Hr. 2^8 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Samstag, 22 Gttoder 1921
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Man achte auf den Namen MAGGI und die rotgelbe Packung.
Hessische Volkskammer.
St. Darmstadt. 21 Ott 1921-
2ün Mtnistertisch Staatspräsident Ulrich, $uumaminifter Henrich, Hustizminister v. Brentano Präsident Urstadt, Geheimer Oberschalrat •BUxt
Der erste Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9,45 Uhr. — Erster Punk der Tages- Dörrung ist die Einzelberatung der
Schulgesetznovelle.
Zu Artikel 1 führt 2lbg. Schorn (Ztr.) auS: Der Internationalismus hat getrnh sein OuteS, besonders in kultureller Beziehung, jedoch muh das Nationale in erster Linie betont und gepflegt werden, da eS unserem Volke vielfach an rechtem Rationalbewuhtsein fehlt.
Abg. Kaut (Soz.): Die Verwahrung Schorns gegen meine Ausführungen rennt offene Türen ein, da es mir nie eingefallen ist. daS Nationale KU bekämpfen. Don einem Vertreter der katholischen Weltanschauung, die doch international ist. hat mich eine solche Aeuherung besonders gewundert. Auch der Gedanke deS internationalen Mönchtums muh jetzt den Kindern besonders eingeprägt werden. Darum bedauere ich den Strich des PassuS' von der Dölkerversöhnung durch den Ausschuh 3m weiteren polemisiert der Redner gegen die gestrigen Ausführungen DingeldeyS und teistoeise auch Di-Hls. Insbesondere weist er den Dorwurs des Materialismus, den Ersterer den Sozialdemokraten gemacht hatte, xurütf. Gerade die Partei der Demokraten huldige dem Individualismus, der nur zu leicht zum Mamonismus führe. Auch wir wollen nicht nur eine Lernschule, sondern auch eine Erziehung-- schule.
Abg LooS (Dem.) findet, dah daS Wort national" zum Streitobjekt der Parteien geworden ist und eS sei daher auch von seilen seiner Partei eine Umschreibung nötig. Wir verlangen also staatsbürgerliche Erziehung im Geiste des deutschen DolkeS unter Umgehung des Wortes „national”.
Aba Ding eldetz (D. Dpt.) weist die Angriffe Kauls als unberechtigt zurück. Es handele sich auch für ihn um Gcwissensangelegenheiten im echten Sinne deS Wortes. Abg. Kaul habe in der Hauptsache das Negative seines DildungsidealS h!ervorgehoben. Positives aber vermissen lassen. In einem Augenblick, da unS Oberschlesien entrissen wurde, meine ich, sollte man sich in unserem Schulgesetz nicht darum streiten, ob sie national oder international erziehen soll.
Abg Schorn (Z): Ich habe mich gegen den Satz deS Herrn Kaul gewandt, dah er daS Internationale genau in gleicher Weise pflegen soll wie das Nationale. Dagegen werde ich mich immer wenden.
Der Artikel wird angenommen, ebenso die weiteren Artikel (ohne 3) bis 17.
Zu Artikel 18: Mittelschulen, hat Abg. Singel- bet) beantragt, diesen Artikel wieder herzustellen und in namentlicher Abstimmung darüber befinden zu lassen. — Es wird dann zunächst eine Pause beantragt. weil die Demokratische Partei sich nochmals mit dem Artikel befassen will. Ein Antrag Dingeldeh, den Artikel bis zur nächsten Sitzung zu rückzu stellen, findet starken Widerspruch der Sozialdemokraten.
Nach längerer DeschäftsordnungSdebatte erklärt Präsident U r st a d t. die Regierung wolle eine neue Fassung einbringen, daS könne bis nach der Pause geschehen. — Pause.
Sie Mittelschulen.
