Einzelbild herunterladen

druck vnd Verlag: vrnhl'sche Univ.-Vuch- und Steintruderei R. Lange. $d?riftletnmg, Sefchäftsftclle und Ornckerei: Zchulstraße 7.

Annahme von SnjtlgtM für dir Iagesmrmm«r vis zum Nachmittag vorher okncjede Verbindlichkeit Preis für l mm HS de für Anzeigen v 34 mm Breite ortiid) 40 *Pf. auswärts 50Pf.; für Reklame Anzeigen von 70 mm Breite i80Pi Bei Platz« t>orfd)nft2O* Aufschlag, tzauplfchristleiter: Aua. (Noeh Deranlworllich für Poliiih: Auq. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. 9fenholb Ienz; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Dietzen.

Nr. 109

Der Lietzener Lezelger mit der Dienstagsbeilage .rpsrt Uafchau* er­scheint täglich, außer Sonn- und «feiertags. Mvaatiiche Bnuflsprtlfe: Mare 5 - einschließlich Trägerlohn, durch die Post bezogen Mark 5.75 etnschließlich Bestellgeld. Aerniprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung l 12; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51 Anschrift für Drahtnach- richten Lvzeiqer chietzen.

PoftscheStonls: firanffurt a. M. 11686.

Ul. Jahrgang Donnerstag, 12. Mat (921

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Gegen Bruderkampf und Zersplittening.

Ernen beafhten5rocrten Schritt hat ber Ge- werNchaflSbund der Angestellten iG.D.A.i, Berlin, getan, indem er srch 11 em em Schreiben on den Reichspräsidenten sendete, um feine Bereitschaft zu gemeuHamer Är­gert und zur frerftcHinig einer <jru>6en raterlän» dst'chen Einheitsfront zu crtläien, da nur dadurch die unserem Da.erfände dohenden tmtereit und äußeren Gefahren abqewendet werden können. Man darf die Sx>fhumg hoben, daß dieser Schritt tm Interesse imsereS Vaterlandes die verdiente Be- acheung finbet. In dem Schreiben an den Reichs- Präsidenten ist gesagt:

Schwere Not lastet aus demJeutfcfcn Reicfe. Seine Freilfeit und Selbständrzkeit sii d bebrüt t Noch außen machtlos unb im Innern von Vartn- baber und Klaffen kämpien zerrissen: Tas ist das lammen». Lte Bild des cinftma:ä so starken, mäih­rigen und reichen Teutschen Reiches Wem blutet nicht das Herz bet solchem Anblick? Wer, besten deutscher Sinn nicht ganz verdorrt ist in £>icier Zeil der Rot, hätte nicht den Wunsch. biR anders werden möge ? Tenn die Rot d s Reiches ist auch die Not des ganzen Volkes ui b icdes innzelnen seiner Bürger.

Ein durch innere Kämpfe geschwächtes Reich Tann nach außen nicht stark fein. Seine Wirtschaft ncut» verkümmern und daher die breite Mafie des Volkes immer mehr der Verclc.idung aicheimlallen.

Blasse Wangen und hohle Augen vagen an: Kann, bart das so weitergehen? Sie mahnen: Laßt ab vom Streit, vom Brud-erkämpfe! Seid einig, damit kyr wieder stark werdet.

Wir Angestellten hören diese Magen, bicie Rufe Wir wollen Einigkeit! Tfort mit allem Gewerkschaf:sfeorien- und Richtungsstreit! Jetzt bart es nur eine Richtung geben: Deutsch­land und sein Volk.

Tiefstes sittliche« BerantwottlichkeitSgesühi gegenüber dem ganzen und de n beutfrfen Staate erfordert es. allen, in benc.i noch ed-te deukfckx Gesinnung und nationales Pflichtigem> seöi lebt, zu sagen: Die Stunde der Entscheid ing rst gekommen! Tie Selbstsucht des einzelnen, der Parteien, der Verbände, der Gewerkschaften mutz ersetzt werden durchopferberei ten Gemein­schaftsgeist!

