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Darauffolgenden Abkommen Deutschland auferlegten DeparationSzahlun-- g e n für den Handel der Welt nachteilig sind und insbesondere England in Mitleidenschaft ziehen und es gibt seiner Meinung Ausdruck, daß die Zeit für eine Revision der Ge­sa m t l a g e gekommen ist mit dem Vorhaben, daß jede mögliche Llnterstützung von feiten Deutschlands für den Aufbau der verwüste­ten Gebiete in Frankreich gegeben werden soll.

Llord Derby über die Washingtoner Konferenz.

London, 20. Ott. (WB.) Lord Derby erklärte in einer Rede in Birmingham, die Wa I - hingtoner Konferenz werde die bedeut­samste Konferenz sein, die je stattgefunden habe. Ein Erfolg der Konferenz bedeute Frieden, ein Mißerfolg bedeute zweifellos Krieg, und zwar Krieg in der unmittelbaren Zukunft.

Aus der französischen Kammer.

Paris, 21. Oft. (WTB.) In der Kam­mer besprach der Abgeordnete Mandel die auswärtige Politik. Er warf Driand vor, daß er den Friedensvertrag von Versailles kritisiere, dessen Ausführung ihm obliege. Mandel zählt dmrn die Derfehuingen Deutschlands auf und erinnert an die Richtbestrafung der Kriegsbe­schuldigten. Der Kommunist D e r t h o n ruft dazwischen: llnfere Generäle wurden auch nicht äbg nrtd.t. Ter KammerpräsidentPe- ret sagt: Sie haben nicht Recht, von un­seren Offizieren und unseren Sol­daten, die ihre Pflicht getan haben, so zu sprechen. Ich rufe Sie zur Ordnung.

Die französische Politik in Kleinasien.

London, 20. Ott (WTB.)Man chester Guardian" erfährt von zuverlässiger Seite, dah die Verhandlungen zwischen Frankreich und den Kemalisten in Angora durchaus politischer A.t sind. Es bestehe Aussicht daraus, dah ein Abkommen zwischen dem französi­schen Vertreter Franklin Bouillon und den tür­kischen Rationallsten auf folgender Grundlage zu- standekominen wird: Frankreich verpflichtet sich, die Türkei bei der Wiedererlangung von Smyrna und Thrazien einschliehlich Adrianopel zu unter­stützen. Frankreich erkennt die vollkommene Sou­veränität der Türkei über Konstantinopel und die Meerengen ohne jede fremde Kontrolle an. Konstantinopel soll von sämtlichen fremden Gar­nisonen befreit werden. Die Türkei muh jedoch die freie Durchfahrt durch die Meerengen garan­tieren und darf sie nicht befestigen. Frankreich verspricht der Türkei eine Anleihe zu gewähren und ihr In ihrer Tarifpolitik vollständige Frei­heit zu lassen. Die Türkei erkennt andererseits die französische Einflußsphäre gemäh dem Sevres- und dem Dreiländervertrag an und verpflichtet sich, den anderen Grvhmächten keine Vorrechte in demselben Umfange zu gewähren wie Frankreich.

Die in einer Reutermeldung aus Konstan­tinopel erwähnten Verhandlungen zwischen den Franzosen und den Kemalisten über die Aus­beutung der Dagdadbahn sindManchester Guardian" zufolge noch nicht so weit fortge­schritten.

Oesterreich und das Deutsche Reich.

Wien, 20. OEL (WTB.) Auf dem öster­reichischen Handelskammertag be- sprach der Vertreter der Innsbrucker Handels­kammer den Plan einer Arbeitsgemein- " schäft mit den Kammern im Deutschen Reiche, wobei er auf die Erklärung des Deut­schen Industrie- und Handelstages Inntote8, der sich zu einer solchen Zusammenarbeit grundsätzlich l bereit erklärt habe. Der Anschluß an das Deutsche Reich, ob man ihn wünsche ober nicht, liege * zweifellos Im Bereiche der Möglichkeit. Vertreter , anderer österreichischer Handelskammern sprachen sich in gleichem Sinne aus: sie wiesen darauf hin, dah Deutschland trotz feiner durch den Friedens­vertrag planmähig herbeigeführten Rot age noch immer der wichtigste Faktor der Volkswirtschaft auf dem europäischen Festlande sei.

