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Erster Ilker-Tag in Giehen

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einst zusammen bei Reinhardt engagiert gewesen, und ich erinnere mich heute noch, wie mit ihm in unfern Kreis immer eine gewisse Würde trat, man

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Eintritt in die Literatur I ebenso selbst hielt wie bei anderen drang. Wir find wirrte, davon erzählt Bahr in einem anderen Auf- - - ---- -

lat).In den ersten neunziger Jahren begann

(Erinnerungsblätter von Hermann Bahr.

Hermann "Vahr hat die ganze Geistesbewegung des letzten Vierteljahrhunderts tätig und för­dernd miterlebt. Wenn er einmal seine Erin­nerungen schreiben sollte, so wird er damit eine wichtige Quelle für die Kunst- und Kulturgeschichte bieten AIS vorläufige Abschlagszahlungen gleich­sam haben uns die Aufsähe zu gelten, die er

Von

Was wir 3n Treue

Festgruß;

Setmann Böning vor Jahren einst gelobt, sei's gehalten!

*23erbot der Passionsspiele.

fpd Frankfurt a. M., 21. Aug. Während Katholikentagung sollte in Frankfurt eine

Mark 20,- 15, 5,

lieber Wedekinds inneres Wesen hören wir!Er war lange Zeit eine Art Bürgerschreck, alle fromme Zucht und Sitte, die heiligsten Düker Europas gefährdend, Zigeuner Satanist, wenn nicht am Ende gar der Antichrist in eigener Per­son. Wer ihm bann näher kam, war also sehr

die 116er hierhergekvnnnen. um das langer)ebnt» Wiedersehen zu feiern. Gemeinsame Kämpfe und Böte hätten die Kameraden zusammengetittet. Mitten in alle Freude falle aber der dunkle Schatten von Bot und Zannner unseres Vater­landes und der Schmerz um die dielen Kame­raden, für die es hier kein Wiedersehen mehr gebe. 3n idieser Stunde wollten wir ihrer, wie auch der Gefallenen von 1870/71 gedenken. Der Redner wendet sich dann mit tröstenden Worten an bte Angehörigen der Gefallenen und mit mahnenden Worten an die lebenden Kameraden.

Entblösten Hauptes wurde das Lied gelungen .3<ß hatf einen Kameraden", während sich die Fahnen senkten.

Der Vorbeimarsch der Traditionskom-

wie sonst war, aber hier patzte sie her, und ich hatte das Gefühl, daß hier auf einmal auch er aus Graz oder Linz war."

vorzuliegen scheint. Wenigstens scheinen dae täglich ausverkauften Häuser zu erhärten.

Eine freie Volksbühne.

neuen Blüten ungestört entwickeln können einer Bachernte in Bohnen rechnen können Bornotizen.

n.°,r ,m a c bSug von monatlich 15 TRarb eintrüt Es berechnet sich alsdann in den drei angeführten Beispielen die Steuerleistung wie folgt

mehrmalige Aufführung eines PasftonSspicles im Hippodrom stattfinden Der Frankfurter Magistrat hat aber gemeinsam mit dem Po­lizeipräsidenten die Aufführung nicht geftatiet mit der Begründung, datz dazu ein Bedürfnis nicht vorliege. Degen dieses mehr als merk­würdige Verbot ist sofort schärf st er Protest eingelegt worden. Datz imVenen Theater" feit mehr als fünf Wochen alladendllch Schnitz» lers berüchtigterBeigen" aufgeführt wird, ohne datz die Polizei und der Magistrat dagegen ein- schreiten, scheint ein Beweis dafür zu sein, datz für eine derartige Zote, wie sie derBeigen" nun einmal ist, in Frankfurt ein dringendes Bedürf-

nen, werden auch von Gießener Gärtnern ge­macht. Die erste Blüte kam hier wegen der Trockenheit nicht oder sehr schlecht zur Entwick­lung. Als in den letzten Tagen gute Regensälle einsetzten, trieben die schon halb verdorrten Pflan« wieder aus und häufig wird man, wenn sich

Mark 17.- 15,-

Wenn Tod und Teufel uns umtobt. Wirsbleiben doch die Alten!