Der die zwingende Nvtwerb'.gkeit der ®e* memfchaftsarfeit des gesamten Volkes letzt auch leugnet, der verkennt die Gefahr, in fernnr Jdtneben, macht sich mitschuldig an der Zerstörung deutscher Zukunft. Me S-rcrithrorHidien, die ehr­lichen Aufbauwillen haben, müssen setz: fein Volke zurufen: Lasst den alten deutschen ?d'alismus wieder emvorilammen. Laßt den Grist, der das einst zerstörte Preußen wieder aufbaute, laßt ihn int deutsche.' Daterlande wieder wachsen. Es grht ums Grösttc, um das Schicksal des ganzen Volkes und des geeinten Teutschen Reiches.

Wir im G.D.A. srnd bereit, nt gemeinsamer Arbeit mit allen Gewerkschaften und Verbänden der Angestellten und Arbeiter alle .stampfe schweigen zu lassen, die große na'ionale 'E i n h e i t s fr o n t ferMstellen. Wn ivr sei, b.i!> der gleiche Wille in den Mitglnfertteisen brr anderen Gewerkschaften nur der Weckung bedarf.

Gelingt es. aus bem Gewerkschaftsgeist her­aus Einheit und Eimikeit zu schanen, so werden große Mafien des gesamten Volk'«, ohne Rück­sicht aus "bte Parteiui gehörigbeit, von bem großen Strome des Einheitsaedankens mitgeri >'en wt'-den.

Sie, fcerr Reichspräsident, haben bi' Möglick- -frit, bic in Bruderkämp^en sen'h itterten Knst» des deutschen Volkes 'iimmmenz isastcn. Wir - b bereit, unsere gan-e Organisation tt den Tienft des Gemeinschastsaedansens zu stellen urb Sie bei allen dalnn zielenden Diaßnahmen und vandlun- gen zu unterstützen. Sie können versicfett )etn, datz das ganze deutsche Volk freier au atmen nn b, wenn von hervorragender Stelle der Ru' ergebt, alle inneren Kappst fduveigcn m lassen, lolange bic E Gefahr von außen nicht beschworen ist."

Die deutsche Note an die Entente.

Berlin, 11. Mai. (Wolff.) Dem deut-, schen Botschafter in London ist in der ver­gangenen Nackt folgende Note zur lieber» rnittlung an Lloyd George telegraphisch übersandt worden:

Auf Grund des Beschlusses des Reichs­tages bin ich beauftragt, mit Beziehung auf die Entschließung der alliierten Mächte vom 5. 5. ,1921 namens der neuen deutschen Re>- gierung folgendes, wie verlangt, zu erklären: Die deutsche Regierung ist entschlossen

1. ohne Vorbehalt oder Bedingung ihre Verpflichtungen, wie sie von der Re- varationskommission festgestellt sind, zu er­füllen,

2. ohne Vorbehalt oder Bedingung die von der Reparationskommission hinsichtlich dieser Verpflichtungen vorgeschriebenen Ga­rantiemaßnahmen anzu nehmen innd zu verwirklichen,

3. ohne Vorbehalt oder Verzug die Maß­nahmen zur A b r ü st u n g zu Lande, zu Wasser und in der Luft auszuführen, die ihr in der Note der alliierten Mächte vom 29. 1. 1921 notifiziert worden sind, wobei die rück­ständigen sofort und die übrigen zu den vor­geschriebenen Seiten auszuführen sind,

4. ohne Vorbehalt oder Verzug die Ab - Erteilung der Kriegsbeschuldis-

t e n durchzuführen und im übrigen unerfüllte, imerften Teil der Note der alliierten Regie- riingen vom 5. 5. erwähnte Bertragsbesttm- mungen auszuführen.

