habgierigen und darum — undvrnehmen Beigeschmack hat."
Er war aufgeftanden und erregt im Zimmer aus und niedergegangen. Run fuhr er nachdenklich fort: .Du hast auch nicht an alle Hilfsquellen gedacht, die wir haben, Papa. Deine Krankheit hat es in den letzten Jahren verhindert, selbst nach dem Rechten zu sehen, und du mutztest alles dem Inspektor überlassen. Dadurch gingen die Einnahmen von Grafenegg zurück. Aber nun bin ich da, um deine Stelle zu vertreten. Wir entlassen den Inspektor —<r
.Wie, du willst selbst —?“
.Natürlich: Wozu hätte ich denn etwas gelernt? Ich hoffe auch sonst den Ertrag der Herrschaft bedeutend zu heben. Latz mir nur freie Hand, Papa, und ich lege mich mit ganzer Kraft ins Zeug, das verspreche ich dir."
.Die sollst du haben, Zunge! Gott geb's, datz du Erfolg hast . .
Der alte Herr sah seinen Sohn mit stolzer Rührung an.
.Ich wollte, sie wären alle wie du!" schtvy er bewegt. .Dann stünde es bester um uns. Wann willst du deine Tätigkeit beginnen?"
.Gleich morgen natürlich. Aber du mutzt mir auch versprechen, von diesem leidigen Prvzetz abzustehen. Papa. Noch ist's gottlob Zeit. Wenn du morgen früh sogleich einen Boten an deinen Anwalt schickst, datz er die Klage nicht einreicht."
.Kann ich nicht, mein Zunge! Tu's auch nicht!"
.Papa!!!"
.Rein!" Die Rührung im Antlitz des Fürsten wich einem eigensinnigen Ausdruck. .Denn siehst du: Dieser Prozeh ist die sichere Rangierung,
deine Pläne aber sind vorerst noch Tauben auf dem Dach! Ich will dir alles mögliche zugestehen: Datz du auf Grafenegg tun und lassen kannst, was du willst und ich nur dem Ramen nach Herr bleibe — ferner, datz du meinetwegen nicht mal den Verkehr mit deinen geliebten Ruhlands abzubrechen brauchst, obwohl ich an deiner Stelle nicht warten würde, bis sie es tun. Aber den Prozetz opfere ich dir nicht! Denn wir brauchen, auch wenn deine Tätigkeit Ausgaben und Annahmen wieder ins richtige Gleis bringt, doch nächstens ein tüchtiges Stück Bargeld, oder — es geht schief mit Grafenegg I"
.So schlimm steht es mit uns, Papa?" fragte Rüdiger erschrocken.
Der Fürst nickte.
.Leider! Llbalds Schulden mutzten getilgt werden, wenn mich die Wucherzinsen, gegen die er sie aufnahm, nicht zu Grunde richten sollten. Da blieb mir schließlich nichts übrig, als ein Darlehen auf unseren Erbreicher Forst aufzunehmen . .
.Das hast du getan? Ach, Papa!" 7uhr Rü- dgeir ernstlich erschrocken auf. .Wie konntest du nur!? Wenn wir diesen, unseren größten und besten Hochwald einmal verloren haben, wäre Grafenegg fast entwertet!"
.Wir werden ihn nicht verlieren! Eben darum bestehe ich auf den Prozetz. ilnö nun Iah es genug sein für heute. Du weiht nun Bescheid und kannst dich danach richten." Er tastete nach der Klingel, um seinen Kammerdiener zu rufen, der ihn zu Bett bringen sollte. Dann fügte er noch hinzu: .Bezüglich der Ruhlands will ich also davon abstehen, einen Zwang auf dich und deine Geschwister auszuüben. Die Verhältnisse selbst
werden da am besten abkühlend wirken, was besonders für Magelone gut sein dürste."
.Wieso für Magelone?" frug Rüdiger zerstreut.
