Gietzencr Anzeiger (Sen rai-Anzeiger für Dberhessen)
Ur. 255 Zweites Blatt
§rcitag, u, November 1921
n«r
ßeben getreten sind, trifft die Sn- die moralische Schuld dafür, bat) Recht der deutschen Werke zu eine» verdreht worden ist. (Lebhafter
Oriente Ine tente felbfl dieses klare Ka'atzrophe Telfort)
liegen; schon im __
Ansicht, daß die Forderungen der Ontcnte eine 5ta afiropbe bedeuten, so aber wurde die Oeffent- lichkeit erst ausgellalt, als der A betterschaft der Peitschenhieb des Generals Rollet inS Gesicht schlug Der Kamps Frankreich- ist gegen daS deutsche Kapital, aber eberfo auch gegen die deut- schen Arbeiter gerichet. Die Regierung muh in eine viel stärkere aktive Abwehr gegen die Kontrollkommission eintreten und hierzu noch da-
Volk beranU’ben. Wir müssen wieder als vev- handlung-sählg anerkannt werden.
Abg Brüninghaus <D Dpt.) billigt die
Abg. 8rf tng (Zentr): Was die Kontrollkommission hier geleistet hat, ift ein Akt der
mensäye ter unteren Stufe erhöht.
inzwischen ist ein A trag der Kommunisten eingegangen, den □kennten bis einschließlich Gruppe 7, den Reichs- und StaatSarb.'itern, sowie den Diäraren mit Zahre-ei xkornmen unter 30 OX) Mark einmalige Wirtschaft-beihilfen von 30JO
Mark und 500 Mark für jeVs Kind bi» zum 15. Rvvember d ?s ou-zu»ah.en.
Rachdem de Abgevrbmt.nx Delius (Dem) und Dauer <BD> kurze zustlmmende Er- llä.Tilgen abgegeben hallen, btgr^nbeie Adg Plo11ner fStomm ) lei 3n:r g 1 incr Pariil Sr prrtehierte be.g-gen, tai d e Dorlage lang- und Hang'.o.» ange v.nmen werden loste.
Ein □krtreter b?» Fira zmr t.uri gibt eine Srklarung des Inhalts ab. taT die Reich'- regiciung bereit fei, len einzelnen Ländern zur Deckung ter Anforderungen aus brr Besoldung«- Vorlage eventurll Vorlchasf« zu gewähren. Ebenso sollten biete den Demei'.ben Dorschil'e leisten.
De u :ab" änig.gen u b lvmmunistischen Anträge werden gegen die Stimmen bet bet Panelen abgelednt
Nächste S ru-’g: Freitag, den 11. Rvvember, nachmittag« 2 Uhr Anfragen. Rvtstandsvorlage. zw.'ite uib dritte Lesung der Besoldung-. Vorlage und Interpellat onen über Getreibeverichiebung und Preiswucher.
Schlutz gegen 7 Ubr
Die deutsche Bevölkerungsentwicklung nach dem Kriege.
Sine BevolkerungSstatlstische Vi'.anz des Weltkrieges und der dadurch geschaffenen Verhältnisse zieht RegierungSrat Dr. B u r g - dörser in einem Aufsay der „Münchener Medizinischen Wochenschrift", der sich auf die jüngsten Zusammenslelluncen des Statistisck.en Reichsamtes über die Bevölkerungsbewegung in den beiden RachkriegSjahren 1919 und 1920 stützt. Die Bevölkerungsentwicklung vor dem Kriege wurde auch bei uns in Deutschland durch den Geburtenrückgang bestimmt, der um die Jahrhundertwende besonders deutlich cln-
Ss folgt
die Beratung deS Besoldungsgesetzes.
Abg. Lübbering (Soz.) stcllt mit De- frtebigung fest, hast die Regierung bei der Rcu- regclung ter Desoldungsvorsch isten den sozialdemokratischen Anregungen gefeilt ist. tah aber die Beamtenschaft mit der Rcuregesung noch nicht befriedigt ist.
Abg. Höf le (&) spricht die Zustimmung trotz ter Mängel der Vorlage auS, erwartet aber demnächst eine S gäwungtVorlage, um die Span- nung zwischen Truerungszunahme und Dehalts-
erhöhung auszuvlelchen.