Ich bitte, die alliierten Mächte von dieser Erklärung unverzüglich in Kenntnis zu setzen.

gez.: Wirth.

Dieselbe Note ist nach Paris, Rom, Brüssel und Tokio gesandt worden.

Lloyd George mit der deutschen Antwort im Unterhaus.

London, 11. Mai. Reuter meldet, daß Lloyd Georg.e tm Unterlaufe die Ant­wort der deutschen Regierung aus das Ultimatum der Alliierten verlas, worin die Forderungen der Alliietten bezüglich der Revaraiionen, der Garantien, der Entwaffnung, des Versalzens gegen die Kriegsbeschuldigten, bwingungslos angenom­men werden. Lloyd George sagte, er habe sofort allen beteiligten Regierungen telegraphiert, und fügte hinzu, daß dies die vollständige Annahme aller Forderungen sei. (Lauter, anhaltender Beifalls

. Die Abstimmung im Reichstag.

Berlin, 11. Mai. (WTB.) Nach der nunmehr erschienenen Abftimmungs- liste wurden bei der Entscheidung über dia Annahme des Ultimatums 396 Stimmen abgegeben, wovon drei ungültig waren. Von den gültigen Stimmen waren 220 ja, 172 nein. Ein Abgeordneter, der Zentrumsabge­ordnete Borne feld-Ett mann, enthielt sich der Abstimmung. Das Zentrum stimmte im übrigen geschlossen mit ja, ebenso die so­zialdemokratische Fraktion und die Unab­hängigen. Die Deutschnationale Volkspartei stimmte geschlossen mit nein. Von derDeut - schen Bolkspartei stimmten mit ja die Abgeordneten Dr. Heinze, von Kardorff, Frau von Oheimb, von Raumer, und Freiherr v. Rheinbaben. Die Demokratische Par­tei hat sich, so ziemlich in zwei gleiche Teile gespalten. Mit ja stimmten Graf Bernstorfs, Dr. Böhme-Magdeburg, Dr. Demburg, Dr. Geßler, Dr. lieber, Dr. Koch, Dr. Pachnicke, Dr. Petersen, Schiffer und Dr. Schücking. Von der Bayerischen Volkspartei stimmten mit ja die Abgeordneten Porschae imb Schirmer. Die Welfen stimmten mit nein.

Der Reichspräsident an Dr. Snnons.

Bert in, 11. Mai. lWTB.) Der Fteichs- präiid'nt richtete an den sckeioenden Reichsnrinister des Ausioärtigen, Dr. S lIwo ns, folgendes Hand­schreiben: Sehr geehrter £>err Reichsminister! Ihrem Anträge auf Entlassung aus dem Amte des Reichsministers des ?lusivärtigen, habe ich in dem anliegenden Abschiri) unter Würdigung Ihrer Beweggründe, jedoch mit lebhaftem Be­dauern entün-orten. Sie haben das Ihnen ange­tragene Amt unter guohen Opfern angenommen, sich bann mit Ihrer ganzen PersönlichLrit und Ihren glänzenden Kenntnissen für Ihre Aufgabe eüigefcht. Gk-tragen von b<1n Bewußtsein Ihrer festen Verantwortung haben Sie uneemübtitf) und tatkräftig unter den schwierigsten Verhältnissen die deutschen Interessen wahrgenommen. Ich spreche Ihnen für Ihre aufopfernde Tätigkeit meinen herzlichsten Tont aus 'owie meine warme An­erkennung und bin überzeugt, hierbei im Einklang Mit dem Empfinden unseres Bolles zu banMn. Wenn Sie nunmehr die Leitung der auswärtigen Angelegen beiten aus der .vumb geben, so darf ich bvfscu, daß Ihre Arbeitskraft für das Öffentliche Leben unb den Dienst am Va­le rlanbe noch reiche Früchte tragen wird. Ich bitte Sie, meine besten Wünsche unb die Versicherung meiner ausgezeichneten .Hochach­tung mtgeeciryntebmen. Ihr sehr ergebene Ebert, Reichspräsident.