.Run, sie ist in letzter Zeit sehr intim mit Edith Rußland geworden, und ich fürchte, daS Beispiel dieser emanzipiertest Millionärstochter, die stets unbekümmert allen Launen folgen darf, ist nicht gut für sie. Magelone ist eben keine Millionärin und wird auch später, wenn sie dte Trauer ablegt, in ihrer Lebensführung Rücksichten auf unseren Ramen zu nehmen haben."
Der Eintritt seines Kammerdieners Hamp« unterbrach das Gespräch. Der Fürst verabschiedete sich von seinem Sohn.
Rüdiger sah noch lange allein im Speisesaal und starrte düster vor sich hin.
Auf solche Reuigkeiten war er nicht gefaßt gewesen, als er voll früher Hoffnungen und Pläne heimlehrie. Wie sollte sich die Zukunft nun gestalten ? Würde er den Riedergang aufhalten können? 11 nb — Magelone —? Ach nein, darin hatte Papa sicher unrecht! Die war nicht daraus aus, das Leben zu genießen. Die würde ihn am ersten verstehen und helfen! Er hatte es ja erst heute wieder in ihren Augen gelesen, datz sie denselben süßen verschwiegenen Traum im Herzen trug, wie er selbst, wenn die Trauer auch noch verbot, ihn in Worte zu kleiden . . .
Do, Monrepos und seine neuen Pflichten als Vormund waren einstweilen völlig aus seinem Gedächtnis geschwunden. Schließlich waren sie ja auch so unwesentlich gegen das, was sein Vater ihm eröffnet hatte!
(Fortsetzung folgt)
IW
ÄtatKng Hartenfels tobte
läenmület ) Kinkel ^tenbat obte
verlorrU'^Overene»-
Hagen iV.
.............1
g. hübsche gr.M Dam iE Blondine im Aller a «Jon o> q16 LebenAk sgSfe
SäsS
Ä
o^>V
sner A EsHiH S-SS
farnv^6 $
s-M
—^njerads^
M. 165 Zwettes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen) Montag, 18. Juli 1921
Aus Hessen.
Maßnahmen gegen die Futternot.
Die Abgeordneten Hahn und Genossen stellten in der Hessischen Volkskammer folgenden Anttag:
Die anhaltende Trockenheit hat in weiten Teilen Hessens, besonders in Rheinhessen, eine grohe Futternot zur Folge. Der erste Grünfutterschnitt ist verbraucht, ein zweiter Schnitt infolge der Trockenheit noch nicht zur Entwickelung gekommen.
Die Erhaltung der Viehbestände ist un-
Das Urteil im neunten Krreqsverbrecher-Prozetz.
Leipzig. 16. Zuli. (Wolsf.) In dem Prozeß gegen Die beiden A-Boolosfiziere Dittmar und Boldt vor dem Reichsgericht wurden die beiden Angeklagten wegen Beihilfe zum Todschlag zu je 4 Zähren Gefän gnis verurteilt Gegen Dittmar wurde außerdem auf Dienstentlassung erkannt.