Nachdem Qlbg. Vogel (Deutschnatl.) eben- sall« eine zustimmende örflärung abgegeben hacke, stimmt 2lbg. OH ob rat (D. Dpt.) angesichts der Rotlage der Deamtenschast der Vorlage zu und sieht weiteren □hifbefkruncen entgegen.
2fbg. Frau Zieh (USP.) forbvrt eine eingehende Besprechung und Durchdcratung. Auch sie ist mit der Erhöhung der ®ainbgc&älter einverstanden. meint aber, bah die Erhöhung in den unteren Gruppen zu niedrig sei, wahrend sie von
farMkben Ausführungen des Abg Hoch Die 3e- । |ierung mut mehr tun, um die Schild Deutsch- anM am Kriege zu widerlegen; bas Mahrial ist a da. also heraus damit. 3n der Frage der «.tichen Werke sollte ein kräftiger, einmütiger Protest gegen die En e te erhoben werben.
Abz. G o t h e t n (Dem . Unx b et t n xr die Flucht in die Oesfe xtllch.'elt. 3n bim Protest gegen bas Unrecht fo'Jttn w r uns alle vereinen.
Abg. BrandeS -11 -cbb.1: Wenn d.e O’• tente noch immer militärisch? B d m «n in) Feld führt, so trägt daran d c Agitation d:r reaktionären Parte en die Schuld. D.e Forderung der Entente erftrerft sich aus die 3zri15rjnj von Maschinen, von Walzwerken usw.. deren rein wirtschaftliche Bestimmung der Arbeiter le n . De Arbeiterschaft s« b st sorgt schm bafir. bah kriegerische Re gunnen nicht wiedr- bochlommea können Da di.- Arbeiterschaft selbst jede Garantie dafür übernnim-nt. bai kem Mißbrauch mit den Werken getrieben w rd. fordern wir die Regieruni aus, für eine Zurücknahme der
Hierin läge eine Ungerechtigkeit. Der Antrag der Unabhängigen läht Gruppe 1 bestehen, zieht bann aber je zwei Gruppen zusammen, so bah insgesamt 7 Gruppen entstehen statt der blshcri- gen 13. Sollte der Antrag abgelehnt werden, hätten sie einen Eventualantrag eingebracht, der die 13 Gruppen bestehen läht, aber die Glnkom-
Rote zu wirken. . ...
Abg. Schirmer (D'yer D->.) ich letzt sich dem Proteste g?gcn die Gewalttätigkeit der Entente an und steht voraus, bah die Franzosen sich einer Einmisch in, in unsere Produktion und eine Äontro'.Ic ber eiben anmahen werden
Abg Malzadn (Komm.): 5> e '.r eg treibe- rische Tendenz in S ddeut ch and. dir ü ri .cn) dis tt>eit in die Reihen brr D.mokraten dinrinreicht. trägt die Schuld an dem Umschoanz in den Anschauungen der Entente. In Erfurt sollen auch Match nengewehre anjefertigt wo den le n; ebenso Millionen von Gewehrpatrvnen. D.e Arbeiter selbst haben dies zu unserer Kenntnis gebracht. Best mmt waren dies? Wa f:n fit d e Orgeld) und d e Sinwvhnerwehrrn. Warum ist hiervon nichts gesagt worden? (Zurufe rechts: DaS ist ja Hochverrat.' D.e Soandauer Waggonfabrik arb i et ange ichtS des Wagcn ran;e S nicht, bas ist Sabotage von feiten brr Rechten
Abg Hoch (So-.. ......
wvrte fest, cah jede PaNei m seinem Sinne ihre Stimme erhoben habe, polem.siert aber geicn die Rechtsparteien wegen brr Vorwürfe, die der Red-
gegen seine Dartel erhoben hätte.
Damit schließt die Aussprache.
