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2. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

Die Entschädi.qnngslieferrrngen für die Entente.

Berlin, 8.Zuli. (WTD.) DerSntente wurden 10 753 Beutefahrzeuge zurückgegeben, und zwar: an Frankreich 3151 Staatsbahn­wagen, 311 Privatwagen, an Belgien 7185 Staatsbahnwagen, 106 Privatwagen.

Die Nothersteins.

Roman von Erich Eben ft ein. Copyright 1919 by Greiner L Eomp., 'Berlin W 30.

Aus Stobt und Land.

Dieben, den 9. Juli 1921.

Laßt die Kinder barfuß gehen!

3n dieser teuren Zett haben es selbst Bessergestellte nötig, zu sparen, wo eS nur sei. Biel können kinderreiche Famllten in den Sommermonaten an Strümpfen und Schuh­werk sparen, wenn sie ihre Kinder barfuß laufen lassen. Dieses Darfußgehen ist oben­drein sehr gesund. Je mehr Licht und Lust an den Körper kommt, desto besser! Aus diesem Grunde sollte man auch für leichte, bequeme Halsbekleidung sorgen und den steifen Kragen möglichst fernhalten. Die Kleider der Kinder sollen kurz und ärmelfrei sein. Die Kopfbedeckunq sei luftdurchlässig. Beengungen von Körperteilen (z. B. durch ums Bein ge­schlungene Strumpfgürtel, zu straff gespannte Hosenträger, Schnürungen in der Hüstgegend usw.) sind fernzuhallen.

Nebenbei sei noch bemerkt, daß sich be­sonders Kinder vor dem Berühren von Butter­brot und anderen Stzwaren jedesmal die Hände waschen sollen, nicht nur im Interesse der Reinlichkeit und Erfrischung, sondern auch im Interesse der Gesundheit.

Wettervoraussage

für Sonntag:

Wolkig bis heiter, trocken, warm, östliche Winde, Gewitterneigung.

Die Wette luge wird von dem Hoch beherrscht, daS sich als Rücken vom atlantischen Ozean biS zu den Ostseeländern erftredt ES ist daher für die nächsten Tage mit FortdaSer der warmen, trockenen Witterung zu rechnen.

Weg dahin nicht mehr ohne Rast würde zurück- legen können.

Gr hatte einen blonden Siegfriedskopf und sonnige Braunaugen, die fröhlich in die Welt blickten.

Nachdem er sein Tier im Schatten geborgen, !äh er sich nach einem Ruheplatz für sich selbst um. Die GraSböschung längs der ©trabe war doch gar zu staubig! Aber schon hatte sein Blick die Mauerbresche mit dem dahinter liegenden ^tart erspäht.

Mit ein paar flinken Sähen kletterte er die Böschung hinan und wollte sich eben in die roten- übergangene Bresche schwmgen, als er plötzlich wie angewurzelt innehielt.

Gr hatte Do erblickt, die seelenruhig und ahnungslos in ihrer Schuttmulde lag und schlief.

Gebannt durch den Liebreiz, starrte er aus Ne nieder. Welch sühes, fernes Gesichtchen! Er meinte, nie etwas Lieblicheres gesehen zu haben. Dazu diese romantische Umgebung. Entzückt um­faßte sein Blick das Bild ja, es war wirtlich alles tote ein Bild, das der liebe Gott hier eigens für ein Malerauge gestellt hatte . . .

Und das muhte er festhalten um jeden PreiS! Erregt zog er sein Skizzenbuch aus der Rocktasche, ohne das er nie ausgtng.

.Dornröschen ... ein süßeres konnte es ja gar nicht geben!