Die Studenten

gegen karliftifche Umtriebe.

Wien. 21. OEL (WTB.) Die Kammer der deutschen Studentenschaft der Wiener Universität faßte in der vor­gestrigen Kammersihung eine Entschließung, in der erklärt wird, dah die deutsche Studentenschaft entschlossen sei, gegenüber den von Tag zu Tag deutlicher hervortretendenkar- listischen Umtrieben, Schulter an Schulter mit allen gleichgesinnten Volkskreisen und ohne 2siiseh«m der Partei gegen die Wiederkehr der Habsburger zu kämpfen, und an den Rektor die dringende Ditte richtet, gegen die Lirlistischen Umtriebe mit den schärfsten Mitteln vvrzugehen.

Ein neues portugiesisches Kabinett.

P a r i s, 21. Oft. Havas meldet aus Lissabon: Heute morgen wurden von der See her Kanonen­schüsse gehört Um Blutvergießen zu ver­hüten, nahm der Präsident der Republik, wie bereits gemeldet, die von dem Obersten Coelho vorgeschlagene Umorganisation des Ministeriums an. Präsident des neuen Kabinetts und Minister des Innern ist Eoelho. Es wurden weiter ernannt zum Finanzminister Coria, zum Kriegsminister S i m o e s, zum Marineminister Pinto, zum Minister des Aeuhern Deigasimves.

Aus dem Reiche.

Deichsgliederungsfrageu.

-Berlin, 20. Oft. (Wolff.) ImHaupt- ausschuß des Preußischen Landta­ges hat der Ministerpräsident Sieger- wald zur Frage der Zentralstelle zur Glie­derung des Reiches ausgeführt, daß die Stelle nur begutachtende Befugnisse habe. Sie sei jetzt anscheinend der Auffassung, daß die Län­der nicht ohne ihre Mitwirkung unmittelbar miteinander über GebietSaustausch und dergl. verhandeln dürften. Ein solcher Anspruch sei aus den Vorgängen ihrer Entstehungs­geschichte nicht gerechtfertigt. Preußen könne derartige Ansprüche unter keinen Umständen anerkennen. In der Groß-Hamburger Frage schlage Preußen positive Lösungen vor; eine große Denkschrift sei vorbereitet. Den Helgoländern werde die Regierung behilflich sein, einen großen Badeort zu entwickeln.

Der Konflikt im Berliner Zeitungsgewerbe.

Berlin, 21. OIL Eine Funktionär- versammlung d.er Berliner Buch­drucker nahm gestern zu dem Kampf im Ber­liner Zeitungsgewerbe Stellung. Alle Redner waren der Auffassung, dah der Kamps des Druckereipersonals des Verlags von Rudlos Mosse die Solidarität aller Buchdrucker bedinge und die Belegschaft von Mosse zum Ausharren aufge­fordert werden müsse. Während der Verhandlun­gen fragte der Reichsarbeitsminister telephonisch an, ob die Belegschaft von Mosse sich unter Vor­behalt bereit erklären würde, die Arbeit aufzuneh­men, wenn der Minister sich persönlich für die Einigung einsetze. Das Angebot wurde unter stürmischer Entrüstung von der Versammlung ab­gelehnt. Ein Antrag, die Bewegung obzubre- chen, wurde gleichfalls abgelehnt. Es wurde dann einstimmig eine Resolution angenommen, die die sofortige Einberufung der Lohnkommission zwecks Beseitigung der Differenzen forderte. Am Mon­tag soll sich eine Funktionärversammlung mit dem weiteren Vorgehen beschäftigen.

--«amncs- nnm

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 21. OtL 1921.

Zeh» Gebote bei Beginn des Winters.