Die französische Presse über die deutsche Entscheidung.

Paris, 11. Mai. lDolff. Das neue Mi­nisterium und der gestrige Beschluß des Reichs­tages werben von ber Pariser Presse besprochen.

Pertinax sagt imEcho de Paris", ost ber Reniernnqschef Eben Sch.'id.'mann, Bauer, Müller, Fchrenbach oder Wind beiße, ob btc Mehrhcitsfozialbemokratte an ber Kombination leilnehme oder ob die Volks vattei sie ersetze, Personal, bas rorüberziefe, ändere sich nicht. 2xiy beweise die Liste ber neuen Minister. Bauer sei ber ehemalige Kanzler, Robert Schmidt sei Ar- brits Minister unter Scheidemann gewesen. General Gröuer fei in feinem Amt gek-lt fen, genait_ irre Giesberts und Geßler. Dem ©erutral von Sentt verdanke man die große Macht, die er heute noch ausübe. Man erinnere sich auch noch ber Rolle, die Schiffer im Sxrfnl 1920 gespielt stade. Ales die« mülle angeführt werden, um zu zeigen, daß die Gegner Frankreichs nur gezwungen ihre gereckten Verpflichtungen erfüllen

DerPetit Parisien" sagt, bas Mi­nisterium werde nur eine Mehrheit von 20 bis 30 Stimmen haben und könne infolge der Stärke der reattionären Presse feine starke Regie­rung fein. Es fei nur lebensfähig, wenn man es von außen in feiner Ausgabe etwas unter­stütze. Aber das Ministerium stelle oirileichl in ber jetzigen Stunde die am wenigsten schlechte Kombination dar, ivcnn man eben nicht Deutsch­land Sünnes, Helfferich und Konsorten über­liefern wolle.

TasPetit Journal" sagt, di' Mobt- lisierren der Iahresklaffe 1919, die die Wacht am Rhein hinten, würden glücklich ba de» Ge-.

danken sein, daß das patriotische Opfer, das sie so sreiwillia auf sich genommen hätten, zu der glücklichen Lösung geführt hätte, daß der Reichs tag die Annahme des llltimatums gutgeheißen habe.

DasJournal" erklärt: Morgen also werde Deutschland eine neue Unterschrift zu denen fügen, bic es schon gegeben habe. Aber dies­mal müsse es genau wissen, daß es aut die Stunde die Verpflichtungen ausführen müsse, die es über­nommen habe. Ein genau» Kalender sei aufge- stellt worden und an jedem der Verfalltage werde die (Entente, ob es sich um Iteparalion ober um Entwaffnung hanble, sich einer Realität gegen­über befinden. Frankreich, sicher ferne» Ab­kommens mit seinen Alliierten, lverbe jedoch weder Verjchleppung noch Ent­ziehung dulden.

Ere Nouvelle" sagt, die neuen Mi­nister müßten vor allem der Welt beweisen, daß sie sich Gehorsam zu verschaffen wüßten und daß das rcpublikanisckte Deutschland endlich fehle Füh- rer gesunden habe.

TerGaulois" sagt, Frankreich müsse jetzt unerbittlich bleiben und weder eine Verfehlung noch ein Schwanken dulden, noch eine ber tau» senb Vettixmblunyskünfte. burch die ber Gegner sich vielleicht seinen Verpflichtungen entzieh:» könnte.

DerFigaro" sagt an einer Stelle feiner Betrachtungen, bie beutschen Staatsmänner hätten sich in letzter Minute entschlossen, bie Ratschläge von Lord D'Abernon und Keynes zu befolgen, bie baraut hinausliefen, immerhin - anzunehmen, für bie Ausführung aber bie Zeit sorgen zu lassen.