Während er dies dachte, fuhr sein gewandter Stift schon über daS Papier und legte die Um­risse fest. Wenn sie nur nicht vorzeitig erwachte, Und wer sie wohl fein mochte? Eine junge Magd vielleicht aus dem alten Gemäuer drüben! Rem dazu war ihr Gesicht viel zu fein und vornehm.' Die Tochter des Hausesc

der Sturmwind fliehen, aber ihre Füße waren durch die unbequeme Lage erngeschlafen, und fie formte vorläufig keinen Schritt machen. Er aber starrte nun erst recht gebannt in diese wunderbaren tiefblauen Augen, die einen ganz leichten Stich ins Biolette hatten und über denen die langen dunklen Wimpern wie Schleier standen. Auf ihrem Lockenkopf lag nun die Abendsonne, unbba gleißte ihr Haar in leuchtendem Schimmer wie kostbares altes Gold, das hier und da in bräunlichen Schatten versank. Dazu die milchweiße Haut mit dem zarten Rosenschimmer er hätte kein Maler sein müssen, wenn sein Auge diesen Farbenzaube^ nicht begeistert in sich ausgenommen hätte.

Endlich ermannte er sich. Besann sich, bat er sie geküßt hatte und empfand nun doch einige Gewissensbisse. Aber vielleicht hatte sie gar nicht- gemerkt?

.Berzeihen Sie, gnädige- Fräulein," stam­melte er verlegen und wollte sich eben vorstellen, als vom Park her eine aufgeregte Stimme laut und wiederholl rief: ,Do! Do! Wo bist du denn? Komm doch rasch, bitte!"

Do erkannte Frau WenkS Stimme. Erleich­tert wandte sie sich rasch um und rannte sporn­streichs davon, froh, aus der Nähe dieses Un­bekannten forizukommen dessen Dreistigkeit sie ebenso erschreck: als empört hatte. Denn sie wußte ganz gut, daß er sie gefußt hatte. Brannte ihr ja der Kuß noch wie Feuer auf den Lippen.

Unter der Haustür stand Frau Wenk. Sie war sehr bleich und eine seltsame Bestürzung lag aus ihren Zügen.

(Fortsetzung folgt)

v. Schack erklärte unter anderem: DaS Lager Niederzwehren sei ihm an September 1914 unterstellt worden und habe bis zum 21. Januar 1915 unter seinem Kommando ge­standen. Die Epidemie sei erst im Februar eingetreten, als Ende Januar 3000 stark ver­lauste russische Gefangene aus dem Lager Langensalza eingettoffen seien. In Langen­salza war die Epidemie schon früher auSge- brochen als in Niederzwehren. Weiter erklärte v. Schack: DaS Anbinden der Gefangenen statt Bestrafung mit Arrest sei in den ersten Wochen notwendig gewesen, well Arrestzellen nicht zur Verfügung gestanden hätten.

Leipzig, 8. Juli. (WTD.) Heute nach­mittag gegen/<4 Uhr verlieh d ie fran­zösische Delegation den Sitzungssaal des Reichsgerichts. Sie wird noch heute Leipzig verlassen. Auch die französischen Zeu­gen im Prozeß Schack-Kruska reisen in kürzester Frist ab.

Leipzig, 8. Juli. (WTB.) Im Pro- zeh Schack-Kruska teilte der Präsident Dr. Schmidt gegen 4 Uhr nachmittags mit, daß sämlliche französischen Zeugen, auch die noch nicht vernommenen, unter der Führung der französischen Delegation das Gerichts­gebäude verlassen hätten, so daß heute, da die deutschen Zeugen erst für morgen geladen seien, die Verhandlung nicht fortgeführt wer­den könne. Die Verhandlung wurde auf mor­gen vormittag 9 Uhr vertagt.

Sie dachte noch ein wenig über ihr Gefpräch mit Frau Wenk nach und erinnerte sich wieder lebhaft an den Besuch, den Graf Rainer mit fcmci Frau Karola vor zwei Zähren abgestattet hatte. Beide waren ihr als unheimlich fubi und hochmütig in Erinnerung. Besonders die Gräfin, die sie durch ihr goldene- Lorgnon gemustert aber kein einziges freundliches Wort zu ihr ge­sprochen hatte, so daß fie, sobald es anging, vor den unheimlichen Verwandten in den Part geflüchtet war . . .

Unter d'elen Gedanken und den Einwirkun­gen der heißen Zunisonne war Do plötzlich ohne es zu wollen, tief und fest eingeschlasen.