1900 146,1 Kinder, im Jahre 1906 132,6, im Jahre 1912 nur noch 110,6 Kinder. Die deutsche FruchtbarkeitSzif er war also um die Jahrhundertwende noch um 32 Proz., also fast um ein Drittel, gröber als unmittelbar vor dem Kriege. Troy dieses raschen Geburtenrückganges hatte aber die deutsche Bevölkerung infolge des starken Rückganges der Sterblichkeit und besonders ber Säuglingssterblichkeit eine starke natürliche Zunahme. Der lieber- schütz der Geborenen über die Gestorbenen betrug auch noch in den letzten Friedensjahren' über 800000 Seelen, so datz unfern Volke ein rüstiges Wachstum aus eigener Kraft gesichert war. Der Weltkrieg aber hat auf unsere Bevölkerungsentwicklung einen geradezu verheerenden Einflutz auSgeübt, der auch in den RachkriegSjahren nicht wieder befei igt werden konnte. Was die Eh e sch l ie tz u n ge n an- gcht, so war die HeiratSfähigkcit während des Krieges ungewöhnlich tief gesunken. Während LIS 1914 im Deutschen Re ch — rhne Ersatz- Lothringen — dux^schnitttich jährlich etwa 500 000 Ehen geschlossen wurden, das sind acht Heiraten auf 1000 Einwohner, sank die Zahl im Zähre 1915 und 16 auf 4.1 pro 1000 herab und betrug auch im Zahre 1918 nur 5,4 pro 1000. Zn den fünf KriegSjahren hätten normalerweise 2*/? Mill. Ehen geschlossen werden muffen; eS kann aber in diesem Zeitraum blvtz zu 1660 000 Chen, so datz der Ausfall 840 000 Heiraten beträgt Der Krieg wirkte also auf die EheschlietzungShäufigkeit so ein, als ob 1 Zahr und 8 Monate lang überhaupt keine Ehe geschlossen worden wäre.
Die gleich nach dem Frieden einsetzende „Heiratsepidemie" hat ober nun 82 Prozent dieses Ausfalles wieder eingebracht
Deutscker Reichstag.
143. 6;r,ung.
Berlin. 10. Rov 192L
Hoch lSvz ) begründet eine Interpella» Uoa leimr Partei wegen ber buech die Entente bedrohten deutschen Werke,
Die Zerstörungsardencn. die schon auf Veranlassung der interalliierten MUttär-Kon- trolItommifHon auSgcs h:t find. haben allein 37 Millionen Mart an 2trbeltslobn ge
fordert. die zerstörten Werke selbst find bur- bet nicht eingerechnet Die Werke tn E r- f u r L Vie sich mit der Fabriw Ion von Zagd- enb Vvo w.^sse-. b.schllt.gen sollen nun au'. Kbeben u b Spanbau im w.t.ven Ausbau be- «äntt we den. D u ichsanb steht am Enbe feiner Wirtschaftlichen ÄYatt, das ruien wir ber ganzen Welt zu kotz solch? Eingriffe MrlH Ende noch defchieu 'igten Wir wollen nach Kräften bemüht fein, di» Lo deru-gm bes Fr.edensvertrages zu erfüllen haben aber keinen Atlatz, barüber bin- au »zugehen Die Regierung möge daher der Oes- fenilichteit weitere Aufklärungen über bie zu weit retdx-nbn Anfo beini igen ter Enten e geben
Re-.chsschayminister Ba u e r fchlltert bas Zu- ftanMommen ber d.urschen Werke, we'.che die Militärbetriebe zu prtDaten B trieben ungestalteten Daß Hanauer Werk toll nun ganz vom Erdboden vrrschwi idrn. mit i >m tle Else bahn- antagen, bt« Kanalisation urb die Äclleranlage On Erfurt unb Havelhorst Ist bie Anfertigung brr Zagbirasten birett Im El-Vrrstch bniS ber Entente erfolgt; bie Kontrvllkommrfsion hatte ben 'Betrieb nicht mir genehmigt, lonbern auch die Anlage von Zogdwasfenlagern für den Ad'atz in da« Ausland zutelafsen. Es fchstnt bemgemäst. alS tb ein bestimmter HanbelSneib für da» plötzliche vngrrechtfe t.gie Verbot In Rechnu-g zu stellen Ist Zn Spandau ’o len Saboteur e i verschwinden unb sogar bie Schunwälle abgetragen werben Der We t ber zu zerstörenden Maschinen beträgt nmb 10 Millionen Dolbmark. D'.ese Forderungen ^et>en über alles Mast des ?uläffls,en hiimuS. Die Regierung steht feil 3 Zähren in schwerem Ringen mit ber Kontrollkommission; eS ist ihr nur in einzelnen Punkten gelungen. Linberungen zu erlangen Wir haben in diesem Falle bei ter Brtfchaster o iseteuz mü bliche Vorst^llu gen erhoben. zu denen w.r um so mehr getrieben wurden. als die Arbeiterschaft u is ausdrücklich er- Tlären wollte, wir rühren keinen Finger mehr für tue Serftönng Angesichts der Tatsache, datz die t>eutl(t*n Werke geradezu mit Deneim'.gung der
11,6 Millionen und vor 5^rleqSattSbruck) 12.3. Tci normaler Entwicklung hakle eS Ende 1920 In dem alten ReickSgebiek 13.6 MIU. Ehen geben müssen. Taksächllch ergibt sich aber ein Fehlbetrag von einer halben Million Ehen.
