Ur. 209 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch, 7. September (921
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Konstantinopel. . . .
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ziere. Studenten, Matrosen und Frauen. Der Terror herrscht auch In Kiew und Odessa
Das Maß der Teuerung.
Berlin, 5. Sept. (WTB.) Die Reichs» inderziffer für Lebenshaltungskosten, die vom statistischen Reichsamt monatlich auf Grund der Erhebungen über die Ausgaben für Ernährung, Heizung, Beleuchtung und Wohnung festgestellt wird, stieg vom Juli zum August um 82 Punkte von 963 auf 1045. Die Erhöhung beträgt gegenüber dem Bormonat 8,5 v. H., gegenüber dem Monat Januar 1921 10,7 v. H. 3m Vergleich zu dem seit Jahresbeginn im April erreichten tiefsten Punkte von 880 erhöhten sich die bis zum Berichtsmonat durch die TeuerungSstatistik erfaßten lebensnotwendigen Ausgaben um 18'/« v. H. Die Brotpreissteigerung, die Mitte August
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Wechsel auf tzolland Deutschland Wien........
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Brüssel Budapest .....
NeuyorK Agram..... • .
Bukarest ......
helsingsors. . .
London. . . . , NeuyorK .. .
Paris.....
Schweiz. . . . Spanien . . . Wien (altes). Deutsch-Oesterr.
Saturn: ßunit) . . . Amsterdam Kopenhagen Prag.... Stockholm. Wien. . . . London . . Paris . . . NeuyorK. .
Handel.
mc. F r a n I f u r t a. M, 6. Sept. Die heutig Holzbörse wies einen überaus guten Besuch aus Die Zahl der Kaufgesuche überstieg die der Kaufangebote um ein beträchtliches. Die Kausgesuchc betrafen. Kiesern-Grubenholz. Fichtenschleisholz, Kiefern-Waggon-Dielen, Schal-, Hobel- und Kistenbretter und Brennholz und waren aus den Orten Darmstadt, Köln. Heidelberg, Ludwigshafen und Wiesbaden. Angebote lagen vor aus Weinheim, Heidelberg. Mannheim, Frankfurt a. M, Immen stadt und Bad Aibling. Es wurden verlangt Hobelbretter, divrr'e Fichlenschnittwaren, Cichenschnit^warcn. Pappelblochwaren und Erlen- waren. Die nächste Holzbörse findet nicht wie vorgesehen am 20. September statt, sondern am 27. September bei der Frankfurter Messe.
Frankfurt a M.. 7 September.
Berliner Devisenmarkt.
Geld Brief Geld Brief
c i n c R o t e , in der die ungarische Regierung die Bereitwilligkeit erklärt, die bisher noch nicht geräumte Zone 8 des w e st u n g a r i s ch e n Anschlußgebietes sormell der österreichischen Regierung, bez der Ententekvmmission in Oedenburg zu übergeben. Sic behält sich jedoch vor, die Räumung des Gebietes bis zur Beendigung der Verhandlungen hinauszuschieben, will hingegen der Bestellung des österreichischen Regierungskommissars neben dem ungarischen Re- gierungskommissar in Oedenburg zur Wahrnehmung der österreichischen Interessen zustimmen. Gegenüber diesem Vorschlag gibt es für die österreichische Regierung nur eine Antwort: Fe st halten an den Beschlüssen des österreichischen Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten vom 19. und 27. August, sowie dem neuerlichen Appell an die drei Hauptmächte der Entente, die d>"' ungarischen Regierung ob! e e d vorv h lt ose Räumung 7c3 An ch uh- gebietes zu erzwingen.