Wir setzen unser Herz zum Pfand: Heil dir, du deutsches Vaterland!"

Ob wir auch tragen schwere Last Und Wunden, die uns schmerzen, Uns grüßt ein Bild, das nie verblaßt, Wir tragen« tief im Herzen I Schlagt rechts und links die Hände ein: Bie soll es uns vergessen sein!"

Die Zeit ist ernst und groß die Bot: Der Himmel ist verhangen.

Wir schauen auS nach Morgenrot, 3n brünstigem Verlangen Und greifen nach des Schöpfers Hand. Herr, schirme unser Hessenland!"

Mit Haus und Hof, mit Weib und Kind, Wie bald sind wir verfallen.

Wenn wir nicht deutsch und einig sind, 3m Wollen und im Wallen.

3n Eure Herzen grabt es ein.

.Wir wollen einig, einig sein!"

Wir loben es, wie einst im Eid, Wir 'bleiben ohne Beue, Trotz Schmach und Bot, trotz Schmerz und Leid: DaS Begiment der Treue!"

Wir wanken und wir schwanken nicht! Herr, Führe uns durch Bacht zum Licht!"

Barlohn

Baturalbezüge (in Hessen) Gesamtlohn Steuerfrei Steuerbares Einkommen Davon 10 Prozent Steuer Ab für Werbungskosten Endgültige Steuer

3n diesen Beispielen ist also eine Steuer nicht zu entrichten, da kein steuerbares Einkommen mehr erzielt ist. Das verschiebt sich aber, wenn auch in Hessen der Satz für Naturalleistungen erhöht wird.

Bach dem 31. Oktober ändert sich dies alles, weil dann für Werbungskosten der

wigst ratze, Alicestratze, Frankfurter Stratze, Sel­tersweg, Goethestratze, Süd-Anlage, Ost-Anlage und Bord-Anlage zum Oswaldsgarten bewegte. Der Zug wurde fortgesetzt mit Blumen beworfen. Tausende von Zuschauern bildeten in den Stro­tzen Spalier. Der Zug hatte sich um 2 15 Uhr in Bewegung gesetzt und erst um 3,30 Ähr trafen die letzten Teilnehmer auf dem Festplahe ein. Hier entwickelte sich ein lebhaftes Treiben. Alte, ergraute 116er und junge Kriegsteilnehmer feier­ten ihr Wiedersehen Bühren de Szenen konnte man beobachten. Die zahlreichen Wirtschaftshallen vermochten die Gäste nicht alle zu fassen und so erfreuten sich auch die Wirtschaften der Stadt emes starken Besuches. Man hatte nicht gedacht datz ein solcher Massenbesuch eintreffen würde.' Der Oswaldsgarten erwies sich als Fest Platz zu klein.

Den 116er-Tag kann man in allen seinen Teilen als wohlgelungen bezeichnen. Möge er dazu beitragen, im deutschen Volke alles Treu- nende zu verwischen, möge er das fördern, was uns allen ein gemeinsames Streben sein sollte.

paguie bildete den würdigen Abschluß der schlich­ten Feier. ES dauerte wohl eine halbe Stunde, bis sich der Kasernenhof von der gemaUigi Menschenmasse geleert hatte. Die überfüllten W_ gen der Straßenbahn brachte die Gäste zur Stadt zurück, zur Süd-Anlage, wo die 15er Kapelle konzertierte und zu den Wirtschaften, in denen das Mittagessen eingenommen wurde

Bald nach 1 Uhr wurde in der Kaiser-Allee, Mvltkest ratze und Schiffenberger Weg. der Fest- z u g aufgestellt, der sich durch Kaiser-Allee, Lud-

