Samstag, 17. September 192|
Nr. 218 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheflen)
Die Landtagswahlen in Hessen. 8enüfltni* etnri<6tnn9en
Sil. Darmstadt 15. Sept
Handelskammer hat im Interesse Musikalienhandels ihres Bezirks
Datum:
15. Sept
16. Sept
1858,101861,90
1399,551402,45
408,05
169,76 761.70
465,50
408,95
169,98
781,30
139,90 4 6,50 401,95 108,11
760,80
455,50
401,05 107,89
759,2»
Abgabe von 5 Pro», des Verkaufspreises angenommen. Die Handelskammer hat im Interesse beS Buch- und
den drei Provinzen gliedern -----
am letzten Sonntag für Starkenburg eine Der- trauenSmännerversammlung abgehalten, die ihre
London. . . . , NeuvorK . . .
Pan«......
Schweiz. . . .
Spanien . . . Wien (altes). Dentsch-Oestar. Prag.....
Budapest. . . Bulgarien . .
Konstantinopel
9,63 9,67
127,85 128,15
20,87 20,93
Handel.
I- ran Kf v rt a. M., 17. September.
Berliner Devisenmarkt
Geld Brief Geld Brief
Amsterdam. Rotterd. 3426,55 3433,45 3416,55 3423,45 Brüssel-Antwerpen . 749,25 750,75 751,70 753,30 Christiania...... 1408,55 1411,45 1401,05 1415,95
Kopenhagen..... 1933,05 1936,95 1910,551914,45
Stockholm . . . . • . 2367,60 2372,40 2340,15 2344,85 Helsingfor» "* ~ -----
Italien . .
Gerichtssaal.
mc Frankfurt a. M, 16. Sept. Den hier ansässigen Goldwarenhändlern und Juwelieren erwächst keine geringe Konkurrenz durch die in allen Kaffees und Wirtschaften auftret en- den Gold- und Silberschieber galizischer Geburt 3um Schutze deS reellen Handels dient nun eine Verordnung, die den 03erlauf von Gold und Silber Im Hausierhandel verbietet Diese hat der Galizier Isaak Tennenbaum (in Wiesbaden wohnhaft) übertreten. Dafür bekommt er eine Woche Gefängnis und 1500 Mk. Geldstrafe. Außerdem wird er als Folge der Okrurteilung ausgewiesen.
verpflichten solle. Zwei Drittel sollten von den Fachverbänden der Autoren, ein Drittel von der Äeichsregieruna zugunsten der Kunst und Künstler verwendet werden: als angemessen wurde eine
1883.10 1891,90
1423,551426,46
SM 9J2
131,10 131,40
20,47 20,53
Da eine Gesundung der Verhältnisse auf dem Eetfenmarft durch Selbsthilfe der Industrie allein nicht möglich ist, hat sich die Handelskammer in lieberemftimmung mit der Seifen-Herstellung«- und Vertriebsgesellschaft für den Erlaß einer OkeichSvervrdnung eingesetzt, durch welche der Verkehr mitSeife und seifen haltigen Reini- gungsmitteln geregelt wird.
GS ist vvm 03erbande Deutscher Dühnenschrift- steller und Bühnenkvmpvnisten eine 2 ende-
129,60 129,90 139,60
464,50 ----- -----
Sitzungsbericht der Handelskammer Giehen.
(Schlub.)