Mm 11.35 Mhr werden die Verhandlungen fortgesetzt. — Abg. Kaul erstattet Bericht über die SchluhauSschuhberatungen in der Pause. Der Ausschuh beantragt, den Artikel 18 der Dorlage zu streichen, dafür dem Artikel 3 folgende Fassung zu geben (daS geperrt Gedruckte ist neu etngefügt):
„Drohe Schulkörper sind auf Deschluh des Schulvorstandes mit Genehmigung des Kreis- schulamteS nach Begabung und Leistung der Schüler zu gliedern. Die Meberweisung der Schüler in Klassen mit erweiterten Lehrzielen, d i e im Rahmen der einheitlichen Volksschule weitergehende Bildungsbedürfnisse befriedigen, ohne jedoch daS Ziel der höheren Schule zu wollen, in Förderklassen für Kinder, die in den Normalklassen das Ziel der Schule nicht erreichen, und in die Hilfsklassen für Schwachbefähigte geschieht durch den Klassenlehrer unter Mitwirkung eineS vom Lehrerrat gewählten Ausschusses, dem der Schulleiter angehört. Die Meberweisung in Klassen mit erweiterten Lehrzielen bedarf der Zustimmung der Eltern. Für die Schüler der Klassenzüge mit erweiterten Lehrzielen können weitere Schuljahre, soll jedoch mindestens ein neuntes Schuljahr eingerichtet teerden. Nähere Bestimmungen über die Einrichtung und die Lehrziele dieser Klassen trifft die oberste
Schulbehörde. Bei der Meberweisung in die Hilfs klassen sind die Leiter der Hilfsklassen und der Schularzt zu hören. — Meder Beschwerden entscheidet der Schulvorstand. Gegen dessen Entscheidung ist weitere Beschwerde an das Kreis- schulamt zulässig."
Der Ausschuh ist in feiner Mehrheit der Auffassung. dah für die Mittelschulen. wie sie jetzt bestehen, eine Existenzberechtigung nicht mehr gegeben ist, dah aber die erweiterten Lehrziele, ohne dadurch das Ziel einer höheren Schule zu erreichen, noch deutlicher zum Ausdruck kommen soll im Artikel 3, als es in seiner ersten Fassung geschehen ist.
2£bg. Dingeldeh (D. Dp. >: Meine Fraktion hat keine Gelegenheit gehabt, den ihr erst seit zehn Minuten bekannt gewordenen Antrag deS Schulausschusses zu beraten. Auf Grund der eben gehörten Aenberungsvorschtäge ist eine gründliche Durchberatung des Antrags unmöglich. RamenS meiner Fraktion protestiere ich ausdrücklich dagegen, dah wir unS über einen lo gewichtigen Antrag ohne gründliche Durchberatung schlüssig werden so len. Zur Frage der Mittelschule selbst haben wir unseren Standpunkt Uargckgt. Wir w.derfetzen unS entschieden jeder Vergewaltigung deS Willens der Eltern, die die Mittelschule unbedingt beibehalten wollen. Wir bleiben auf meinem Antrag bestehen aus wohlerwogenen Gründen und auch auf Grund der mit der Degabtenauslese in Baden gemachten Erfahrungen, die die schwersten pädagogischen Bedenken zeitigte. Der Antrag Dingeldeh lautet: „Wir beantragen Wiederherstellung des Artikels 18 in der Fassung nach den Beschlüssen deS Schulausschusfes erster Seimig mit folgender Aenderung: Rach entgegenkommen: „oder weitergehende Bildungsbedürfnisse befriedigen, ohne jedoch die Ziele der höheren Lehranstalten zu cr.e chen"." Ich wiederhole. dah wir, um eine eingehende Beratung zu ermöglichen, uns der zweiten Lesung widersetzen werden.
Abg. Kaul (voz.): Wir haben an unserer Stellungnahme nichts zu andern nach dem, was Herr Dingeldeh gesagt hat. Gegen den Vorwurf der Vergewaltigung lege ich Verwahrung ein.
Abg. Schorn..(Ztr.): Ich bin gegen jede Differenzierung. Soll aber eine Auslese flatt- stattfinden, so bin ich entschieden für eine Auslese nach der Fähigkeit, nicht aber nach dem Geldbeutel der Eltern.
Abg. Dr. Osann (D. Vpt.): Wir haben bisher nur die Mitglieder des Schulausschusses gehört. Es ist aber auch notwendig, hier hie Wünsche der Eltern in Rücksicht zu ziehen. Die Eltern wollen mit Recht die öde Gleichmacherei nicht mitmachen. Sie stehen mit Recht auf dem Standpunkt, dah die Mittelschulen notwendig sind, weil sie weitergehende Bildung vermitteln als die Volksschule. Die Begabtenauslese ist durchaus einseitig, zumal fast allein das Mrteil des LehrerS entscheidend fein soll. Ein begabter Schüler ist noch lange nicht immer ein begabter Mensch. Man kann das Verlangen der Eltern nicht einfach hier überstimmen.