Der Begründung des Urteils gegen Dittmar-Boldt ist folgendes zu entnehmen: Der Gerichtshof sieht für klar erwiesen an. daß die ..Llandvvery Castle" objektiv völkerrechtswidrig torpediert wurde. Das Schiff fuhr innerhalb der Zone, innerhalb deren eine Torpedierung nicht zulässig war. Der Befehl der deutschen Regierung und der höchsten deutschen Marinestelle ging dahin, daß solche Schiffe wie die hier frag lichen nicht torpediert werden dürfen. Der Kommandant des U-Bootes, Patzig, kann keine Umstände geltend machen, daß er zur Torpedierung berechttgt war, wie der Sachverständige anführte, lebtglkb das allgemeine Mißtrauen auf beiden Seiten, vermöge dessen die Kriegspartei anderen ohne weiteres Dölkerrechtswidrigkeiten zutraute. Die Anklage geht aber nur dahin, datz die Angeklagten nach der ^Torpedierung sich an der Tötung von Menschen beteiligten, die in Rettungsbooten von dem untergehenden Schiffe entkommen waren. Der Gerichtshof ist überzeugt, daß von den Booten mindestens drei außerhalb der Gesahrzone, die das untergehende Schiff bot, sich bewegten. Diese Boote wurden absichtlich beschossen, und zwar zu dem Zwecke, um die Zeugen zu beseitigen, die den Fehltritt des U-Bootkommandanten hätten nachweisen können. Das Verhalten Patzigs beweist, datz er die Vernichtung der Rettungsboote zu verdecken und der Kenntnis seiner Vorgesetzten zu entziehen suchte. Das ergibt sich besonders daraus, datz er die Eintragung in das Schiffstagebuch pflichtwidrig ausgeführt und von dem ganzen Vorgang nichts erwähnt hat. Er ging sogar soweit, datz er eine unrichtige Route in die Karte eintrug, also direkt zur Fälschung einer Urkunde überging. Aus der Ausführung des Feuerangriffs ergibt sich, datz diese Beschietzung lediglich den Rettungsbooten und ihrer Besatzung galt. Das Gericht ist vollständig davon überzeugt, datz alles im ausdrücklich oder stillschweigend erllärten Einverständnis mit dem Kommandanten geschah. An der Strafbarkeit der Haupthandlung und demgemäß der Rebenhandlung der Angellagten besteht nicht der geringste Zweifel. Wehrlose Schiffbrüchige. die auf gehört haben, Feinde zu sein, dürfen unter keinen Umständen getötet werden. Eine Kriegshandlung kommt überhaupt nicht in Betracht Daran ist kein Zweifel, daß die '2ln- geklagten daS unrechtmäßige und verbrecherische Vorgehen ihreS Kommandanten, von dem sie genau wußten, datz er lediglich begangene Fehler verdecken wollte, erkannten Dazu kommt weiter, daß die Angellagten. wenn sie nicht unbedingt tm Einverständnis mit ihrem Kommandanten handelten, die Möglichkeit gehabt hätten, den Befehl nicht zu befolgen. Es hätte nur des geringsten Widerspruchs bedurft, ja nur der Androhung einer demnächstigen Meldung des gegebenen Befehls, um den Kommandanten Patzig vollständig zu entwaffnen. In der Tatsache, datz der Kommandant die Verantwortung trägt, und baß es eineS ganz besonderen Matzes von Entschlossenheit, Selbstbewuhtsein und rücksichtslosem Auftreten der Untergebenen auf einem U-Boote bedarf. um sich einem derartigen Befehl zu widersetzen. erkannte das Gericht einen Milde- rungSgrund. Bei Bemessung der Strafe wurde erwogen, daß es sich um eine sehr schwere Straftat, um die Vernichtung wehrloser Schiffbrüchiger handelt, datz zahlreiche Menschen einem verbrecherischen Unternehmen zum Opfer gefallen sind, namenllich aber bestimmte der Schatten, der durch diese Tat auf unsere Marine, insbesondere auf den U-Dootkrieg geworfen wurde, dazu, auf daS Höchstmaß einer Strafe von vier Zähren Gefängnis zu erkennen.
möglich, ohne datz der Dörrfutterbestand, der als Wintervorrat vorgesehen ist, angegriffen wird. Mutz der Wintervorrat schon jetzt angegriffen werden, dann ist eine Erhaltung der Viehbestände unmöglich. Die Trockenheit hat in vielen Gemeinden ein vollkommenes AuS- trednen der Wiesen, Klee- und Luzernefelder zur Folge. Dazu kommt noch das Auftreten der Mäuse, das besonders in Rheinhessen zu beobachten ist.
