Ur. M Zweites Blatt Siehener Anzeiger (Gencral-Anzeiger für Gberheffen)Montag, y. Mai |921
Line stürmische Sitzung der preutzischrn Lanvesoersammlung.
18. Sitzung Ssmstag, 7. Mai, unttag- 1 Uhr
Präsident Seiner t eröffnet die Sitzung, die urftxtiniflltth um 1 Uhr beginnen sollte, erst um ll/4 Uhr und erteilt »unädr't das Wort OJt der Xüfle4urb:untfl beut
Minister des Innern Tornrntcus: Ick, habe qeftern bent »oben frouie mitgeteili, bar» nach beit mir Angegangenen Nachrichten ein fron- || f tj cb e r Offizier in öemdnfdxrit mit eint gen Polen gegangen genommen roodxn in, weil rt dabei erunirfjt wurde, als er bet Neisse dic Cdenbabniiberfülnnng über die froycnpietz fprtnqen mödtL Mir ging foebcn eine telcqraplnsche Mel oung aus Sree-lau ju, die ich Ihnen bekannt geben Möchte. Tie Wtang des Regienmgspräsidentrn (outet:
Tie ‘mir heute persönlich übermittele Meltnina der Eisenbahnbirektion Breslau von der Verhaftung »rocier französischer Df filiere wegen eines Smengwriud vö der 6o6cnpU)t^®riidr wird t»n Eisenbahnseite widerrufen. OhDbvr Stan aus der äufieqtat Sin* feit Sbomiramiften und Unabhängige febneten laut auf den Minister ein. Bon der istechten ertönen <ftufe: Ruhe, R^he? Präsident Seinert schwingt die iKfaxfe. Ter Särm bauen fort. Der kommunistische Abgeordnete Schultz ruft: Ihr.Zuhälter der Lüge!)
Präsident Seiner t: Ich habe eben einen Mbnut gehört, der fv tief sielst, daß ich sagen neifc, eS geschieht diesem Ausdruck tutnd Ehre, wenn ich ihn mit einem Ordnungsruf bdege. Großer Ltan auf der äußersten Linien.) Ich bitte Sie um eines, seien Sie doch in Ihren Ausdrücken so, wie es unter gebildeten Menschen üblich ist «Großer Särm bei tat Kommunisten) DaS Wort hat der Minister Kes Innern.
Minister Dvmi nicus: Die Meldung des Regierungspräsidenten fährt fort: Der verhaftete IronAvse ist fmgriaffen morben. Es ist für mich in sribstvcriständlicksts Gebot der Sonalität, den Irrtum alSlmld hier vor aller Oeffentlichknt richtig ai stellen. «Große Unruhe auf der äußersten Linken.) Die Meldung beruhte auf der amtlichen Mit* trfhmg des Regierungspräsidenten. (Großer Särm tuf oer äußersten Sinken und Ruse: Dann ist es amtlich gebogen.) Erlauben Sie, ich konnte doch nicht tonaler handeln, als eine Meldung, die sich bedauerlicherweise als Irrtum erwiesen hat, hier richtig pu stellen. (Großer Särm auf bet äußersten Linken: in bent Särm gehen die Worte des Ministers unter. Glocke des Präsidenten. Präsident Seiner!: Ich bitte um Ruhe: Sie können ia gar nicht hören, was der Herr Minister sagt. Zurufe von der äußersten Linken: Wir wollens auch nicht!)
Daß die erste Mckftmng absichtlich unrichtig gewesen ist, muß ich auf das äußerste verneinen Lär menber .Widerspruch auf bet äußersten Linken.) lie Lage in Oberschlesien ist heute leibet ebenso bedauerlich ernst wie gestern. Tic Meldungen zur Avv haben erfradirfrrmrre einen solchen Umfang angenommen, daß die fröchsttzahl her von der Entente ^gelassenen Freiwilligen bereits Überschritten worden ist (Lebhafter Beifall.) Einen besonderen Gegenstand der Beunruhigung bildet jetzt für dic Ltaatsregiermig die aus vbersch'eischm Städten zu uns dringende Nachri«ht über beginnende Lebensmittel not. Es besieht dort die Gefahr, daß alsbald eine sehr starke Lebensmittelknappheit eintritt mit der weiteren Gefahr von Unruhen und Plünderungen. Aus diesem Grunde hat sich die StaatSrcgienmg heute älS' ilb Mit dem Reichs- minlster für Ernährung unb Landwirtschaft in Verbindung gesetzt und mit ihm vereinbart, daß er unter Fühlungnahme mit der interalliierten Kommission dafür Sorge trägt, die notwendigen Lebensmitteltronsporte alsbald nach Oberschlesien hin-ul eiten.