Diese verhältnlSmätzlg grotze 2!nzahl von Ehcschlietzungen Hal aber nicht die zu erwartende Vermehrung der Geburten gebracht. Während deS Ärie ;c3 wurden etwa 3'/, Will. Kinder weniger geboren, als zu erwarten war. Mit einem Ersan dieser Ungeborenen kann — im Gegensatz zu den itach andern Kriegen gemachten Erfahrungen — nicht gerechnet werden. Wohl senke im August 1919 eine verstärkte Geburtshäuflgkelk ein. aber die Vs Zahr schlotz mit einem Fehlbetrag von 400000 Geburten ab. Doch auch im Zahre 1920 hat die nach dem Frieden einsetzende «Geburten- welle" nur knapp die Geburtenziffer deS Frie- denSjahreS 1911 erreicht. Zst aber bereits vom zlveilen Vierteljahr 1920 an in rasch absteigender Linie so tief gesunken, wie es unter normalen Verhältnissen vor dem Kriege im Deutschen Reich nicht bekannt war. Troy der ungewöhnlich hohen Anzahl neuer Ehen ist also auf keinen Ersatz des Kriegsgeburtenausfalles zu rechnen. Die Sterblichkeit, die während Des Krieges durch die Schlachtenopser und da« Wüten der Hungerblockade ungeheuer gesteigert worden war. hat sich in den beiden Rackkriegsjahren 1919 und 1920 wieder dem Vorkriegsniveau genähert, ist In den letzten drei Vierteljahren sogar unter dem Stand von 1913 zurückgegangen. Auch die Säuglingssterblichkeit. die während der Kriegszeit vorübergehend gestiegen war. zeigt wieder einen erfreulichen Rückgang. Zieht man die Bilanz zwischen Geburten und Sterbesällcn. die vor Dem Kriege fast regelmäßig einen GeburlS- überschutz von rund 800 Seelen zu/buck en hatte, so ergibt sich während des Krieges ein erheblicher Ueberschutz der Sterbefälle. Erst das Zahr 1919 brachte wieder einen Geburtenübei- schutz von geringer Höhe, und auch im Zahre - 1920 ist der Geburtenüberschutz der VorkrieaS- : zeit nicht erreicht worden. Rechnet man Die durch die Gebietsabtretungen verlorene Be- : völkerung mit den andern durch den Krieg erlittenen Einbutzen zusammen, so ergibt sich, datz das Deutsche Reich bis Ende 1920 etwa 11 Millionen Menschen verloren hak. Während eS bei normaler Weiterentwicklung Ende 1920 etwa 73 Millionen Einwohner hätte ! haben müssen, ist die Zahl auf etwa 62 Mil- t Honen zusammengeschmolzen.
3m Zahre 1919 kamen aus 1000 Einwohner 14.8 Heiraten, und eS wurden in den beiden ersten Rack kr.egSfahren rund 1 7 Millionen Ehen geschlvs en. das sind etwa 750 000 mehr, als normalem^,'e zu crn'nrtcn waren. Ende 1920 war also bie Eheziffer der Vorkriegs- jahre weit überschritten unb der Kriegsausfall bi? auf etwa 100 000 Ehen wieder eingebracht. Freilich nahmen nun auch die Ehescheidungen. die im Kriege stark zurückgegangen waren, seit 1918 toieTcr sehr zu. und während sle z.B. 1916 nur 10 491 bena e r hu en, gebet 1919 22 022 gerichtliche Cheschcloungen. Durch den vorzeitlaen Tod lo vieler Im Kriege Gefallener forme durch die im Ärlegc gesteigerte Sterblichkeit der Zivilisten wurden etwa 450 000 bestehende Ehen durch das Sterben eines Gatten mehr gelöst, als normalerweise zu erwarten war Vor dem Kriege hatte es jährlich durchschnittlich 203 C00 mehr geschlossene als gelöste Ehen gegeben. Der Gesamt- bestand an Ehen betrug 1910 In Deutschland
— . gesetzt Halle. Auf 1000 weibliche Personen im
stellt in ei.iem Schlutz- s Filter von 15—50 Zähren kamen im Zahre lin stznatti 6*innz» i ixr» _ . V ' _ ___ __-
Rache, nun sollen gerade bie Arbeiter brotlos Verben, die an Frankreichs Wiederaufbau mit- h»lsen vollen. Di« Kontrollkommission arbetlct mit etneni gewissen Gefühl des Sadismus daran, au« Deut'chland dn zweiles Hungerrutzland zu machen. Wir schlietzen uns dem Proteste der Rei>hSregierung an und bitten bas HauS, ben geschlrs en»n guten Willen b.-S deutschen Volles iu dokumentieren. (Beifall)
Abg H a r i w i a (Deutschnatl.): Wenn bie Entstehung ber d-euttchen Werke allgemein be- ......... - -
fanni gewesen wäre, würbe die Sache auch anders Gruppe 2 an kerzengerade in bie Hohe stiege.
