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Polnische Herausforderungen im Gebiet von Wilna.
Kopenhagen. 11. Oft. (WTB.) hiesige litauische Gesandtschaft teilt über Auftreten der Polen im Gebiet
Aus Stabt und Land.
Giehen. den 12. Ott. 1921.
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3n wenigen Lagen öffnet die Alma mater wie- ihre Pforten, unb die Studenten kehren aus Ferien zurück. Gar mancher von ihnen könnte
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Wettervoraussage
für Donnerstag
Frühnebel, vorwiegend beiter und trocken, tagt mild, nachts kühl, wechselnde Winde.
Nördlich der britischen Inseln ziehen in rascher Folge flache Tiefdruckwirbel ostwärts. Heber Mitteleuropa hat sich der hohe Druck verstärkt, so dab wir mit Fortdauer der bestehenden Witterung rechnen können.
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Namenloses Elend in Rußland-
Kopenhagen. 11. Oft. (WTB.) Wie ^Politiken" aus Riga gemeldet wird, fordert die Hungersnot in Rußland immer mehr Opfer, besonders unter den Kirchern. 3m «Samara» Dekret verlassen die Eltern massenhaft ihre Kinder und töten diese sogar i n v i e l e n F L l l e n. um die notwendigsten Lebensrnittel für sich zu bewahren. Berichten zufolge ist der Versuch der Sowjetbehörden, die Kinder aus den Hungergebieten nach Petersbura zu befördern, um hierdurch eine Besserung der Lage herbeizufuhren, vollständig mißlungen. 3n einem Zuge, der mit 700 Kindern abfuhr, befanden sich bei der Ankunft in Petersburg nur noch 300. 2 0 0 Kinder waren un terwegs gestorben, 200 , muhten infolge schwerer Erkrankungen unterwegs zurückgelassen werden.
von interessanten Erlebnissen erzählen und von der Art. tote er sich während der Ferien das Geld zum weiteren Studium erarbeitet hat. Sehr charakteristisch ist dafür folgende kleine Episode: Ein Gießener Student arbeitete während dieser Ferien in einem großen Kohlenbergwerk als Schlepper. Eines Tages fragte ihn tief unter der Erde ein kvhlengeschwärz- ter Hauer: Sind Sie nicht aus Giehen? Der Gefragte bejahte erstaunt und stellte die Gegenfrage, woher der Fragende dies wisse. Dieser antwortete: 3ch bin der zweite Ehargierte von .... (hier folgte der Harne einer Gießener Verbindung)! — Ein anderer Student hat sich mit Trompetenblasen das Geld verdient, indem er seine Fertigkeit dazu benutzte, mit einer Kapelle auf den Dörfern zu spielen, während wieder ein anderer es in seiner Kunst so weit gebracht hat, dah er in einer angesehenen Kurkapelle in einem Bad mit- toirfen konnte. Jener hat die Ferien dazu benutzt, um sich als C ha u f f e u r auszubi.den unb die tnr- geschriebene Prüfung abzulegen. Das sind nur wenige, gerade herausgegriffene Beispiele. Wer einen näheren Einblick hat in die Tätigkeit unserer Gießener Studenten während der Ferien, der sieht mit Freude, welche Energie und Arbeitsfreude in ihnen steckt! Dabei soll aber auch nicht der Student vergessen fein, der während der Ferien wegen seiner Examensarbeiten nicht nach Hause gehen konnte und tatsächlich mehrere Wochen kein warmes Mittagessen zu sich nahm, weil er sich das Geld für ein teures Lehrbuch zusammensparen muhte! — Hoffen wir, dah die Studenten bei ihrer Rückkehr nach Gießen den altgewohnten freundlichen Empfang und vor allem eine nicht zu teuere, behagliche Bude finden!
die sich in Downing Street versammelten, begeistert begrüßt.