Wien. 6. Sept. (WTB.) Amtlich wird gemeldet: Nachdem schon in den letzten Tagen wiederholt ungarische bewaffnete Banden auf österreichischem Boden erschienen waren und Gewalttätigkeiten verübten, griff g.stern morgen eine ungarische Abteilung von 2500 Mann, bestehend aus regulärem Militär, verstärkt durch Banden, welche die österreichische Grenze überschritten. Kirschwangen an. Die Gendarmerie von Hilgersdorf, Gerrersdorf und Weben- brunn wurde wegen der Liebermacht zurückgenom- men. Zwei Reichswehrkompagnien, Ne dort zur Sicherung der Landesgrenzc aufgestellt waren, mußten sich nach mehrstündigem .Kampfe zurückziehen. Es wurden zwei Tote und 20 Verwundete an österreichischen Verlusten gemeldet. Verstärkungen wurden nach dem Kampfgebiet gebracht. Die Bevölkerung von Kirschwangen und Webe, b.-unn flüchtet nach Wiener-Neustadt. Ungarische Truppen sind hiermit auf österreichischen Boden eingcbrochcn, ohne daß die Reichswehr die niederösterreichische Grenze überschritten hat.
Der bolschewist sche Terror.
Paris, 6. Sept. (WTB.) Wie dem yJHa- ttn" aus Heisingsors gemeldet wird, veröffentlicht die „Prawb a“ eine Liste von 6 1 Person e n, die infolge der letzten Verschwörung gegen die kommunistische Regierung erschossen worden sind. Unter den Opfern befindet sich ein« Anzahl hervorragender Vertreter der Wissenschaft, der Kunst und Literatur, sowie verschiedene Off-
Züricher Devisenmarkt.
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= 687.-
Märkte.
Frankfurter Obst- und Gemüsemarkt.
mc. Frankfurta. M., 6. Sept. Der heutige Gemüsemarkt war vom Großhandel reichlich mit Weißkraut und Rotkraut beschickt, der Preis stellte sich für beides auf je 100—120 Mk. der Zentner. Gurten sehr reichlich, das Hundert 12 bis 33 Mk. Tomaten 100—120 Mk. der Zentner. Von Erzeugern des Frankfurter Gebietes wurden angeboten: Wirsing zu 140—160 Mk. der Zentner: Sommerspinat nur in kleinen Mengen 250—260 Mk.; Bohnen vereinzelt vorhanden, das Pfund 4—5 Mk.: Kartoffeln der Zentner, nach Gröhe, 72, 77 und 78 Mk. — Aus dem O b st - markt waren Aepfel reichlich vorhanden und
Marknotierungeu.
Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt:
Fi. - 185.50
*)J*. 6.50
At. => 0.65
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Fr. = 44.90
Ar. -- 3.20
L. - 6.60
elntrat, kommt in der Indexziffer erst zur Hälfte zum Ausdruck. Zu der Steigerung der Lebenshaltungskosten ttugen Preiserhöhungen für eine große Reihe von Lebensmitteln bei, neben Brot besonders für Fette, Schweinefleisch, Hülsenfrüchte, Rährmittel, Eier und Fische. Lediglich Kartoffeln und Gemüse liehen etwas im Preise nach. Die Bewegung war, wie im Vormonat, innerhalb des Reichs ziemlich einheitlich.
Aus der Deutschen Dolkspartei.
B e r l i n, 6. Sept. Die RetchStagSfraktton der Deutschen Volkspartei hat gestern mit dem Vorstand der preußischen Land- tagSfraktion zu einer außerordentlich stark besuchten Sitzung zusammen. Rach einem eingehenden Bericht StresemannS über die polittschen Vorgänge der letzten aett folgte eine ausgedehnte Debatte, in der die Anwesenden einmütig die von den Fraktionsvorsitzenden, dem Reichspräsidenten und dem Reichskanzler abgegebenen Erklärungen über die Notwendigkeit einer gleichmäßigen Anwendung der erlassenen Ausnahmebestimmungen, auch für die radikale Linke, billigten.
Datum: 5. Sept. 6. Sept.