3m Interesse der Milchversorgung der Städte müssen Maßnahmen getroffen werden, datz die Viehbestände erhalten bleiben und einigermatzen ernährt werden können. Wir beantragen deshalb, die Regierung wolle
1. für die Beschaffung von Kraftfuttermittel durch Vermittelung des Reichs- ErnährungS - Ministeriums umgehend Sorge tragen, insbesondere für eine Sonderzuweisung von Mais und Milchfuttermittel bei diesem cintretcn, um besonders auch den Kleinbesitz, der Maisbezugscheine auf Grund der Getreide- lieferung nicht erhalten konnte, mit diesen Futtermitteln versorgen zu können.
2. Für den Erlatz eines Rotstandstarifs zur Beförderung von Heu, Stroh und sonstigen Rauhfuttermitteln, sowie von Kraftfutter bei den Cisenbahndirettio- nen einzutretcn.
3. Die Wälder für die Gewinnung von Futter- und Waldstreu in weitgehendstem Matze zu öffnen.
Die Errichtung einer Zollschule in Hessen.
Abg. Ruh beanttagte in der Hessischen Volkskammer, an der Universität in Gießen oder — falls dort nicht angängig — an der Technischen Hochschule in Darmstadt eine Zollschule zur wissenschaftlich-praktischen Ausbildung solcher mittleren Finanzbeamten zu errichten, die sich dem Zolldienste widmen wollen.
Aus Stabt und Land.
Dietzen, den 18. Zuli 1921. Annahme von Anzeigen bis zum Abend vor dem Ausnahmetage. Heschäftrstunden von 8—V-1 u. 2—V26 Uhr.
* . *
** D i e K 0 h l e n p r 0 d u k t i 0 n in Hessen. Die monatliche Stattstik der Kohlenproduktion des Dolksstaates Hessen weist für den Monat Zuni 1921 folgende Zahlen nach: An Rohbraunkohlen wurden gefördert 41 193 Tonnen, verkauft wurden davon 12 553 Tonnen; der größte Teil der Rohkohle wurde weiter verarbeitet oder war zur weiteren Verarbeitung bestimmt. Aus den verarbeiteten Rohkohlen wurden neben Schwelereiprodutten erzeugt: 2600 Tonnen Braunkohlenbriketts, 2555 Tonnen Nahprehsteine. Außerdem wurden in Hessen erzeugt 10 055 Tonnen Stein- prehkohlen. Unter Berücksichtigung der aus Vormonaten übernommenen Bestände, sowie des Absatzes und Selbstverbrauchs verblieben am MonatSschluh absatzfähig: 12 707 Tonnen Rohkohlen, 1259 Tonnen Briketts, 3317 Tonnen Rahpreßsteine, zusammen 17 283 Tonnen Braunkohlen und Draunkohlenprodutte im Gesamtwert von 2 201 977 Mark.
** Revision aller Lustbarkeits- steuerordnungen. Der Reichsrat hat kürzlich die vom LandeSsteuergesetz vorgesehenen Normativbesttmmungen über die Lustbar- keitSsteuer verabschiedet. Ihre Veröffentlichung im Reichsgesetzblatt erfolgt in den nächsten Tagen. Sie hat die gesetzliche Folge, daß innerhalb einer gewissen Zeit sämtliche Lust- barkeitSsteuerordnungen im Reiche von den Gemeinden neu beraten und nach Beschlußfassung der Aufsichtsbehörde zur Genehmigung vorgelegt werden müssen. Alle Interessenten, die über zu hohe und ungerechte Lustbarkeitssteuern der Gemeinden Klage führen, haben damit Gelegenheit, vor der Neuberatung der Steuerordnung den zuständigen Stellen ihre Wünsche vorzuttagen und zu ver
langen, datz erst nach Anhörung der Interessentengruppen die neuen Richtlinien der kommunalen Steuerpolittk festgelegt werden.