Durch die Verordnung über weitere Ermäßigung der Tabaksteuer vorn 16. März d. Is. war der Reiche finanzrninister ermächtigt worden, die Tabaksteuersätze für Tabak- erzeugnisse zu ermäßigen. Von dieser Ermäßigung ist derart Gebrauch gemacht worden, daß bis zum 1. April 1921 die Ermähigungssätze in dem nach der Verordnung zugelassenen Höchstmaß, d. i. bis zu 75 Prozent, gewährt worden sind, wächrend mit Wirkung vom 1. April 1921 ab eine Abminderung der Ermähigungssätze verfügt worden ist und zwar auf 65 Prozent für Zigarren und 10 Prozent für feingeschnittenen Rauchtabak. Vom 1. Oktober d.IS. ab soll eine weitere Abminderung der Ermäßi- gungssähe in der OBeife eintreten, daß die Steuersätze. wie sie in § 5 des Tabaksteuergesetzes vorgesehen sind, in der halben Höhe, also zu 50 Prozent zur Anwendung gelangen. Diese neuerliche Verminderung deS Steuersatzes wird aber solche Umwälzungen in bezug auf Preise, Packungen usw. mll sich bringen, daß schwere wirtschaftliche Aachteile und Störungen für die gesamte Zigarren- und Tabakindustrie nicht aus- bleiben können, von denen auch die Arbeiterschaft empfilrdlich getroffen werden wird. Die Handelskammer hat daher die hessische Otegierung gebeten, sich bei der Reichsregierung für die Beibehaltung deS bestehenden Zustandes einzusetzen.
Die hessischen Handelskammern haben sich gegen eine finanzielle Beteiligung Hessens an der in München gegründeten .Süddeutschen Hochseefischerei - Betriebs-Aktiengesellschaft" zwecks besserer 03ersorgung Süd- oeutschlands mit Seefischen ausgesprochen, weil angesichts der freien Wirtschaft die private Initiative für den Seefischfang schon mit vollen Mitteln ausgerüstet sei und für die Versorgung von
die Forderung als kulturfeindlich und gemeinschädlich bekämpft
Der Antrag deS hessischen Staatsministeriums, das mittelrheinische Stromgebiet unter einer Wasserstrahendirektivn mit dem Sitze in Mainz zu stellen, ist von dem hessischen Han- delSkammertag unterstützt worden.
Die Handelskammer toirb bei dem Fulda- Lahnkanalverein beantragen, daß die künftigen Untersuchungen und Vorarbeiten über die Schaffung eines Schiffahrtsweges zwischen dem Rhein und der Lahn unter Benutzung der Fluhläufe der Lahn, Ohm. Wiera, Schwalm. Eder und Fulda sich auf einen Stichkanal Gießen- Frankfurt a. M. erstrecken sollen.
Gin Antrag der beteiligten Werke auf Errichtung einer Haltestelle für Ar - beiterzüge bei Kilometer 1.900 der Strecke Giehen—Gelnhausen wurde angelegentlichst befürwortet
Die Bemühungen der Handelskammer um Verbesserung der D e r ke h rS ve r h ä l t- nisse auf den Strecken Giehen— Fulda, Lauterbach—Gedern. Mücke—Laubach haben bisher die gewünschten Erfolge nicht gezeitigt: ebenso sind ie Bestrebungen der Handelskammer auf Herabsetzung der Frachtsätze für verzinkte Eisenblechwaren erfolglos geblieben. Die Handelskammer hat die Bestrebungen auf Schaffung einer Tages- Schnellzugverbindung Trier —Kob- lenz — Giehen — Berlin unterstützt
Auf Antrag der Handelskammer hat das Hes- sische Landes-Arbeits- und Wirtschaftsamt die Staatszuschüsse für die Kaufmännischen Fortbildungsschulen ihres Bezirk insgesamt um 3700 Mk, vorbehalllich der Zustimmung deS Finanzausschusses der Dollskammer, erhöht
Vorschläge zur Kandckntenliste der Parteileitung gemacht hat. Eine ähnliche 03cr1ammIung findet bekanntlich am 18. September für Rheinhessen in Arnshcim statt. Die WahldertrauensmännerveD- sammlung der oberhessischen Demokraten wird am 25. September in Ridda abgehalten werden. Die endgültige Otcbaftion wird die Kandidatenliste in einer Sitzung deS LcmdeSauSlchufleS der Demv- lrakifchen Partei am 2. Oktober erhallen.