Am,lerdam- ttotrirb. 2872,10 2877,90 2944.55 29 0,45 Srüssel.Antwerpen . 682,30 683,'0 60b,30 697,70 Thristiania 1196,30119^,70 1203,74 1.06,2" Kopenhagen 15S0.90 r 84,10 1308,351611,65 Stockholm 1960,30 1964,50 2601,95 2006,05
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Kirche und Schule-
z DieDorfkirchenvereinigung für Hessen und Nassau tagt am 13. und 14. September in Marburg. Vorträge halten am Nachmittag des ersten Tages Pfarrer Sattler- Wieseck über „Dorfkirchliche Arbeit in einer Vorortgemeinde" und am Vormittag des zweiten der Herausgeber der „Dorfkirche", Pastor D. von Luvk e°Isenhagen, über „ Familienleben auf dem Lande".
:: Pohl-GönS, 6. Sept. Am Sonntag sand hier ein M i s f i o n S f e st statt, und zwar bei einer Beteiligung von nah und fern, wie sie unsere Gemeinde bei ähnlichen Festen noch nicht gesehen hat. 3m Gottesdienste predigte Missionar Dan nett von Braunfels und in der Nach- versammlung waren Pfarrer Cretv von Ebersgöns, Pfarrer Ha r tmann von Oberkleen und der Missionar Redner. Das Schlußwort sprach der Ortsgeistliche, Pfarrer Naumann. 3n beiden Feiern wirkte der Posaunenchor von Lang- Göns mit. Die Festkollekte, die der Rheinischen Mission zu Barmen .zugewiesen wurde, betrug 1522 Mk. und alle angebotenen Missionsschriften wurden für 130 Mk. verkauft.
? Offenbach a. M., 5. Sept. Unter dem Vorsitze des dienstältesten Schulrats des Kreis- schulamtes Offenbach. deS Schulrats H. Scherer, sand am Samstag in der Turnhalle der Frie- densfchule eine Kreislehrerkonferenz statt. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Rektors Senner- Frankfurt a. M.: „Wie der naturkundliche Unterricht die heutigen Verhältnisse der Landwirtschaft und des Äleingarten- baus zu berücksichtigen hat". Außerdem zeigte Oberlehrer S p i l g e r - Bensheim die Durfüh- rung des Arbeitsschulgedankens in dem Unter- richt der Naturkunde, besonders der Biologie, ebenfalls unter besonderer Berücksichtigung der heute so lebenswichtigen Landwirtschaft.
Klänge der Musik, welche die auswärtigen Fest- teilne^mer wieder zum Heimatsvrt brachte.
Mreie Lauterbach.
Grebenhain, 5. Sept. Die Bezirks- kaffe Grebenhain wird nunmehr am 14. September aufgehoben. Für die Orte der direkten Erhebung der Dezirkstasse wird eine Unter" eihebunasstelle im hiesigen Orte errichtet. Der Vorstand der Bezirkskaste, Steuerinspektor Sin- geldey, wird in gleicher Diensteigenschast an die Dezirkskafse Büdingen versetzt.
Ureis Schotten.
i j Freienfeen, 3. Sc Pt. Schon längst hatte sich das Bedürfnis einer neuen Kirchenorgel geltend gemacht, da u.ifer altes Instrument selbst den geringsten künstlerischen Ansprüchen nicht mehr genügt. Eine besonders günstige Gelegenheit bot der Verkauf der Orgel zu Königstein im Taunus, die für die verhältnismäßig geringe Summe von 50 003 Marl angeootrn wurde Der Ankauf dieser Orgel wurde jedoch durch den Einspruch des Denkmalp leger?, des Herrn Geh. Daurat Wa.b:-Darmstad: g hi d rt. Dief.r erklärte sich gegen die Königsteiner Orgel; auch die Ausstellung der Orgel im Schift der Kirche wurde abgelehnt. Da die Vorschlag: des Denk» malpflegers die Fina.izkraft der Gemeinde übersteigen, bleibt alles b im Asten. Im kirchlichen Interesfe 'ist zu b.bauern, daß leine Einigung zustande gekommen ist.