Eine Neubildung

der prcuhischen Regierung?

Berlin, 11. Mar (Wolff) Zu ben Zei- tungsmelbimgen über die bcab tdüigte Neubil­dung der gegenwärtigen preußischen Re­gierung wird von zuständiger (Seite folgende Erklärung abgegeben :

Es ist nicht richtig, d^ß Ministerpräfidentl Stegerwald gestern bereits durch ben Abge­ordneten Trstnborn, den Vorsitzenden der Zew- tirtmsfrcrktion, die Portefeuilles des ge amten piew- sischen Kabinetts zur Verfügung stellte. Dcser Weg wäre staatsrechtlich nicht gangbar> w-re Mich nicht loyal gegen die übrigen preußischen GtaatSnrinfter gerne en, ohne Dörfer einen Bescfeuß des Staatsministeriums herbeitzuführen. Im übri­gen steht SteqerwÄd auf dem Standpunkte, daß aus der neugefchafe?-en politischen Lage rin Reich sich ganz selbsivers.ändlich auch Konsetiienzen für bie preußische Politik ergeben. Tie sozial- bemokratische Mehr'!eitspattei habe nach An­sicht Stegerwalds allen Mspruch darauf, non ihm genau fv bel)Mldelt zu werben wie bei ber preußEcken Regiecungsbilbuno vor- bem bic Teutsckze Vokkspartei. Damals

hatte Stegerwalb erklärt, baiß bic Deutsche Bolkspartei, ba sie in dieser schweren Schicksals- stund^ die Mitverantwortung im Reicfe trage, auch nicht aus ber Regierung bes größten fterwaltungs- staates auSgeschlltet werben dürfe. Dieser gleick-e Gesichtspunkt trifft nunmehr auch nach dem Ein­tritt der Sozialdemokratie in die Reichsregieruna aus diese Partei für Preußen zu. Praktisch gedenkt jedoch Stegerwald, kehre übereilten Schritte zu tun, sondern erst die volle Klärung int Reiche ab­zuwarten, um sodann seine Folgerungen zu ziehen. Em sehr wichtiaer Umstand, der chn von brr sofortigen Umbildung ber Regierung ab hält, ist auch bie Tatsache, baß Stegerwald seinerseits gegen bie Stimmen ber Sozialdemokratie gc wählt worden ist. Tiese logische Folgerung wäre also zunächst die Neuwahl des Ministerpräsidenten und im Anschluß daran die Neuberufung des ae= samten Kabinetts. Ta ber Landtag nicht gut über Pfingsten zusammengehalten werden fann, dürfte kurz nach Pfingsten diese neue Entwicklung ein­geleitet werden.

Die Lage in Vderschlefien.

Berlin, 11. Mai. iWolff. > In der Lage in Oberfchlesien ist eine roefäntlitfe Aendc rung nicht eingetreten, wenn es auch gelang, den Polen den Hafen von Kvsel, ben sie gestern besetzten, wieder zu nehmen. Doch sind den Polen groß: Mengen Lebensmittri in die Hände g.-- fallen, so unter anderem 40 000 Zöllner Mehl, bie zur Linderung der Lebensmitteinot bort auf gei'veichert worden waren. .Die Tat zeigt, welch.' Schwierigkeiten zur Durchführung ber geplanten Lebensmittelakrion zu bekämpfen sind. In bem ron ben polnischen Heeresführerti veröffentlichten Heeresbericht wirb behauptet, baß bei ben Kämp­fen um Pogozelletz unb Birawa Reichswehrabtei­lungen festgestellt worben seien. Dadurch sei eine neue Lage geschaffen, der bic polnische Regie­rung sofort Rechnung tragen werbe. Demgegen­über wirb zuständigerseits erflärt, baß nicht ein einziger Reichswehrsolbat an ben Kämpfen in Oberfchlefien teilgenommen hat. Die lügnerische Darstellung ber panischen Ausrührer bezweckt nur die Teilnahme regulärer polnischer Truvven an den Kämpfen in Oberschlesien zu recht- fertigen.

