Einzelbild herunterladen

N-157

9tx Siebener Anzeiger «ft der Dienstagsbeilage ,5psrt-Umichan- er. ßeitit täglich, außer Sonn» und Feiertags. Monatliche vezua,preise: Mark 5.- einschließlich Trägerlohn, durch die Post bezogen Mark 5.75 einschließlich Bestellgeld. Ferniprech-Anschlüsse: fürdieSchristleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Liehen.

Postscheckkonto:

Frankfurt a. M. 11686.

17(. Zahrgang

Erstes Blatt

Vorschrift 20', Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. ^oeh. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Ienz; für den Anzeigenteil: Hans Beck,

Freilag. 8. ZuU 1921 Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigeno 34mm Breite örtlich 40 Pf, auswärts 50 Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 180Pf Bei Platz.

GietzenerAnzeigel

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: Vrühl'sche Univ.-vuch- und Zteindruckerei R. Lange. 5chnft!eitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstrahe 7. sämtlich in Gießen.

Die Bedeutung der neuen Ein­wanderungsbeschränkungen in den Vereinigten Staaten.

Don Dirgil Jordan.

(FPS.) Dachst dem SchuhAvN-Nottarif darf man das neue Einwanderunasgetetz als das bis dahin bemerkenswerteste Stück L'gisl-'t'"' der neuen Dep»blisa"er-''pea'e''una betrachten Die Er­richtung des Tarisschut'w'lls ken z ichn"l den nicht durchaus unfartenschen St^n^punkl den die Desedlikbuna industriellen und Gesch'^stsproblemen gegenüber einnimmt, aber darüber binaus auch den Geist, den Amerika in den internationalen Bezie­hungen walten zu Iqffen gedenkt Es ist nicht nur eine Genei^tbeit vorhanden, die Interessen be- ftirnm'er B'v^lkerung'schickten im Inlands auf Kosten des Konsumentenpublikums zu fördern son­dern eS besteht auch die Tendenz, den Schwierig­keiten. die Europa durchzumachen hat. den Ducken zuzukehren und die recht eigentliche Tatsache der enoen Verbundenheit Amerikas mit diesen Schwie­rigkeiten au ignorieren.

Auch das neue Einwanderungsgeseh b-Aeichnet die Dachgiebiakeit des Kongresses geg"nüber ae- wissen Sonderinteressen: aber in diesem Falle waren andere Kräfte wirksam als bei der Schaf­fung des höheren Schuhzolltarifes. Stellt dieser Taris eine Konzession an die besonderen Inter­essen der Farmer und einiger IndustrieAweiae dar, so bedeutet das Einwanderungsgeseh eine Kowei- sion an die aleich engen ©nmMöho und Motive der starken A b il^ro-ginitet'on m G?wiß haben auch Vertreter einer nationalistischen Politik mit dem engherzigen Grundsatz. Amerika stunde besser oder sicherer da. wenn man es mit Wällen umgebe, diesem Ausnahmegesetz ihre Unterstützung ge­liehen. Die stärkste Unterstützung iedoch erkuhr es fettens jener Arbeiterführer d'e olauden. daß an­gesichts der gegenwärtiaen Kri'is in der Industrie die Macht der organisierten Arbeiterschaft eine bedenkliche Schwächung erleiden würde, wenn große Scharen fremder Arbeiter Arbeitskraft als ..Dumping" nach den Vereinigten Staaten kämen