" Der Futtermangel ist infolge der anhaltenden Trockenheit sehr groß. Viele Landwirte sind gezwungen, die Haferäcker ab- zumähen, damit sie ihre Tiere durchbringen. Die Kleeäcker und Wiesen bieten einen trostlosen Anblick. Die Kleeäcker zeigen tiefe Risse. Täglich kann man in den Waldungen um die Stadt, besonders im Bergwerkswalde, viele Leute, meist Ziegenhalter, sehen, die hier das lümmerliche Grünfutter zusammen suchen. Die Gemüse- und Bvhnenpflanzungen sehen sehr schlecht aus. Ein baldige'- Regen kann hier nur noch eine völlige Mißernte abwenden.
** Po st verkehr mit Oberschlesien. Rach Orten des bisherigen Aufstandsgebiets in Oberschlesien sind Postsendungen aller Art wieder zugelassen. Die Wertgrenze für Briefe und Pakete wird jedoch auf ein- lausend Mark beschränkt, weil die Verkehrssicherheit noch nicht völlig wiederhergestellt ist.
Landkreis Gießen.
. S t e i n b a ch, 10. Zuli. Herr Wendel- Giehen sprach hier über die S ch u l d f r a g e. An Hand der Dokumente bewies er. daß Deutschland niemals den Krieg gewollt habe. Den deutschen Kriegsverbrechern stellte er die J^ntente- Kriegsverbrecher gegenüber. Gleichzeitig wies er auf die scheußlichen Verbrechen der Entente- Militaristen mitten im Frieden in Oberschlesien und am Rhein hin.
Landwirtschaft.
Ausgezeichneter Stand der Weinberge.
mc. H 0 chheima. M., 17. Zuli. Die trockene Witterung der letzten Wochen, die den Feldfrüchten so sehr geschadet hat, ist für die Weinberge nur von Ruhen gewesen. Sie haben sich ganz ausgezeichnet entwickelt und Rebschädltnge sind nur in verschwindendem Matze aufgekommen. Die Gescheine haben einen prächtigen Behang aufzuweisen, der auf eine Rekordernte schließen läßt, wenn der Zuli und August noch einigermaßen beständige Witterung bringen. An Hausspalieren hat man die ersten reifen Trauben ge- pflückt.
«
tts Schlitz, 15. Zuli. Die Heuernte ist im Schliherland, in den wasserreichen Tälern der Fulda und Schlitz recht gut ausgefallen: Menge und Beschaffenheit liehen nichts zu wünschen übrig. Die „trocknen" Wiesen lieferten dagegen einen geringeren Ertrag. Runmehr hat infolge der großen Hitze, für unsere Gegend ungewöhnlich früh, auch der K 0 r n s ch n i 11 seinen Anfang genommen, und es darf mit einem sehr guten Ergebnis gerechnet werden Auch Weizen und Gerste gehen der Reife entgegen, bei diesen Fruchtarten darf ebenfalls ein guter Ertrag erwartet werden. Anders steht es mit dem Hafer, der sich zunächst vorzüglich entwickelt hatte, dessen Körnerentwicklung aber durch die andauernde Dürre erheblichen Schaden leidet. Wenn nicht baldigst ein Witterungsumschlag eintritt, wird auch die Kartoffelernte beeinträchtigt und die ©rummeternte sich erübrigen. Von einer sonst im Schlihtal teilweise üblichen Bewässerung kann keine Rede sein, da die am oberen Flußlauf liegenden Gemeinden, wie Angersbach und Salzschlirf, die zur Verfügung stehende geringe Menge Fluhwasser für Bewässerung ihrer Wiesen verwenden.
ld. Aus dem Vogelsberg, 13. Zuli. Die Heuernte, die nun überall beendet ist, ist doch etwas besser ausgefallen, als man anfänglich erwarten durfte. Wenn auch die „Grundwiesen" versagten.'so haben die .einschürigen" Wiesen z. T. höhere Erträge geliefert als im Vorjahre. Die anhaltende Dürre der letzten Wochen hat einen außerordentlichen Grünfuttermangel hervorgerufen. Die Hutweiden sind kahl, der zweite Klee ist verbraucht, die knappen Heuvorräte müssen bereits angegriffen werden. Das Sinken der Viehpreise ist die unmittelbare Folge. Das Vieh lebt tatsächlich eben nur von den dürren Grasstoppeln der Hutweiden und hellem Wasser. Dabei sehen die Tiere der Vogelsberger Rasse vorzüglich aus. Die Geeignetheit dieser Rasse für den Vogelsberg wird in diesem Zahre wieder glänzend bewiesen. Die Fruchternte seht in den .höheren Lagen des Gebirgs verfrüht ein, denn das Korn ist auf den geringeren Siedern in den letzten Tagen abgestorben. Die Wasserleitungen vieler Orte beginnen zu versagen und werden zu bestimmten Zeiten abgestellt.