Die Deutsche VolkSpar-tei hat sich für die Aufstellung einer einheitlichen Liste für vaS ganze Land Hessen entschieden. Durch dieses Verfahren wird es der Partei möglich sein, bei der Dominierung der Kandidaten mehr die einzelnen DerufSzweige zu berücksichtigen, als dies die nach den Provinzen gegliederte Liste gestattet: diese hat auf der andern Selle zweifellos den Vorteil, daß die Wünsche der einzelnen Bezirke leichter berücksichtigt werden können, als auf einer allgemeinen LandeSliste. Auch bei der Deutschen VollSPartei wird der LandesauSschuß am 2. Oktober endgültig zur Kandidatenliste Stellung nehmen.
Die Hessische Vvlkspartei, wie sich die hessische LandeSpartei der Deutschnationtten VolkSpariei nennt, hatte auf heute nachmittag eine Sitzung ihres Landsswnhlaulschuses ein berufen, die indessen keine Beschlüsse von abschließender Bedeutung saßte.
Der Hessische Bauernbund, die 2an- deSorganisation des ReichSlandbundeS, hat be- kanntlich beschlossen, mit einer eigenen Liste in den Wahlkamps einzutreten. Rähere Deschlüste werden in nächster Zell gefaßt werden.
Von der Sozialdemokratischen Partei hat man bisher erfahren, dah sie ihre Kandidatenliste nach den Provinzen gruppieren wird Außer diesen Parteien werden auch die Unabhängigen Sozialdemokraten und bu Kommunisten sich am Wahlkampf Beteiligen, so dah man im ganzen mit sieben Parteien rechnen darf, die sich an den Landtagswahlen beteiligen werden.
Die Parteien sind zur Zeit eifrig mit den Vorberettungsarbellen zu den im Rovember statt- sind enden Landtagswahlen beschäftigt. Ein lieber* blick über die Kandidatenausstellung ist vor dem 2. Oktober nicht möglich, da die verschiedenen maßgebenden Parteien in diesen Tagen erst die Sitzungen haben, die der Kandidatenliste den Ad- >chluß geben werden. So die Demokratische Partei
seltenen deulschen Mr bebet-
• «neben, nxrb ba, bereits LL
fälltgung und Auftührung gmeinfreier Werke der
Literatur, Tonkunst und bildenden Kunst künftig zu einer Abgabe (Kulturabgabe), an daS Reich
Marknoticrungen.
Für 100 deutsche Mark wurden
Datum: 1.7.1t.
Zvrich...........Ät.12».»
Amsterdam........Fl. 59,1)
Kopenhagen........Kr 83,3)
Vraa............6r 117,33
Stockholm.........Är. 83,3)
ZBien............«r 117,83
London..........Sh 97,8)
Paris...........Fr 125, l)
Neuyork..........$ 23,83
gtyiblt.
15.9. 16.9.
',32 5,35
2,90 2,92
5,25 5,30
77,25
4.30 4.30 -.-1457,-
4,83 4.87
13,12 13,25 0,91 0,91
Züricher Devisenmarkt.
16.9. 15.9.
Wechsel auf Schweizer Franken
Solland........100 =■ 182.50 182.25
Deutschland......100 TM. = 5.35 5.30
©len.........100 Kr. = 0.475 0.475
Prag.........100 Kr. = 6.95 6.95
Paris.........100 Fr. = 49.10 40.10
London........ \ £ = 21.66 21.50
3tollen........100 ß. - 24J»0 24.30
Brüssel........100 Fr. - *0.50 40.50
Budapest.......100 Rr. — 1.10 1.15
NeuyorK........100 $ = 581 - 530.-
Agram.........100 Är. » 2.50 2.40
Bukarest.......100 & = 5 - 4.70
Märkte.
Frankfurter Obst- und Geurüfemarkt.