Aber das neue Einwanderungsgesetz ist nicht nur ein Stück einfach ökonomischer Gesetzgebung. Es hat als ein Stück sozialer Geie^gebung noch von wo anders her Unterstützung erfahren. Zum ersten Male in ihrer Geschichte haben die Vereinigten Staaten das Dsvlrecht eingeschränkt, das sie von ihren ersten Anfängen an allen denen eingeraumt gehabt hatten, die herüberoekommen waren, um ihrer wirtschaftlichen Dot oder der Unterdrückung und Verfolgung in anderen Ländern zu entgehen. Und diese Einschränkung geschieht jetzt in einer Feit, wo solch ein Asyl für die Bevölkerungen des vom Krieg erschütterten Europa mehr nottäte denn je. Dieser Akt ist ein erster deutlicher Hinweis auf die politischen und sozialen Strömungen im Leben der Vereinigten Staaten, die darauf gemchtei sind, bestimmt umriffenc und künstliche Auffassungen von dem, waS amerikanisch ist und sein soll, festzulegen, in welche sich alle Amerikaner und solche, die es werden wollen, einzufüqen haben man nennt es auch denlOOprozentigen Amerikanismus". In dem neuen Gesetz spiegelt sich die Furcht wieder, etwas im amerikanischen Leben und feinen Einrich­tungen könnte verderben oder Schaden erleiden durch die Kultur und Erfahrung, die Kunst, die Institutionen und Ideen anderer Völker, wobei vergessen wird, was Amerika und seine Einrich­tungen dem Einfluß und Beispiel der Fremden verdankt, die zum Leben Amerikas so wesentlich beigetragen haben. Insoweit also ist dies neue ..AuSnahme"-Gesetz bezeichnend für die wachsende IndifterenA oder 5cinbfcl:nfcit bestimmter Kreise der öffentlichen Meinuna Nordamerikas gegenüber anderen Ländern und deren Problemen.

Dieser generelle Geist der Intoleranz drückt sich in einigen der Proteste aus. die gegen be­stimmte Grundsätze der Dill erhoben worden sind, als diese zur Diskussion stand. Indem es die Zahl der neuen.Einwanderer auf drei Prozent von der Gesamtzahl ihrer nach der Volkszählung von 1910 in den Vereinigten Staaten wohnhaften Lands­leute beschränkt, gestattet das Gesetz einer Gesamt­zahl von 77 206 Angehörigen Großbritanniens die Einwanderung: aus Dorwegen dürfen 12116 Menschen einwandern, aus Schweden 12 596, aus Dänemark 5 644, aus den Diederlanden 3 602, aus Belgien 1 557, aus Luxemburg 92. aus Frankreich 5 692, aus der Schweiz 3 745. aus Deutschland 68 039. aus Danzig 285, aus Finnland 3 890, aus Portugal 2 229. aus Spanien 663. aus Italien 42 021. aus Rußland 34 247, aus Oesterreich 7 444, aus Ungarn 5 635, aus Rumänien 7 414 aus Bul­garien 301. aus Griechenland 32?6 der Tschechoslo­wakei 14269, aus Iugoslawien 6405, aus Albanien 287. aus Fiume 71, aus Polen mit West-Galizien 25 800, aus Ostgalizien 5 781, aus Australien 271 und aus Deuseeland 50. In Kritiken an dem Gesetz ist darauf hingewiefen worden, daß solch ein Plan der Limitierung, obwohl im Prinzip vielleicht rich­tig, eine unverhältnismäßig große Anzahl von Angehörigen solcher Staaten hereinläht, die im Lichte neuerer Auffassungen von Erwünscht- und Unerwünschtsein durchaus unter die unerwünschten zählen. So haben mit diesem Plan der Beschrän­kung der Einwanderung die Verteidiger der Rein­haltung des Amerikanertums und der amerika­nischen Kultur eigentlich am Ziel vorbeigeschosfen und lassen vielleicht Ländern, wie Deutschland, die in den nächsten Jahren auf eine Auswanderung angewiesen sind, unbewußt Recht angedeihen, was sie auf Grund ihrer Auffassung vom lOOprozen- tigen Amerikanismus nicht so leicht getan hätten.

Das Gesetz hat nun bereits zu praktischen Schwierigkeiten geführt. Obwohl die Schiffahrts­gesellschaften hinsichtlich der Zahl der von jeder einzelnen Rationalität Zugelassenen informiert worden waren das sind in einem Monat höch­