O 2 u tz b a ch, 17. Zuli. Ein ausgiebiger G e- toitterregen, der die Felder wenigstens fürs erste etwas erfrischt hat, ging heute in der vierten
und fünften Mittagsstunde über daS Gebiet zwl* schen Hausberg und Winterstein nieder, besonders die Gemarkungen Rieder-Weisel. Ostheim. Fauerbach wurden reichlich ixmetzt, während die Friedberger Gegend 'nichts mehr von dem Regen zu spüren bekam. Auch weiter nördlich blieben die Riederschläge nur gering. In hiesiger Gegend wurden von der Heftigkeit des RegenS die Kartoffelstauden vielfach umgc’.cgt, daS Walser stantz noch lange in Furchen und auf Wegen
Lchöfscngcricht.
Gießen, 13. Zuli 192 i
Ein inSbel ondere wegen Diebstahl- und Hehlerei vielfach vorbestrafter Landwirt auS Frankenbach bat einer hiesigen Alleifen- Firma eine Brechstange und ein Zugscheit entwendet. Mit Rücksicht auf den geringen Wert fnmmt er mit 3 Monaten Gefängnis durch.
Zwei Einwohner von Gießen, die rechts der Rodheimer Straße ohne baupolizeiliche Genehmigung Bauten errichtet hatten, nahmen heute ihre Einsprüche gegen die Strafbesehle. durch btc sic Gelbftrafen von 1 00 und 60 Mk erhalten hatten, wieder zurück.
Ende April d. IS. fliegen zwei mehrfach vo rbe st raftejungeBur scheu abends nach 8 Ubr in den Garten einer Villa in der Wilbelm- straße ein, um dort jedenfalls einen Einbruch zu verüben Ihre Annahme, datz niemand in der Villa anwesend sei. war falsch, ein dort wohnender Oberleutnant der Reichswehr war nämlich gerade nach Haufe gekommen und stellte den einen Burschen, während der andere flüchtig ging. Der Fest» genommene, der über den Zweck seiner Anwesenheit die widersprechendste'n Angaben machte unb mehrfach durchzugehen versuchte, wurde von dem Offizier und seinem Burschen trotz heftigster Gegenwehr nach der Polizeiwache verbracht, und dort gelang es, auch den durchgegangenen Mittäter fest- zustellen Heute behaupteten die beiden, der Festgenommene sei in den Garten eingestiegen, um ein dringendes Bedürfnis zu befriedigen, und der andere will ihm nur gefolgt sein, um ihn zu erschrecken. Allein das Gericht war nicht so leichtgläubig und verurteilte die beiden wegen Versuchs des Einbruchsdiebstahls zu einem Zahl bzw. 6 Monaten Gefängnis. Der eine bei beiden Burschen wurde erst vor 14 Tagen wegen Versuchs des Einbruchsdiebstahls und wegen versuchter Sachbeschädigung zu 2 Zähren 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Aus dieser Strafe unb dem heute gegen ihn erkannten 1 Zahl Gefängnis wurde eine Gesamtstrafe von 2 Zähren 8 Monaten gebildet.
Schweren Mißbrauch mit dem Der« trauen, das ihr von den Familien, bei denen sie arbeitete, entgegengebracht wurde, hat eine Habe r i n von hier getrieben. Der einen Familie stahl sie vier Meter Stickerei im Werte von 80 bi- 100 Mk., während sie der andern 20 Mk. entwendete Mit Rücksicht auf ihre bisherige Um beftraftbeit erhält sie die verhältniSmähig geringfügige Strafe von 3Wochen Gefängnis.