TBetterfelb, 4. Sept. Unter Beteiligung der ganzen Gemeinde fand heute die E i n- weihung des Ehrendenkmals für unsere gefallenen Heldenföhne auf dem „Bürgel- t o Pf" statt . Um 21/2 Uhr sammelte sich ein stattlicher Festzug auf dem freien Platz vor der Kirche; um 3 Uhr bewegte sich der Zug zum Ehrendent- mal. Zunächst begrüßte Herr Bürgermeister Krauß die Festversammlung und wies auf die Bedeutung des heutigen Tages hin. Daran schloß sich die Enthüllung des Denkmals. Hieraus folgte die kirchliche Feier, in deren Mittelpunkt eine eindrucksvolle Rede des HerrnOrtspfarrers(Scribd stand. Sehr gehoben wurde die ganze Feier durch treffliche Vorträge des Wetterfelder Posaunen- chvrs und des Gesangvereins. Das Denkmal besteht aus zwei Teilen. Auf der Südseite des Hügels ist aus Steinen des Wetterfelder Bruches in der Höhe von li/2 Metern ein Sarkophag auf- gemauert, der von 6 Schilden aus Muschelkalt umstanden ist; hier sind die Namen der Gefallenen eingegraben. Der Sarkophag ist gekrönt von einem Stahlhelm, der auf einem Cichenkranz ruht; auf der Südseite des Sarkophags ist ein Schwert, von Blumen umwunden, eingegraben. Die Nordseite ist durch eine Pfeilerreihe abgeschlossen, in deren Mittelpunkt ein gewaltiges Kreuz steht. Die Kosten des Denkmals nebst der gärtnerischen Anlage belaufen sich gegen 30 000 Mk. Das Denkmal bildet eine hohe Zierde unseres Dorfes.
wurden mit 80—150 Mk. der Zentner bezahlt. Dirnen weniger reichlich, 100—140 Mk. Zwet- | schen 240—300 Mk., Pfirsiche 350—450 Mk.
(3n einem Teil der Auflage wiederholt.-
Ein Entente-Ultimatum an Ungarn.
Wien, 6. Sept. (WTB.) Die „Neue Freie Presse" meldet aus Wiener - Neustadt: Die alliierten Mächte haben der ungarischen Regierung ein befristetes Ulti- t u m überreicht. In dem die sofortige Räumung des ganzen, laut Friedensvertrag an Oesterreich ab- zulretenden westungarischen Gebietes verlangt wird. Das Ultimatum läuft am sechsten Tage, 2 Uhr nacht-, ab.
Wien. 6. Sept. (WTB.) Die „Politische Korrespondenz" schreibt: Der ungarische Gesandte überreichte dem Bundeskanzler
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 7. Sept 1921
Die Aufsicht über die Hunde.
Nach einer Polizeiverordnung müssen innerhalb der bewohnten Teile der Stadt all össent- lichen Straßen, Wegen und Plätzen bissige oder vom Polizciamt als bissig bezeichnete Hunde mit einem Maulkorb versehen fein und an einer kur- ’.en jtette oder Leine geführt werden Beimhar- biner, Neufundlänoer, Leonberger. Doggen (Deutsche. Ulmer. Dänische und Bulldoggen). Barsoys. Mastiffs, Zieh- und Meygerhunde, fotoic alle aus Kreuzungen dieser Rassen hervorgegangenen Hunde müssen an einer kurzen Leine oder Kette geführt werden. Alle Hunde sind an einer kurzen Leine oder Kette zu sichren im Botanischen Garten. in den öffentlichen gärtnerischen Anlagen innerhalb der Gemarkung Gießen und auf den Bahnsteigen der Bahnhöfe. Es ist verboten,Hunde in öffentliche Dienstgebäude. in Wirtschaften oder Wirtsgärten innerhalb der bewohnten Teile der Stadt, zu öffentlichen Feierlichkeiten, auf Märkte ober in Räume mitzubringen, wo Nahrungsoder Genußmittel hergestellt oder feilgehalten werden. Die Besitzer oder Begleiter von Hunden i-aben zu verhindern, daß die Ruhe durch andauerndes Gebell oder Geheul ihrer Hunde gestört wird. Es ist verboten, zur Nachtzeit Hunde ohne Aussicht auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen frei unterlaufen zu lassen.