London, 11. Oft. (Wolff.) De Valera erließ gestern abend eine Proklamation an das irische Volk, worin er erklärt, die Londoner Konferenz werde die Geschicke des gesamten Volkes stark beeinflussen. Es sei der brennende Wunsch aller Iren, daß der hundertjährige Streit zwischen den Lenkern Britanniens und denen des irischen Volkes schließlich zu Ende gebracht werde. Der Kampf sei auf irischer Seite stets nur für die Aufrechterhaltung des Rechtes geführt worden, das nicht aufgegeben und nicht ausgeglichen werden könne.
denn ein außerordentlicher Professor mit 400 Gulden Hahresgehalt (--- 640 Mark) konnte sich, auch wenn er ein kleines Vermögen zuzubrvcken hatte, nicht soviel leisten wie ein Bäcker- oder Metzgermeister, dessen Ladentür nicht stille stand. Erholungsreisen und Sommerfrischen, die in der jüngsten Vergangenheit auch beim Mittelstand zu den Selbstverständlichkeiten gehört haben, kamen bei uns nie in Frage, höchstens wurden die Kinder während der Herbstferien auf 8 bis 14 Tage zu Verwandten ins Hessenland geschickt. Wie die Finanzierung des Haushalts beschaffen war, wird u. a. durch die Erinnerung beleuchtet, dah die Mutter schon ein bedenkliches Gesicht machte, wenn der Preis der Butter auf einen halben Gulden (= 80 Pfennige) für das Pfund stieg, daß die Buben in der Regel ein Stück trockenes Brot mit in die Schule bekamen, daß die abgelegten Kleider des Vaters für die Kinder zurechtae- macht und die so verkleinerten Hosen und Jacken von dem Aellesten auf die jüngeren Brüder vererbt wurden.
Mein Vater hatte sich, als ein kurzlebiges liberales Ministerium ihn zum außerordentlichen Professor der Philosophie an der LandeSuniver» sität ernannt hatte, was der strenggläubigen theologischen Fakultät sehr gegen den Strich ging, vor dem Walltor ein kleines Haus mit Garten gekauft, welches dem Professor Schmidt gehört hatte. Es war damals sehr viel üblich, daß Gießener FamUien vor der Stadt einen Ruhgarten befaßen, in dem der Hausbedarf an Gemüse und Obst gezogen wurde. Den Abhang des sanft an
steigenden Rodbergs zwischen der Marburger Straße und dem Damm der Main-Weser-Dahn nahm ein Kranz von solchen Gärten ein, deren Eingänge an einem Feldweg nach der Schwarz- lach hin lagen. Die zwei zunächst der Marburger Straße gelegenen Gärten hatte der Vater erworben und zu einem Ruh- und Ziergarten von ansehnlichem Umfang vereinigt, worin er die von den Vorfahren, den Bessunger Hofgärtnern, vererbte Liebhaberei an Obst- und Blumenzucht pflegen konnte. Das ganze Anwesen ging 1873 an die Familie Kempff über und erhielt durch den Dau von Stallungen und Scheunen und durch Umgestaltung des Gartens ein völlig verändertes Aussehen: das Haus, in dem ich geboren bin und die Knabenjahre verlebt habe, wurde vor etwa 10 Jahren durch einen Brand zerstört.
Die ganze Umgebung zeigte um 1860 ein von dem heutigen sehr verschiedenes Bild. Man war damals da draußen wie auf dem Lande. Der fleine Stadtteil vor dem Walltor nahm an der Entwicklung der Stadt, die in der Richtung des Bahnhofs nach Süden strebte, keinen Anteil und wurde von der Stadtverwaltung stiefmütterlich behandelt. Mit der Müllerschen Tabakfabrik und dem . gegenüberliegenden „Stinkfabrikchen" wie die Hanausche Seifensiederei von der Nachbarschaft genannt wurde, war die bebaute Straße zu Ende, von da an lief die mit Linden bepflanzte Landstraße zwischen Wiesen hin biS zum Gärten- kranz am Abhang des Rodbergs links und dem Wiesecker Weg rechts. Das einzige Gebäude außer unfean Haus war daS gegenüber an der ins Bu-
Aus Hessen.
— Die demokratische Kandidatenliste hat eine Aenderung erfahren. Für den aus der Partei ausgetretenen Präsidenten Dr. Strecker wurde auf die rheinhessische Liste an zweiter Stelle Lehrer Reiber gesetzt, der, von den Franzosen ausgewiesen, sich zur Zeit in Darmstadt aufhält. Lehrer Reiber war bisher Vertreter der Stadt Mainz im Landtage.