2. Kapitel.

Lange störte nichts ihren Schlaf. Plötzlich adcc tauchte auf der Landstraße ein Reiter auf, dessen Rotz hinkte und sich nur mehr mühsam durch den dicken Staub vorwärts arbeitete.

Fast gerade unter der Mauerbresche stand ein wilder Birnbaum, bet die anderen zausigen Obstbäumchen überragte und in dessen Schatten ein dünnes Brünnlein aus einer Holzrinne rie­selte. Aufatmend hielt der Reiter an, stieg ab unb band sein Roß an den Birnbaum, nachdem er mit einem Blick die Entfernung bis zum (}agb- schloß am Ende des Weges gemessen und offenbar gefunden hatte, daß fein Pferd den halbstündigen

Rheinzölle behindert werden! Diese Sanktio­nen am Rhein sind nach der Annahme des Ulti­matums, nach den Beweisen besten Willens die größte europäische Torheit, die man sich denken farm. (Sehr richtig.) Ich bin überzeugt, daß in wenigen Wochen entgegen dem Widerstand törichter Chauvinisten diese Wunde am Rhein sich schließen muß. Die schmerzlichste Wunde am deut­schen Dollskörper ist Oberschlesien. Unser Anspruch gründet sich auf unser gutes Recht und auf die Geschichte, auf eine siebenhundertjährige Geschichte, auf die Kultur und die einstige toirt- schaftliche Blüte dieses Landes, das nur deshalb emporgekommen ist und das nur deshalb wirt­schaftlich zur Blüte kam, weil es mit dem ganzen Deutschen Reich und mit der Wohlfahrt des ganzen deutschen Vaterlandes vorwärts geschrllten ist. Vor der ganzen Welt muß es ausgesprochen werden, was für ein himmelschreiendes Un recht eS ist. daß, nachdem seit drei 'Zähren die Geschütze endlich verstummt sind, drei Zahre, nachdem das Schlachtgetümmel verhallt ist, in dem armen unglücklichen Oberschlesien ein Bürger­krieg das Land durchzog und Ruine auf Ruine häufte. Wir haben Anlaß namens des Rechts und der Gerechtigkeit zu verlangen, daß die o b e r- schles ischen Verbrecher nicht mhr in die Lage kommen, unser armes deutsches Volk, untere Stammesbrüder zu knechten und niederzuschla­gen tote tolle Hunde. Ich kann mir denken, daß die feindlichen Staaten siegestrunken sind, wenn sie an den Rhein gehen, um neue friedliche Städte zu besetzen. Das kann ich mir vorstellen. Aber eins kann ich mir nicht Vörstetten, daß irgendein Volt 'der Erde es mit seiner Ehre verernbaren

Das französische Budgetfür!S22.

Parts, 8. Zuli. (WTB.) Der. Finanz- Minister Doumer hat heute nachmittag In der Kammer das Budget für 1922 ein- gebracht. Die außerordentlichen Ausgaben sind darin zum ersten Male seit dem Kriege unter­drückt und es bleiben neben dem ordentlichen Budget nur noch die Ausgaben für den Wieder­aufbau, die gedeckt werden sollen entweder durch kommunale Anleihen oder durch Vorschüsse des Credit Nationale oder schließlich durch den Ver­kauf von Obligationen in neutralen Ländern. Das Budget von 1922 schließt mit den Ausgaben von 25 496 000 000 Franken, an Einnahmen weist der Entwurf 25 514 000 000 Franken, also einen Hebei-schuß von 18 000 000 000 Fr. auf. Gegen 1921 ist eine Ersparnis von 1 300 000 000 Fr. tnt Budget vorgesehen. Da jedoch zum ersten Male iu dem Entwurf auch die Ausgaben für Clsaß-Lothringen enthalten sind, so beträgt die Ersparnis in Wirklichkeit 145 Millionen. Weiter ist noch zu berücksichtigen, daß die im Budget vor­gesehene ZinS- und Amortisationszahlung für die öffentliche Schuld höher als Im vorigen Zahre ist- Die Gesamtersvarnis beträgt unter diesen Umfiänben in Wirklichkeit rund 21/» Milliarden Franken. Die Einnahmen sotten bestritten werden 1. aus direkten und indiretten Steuern in Höhe von 19 420 000 Franken. Zur Deckung des Restes von 6 Milliarden rechnet der Finanzminister 1. auf etwa 3 Milliarden aus dem Verkauf von Kriegs­vorräten der Verbündeten Armeen und den Ein­nahmen aus den Kriegsgewinnabgaben sowie 2. auf nochmals 3 Milttarden aus neu zu er­lassenden Steuern.