Abg. LooS (Dem.) wendet sich gegen den Einwurf der Gleichmacherei, der zu beweisen scheine, dah Herr Osann fein Fachmann ist.
Abg. Dingeldeh (D.Vpt.) tritt dem entgegen und stellt fest, dah auch die neue Regelung die Wünsche der Eltern nicht befriedigen kann.
Abg. Frau Balser (Dem.) ist der Ansicht, dah durch die neue Fassung den Wünschen der Eltern wohl Rechnung getragen wird. Den häh- lichen Ausdruck, die Frage der Mittelschule sei eine Geldsackfrage, sollte man auf der Linken nicht gebrauchen, denn die Kinder mancher Abgeordneten der Linken sind auch in der Mittelschule. (Hort! Heiterkeit.)
Abg. Frau Hat ferner (Z): Wir sind im Prinzip für Beibehaltung des Artikels 18, werden aber nach dem neuen Entgegenkommen der Regierung für die Vorlage stimmen.
Abg. Z i l ch (Z.) ist der Ansicht, bah man die Mittelschule, wenn sie sich bewährt hat, auch bestehen lassen soll.
Abg. Ruh (Z-) meint, Frau Hattemer sei mihverstanden worden. Wir sind der Auffassung, bah in bem, was jetzt vor! egt. eine Art der Mittelschule steckt. Mns kommt es nicht auf den Rahmen an, sondern auf den Kern.
Aba. Dingeldeh (D. Vpt.) weist nochmals darauf hin, bah auch beute schon eine ganze Reihe von Freistellen an Mittelschulen gewährt wird. Er tritt nochmals warm für die Erhaltung der Mittelschulen ein.
Damit schlicht die Debatte.
Es folgt zunächst namentliche Abstimmung über den Antrag Dingeldeh. Eine ganze Anzahl der Abgeordneten des Zentrums und auch der Demokraten hat den Saal verlassen. Der Antrag wird mit 42 gegen 5 Stimmen ab - gelehnt.
Damit sind die Mittelschulen gefallen.
Der Antrag deS Ausschusses wird angenommen.
Zur Abstimmung über den Artikel 3 erklärt Adg. Dingeldeh (D. Vp_), bah feine Par.et sich nunmehr der Abstimmung über diesen Antrag enthalten werbe.
Der Artikel 3 wirb in bet neuen Fassung (wie oben) angenommen.
Zu Artikel 20 wendet sich Abg. Feldmann 'Sem.) dagegen, dast vom Jahre 1926 ab der Beginn der Schulpflicht eintritt, wenn das Kind am 1. Mai des Aufnahmejahr^s das 6 LedenS- i jahr erreicht hat.
Der Artikel wird angenommen.
Zu Artikel 22j liegt folgender Antrag Kaul. Reiber. Schorn und G ölen vor: „Artik l 22a Absatz 5 soll lauten: Die Kosten der Mater- bringung fallen der Gemeinde zur Last, in deren Bezirk die Eltern ober deren Stellvertreter ihren Wohnsitz haben, soweit sie nicht von den Eltern ober deren Stellvertretern oder auS den Ertragnissen des Vermögens des Kindes bebrüten werben können. — Ab'atz 6 soll lauten: Kann ein Kind wegen dauernder Krankheit oder körperlicher oder geistiger Gebrechen nicht am allgemeinen Mn- terricht teilnehmen, so hat die Schulbehörde eine den Erziehu ng? bedürfni sen des Kindes entsprechende Erziehung zu veranlassen."
Der Artikel und die Anträge werden angenommen.
Zu Artikel 23 spricht Abg. Frau D i e r a u (D. Vpt.) die Genugtuung aller Frauen darüber auS, bah nun endlich bie Fortbildungsschule für Mäbchen obligatorisch geworben ist. Bebauerlich ist nur. Sah es nicht gelungen ist, wie in Baben, bie Religion in den MnterrichtSplan mit aufzunehmen. (Lachen links.) Meine Herren! Es hanbelt sich hier um eine Meberzeugungssache und ich bitte, nicht immer gleich zu lachen, wir achten boch auch Ihre Meberzeugung. Herr Abg. Lehnhart hat das gestern sehr eingehend begründet und ich unterstreiche jedes Wort dieser Begründung. Eine Ergänzung dieses Artikels mühte dahin geschaffen werden, bah für bie Mäbchen, bie schon eine weitergehende Bildung haben, Fortgeschrittenenkurse eingerichtet werden.