stens bis au 20 Proz. der jährlich Zugelassencn so haben sie doch aus Gründen, die sehr durchsichtig sind, gerade um die Zeit des Inkrafttretens des Gesetzes fo viel Einwanderer wie möglich über den Ozean geschafft, mit der Wirkung, daß an den Einwanderungsplähen eine große Stauung eintrat und daß von den Behörden große Mengen von Einwanderern zurückg schickt werden dürf en^, und höchstwahrscheinlich auch noch auf Kosten des armen Einwanderers selbst und zum Ruhen der Schiffahrtsgesellschaft. Cs dürfte sich als notwendig erweisen, meinen die Behörden, über die höchst zu­lässige Monatsquote hinaus bei solchem Massen­andrang Einwanderer zuzulassen und deren Zahl auf die folgenden Monate anzurechnen. Man denkt auch daran, daß die Schiffahrtsgesellschaften es für geratener halten dürften, die überzähligen Ein­wanderer bis in den nächsten Monat hinüber an Bord zu behalten. Aus jeden Fall jedoch muß man mit großen Schwierigkeiten infolge des neuen Gesetzes rechnen, Schwierigkeiten, die den Ramen Amerikas in den Ohren des Reisenden, der aus fernen Ländern hierhergekommen war als in ein Land der Verheißung, kaum wohlklingen lassen werden.

Ein Hilferuf aus dem Kreis Hindenburg.

Hindenburg, 7. (Juli. (WB) Die deutsche Bevölkerung des Kreises Hinden­burg richtete an die Interalliierte Kommiss'vn telegraphisch einen Hilferuf, in dem es heißt, daß heute, nachdem die Räumung längst hätte vollzogen sein müssen, sich die Zustände noch in keiner Weise gebessert hätten. Die Land­orte seien noch voll Insurgenten, die sich überall Polizeigewalt anmaßten. So sei'in der Gemeinde Dickupih mit Genehmigung des französischen Kreiskontrolleurs eine aus Insurgenten beste- 'hende Gemeindewache gebildet worden. Selbst in Hindenburg seien Verschleppungen und Mißhandlungen der Einwohner an der Tagesordnung. Der Transport großer Mengen von Waffen nach dem Kreise Hindenburg dauere an. Der Hilferuf verlangt die sofortige Abbe­rufung des französischen Kreiskon­trolleurs und den Einmarsch der interalli­ierten Truppen, und zwar lediglich der Engländer oder Italiener.

Aus Beuthen.

B e u t h e n. 7. Juli. (Wolff.) Der Kreiskvn- trolleur von Deuthen-Stadt benachrichtigte gestern nachmittag den Vertreter des Magistrats, die Stadtverordneten und die politischen Parteien, daß der englische General, der jetzt Komman­dant der Stadt Deuthen ist, sie zu sprechen wünsche. Die Besprechung fand gegen 4 Uhr nachmittags statt. Der General bedauerte zunächst die Er­mordung des französischen Majors und drückte die Ueberzeugung aus, daß die Tat allgemein von allen, gleichviel welcher Sprache und Rationalität sie feien, verurteilt werde. Er ver­sicherte, er werde alle Mittel anwenden, um in kürzester Zeit Ruhe und Ordnung in und um Deu­then zu schaffen. Dazu erwarte er die Mithilfe des Magistrats und der Führer der politischen Par­teien. Wegen der Freilassung der Gei- s ei n würden alsbald die Verhandlungen aufge­nommen. Die Verkehrserfchwerungen würden eben­falls alsbald beseitigt. Auch sonst werde mit allen Mitteln dafür gesorgt werden, daß in Deuthen und Umgebung Ruhe und Ordnung Wiederkehre.

Berlin, 7. Juli. (Priv.-Tel.) Rach einer Blättermeldung aus Deuthen gilt nach den bis- Retinen Untersuchungen üb»r die lebten Beutbener Vorfälle als Mörder des französischen Maiors Montalegre einpolnischerInsurgent. Als Vertreter des Oberpräsidenten ist Regierungsrat Tidlich zur Untersuchung des Zwischenfalles in Deuthen eingetroffen.

Die Untersuchung des Mordes an dem Major Montalegre ergab, daß die Kugel von der Sedan- straße aus Roßberg gekommen ist. Der Mörder soll ein 1 9 j ä h r i g e r Bursche, ein früherer Insurgent, sein. Seine Mutter wurde verhaf­tet, weil ihr Sohn flüchtig gegangen ist. Die Gei­seln sind bisher nicht freigegeben worden. _

Beuthen. 7. Juli. (WTB.) Heute vormit­tag fand die Ueberführung der Leiche des am Montag in der neuen Kaserne erschossenen franzö­sischen Dataillonskommandeurs. Majors Mon­talegre. statt. Die Trauerfeier verlief in voller Ruhe und Ordnung.