** Berufung. Pros. Dr. H. Kraemer hat eine Berufung an die Technische Hochschule in Prag (Abteilung Landwirtschaft in Tetschen- Liebwerd) erhalten. Prof. Kraemer habilitierte sich 1900 in Bonn-PvpPelSdorf und kam noch im selben Jahre als Ordinarius an die Universität Bern. Nachdem er einen Ruf nach Montevideo abgelehnt hatte, kam er 1908 nach Berlin und von dort 1909 nach Hohenheim bei Stuttgart. Auf das Sommersemester 1921 wurde Prof. Kraemer nach Gießen berufen.
** Der Konzertverein, welcher die Einladungen zum Abonnement kürzlich an seine Mitglieder verschickt hat, veranstaltet auch im kommenden Winter die üblichen 10 Abonnementskonzerte in einte Reihe von Solistenabenden, Kammermusiken und vorläufig je einem Orchester- und Chorkonzert. Wie uns mitgeteilt wird, sind bisher festgelegt: Sonntag, 23. Oktober. Schöra ° Quartett aus Würzburg: Sonntag, 30. Oll.: Walter Gieseking, ber bekannte „expressionistische" Klavierspieler: Sonntag, 13. November: Orchesterabend unter Prof. 'Trautmann (Kammerorchester mit historischem Programm): Sonntag, 18. November und 11. Dezember: Gesangs-Solisten-Abende. Mit den Künstlern schweben zur Zeit noch Verhandlungen. 3m neuen Hahr am Sonntag, 9. Januar: Geiger Kuhlen- k a m p f f-P o st aus Berlin und Pianist Walter Rehberg aus Mannheim: Sonntag, 15. Han.: Wendling-Quartett aus Stuttgart: Sonntag 29. Han.: Kölner Klaviertriv (Uzi - elli, Drah m-Eldering, Feuermann): Sonntag, 12. Februar: Solisten-Gesang und Ende Februar oder März als Bruckner-Gedächtnis-Feier, seine große k^-Moll-Messe unter Professor Trautmanns Leitung in der Stadtkirche. Die Konzerte finden sämtlich Sonntagnachmittags um 5 Uhr in der Neuen Aula der Univer- ität statt, nur Bruckners Messe an einem Wochentag in der Stadtkirche. Die Verhandlungen mit hervorragenden Künstlern find dem Mscbluh nahe: über das Ergebnis wird demnächst berich et. Es wird empfohlen, die bisherigen Abonnements in der Musikalienhandlung von C h a l l i e r unverzüglich zu erneuern, ebenso werden dort Neuanmeldungen vvrgemerkt. Das Programm Der- heißt für den Winter eine Reihe auhergewöhn- icher Genüsse, auf die unsere Musikfreunde jetzt chon hinzuweisen nicht unterlassen werden soll.
” Der Bezirkstag des Hassiabe- zirks Gießen fand im Felsenkeller statt. Der Vorsitzende, Prof. Dr. A. Krämer-Gießen er- tattete Bericht über den Hassiatag in Bensheim. 3m 3ntereffe des Hnterstützungstoesens wurde der Mitgliederbeitrag auf drei Mark jährlich erhöht. Die Redner erkannten die Erhöhung des Beitrags ür notwendig und forderten zum Festhalten am Kyffhäuser-Krieaerbund auf. Der Vorsitzende betonte, daß der Kyffhäuserbund, in dem die beuteten Kriegervereine vereinigt seien, 1920 für Unterstützungen an bedürftige Kameraden und deren Angehörigen 11 Millionen Mark aus gegeben habe. Für die Altveteranen ist eine Erhöhung der Veteranenbeihilfe auf 200 Mark monatlich vom Deutschen KriegerbunLe beantragt. Ein Merkblatt für das Dersorgungswesen ist her-
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aus gegeben worden unb wird den -Vereinen zu- gestellt. Eine Kriegsdenkmünze ist vom KysfHäuser-Bund im Einverständnis mit dem Minister des 3nnern erschienen und wird den Kriegs- . teilnehmem von 1914—18 als Qrdensaus- zeichnung verliehen. Die Denkmünze wird am schwarzen Band mit rotweißer Einfassung ge- ; tragen. Dec Frühjahrsbezirkstag 1922 findet zum erstenmal auf dem Lande, und zwar in Großen- Buseck statt.