Die Anregung soll in der zweiten Lesung als Antrag eingebracht werden. Der Artikel wird angenommen, ebenso weitere Artikel.
Zu Artikel 26 Abs. 1 liegt folgender Antrag Kaul-Reiber-Schorn vor: In Artikel 26 Abs. 1 ist die Abänderung der Anlage 2 von Drucksache Nr. 848 zu streichen und die Fassung erster Lesung wieder herzustellen: „Der Staat ist verpflichtet, den Volks- und Fortbildungsschülern die Lernmtttel kostenlos zur Verfügung zu stellen." Infolgedessen wird Ziffer 8 des Artikels 83 Ziffer 4 des Artikels 81a; Ziffer 4, 5 unÖ 6 von Artikel 81a erhalten die Nummern 5, 6 und 7.
Der Antrag wird angenommen. Ebenso die Artikel bis 52. QlrtiM 53 und 54 werden gestrichen.
Zu Artikel 55 tritt Abg. Schorn (Ztr.) sehr energisch gegen die Zulassung der Verheiratung der Lehrerinnen ein. Er habe den dringenden Wunsch, bah sich bie Frage der verheirateten Lehrerinnen noch bis zur zweiten Lesung anders regeln läfjt. Eine verheiratete Lehrerin ist nach meiner Meberzeugung ein M n - ding. Es mühten, wenn Kinder geboren werden, vielleicht besondere Stillstuben in der Schule eingerichtet werden, Kinderwärterinnen angestellt usw. Oder sollen die kleinen Schreihalse in das Rektorzimmer gestellt werden, bah der Rektor sie beaufsichtigt. (Heiterkeit.) Ich meine, wir haben so viele Anwärterinnen zur Verfügung, dah wir verlangen können, bah eine Lehrerin, wenn sie heiratet, ihr Amt niederlegt.
Abg. Dingeldeh (D. Vpt.): Diese Frage ist eine reine Rechtsfrage. Die Verfassung regelt diese Frage klar und daran ist rechttich nichts zu deuteln.
Abg. Engelmann (Soz.) spricht sich in gleichem Sinne aus.
Abg. Frau Balser (Dem.) ist derselben Meinung. Dor der Verfassung sind Mann und Frau gleich.
Abg. Frau Die rau (D. Vpt.) nimmt ebenfalls gegen bie Ausführungen des Abg. Schorn bie Frauen in Schutz, aus denen keine grobe Duldsamkeit gegenüber der Frau zu sprechen scheine.
Abg. Schorn (Ztr.) verwahrt sich dagegen. Gerade weil er die Frau als Mutter hochschäht, habe er seine Ausführungen gemacht.
Abg. Zilsch (Ztr.) spricht sich ähnlich aus.
Abg Frau Steinhäuser (Soz.) tritt ebenfalls Herrn Schorn entgegen und meint, der Herr Rektor Schorn brauche keine Angst zu haben, aus feinem Rektorzimmer eine Kinderstube zu machen.
Der Artikel wird nach dem Ausschubantrag g e st r i ch e n, ebenso die Artikel bis 66, die ander- weite Regelung finden. Die Artikel bis 89 werben debattelvs genehmigt.
Zu Artikel 90 liegt folgender Antrag Kaul- Reiber-Schorn vor.