Dehmel in Berlin umzugehen. Er fiel gleich auf, irgend etwas Düsteres lag auf seinem verwühlten. erschütterten, von Qualen oder Aengsten ober Wünschen zerrissenen Gesicht, irgendeine Drohung umgab ihn Er schien gezeichnet, und wer ihn so, in seinen Badmantel gerollt, vor sich hin- schwcigen sah, unter den Menschen verirrt, mit Ge­heimnis behängt und immer, als ob er von einer unsichtbaren Faust niedergedrückt würde, wußte nicht, ob er sich vor ihm fürchten ober leine? er­barmen sollte. Es trat ein Fremdling ein, wohin er kam. Sein Gesicht war hart, die Stirne voll Wolken, die Base groß und heftig, ein rechter oinlen, wix man in Berlin sagt: es war ein trotziges Gesicht, aus einer tiefen Finsternis em­porgestiegen, vergrämt und angstvoll, aber auch Ekel war darin, und auch Ungeduld, als ob eS eine Verheißung einzufordern hätte Er hatte irgendeinen inneren Feind bei sich, der ihn jeden Augenblick anfallen konnte, und er wünschte sich nur, es wäre schon einmal so weit. 3n dieser Er­wartung faß er unter den jungen Leuten auf den inneren Feind lauschend, um gleich über ihn zu stürzen. Sie sahen es ihm an; eS war um ihn eine Stimmung, als ob gleich irgendwoher ein Schutz' fallen müßte. Wenn er aber seine Ge­dichte vorlas. bann fiel der- Schutz ."

jeßt in verschiedenen Sammlungen veröffentlicht. 3n dem soeben bei der Wiener Literarischen An­stalt erschienenenBilderbuch" sinden sich inter­essante Erinnerungsblätter an bedeutende Zeit­genossen. Das Auftreten Gerhart Haupt­manns in den 80er Zähren deS 19. Jahrhun­derts charakterisiert Bahr, indem er zuerst bte gärende Dumpfheit und chaotische Wirrnis jener Zeit schildeitDa trat der junge Gerhart Haupt­mann unter unS," fährt er bann fort,eines schlesischen Gastwirts Sohn. Bildhauer zuerst, dann Student der Baturwissenschast. eine Zest- lang schwankend zwischen Privatgelehrsamkeit und Literatur, unsicher erst nach seiner Lebensform tastend. Der wollte das alles auch, was wir alle wollten, er fühlte sich von denselben dunklen Mächten getileben wie wir, aber er hatte das vor uns allen voraus, baß er auch konnte. waS wir alle wollten; er beschwor die Sehnsucht dieser neuen Zeit und zwang sie zur Erscheinung, ihm stand die irre Flucht unserer gierigen Ahnungen, ihm ordnete sie sich, ihm fügte sie sich in feste Gestalt Ör war der erste Könner unter uns Wir hatten die Geister gerufen, er aber gebot ihnen und lehrte sie gehorchen. Sv trat er unter |Viu un&, und gleich wußten wir: Da ist der, nach I überrascht, einen gemessenen, förmlichen, fast feier* dem die neue Zeit verlangt! Wie Richard! lichen Herrn zu finden, der auf gutes Betragen

_ Mark

10 Prozent Steuer 15,-

215 für Werbungskosten 15, Endgültige Steuer

2- Wettervoraussagc für Dienstag.

Wolkig, zeitweise Biederschläge, wind.

mc. Frankfurt a. M., 21. Aug. Die hiesige^ freien Gewerkschaften arbeiten in Verbindung mit den sozialistischen Parteien an der Gründung einer freien ^Volksbühne, die ihre Botlstellungen mit Beginn des Win- tzerS geben soll. Geplant sind insbesondere Aufführungen revolutionärer Autoren und solcher, die aufi der Schaubühne wegen ihrer Tendenz bisher nur sehr beschränkt dargestellt wurden.

Angewiesen, daß Bayern bei der Brot- aetreideversvrgung fein Hebe r- ' chuß-, sondern ein Zuschu tzgeb ie t ist. Sm nur eine Kopfmenge von 200 Gramm pro Tag der Devöllerung geben zu können, hat Bayern tm vergangenen Jahr monatlich einen Zuschuß von 15 000 Tonnen Getreide benötigt, jährlich also mindestens 180 000 Tonnen. Beben der Be­sorgnis wegen übermäßiger Ausfuhr war es be- soewers die starke Steigerung der Preise auf dem Tetreidemarkt, was die Oestentlichkeit in hohem Maße beunruhigte.

Aus dem Reiche.

Ein neuer Zwischenfall mit Franzosen in Berlin.