3uni waren bie Werke ber1 Hierin läae eine Ungerechtigkeit. Der Antrag
Giekzener Stadttheater.
Maria Stuart.
Trauerspiel von Friedrich Schiller.
Zu des Dichters Geburtstag.
Dietzen, den 11. Rov 1921.
2Ln Schillers GeburtStaa sein Gedächtnis durch bie Aufführung eines feiner Werke zu ehren ist recht un*> gut. Vr. besten Schaffen den Besten feine« Volles tn der Zeit des beutfchen Riederganges um daS Ende deS 18. Zahrhund nS ttn An'porn Aum Wiederaufstieg, ein Symbol nationalen Denken- wurde, hat für uns In gleicher Hinficht angesichts unteres viel schwereren ZufammerB.'uchs verstärkt« Bedeutung.
.AnS Va'erland. an« teure, schließ dich an. Da« halt« fest mit deinem ganzen Herzen".
unb weiter
.Wir wollen sein ein einzw Voll von Brüdern, Zn keiner Rot uns trennen unb Gefahr", biete Worte aus dem .Tel V mit benen aus ber ,3« n g f r au von Orleans", die lauten: .Richiswürbig ist di« Ration, die nicht Zhr Alle« freudig fetzt an ihre Shr«".
diele Worte eine« unseres Größten sollten uns Mahnungen und Leitstern in ber Gegenwart fein.
Wort« aus dem .Teil" unb ber .Jungfrau“ . . . ; Damit ist schon au-gedruckt, daß wir am Schillerlage de« lrüden JahreS 1921 lieber eine« ber Werke be« Dichter- auf unterer Bühne g ießen hätten, bie von bem Feuer vaterländischen Denlen« u xb nat oaalen Stol-^S dutch- glüht find. Da« Bewußtsein be fen, xxxxA unsere Väter taten, unb was wir selbst als Voll geleistet haben tn den schweren Tagen bes größten Ringens aller Zeiten, ist der einzige Schatz, der un« blieb. Zhn zu hegen ist untere Pslicht unb unser R.cht. ,M a r i a Stuart" aber hat von diesem Geiste nicht- und weist zudem von allen We.^en Sch.Ue s am m l:ei jene Schwächen aus, wegen be.e.i er alS Dramatiker Den Männern vie Otto Ludwig, um nur einen zu nennen, gefabelt, ja sogar angegrif en wurde.
Qüxhmal» also: schiller- W.rk tn Schiller« Sag — da- Ist recht; doch wäre eine andere Wahl de- Stückes zweckentiprechutder "nd färbemotr aewesen.
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Bei einer Betrachtung der gestrigen Aufführung muß man zunächst betonen, baß eS der Spielleitung, für bie man Adolf Teleky zu Dank verpflichtet ist, unb den Darstellern gelang, durch ge'chickte Führung unb Steigerung dc- Spiel- die erwähnten Mängel d?- Werke-, die sich besonder- in den Szenen bnnerkbar machen, wo man statt de« Dichter- den Professor ber Geschichte an der Universität zu Jena zu deutlich sprechen hört, zu mildern oder gar ganz au-zu- gleichen.