Die Tochter eines Weichensteller- aus Klein-Linden hat einer Familie, die mit ihren Eltern in dem gleichen Hause wohnte, ein Bettuch, ein Hemd und 850 Wk. in bar gestohlen Ihren eigenen Eltern hatte sie früher schon 1000 und 300 Mk. entwendet. Sie erhielt 3Monate Gefängnis.
Ein unverbesserlicher Bursche scheint ein junger Gelegenheitsarbeiter von hier zu sein. Er steht in diesem Zahr schon zum drittenmal wegen Unterschlagung oder Diebstahls vor Gericht. Sein Arbeitgeber hatte ihm 203 Mk. zum Ankauf von Freimarken und Frachtstempeln gegeben und ihn gleichzeitig beauftragt, einen Karren mit wertvollen Waren an die Bahn zu fahren. Unterwegs lieh er den Starren mit den Waren stehen und ging mit dem Geld durch. 6 M 0 n a t c Gefängnis sind die ©träfe für ein solch gemeines Verhalten.
Zum Schluß erhielten noch zwei junge D u r s ch e n, die einem hiesigen Kaufmann mittels Einbruchs aus seinem Keller etwa 12 Flaschen Wein gestohlen hatten, 4 bzw. 3 W 0 chen Gefängnis. Don der Anllage, bei einer früheren Gelegenheit dort schon einmal eingebrochen zu sein, wurden sie mangels ausreichenden Beweises freigesprochen.
Spielplan der Frankfurter Theater.
Opernhaus: Geschlossen vom 10. Zuli bis einschließlich 13. Auaust 1921 wegen Opern-Ferien
Schauspielhaus. Montag, 18. Zuli: Die Verschwörung des Fiesko zu Genua. Dienstag, 19.: Schneider Wibbel. Mittwoch, 20.: Maria Stuart. Donnerstag, 21.: 2llt-Franlluri. Freitag. 22.: Peer Ghnt Samstag, 23.: König Ricolo. Sonntag, 24.. Schneider Wibbel. Montag, 25.: Was ihr wollt. Dienstag, 26.: Die Verschwörung des Fiesko zu Genua. Mittwoch, 27.: Emst.
Die Nothersteins.
Roman von Erich Eben st ein. Copyright 1919 by ©reiner & Comp., Berlin W 30. 9. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
»Gewiß mutz das geändert werden, Papa. Ich toill mit den Geschwistern ernsthaft reden. Wir müssen uns eben alle nach Ber Decke sttecken und einschränken . . ."
.Hahaha!" lachte der Fürst bitter auf. .Versuch- doch! Ich habe feit Zahr und Tag genug geredet, aber ohne jeden Erfolg.
»Run. Magelone mindestens wird es gewitz einsehen und mir helfen —"
.Magelone?"
Wieder lachte der Fürst bitter.
.Du glaubst wohl. Die ist aus besonderem Holz? Ich sage dir, Magelone täuscht uns alle durch ihre scheinheilige Miene. Die ist vielleicht am meisten daraus aus, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Ihre ganze Trauer ist nur Schein, läge ich."
.Das mag sein. Ich glaube nicht, daß lie Llbald aus Liebe geheiratet hatte, und — er war wohl auch nicht der richtige Mann für sie. Im übrigen aber irrst du bestimmt! Sie ist gut, einfach und bescheiden, wie eine Frau fein soll, und wird sich meinen Worten gewitz nicht verschließen. Die Hauptsache ist, datz wir alle gemeinsam den Hebel da anfetzen, wo es nottut, das heißt, uns einschränken, um unsere Lage zu verbessern. Richt es durch einen nutzlosen 'Prozeß zu versuchen, der, ich kann mir nicht helfen, einen