Aba. Dr. Mever (K.) beantragt sofortige Vesprechung. Abg. Meier (U.) schließt sich dem an. Nach kurzer Gesckräftsordnungsdä'atte ent* spricht der Präsident diesem Wunsche.
?Lba. Scholick (S.) bittet, die Schuldfrage sofort natsuflrllen. Bedauerlich sei aber, daß sich im frausc Leute fänden, die sribst in dieser Zeit ihren Parteistandpunkt nicht ausgeben könnten. Die Oberschlesier füfHtcn deutsch: sie verständen es nicht, daß Leute sie verraten und verkauften, dic nie dort gewesen seien und von Oberschlesien nichts toüßtcn.
Ein Antrag der So&irfbenu)traten auf Schluß der Besprechung wird geyn die äußerste Linke angenommen. (Saute Pvotestrufe au) der äußersten Linken, Zurufe: nationale Schieber! Es herrscht minutenlang ein solcher Särm, daß sich der Präsident kaum verständlich mache?! kann. Schlußruje der Linken führen zu neuen Äuseinan- dersetzungen. ES entsteht ein wüster Skandal, aus dem immer nur die Worte: Schieber! Schluß! l'frxniStdnen. Aus der Tribüne steht ein Abqovrdneter, brr sich vergeblich bemüht, sich verständlich zu machen. Dic Glocke des Präsidenten vermag feine Ruhe zu schaffen Die 2lb- ««ordneten drängen sich wild gestikulierend unb schreiend um die R^mrtribüne. Präsident Seiner t vertagt die Sitzung, während die erregte,«
Szenen im Saal fortibauern. Tie Linke fdxrrtt Oberschilefiar! Wrr wollen auch neben! Die So yalbemonatcn rufen. Auf nach Da ll do rs!
Schluß 2,10 Uhr.
Bei der Wiederaufnahme der Sitzung um 2,20 Uhr erhält umädifi der Abg. Dr Mever (st.) das Won zur Geschäftsordnung. Er verlangt nochmals Besprechung der oberfditriifchcn Frage. Ms er auf die Sivotransportr emgeben will, erklärt PräsideM Seinert, er dürfe am bte Sache selbst nicht eingehen. Als Präsident Leinert in dic Tagesordnung eintritt, erbebt s i ch der Skandal auf der Linken von neuem. Rufe: Oberschlesien! Schlußrusc ertönen wieder, mit Büchern wird auf die Putte geschlagen. Der Prosit bent bemüht sich vergebens, 9tubc^u schaffen. Seine Worte verballen ungestört, übertönt von dem hei seren Eier üble i i en-Gef chr er Dazwischen rmen ine bürgerlichen Mgavrdneten: Ihr Affen! Die Kommunisten schreien zum Präsidenten hinauf: Herunter mit dem Oberschieber! Der ganze Saal bildet eine aufgeregte gestikulierende Masse. Der Abg. Scholem (£.* schvrit: Wir wollen wissen, was mit der Sipo IvS ist! Die Rechte antwortet: Bubiseistill! Das Geschrei nimmt immer größere Dimensionen an.
Um 2,50 Uhr vertagt Präsident Leinert die Sitzung -um zweiten Male um eine Stunde.
Bei Wiedereröffnung der Sitzung um t Uhr schlägt Präsident Seiner t vor, sich -u vertagen.
Nächste Sitzung Montag 1 Uhr mit der heutigen Tagesordnung und einer Interpellation über die fbnrntunxrfen und provinzial en, Abgaben.
Abg. Schultz (K.) beantragt, außerdem die Vorgänge in Oberschlesien auf die Tagesordnung -u setzen. Er wünscht aber, daß keinerlei mit Lügen durchsetzte Nachrichten erstattet werden. Ws bet Redner den Minister in der schärfsten Welle angreift, wird er zur Ordnung gerufen, ebenso als er erklärt, er hoffe, daß die Minister am Montag nicht zweimal in so feiger Weise auswichen, wie es heute der Fall gewesen ist. Der Antrag Schulze wird aber gegen die Stimmen der Unab" hängigen und Kommunisten abge.'efjnt.