Berkin, 21. 2Iug. (Wolff.) Bach dem vor­läufigen amtlichen Bericht des beteiligten Pvlizei- wach^nersters trug sich der von einigen Blättern gemeldete Zwischenfall mit französi­schen Soldaten ant Bahnhof Friedrichstraße folgendermaßen zu: Am 20. August nachmittags 8,20 Ahr kam ein französisches TranSportauto mit fünf französischen Soldaten und einem Dol­metscher von der 3nteralliierten Kommission in Memel und Mainz am Bahnhof vargefahren. Mehrere der Franzosen waren anscheinend ange­trunken. Das Auto hielt an der Bordseite des Bahnhof« Friedrichstraße, um dort Gepäck abzu- laden, wobei die Soldaten einen großen Lärm machten. Es entstand An Menschenauslauf von etwa 100 Personen. Bach einer Aufforderung des Polizeiwachtmeisters Gutreit, etwas ruhiger zu sein, trat der französische Soldat Eduard Hoe- 1er heran, sprach mehrere Worte französisch, die der Wachtmeister aber nicht verstand, und stieß den Wachtmeister vor den Leib; gleich­zeitig faßte er in die Tasche. Da der Wachtmeister vermutete, daß der Soldat seine Waffe gegen ihn anwenden wollte sah er sich veranlaßt, um einen Angriff abzuwehren, den Soldaten am Hand­gelenk zu fassen. Er erreichte dadurch, baß dieser sich beruhigte. Der französische Soldat wurde zur Feststellung seiner Personalien auf die Bahn­hofswache gebracht und sodann entlassen.

Kundgebungen und Gegenkundgebungen.

Magdeburg 21. Aug. (WTD.) Als der VereinStahlhelm" in Großsalza bet Schönebeck an der Elbe seine Fahnenweihe be­gehen wollte, zu der viele auswärtige Orts­gruppen und Militärvereine erschienen waren, drang ein großer Demonstrationszug mit roten Fahnen und Propagandaschildem in das Fest lokal, zertrümmerte das 3nventar und zer­riß die schwarz-weiß-roten Fahnen. Als man den Eindringlingen de nEintritt ver­wehren wollte, fielen Schüsse, durch die eine Frau schwer und mehrere Personen leicht verletzt wur­den. Bon welcher Seite die Schüsse fielen, ist noch nicht fest gestellt worden. Auf der Straße rifTen die Demonstranten die Girlanden herunter und zwangen die Einwohner, die schwarz-weiß- roten Fahnen einzuziehen. Berittener Polizei ge­lang e«, die Ordnung wieder herzustellen

Aus Stabt unb ßanb.

G i eßen, den 22. Aug. 1921.

Der Steuerabzug der Hausangestellten.

Durch die Bovelle zum Einkommensteuergesetz und das Lohnsteuergeseh sowie die dazu erlassenen Ausführungsbestimmungen wird auch der Steuer­abzug der Hausangestellten auf eine neue Grundlage gestellt Da eine unterschiedliche Behandlung der Hausangestellten gegenüber den sonstigen Lohn- und Gehaltsempfängern im Gesetz nicht voryeseben ist, gelten dessen Vorschriften selbstverständlich für die Besteuerung auch ihre- Einkommens. Sie haben also Anspruch neben der Absetzung des steuerfreien Existenzminimums von je 100 Mark monatlich vom Gesamteinkommen auf diejenigen Abzüge aus dem danach verbleibenden Steuerbetrag, die als Abgeltung für die soge­nannten Werbungskvsten (Kassenbeitrage, Dienst­aufwand uftoj festgesetzt sind. Hnter Zugrunde­legung eines Gesamtsteuerabzugs hierfür von jähr­lich 180 Mk., dürfen also vom oben erwähnten Steuerbetrag monatlich 15 Mark gekürzt werden. Dazu kommt für die drei Monate August bis Okto­ber zum Ausgleich zu geringer Berücksichtigung der Werbungskosten m dem bis dahin abgelaufe­nen Teil des neuen Finanzjahres eine Erhöhung dieses Abzuges um weitere 20 auf 35 Mk. Da ein Erlaß des Reichsfinanzministers vom 21. Juli ds. Zs. diesen erhöhten Abzug ausdrücklich auch für bi$ Fälle zulätzt, in denen die betr. Kassen­beiträge beim bisherigen Steuerabzug schon be­rücksichtigt waren, muß die darin liegende Ver­günstigung selbstredend auch den Hausangestellten zugute kommen. 5)te Berechnung der Steuer gc- staltet sich danach für die drei Monate August, September, Oktober wie folgt:

Die Wetterlage hat sich nicht wesenllich ver­ändert. Die Biederschlagsmenge des Gewitters am Samstag abend betrug 14,6 Mm

*

** Amtliche Personal nachrich- t e n. Am 12. August 1921 wurde der Förster der Forstwartet Eichelsachsen, Oberförsterei Schotten, am 14. August 1921 die Förster Adam Bauer aus Hammelbacb zum Förster der Forstwartei Altenhain, Wilhelm Bechtold aus Eschenrod zum Förster der Forstwartei Kiliansherberge, Oberförsterei Feldkrücken, Oulius Kniß aus Griesheim zum Förster der Forstwartei Bernsfeld, Oberförsterei Burg» Gemünden, H. Trupp aus Deckenbach zumFör- ster der Forstwartei Sprendlingen IV ernannt Ferner wurden am 16. August 1921 dic Förster der Forstwartei Weickartshain, Ober- fvrsterei Laubach, Förster Georg Tröller zu Weickartshain, der Forstwartei Adenhausen, Oberförsterei Grebenau, Förster Lor. Schmidt zu Adenhausen, auf ihr Bachsuchen und untei Anerkennung ihrer dem Staate geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Oktober l. 3S. ab in den Ruhestand verseht.

" Blüten und F r ü ch te. 3n mehreren Gemeinden des Kreises Asin gen bietet sich ein seltenes Baturschauspiel Viele Aepfel- bäunte, die selbst von Früchten behangen sind, stehen in voller Blüte, wie zur Früh, lingszeit. Allein in der Gemarkung Laubach stehen auf einem Grundstück 10 solcher Bäume. Aehnliche Beobachtungen, vor allem bei Bo h -

ließ sich nicht mehr gehen, es war, als wäre frem­der Besuch da. Doch nicht etwa Scheu vor seinem Ernst und nicht als innerlich fremd empfanden wir ihn, sondern eher als einen gesellschaftlich Höheren, der uns unwillkürlich die Formen feiner Kaste auf­zwang. Er war gar nicht hochmütig, aber steif; er kam entgegen, hielt aber unwissentlich immer Distanz; er gab sich nicht bloß sehr höflich, er wollte sich freundlich, wollte sich herzlich geben, eS kam aber schließlich selten über eine wohlgemeinte, doch etwas künstliche Leutseligkeit hinaus, fast wie wenn ein regierender Herr sich herabläßt, einmal im Zwischenakt auf die Bühne zu gehen, huldvoll verlegen, ilnb ganz so hat er auch in München am Biertisch seiner Getreuen Audienzen zu erteilen gesucht. Er posiert den großen Mann, sagten die einen. Bein, er ist nur befangen, weil er, jahre­lang deklassiert und aller Formen entwöhnt, sie jetzt übertreiben zu müssen meint, sagten Die an­deren. Keine der Grllärungen reichte mir zu, ich habe gleich auf den ersten Blick an die Botwendig- keil, Anschuld und Echtheit seiner Haltung ge­glaubt, doch verständlich wurde sie mir allerdings erst, al« ich ihn einmal daheim sah, in der Prinz- regentenftraße. Er war, als ich kam, gerade fort, und so faß ich. ihn erwartend, bei feiner lieben Frau, spielte mit den Kindern und formte mir gar nicht gleich erklären, warum mir da so wohl war; es lag hier offenbar in der Luft, irgend etwas hei­melte mich an. und ich sagte mir schließlich, sie ist auS Graz und du bist aus Linz, baÄ wird das ganze Geheimnis sein! Lind dann kam Wedekind herein, und siehe, hier war nichts von Befangen­heit an ihm, obwohl er ganz von derselben Haltung

Gießen, 22. Aug. 1921.