Den Höhepunkt der Vorstellung, wie ja auch de- TrauertpideS selbst, bild tc die Begegnung der beiden Königinnen. Dam'l find wir bei den Vertreterinnen ber b eben weiblichen Hauptrollen. Kitty Franke führte sich al« Maria in trefflichster Weite cm, gleich cch: in Augenblicken ber fehnlüchtigen Trauer, de- Dulden- unb b'S tem- peramcntvvl'en Angriffe-. 3bre Gegenspielerin, Elisabeth, von Au'uste MarckS gut gezeichnet, war gan* bie herrschtüchtige. stolz« unb bvch vor der Ent ch i^ung ängstl ch -jirüdiDei(t*nb« Frau, tot« sie ter D ch er bärgest llt hat. Karl Z u h n k c trat den Lei «ster, namentlich in s inem Zusammenspiel mit Elisabeth. auSgeZeichnet. AI- würdiger Talbvt b.-toäbrte sich Georg Badura. während der Burlelgh in Advls Tel«ky unb der Davison in Fred.) Döring buichauS achtbare Vertreter sanden. D.n Mortimer gab Wla» btmir Brande« mit r<bt gu em Gelingen. maTichmal viellcich' etwa« zu stark path«:isch. wozu allerdings seine Rolle leicht verführ!, dagegen fern charakterisiert in seinem Gegensatz zu Leicester. Karl V o l ck toar al- Paule! ein rech er Ritter ohne Furcht und Takel, wogegen Adele Horn ihre Kem.edy zu toe-leibig ankglt. —r
Neue Briefe von Hugo Wolf.
Hugo Wolf, der grrß? Krmvon st. ist eine ber sa'z n.ercndstm PrrsönlichLeit:n b:r modernen Rrusikgefchichte ge ve'en. unb in feinen 'S x:- fen le t der ganz« Belenntn.«dring fc ne« ranto- n.schen WesenZ. Tief h nein Ix ba« Rln ,« x Nrse ech!en Äanftlcmatu.1 führen die ’e-icn Briefe bei Meister« an Henriette Lang, bxe inx neuesten Heft ber .Deutsche Rundichru' ver- öffenttich! werden. Wolf hn! da« hoch'ezadtc I junge Mädchen geliebt unb ihr auch dann noch treue Freundschaft gehalten, al« fte fich ml. bem Wiener RechtSgelehrien Zo e pH von Sch. y .vermählt«.. Er macht sie zur M^twi'serxn ber I melan4>ol Jd>:n unb tragischen Stun nun ,e.x. di. I chn durchwahlterx. .Zch bin Heuer entietz.ich faul,
tue rein garnlcht«," Lagt er schon In dem ersten Schreiben vom 26 Zanuar 1881, ,lch möchte sagen, meine Tätigkeit beschränkt sich nur darauf, viele Eindrücke auszunehmrn unb auf uzelchnen, die aber einst eine bestimmte ^orm unb Gestalt annehmen socken, mein? Tät.gkett Ist ganz leidender Ratur — ich komme mir wie ein Weib vor." Zn dem nächsten Briese vom 26. Aprll schildert er ihr seine ganze ZriTrissenheit: ,Zhr hübscher Brief tr.frt mich in der lustigsten Stimmung Der Welt, diese- großen Tollhause«, und ich mache so artiae Sprünge, unb so pfiffig glaube ich auSzusehen, baß ich tatfächllch nach meiner Pfeife zu tanzen mir ein bilde — derweil ein recht häßlicher rußiger Schlingel, ber mich recht höhnisch anblin;«lt unb ganx teuflisch dazu tot- Dcrt und auf dem Tanzboden meine- gerrtflenen wunden — todeSwunden Herren« einen Giertanz aufsuhrt. alS wollte er durch fein tölpl- fcheS Herumstampsen. wobei er feine spitzigen Absätze tief in« Herz bohrt, mit Gewalt die Zungen au-bruten, bie Zungen, die mich bann zerfleischen sollen — die Pfeif« mit erschrecklicher Virtuosität handhabt und mich Tode-- nxuben ins Leben zuruckhetzt — ttixb immer, immer tönt ber schrxlle Pfeifenton fort — im Traum, im Wachm. zu H^u'e. in Gesellschaft — ach, ich werd ihn nie, nie LoS. Ob mein gütiges Fräulein, wenn Sie sich je über bie Trost- losigkelt unsere« Da'eins brsh vrren sollten, denken Sie an die Pfeife, denken Sie nur, wie hübsch «S ist, wenn man nich. nach einer Pfeife tanzen muß. Was anders ist-, nach dem Ton einer sanften, frommen, traurigfüßen F.öte. wa« ander- nach dem Ton ber kindlich-treuherzigen, blonden, b.auäugigen, leuschmx Ho?ve. waS an« ber«. nach dem we.hevocken Gesänge ber üppigen. königlichen, stolzen und dabei so milden.