Berlin, 7. Iuli. (Priv.-Tel.) Zu dem Be­gräbnis des erschossenen französischen Majors in Deuthen ist eine Abteilung pol­nischer Insurgenten mit allen Abzeichen eingetroffen.

Ein Beirat des Reichsernährungsministers.

Berlin, 7. Juli. (Wolff.) Uni in der gegenwärtigen Zeit größter wirtschaftlicher Rot die wissenschaftliche Forschungsarbeit stärker als bisher an der praktischen Lösung des Problems der Volksernährung zu beteiligen, gliederte der Reichsernährungsminister Hermes seinem Mi­nisterium einen Beirat zur Förderung der ernährungswissenschaftlichen For­schungstätigkeit an und berief in den Bei­rat felgende Herren: für die allgemeine Chemie die Professoren Ernst Beckmann vom Kaiser- Wilhelm-Institut für Chemie in Berlin-Dahlem, Karl A. Hofmann von der Technischen Hoch­schule in Charlottenburg und R. Willstätter von der Universität München, für Ernährungs- Physiologie die Professoren Emil Abderhal­den von der Universität Halle und M. Rub -

n e r von der Universität Berlin, für Pflanzen- physirlogie und Vererbungslehre die Professoren Baur von der landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin und G. Haberlandt von der Uni­versität Berlin, für Rahrungsmittelchemie die Professoren A. H e j d u s ch k o von der Tech­nischen Hochschule in Dresden. A. Juchen a d von der Technischen Hochschule in Charlottenburg und Th. Paul von der Universität München, für Agrikulturchemie Prof. Olemmermann von der Landwirtschaftlichen Hochschule in Ber­lin, für Bakteriologie und Ernährungshygiene Prof. R O. Reumann von der Universität Bonn, für klinische Fragen Professor Friedrich von Müller von der Universität München, für Ein.chrungsstatistik Dr. R. Kuczynski vom Statistischen Amt in Berlin-Schöneberg.

Die Mitglieder des Beirats fanden sich auf Einladung des Ministers am 4 Juli zu der ersten Sitzung im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft zusammen. Sämtliche Forscher be­grüßten die Absicht des Reichsernährungsmini­sters aufs lebhafteste und fiepten sich zur Mit­arbeit zur Verfügung Rach eingehender Bera­tung beschloß der Beirat, sich zunächst den folgen­den Aufgaben zuzuwenden:

Die D r o t f r a g e soll erforscht werden, ein­mal nach der Richtmig der Verbesserung der Her­stellung des Brotes zur ErAielung weitestgehender Ausnutzung durch den menschlichen Körper, sowie andererseits durch die Hebung des Ertrages an Getreide und anderen Feldfrüchten mittels ratio­neller Züchtung auf wissenschaftlicher ©nv'b'age und systematischer Crdana'yse. Zusammenhä gend damit soll die Hebung des Ertrages des Bodens dadurch erzielt werden, daß, nachdem die Stick- stoffrage gelöst ist. die P h o s p h o r f r a g e, ins­besondere die Bedeutung des Phosphors zu­sammenhängend mit dem Stickstoff erforscht wird; der Frage der Deckung des Fettbedarfs der Bevölkerung sollen dienen die wissenschaftlichen Untersuchungen über die Möglichkeit der Ver­wendung von Fettsäuren, die auf chemischem Wege aus Kohlenwasserstoffen gewonnen wwer- den, sowie die Forschungen über die Kultur der. Sojabohne und der Erdnuß bzw. ihr Akklimatisa­tionsvermögen in Deutschland. Der Frage der Erfparnismöglichkeit bisher unrationell verteilter Rohstoffe sollen sich Untersuchungen zu- wenden über die Aufschließung von Stroh, über den chemischen Aufbau hornholzartiger Stoffe, übf- die Einwirkung der Darmbatterie der Wie- k erkäue? au Zel u'ose u a m. Auf crnäfjru g> Phy, lvlog schein Geb ete sollen besonders gefördert werden die Studien über Vitamine, über gewiße Mineralstoffe und Rährsalze, sowie über die Mög­lichkeit der Vermeidung von Verlusten an Rähr- stoffen bei der Zubereitung von Lebensmitteln.