Ein Antrag Katz (£.), den mündlichen Aus- schußbericht über bte Aufhebung der Ausnahmebestimmungen auf dic Tagesordnung M setzen, wirb ebenfalls abgelehnt.
S lluß 4»/- Uhr.
Um Stadt «nd Land.
Gießen, den 9. Mar 1931.
Zweites VolkSlonzert der Gustav Bock-Stiftung.
Am Mittwoch ben 11. Mai, abends 81/\ Uhr, findet ein Kammermusikabend als 2. Konzert der (vushrv-BocksStiftung statt, für welches ein leicht verständliches durchaus llassisches Programm ge» wähll wurde. fr a i) b n Op. 74 Nr. 1 in E--Dur, Mozart Köchel-Berz. Nr. 469 in B--Dur und Beethoven Op. 18 Nr.2 in G-Dur Für die Ausführung ist das Mebmel-Quartett aus Darmstadt gcrootmat, das sich schon seit Jahren eifrig für bte .Kammermusik einsetzt
Ein Quartett ist eine Komposition für vier Instrumente ober vier Singstimmen. Da der vierstimmige Satz sich bereits seit dem 15. Jahrhundert als derjenige herausgestrilt hat, der Einfachheit der Faktur mit harmonischer Bollstimmig- keit bestens vereinigt, so ist das Quartett auf vokalem wie instrumentalem Gebiet di' bevorzugte Kunstform geworden. Die Mehr-ahl der Meisterwerke des 16. Jahrhunderts sind vierstimmig geschrieben, auch zumeist die Tanzstücke vierstimmig gesetzt. Aber alle die alten Quartette, Sonaten und Sinfonien a auattro entsprechen nicht dem Charakter unserer Kammermusik. Noch Boche- r i n i s Quartette sind eigenllich vierstimmige ©infamen, d. h. orchestral erfunden. Allmählich vollendet sich der Prozeß der Scheidung von Sinfonien unb Quartetten bei Josef frahdn, der mit seinen späteren Quartetten zum Vater des Streichauartetts wurde. Er, der eine ge» wattige Arbeitskraft war, hat allein 77 Streich- quartette geschrieben. In ferner Musik pulsiert die ganze Wiener Fröhlichkeit, von der naiven Innigkeit bis zur tollen Ausgelassenheit. Aber auch wo er ernste unb leidenschaftliche Töne anschlägt, überragt er seine Zeitgenossen gar gewaltig, und durch seine formell freieren, in ihrem Gesichtskreis stimmungsreichen. oft überraschend tieffimrigen Werke leitet er direkt zu Beethoven über.
Der zweite große Vorgänger Beethovens ist Mozart, brr durch frandnS li bmswürdiqe Früh- guartette zu seinen sechs Meisterguartetten angeregt würbe. (Im ganzen schrieb er 26 Streich Quartette.) Auch er beherrschte mit Meisterschaft die Mittel des musikalischen Ausdrucks und die musikalischen Formen. Seine Individualität ist Anmut unb Innigkeit: sein Humor ist minder ertroDagant als der Haydns unb der grollende Ernst Beethovens ist ihm ganz fremd.
Das B-Dur--Quartett wird meist als ,^agt Quartett" bezeichnet, vermutlich wegen der im ersten und letzten Satz an Jagdhornru'e erinnernden Motive.
abgeklärt durch die Schönheit der Form. Seine Quartettmusik kann man in drei Gruppen ein»
Kigt sich das überlegene Riesrngenie Beetlovens. In seiner Musik redet das rein Menschliche, Freud
L' unb nutzbar zu machen, (y- ist beabsichtigt, 11 Wegscheide im Laufe der Zeit durch Zusauv menschluß bei interessierten Gemeinden und und Seid mit der Sprache 6er Scibätfdxift zu uns ’ u bc r e r b o l u n fl Ä*
Die allmächtig in den Vordergrund ttetenbe Sub- ltzktm der Provinz.fr effen-Nafsau iektivitäl, das charakteristische Agens un’erer teil, I auszugestalten.