1. Laht rechtzeitig den Ofen und den Küchen­herd nachsehen,- wenn es fall ist, muh die Feuer­stätte vollkommen in Ordnung fein.

2. Sorgt nach Möglichkeit für Wintervorräte, vermeidet jedoch Angstkäufe unter Zahlung von Wucherpreisen.

3. Der Keller muß vor Beginn des Winters noch einmal gründlich gesäubert werden. Seht darauf, dah sich die Schnaken nicht zur Heber- Winterung in Kellerecken zurück leben.

4. In Gegenden mit sehr kalten Wintern sind die Kellerluken rechtzeitig mit Stroh und Lappen zu dichten. Gleiches gilt für Diehställe.

5. Holz, ob kur; ober Ian 3, so ll stets ausge'etzt werden, damit es tüchtig trocfnet. Die kleine Arbeit macht sich hundertfach bezahll.

6. Untersucht Haus und Hof vor Einbruch des Winters auf Vorhandensein von Ungeziefer aller Art. Dasselbe darf unter keinen Umständen zur Winterruhe kommen.

7. Ein wichtiges Kapitel ist die Kleidung. Die sorgsame Hausfrau bemüht sich eifrigst, die Wirter- garberobe in Ordnung zu bringen, damit sie pünktlich zur Stelle ist.

8. Es ist grundfalsch, das Anziehen wärmerer Kleidungsstücke der Abhärtung zulieb an kühleren Tagen hinauszuzögern. Oft ist eine schwere Lungenentzündung die Folge dieser HnachtsamleiL

9. Achtet überhaupt in der Uebergangszeit vom Sommer zum Herbst auf euern Körper. Leichtsinn macht sich gerade in dieser Zeit oft bitter bezahlt. Heröstmonate sind allzeit durch erhöhte Sterblichkeit ausgezeichnet.

10. Trotz allem aber genießt die Ratur, so­lange es eben möglich ist.

** Amtliche Personalnachrichten. Durch Entschließung des Hessischen Landesamts für das Bildungswesen wurde der Lehramtsrefe­rendar Theodor Schweisgut zu Darmstadt zum Lehramtsassessor emannL Ernannt wurde

am 12. Oktober der Fußgendarm i. R. Adam Egly zu Friedberg zum Gefangenaufseher am Amtsgerichtsgefängnis Friedberg. In den Ruhestand verseht wurde am 14. Oktober der Lehrer an der Volksschule zu Frischborn im Kreise Lauterbach Heinrich Schneider aus sein Rachsuchen unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste.

** Oberhessischer Kunstverein. Morgen vormittag ll1/» Hhr wird der Vor­sitzende der KünstlerschafL Professor Beyer, in Gegenwart des Vorstandes des Kunftver- eins die Ausstellung von Werken der Hessen­künstler persönlich eröffnen. Zu dieser Er­öffnungsfeier werden die Mitglieder des Kunstvereins und deren Angehörigen eingela­den. Infolge der gelinden Witterung bleibt die Ausstellung in nächster Woche noch täglich geöffnet.

** älm die Tagegelderder Staats­beamten an die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse anzupassen, wurde der bisherige Teuerungszuschlag zu den Tagegeldern und Hebemachtungsaebüyren von 50 Prozent auf 150 Prozent erhöht.

** Amer ikanis che Liebesgaben. Das Hilfswerk unserer deutschen Stammesver- wandten und Freunde in Amerika hat durch das sogenannte Central Relief Comite schon viel Elend gelindert. Reuerdings sind nach Gie­ßen, und zwar an das Wirtschaftsamt der Studentenvertretung 2 Fässer Ho­nig, 1 Faß Milchpulver und ein Sack Reis, so­wie an den Wohlfahrtsausschuß des Kreises je ein Faß Milchpulver, Mehl und Reis verteilt worden.