Frankfurt a. M., 16. Sept. Der heutige Gemüse- und Obstmarft war von hiesigen Erzeugern außerordentlich stark beschickt Insbesondere Dohnen, Wirsina, Weißkraut, Spinat und Römisch-Kohlwaren stark angefahren, während der Großhandel von ausländischen Erzeugnissen wenig oder gar nichts zur Verfügung hat. Es wurden gezahlt pro Zentner: Kartoffeln 72—75 Mk. Weißkraut 90 Mk., Rotkraut 110 Mk., Dohnen 210-220 Ml., Wirsing 140—160 Mk., Spinat 160 Mk., Römisch-Kohl 80—100 Mk., Tomaten 120—150 Mk. Weiter kosteten pro Hundert Kopfsalat 60—80 All. Eslarol 50—100 Mk. Ein- leg gurten 12—38 Mk., Kohlrabi 40—60 Mk. Der Obstmarft war reich beschickt und dürsten größere Mengen unverkauft bleiben. Man zahlte für Koch- äpsel 95 Mk., Drechäpfel 110—140 Mk., Dirnen 95—150 Mk., Pfirsiche 300—400 Mk., Zwelschen 240—260 Mk., Trauben 390h—452 Mk.
x Lich 16. Sept. Die Abhaltung deS Ferkelmarktes am Montag, 3. Oktober ist vom Kreisamt genehmigt worden.
x Hungen, 16. Sept. Am Montag, 26. September finden in Hungen ein Fer kel- marlt statt.
(3n einem Teil der Auflage wiederholt.) Die sozialdemokratifchen Führer beim Reichspräsidenten.
Berlin, 16. Sept. Reichspräsident Ebert empfing gestern nachmittag die sv- zialdemokrattschen Führer zu einer Aussprache über polllische Fragen. Mit der Frage der Devisenbeschaffung hat jedoch laut der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" die Besprechung in keinem Zusammenhang gestanden.
Em weiteres Geständnis deS Massenmörders Großmann.
Berlin, 16. Sept. Der Berliner Großmann hat gestern nachmittag ein weiteres Geständnis abgelegt, wonach er auch in den ersten Auausttagen einen Frauenmord verübt hat. Bei der Zerstückelung der Leiche sei er von einer DachbarSfrau unterstützt worden. Diese ist nun gleichfalls verhaftet worden.
Lloyd George widerruft die Konferenz mit den Sinnseinern!
London, 16. Sept. (WTD.) Reuter. In seiner Antwort an De Valera erklärt Lloyd George, dah er, da De Valera auf die Aner- kennung der irischen Souveränität bestehe, sich genötigt sehe, die Vorbereitungen für die engliich-irische Konferenz in Inver- neh zu widerrufen. Er müfle daS Kabinett über die notwendigen Schritte befragen.
London, 16. Sept. (WTD.) Die unerwartet entstandene Krise in den Verhandlungen zwischen der britifeben Regierung und den Sinnfeinem bilden das Hauptthema der Presse. Dem „Sailb Chronicle" zufolge halte man nach der Antwort De Valeras gleich den Eindruck, daß eine Lage von höchstem tragischem Ernste geschaffen sei. Lloyd George berufe angesichts der entstandenen Krise eine Konferenz nach Inverneß. an der die Minister teilnehmen werden, die Mitglieder deS Kabinettsrates sind, der Vollmacht erhalten hatte, die irische Frage zu behandeln.
Die Rothersteins.
Roman von Erich Ebenste in.
Copyright 1919 by ®reiner Ä Eomp.. Berkin W 30.
56. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
,3m .Goldenen Löwen" haben sie Wagen. Ich will Federlein gleich hinsenden."
.Tun Sie das, bitte. Ich kleide nrich ih- 4wischen um."
Eine knappe halbe ötunbe später bestieg Rüdiger ben Wagen, den Zederlein gebracht hatte.