o vielverheißeixden. so viel gewährexxden, so r.ebegluhenden, hinsterbenden Klarinette — bie- en drei 5rauenqeilaUcn im Orchester — toi« anders ist S, nach so f olben Stimmen hin.;u- >orchen — sie verwunden frellich da« Herz, f e bedrängen e«, aber wir süy. wie berauschenbi rind m.t welch köstlichem Balsam Hellen fie ^.cht die Winden, ja! 11 xb w.e entzücken' selbst i'jtD diese Dindeix. Wenn aber diese Stimmen rculo^. tück.sch chre Ratur verleugnen, wenn anstelle ber natürlichen, liebenden S rache die cjfuniUlte, berech xete. auf gestutzte, gememe, betrügerische tritt, sich ftibä und allen anderen veräitztlichi bann möchte ba« Herz vor Web und Le.d brechen, d-ah die Aatar Io au»artcn. Laß y<i4 Qkrtra ten s, ^mählich hUtterga.tgen wer
ben konnte. Wer so grausam getäuscht toorben, dem w.rd der schneidende Mlßton ber P,ets« wie mit glühenden Krallen ins Her« greifen.. .**
Derartige Derzweislung-schreie treffen vir noch öfters In ben Briefen an. So schreibt er am 23 Zunl 1851: .Wie benribz ich Sie um 3hr«n Heber mut. Zhre schnackige Stimmung, indetz ich — eine Herberge für alles Unglück, ba« mir bl« Bettlersuppe bes Lebens auf da« grausamste versalzen — nächstens bie traurigen Gaste, die sich tagsüber schon ungestüm bei mir anmelben, mit Tränen und meinem Herzblute bewirten muß. Ach. Fräulein! Das ßo« be« Ahasveru« ist wohl schrecklich — einig zu leben! Zhn flieht brr Tob. mich der Schlaf Er sucht ben Tod. ich. wenn mich eixdlich ber Schlaf übermannt, werbe furchtbar schrecklich au« ben erschütternben Träumen auf- gerüttelt. Seit ein gen Tagen geh: ich nicht mehr zu Bett aus Furcht vor ben entleylichm Träumen. ... Um jetzt wach bleiben zu können. Ist mir da« Phantasieren am Klaoier ba« hexl'amste Arzneimittel. Ich bewohne zwei Zimmer in einem entlegenen Trakt unsere« Hause«, so daß durch meine wilden Phantasien niemand gestört wird. O. da« ist Balsam auf meine Wunden! DaS Inst rument versteht mich, da« tröstet mich ober reUt mich auf — je nachdem ich beruhigter ober aufgeregter mit ihm spreche."
Allmählich aber tritt bann boch eine hellere, tatcnfreubig-re Sanxmung bei Ihm hervor .Drei Zahre geraulenjt ist zwar ein teures Lehrgeld, um einen jungen Menschen zur Erkenntnis zu bringen, tote schlecht ec bas kostbarste Kapital .Zeit" anlegt," schrcibt er am 8 Zuli 1882. .Ader nicht über mich soll ba- Rad ber Zeit gehen, sondern mit ihm will ich fliegen. Eine traurige Vergangenheit habe ich hmter r.xir. aber sie biente mir, um bie Gegenwart mir erträglich zu gestalten. indem sie mir Ruhe schafft und mich dadurch tauglich macht, endlich einmal die Vernunft in ihrem angestammten Rechte walten zu lallen. Gottlob! 3d> bin endlich zur Vernunft gc- kommen und bin ein Mensch und nicht mehr, toi« chemalS, ein Gsel. 3etz! burf ich auch ungescheit Vegetarier fein unb Hütte ich selbst ein Gelüst nach Disteln. Ich weiß, was will, unb was ich will, das kann ich"
Stockholm, 10. Rov. (WTD.) 5>;t schwedische Akademie beschloß, A n a t l l e France den diesjährigen Aobelpreis für L t r e r a t u r zu ver.eihen.