** Die Feuersirene wird morgen, Samstag nachmittag 4 Hhr, probeweise in Tätigkeit gesetzt.

Wie Ramen jetzt geändert wer­den. Für die Behandlung der Gesuche um Aen- derung des Familien- oder Vornamens sind neue Bestimmungen getroffen worden. Der Gerichts­schreiber bei Amtsgerichts übersendet die Ausfer­tigung der Ermächtigungsurkunbe dem Gesuch­steller durch vereinfachte Zustellung, wenn er es ihm nicht gegen Empfangsbekenntnis übergibt. Andere Beteiligte außer der Ehefrau und den Kindern erhalten beglaubigte Abschriften. Ein etwaiger Stempel ist vorher zu zahlen. Die Aen- berung des Familiennamens wird erst nach der Ausfclgung der Urlauben wirksam und dann be­kanntgemacht. Ablehnende Entscheidungen werden nicht veröffentlicht. Beglaubigte Abschriften gehen an das Standesamt. Ist die Geburt ober Heirat weder in einem deutschen Personenstandsregister noch Zivilstandsregister beurkundet, so zeigt der Gecichtsschreiber die Namensänderung der zu­ständigen Regierungs-Abteilung für Kirchen- und Schulwesen, von Huden dem Amtsgericht mit. Bei Bestraften wird die Qlenberung auch der Strafregisterbehörde und der Polizei'des Wohn­orts angezeigt, wenn nicht der Strasvermert im Strafregister und in den polizeilichen Listen ge­tilgt ist.

** Ring» und Bo xkämp f e int Ein­horn. Gestern abend traten zunächst der starke Oeflerreicher Zilch gegen den Altmeister Hihler zum Entscheidungsringkampf an. Der routinierte Ringer Hihler hatte gegenüber den an Körper­kraft und Gewicht überlegenen Gegner einen schwe­ren Stand. Aber er griff dauernd lebhaft an, und drängte Zilch in die Defensive. Rach einer Ge­samtzeit von 42 Minuten faßte Hihler Kopfgriff, der den Oesterreicher glatt auf beide Schultern brachte. Dann betraten Christensen und Fürst denRing", um sich in einem 10-Runden-Box- kampf neuerdings zu treffen. In der 4. Runde hagelte es eine Reihe vonSchwingern", die Fürst gut ab deckte, um dann plötzlich eine Blöße Chri­stensens auszunutzen und einen kurzen rechten Hacken" zulanden", der Christensen zu. Boden brachte, bis die Zeit ausgezählt war. Sieger blieb also Fürst. Heute, Freitag, fällt Vie Entscheidung und zwar treten an: Christensen gegen Hihler im freien Stil, wobei alle Griffe er­laubt sind, ringen Zilch gegen Achner.

Borno Uzen.

Tageskalender für Freitag: Stadttheater, 7 Ülhr: ..Was ihr wollt". Physi­kalisches Institut, 8 Hhr: Lichtbildervortrag des Vereins Rudersport Gießen 1913. Hotel Ern- Hom: Ringkämpfe und Varietä.

Der Raturheilverein schreibt uns u. a.: Anläßlich der gegenwärtigen Ausstellung derGesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechts­krankheiten" in der Universität sind wir gezwun­gen, diesmal unser Bekenntnis zur Ratur- heillehre im Kampfe gegen die Geschlechts­krankheiten in den Vordergrund zu rücken und veranstalten zu diesem Zwecke einen Vortrag des Herrn Dr. med. E. Silber, Frankfurt a. M, am Mittwoch den 26. Oktober, abends 8 älhr, im großen Saale des Hotels Einhorn über das Thema: Salvarsan -, Quecksilber- oder Ra- tur Heilbehandlung?". Der Vvrttag wird

die unerlählichc Auseinandersetzung mit der ge­genwärtig in unserer Stadt tageirden Ausstellung in für jedermann gemeinverständlicher Form bringen.

Wettervoraussage

für Samstag:

Dunstig, wollig, meist trocken, Temperatur nicht verändert, weslliche Winde.

Heber Rorddeutschland ziehen Randwirbel der von dem atlantischem Ozean ostwärts ziehenden Depression. Das unbeständige Wetter wird auch morgen noch anhallen.