Die Leipziger Prozesse.

Leipzig, 8.Juli. (WTD.) Heute be­gann vor dem Reichsgericht der auf mehrere Tage berechnete Kriegsprozeß gegen Generalleutnant a. D. Hans v. Schack und den Generalmajor Bruno Kruska. Es sind zehn deutsche und zehn französische Zeu­gen erschienen. Den Anqeschuldigten wird in der französischen AuSlieferungSliste vorge­worfen, in dem Gefangenenlager Nieder­zwehren bei Kassel eine ThphuSepidemie absichtlich fahrlässig herbeigeführt zu haben. Die Angeschuldigten sollen dadurch, sowie durch Mißhandlungen und Gewalttätigkeiten den Tod von etwa 30 00 französischen Gefangenen verschuldet haben. Der Präsident bemerkte, daß eine förmliche An­klage durch den Oberreichsanwalt nicht er­hoben worden sei, well die Beweiserhebungen keine genügenden Anhaltspunkte ergaben. Das Verfahren sei nur eingelellet worden wegen der Anschuldigungen auf der Auslieferungs­liste.

Aber das Gewand, das ihren schlanken Leib umschloß, war nicht das einer vornehmen Dame. Es war aus billigem rosa Waschstosf und sicher von keiner erstklassigen Schneiderin gemacht, wie ihm sein kundige- 2hige t>erriet

Seltsam, daß ihn Freund ©etomger, bei dem er so oft zu Gast gewesen, nie auf dielen roman­tischen Besitz, der so recht für Maleraugen ge­schaffen war, aufmerksam gemacht Halle . . .

Rechts an der Dos Kopf gegenüberliegenden Bruchfläche der Mauer tarn nun wieder die kleine grüne Eidechse zum Vorschein, die sich "bet seinem blähen rasch geflüchtet Halle, und starrte neugierig auf ihn herab.

Ihr zierliches Köpfchen, das sich so graziös aus /Vern verwitterten Gestein vvrstteckte, zog seine Blicke an, und mit ein paar Strichen setzte er sie noch mit auf die Skizze.

Gottlob Dornröschen war nicht erwacht!

Sr schloß das Skizzenbuch und schob es be­hutsam in die Tasche. Eigentlich hätte er nun gehen können . . .

Aber er konnte sich nicht losreißen von dem lieblichen Anblick dieses schlafenden Mädchens, dessen reine, unschuldige Schönheit ihn wunder­lich bannte.

Unö plötzlich, ohne daß er recht überlegte, was er tat, beugte et sich nieder und küßte sie aus den Mund.

Dv machte eine erschreckte Bewegung, schlug die Augen auf und fuhr im nächsten Augenblick entsetzt in die Höhe.

Sekundenlang standen sie einander in wort­loser Verwirrung gegenüber, er diesseits, sie jen- seitS der Mauerbresche. Eigentlich wollte Do wie