Tie Rote des Botschafterrat» an Polen.

Berlin, 11. Mai. Mach einer Meldung derBofsifchen Leitung" aus London, stellt bie vom Botfchaftcrrat an Polen gerich­tete Note üfer Oberfchlefien fest feb polnische Regierung iriifn vollkommen ihrer Bcr- pflichtmig genügt habe, bie in f rer Macht stehenden Maßnahmen sofort zu ergreifen, um dis.Resultat der AuMndifchea-Bewesüirg in Lberschlejten bei*

bindern Es fei erwies«,, datz bi Insurgenten eine große Anzahl Waffen w.o Muni ion a-i» Polen erfellen Hafen, unb dan un.er b ' Ani­st änd. selten 5olba:cn in polnischer Ur tform sich befanden. Ttc polnische Re^i iu. g imrb out- oeforbert, öffentlich unb kategorisch bi*Jlnfftär* discben ;u desavouieren die Sl i t unb b.c Aufiländrschen au> rhir Berit l i'geu 11 hin weifen, und die stiengse i Ma > Ijmcn erorii en zu wollen, um icbc Verbindung mit de., obersä^e- fischen Agitatoren rundweg abzusameidm, gleich­gültig, welcher Art bin« Verbi ioung«n nt mögen. Tie alliierten Regierungen I>etonen ih.e Verpflich­tung, den Versailler Vertrag zu ie'pc bereit. S:a würden sich gezwungen sehen, bi? polnische Re­gierung gelblich v c r a n l id o r 111 d) z u ma­ch c n, falls tatsächlich polnische Elemente üen'mfen sollten, sich an bem Ei'nmtum ber Oferfdicftei m vergr tfen. Ti alliierten Regrcru-gc i frirn gesonnen, bie Ausgalen, bic Urnen be. Vcwtrag von Versailles bezüglich Lberfchlesten auterlegt hat, in voller Freiheit zu vollführen, merben sich in ferner Weife durch ben Versuch fecmflui- fen lasten, der fie vor bie vollendete Tatsache stellen möchte.

Tie Anschlustsrage an Oesterreich.

Wien, »12. Mai. (WTB.'> .Der Der-« fassungsausskbuß beenbete geilem bie Be- ratuna-beS grohbeutschen Antrages über Schaffung eines Bunb?sgesetzes zur Turchsübruna ber Volksabstivrmung über fei Am chlutz an bas Deutsche Reich. Der Ausschuß be­schloß mit Stimmenmehrheit einen Gesetzeniwuri, wonach an einem burch Beschluß beS National-> vates noch zu bestimmenden Sonntag bic öster­reichischen Bunbesbürger zu befragen sinb, ob sie wünschen, baß bie Bimbesregierum tm Sinne bes K 88 bes Staatsvettrages von St. Gevmain. beim Rate b?s Völkerbundes um bic Zustimmung zum Anschluß ber Republik Oesterreich an bafl Deutsche Reich nachjucyen soll. Der Anttcm ber Großbeutschen hatte verlangt, baß bie Boll^- abftintmung am sechsten Sonntag nach Inkraft­treten biescs Gesetzes stattfindet, während der vom Ausschuß beschlosiene Gesetzentwurf die tatsächliche Turchjübrung bet Volksbefragung von einem neuerlichen Beschluß des Nationalrates über bat Zeitpunkt abhängig macht.

hessischer Landtag.

88. Sitzung.

Darmstadt, ben II. Mw 1921.