Landkreis Gießen.

Weizen als Ackerzins.

x Lich, 20. Oft. Bei der heutigen Acker­verpachtung in Gr üningen wurden für den Morgen (2500 qm) durchschnittlich 6 Zent­ner Weizen geboten.

X Lollar, 21. Ott. Heute sind es 50 Iah re, daß der Former Heinrich Rutz aus Lollar auf der Main-Weler-Hütte der B u - derus'Ichen Eisenwerke in Arbeit steht. Dem Iubilar, der in voller Rüstigkeit noch regel­mäßig seine Schichten verjährt, wurde von der Werksverwaltung heute aus diesem Anlatz ein namhaftes Geldgeschenk überreicht.

x Rüddingshausen, 20. Oft. Bei der Treibjagd im Gemeindewald wurde aih Montag neben einer guten Strecke Rehe und Hasen auch ein Fuchs geschossen, der ein Lederhals- banb mit Ring trug. Der Eigentümer des Fuchses kann das Tier bei Fvrstwart Kalberbach abbolen.

Kreis Alsfeld.

x Groß- Felda, 20. Ort. linier Krie­gerdenkmal macht gute Fortschritte Es wird wohl wohl am Totensonntag eingeweiht werden. Der künsllerische Entwurf stammt von Professor Walde, während die Ausführung der Firma Werne r-Hungen übertragen ist. Die bei der hier das Ortsnetz bauenden Rheinischen Elektrizi­täts-Aktiengesellschaft beschäftigten Arbeiter opferten für Oppau pro Person 23 Mk. Die Firma selbst stiftete 150 000 Mk.

Hessen-Nassau.

Tagung der Schulze-Delitzschen Druosseu- schäften.

^Wiesbaden. 18. Oft. Die Tagung deS 58. Allgemeinen deutschen Genossenschaftstages der Schulze-Delihschen Genossenschaften, die vom 16. bis 22. Oktober hier stattfindet, ist aui allen Teilen Deutschlands auhervrdenllich zahl­reich besucht: es sind über 800 Delegierte hier anwesend. Gestern abend fand im Kurhause eine Vorversammlung statt, bei der Geh. Iustizrat Dr. Alberti (Wiesbaden) die Versammlung be­grüßte: musikalische und gesangliche Aufführungen boten reiche Abwechslung. Heute vormittag 9 Uhr wurde die erste Hauptversammlung im Winter- gatten abgebalten; sie gestaltete sich in ihrem ersten Teile zu einer ehrenden Kundgebung für den Anwalt der Genossenschaft, Professor Dr C r ü g e r, der vor 25 Jahren auf dem damaligen Genossenschaftstage zum Anwalt gewählt wunde. Crüger ist heute unstreitig der bedeutendste Ken­ner des deutschen Genossenschaftswesens und hat während dieser 25 Zähren unermüdlich mit Wort und Schrift für feine Sache gekämpft; deshalb fanden auch die Worte, die ihm Geh. Iustizrat Dr. Alberti widmete, begeisterte Zu­stimmung. Im Ramen der Genossenschaft Über­reste der Redner dem Jubilar dessen von Künst- lerhand entworfene Dronzebüste. An den ersten Redner schlossen sich mit ihren Glückwünschen die Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, der Genossenschaften, der Reichsbank, der Han­delskammer usw. Dann erstattete Dr. Crüger den Iahresbericht, der ein interessantes Bild der genossenschaftlichen Bewegung und der Gefahren bot, die unserem Wirtschaftsleben drohen, zugleich aber erkennen lieb, welche gewaltige Bedeutung die Genossenschaften an dem Wiederaufbau un­seres Vaterlandes haben.