ist in Beethoven verkörvert, aber zum >llQisizismu.-1
In Beethoven vevehuen wir den größten, Eigentum erworben hat. Bereits im Jahre Meuter der modernen 5nftnnncntaLnurif Jn be. ' 1920 hatte die frankfurter ft.ndcrdilfc 500 Ginromt, 6rr jrtammonaic hat man tivar dn. Binder dort umcrqebradjl unb zwar 18 genxiln.toiSebcrnfahnMr bti Sinfiro uldit mehr | Kolks,chuINalik" "into TU
»u erreichen gemußt, man in aber äußerlich uhri Lj-.-.u , .. TUNy c
ibn binauögeidmtten, bat Pfade verfolgt, die ^'^rungen, die babm gemacht wurden, wa, Beethovens imwcndlcr Geist nur noch anbcurcnP™ "Q® oen uberetnRiinnteitben Gutachten konnte, aber einzig und unübertroffen fttlxt der DCT ^krzte unb brr Eltern so günstig, baß sie Meister da in seinen „Strridxiuartettm-. Dic »u cmer Fortictzung des UnternehmeitS fühl immer gleichen, äußerlich deichränltrn, bargen öer len. Frankfurt beabsichtigt nun, bte äußerst geistigen »kvmbmatw-n eine unenhluhe Welt er vorteilhaften BerhäUnisse tn B^eg'chetbe für lörfnenbcn Mittri, sie sind in den vier Instrumemet bte Aufgaben der tfinbcrfürfor« auch für btt betÄrei.?qil^Tt^ QCflchen. und hier, wo cs gtU, Zukunft zu gewinnen, i.ch bauernd zu sichern inbu>i£mcUe~ ttratt gegen MraU zu n.Uen, nn> ---- —
äußerliche Steigerung nichts, mehr entidinbct "
teilen: dic erste Gruppe umfaßt Op. 18 Nr. 1—5 In diesen Werken zeigt Beethoven noch eine An lebmmg in der Form an fcahbtt. Als Ucbergano folgt ixte* Quartett Nr. 6, dann kommt, nach längerei Pause, Gruppe 2, de sog. Rasumpiv-t-kv- Quartettc Op. 59, jene Suartettfinfamen, wie sie
mit Recht bezeichnet werden, in welchen Beetlwven, bei aller Wahrung der 2-onatmform, allen Instrumenten eine Selbständigbeil zmvrist, mie sie bisher nirgends vorhalwen mai G- folgt ein zweiter llcbergang Op. 76 und 95 zu dem Größ^ ten, was der Meister geschaffen, zu iener- 3. Gruppe von Quartetten, ab Op. 127. Ter vaubtunterfcbich der letzten Beethooerrscheu 5treid)quartcttc von ihren Borgängern, liegt tn dem ganz inbifibudlm, persönlich sutßektiveu, von der Außenwelt ganz abgelösten Charakter der .Drinposition, die, unbekümmert um formale Verständlichkeit, nur bet Inspirationen des Meisters zürn 2lusdrtick dient.
Das am Mittwoch zum Vortrag kommende Quartett Op. 18 Nr. 2 stammt aus Gruppe 1. Es hat bei den Musikern den Beinamei des „Avm plimcntier-QuartettS" emrorbm, wegen de> SdouöI thentas im ersten Satz, bei dem man unwillkürlich an einen feierlichen Empfang in der Rokokozeit mit seinen zeremonlösen Vorstellungen und Berbeugun gen erinnert wird.
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♦♦ Die Beschleu nigung dc r Schnellzüge im Sommersahrpla n erstreckt such insbesondere auf die Verbindungen von Berlin mit Frankfurt a Main und Stuttgart sowie >bassel, ferner von Leipzig mit Köln unb Kassel. Beschleunigt werden Tages- unb Nachtschnellzüge zwischen Berlin, Leipzig und Frankfurt: nb Ber lrn 8.05 Uhr vorm, ab Leipzig 10.27 Uhr, an Frankfurt 6.50 Uhr; ab Frankfurt 7.10 Uhr, an Leidig 4.32 Uhr, an Berlin 6.48 Uhr; ab Berlin 8.32 Uhr nachrn., ab Leipzig 10.3.3 Uhr nachrn., an Frankfurt 6.43 Uhr vorm., ab Frankfurt 10 Uhr nachrn., an Leipzig 6.18 Uhr, an Berlin c.20 Uhr vorm
♦♦ Schwierig keiten der tech Nischen Ausbildung. Eine praktische Arbeitszeit soll dem Besuch der technischen Lehranstatten durch den Nachwuchs für die mittlere und höhere Ingenieurlaufbahn in der Regel vorarrgel^en. Zur Zeit ist es aber schwierig, die Praktikanten unterzubringen. Den mittleren und höheren Schulen Deutsch lands ist deshalb von den Schulbehörden eine Mitteilung des deutschen Ausschusses für technisches Schulwesen übermittelt worden, daß er eine richtige Beratung unb recht zeitige Unterbringung der sbelleitsuchenden jungen Leute erstrebt. Er hat zu diesem Zweck eine weitverzweigte Organisation geschaffen, die unter Mttwuckung von Vertrauens man nern der Bezirksvereine des Vereins deutscher Ingenieure und der technischen Schulen und Hochschulen wirkt. Häufig wenden sich aber die Praktikanten zu spät an den Aus schuß. Die Schulleiter werden deshalb ge beten, die Schüler womöglich schon ein Jahr vor dem Abgang von der Schule auf bic Schwierigkeiten der Berufswahl und der Ausbildung für technische Berufe hinzuweisen Der Ausschuß hat auch ein Merkblatt für Praktikanten herausgegeben.