xismus zurückzukehren. Wenn Deutschland seine Pangermanisten habe, so habe Frankreich seine Nationalisten, die nicht weniger abscheulich seien. Longuet stellte dann Revenlloto und Daudet, Wilhelm li. und Pvincare gegenüber und wies die Schuld an dem Kriege nicht dem deutschen oder ftanzösischen Volle, sondern den imperia­listischen Regierungen beider Lander zu. Er wandte sich gegen die unsinnigen Forderungen der französischen Chauvinisten und geißeüe es daß Sur Zeit 12 Milliarden Mark für die Besetzung de- linken Rheinufers ausgegeben würden, lln- summen, die nutzbringender und menschheitför­dernder verwendet werden könnten. Die Bestra­fung der Schuldigen sei für beide Seiten zu for­dern. Das Wort von Karl Marx: Proletarier aller Länder vereinigt Euch" aber müßte zum Heile ber Menschheit endlich verwirklicht und in die Tat umgesetzt werden. Grimm- Schweiz ging von den unheilvollen Einwirkungen des Welt­krieges auf fein lleines Land aus, forderte eine a-fchloffene iri-fTationale Kampffront gegen dr? bestehende Gesellschaft unb zog die Grenzen gegen rechts unb lulls, indem er die Bereitwillig leit ber Reformisten, mit der Dourgoisie ein Bündnis abzuschtteßen, ebenso sehr ablehnte, wie die un- Sangbaren Wege ber Kommunisten. 3m selben leist hielten sich die Ausführungen Friedrich Adlers-Oesterreich, ber gegenüber ber Brüsseler unb Moskauer Internationale hervorhvb. daß es darauf ankomme, das gesamte Proletariat zu einigen

Daß da- Baugewerbe bei dem Darnieder» liegen ber gesamten Bautätigkeit schwer not- leidet, kann nicht bezweifelt werden. Diese Rot- läge wird nicht eher behoben, bis durch Ein­führung der freien Wirtschaft ber private Unter- nehmungsgeist sich wieder frei entfalten kann. Aus dem Boden des freien Wettbewerbs wirb allein eine Gefundung der Berhältnisse im Wohnung«, wefen herbeigeführt werden können. Nun wollen die sogenannten .sozialen Bauhütten" die Bau- tätigtet fördern, indem sie angeblich durch Aus­schaltung des Privatunternehmer- den Unter- nehmergcwinn und damit ein wesentliche« Mo­ment der Verteuerung der Bauten ausschalten. Die Bauhütten waren zunächst einfache Arbeiter­gruppen, die gewöhnliche Abbruch- und Auf- raumungsarbeiten auf gemeinsame Rechnung auS- fuhrten. zu denen man weder Betriebsdrpftal noq) Detricbseinrichtungen, sondern lediglich eux- La c Handwerkszeug benötigt Neuerdings erst haben sich die Bauhütten in Gesellschaftsformen oes Handelsgesetzbuches, insbesondere in Gesell- schäften mit beschränkter Haftung umgewandelt, die auch umfangreichere Arbeiten und Neu- bauten auSsühren. Damit werden aber diese Ver­einigungen selbst zu kapitalistischen Untemeh- mungen. Von anderen Unternehmungen dieser Art unterscheiden sie sich dadurch, daß die Ar- beiter selbst gleichzellig Inhaber der -Unterneh­mung. also Unternehmer sind, alS solche die leitenden Beamten einstellen unb ba« Risiko füi die Unternehmung tragen. Bei den sozialen Bau- Hütten fließt der Gewinn in die Taschen der einzelnen beteiligten Arbeiter. Ob darin für die Allgemeinheit ein Nutzen liegt darf billig be- zweifelt werden, denn eine Vielheit von Teil- nehmem hat gewiß kein geringeres Interesse zu verdienen als ein einzelner Unternehmer.

ilnfere erste Forderung geht dahin- daß den -Bauhütten" nicht die Eigenschaft gemeinnütziger Veranstaltungen zueriannt wird. Ihre Bezeich­nung als .soziale" Bauhütten ist irreführend und entbehrt jeder Berechtigung. Demzuftlge ver­langen wir, daß keinerlei öffentliche ©euer für die Bauhütten, weder als Zuweisungen noch als Darlehen, auf gewandt werden. Des toeitcren ver­langen die Handelskammern, daß die Behörden die Bauhütten nicht bei Vergebungen irgendwie bevorzugen. Sie von den Vergebungen auszu- schallen, halten sie nicht für richtig. Die Bau­hütten mögen zeigen, ob sie leistungsfähiger sind und ob ihre Annahme, daß der einzelne Privat­unternehmer das Bauen durch seinen Gewinn verteuert richtig ist.