" Fahrraddieb stahl. Gestohlen wurde ein Fahrrad, Marke „Wohlfahrt", mit schwarzem Rahmenbau und gelben Felgen im Werte von 1000 Mark. Vor Ankauf wird gewarnt. — DaS am 6. Oktober gestohlene Fahrrad, Marke „Weil", wurde ermittelt und konnte dem Eigentümer zurückgrgeben werden. — Weiter wurde das dem hiesigen Wohlfahrtsamt gestohlene Fahrrad, Marke „Pri- muS", ermittelt. 3n diesem Falle konnte jedoch der Later festgestellt und festgenommen wer- den.
Jubiläum. Vorgestern beging der Maschinenmeister Ad. Kümmel aus Wieseck sein 25jähriges Geschäftsjubiläum bei der Firma v. Münchowschen Vuchdruckerei Otto Kindt Wwe. Die Geschäftsleitung bedachte den Jubilar mit einem ansehnlichen Geldgeschenk.
"Bei der Ringkampfkonkurrenz im Hotel Einhorn gab es gestern abend zwei Entscheidungen auszufechten. Zuvor kämpften Hitzler und Opitz. Dem retournierten Altmeister setzte der gewandte Sachse eine verblüffende Verteidigung entgegen, die dem jüngeren Ringer lebhaften Beifall brachte, als er sich immer auch aus den gefährlichsten Lagen zu befreien wußte. Unentschieden mußte dieser Kampf nach 20 Minuten abgebrochen werden. — 3m Entscheidunaskampf siegte Christensen über v. Berg nach einer Gesamt- Seit von 44 Min. mit einem mächtigen Untergriff von hinten. Christensen, manchmal zu temperamentvoll, hatte wegen unsportlichen Ringens zwei Verwarnungen einzustecken. — Lebhaft und mit aller Kraft wurde auch der zweite Gntschei- dungskampf zwischen Achner und Zilch geführt, bei dem letzterer nach 35 Minuten den kürzeren zog. Ein Untergriff Achners beförderte den Oester- reicher auf beide Schultern. Heute Mittwoch ringen Hitzler gegen den starken Badenser v. Berg, Gerber gegen Zilch, sowie im Entscheidungskampf Christensen gegen Opitz. — Das Darietö-Pro- gtamm sowie C. Fürst mit seinen verblüffenden Derteidigungsmethoden gegen plötzliche Ueversälle übt gleichfalls feine Anziehungskraft aus. — Ringunterricht erteilt Altmeister Michael Hitzler täglich im. Einhorn, mittags von 1—3 Uhr, auf Wunsch auch früh von 8—10 Uhr.
Bornotizen.
— Ta geökalender fürMittw 0 ch. Hotel Einhorn: 4 Uhr, Vortrag über Rie- schels Patent-Grudeherde. — Stadttheater: 7 Uhr, „Die Lokalbahn" und „1. Klasse". — Hotel Einhorn: 8 Uhr, Ringkämpfe und Variete. — Lichtspielhaus: Heute: „Die junge Mama"; ab morgen: „Puppen des Todes".
— Aus dem Otabttbeaterbureau- Am Freitag gelangt Frank Wedekinds Komödie „Der Liebestrank" hier zur Aufführung. Unter Spielleitung von Herrn Adolf Teleky ftnd in den Hauptrollen beschäftigt der neue Helden - vater Herr Dadura, die Herren Feigel und Leut- heiser, die Damen Koop^Marcks, Volmar. Gerade der Liebestrant Wedekinds ist eins von den Werken, das auch in Städten, die sonst dem Schaffen des viel angefeindeten Dichters skeptisch ;egenüberstehen, starten Deisall gefunden hat. — Von allen drei Abonnementstagen sind noch eine Anzahl Karten nicht abgeholt, und die Abonnenten werden im eigenen 'Interesse dringend er- ucht, dies baldigst nachzuholen.
