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und Prag sollen auf das Ersuchen der bri­tischen Regierung bereits in günstigem Sinne geantwortet haben; die Antwort Frankreichs sei noch nicht bekannt geworden.

Die nächste Zusammenkunft des Obersten Rates.

London, 14. Juli. (WTB.) DieMor- tttrrg Post- mellet: Die englische Regierung teilte der französischen Regierung mit, daß sie die Verschiebung der Zusammenkunft Des Obersten Rates bis zu der am 21. Juli erfolgenden Beendigung der Reichs­konferenz wünsche. Die französische Regierung schlug vor, die Verhandlungen am 24. Juli wieher aufzunehmen, nach­dem die Sachverständigen die Vorbereitungen zu Ende geführt hätten. Mit Rücksicht auf die kurze Frist, die auf diese Weise den Sachver­ständigen gewährt würde, habe die englische Regierung die französische Regierung ersucht, die Frage einer erneuten Erwägung zu unter* zichen.

Die Politik Amerikas.

London, 14.,3uIL (Wolff.) Rach einer Washingtoner Depesche der hiestgen Blätter hat Präsident Har ding erklärt, die Ab­rüstungskonferenz werde in keiner Weise die Verhandlungen zwischen den Ver­einigten Staaten und Deutschland verzögern. Die amerikanische Regierung sei der Ansicht, daß die Konferenz zur Bildung eines Völ­kerverbandes führen werde. Man glaubt schon fetzt sagen zu können, daß die Konferenz öffentlich sein und daß die lleinen Staaten über die Verhandlungen auf dem Laufenden gehalten werden.

Italien und die Washingtoner Konferenz.

Landgerichtsbezirks Eisenach verbürgt hat. 2m Hinblick auf die drohende Verkleinerung des Landgerichtsbezirks Eisenach, der damit zu dem kleinsten deutschen Landgerichtsbezirke herabsinken würbe, haben jetzt die mit der neuen Kreiseinteilung Thüringens unzufrie­denen Eisenacher eine Deputation nach Kassel entsandt, um in der Anschlutzfrage an Preußen mit den maßgebenden Kreisen der Regierung der Provinz Hessen-Rassau Fühlung zu nehmen. Die Verhandlungen haben bisher einen günstigen Verlauf genommen. Ihnen sollen in diesen Tagen neue Verhandlungen in Berlin folgen. Die Haltung der politischen Parteien in Eisenach zu dem Aüschluhgedanken ist noch nicht geklärt. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, sind die Rechtsparteien, die Mehrheitssozialisten und ein Teil der Demo­kraten im Falle einer Zerschlagung des Land- gerichtsbezirks f ü r den Anschluß an Preußen, während die Unabhängigen und die Kommu­nisten aus naheliegerlden politischen Gründen die Aufhebung des Landgerichtsbezirks Eise­nach und die Angliederung des Eisenacher 'Bezirks an den radikalen Gothaer Bezirk wünschen.

Aus dem besetzten Gebiet.

150 Dhemschiffe beschlagnahmt.

fpd. Koblenz, 14.Juli. Auf Grund des Friedensvertrages wurden zur Ablieferung an Belgien und Frankreich für das Reich 150 Rhein-Schiffahrtszeuge beschlag­nahmt, in der Mehrzahl Fahrzeuge der Reedereien Matthias Stinnes, Hugo Stinnes und der Harpener Bergbau-A.-G. Unter den beschlagnahmten Schiffen befinden sich auch die PersonendampferParzisal" undLore­ley", die schon seit längerer Zeit von den Franzosen zu Kanonenbooten umgewandelt worden sind.

Rvm. 14. 3ufL (Wofff.) La"t Havas meldet dieÄtz'mtia Stefani". die italienische Re­gie r u n a babe dem Präsidenten der Vereinigten Staaten mitteilen lassen, daß sein Vorschlag für eine Herabsetzung der Rustungen mit aller Sympathie ausgenommen werden würde.

Deutsch-amerikanische Verhandlungen über ein direktes Kabel.

Verbot und Verurteilung.

fpd. Düsseldorf, 14.Juli. Aus An­ordnung der französischen Besatzungsbehörde wurde dieDüsseldorfer Zeitung" auf vier Tage verboten und der Hauptschriftleiter Mützel mit vier Tagen Gefängnis bestraft.