Hessen Nassau.
Ein Kinderercholungshenn.
X. Bob Orb, 6. Mai. Auf dem Weg scheidekopf (460 Meter Höhe) bes früher für bas 18. Armeekorps eingerichteten, zweitawß ten deutschen Truppenübungsplatzes Weg 'cheide bei Bad Orb sind 27 heizbare, feste Baracken mit je 54 Betten errichtet worden, die die Frankfurter Kinderhilfe zu
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mc Frankfurt a. M, 6. Mai Als einer oer beiden Täter, welche letzten Samstag den Ra u b a n f a l l auf den betagte« Landwirt Lichtenstein in dem benachbarten Ort Bergen unternahmen, mürbe ein HanS Hahn aus Neuwied festgenommen, der aus der hiesigen Irrenanstalt entsprungen war und nneder dorthin gebracht wurde. Bon dem zweiten Tater bai man noch keine Spur.
Schlichtnngsausschutz der Provinz Oberhcssen.
Sitzung neun 3. Mcn 1921
Tie Masseur«- und Massen >eu von ^ad-Nnu- ucim wünschten ihre glrichmäsrge ixrar. frung zu beit im .'Umitzkysnfr (uiduihibienben Ttai a en an Stelle der dauernden Vergebung der Massagen an cinzklm Da rbnai die. von der ^'C. ipnltung nicht Augcfianbeii wurde, ri?icn ftc a \ l'-nuneb» lang des ^kreiSamres Aricbberg zur X «cibaig eines Venvaltlmgsstrei^veriahrenS do 3diuh tungSauSschuß um Vermittlung an . Eini- cping31h*rlxntbümgeii vor dem Schlick tr qsauS- stdutz führten irdoch zu keinem Erg Es nrußte den Parteien überlassen bleiben, ,.über die Irage eines Weckrseis in der verar wtjung der Masseure und Nia-feusen im Kv.iitzkhstftt zu verständtgen: da es sich nicht um et en Streck zwischen . „Arbeitgebern" unb ,,Arbeitnehmern", sondern um Ausübung eines freien Berufes Han delte — auch die im Stift bereis beschäfttglen Masseure stehen nicht im Arbeitiiehmerverhältt«t5 zum Stift —, roar brr Schlichtungsaiissckruß nuht in der Lage, in bet Sache zu entscheiden.
Mit Wirkung vom 1. Mat 1921 soll tn bar Brauereien in Gießen, Marburg, Frr bberg, Butzbach tmd Sich den veicheirateten gelernten Arbeitern 36 Mk., den Ledigen 26 Mk, den verheirateten ungelernten "Arbeitern 30 Mf.. dir Xie- bigeat 20 Mk und ben Arbeitern imin 1b Jahren 10 Mk. als wöchentliche Lobn-ulage aut bic brS- bertgen Wochenlöhne gezagt werden. s?lutieroeni soll bei gänzlichem jfccT teilrori em Bericht bw einzelnen Arbeitnrinners aut ben ihm nach dem Tarifverträge zustehenden DauStrunk (24 Liter wöchentlich zu je 20 Pf.) ihm vvm Arbeitgeber für jedes hiervon nicht getrunkene Liter 1 Mk vergütet werden.