— Zugunsten des Oppauer Unglücks wird am Samstag abend int Theater- Caf6 „Emst Ludwig" der bekannte Schauspieler Fritz Schlotthauer Rezitationen und Ge- sangsvorträge bieten.
— Die ehemaligen Angehörigen des L. 3. R. 116 wurden im gestrigen Anzeigenteil zu einer Versammlung eingeladen, die morgen abend im Postkeller stattfinden wird.
— Der Gießener Mieterverein veranstaltet morgen abend eine öffentliche Versammlung, in der, wie aus dem Anzeigenteil ersichtlich ist, der Vorsitzende des Hessischen Landesverbandes der Mieterschutzvereine über die Tagung des Deutschen Mieterbundes in Dresden, Mietstsuer und Reichsmietengesetz sprechen wird, sowie Professor Michel- Giehen über MieteinigungSamt, Straßenretnigung und Müllabfuhr.
Landkreis Gießen.
.! Klein-Linden. 11. Oft Unsere neue Glocke ist eingetroffen und soll an einem der nächsten Sonntage ihre Weihe erhalten. Sie trägt die Aufschrift: „Rach Krieg und Leid und schwerer Zeit, ruf ich erneut zur Seligkeit".
Die Finanzkrisis in Wien.
Wien. 11. Oft. (WTB.) 3n der heutigen Sitzung des Finanzausschusses trat der neugewählte Finanzmini st er ® u er t- ler den Gerüchten entgegen, die von gewissenlosen Elementen, bie er als Hyänen bss Wirtschaftslebens bezeichnete, verbreitet werden, unb bie an einer panikartigen Stimmung interessiert feien. Als Ergebnis der Derhanblungen mit seinem Mitarbeiter, dem Generalrat Rosenberg, gab er folgenbe Erklärung ab: Die Regierung denkt nicht daran, Zwangsmaßnahmen zu ergreifen, welche den öffentlichen Kredit und das Vertrauen in bie Rechtssicherheit erschüttern könnten. 3ns- befonbere benft s i e nicht an ei ne Noten- abstempelung oder an die zwangsweise Ausrufung anderer Werte. Er glaubt, daß diese Erklärung genügen werde, um eine Atmosphäre der Beruhigung zu schaffen, die der legitime Handel und bie legitime Produktion zur Betätigung volkswirtschaftlich so wichtiger Geschäfte bedürfe.
©ertdytsfaal.
rm. Darmstadt, 11. Oft. Das Schwur» gericht verhandelte heute gegen Frau Marie Heilmann geb. Walther aus Erbach i. O. wegen gewerbsmäßiger Abtreibung. Sie ist beschuldigt, in dreizehn Fällen bei Frauen und Mädchen entsprechenbc Hilfe geleistet zu haben. 3m allgemeinen ist sie geständig und wird, nachdem sie von den Geschworenen wegen versuchter Abtreibung in 13 Fällen für schuldig erkannt worden war, unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer Gefängnisstrafe von zwei Hahren verurteilt. Zwei Monate werden ihr ungerechnet.
mc. Frankfurt a. M., 11. Oft Vor dem Frankfurter Schwurgericht ging heute der Prozeß gegen die Kommunisten zu Ende, die im Frühjahr versuchten, das Kulissenhaus des Opernhauses in Brand zu sehen, was aber glücklicherweise mißlang. Es wurden verurteilt wegen versuchter Brandstiftung die Angeklagten Werner, Estenfeld, Mohr, zu je l’/t Hahren Gefängnis, der Angeklagte Levjohann zu 1 Hahr Gefängnis, während die Angellagten Bönner und Weber mit nur 8 Monaten Gefängnis davonkamen. Die letzteren und der blinde Angeklagte Mohr werden der bedingten Begnadigung empfohlen unb nach über einhalb- jähriger Haft entlassen.