Als er Frau Wenk die Hand zum Abschied reichte, sagte en .Richt wahr. Sie vergessen nicht, längstens bis übermorgen zwei bis drei Dast- timmer in Bereitschaft zu fetzen für die Herren, die ich wahrscheinlich mitbringen werde?"
»Gewiß. Erlaucht können stch darauf ver- laflen. Die Herren werden auch hier spellen, nicht wahr?"
»Ja Versehen Sie stch mll allem Rötigeu. Die (Einquartierung wird vermutlich ein paar Sage dauern. And entschuldigen Sie mich bei Pfarrer Andermatt. Sagen Sie, es sei mir unmöglich gewesen, noch persönlich zu kommen: doch werde ich ihm später alles er Häven."
Die Wirtschafterin sckh dem toftrollenden Wagen kopfschüttelnd nach
.Wenn ich nur wüßte, was all dies zu bedeuten hat?" Tagte sie zu Federlein „Der Graf ist ja ganz verwandelt, ilnb wen er wohl mitbringt aiä Wien?"
Federlein zuckte philosophisch die Achseln.
»Was mich nichts angebt, darüber zerbreche ich mir Mtch nicht den Kopf. Wir iverden's ja sehen, wer kommt.
Damit zündete er sich feine lange Pfeife an — ein Erbstück seines verstorbenen Gebieters — und verschwand im Hause.
26. Kapitel.
In Grafenegg konnte man sich nicht erklären, warum Rüdiger so lange in Monrepvs blieb.
Sein Aufenthalt dauerte dort nun schon in die dritte Woche, und in den kurzen Lebenszeichen, die er ab und zu an seinen Vater sandte, war kein Grund angegeben für diese unvorhergesehene Verlängerung.
And "doch wäre seine Anwesenhell hier schon dringend nötig gewesen. Derrn draußen in der Fabrik wollten die Unflimmigteiten lein Ende nehmen. Alle Augenblicke gab es Differenzen zwischen den Arbeitern und Drömel. Man ignorierte dessen Befehle, war lästig bei der Arbeit, und zweimal war es schon zu offenen Widersetzlichkeiten gekommen, so dah Drömel sich zu Entlassungen genötigt sah, um seine Autorität zu wahren.
Dies machte erst recht böses Dlut. Zudem fanden die Arbeiter plötzlich, daß sie schlechter bezahlt seien als die Duchauer Gewerksteute.
EineS Tages wurde Herrn Drömel eine Deputation der Arbeiter gemeldet, die ihm die Wünsche der Arbeiter tunbtat.
Sie forderten erhöhten Lohn und " die Anstellung ihres .Kollegen" Scheibinger.
Star. Drömel antwortete, die Entscheidung barüoer liege in Rüdigers Händen, sie müßten warten, bn er zu rückt eh re. Sin Bescheid, der mit Murren entgegengenommen wurde.
CBrömel 'telegraphierte an Rüdiger. Aber die Antwort lautete. Rüdiger sei momentan unabkömmlich, wisse auch nicht, wann er zurückkehren
könne. Im übrigen sei mll Energie vorzugehen. Rötigenfalls die Störenfriede auszasHerren oder andere Arbeiter aus Südsteiermark zu requirieren.
Gerade das aber wollte Drömei vermeiden, da er wußte, es würde nur neuerdings böses Blut machen. In feiner Bedrängnis wandte er sich an den Fürsten.
Leider war dieser gar nicht geeignet, die Situation zu mildern.
So gut er unter ihnftänben sein tonnte, so eigensinnig, herrisch und autokratisch gab er sich, wenn man nach seinen Begriffen sich „gegen die Herrschaft übernahm".
Außerdem war er sehr schlechter Laune, beim sein Prozeß schien, wie ihm der Iustizrat mlt- geteilt hatte, abermals eine ungünstige Wendung zu nehmen.
In dieser Stimmung war ihm Drömels Beschwerde gerade nur recht als Ventil, seiner schlimmen Laune ein wenig Luft zu machen. Er beschloß, selbst nach der Fabrik zu fahren, um den Leuten .einmal den Herrn zu zeigen".
