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siebener Anzeiger (gen ral-Aiizeiqer für Gberhesscn)

Hr. 260 Swelter Blatt

Samstag, 5. November 1921

Aus dem Aeichswirtschaftsrat.

Berlin. 4. Rov. (WTB ) Dir Beratung der Autfchuhbctnchr? über die Erfassung der Sachwerte wurde eingel eitel durch Ma ecober- meister Hansen, tec Anträge b - selbständigen Hanbwertt bc-orürbe'c, wonach die Handwetts- unb ®<tt>nb*!oTn.Tier als Truppe ber zu schaffen­den Ärebik-ereinigung gelten soll

Ctwfrrban-ur Bern Hard: Die Erfasiung der Sachwerte fei unvermeidlich geworben. Das Xrebttang bot der Industrie hätte die erträglichste Form die'er Orfaffung geboten um so bedauer­licher sei es bah jert grobe Teile der Industrie, bi« Unterf<ft.)una. die Herrn Hugenberg anre- boten tru-be. wieder rückgängig Traten wolle Die Srfol'u-ig ber Sachwerte wird in viel radt- Caerer Form aeschehen. wenn die Arbeit ichmer- schast *u ber lieber^eugung kommt, datz sie mit dem .^r.-bilangebot nur genasfühtt worden sei. (Beisall ,

v Braun fßanbttHrtf-b. V Der ö^amlbebarl des Reiches beläuft sich für da« Jahr 1921 22 auf 112 Milliarden Parlrrmatt Te?or wir an eine erfolgreich- Sani rung unfe e- Finanzen ber­ent-et en. müPen wir willen. ob die latente unsere Leistung-n- die Be atzungsarme? arvechnet und we'ch? sina-'-i fei JrMcei bat Wiesbadener Abkommen hbrnfol Vieles Al b. mn en füh t W einer Schwächung des 'Ularttirfc* Wir stehen an einem Punkte, der von dem StaatSdankeroU mir eine kurze Spanne entfernt ist Nachdem das Are*Mting bot ei mal gemacht ist. must dieser Wei weitergegangen werden. Man darf aber nicht ber Regie u-g drohen dast bei einer Erfolglosig­keit ber Ärebltaf Ion die Erfassung der Goldwerte kommt Die Landwirtschaft must davon ausge­nommen werben, denn sie braucht ihren Ärcblt Mir Produktionssteigerurg

Bon Regierung-fette wird mitqeteilt. dast die Befatzunnlkosten bis l.Mai 1921 rund vier Milliarden Golbmark betragen.

Cmbtraf Humar - München erllört die Be­reitwilligkeit ber Hausbesitzer, sich an der ÄrebU- hllfe zu beteiligen.

Tarne». Vorsitzender des Deutschen Holz­arbeiterverba nbes. verliest eine Erklärung ber Ar­beit nehmergruppe. In ber als Krcdiiieistunq für die vorgeschlaqe'en Belinsteuern vorgeschlagen wird, die Landwirtschaft solle nicht als (Garantie für den Auslandskredil dienen sondern soll durch eine entsprechende steuerliche Belastung zur Ab­deckung des Defizits der nächsten Jahre beran- gezvgest »erben

Fabrikbirektor Krämer wendet sich scharf gegen die Bernhardsche Rede, die nicht geeignet gewesen sei. den deutschen Kredit zu stärken Gr beantragt Schiustdebatte und Zurückverweisung der Angelegenheit an den AeparationsauSschust

Der Antrag Krämer wird Im Hammelsprung mit 80 gegen 70 Stimmen abgelcbnt

Beckmann (DewettschaftSbund der An­gestellten) Die Besteuerung ber Sachwerte ist un­vermeidlich

Toben txxin tragt der Reichs wirtschaft« rat möge dem Grundgedanken deS Entwurfs Hachen­berg zustimmen und ben Entwurf an den Repa- «Uivnsausschust zurückverweisen.

Der Antrag Tehm wirb angenommen.

Es o t ie Ruf rach ü'er die Mastnafnnen ber Entente gegen die Deutschen Werke.