Im Auftrage des Ministers konnte Ministe­rialdirektor Hoffmann den eüvernen Gelehr­ten. die zur Erforschung der aufgeführten Fragen sich bereit erklärten, finanzielle Bei­hilfen, wenn auch nur in bescheidener Höhe, aus einem dem Reichsministerium für Ernährung und der 'Landwirtschaft zur Verfügung ' stehenden Fonds überweisen. Der Lösung mit Hilfe der Wissenschaft harren außerordentlich umfangreiche und wirtschaftlich wichtige Frax'n der Volks­ernährung. Daß sich die Wissenschaft mit größter Bereitwilligkeit in den Dienst dieser Aufgaben der Volksernährung stellt, bedarf dankbarer An­erkennung.

Die Reichsgerichtsprozesse gegen sogenannte Kriegsverbrecher.

Leipzig, 7.. Juli. (Wolff.) Vor dem Reichsgericht begann heute der 7. Kriegs­prozeh. Der Angeklagte ist der Oberleutnant Adolf Gaule aus Charlottenburg, der jetzt Oberleutnant jm Reichswehrministerium ist. Die Auslieferungsliste wirft ihm vor, im August 1914 in dem Dorfe Hessen bei Saarburg den fran­zösischen Kapitän M i g a t vorsätzlich mit Heber» legung getötet zu haben. Es erschienen neun deutsche und vier ausländische Zeugen. Rach seiner Darstellung rief der Angeklagte am Mor­gen nach der Schlacht bei Saarburg in dem Dorfe Hessen -em französischen Kapitän zu, er sei sein Gefangener und sötte die Waffen ab= geben. Der Kapitän lehnte das ab und der Angeklagte wottte dem Franzosen nun die Koppel mit Gewalt abnehmen. Der Kapitän schlug ihn aber mit her Faust derart, daß er zur Seite taumelte. Gaule befahl nun den Geuten, den Offizier festzunehmen und ihm die Waffen abzu­nehmen. Der Kapitän schlug darauf dem Sol­daten ins Gesicht, worauf dieser den Franzosen niederschoh. Den Befehl hierzu gegeben zu haben, bestreitet der Angeklagte auf das Bestimmteste.

Der Reichsanwalt hob in dem Plaidoyer hervor, daß irgend ein hinreichender Beweis, daß Gaule selbst den tödlichen Schuh auf den Iran» zösischen Hauptmann Migat abgegeben habe oder dessen Tötung befohlen habe, durch die Beweis­aufnahme nicht erbracht sei. Er beantragte des­halb die Freisprechung Des Angeklagten Das um 3 Uhr nachmittags verkündete Urteil lau­tete dem Anträge des Oberreichsanwalts ent­sprechend auf Freisprechung. Die Kosten werden der Reichskasse auferlegt

Abberufung der französischen Mission in Leipzig.

Paris, 8. Juli (WTB). Infolge der Freisprechung des Generals Stenger hat die französische Regierung, wie der Matin" meldet, beschlossen, die französi­sche Mission, die den Auftrag hatte.

den Verhandlungen bei dem Reichsgericht zu folgen, a b b e r u f e n. Ministerpräsident Briand hat nach dem gleichen Blatte die englische und die belgische Regierung aufgefordert, ebenfalls in Zukunft keine juristische Mission mehr nach Leipzig zu entsenden.

*

Berlin, 7. Hutt. (WD.) Die franzö­sischen Regierungsvertreter bei den G c i p 8 i g c r Prozessen find gestern aus der Straße durch Zurufe aus dem Publikum belästigt worden. Der in Geipzig anwesende Ver­treter des Auswärtigen Amtes sprach dem Geiler der französischen Delegation sofort sein 'Bedauern aus. Di: sächsische Polizeibehörde leitete Ermit­telungen ein und wird außerdem dafür sorgen, daß derartige Kundgebungen in Zukunft möglichst verhindert werden. Für den Schuh der fran- zösischen Regierungsvertreter wird in jeder Weise gesorgt werden.

Ein Echo in der Pariser Presse.