Magelone, die sich neuestens sehr bemühte, sich in seine Gunst einzuschmeicheln, bestärkte ihn darin. Sell Rüdigers Abreise überschüttete sie ihren Sc^viegervater mit Auftnerlsam.'eiten, las ihm vor, fuhr mit ihm spazieren und Drängte dadurch Do in den Hintergrund.
„Ach, Do! Die hat ja nur Sinn für ihre schmutzigen Dvrfrangen und dü.' Korrespondenz mit einem gewissen jemand," sagte sie jedesmal spöttisch lächelnd, wenn der Fürst nach Do fragte. 2m Vertrauen hatte Magelvne ihm längst mitgeteilt, daß zwischen Do und Waldemar etwas im Werk fei, wohl wissend, daß dies den alten Herrn gegen Do insgeheim verstimmen würde.
— Die .TimeS" bezeichnet die Lage als äußerst ernst. Das Blatt schreibt, es besteht kein Grund, daran zu zweifeln, daß die brltischc Regierung bis zur äußersten Grenze gegangen sei, die daS Land sanktionieren könne. Die .Times" hofft, daß in Irland doch die Vernunft Oberhand behalten werde. — »Daily Telegraph" schreibt, die britische Regierung verhandle mit Perlonen, die nicht berechtigt feien, für das nationale Irland ju sprechen. — Dem »Daily Erpreß" zufolge befindet sich das 6i rrn feiner- Ra bin c 11 in Händen ber Extremisten, die in der Frage der Trennung Irlands von England nicht nachgcben wollen. In Irland sei jedoch noch eine andere Strömung vorhanden, und Lloyd George wolle dieser Strömung noch einige Tage Zeit geben, sich geltend zu machen. SS sei bekannt, daß daS Dail Eiran in dieser Hinsicht geteilter Meinung sei Lloyd Georges Schreiben bedeute, daß die englische Re- §ierung Irland eine letzte Möglichkeit geben wolle.
Inzwischen könne das Dall Sivan seinen Beschluß neu erwägen: die Türe stehe noch immer offen. Einer Meldung des BlatteS aus Dublin zufolge hat das Schreiben Lloyd Georges an De Valera dort Bestürzung benwrgemfen. Man glaube je- doch, daß die Wege zum Frieden noch nicht versperrt seien und daß eine neue Zusammenkunft deS irischen Kabinetts und des Sinnfeinerparlaments sofort ein berufen werden würde, um sich mit der neuen Lag ezu befassen.
Die Antwort Valeras an Lloyd Georg«.
London, 15. Sept. (WTB.) In het heute abend amtlich bekannt gegebenen Antwort De Valeras auf die Einladung der britischen Regierung zur Teilnahme einer Konferenz in Inverneß heißt eS' In dieser endgülttgen Rote hielten wir eS für unsere Pflicht, von neuem zu bekräfttgen, dah unsere Stellungnahme nur die ist und sein kann, die in unserem Schriftwechsel immer wieder zum Ausdruck gebracht wurde. Ansere Ration hat ihre Anabhängigkeit erklärt und bettachtet sich als souveräner Staat. Rur als Vertteter dieses Staates haben wir überhaupt irgendwelche Beziehungen im Ra- men unseres DolkeS zu behandeln. Der Grundsatz der Regierung mll Zusttmmung der Regierten muß die Grundlage jedes Aeberein- kommens sein, das die endgültige Versöhnung erreichen will. Wir zögern nicht, unsere Bereitschaft zu erklären, in eine Konferenz einzu- tteten, um festzustellen, wie die Verbindung Assoziation) Irlands mit der Gemeinschaft )er Rationen, die als britisches Reich bekannt ind, am besten mit den irischen nationalen Bettebungen versöhnt werden kann. Wir legen die „Regierung mit Zustimmung der De^ gierten“ so aus, wie sie von den einfachen Männern und Frauen der Welt verstanden wurden, als sie am 5. Januar 1918 erklärten: „die Regierung Europas muß auf Unterlagen der Vernunft und Gerechtigkeit gegründet sein, die eine Aussicht auf Stetigkeit bieten. Wir sind daher der Ansicht, daß die Regierung mit Zustimmung der Regierten die Grundlage jeder territorialen Regelung dieses Krieges sein muß“. Die Antwort de Valeras erllärt: Diese Worte seien die wahre Antwort auf die Kritik an der Stellungnahme der Sinnfetner.