Reichsschatzmlnister Bauer schildert Im ein- Minen die groben Schwierigkeiten und Unkosten der Umstellung der Reichswerke und die Folgen, die die Durchführung der neuen Ford rung der Alliierten mit sich bringen würde. Alle Gründe der Vernunft sprächen gegen die Forderung der Entente. Die Rote des Generals Rollet stelle alles in Frage, waS im Einverständnis mit ber trlerallll tte i Militä.kom n st on geschaffen wurde denn alle Gründe ber Der. unft sprechen gegen die Forberung ber Entente. Die Ursache für bic An- orbnung lei entweder eine unglaubliche Hy­sterie ober unbegrenzter 3 er ft ö- rungswille Die Wirkung der Anordnung fei die Lahmlegung ber Arbeitskraft von vielen taufenb 2: b itswiliigen und die Dergrösterung des schon herrschenden GlmdS Die Eri'lenzfäbig keit ber Gemeinden werbe bedroht. baS Reich düste erhebliche Steuereinnahmen ein unb mufft Mi lionen für Arbeitslo e -Unterstützung au^g bcn. Alles daS komme brei Jahre nach Beendigung des Krieges In einem Augenblick, wo bas deutsche Dolk bereit fei, sich bas Blut unter den Fingern berPonuarbriten. um die Anforderungen der Entente zu erfüllen.

Aach kurzen D merfunren vorn Abg ordneten Mar Lohen wird eine S itschl estung Krell eir- stimmig ara n mmrn in de de Reicksw rt ch fti- rat gegen Die Forderung der Entente entlchieden Einspruch et bebt unb ble Regierung auffordert, den Bestrebungen der Entente mit allem Rachdruck entgegenzutreten.

Ein Antrag Lohen, ber H ls? für die durch den Wa.-ll:urz in eine überaus schwierige 2a;e geratc.ic.i brutschen Valutaschuld e ver anzt, wird deoattelos dem anzau.-schütz überwiesen

Dann wird die gestern abge.rvchene Aus- lprache über die Preis st ei^ierung zu Erde geführt Ein Dertreer des Reiche ernährungs- ministers erklärte: Don einem Kartoffel- mangel larni keine Rede fein; die Kartoffeln tt>crben nur vom Markte ferngehalten l Zweifellos smd von einem Tel ber Landwirte zu hohe Prei'e genommen worden. Heber die Konzessiv ierung der ö.tneren Aufkäufer wird unterhandelt; aber das allein kann nicht» helfen, die Landwirtschaft foHte mehr als bisher die Äartofieln an den le­galen Handel liefern

Der S twurf eines Fahrzeugsteuer- steuergeletzes wird bdxi lieloi angenom­men. ebenso die Anträge sozialpoliltschen Ausschusses zu dem Gesetzentwurf über d.e Rot- stanbsmastnahmen zur Unterstützung ber 3 n - validen-Rentner. Rach diesen Anträgen fcllen die Invaliden- urb Altersrenten um 3X0 Mark, die Witwen- und Waisen-Renten um 2K0 Mark, unb die Waisenrenten um 1200 Mark erhöbt werden.

Damit ist bie Tagesordnung crl'bigt; die Ansetzung ber nächsten Vollsitzung wirb bem Dor- sitzenden überlasten

Schlutz 6 Uhr nachmittags

Aus dem besetzten Gebiet

Mahregeln zur Verhütung des Aukdet kaufs.

Koblenz, 4. Nov. (WTB.) Der Re ich S ko m m i f sa r für die befcyken rhei­nischen Gebiete legte der interalliierten Rhein- landkommistion eine Polizeiverord- nung des Oberpräsidenten der Rheinprv- vinz vor. welche an die Stelle der bisherigen Verordnung über den Kleinhandelsverkauf" an Ausländer treten soll. Diese Verordnung galt bekanntlich nur bis 5. November. Die neue Pvlizeiverordnung weicht von der alten darin ab, dast nicht mehr der Verkauf sämt­licher Gegenstände an Ausländer verboten ist. sondern eine Liste bestimmter, wichtiger Gegenstände aufgestellt wird, deren Ver­schleuderung ins Ausland ver­hütet werden muh. Die interalliierte Rhein­landkommission erklärte sich mit der Verord­nung einverstanden, und zwar unter der Be­dingung. dah nur bis 1. Dezember gelten soll; sie erklärte ferner ihr Einverständnis mit den gleichlautenden Verordnungen, die von bei- Verwaltungsbehörden im übrigen Telle des besetzten Gebietes für die gleiche Zeit erlassen würde».