Derlin, 14. Zuli. (Wolfs.) DieBerliner Zeitung" teilt in der gestrigen Abendnummer mit, daß amerikanische Interessenten mit den zuständigen deutschen Behörden über die Er­richtung eines direkten Kabels zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten verhan­delten. eine Verständigung aber augenscheinlich deshalb nicht er»i<>lten. weil diese Behörden in­folge bureaukrat!scher Bedenklichkeiten u|to. nicht die richtige Einsicht in die Tragweite ihrer Ent­scheidungen bewiesen. Von zuständiger Stelle wird hierzu mllgetellt, daß abschließende Ver­handlungen über den Gegenstand nicht stattge- Lfunden haben und deshalb von einem Richt- zuftandekommen des Projektes nicht gesprochen < werden kann.

Keine deutschen Offiziere in der Ken.aliftischen Armee.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 15. Zuli 1921.

Die drohende Wassernot für Gießen.

Vom Wasserwerk wird uns mitgeteilt:

Trotz des Verbotes der Bewässerung der Gärten, Grasstücke usw. findet doch noch eine zu hohe Wasserabgabe statt. Wenn auch von der Einführung von Sperrstunden bisher ab­gesehen werden konnte, so muh doch eine stundenweise Absperrung der Wasserleitung ins Auge gefaßt werden, wenn es nicht gelingt, den Wasserverbrauch noch mehr einzuschränken. Es ist nicht an­gängig, daß nur die Bewohner der hoch ge­legenen Stadttelle unter Wassermangel leiden, während die Bewohner des tief gelegenen

Derlin, 14. Juli. (WTB.) Rach einer Meldung aus Athen sollen in der Kemalisti- schen Armee deutsche Offiziere an­wesend sein und von türkischen Kreisen soll m Deutschland eine lebhafte Werbetätigkeit unter den deutschen Offizieren rcanfW et werden.

Auf Grund amtlicher Ermittelungen kann festgestellt werden, daß alle diese Rachrichten jeder Grundlage entbehren.

Aus dem Reiche.

Sitzung deS ReichSrateS.

Derlin, 14. Juli. (WTB.) Zu der heutigen öffenllichen Sitzung des Reichs - r a t e S waren zum ersten Male auch die Vertteter der preußischen Provinzen er*

Stadtgebietes teilweise nach wie vor sich eine Beschränkung nicht auferlegen. Wiederholt ist festgestellt worden, daß einige Hausbesitzer ihre bei dem Hause befindlichen Gras­stücke, Gärten und Beete ttotz deS Verbotes mit Wasser aus der Wasserleitung bewässern. Wenn diese Eigennützigkeit nicht aufhört, werden die betr. Wasserabnehmer zur Anzeige gebracht und es wird die Zu­leitung zu ihren Grundstücken gesperrt werden. 3n nachstehendem werden einige Zahlen über den Gesamtverbrauch an Wasser in den letzten Tagen mitgeteilt. Hieraus ist zu ersehen, daß, wenn einigermaßen Sparsam­keit in bezug auf Wasserentnahme geübt wird, wir durch die heißen Tage ohne Absperrung der Wasserleitung kommen können. Die

Wafferabgabe betrug:

cbm

3.

4.

5.

6.

ffuli Iuli 3ufi 3uli Juli 3ufi

am am am am am am am

9°25 9205 7129 9060 9436

9506

am am am am am am

8.

9.

10.

11.

12.

13.

3uli 3ufi 3uli 3ult 3ufi 3uTt

7. 3uft 9143

Das Pumpwerk Queckborn hat im laufen,

9218 cbm

10070

7760

10163

9886

9305

schienen. Die vom Reichstag angenommenen Veränderungen zum VerdrängungSschäden- gesetz, zum Kolonialschädengesetz und zum ÄuslandSschädenaesetz fanden die Zustimmung des Reichsrats, ebenso die Reichstagsbeschlüsse zur Rovelle über die Invalidenversicherung und zum Gesetz über die Wochenhiffe und Wochenfürsorge. Auch dem Wehrmachtver- soraungSgesetz stimmte der Reichsrat zu. Der Gesetzentwurf über die Heranziehung von Frauen zum Schöffen- und Geschworenenamt wurde im Plenum mit 31 gegen 31, also mit Stimmengleichheit, abgelehnt.

Eisenach und Preußen.