Der Deutfck» Tr^tilnrbeiterverfrmb, Verwaltungsstelle Kassel, hatte in her mit ber Verernr- gung der Arbeitgeberverbände des Lahn-- und Tille gebiete und Oberhessens schwebenden Streitlache über Festsetzimg einer ArbritSvTdirung für bte Textilbetriebe den SchlichtunqSauSschuß angerufen. Tie mit den Parteien erraeleiteten Befpreckmngen der betberfeitigen Vorschläge einer Arbeitsorte mmg führten zur ''Vertagung der Angelogenbeit, da es nötig ist, daß tnc Parteien izmiächst durch überiidxtiidx* Gegenüberstellung ber beftrittenen einzelnen Bestimmungen eine genügende Borberei tung für die sonst zu schnneng sich gestaltende Verhandlung schaffen.
Gerichtsfaal.
Die „Schuhfabrik" in Donhcmfen.
X Hanau, 7. Mai. Wegen vollendeten und versuchten Betrugs hatte sich vor der Strafkammer XXmau der 28jäbr:gc Schuhmacher und Kauf mann <VLimd> Traumüller aus Vonhausen, Kreis Büdingen, zu verantworten, ber nach seiner Entlassung Dom Militär in Donhaufen im Elternhause ne kleine Schuhrnacherwerkstätte eröffnet unb ber selben die Bezeichnung „Mechanische Schuhfabrik" bei gelegt hatte. Unter diesem Namen tot er in den Fach^itunaen Leder in großen Posten an, obwohl er dtefes mcht zur Verfügung batte. Am 16. Nov 1919 hatte er bann seinen Wohnsitz nach Gelnhausen verlegt unb unter dem Namen „Gela Leder versand" ein Geschäft eröffnet. Unter diesem Namen inserierte er in verschiedenen Sebrryitungen unb bot große Leder Vorräte an, zahlbar bei Emp< rang ber Rechnung Firmen unb sonstigen Leder- Interessenten, bte Angebote machten, KI graphiertc ober schrieb er, da ßsofortige Einzahlimg des Geü> betragen erforderlich fei. Kleineren Abnehmern sandte er auch Pakete mit hohen dätchnahmen. Ter
ßerrn Collins Abenteuer.
Roman von Frank Heller.
11. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Tas Geld, das ausgezeichnet imchqeahmt war, Var m den verschiedenen Geschäften, wo es aus- gcgeLcn roirrfK, gar nicÄ beargwöhnt worden, erft in den Kontors der Bank hatte man den Bettug entdeckt. Große Bestürzung herrschte, aber man toffte, daß bte Polizei bat Verbrechern bald auf der Spur sein wurde. Man glaubte, Anhaltspunkte zu haben. Tie Zeitungen bedauerten allgemein das Borgesallene, aber stimmten den Hoffnungen der Geschäftsleute zu, die schuldigen bald hinter Schloß und Riegel zu seben.
frier im Lande, schrieb bte „Mornrng SccIkt", haben solche frercen selten lange einen Markt für ihre Waren gehabt. Und die „Times", das ehr- würdigste der Preßorgane, schloß ihren Artikel über die Sache mit folgenden Worten: „Wrr bedru-- cm ebenso wie unsere 5M(egen_ bie Opfer des Geschehenen: aber gleich;eing müllen nur untere Verwunderung über bie Leickülebigkeit aussprechen, mtt der man sich düpieren ließ. Wemt es einen Laut auf der Welt gibt, der noch wohlbekannter ist als bie englische Sprache, ist es sicherlich der filang des englischen Goldes."