Wilna folgendes mit: Der frühere litauische Staatskommissar Silingas ist während eines Familienbesuches in Wilna ohne Grund von Organen Zeligowskis verhaftet worden. Bisher ist es nicht gelungen, ihn zu befreien. Dieser Tage haben die Polen in Wilna in der litauischen Handels- unb 3nbuftriebanf alle Schriftstücke beschlagnahmt unb hierauf die Dank geschlossen. Ebenso wurden der Konsumverein in Laide unb zwei Asyle geschlossen: auch zwei litauische Gymnasien sind von den Polen mit Beschlag belegt worden. Die litauischen Gemeindeschulen werden im Wilnaer Gebiet systematisch beseitigt, und das Erscheinen litauischer Bücher unmöglich gemacht. Die gleiche Behandlung wird den im Wilnagebiet wohnenden Weißrussen zuteil. Am Wllnaer Gymnasium darf von der 5. Klasse an nur noch in polnischer Sprache unterrichtet werden.
Alt-Gießener Iugenderinnerungen.
Don D r. 5 r l e b r. N 0 ack.
(Fortsetzung.)
Zur Ergänzung dieses altväterischen DildeS von Gießen um 1860 mögen noch einige Merkmale aus dem Leben in den Bürgerhäuser n dienen. Nur in einigen wohlhabenden *§?u^rn 6ab es schon Gasbeleuchtung, elektrische Klingeln und Klosetts mit Wasserspülung: Gasherde waren noch völlig unbekannt. Die meisten gamilien gingen erst um jene Zeit von der alten ellampe zu der damals neumodischen Petroleumbeleuchtung über. Schwedisches Feuerzeug hatte man noch nicht, man gebrauchte die übelriechenden Schwefelhölzer und zum Anzünden der Pfeifen vielfach auch Feuerstein und Zunder. Da man keine fließende Wasserleitung hatte, so stand in jeder Küche ein großer Zuber, der mit Wasser von der Pumpe im Hof oder Garten gefüllt wurde: die Dienstmädchen der guten alten Zeit, meist „Stumpröcke ans der Wet- terung" fanden nichts dagegen einzuwenden, täglich ein paarmal mit dem Wasserzuber auf uem Kopf die Treppen heraufzusteigen.
II.
Der Zuschnitt des Lebens in meinem Eltern- haus war ganz im Einklang mit der Bescheidenheit der Verhältnisse im allgemeinen. Vielleicht ging es bei uns zeitweise noch etwas emfacher zu als in den besseren Dürgerfcunllien Gießens»
Aus dem Reiche.
Der Druckerstreik in Hamburg.
Hamburg, 11. Ott. (WTB.) Nach einer Mitteilung des „Nachrichtenblattes der großhamburgischen Tageszeitungen" wird, nachdem die in Berlin vor dem Tarifamt geführten Verhandlungen über den diesigen Buchdrucker streik ergebnislos verlaufen sind, die von den betroffenen Blättern herausgegebene Notzeitung nun- mehr erweitert, und zwar wird sie von jetzt ab auch die wichtigsten Anzeigen aufnehmen. Wegen der vorgekommenen Ausschreitungen bei der Zeitungsbeförderung wurde um polizeilichen Schutz bei dem Senate der Stadt nachgesucht. Nach dem „Hamburger Echo" haben bisher 50 Firmen die erhöhten Forderungen der Gehilfenschaft bewilligt. —
feder Tal führenden Straße gelegene alte Wirtshaus „Zum Pfau" mit Scheune unb Stallung, die echte Landstraßen- und FuhrmannSschenke. 3n einer aewissen Verbindung mit ihrem WirtschaftS- betrieb stand ein großer viereckiger Wassertümpel mit einem schwachen Zufluß vom Rodberg her, der zwischen der Landstraße und unserem Garten lag und von uns die .Fröschbach" genannt wurde Hier wurden Pferde unb Vieh gewaschen und getränkt, Leiterwagen gereinigt, Wasser zum Begießen der Nachbargärten geschöpft, und im Winter machte die Hugend aus dem Pfau mit unS Knaben auf seiner Eisfläche die ersten ÖAIitt- fchuhversuche. 3m Sommer war die Fröschbacf mit einer dichten Schicht von Wasserlinsen sc bedeckt, dah sie wie eine Wiese auSsah unb in einer mondhellen Nacht einen reisenden Hand- toerkSburfchen anlockte, darauf die müden Glieder auSHuruhen. Erst als er bis an den Bauch im Wasser stand, bemerkte der Schlaftrunkene seinen 3rrtum und weckte die Nachbarschaft mit seinem Hilfegeschrei.