DieFrkf. Ztg." meldet aus Eisenach: Im Gesetzgebungsausschuß des Thüringer Landtags war mit 6 gegen 3 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen beschlossen worden, dem Meininger Landgerichtsbezirk, der durch den Verlust Koburgs Einbuße erlitten hat, einen laut StaatSvertrag verbürgten Ausgleich mit dem Eisenacher Oberland, der sog. Weimari- schen Rhön, zu schaffen. Eisenach sollte dafür mit den Amtsgerichtsbezirken Thal und Wal- terShaufen, die früher Gothaisch waren, ent­schädigt werden. Da nun aber die letztgenann­ten Bezirke einen erfolgreichen Protest bei der Thüringer Taxationskommission, die nach Meiningen verlegt werden soll, vorbrachten und da der Eisenacher Bezirk durch die Ab­trennung des Oberlandes kaum in der Lage sein dürfte, sein Landgericht zu erhalten, so hat hier eine begreifliche Mißstimmung gegen Weimar bzw. Thüringen in wetten Kreisen Fuß gefaßt. Man wirst Weimar die Auf­hebung der Eisenacher Forstakademie und die drohende Aufhebung seines Lehrerseminars und der ForfttaxationSkommission, die nach Meiningen verlegt werden soll, vor und er­wägt ernsllich den Anschluß an Preußen. Interessant war eS, daß der thüringische Staatsminister Dr. Paulsen einer Eisenacher

Deputation gegenüber sich mit der Beibehal-. z unb's Uhr und nachts "von 95 Ähr abge» jemes Amtes für die Erhaltung des I stellt werden muß.

den Monat durchschnitllich täglich 8764 Kubik­meter Wasser gefördert, die Stollenanlagen bei Grohen-Buseck und im Gießener Stadt- walde lieferten 400 Kubikmeter Wasser, so daß 9164 Kubikmeter Wasser täglich zur Verfügung stehen.

fpd. Aus dem Spessart, 14. Juli. Der Speflart, sonst eins der wasserreichsten Ge­biete Deutschlands, leidet unter einer Was­sernot, die täglich schärfere Formen an­nimmt. Viele Quellen sind bereits versiegt, un- gezählte andere liefern nur noch Tropfen. In allen Dörfern und umliegenden Städten, die chr Leitungswasser vom Spessart empfangen, herrscht drückende Wassernot. Die Stadt Würzburg hat sett gestern abend eine Wassersperre eintreten lassen, die sich von abends 8 Ahr bis morgens 5 Ahr erstreckt. Wenn nicht bald ein Witterungsumschlag mit durchdringenden Regengüssen ein tritt, dann ist mit einer Katastrophe zu rechnen. Es wird berichtet, daß Landleute bereits ihr Vieh ver­kaufen, weil sie kaum noch in der Lage sind, für dieses genügendes Trinkwasser herbeizu­schaffen. Aehnlich wie im Spessart macht sich auch die Wassernot im Odenwald und seit einigen Tagen auch imTaunuS bemerk­bar. Auch hier ist in vielen Orten schon zur Rationierung des Leitungswassers übergegan­gen worden.

L a u b a ch, 14. Juli- Durch die anhaltende trockene und heiße Witterung macht sich auch hier die Wasserknappheit bemerkbar, so daß sogar die Wasierleitung nachmittags zwischen

10 Gebote an heißen Tagen!

1. Stehe früh auf, lüfte zeitig das Dettwert und schließe spätestens gegen 7 Uhr die Fenster und Gäben.

2. Im Zimmer lasse Wasser verdunsten in möglichst zahlreichen und flachen Gesäßen und du wifft über die angenehme Äüljie erstaunt sein.

3. Bei Spaziergängen trage leichte Kleidung und in praller Sonnenhitze eine ebensolche Kopf­bedeckung.

4. Beim Trinken vermeide alle Hast und kühle dich erst gehörig ab. Das Durstgeführ laßt ganz bebeutenb nach, wenn man einen Schluck Wasser solange im Munde hält, bis es warm geworden ist.

5. Plötzliche kalte Bäder in heißen Sommer­tagen können den Tod zur Folge haben. Abküh­lung des Körpers durch eine schnelle kalte Ab­reibung der Arme und Brust ist dringendes Er­fordernis.

6. Am Abend nach Untergang der Sonne öffne alle Fenster und Türen und lasse sie wah­rend der Rächt möglichst offen. Alle übermäßig warmen Decken beim Schlafen sind zu vermeiden.