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' Neuerungen im Fernsprech- dienst. Vorn 1. Oktober ab wird in allen Orts- fernsprechnehen mit mehr als tausend Hauptanschlüssen ununterbrochener Dienst eingerichtet. In der in diesen Netzen nach dem 5ern- sprechgebührengeseh zu entrichtenden Grundgebühr ist ein Zuschlag von 20 Mk. mit enthalten, der die Kosten für die Durchführung des Nachtdienstes deckt. .Während der Nachtzeit werden fünf.ig im Ortsverkehr nicht mehr erhöhte Gebühren, sondern die gleichen GebührenwieamTage erhoben. Auch in kleineren Netzen kann auf Antrag der Teilnehmer verlängerter oder ununterbrochener Dienst eingerichtet werden, wenn die Antragsteller sich zur Deckung der Kosten verpflichten. — Nach der neuen Fernsprechordnung ist die Dele- graphenverwaltung künftig berechtigt, Ortsgespräche nach einer Dauer von 15 Minuten durch Trennung der Verbindung zu beenden, wenn der Betrieb es erfordert. Durch diese Maßnahme soll dem auch in der Presse schon vielfach beklagten ilebelftanbe gesteuert werden, daß Fernsprechteilnehmer zum Nachteile des allgemeinen Verkehrs die Verbindungsleitungen über Gebühr für Plaudereien und ähnliche Zwecke benutzen.
•• Gin Kinderluftballon aus Belgien wurde in Klein-Linden von dem Einwohner W. Germer im Gebüsch seines Grundstücks aufgefunden. An dem Ballon hing eine Karte mit der Anschrift: Mr. Paul van Damme Grand' Place Grammont (®eerte bergen) in Belgien. Auf der Rüttseite wurde in französischer und flämischer Sprache um Rückgabe der Karte mit Angabe des Fundorts und des Finders gebeten. Darüber war der Stempel Florent Aerts Grammont.
ee E i n Jugend - und Posaunenfest wurde am Sonntag von den oberhefsischen Gemeinschaften auf dem Gelände der Waldbühne veranstaltet, das von mehreren Tausend Personen besucht war. Schon lange vor Beginn zogen große Scharen unter Dorantritt von Musikkapellen zum Festplatz, wo die vorhandenen Sitzplätze bei wettern nicht ausreichten, die vielen Festtellnehmer zu fassen, so daß Hunderte auf der Erde lagern oder stehen muhten. Die Veranstaltung, an der außer einer Reihe auswärtiger Redner, etwa 16 Gesangvereine und 14 Posaunen- chöre mitwirkten, gestattete sich zu einer äußerst eindrucksvollen Feier. In „erster Linie waren es die begeisterten Ansprachen, die besonders geeignet waren, die große Masse mitzureihen. Tiefen Eindruck hinterließen auch die Worte eines etwa 70jährigen Greises, der besonders zur Jugend sprach. Der von hier scheidende Prediger Schmelzer hielt seine Abschiedsrede, der neue Prediger Do11enbach seine Antrittsrede. Auch die Ansprachen von Prediger Olmesdahl - Marbura und Stabe- Friedberg sowie von Stadtmissionar Hermann - Gießen verfehtten ihre Wirkung nicht. Die einzelnen Ansprachen waren in schönster Weise umrahmt von Posaunen- vvrträgen. Märmer-, Frauen- und Gemischten Ehören. sowie gemeinschaftlichen Gesängen. Von den Posaunenchoren verdienen .Sturm und Wind" und ..Waldandacht", von den Gesangsvorträgen „Früh von der Heimat muß ich wandern" und „Leb wohl, du böse Wett und Sünde" besondere Erwähnung. Gegen 5 Uhr war die Feier beendet und lange noch hörte man in der Ferne die
Die Rothersteins.