Arn Regiervngstiich: Frnan-zm,nister Hen­rich, Mtnifter des Itmern Tr Fulda urb RcgiermigSDmmisjave

Präsident Adelung eröfntei b.c Sitzung um i0.20 Uhr und teilt mit, baß die Bc solbungs- ordnung morgen in erster Lesung zgr B^ra- iirng kommen wirb

Tas Hans berät bann die gestern zurückgeskrite ten Pofi tionQi.

lieber bic RegierungLvrlagc: Die Ver« Pachtung des S eigen Hofes Gau i fe I-- nandsetzmig), (eiidret kurz Abg. Brauer (Heu. Bvt.,'. Tie Bcmlichteiteli find in einem derart 4eitlen Zustanfe, daß bi? Inifenbsei'.ung Im* Lcbingt erforderlich ist. Ter Aus-schut 'b.'-mtrogt, der Rcgierui'gsio.lage juwftimrre/i u- b 325 00U Mart zu bewilligen. 2lbg. Reil,er <Tem.) stimmt b.m zu. Abg. Reh ^lem1 fdiägt vor, von b.m qiofeii La b esitz des Sclgeich >seS ben Lanbbebürftig«, La b u reräußern. Aur bem Erlös könnten die ter fiel lun gsar lei ien beznh 't wer­den. Abg. Rechlien 'So;.): Man sollte dein Landhunger imfebüigt Reck.mmg tra e.i. Tv Iai'.bnrirtfdxif'Ii(fen Veriuck-Sstatwren Ixtoi en trotz­dem bort noch errichtet ttxnben. 2lbg Fenchel iHcs, Dpi.) bittet, ben Finwi-russchustw11.ag ai - zunehmen 2lbg Hahn <T; Vp:.): Es ift eigentlich unfaßbar, wie man etnai derartigen Ho, fo verwabrl sen lasten Boimte Was bie Land- iuteiluiig betrifft, so ist It* letzt hur eine wrderung von 25 Morgen Dorfxmlet Der timte leicht Rechnung getragen werden. Eine VersuchS- winsckäf: ist bort ausgeschioiieii. ES soll bort eine Schulnntrschaft errichtet werben für ben hohen Vogelsberg Abg Lux (Soz.): In b*t Näde des Selgenho'es liegt ein einzelnes (fe^ft, ti besten Umgegend gute? Land ist, das zu Siedlung strecken hergegcoei werben sollte Ter Llussd'sttzantvag wirb emw.mim angenommen.

Es folg! Beratung der Regierungsvorlage Über bie Untnxmblung der Seminare in

deutsche Aufbaufchulen

nrint Nachtrag hierzu

Abg. Schorn (Ztr. erstattet mündliche« Bericht. Der Finanzausschuß hat nach eingehm- ber Beratung beschlossen, ber Vorlage wzustiin- men, trotzdem in Lehrerkreisen nicht eine unein­geschränkte Zustimmung vorliegt Man hat in Lehr-erkreifen wichttge Bedcrcken, doch handelt es sich hier um etwas Neues, dessen Wirst'ng man erst erproben muß. In dem Nachtrag handelt es sich um die Umwandlung zunächst ber Seminare Alzey unb Bensheim. Man fet ber Regie­rung ben DorwuN semacht, baß sie cs gar «st eilig mit ber Äufbauschule habe. Aber.ssrwaL muß ber Anfang doch gemacht bitte,

dem Ausschußantrage zuzustimmen.

Abg. Reiber (Dem.): Mit > ber Lehrerbil­dung hat bi< Vorlage, genau genommen, nichts zu nm. Es handelt sich hier um [bie Schaffung eines neuen Schultyps. Wir scheuen eine neue Sdxrle für begabte Kinder von ,ti eriter Linie unbemittelten Eltern. Es ist klar, feß mrie dieser Kinder sich,bem Lefeerberus irn^hten werden. Es handelt sich für bic Regierung lbarum, daß dieser neucit Schule die Dmechrigung /Ser sonstigen He­ren Lehvachlalien Mell wird. ^Hann werden div Schüler sich dex Hochschulbildur^ zuwenden