7. Sei vorsichtig mit Speisen. Unter keinen Umständen dürfen leicht verderbliche Lebensmtttel der Sonnenhitze ausgesetzt werden. Der jetzt un­benutzte Zrmmerosen ist für kleinere Gegenstände eine vorzügliche Kühlstätte.

8. Habe ein besonderes Augenmerk auf Rah- rung und Wohlbefinden der Säuglinge. Hitze­wellen haben fast stets größere Säuglingssterb­lichkeit zur Folge. Die junge Mutter stille ihr Kind nach Möglichkeit selbst.

9. Eingetretene Hihschläge suche bis Aum Eintreffen des Arztes durch Oeffnen der Kleider und Abwaschungen des Kopfes und Körpers mit kaltem Wasser abzudämmen.

10. Gedenke auch der Tiere in dieser heißen Iahreszeit. Vieh, insbesondere Pferde und Rind­vieh, aber auch die Kleintiere aller Art der Sonne stundenlang auszusetzen, sie womöglich fest­zubinden, ist eine arge Tierquälerei. Reiche dei­nen Haustieren mehrmals am Tage sauberes frisches Trinkwasser.

Wettervoraussage für Samstag:

Vorwiegend heiter und trocken, sehr warm, Ost- bis Südostwinde, Gewitterneigung.

Die Wetterlage hat sich wenig verändert. Randwirbel des in Südwesten erscheinenden Tiefs können Gewijterbildung zur Folge, haben.

*

* Amtliche Person alnachrichten. Hebertragen wurde am 11. Juli dem Schulamts­anwärter Karl ©tiefer aus Strebendorf die Lehrerstelle an der Volksschule zu Ober-Sorg, Kreis Alsfeld. Entlassen wurde am 8. Iuli der ordenlliche Professor in der philosphischen Fakul­tät der Landesuniversttät Dr. August Skalweit zu Gießen mit Wirkung vom 1. Oktober 1921 an auf sein Rachsuchen unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste. Erledigt sind zehn Schulstellen an der Volksschule zu Gießen. Davon finb fünf mit evangelischen Lehrern, drei mit katholischen Lehrern und zwei mit evangelischen Lehrerinnen zu besehen.

L.U. Universitäts-Gottesdienst. Arn Sonntag den 17.Juli, vorrntt- tags 1IV* Ahr, findet in der Aula ein Universitäts-Gottesdienst statt, zu dem in erster Linie die Angehötigen der Äni- versttät eingeladen sind. Selbstverständlich hat aber auch jeder andere Zutritt. Die Predigt hält Herr Professor Dr.Schian.

"VonderFeuerwehr. Am 13. Juli vormittags 11.36 Ahr lief auf der Feuerwache die telephonische Meldung ein, es brenne in der früheren Steinbrecheranlage auf dem Kahlschen Kieslagerplatz bei der Klär­anlage. Die Wache rückte sofort aus und nahm die Löscharbeiten energisch in die Hand; doch war an dem Gebäude nicht mehr viel zu retten. Rachdem der Brand soweit ge­löscht und weitere Gefahr beseitigt war, rückte die Wache 2.2 Ahr ein und ließ nur eine Brandwache am Platze.

* Kornhaufen beginnen die Felder zu füllen. Die große Hitze der letzten Woche hat die Reife des Roggens so gefördert, daß die Landwirte sett Montag mit dem Korn- schneiden begonnen haben. Der Erttag im Sttoh sowohl, als auch an Körnern ist ein recht guter. Auch die Gerste naht ihrer Reife.

* Wie uns der Mieterverein mitteilt, findet am Sonntag in Gießen ein Verbandstag der DezirkSverbände der Mie­tervereine von Hessen, Hessen-Rassau und der Länder am Rhein statt. Es werden die Ver­treter einer großen Zahl von Mietervereinen erwartet, u. a. von Mainz, Frankfurt und Wiesbaden usw.

* D i e .Preisbewertung anläßlich derGibana" hatte folgendes Ergebnis: Abt. Briefmarken: 1. Preis Karl Förster, Pirmasens , 2. Hans Eidmann, Gießen; 3. Friedrich Balser, Wetzlar, Christian Kreiling, Wieseck. Abt. Rotgeld: 1. Preis Zvsef Schmitt, Gießen; 2. Her­mann Cohn, Gießen, 3. Helmut Kraemer, Gießen. Zugendgruppenpreis: Karl Groß, Gießen. Abt. Ansichtskarten: 1. Preis Willi Brüh, Gießen; 2. Ludwig Wendel, Gießen; 3. Georg Grünig, Gießen. Abt. Ltteratur: Lobende Anerkennungen erhielten VerlagDas Rotgeld", München; Ver­lagDer Rotgeldmarkt", Eisenberg i. Th.; Ver­lag Otto Kindt Wwe., Gießen. Höchste lobende Anerkennung: Druckerei Scharfe, Wetzlar.