Aus Stabt unb Canb. Sieben, ben 5. Rov. 1921.

Der Nebergang aus der (Yrundschulc in die höheren Lehranstalten

au Qstcrn 1922.

Das Grundschulgesetz, daS vierjähriges Verbleiben sämtlicher Kinder in der (S»runb- chule vorsieht, gewinnt in Hessen erstmalig Geltung für bie Ostern 1921 In bie unterste Klaffe aufgenommenen Kinder. Für bie Ostern 1919 und 1920 in die Grundschule angenom­menen Kinder gelten in Hessen besondere UebergangSbestirnrnungen, bie im folgenden zufarnrnengestellt werden sollen, damit die in Betracht kommenden Eltern ihre Mahnahmen danach einrichten können;

1. Ostern 1922 und 1923 kann der Ein­tritt in die höheren Lehranstalten noch nach, dreijährigem Besuch der Grundschule erfolgen.

2. Die sich zur Aufnahme meldenden Schü­ler müssen ein Zeugnis mit Roten für die ein­zelnen Unterrichtsfächer vorlegen und eine De- cheinigung des unterrichtenden Lehrers, dah ie bemüht waren, sich folgende Äenntntffe an­zueignen . a) Fähigkeit, deutsche und falls in VI eine Fremdsprache beginnt lateinische Schrift zu schreiben und mit richtiger Betonung geläufig zu lesen; b) ziemliche Sicherheit In der Rechtschreibung der in der Sprache des täg­lichen Lebens vorkommenden Wörter. Der 6d)üler muh fähig fein, ein kurzes und leichtes Diktat in deutscher und eventl. lateinischer Schrift ntederzuschreiben; c) in der Grammatik soll ein Schüler in den deutschen Bezeichnun­gen kennen: Satzgegenstand, Satzaussage; Ge-1

schlechtswort, Dingwort, Eigenschaftswort, Zah!wort. Zeitwort; Biegung der Ding- und Zeitwörter, letztere nut in den Hauptzetten in ber Wirklichkeitsform ber tätigen Form; d) hn Rechnen Kenntnis ber vier Grunbrechnungs- arten in unbenannten ganzen Zahlen, im Zah­lenkreis bis 1000. dabei auch bie Division mit zweistelligem Devisor.

3. Schüler, beren Zeugnis für Deutsch unb Rechnen minbeslens bic Äotegut aufweist. Derben ohne Prüfung ausgenommen. Bei allen übrigen ist bic Aufnahme abhängig von einer Prüfung.

Dei der Aufnahme In bic höheren Lehr­anstalten foll, den befonberen Verhältnissen entsprechend, weitgehend Gebrauch von der probeweiicn Aufnahme gemacht werden. Er­weist sich In einer Probezeit bis Pfingsten, dah ein Schüler den Anforderungen der Sexta einer höheren Lehranstalt nicht entspricht, dank- soll er nach der Grundschule zurückverwicsen' werden.

** FaischeHundertmarkscheine. Wie *r»ir bereits gestern furx mitteilten, sind von den RttchSbanknoten zu hunoerl Morl vom !. Novem­ber 1920, bie sich seit Januar Im Verkehr be­finden Föllchungcn aufpclaucfct, die lcich: als solche kennlich sind. Die echten Roten tragen auf der Rückseite einen kupferbraunen Streifen, der nicht auS ousgedruckten Färbst ichen sondern au8 Pflanzenfasern besteht, bie in bi# Panier einge­lassen sind unb sich mit einer Radel ablö'en lassen, ferner auf bem rechten und linken unbedruckten Rand etn Wasserzeichen über den Re mwert, daS auf dem einen Rand kn heller, auf dem andern in bunller Ausführung erfdxtnl Das Pu l k m iann sich durch Prüfen dieser beiden Merkmale leicht vor De.l sten schützen DaS Reich bin bircltorium bat für bic Aufdeckung von Frlschmünzeitocrk- ftätten unb für Mitteilungen, bic zur F.stnatzmc von Herstellern unb Derbreitern falscher Rrich> banknoten führen. Delohnungcn bis 10000 Mk. ausgesetzt.