Roman von Erich Sbenstetn.
Copyright 1919 by ©reiner & Eornp., Derlln W 30.
48. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Rüdiger wurde in einen kleinen Parterre» salon geführt. Fünf Minuten später trat Waldemar ein. Er sah abgespannt und bekümmert aus Der ernste Ausdruck seines Gesichtes hellte sich nicht auf, als Rüdiger sich höflich, aber eiskalt nach dem Definden Frau Ruhlands erkundigte und noch einmal mündlich sein Beileid aussprach.
Ebenso eiskalt gab Waldemar Descheid. Schon in der ersten Minute hatte sich toieber das Fremde, Feindliche zwischen ihnen aufgerichtet, wie damals im Atelier.
„Du wünschest von mir?" fragte Waldemar endlich. ..Denn ich nehme an, daß du nicht ohne Absicht gekommen bist."
„Nein. Ich wollte dich fragen, was du wegen des Bildes beschlossen hast."
„Nichts vorläufig. Du begreifst, daß ich momentan durch andere Dinge viel zu sehr in Anspruch genommen bin .
»Gewiß begreife ich dies. Dennoch möchte ich nicht, daß du eher irgend einen Entschluß saßt, als bis du meine Absicht kennst. Das Bild ist ein großes Kunstwerk, und es ist begreiflich, daß du . . stolz darauf bist. Dennoch werde ich nie gestatten, daß du es \n die Oeffentlichkeit bringst. Aber ich bin gekommen, dir einen Vorschlag zu machen. Verkaufe mir das Bild Ich bin bereit, jeden Preis dafür zu zahlen, den du forderst."
Waldemar erblaßte.
„Kommst du. mir dieses Angebot im Auftrage deiner Kusine zu machen?" fragte er hastig.
„Nein. Meine Kusine weih nichts davon." I Dann willst du es — für dich kaufen?"
„3a."
„Hub aus welchem ©runbe? Aus Familienrücksichten oder —"
„Die Gründe sind wohl Nebensache," unterbrach ihn Rüdiger abweisend. »Du hast kein Recht, danach zu fragen, ich keine Verpflichtung, sie zu nennen. Genug, daß ich es kaufen will."
Einen Augenblick lang tauchten die Blicke beider Männer ineinander, wie sich kreuzende Degenklingen. Dann fuhr sich Waldemar über die Stirn.
„Das Bild ist unverkäuflich." sagte er kurz. „Ich bedauere also, deinem Wunsche nicht willfahren zu können."
Rüdiger nagte zornig an seiner Unterlippe
„Dies ist dein letztes Wort?"
„Mein letztes!" Waldemar erhob sich. .Du entschuldigst, wenn ich mich nun zurückziehe. Die Pflegerin ruht für ein paar Stunden aus und meine Mutter ist daher allein."
Wilde Gedanken jagten durch Rüdigers Kopf, als er heimwärts schritt. Erst jetzt wußte ec ganz klar, warum er jenes Bild um jeden Preis in feinen Besitz hatte bringen wollen: Waldemar IcHtc es nicht länger vor seinen Augen haben« Bisher war dies mir unklar in ihm gelegen, und er hatte dem eifersüchtigen Wunsch allerlei beschönigende Mäntelchen umgehängt. Bewußt war er sich nur der Absicht gewesen, wenn es sein mußte, auch Tausende dafür zu opfern .
Unb nun war alles mißlungen. Waldemar wollte nicht Mehr noch: er hatte erraten, warum Rüdiger das Dill) haben wollte. Ganz deutlich stand'die zornige Entrüstung über diese Entdeckung in seinen braunen Augen zu lesen.