Wohl an 10 000 ehemalige Angehörige des 116. Regimentes und seiner Kriegsformationen mögen es gewesen sein, die sich gestern in ihrer lieben ollen Garnisonstadt ein Stelldichein gaben, ilnb zur Ehre der Bewohner Gießens sei es gesagt daß die Hauptstraßen der Stadt in ihrem Fahnen­schmuck den Gästen zeigten, daß die Einwohner­schaft das alte Regiment noch in gutem Andenken behalten hat.

Am Samstag trafen bereits zahlreiche Gäste ein, die zum Teil von wellher aus dem besetzten Gebiet und aus Borddeutschlaud kamen. Sie hatten die Welle Beise nicht gescheut, um ihre Kameraden, die im Kriege Freud und Leid mit ihnen geteilt hatten, einmal wieder zu sehen. Auf Oswaldsgarten sammelten sich die Regiments- angehörigen, und es herrschte bald in den Zelten ein lebhaftes Treiben, bis gegen 10 Ahr ein schweres 'Regenwetter einsetzte, das bis 1 Ahr anhielt. So verliefen sich denn die Festgäste in die Wirtschaften und Eaf6s der 3nnenflabt, wo bis lange nach Mitternacht das Wiedersehen ge­feiert wurde

Der Sonntag brachte die große Masse der Besucher. Abermals kamen viele aus dem be­setzten Gebiet, aus Köln, Koblenz, Mainz und Worms Etwa 15 Sonderzüge trafen von den verschiedensten Richtungen zwischen 7,30 und 9 Ahr auf dem Bahnhof ein. 3n den ehemaligen Fürstenzimmern war eine Auskunftei eingerichtet. Der Empfang am Bahnhof gestaltete sich beson­ders herzlich, Musikkapellen empfingen die Ka­meraden und geleiteten sie zur Reuen Kaserne. Für Schwerkriegsbeschädigte und Altveteranen von 1870/71 standen Wagen und Autos am Bahn­hof zur Verfügung. Die Elektrische hatte ihre Wagenzahl verdreifacht und alle Wagen waren vollgepfropft. 3m Saufe des Vormittags bewegte sich daneben ein einziger Menschenstrom durch Die Stadt zur Beuen Kaserne. Gleich am Eingang spielte eine Musikkapelle militärische Weisen, und es war besonders rührend zu sehen, wie sich die Leute aus dem besetzten Gebiete freuten, endlich wieder deutsche Lieder und deutsche Musik hören zu können.

Millen auf dem Kasernenhofe stand eine Red-

Tageskalender für Montag. Oswaldsgarten, ab 3 Ahr, Bachfeier der ehe­maligen 116er. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, Der Grpressertrick" undLeben und Lüge". Astorialichtspiele, SelterSweg, wie gestern

Starkenburg und Rheinhessen.

Die Bechtheimer Raubmörder verhaftet.

fpd. Mainz, 21. Aug. Knapp acht Tage konnten sich die Mörder des 75jährigen Beigeord­neten Daniel Braun in Bechkheim der Frei­heit erfreuen. Dem Zusammenarbeiten der ver­schiedenen Polizeivrgane gelang es, die Mörder am Donnerstag und Freitag an verschiedenen Orten festzunehmen. GS war bekannt geworden, baß sich mehrere Tage vor dem Morde zwei junge Burschen in Bechtheim und Umgebung herum - getrieben und auch in der Scheune des Braun genächtigt hatten. Gs waren dies der 20jährige Maurer Otto Warschinsky auS Rothenburg (Posen) und der 31jährige Fabrikarbeiter 3ohann Ernst Bauemfeind aus Rothenbach in Oberfran­ken. Beide waren von Frankfurt gekommen und wollten sich ins Saargebiet begeben Als der Mord bekannt wurde, lenkte sich der Verdacht sofort auf die beiden Burschen. Am Donnerstag konnte be­reits Warschinsky in Alzey verhaftet werden. Am Freitag wurde in Frankfurt Bauernfei^d fest­genommen. Beide haben den Mord schon cin- aestanden. Sie haben sich in der Mordnacht vom Heuschober aus eine Oesfnung in das Wohnhaus erbrochen und sind auf diese Weise in das Schlaf­zimmer des alten Herrn eingedrungen Den Mör­dern sind etwa 1000 Mk. in die Hände gefallen. Auch die zwischen Bechtheim und Offenheim kurz nach dem Morde aufgefunbene blutbefleckte Hose gehört einem der Mörder. Schon vor einigen Wochen hat einer der Mörder mit zwei anderen Landstreichern in dem Heuschober genächtigt und damals seinen Kumpanen den Vorschlag gemacht, den alten Mann zu ermorden. Er stieß hierbei aber auf den Widerstand der Leute. Dann suchte er sich vor einer Woche einen Helfer aus und fand ihn auch in der Person des zweiten Täters.