Endlich ist der Besteuerung der Bau­hütten und ihrer Belastung mit den Auslagen für soziale Zwecke eingehende Aufmerksamkeit zu- zuwenben.

Werden diese Voraussetzungen, die jeder billig unb gerecht Denkende gutheißen wird, er­füllt, so kann da- Baugewerbe u. E der weiteren Entwicklung ber Bauhütten mit Ruhe entgegen- sehen.

kann, ein armeS Volk so schutzlos diesen Ber- brecherbanden ausgeliefert zu sehen. (Leb­hafte Bravorufe unb Händeklatschen.) Un­tere Botschafter In Rom, Paris unb London, alle unsere Vertreter auf dem Erdenrund- sind seit Monaten tätig, um den Gedanken des Rechts für Oberschlesien vor der ganzen Welt aufzu­richten. (Beifall.) Dur eins müsfen Sie nicht mehr denken: wir können bad Schicksal Oberschle­siens im Herzen Europas nicht mit ber Waffe in .der Hand entscheiden. (Zustimmung.) Vor einigen Tagen, als noch der Aufruhr tobte und dabei in Deutschland manche Faust sich krampf­haft ballte, habe ich in einem Gefpräch mit dem ftanzösischen Botschafter in Berlin auf die große Gefahr hingewiesen und ich habe aus jenem Munde gehört, daß die Haltung Frankreichs bei einem Angriff der Reichswehr nicht mißzuver- stehen sein werde. (Pfuirufe.) Keine Pfuirufe, meine Damen und Herren. Mll Pfuirufen lösen Sie die Probleme der Politik nicht. (Sehr rich­tig.) Sondern, meine Damen unb Herren, diese großen Fragen europäischer Politik sie werden nicht gelöst, indem wir sagen, ihr in Berlin tut eure Pflicht nicht! Olein, wir müssen die großen Linien unserer Politik einhalten. Diese Linien waren allerdings in ber Vergangenheit, wo wir eine Macht barftellten, unbekannt im Reiche der Politik. Zeht ist es der Gedanke des Willens Zur Gerechtigkeit, des Willens zur Freiheit, des Willens zum großen Gedanken der demokratischen Selbstbestimmung Europas, der unferm Volk noch die Freiheit retten kann. Solange in Schlesien im kommenden Zahrhundert ber Gedanke der Freiheit noch einen Klang hat, unb er wirb ihn immer haben, werden die Alliierten niemals das Recht der Abstimmung, das überwältigend für Deutschland ausfiel, aus ber Welt schaffen können. (Lebhafter Beifall.) Diemal- wird irgendein Volk der Well über diese- Plebiszit zur Tagesordnung übergehen können. Glück auf, ihr Oberschlesier! Verzweifelt nickt. Das deutsche Vaterland hofft auf euch unb reicht euch die Hande, die Hände ber Dankbarkeit unb unver­brüchlicher Treue.