Eine andere Wasserader, die vom Rodberg herkam, speiste das Fürstenbrünnchen, welches seinen Namen gewiß von der Güte feinet Trinkwassers erhalten hatte: es lag im Schatten einer prächtigen allen Linde, die einem Aihschlag zum Opfer gefallen ist. in den Wiesen hinter den: Pfau. Auf der Dank nebenan habe ich oft gesessen unb bie ersten kl üblichen Verse an irgendeine Herzenskönigin geschmieder
(Fortsetzung folgt)
trotzen-Linden. ]Oft. 2ün Samstag abend sprach Prof. Dr. Werner unb ein Parteisekretär der Deutschnationalen VollSvarlci über „Reichs- unb Landespolitik" An ber Aus- fb'-ache beteiligten sich die mehrheitSiozralistischen Landtagsabgeordneten Kaul und Detters
Kreis Alsfeld.
l. Elbenrod, 11. Oft. 3m hiesigen' Wald wurde in der Näh? des Pflanzgartens das noch völlig erhaltene Skelett eines ganz kleinen Kindes gefunden. Singe»* wickelt war es in eine Bluse, die ebenfalls erhalten war. Der Staatsanwaltschaft wurde die Sache sofort übergeben.
Kreis Schotten.
h. Freienseen. 11. Oft. Don unserem Orte bis Laubach und östlich gegen Altenhain sind nunmehr die Masten für das elektrische Licht ausgestellt. 3n den Häusern fängt jetzt auch die Arbeit der Hnstallateure an. .In einem Vierteljahr dürfte man die neue, so dringend ersehnte Beleuchtung haben
Kreis Friedberg.
O Friedberg, 11. Oft. Der Vortrag, den General v. Getto w-V 0 r b c cf auf Veranlassung ber Deutschnationalen Partei gestern abenb im ©aatbau hielt, hatte einen so gewaltigen Zulauf daß Hunderte von Personen an der Kasse zurück- gciDtefen werden mußten. Der Redner wurde ftür- wisch begrüßt: die schlichte Art, in welcher er über feine Kämpfe gegen eine zehnfache ilebermacfct berichtete. machte einen äußerst angenehmen Eindruck. Es war durch umfassende Vorsichtsmaßregeln dafür gesorgt, daß geplante Störungen ferne gehalten wurden unb so verlief der ganze Abend in durchaus würdiger Weise.
Hessen-Nassau.
ra. Rodheim a. b. Bieber. 10. Oft Unter reger Beteiligung von nah unb fern erfolgte gestern bie feierliche Enthüllung unb Weihe des D e n k m a l s der im Weltkrieg Gefallenen Ein stattlicher Festzug bewegte sich unter Glocken- geläute nach dem Denkmalsplatz vor der alten Dorfkirche. Choralmusik — auSgesührt vom hiesigen Posaunenchor — leitete bie Feier ein. Bürgermeister Bender enthüllte das Gedenkzeichen. Ortspfarrer Ohly hielt bie Gedächtnisrede unb gab die Namen ber 43 Gefallenen und 6 Vermißten bekannt. Die Gesangvereine verschönten bie Feier burch wohlgelungene Chöre.
mc. Frankfurt a.M., 11. Olt. In der nächsten Wochen finden hier drei große Ausstellungen statt, die wesentlich für Volksbildung und Volksaufklärung wirken sollen. Den Anfang macht die Ausstellung des Hygienischen Institutes in Dresden, welche die Tuberkulose als Vvllsfeuche behandelt, es folgt eine Ausstellung über die Not des deutschen Kindes und kurz vor Weihnachten veranstaltet die Nassauische MöbelvertriebSgefellschaft in Verbindung mit dem „Iugendring" eine Ausstellung mit dem Thema: „Das geschmackvolle und billige Heim".