Der Streit in der chemischen Industrie.

fd. Frankfurt a. M., 20. Ott. Zum zwei­tenmal tagte der Höchster Schlichtungsaus- schuß in Frankfurt, um über den Einspruch der Arbeiterschaft wegen der frisllosen Entlassung Be­schluß 'u fassen. Die Arbeitnehmer begründeten ihren Einspruch damit, daß von einer Stillegung &er Betriebe nicht die Rede sein Vnne, weil noch viele Arbeiter weiterbeschäftigt worden seien. Es handele sich also um eine Aussperrung. Die Ar­beitgeberverbände betonten demgegenüber, daß eine Stillegung tatsächlich erfolgt sei, selbst die Rotarbeiten seien verhindert worden. Erst durch das Eingreifen der Besatzungsbchörden hätten die wichtigsten Arbeiten verrichtet werden können. Der Schiedsspruch des Ausschusses entschied dahin, daß die Stillegung der Farbwerke berechtigt war Die Arbeiter seien entlassen worden, womit auch die Arbeiterräte ihrer Funktionen enthoben seien Die Betriebsstillegung charatterisiere sich in Dem von den Arbeitern her v oraeruf eiten Konflikt als eine Kampfhandlung.

Der Schuh im Blut.

Roman von Horst Dvdemer.

17. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

llnb dieser Fehler wird Sie auch noch oft unter die Hainbuchen treiben! Beim Menschen kommt eS doch nicht nur aufden Schutz ira Blute" an, auch auf das Vorbild, das unterscheidet uns vom lieben Vieh! Warten Sie ab, wenn die Kinder erst großer sind, dann werden Sie mir recht geben wenn wir beide eS erleben! Ich wünsch es uns wahrlich nicht!"

Heiß und kall lief es dem Octonomierat über den Rücken.

Himmelkreuzdonnerwetter, ich chab mich noch nie im Leben verrechnet!"

Doch! llnd zwar gründlich! . . . Wie war eS mit dem Baron Züschen? Erst wunderschön, und als er die vornehme Frau hatte, blieb ein gnädiges Winken aus dem Kraftwagen übrig ... Zaa, da machen Sie ein langes Gesicht, Herr Odonomierat! ilnb daß keine Schandtat draus wurde, waren nicht Sie und der Henner dran schuld, sondern die junge Frau! Eigenllich ist's selbstverständlich, aber das hat mir an ihr gefallen!"

Guste, bist du des Teufels?"

Keine Spur bin ich das! Und ich red ja schon lange nichts mehr, wenn ich nicht gefragt werde. Wer sich im Leben nicht mit diesem und jenem abfinden kann, ist ein Harr! Aber mit dem Baron Züschen haben Sie sich doch gründlich verrechnet. Der wo'lte schon tun, und das ließ sich die junge Frau gern gefallen, denn die war anders Leben gewohnt, als es die Wär-

hahns ihr bieten. Wie er aber mehr wollte 0, der Baron wird sehr vorsichtig gewesen sein, der kennt seine Leute hat ihn die junge Frau gründlich abfallen lassen, ilnb nun bleibt's bei einem Händedruck im Kreistage, einem Prosit in der Kaiserpfalz in Fritzlar, und höchstens bei einer Iagdcinladung. Ratürlich vergißt er nie die besten Empfehlungen andie liebe Frau Ma­rie". Alnb ein Seufzer über sein Eheglück wird wohl hinterherkommen I"

Woher weißt du denn das? Welche Hinter­treppe . . ."

Ach Gott, Herr Oekvnvmierat, ich weiß gar nichts, als was ich mit meinen eigenen Augen ge­sehen habe! Hnb das andere den? ich mir dazu« Und daß es stimmt, weih ich nun auch!"

Am liebsten wäre er sofort wieder in dem Hainbuchengang auf- und abgewandert, um sich einen klaren Kopf zu schaffen, aber da hätte die Guste gemerkt, wie der Hieb gesessen hatte. Sie sollte sich nicht einbilben, daß sie im Rechte war.

Das ist Weiberiratschl Llnd 'im übrigen mochte ich wissen, warum sich die junge'Frau bei ut'3 nicht riesi" wohl fühlen sollte, du weiht da m^t so genau

Die Mamsell wußte genug, aber sie kniff die Lippen aufeinander. Ihren Herrn kannte sie, dem lag jetzt das, was sie gesagt, tote Blei im Magen. Er mußte das erst verdauen, und von heute auf morgen bekam das Christoph Wär- hahn nicht fertig.