Die Wünsche japanischer Friedens, gesellschasten.
Genf, 15. Sept. (Wolff.) (Eine große Anzahl von japanischen Gesellschaften, darunter die japanische Gesellschaft für den Völkerbund, die Gesellschaft für internationale Erziehung, der japanische Frauenbund für den Frieden und mehrere andere Vereinigungen, zu denen sich auch einzelne höhere Persönlichkelten des japanischen Heerwesens gesellten, richteten an den Präsidenten der Völkerbundsversammlung ein gemeinsames Schreiben, in dem die Einrichtung eines internationalen Erziehungsrates angeregt wird. Seine Hauptaufgabe soll die Prüfung und Kontrolle der Schulbücher sein, da kein wirklicher Friede möglich sei, wenn nicht aus den Schulbüchern, wie über» Haupt aus der Erziehung des Volkes die internationalen Vorurteile verschwinden.
Der türkische Kampfbericht.
Paris, 16. Sept. (WTD) Amtliche r kemallstischer Kriegsbericht vom 15. 9l Rechter Flügel: Feindliche Angrisfe wurden zu- rückgewlesen. Der Feind hatte große Verluste und wurde durch unsere Truppen verfolgt. Zentrum: Durch unsere Angriffe haben wir dem Feinde gewifle bedeutsame Stellungen und Gefangene abgenommen. Die Verluste der Griechen bei den Angriffen, die wir in den letzten Tagen gegen sie unternommen hatten, sind lehr ernsthaft
Denn er hatte nun einmal eine Antipathie gegen alles, was Ruhland hieß.
»Aber sag ihr nichts darüber," setzte sie bann jedesmal vorsorglich hinzu. »Denn sie ist so komisch, die gute Do! Sie bildet sich immer gleich ein, man wolle ihre zarten Geheimnisse profanieren."
Do merkte sehr gut, daß der Fürst kühler gegen sie war und seltener nach ihr verlangte, sell Magelone sich so viel um ihn zu schaffen machte. Aber sie war viel zu stolz, um dies ändern zu wollen.
»Ss ist ja nur natürlich/ dachte sie bitter „Magelone mag mich nicht und weiß, daß ich fort muh. Schon Rüdiger zuliebe trachtet sie, mich bei ihrem Schwiegervater zu verdrängen. Wer weiß, wie bald sie mir auch in der Wirtschaft jeden Wirkungskreis entziehen wird."
Daran dachte nun Magelone allerdings nicht Schon aus dem einfachen Grunde, well sie sich um wirtschaftliche Dinge im Hause überhaupt nicht kümmerte und gar nichts wußte von Dos Tätigkeit, die sich so still und geräuschlos abspiette.
Sv war es gekommen, daß Do in völliger Unfamtnid über des Fürsten Entschluß Blieb.
Desto heftiger erschrat sie, als sie eines Abends, von der Hütte Scheibingers, wo sie täglich stundenlang bei den Kindern wellte und die Ordnung in dem armseligen Haus hall aufrecht hielt, heimkehrend, überall im Dorf Gruppen erregter Menschen sah, aus denen der Äame des Fürsten an ihr Ohr schlug.
Sie hätte nicht so viele Freunde unter den armen Leuten haben müssen, wenn sic nicht bald erfahren hätte, um was es sich handelte
(Fortsetzung folgt)