W. Die Deutschnationale Dolks- Partei hielt gestern abenb im Hotel Einborn eine Dersammluna ab. in der Oberst v. Ty l an - der sprach. Der Dorsitzende hieh bic Erschienenen willkommen unb erteilte dem Referenten bat Wort zu feinem DortrageTfänner brau­chen to l r. Oberst u. Tylander führte eingangs aus. wie cS jetzt zur Stunde ber gröhten Rot Pflicht jcdcS Deutschen ist. da- Daterland zu retten. Dazu muh man sich vor allem Rechen­schaft darüber oblegen, wie wir stehen. Rur bann können wir den Weg finden, ber au« unserem Elend hcrauSsührt. Wir müssen unfern Blick auf die Umwelt richten, bie uni feindlicher gegen- überslehl als je zuvor. Dom Standpunkte welt­politischer Erkenntnis aus entwickelte er deshalb ein Dilb unserer Lage. Er wieS darauf hin. bah noch in diesem Monat ein weltgeschichtliches Er­eignis vor sich gehen wird, die AbrüstungS- konferenz In Washington. Der Gedanke der Abrüstung ist dabei nur ein Aushängeschild, eine Erfindung, um bic Welt über ble wahren Gründe der 3ufammenfunft hinwegzutäuschrn. In Wahr­heit handelt es sich um ganz andere Dinge, die. tote der Dortragende In überzeugender Weise bar­legte, In ber Frage bestehen, wie sich in Iukunfl die beiden groben angelsächsischen Mächte, Eng- land unb bicbereinigten Staaten von Roro- amcrlla, zucinanber stellen werden. Dah es früher oder später einmal zu einem Konflikt kommen muh. Ist sicher. England aber sucht in der Gegenwart mit allen Kräften auS inneren Grün­den diesen (Zusammenstob hinauszuschieben. Eng­land, bic Union unb Za van finb die Mächte, bic in naher (Zukunft mit- und gegeneinander fechten werden; die Gegensätze zwischen ihnen wenig­stens noch zeitweise zu überbrücken, ist 3weck ber Washingtoner Konferenz Aus bicscm Mit- und Gegeneinander der genannten drei Mächte ergibt sich bie günstige Stellung, In ber sich die vierte befindet. Frankreich, das auf Grund dieser Gunst der Verhältnisse eine Machtpolitik treiben kann, zu der es eigentlich in keiner Weise befähigt ist. Sowohl Amerika wie England buhlen um seine Gunst. AuS ber Erkenntnis bi cf er Lage der Welt­politik ber Gegenwart muh nun Deutschland die richtigen Schlüsse ziehen. Der Redner legte an Hand des belgischen Markabkommens unb bcs Rathenau Louchcur - Vertrages bar. tote un­sere leitenden Kreise bisher in ihrer Politik nach Frankreich orientiert haben. Dadurch aber stiehey wir England, wo sich schon Anzeichen der Er- kennmis von ber Unmöglichkeit des Fortbestehens der Versailler Debingungen bemerkbar machten, vor den Kopf, was sich In Obcrfchlcsien bitter ge­rächt hat. Immer wieder zeigt sich so in ber Führung unserer politischen Geschäfte seit bem