Das venerable Blatt hatte recht, lind doch sprach es, mit Perlaub gesagt, aus dem hohlen
Fasse. Denn der Sfcng des englischen G>de-, den es in so beredten Worten rübnrtt, war,o geschickt nachgeäfft, baß es am nächsten Tage, bem 16., gelang, mcht weniger als vierzehtt taliche Pfund im Bureau der Zeitung fefbft atrzubrrngen
Derselbe Tag brachte noch eine Menge anderer friobsbotkchaften. Weit davon entfernt, noch ihrem ersten Erfolg zu ermüden, schienen bte Bei- trerber im (Gegenteil dadurch zu _neucn Taten an gefeuert zu sem. Im gattzen östlichen Lon don und in der Eity chatte „man" bte Leistungen des Montage, nur in viel 'größerem Maßstäbe, wiederholt. In Tabakttafiken, Bars, Iuwelrer- ge sch ästen und Restaurants war falsches Gold tm Bettage von ungefähr 250 Pftrnd placiert worben, alle von derselben garen Marke wie bte Müwe des Montags Ganz wie da hatten dic Betrüger tn dem Grobe die '?lufmerffamkeit zu vermeiden gewußt, baf bie Betreffri ben immer erst tm San?» tjirtor den Verlust merTzn, den sie erlitten hatten Sein Signalement von Wert konnte gegeben mer«= bat, nur eine Unmasse von Berbachtsnwmcnten war der Polizei mit geteilt worden, ir-b btt Te- tektios arbeiteten im SÄveiße ibres Llngefick-tes
Wenn man am Donnerstag, 17., noch air Besserung zu hoffen gewagt batte, auf rrgenberne Zaghaftigkeit ber ber Derbrecherbande, so enr-e en sich alle derartigen frofftrungen als fehlgeschlagea. Nicht genug damit, daß bie — entfcetfrcn — Placier ungen falscher LOvereigns für den Tja.g ine
Ziffer von fast 300 erreichten unb das Tätigkrits selb der Verbrecher sich fetzt schon von L-outh Äensinqttm bis London E. C. erstreckte, trafen aus ben Gegenden um Ienchurch Street im Osten unb Äenfington 'üblich Dom Fluf'e di ersten Nachrichten über falsche rnibermünzen in allen Werten mm zwei Schilling an ein, unb eine schneider- ff rma in frolborn rapvortierte laut La-^nb bte ersten mischen Iünftriundnoten. Die Zeitungen, die die Sacko? am Anfang mehr en passant behandelt batten, tegmmen tr.e Ohren zu spitzen: die Nervosität des Pudliftrms war im St- t'en legriffen, was man an den vielen „Ern^rirndt" sab, imb die Polizei, Soockanb slcrrd, tn t: man unerschütterliches Vertrauen '^tzte, hatte notb nichts mitzineilen. Qi? operierten Hz Verbrecher'/ Man wußte es mcht. Wie formte es ihnen gelingen. Gewicht, Prägung und ftlang der Münz? so gut nack«uäffen ' ?.2an wußte es nidn. Wo hotten fie ihre Zerttrale. in London, im AuÄarro -t>er tn her Prvvrnz? Man wußte nichts darüber.
Verwirrung und Staunen, jo kann man die Tage, bte folgten, zusammenrassen, ber 1*, 10. und 20. April. Ter 18. war durch den ersten Raubzug der Verbrecher in der Provinz^ markiert : der 19. durch ihre Plü, b?nmgen tn Schottland, der 20., der ein Sonntoq war, brachte eine kurze Ruhevause. Eire Menge Pertaftungen wurden auf dte Anzeigett ber erschrockenen Laden befftzer hm novgeuommLn, etragt wenige davon führten
zur Festnahme alter bekannter ^)ewohnheit^ vertrecher, bie doch vermutlich nicht das Gertngstr mit ber Sache zu tun hatten, und d s Refflltat der übrigen war die Freigabe mit ober auch ohn.- Entschuldmungen. Waren die Schuldigen unter diesen Arrelierten, so mußten fte tm Belize außerordentlicher Schutzmittel iein.
T'.c „Times", ixe sich feit ihrem Mißgeschick vom 16. Ziemlich still verharren hatte, brach« am Montag einen Artikel, betitelt: videant consuies, m dem ba ' chrwürd Blatt mit der Polizei scharf ins (ffericht ging. „Wte lange," Fragte bte Zeitung, „wird bte Sicherheit ber Geschäftsleute einer i'anöe Verbrecher, deren einziges Verdtenft vermutlich nur in ihrer Frechheft heqt, als Beute preisgege'^n werden ? Mag sein, dc". ihre „Ware" vortrefflich unb der ftlanq (sie- u. b das Gewicht unserer Münze reckt geschickt nacko-^ahmt ist — wo: ro-.r sagen wollen, ist dies: Hot dl. 'Polrz« nid» die genügend: .üompetenr, btricr Bande hob- haft zu werden unb bas geschäftliche Leben vor hren Plünderungen -u beschützen, dann steht es schlecht um Recht und Gesetz her im Lande. Die Verhütung reswktioe die Bestraftrng solcher verbrecherischer Taten ist bic Aw gäbe von S.ot'and Darb, sie muß erfüllt werden. Noch einmal: videant consuies . .
Dieser Artikel war vom 21. April dotiert. Zwei Tage darauf ereignete sich bic Epi:d: mft Seren Sgerjid aus Sdto'm. (gwtje6ua,