rm. Darmstadt, 22 Aug. Der Milch- preiS erhöht sich vom 21. August ab nach einer Vereinbarung zwischen den lanbto. Organisationen, dem Städtebund und der Stadtverwaltung sowie den Mllchvertellern auf 3.70 Mk. für das Liter.

nertribüne, daneben befanden sich zahlreiche Bänke für Kriegsbeschädigte und Altveteranen, sowie die Plätze für die Angehörigen der Gefallenen 3n Hufeisenform bauten sich rundum mit der Oessnung zur Exerzierhalle die Regimenter auf: Aktiv 116, Reserve- und Landwehr-Regiment, 222, 254 und 186, den Schluß bildeten die Ersatzbataillone dieser Regimenter. Gegen 10 Ahr war die Aufstellung beendet, und vom Eingang zur Kaserne erschallte die Musik der 15er, die Traditionskompagnie brachte die Fahnen des Regiments zur Redner­tribüne. Es war ein feierlicher Augenblick. Die Häupter der Soldaten, die ehemals auf die Fahnen den Eid der Treue geschworen, entblößten sich, ja manches Auge füllte sich mit Tränen, denn dem Soldaten ist die Fahne heilig geblieben

Fansaren erschallten, Major a. D. Linde- nau bestieg die Rednertribüne und bleit die Be­grüßungsansprache. Als er mit besonders herz­lichen Worten der treuen Anhänglichkeit der Brü­der im besetzten Gebiete gedachte, erscholl leb­hafter Beifall. Er betonte, daß die Zusammenkunft in erster Linie dem Gedächtnis der Gefallenen, darnach auch der Kameradschaftlichkeit gelte. Freu­dig stimmte die Festversammlung in das Lied der Deutschen ein.

3m Barnen der Stadt sprach Oberbürger­meister Keller. Gr sagte, es sei ihm eine große Freude, den zahlreichen ehemaligen 116ern den Willkommgrutz der Stadt übermitteln zu können. Gerade in den letzten Jahren, während des Welt­krieges, hätten sich unlösliche Bande geknüpft und im Weltkriege sei die Anhänglichkeit von Gießen zum Regiment gewachsen, durch die gemeinsame Bot, durch die Fürsorge für Verwundete und Kranke. Allen Gefallenen aber würde die Stadt ein ehrendes Gedächtnis bewahren. Heute hätten sich tausende 116er und Angehörige der Kriegs­formationen in Gießens Mauern versammelt zur Pflege der kameradschaftlichen Gesinnung. Welche Fülle des Geschehens liege zwischen 1914 und heute; damals war das deutsche Volk stark und §roß, heute geknechtet und entrechtet. Das deutsche lolt müsse seines Geschickes Herr werden. Es müsse heißen Deutschland über alles Parteigezänk, über alle religiöse Trennung, über alle StammeSverschiedenheit. Bur dann könne das kranke Vaterland sich wieder empor- heben. Brüderlich müsse das deutsche Volk zusam- menstehen, so wie es Schillers volkstümlichstes WerkWilhelm Tell" zeige. Ohne Vaterlandsliebe gebe es keine Einigkeit, ohne Einigkeit keine Frei­heit. Mögen die 116er allezeit pflegen: Kamerad­schaft, Pflichterfüllung, Hingebung an das große Ganze, an das Vaterland. Lebhafter Beifall folgte dieser ausgezeichneten Ansprache. Darnach erflang der Gesang deS Biederländischen Dankgebetes

Pfarrer Schaefer hielt die Gedächtnis­rede für die Gefallenen. Freudigen Herzens seien

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