Waffenstillstände bie Linie des RachgebenL ^rianb reist jetzt nach Washington mit Der aus- gesprochenen Absicht der .Sicherung Frankreichs gct.eii Deutschland". b. h put Dem Dillen uns >en Rhein au rauben. Unter« Politik ber Orten« tierunq nach Frankreich hin war also sallch. Schall» an unserem verkehrten Hanbeln Ist blt Tatsache, bah wir keine Männer mehr haben, weder an der Spitze noch Im Volke. So war es. wie der Vortragende barlcqte. aber schon lange vor dem Kriege. RlaieriaiiHmus und Egoismus batten uns untere Mannhafilllttl geraubt, wozu viel der Umstand beitrug, dah an ber Spitze Volksfremd« standen Zetzt müs'en wir mit diesem Geiste endgültig aafräumen. Fährer können wir licht erziehen, die müllen i>on allein kommen unb werben kommen, wenn wir wteber Männer, wenn wir wieder Persönlichkeiten In unserem Volke haben werden Lharaktere müllen wir her­anbilden Dazu gehört, fester Wille. Uneigen- nünigfelt und Treue. Richt auf bem Wege ber Gewalt können wir unser Volk wieder in die Höhe führen, sondern durch Erziehung unb Aus- harung. Unb wenn wir so In unterer Jugend ein neue# Geschlecht Im Geiste unserer Väter heran- ziehen, wirb einst ber Tag kvmm-n. an dem das Reiä> toieb?r zu neuer Blüte m oa^eflcr Bei all banlte dem Redner für seine auf- sch'uhreichen Darlegungen. Der Vor'i end- mohute sodann auch scinerlclts zur Einigkeit und schloh mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf daS deutsche Vaterland ble Versammlung.

Landkreis Wicftcn.

Burkhardsfelden 3 Rov Eine zu« Besten ber Verunglückten und D schädigten von Oppau vcanstatt« Haussammlung er- Sab unter Beteiligung der gan,en Stnwvhne,schäft en für unser Dorf sehe stattlichen Betrag von 1050 Matt.

LangaönS, 3. Rov Die hie'lgc Orts- gruppe des hessischen Bauernbundes, eine ter starrsten Gruppen dieser Organisation, bat einstimmig beschlossen, für die Gifte der Dcutschnotlonalen DolkSpartel c n- zutreten.

H u n g c n. 4. Rov. Del Instand'ehuiig der Tclegraphenlcttung verunglückte am Mitt­woch der hiesige Silcnkxibnarbe'ter Friedr R i ck c l bei der Station Dorheim AIS er einen Mast crstlipen bette und oben arb i e c. brach ter Mast plötzlich ab und begrub Im Fallen den Dcrunglück- Icn unter sich Wahrfchc n'ich war der In der Erde befindliche Teil deS Maste) faul geworden Mau brachte Rickel mit einer Tragbahre in das Sta­tionsgebäude, wo sich ein Arzt seiner annahm. Durch ten Fall hat bet Verunglückte Quetschungen erlitten, kam aber im übrigen mit dem Schrecken davon Er dürfte in ewigen Wochen wieder her- gestellt fein.

Kreis Friedberg.

bnz. Bad-Nauhclm. 4. Nvv. ($tn wegen FalfchspiclenS verhafteter AuS- fänber wurde gcftem vormittag dem Unter­suchungsrichter zur Vernehmung vor geführt. Bei der Vernehmung stellte cs sich heraus, dah man es mit einem vlelqcfuchtcn Ver­brecher zu tun habe. Als der Verhaftete in das Arrestlokal zurückgefühtt werden sollte, ging er dem ihn begleitenden Gefängnisauf­seher durch und konnte seine Spur bis gefiern abenb nicht gefunben toerben-

Turnen, Sport und Spiel.

D i c neuen Schy>imm-Weltre- korbe. Ein Blick In bic Liste ber In diesem Zähre verbesserten Schwimmweltrckorde zeigt in erfreulicher Weife den Aufstieg der deutschen Dchtolmmlciskungen. Don den elf Höchstleistungen für Herren, die In diesem Zähre neu geschaffen wurden, find drei von Deutfch.'N, drei von Ame­rikanern, zwei von Australiern, zwei von Schwe­den unb eine von belgischen Schwimmern auf­gestellt. Der deutsche Druftmeifler Rademacher- Magdeburg schuf über 200 und 400 Meter neue Welthöchstleistungen, während sein Klubkamerad Froelich im 100-Meter-Rückenfchwimmen den bis- hc-rigen Weltrekord deS Am.rikaners Kealoha verbesserte. Wir geben nachstehend eine Liste ber in diesem Zähre von dem internationalen Schwimmvcrband anerkannten, früher geschaffenen Höchstleistungen und fügen daran ble neuen Re­korde. ble noch der Bestätigung harren Herren: 100 Meter beliebig: 1:00,4 Kahanamoku-Ame- ri!a ausgestellt 1919 (anerkannt) 1:03,2 Kahnna- moku 1921 100 Dards beliebig: 53 Sek. Kaha- namoku (1919); 52 2 Sek. Kealoha-Amerska (1921) 200 Meter beliebig: 2:21,6 Norman Roh-Au- stralien (1919), 2:19.8 Danu-Amerika (1921); 400 Meter beliebig: 5: 14.6 Norman Roh-Australien

Der Schutz im Vlut.

