen" Bäume ffdcb mit gerohrt." — So kennzeichnet Forstmeister Otto druckt im nettesten Heft des „Schwäbischen Bunde-" die tmverantwonlicke Art imb Weift, wie oeutzutage überall die deutsche Landschaft oer- ckandelt wird. . Wenn wir heute", so lesen wir in bem Aufsatz iceiter. ..tne Baumrri den an den Landstraßen ihrer Schönheit, ihrer Bedeutung für das Landsckaitsbild wegen schätzen unb erhalten zu sehen wünschen, so komm: e5 uns nicht zum Bewußtsein, daß kaum eine von ihnen aus solchen Gründen angelegt worden sein mag. Die Veranlassungen zum Baumfatz u>amt vielmehr mefft aan-, anderer Art und höchst nüchterner Natur schatten m geben war vielfach ihr erster Zweck, vor Vmd '.fei Sckneeweden Mensch unb Tier wenigstens rinioerwaßen zu schützen. Aber noch haariger, imb besonder- in ber frrim Sbene, war ursvrünglich wohl nut beabsichtigt, den Verlas bev Negev oeutltch sichtbar abiug«u|at. i'iththe nicht nur aufi der Ferne, sondern vor allem von br iXahrbabn selbst au* Nenn bie ganze Fläche gtetchmätzia im Scknee liegt, wenn bitfner Nebel die Luft erfüllt oder lichtlme Nackt die Lroe deckt, dann irrt man gar zu leicht von der Richtung ab. wenn der Weg nickt sichtbar bezeichnet ist. Die Baumvslanzung aber macht den Sckriu freier au*' areffen, die Pferde rascher unb sicherer. Nützlüch- (eit und Schönheit sind sehr wohl vereinbar Ihr* io mehr muß es tm6 gelingen, hei Setiüngung und Neuschaffung solcher Reiben derben fflückftckten gerecht zu werden.'"