um 943 Köpfe, gegenüber dem Stande vom 1. April 1920 eine Abnahme um 5937 Köpfe auftoeift Der den Vorsitz führende Verireter des Reichsministeriums für Ernährung unb Land­wirtschaft erklärte, baß in der Zeit vom 1. Zuni bis 1. Oktober sich noch weiterhin ein sehr be­deutender Abbau vollziehen werde, da nunmehr sämtliche Ernährungsgesellschaften mit Au-nahme ber ber Betreibe- unb Zuckerbewirtschaftung bie- nenben Organisationen von ihren Aufgaben be­freit seien. Auch bei der Reichsgetreidestelle werde infolge foer Hmftellung ber (Setreibetoirt- schaft bemnädjft eine sehr bebeutenbe Vermin- berung bes Personals eintreten. Be­mängelt würbe die bei mehreren Gesellschaften vorhandene, noch unverhältnismäßig hohe An­zahl des gewerblichen Personals. Im Einver­nehmen mit dem Reichsernährungsministerium wurde beschlossen, die Zurückführung ber Zahl des gewerblichen Personals auf den unbedingt nötigen Stand unverzüglich herbeizuführen. Fer­ner wurde auf Vorschlag des Treuhänder-Aus­schusses die aus Direktor Bastlein als Treu­händer und je einem Mitgliede des Reichstage-, des Reichsrats und des Reichsministeriums für Ernährung unb Lanbwirtschaft bestehenbe Un­ter f o m m i f f i o n eingesetzt, bie das von den Treuhändern zusammengesiellte umfangreiche Ma­terial über den Reichsausschuß für Oele unb Fette im einzelnen durcharbeitrir soll. Wellerhin erstattete ber Treuhänderausschuß u. a. Bericht über bas Ergebnis ber von ihm geleiteten Re­vision ber Preisau-gleichsftellen für Stickstoff- büngungdmittel, Tomasphosphatmehl unb Knochenmehl. Die Revision war auf Grund ber genügsam in ber Öffentlichkeit erörterten An­griffe Dr. Lavalles gegen den Reichsminister Dr. Hermes durch Revisoren burchgesührt, bie ber Treuhänber persönlich auswählle. Der Treuhän­der stellte fest, baß bie Geschäfts- und Kassen­führung der Preisausgleichsstellen völlig ein­wandfrei sei.

Soziale Bauhütten.

Der Hessische Handelstammertag hat sich auf seiner letzten Tagung auf Antrag der Handelskammer Friedberg mit der Vergebung von Aufttägen an sogenannte »soziale Dau- Hütten" beschäftigt. Der Vorort hat auf Grund einstimmigen Beschlusses unter dem 14. v. MtS. eine Eingabe an den Hesfi! chen ßanb- tag gerichtet, in der eS heißt:

Unter Bezugnahme auf bie von verschiebenen Berbänben des Baugewerbes an den Landtag gerichtete Eingabe, betreffend den Wettbewerb der sogenannten sozialen Bauhütten, beehren wir unS, nachfolgend die Stellung der hessischen Handelskammern zu ber vorliegenden Frage bar­zulegen.

Eine internationale Sozialisten- tagung in Frankfurt.

Frankfurt a. M., 8. Zuli. (WTB.) An­läßlich ber Frankfurter Tagung der Inter­nationalen Arbeitsgemeinschaft so­zialistischer Parteien fand heute nach­mittag im großen Saale des Hippodrom einIn­ternationales Meeting" statt, zu dem die Partei­leitung der U.S.P. gelaßen hatte. Nach den Be- grüßungsworien Dißmanns ((Stuttgart) sprach für Deutschland ber Reichstagsabgeordnete Lede- bour (Berlin), ber eine Einigung bes so­zialistischen revolutionären Proletariats als ge­meinsamen Kamps gegen kapitalistische Ausbeu­tung unb gegen bie kapitalistischen Regierungen verlangte. Longuet (Frankreich) gedachte in französischer Sprache, mit warmer Anerkennung der ."Opfer, die für ihre revolutionäre Heber- Beugung in Deutschland gefallen seien, eine« Gareis unb Eisner, unb führte aus, wie auch in Frankreich ber beste Proletarier, Iaurös, zu Beginn bes Krieges fein Leben lassen mußte. Es gelte, zum revolutionären Mar-

Aus dem Reiche.

Der Abb cm der Kriegsorgcmifarionen.

Berlin, 8. Zull. (Wolff.) Der Unteraus­schuß für bie Ernährungsgefellfchaften (Ausschuß zur Prüfung ber Kriegsorganisationen) hielt eine seiner in ber Regel allmonatlich statt- finbenben Sitzungen ab, in welcher, wie gewöhn­lich. bie Frage be« Abbaue« ber bem ReichS- minifterium für Ernährung unb Landwirtschaft unterstellten Kriegsorganisationen ein­gehend durchgesprochen wurde. Es konnte fest­gestellt werben, baß ber Personalbestand der Kriegsorganisationen vom 31. Mai gegenüber bem Stand vom 31. Dezember 1920 eine Abnahme