Rachdem er am Abend mit seinem Sohne zusammen Wirtschaftsbücher durchgesehen hatte, sagte er:

Henner, ich hab darüber nachgedacht, so un- recht hat Maria nichts ohne es zu wollen, haben

wir Hänschen doch sehr vorgezogen! Das mutz anders werden! Und im Winter fahr mit deiner Frau mal ein bißchen weg. Ich glaube, sie hun­gert nach der Welt da draußen, wenn sie auch so anständig ist und nichts sagt!"

Der griff mit beiden Händen zu. Er hun­gerte auch. Und mit einer jungen, hübschen und llugen Frau lieh sich doch jeder Ehemann gern sehen.

8.

Maria freute sich sehr auf die Reise. Ein­mal raus aus der Eintönigkeit! ilnb den Henner wollte sie schon dahin bringen, dah er öfter mit ihr in Zukunft auÄflog . . In Wiesbaden trafen sie mit ihrem Bruder Ernst zusammen. Bisher hatte er sie nur zweimal kurz besucht Seine Tüchtigkeit hatte ihn zum vermögenden Manne gemachL nun wollte er heiraten. ®r sprach mit seiner Schwester sehr offen über seine Pläne.

Ein Kaufmann kann nie genug Kapital hinter sich haben. Ist dir Gelegenheit günstig, will ich mich selbständig machen. Ich bin auf der Suche. Eine reiche Braut findet man in den Kurorten. Wahrscheinlich fahre ich nach der Schweiz rodeln. Aber kommt nur nicht miti Deinem Mann sieht man nämlich auf bunbert Schritt den Dauern an, und mit einem einzigen Koffer reift er auch. Bring ihm wenigstens etwas weltmännischen Schliff bei Bor allen Dingen muh er sich anziehen lernen. Du hast doch Ge­schmack!"

Maria fand die Worte ihres Bruders sehr verständig. Der hatte ja immer recht. Ilnb wenn der Henner erst die genügende Anzahl Fracks. Smokings und Gehröcke im Schranke»gen hatte.

würde er sie auch anziehen wollen. Zu versäu­men hatte ihr Mann nichts, der Schwiegervater war ja doch Selbstherrscher auf dem Gute.

Ernst Sitten fuhr eines Tages sehr plöh« lich ab Bier Wochen später war er verlobt, wie sein Herz es wünschte. Der Henner aber wandelte tadellos gelleidet mit seiner hübschen Frau durch Wiesbaden, rief die Woche zweimal feinen Vater durch den Fernsprecher an, um sich berichten zu lassen, wie eS den Kindern gehe, und was die Wirtschaft mache. Manchmal sprach auch Maria ein paar Worte. Sie hörte, wi« sich ihr Schwiegervater darüber freute, und dann axir sie nicht auf den Mund gefallen.

An einem Sonntage, zwei Tage nach ihr« Rückkehr, kam der Baron Züschen angefahren.

.Da bin ich endlich einmal wieder! War S schon auf Reisen, siebe Frau Marie? Ia, und dieses Mal stehe ich vor Ihnen als Bittsteller mit dem Hute in der Hand!"

Der jungen Frau war Züschens Kommen sehr recht Sie hatte nie gezweifelt, daß er eine« Tages wieder auf der Bildfläche erscheinen wurde. Daß es so bald sein würde, hatte sie allerdings nicht gedacht. Anscheinend fing ihm bereits daS Sheleben an langwellig zu werden. Ein bitzchen zappeln wollte sie ihn lassen und dann mit auSgestrectter Hand die Tür weisen. So eine Reife machte den Menschen doch frisch spaun- träfttg!

O, v. als Bittsteller? Baron, das ist ja geradezu köstlich! Also sagen Sie Ihr Sprüc letn auf!"

(Fortsetzung folgt>