50 Zahre im Dienste der Firma Gebr. Imheuser und ihrer Vorgängerin war am 1. Iuli Frau Iakob Desch tätig. Sie ist nunmehr in den Ruhestand eingetreten und will ihren Lebensabend In Londorf beschließen.

* * Das Fest der Silbernen Hochzeit feiern am Montag die Eheleute Schäftemacher Heinrich D ö r s ch und Frau. Reuenweg 52

Vornotizen.

Tageskalender für Freitag. Handelskammer, Ausstellung, Der Friedensver­trag von Versailles. Auf der Hardt. 1/2? Uhr, Sommerfest des Vereins f. d. Deutschtum im Aus­land Lichtspielhaus, Aschermtttwoch Terreol. Lichtspiele, Grohstadtmadels.

Verein für das Deutschtum im Ausland. Die wirtschaftlichen Röte, unter de­nen unser Vaterland leidet, werden in ganz be­sonders schmerzlich«: Weile von unseren, von Haus und Hof vertriebenen Ausländsdeutschen empfun­

den Wir erinnern nur an die auS Belgien, Schleswig, Elsaß-Lothringen. Polen usw. ver« drängten, ihrer Habe beraubten Volksgenossen an die Oberschlesier, gegen die die polnischen Insur­genten unter dem Schutze Frankreichs einen wirt­schaftlichen Vernichtungskrieg führen. Es ist da­her wohl sehr zeitgemäß, daß der Verein für dos Deutschtum im Ausland zusammen mit anderen Schuhvereinen heute aus Tenors Hardt wei­tere Kreise zu einer Veranstaltung zusammen - führen will, 'deren Reinertrag der Stillung der Rot deS bedrängten Auslandsdeutschtums dienen soll. (Siehe Anzeige.)

Aus dem Stadttheaterbureau. In der am Sonntag stattfindenden Erstaufführung des Wedekind'schen SchwankesDer Liebes trank" sind in den Hauptrollen beschäftigt bv Herren Telekv, Leutheiser, Feigel, und die Da men Koop, Marcks, Dolmar, von denen die letzte vom Herbst ab dem Ensemble unseres ötabti tHeaters angehört. Die heitere Komödie ist in­szeniert von Herrn Teleky. Einen ebenfalls interessanten Abend stellt die Ausführung des SchwankesDie drei Zwillinge' in Aus- sicht, in der im Rahmen eines Gastspiels des Rauheimer Kurtheaters Herr Impekoven als Iakob ZohanneS Knablein gastieren wttd. Herr Impekoven ist bekanntlich Mitverfasser des Schwankes und hat erst jüngst in derselben Aus­führung und in derselben Rolle im Rauheimer Kurtheater einen ganz auhergewöhnüchen Lach- erfolg erzielt. Der auch hier bekannte und be­liebte Darsteller vom Franlfurter Schauspielhaus wird sicher auch hier bei seinem Gastspiel den­selben Erfolg erringen.