Was nun? Waldemar fordern? Selbst in der hochgradigen Erregung, in der sich Rüdiger momentan befand, sah er das Absurde, Unmögliche dieses Gedankens ein, den wahnsinnige Eifersucht herauf beschworen hatte.
Man schlägt sich nicht mit einem Manne, dem man jahrelang ein treuer Freund gewesen, der Sen Ben Vater verloren hatte und'dessen Mutter schwer krank war. Auch lag ja äußerlich kein Grund dazu vor. Waldemar konnte doch nichts dafür, daß Do feine Siebe erwiderte, daß bas Schicksal ihn eher in ihre Nähe geführt hatte als Rüdiger. Seine Rechte waren älter und sonnenklar .
Schweigen. Entsagen. Froh fein, daß durch die Trauer im Haufe Ruhland wenigstens die öffentliche Verlobung nun hinausgefchoben werden mußte. Das waren die Schlüffe, zu denen Rüdiger gekommen war, aM er Grafenegg erreichte
Gleich nach der Heimkehr wurde er zum Fürsten beschieden. Der alte Herr, der sich nun wieder bedeutend Wohler fühlte, begrüßte ihn mit vergnügtem Augenzwinkern.
„Rate, wer soeben da war? 21ber du errätst es ja doch nicht. Ich will es dir lieber sagen: Eugen Ruhland!"
„Eugen? Was wollte er bei dir, Papa?'
„Er bot mir einen Vergleich an. Was sagst du dazu? Ich soll den Prozeß ruhen lasten; er sei bereit, mir eine gewisse Entschädigungssumme zu zahlen, über die unsere Anwälte beraten sollten. Er tagte, es sei ihm dabei in erster Linie um den nachbarlichen Frieden zu tun, und daß ein gutes Einvernehmen zwischen beiden Familien erzielt werde. Ausrede natürlich. Dieser schlaue Zahlenmensch — denn das ist er — weiß ganz gut, wo sein Vorteil liegt."
„Unb was hast du ihm geantwortet? Bist du darauf eingegangen?"
„Daß ich ein Narr wäre! Rundweg abgelehnt natürlich. Ich werde ihm doch nicht auf den Leim gehen, jetzt, wo er indirekt zugibt, daß er zu verlieren fürchtet. Denn sonst hätte er doch nie einen Vergleich angeboten! Ich glaube, ich bin sogar ein wenig grob geworden, als ich ihm andeutete. daß mir gar nichts liege an nachbarlichem Frieden und einem guten Einvernehmen mit Wilhelminenruhe. Wenigstens hat mir Do nachher Vorwürfe gemacht deshalb. Sie ist überhaupt ganz unglücklich, daß ich den Vergleich nicht an nahm. Na ja, was versteht denn so ein Mädel von diesen Dingen!" Der Fürst bllnzelte nach der Tür des Nebenzimmers. „Nun sitzt sie drin in ihrem Zimmer und zerkreuzigt sich wahrscheinlich noch über meine Streitsucht, den „armen“ Ruhlands gegenüber!**
In Rüdigers Gesicht stieg langsam dunkle Röte auf bis an die Haarwurzeln. Er vergaß ganz, daß er immer gegen diesen Prozeß gewesen war.
„Du tatest ganz recht, Papa, diesen Vergleich abzulehnen," sagte et laut und nachdrücklich
Vierzehn Tage später wurde die Fabrik mit großer Feierlichkrit eröffnet.
Rüdiger hielt eine lange Rede, in der er den Segen und Vorteil hervorhvb, der nun so vielen in der Gegend durch den sicheren Verdienst zukommen werde. Er sprach auch manch schönes Wort von „Zusammenarbeiten mb gutem Einvernehmen"; aber fein Herz war nicht dabei, darum drangen die Worte auch nicht zu Herzen. Rur das Wort „Verdienst" blieb den Letten im Ohr.
(Fortsetzung folgt)