Paris, 7. 3uli. (WTB.) Die Freisprechung des Generals Stenger und die Verurteilung des Majors C r u s i u s zu zwei Jahren Gefängnis vor dem Reichsgericht zu Geipzig wird von der Pariser Abendpresse besprochen.

DerTemps" sagt: Der Urteilsspruch hat in Frankreich eine schmerzliche Bewegung und eine berechtigte Entrüstung hervorgerufen, aber keine Ueberraschung. Rach den vorausgegangenen Ur­teilen hätte Frankreich sich nicht schmeicheln dür­fen, von den deutschen Gerichten eine Gerechtig­keit zu erlangen, wie sie sie den Berbündeten,Eng­land und Belgien verweigert hätten. Zum Schluß sagt derTemps":Deutschland verlange von den Alliierten in diesem Augenblick die A f,ebung der Sanktionen, aber sein Verhalten gestatte es nicht."

DasI o u r n a l d e s D e b a t S" ist der An« sicht, daß es gewiß sei, daß wegen der Aburteilung der Kriegsbeschuldigten der ObcrsteRat Maß­nahmen ergreifen, müsse. Was bei dieser Gelegen­heit am ernstesten sei, das sei, daß, in dem Augen­blick, in dem die Alliierten eine Entspannungs- polilik beabsichtigen und in dem die Berliner Re» gierung Beweise des guten Willens zu geben scheine, ein Dül der öffentlichen Meinung alles tue, um den Schiffbruch dieser Politik herbei- zuführen.

Hardinqs Friede.

Paris, 7. Iuli. (Wolff.) DieChicago Tribüne" meldet aus Washington: Welche Form der Friede mit Deutschland annehmen werde, scheine man in Washington ebenso wenig zu wissen wie in Berlin. Es stehe indessen fest, daß die Absicht der Regierung dahin gehe, in der Reparationsfrage den Alliierten zur Seite zu stehen. Das Blatt bestätigt die gestrige Meldung desRew Bork Herald", daß die Frage, ob eine Friedenspro­klamation notwendig sei, noch geprüft werde. Die FriedenSentschliehung des Kongresses stelle für den Augenblick weder den Frieden her noch die dipl-malischen Beziehungen. Dies könne erst geschehen durch einen Sonderver­trag, falls die Regierung nicht beabsichtige, den Versailler Vertrag als Grundlage für den Frieden zu benutzen, wobei jene Bestimmun­gen auSgemerzt wurden, die Amerika abträg­lich seien. Präsident H a r d i n g habe kein In­teresse an der Etikette oder an dem Geibspruch, wodurch der Friede gesichert werden solle. Was er verlange, sei die Maßnahme, die ein Minimum an Verhandlungen mit einem Ma­ximum von Resultaten verbinde. Der Vertrag, sagt das Blatt zum Schluß, müsse die Wieder­aufnahme normaler Beziehungen mit Deutsch­land vorsehen, einschließlich der Regelung deS Verfalls feindlicher Güter der amerikanischen Ansprüche auf die Schäden, die Deutschland verursachte, und der amerikanischen Ansprüche auf Schiffe und Patente, die während des Krieges beschlagnahmt wurden, der Pahre- gulierung und des Ersatzes der Ausgaben durch die amerikanischen Besatzungstruppen.

Eine neue griechische Niederlage.

Konstantinopel, 7. Juli. HavaS. Feindliche Truppen, die in Cara Mursal gelandet sind, erlitten eine Schlappe. Die Griechen hatten ungefähr 4000 Mann gelan­det und versuchten in der Richtung auf ISnik vorzugehen. Aber nach einer kräftigen Vertei­digung der Bevöllerung mit Unterstützung re­gulärer kemalistischer Truppen wurden die Griechen an die Küste zurückge­drängt. Rach Berichten aus sicherer Quelle sollen die Griechen 1000Tote und Ver­wundete verloren haben. Die griechischen Zeitungen in der Stadt geben diese Niederlage zu. Die griechische ZeitungPatrice", die in direkter Beziehung zum griechischen General­stab steht, betätigt gleichfalls die Niederlage. Nach einer letzten Nachricht haben die Grie­chen ihre Truppen wieder-einaeschifft und die Halbinsel soll vollständig von den Feinden be­freit sein.