Roman von Horst Dodcmcr.

Sv. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Auch Moria wurde hart gegen ihr eigen Fleisch unb Blut, Der Zunge touräc ihr zu un­bequem. Unb neulich hatte ber Rcgicrungsasies or von Holtenau Besuch gemacht. Sr hatte einen bienstlichen Grund vorgeschützt. Sich ertunbigi. ob die neue Brücke über bie Gbbcr in ber Dorf- gemartung auch vollkommen den Anforderungen entspräche. Unb dann fein Entzücken über bic herrlichen GaNcnanlagen g?äuhert. Der Delo- nomicral Netz fein Licht leuchten unb der Re- gierungsassellor tat. als höre er aufmettlam zu. Die Zeil verging, er Mich zum Abendbrot, machte Gretel tüchtig ben Hof unb bankte sehr herzlich für bie Aufsorderung. halb einmal wieder zu kom­men. urj> war schon zw«:r.al wieder da g.wesen Die Gretel fab es gern, der tollte ter HanS .ben Ausitieg" nicht verdauen. Und Maria hoffte bann auch, zeitweilig tvenigsten». aus bem langweiligen Leden hier herauszu'o-rmen. Selbst aber wog e sie es nicht, den Dorschlag ihres Bruders Mann unb Schwiegervater zu unterbreiten.

.Sprich du mit den Männern! Ich hab hier schon lange nichts mehr zu sagen! Zcdcnfalls sträube ich mich nicht dagegen. HanS mutz un­bedingt wenigstens so lange toeü weg auS dem Haufe, bis Gretel verheiratet Ist.

Das leuchtete Ernst Sitten sofort ein. Die Geschwister verstanden sich auch ohne viele Worte. Er war überzeugt, datz er seinen Willen bet ben Wärhahns durchsetzte.

Der Celononuetai hörte ihm ruhig zu. Keine

MuSket zuckte in seinem Gesicht. Als Srnst Sit­ten der Atem ausging, fragte er ruhig

.Sind Sie nun fertig 7

.Ader jai Ich meine. Ich hätte mich ganz deutlich au gebrült sagte er hochmütig

.Drr l cht deutlich fogit* 1 Uno m inc Ant­wort soll noch deutlicher werden. Wir beibm finb in zwei ganz verschiedenen Weltanschau­ungen grvtz geworden. Ihr lauft bem Del Oe nach« Immcrzu, für Geld kann man ben Teufel aus bem Sise Polla tanzen scheut Ich kann mir verstellen, datz baS m.tunter Spatz macht! Wir aber, wir stehen erst einmal breitbeinig auf un­serer Mutter Erbe. Unb ich sage au herbem: Geld Ifi Dreck und Land ist Dreck! Gold in der Tasche lockt hinaus inS Weite zu gierigem Gewinn, zu Lust imO Freude. DaS Land aber ruft unS zur Arbeit im Schweitze unseres 21n- gefichts. Mich kümmerts nicht, ob einer klüger babei wird ober bummer bleibt, ich weitz aber ganz bestimmt eins: Land hall die Familie, folglich auch im weiteren Sinne bie Volksgenos­sen zusammen. Dom Lande kommt bie Kraft. Ich bin nur ein Vvlksfchüler gewesen, aber ich hab' doch manchmal m Geschichtsbüchern später geleten. gelesen mit meinem gesunden Mcn'chen- verstand: Und da hab ich noch immer gefunden, datz ein Voll stark Blieb, klang? es sich auf fein Land verliest. Reichtum bat aber noch jedes verweichlicht, fchliestlich in Stücke geschlagen. Wern Standpunkt mag in Ihren Augen schrecklich rück­ständig sein, ich last auch einen anderen gelten: Ader meinen SEndpunkt vertrete ich; ich warte auf bic Stunde, in der meines Enkels Blut nach dem Lande schreit, schreit, Herr Sitten, das uns Wärhahns gehört. -Hab totsn man etwas Ueb