„Artikel 90. DieseS Gesetz tritt am 1. April 1922 in Kraft, soweit nicht das LandeSamt für daS Bckdungowcfen einen früheren Z itpun.t bestimmt. BiS zum 1 April 1921 find die Gemeinden mit weniger als 3000 Sinwohne m von der Verpflichtung entbunden, Forti Udungsschulen für Mädchen zu errichten. Die bestehenden erweiterten Volksschulen nach Artikel 18 des Volks» lchulgesehes von 1874 find jahrgarg tixi e ab u- bauen. Statt des Art. 26 gelten i?i<* zum Erlast reichSgesetzl. Vvrschriften, jedoch längste: s biS z nn Beginn des Schuljahres 1926 folgende Bestimmungen: „Soweit die Gemeindevertretungen nicht allgemeine Lernmittelfreiheit fur Volks- and Fcrtbildungsfchüler einführen, sind die Eltern ober deren Stellvertreter verbunden, ihren Kindern die notwendigen Lernrnitt l zu b-. schaffen. Leisten sie dieser Derbindlichleit nicht Genüge ober erscheint es sonst zweckmäßig, so können bie Lernmittel von ber Gemeinbe beschafft unb die entstehenden Kosten von den Silent wiebererhoben ober auf bem Verwaltungswege beigetrieben werben. Für bie Kinder unbemittelter Gemeindeeinwohner sind bie Lernmittel auf Kosten bei Gemeinde zu beschaffen." BiS zum Erlast reichsgesetzlicher Vorschriften über die Lehrerbildung, längstens jedoch bis zum Jahre 1926, kann die zur Aufnahme in bie Lehrerbildungsanstalt notwendige Vorbildung durch besondere Prüfung nachgewiesen werben. Schulgüter, bie nach den Bestimmungen dieses Gesetzes abgetreten werden müssen, aber für daS Grntejahr 1920 besonders angebaut sind, werben ben Inhabern bis nach eingetaner Ernte belassen.
Abg. Dingelbey (D Vpt.) beantragt hierzu Wiederherstellung der Fassung nach den Beschlüssen erster Lesung des Schulausschusses, weil er eine längere Frist für die MebergangSzeit offen Iaht
Abg. Kaul (ö.) tritt dem entgegen und bittet um Annahme seines Antrages.
Der Antrag Dingeldeh wird abgelehnr, ber Antrag Kaul angenommen. Ebenso werden bie Schluhartikel angenommen unb die Vorstellungen für erlebigt erklärt.
Damit ist das VolkSschulgesetz in erster Lesung angenommen.
Schluh IVj MHr. Nächste Sitzung Dienstag vormtttag 10 Mhr.
Vermischtes.
DaS Loch in Oppau.
Wieviel Erdboden ist durch bie folgenschwere Explosion in Oppau in Bewegung verseht worden? Diese Frage hat ein Siegener Professor wie folgt zu beantworten versucht. Nimmt man an, bah das Loch eine regetmähige Trichterform von einem Durchmesser von 100 Metern, 36 Metern Tiefe, so saht ber Trichter 94 200 Kubikmeter. Dieser Inhalt, auS Wasser bestehenb, würde 94 200 000 Kilogramm wiegen. Da man Erdboden im Mittel wohl doppelt so schwer wie Wasser annehmen darf, ist noch mit zwei zu multiplizieren = 188 400 000 Kilogramm ober 188 400 Tonnen. Gin Eisenbahngüterwagen wirb im Durchschnitt mit 15 Tonnen beladen werben können. Bei dieser Belastung wären also 12 560 Wagen nötig, ober nicht weniger als 314 Züge zu je 80 Achsen ober 40 Wagen, bie Masse heranzuschleifen, bie nötig ist, ben heute gähnenben Abgrund, ber in einem Schreckensmoment entstaub, wieder aufzufüllen. Bei dieser Berechnung sind die auf der in Rebe stehenden Fläche vor ber Entflammung befindlichen Gebäude unb anbere Gewichtsmassen nicht berücksichtigt. — Wohin ist ber Riesenhaufen verstreut worben? Ist er, zu Atomen zerrieben, in ber Mmgegenb als feiner Staub wieder heruntergekommen ober ift er, zerblasen, in ganz hohe Schichten gelangt unb von dort durch die Winde in alle Welt zerstoben???
Praktische Wahltechnik.
fpd. Heidelberg, 21. Oft Für die Landtagswahlen haben bie acht Parteien mit Ausnahme des Lcuibbunbes beschlossen, bie Wahlzettel nicht gesondert den Wählern ins Haus zu schicken, sondern gemeinsam in einem Mm schlag. Für bettlägerige Kranke in ben Kliniken soll ein „fliegendes" Wahl- lokal eingerichtet werben, bamü auch sie ihr Wahlrecht ausüben können.
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