Zur Aufführung von Zacharias Werners2 4. Februar". Im Katholischen Vereinshaus findet zu Gunsten des Äunfttoiffen- schaftlichen Seminars der ilninerfität ein Theater­abend statt, bei dem neben Goethes köstlichem IugendlustspielDie Laune des Verlieb­ten" ein wohl seit langer Zeit nicht mehr auf- geführtes Trauerspiel gegeben werden soll, Zacha­rias Werners2 4. Februar". Eine Ausführung ist gerade heute umso intereffanter, als Strömun­gen in der modernsten dramatischen Literatur ähn­liche Dahnen einschlagen. Das merkwürdige Stück ist der Erstling der Schicksalstragodien und zu­gleich die genialste Leistung aus dieser Dramen- llaffe. Werner stellt die Wirkung eines Fluchs bar Am 24. Februar ist ein Vatermord begangen wor­den. am selben Tage 28 Zähre später geht die Famllie des Ermordeten zugrunde. Mtt meister­licher dramatischer Steigerung, mit vollendeter Bühnentechnik wird die fürchterliche Spannung bis zur endlichen Katastrophe durchgeführt. Ein un­heimliches Allbeben füllt die Gegenstände in der fluchbedrückten Atmosphäre des Hauses; aber trotzdem wächst die Handlung nicht von außen her, wie bei Werners späteren Rachahmern Müllner und Houwald, sondern ihre Begründung liegt tid im Wesen der Personen selbst. Eine geniale Ver­ehrung Strindbergscher Figuren sind der fluch­beladene alte Bauer, knurrig, mißtrauisch und trotz des Elends noch voll unbeugsamen Stolzes, die gebrochene, hllflos verstrickte Bäuerin und der unstät-fahrige unheimlich auftauchende Sohn. Der Fluch auf den Gegenständen, Senfe und Messer, ist nichts wie das äußere Symbol des im Innern mitgetragenen Fluches. Der 24. Fe­bruar ist der eigentliche Schalttag, der vor dem 29. eingeschoben wird. Auf ihn fällt der Vater- fluch, er lost sich in dem 28jahrigen Zeitraum eines SvnnenzylluS (17761804), in welchem die Unordnung, die der Schalttag im Kalender unter den 7 Planeten angerichtet hat, durch 7maligc Wiederholung in die vorige Ordnung aufgelöst wird.

Die Deutschnativnale Volks- Partei Deranftattet Montag den 18. Zuli, 8Vt Uhr abend im Postkeller eine Mitgliederversamm­lung. Siehe Anzeigenteil.

Der Deutsche Deamtenbund Orts­gruppe Gießen hat auf Sonntag den 17. Iuli vormittags 91/3 Ahr. im Katholischen Dereinshaus (Liebigstraße) eine allgemeine Deamtenversamm- lung anberaumt

Das Dundestu rnf est des Turn ­bundes Lahn-Dünsberg findet am 17 und 18. Iuli in Londorf (Rabenau) statt. Siehe Anzeigenteil.

Kreis Schotten.

* Schotten, 14. Zuli. Am 6. Juli verstarb hier nach einem kurzen, aber arbeitsreichen Leben, der Vorstand der Oberförsterei Feldkrücken. Forst­meister Adolf Keil. Er war geboren 1874 z" Melbach und genoß feine Fachausbildung an her Universität Gießen bzw. im praktischen Forstdienst. Als Forstasieffvr war er beschäftigt in den Ober­förstereien Eberftadt. Dessungen, Darmstadt und Zugenheim. Stit 1906 war er in oberhessischen Re­vieren tätig, bis 1913 seine Anstellung als Ober­förster von Ulrichstein orfolate. 1917 tourbe Keil in die Oberföffterei Feldkrücken verseht. Mtt vor­bildlicher Pflichtausfaffung unterzog er sich den Aufgaben seines Amtes.

Kreis Friedberg.

"Bad-Rauheim, 15. Zuli. Bis 14. ZuN betrug der Gesamtbesuch deS Bades 25 408 Per- souen.

Starkenburg und Rheinhessen.

Die Haftpflicht der Hausbesitzer.

nn. Darmstadt, 14. Zuli, Die Haftpflicht der Hausbesitzer bei Vernachlässigung der ord­nungsmäßigen Herstellung der vermieteten Räume wird durch einen Fall illustriert, der jetzt vor dem Darmstädter Oberlandesgericht zum Austrag kam. Ein Hausbesitzer hatte die ordnungsmäßige Herstellung eines Rolladens eines Ladenmieters versäumt und als bei dem Mieter eingebrochen worden war, hatte dieser den Haus­herrn für haftpflichtig erachtet und verklagt. Das Landgericht, wie das Oberlandesgericht erbarmten die Haftbackett an, doch habe auch der Mieter einen Teil der Schuld zu tragen. Der Hausherr wurde zur Vergütuna eines Viertels des ge­stohlenen Gutes und den Kosten verurteilt.

Hessen-Nassau.

Aus der Marburger Stadtverordneten' Versammlung.

[j Marburg, 13. Zuli. Auf Grund einer Eingabe des hiesigen Gewerklchaftslartells, in der die alsbaldige Inangriffnahme von 50 Wohn­häusern unter Ausschaltung der privaten Ge­werbetreibenden bzw. der 'Bauunternehmer ge­fordert wurde, um dadurch nicht nur Arbeits­gelegenheit, sondern auch Wohnungen zu beschaf­fen, beschäftigte sich gestern abenh die Städte