gewinnen soll, must man eS sehen möglichst ftünb- lich! Also ich bemalte Hans hier! Unb wenn er ein morscher Ast ist an unserem Stamm, fo bricht ihn eben das Leden alS Sturmwind abl DaS tut weh, daS Ist traurigi Ader wenn der mottche Ast »erlaufen muh, dann aut meinem Lande. Auch Fäulnis gibt festen E d«S Ära ft DaS lehrt bas Leben. Nämlich durch die 2Iuf- erstebung. ble wir Landleute als Zdcbtraft, Dung genannt, in die Heimaterde einpflügen. Auf b c Familie angewandt: will'S Go.t, so wirb b?r 3ungc bas warnenbe Beispiel, wenn nicht für meine Familie. tt>nl sie klein ist. so für de Allg?mcinheit, | he Völlige Visen hier Im Um­kreise Und beshald lai; ich nicht feier! Ich tu meine Pflickü unb binde den jungen Baum, wie cs stets gemacht werden soll, fest an einen Pfahl. Der Pfahl ist meine Streng? unb baS Band der Liede zu meinem Blut. Wirb der Stamm wurzelfest. kräftig, mag das Band taufen unb ber Pfahl dazu. Beide haben ihre Pflicht getan. Der Baum trägt später feine Früchte, dann kommt Pfahl und Band wie-'er an die Reihe und fo gchts fort in alle Ewigkeit. Ein Fehler ist freilich gemacht worden, HanS wurde zu locker angebunden. Wer die Schuld hat, geht Sie nichts an, die Hauptsache bleibt, ich weih eS unb handle nun tote ich s must!"

Ernst Sitten lieh bie Unterlippe hängen. Ge­gen b j c Stirn rannte er nicht an. cs war doch zwecklos. Unb den Stanbpuntt soll man ehren.

.Da habe och Ihnen nur guten Erfolg zu wün­schen, Herr Ocfonomicrat!"

.Danke! Da- war auch bic einzige Antwort, die ich gelten lassen kann!" . . .

Hans abneie erleichtert auf, als Geld Ernst

wieder abgefahren war, besah sich im Spiegel, stdch sich ben allen Flaum, der auj feiner Ober­lippe sprostte, glatt unb lachte höchst zufrieden mit sich rnb bei Welt. Dusel muhte ber Wensch haben! Sein Lebtag würde er alS An denken an daS .Oagbabenteuer" sein rechtes Bein ein wenig nachziehen, der Bellhied Hane eine ©ebne durchschlagen, sehr hinderlich war Ihm das b im

i Gehen nicht aber nun brauchte er ganz sicher nicht aU Gemeiner zu bienen. Unb das war bie einzige Sorge, die er bisher gehabt hattet

14.

Ernst Sitten hatte seinem ilrrrmite freien (3ain gelassen, alS er vom Oefenomierat zu feinet Schweflet gekommen wat.

.An meine Ratschläge hast bu dich nicht gehalten. Unb beine Ausgabe war wahrhottlg nicht schwer! Sieh bu nun allein zu. wie bu mit deinem Wanne unb beinern Schwiegervater fertig wirst Du bist zu bequem gewesen unb daS Leden ist KambsI Zum Donne-w'tter, w e kann ein Mensch überhaupt ohne Aufregung leben!"

Maria traten bl« Träm.n In ble Aug-n. ihrs Lchuttern zuckten von unverhaltenem Schkuyzen.

.Diese öintftnigteil hier hat mich m£ut>e ge­macht.'"

-Die Elnlönigkeit hättest bu nicht auf« kommen lassen sollen! Die Heiden Männer fest in der Hanb zu behalten, wäre für dich doch kein Kunststück gewesen! Der Heimer Ist ty-rbummeUi Herdenvieh! De hl tau 6 auf die Felder, rein ht den Kuhstall, fetzt fkb abends hinter feine Flafche, wie ein aufgezogenes Uhrwett. Kein Schwungs keine Tatkraft ist in dem Wanne!"

(Fortsetzung folgte