Ur. \ Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Montag, 5. Januar 1921
VieKalkner aufLinöenhöhe
Römern von ReinholdOrtmann. kNachdruck verboten.) Fortsetzung 73.
Ter Weg ytr Familiengruft der Falkner mar ihm wohlvertrant, und der tempebartige Aufbau, der ftc fdjBttütftc, grüßte ihn schon von Weitem. Er hatte kaum mit der Möglichkeit einer unerwünschten Begegnung gerechnet; aber als er sich dem Ziel ieines Weges näherte, sah er, daß er nicht der einzige war, der an diesem Vormittag Frru Eignes Grab besuchte. Auf der marmornen Bank, die tm Halbrund bte mit Steinplatten bedeckte Gruft Umschloß, saß ein barhäuptiger Mann, der etwas Weißes, anscheinend ein Skizzenbuch, aus seinen Stmeen hielt, und der ersichtlich ganz in die Arbeit des Schreibens oder Zeichnens vertteft war. Ta er fern Gesicht nicht sehen konnte, glaubte Erich erst, seinen Bruder Achim vor sich zu haben, und er beschleunigte seinen Schritt. Bald aber wurde er seines Irrtums inne. Diesen da kannte er nicht. Es war ein gut gekleidete Dreißigjähriger mit breiten Schultern und dichtem Haupthaar. Es war kern Zweifel mehr, daß er wirklich zetck>- nete. Er hatte das Raherkommen Erichs nicht bemerkt; denn er hielt in seiner Tätigkeit auch nickt ein, als der junge Tagesschriftsteller schon dicht hinter ihm stand. Heber seine Schulter hinweg konnte der Scharfäugige das Blatt mit der anscheinend fast vollercketen Zeichnung Überblicken. Es war eine in kühnen, sicheren Strichen l)iW* rtoorfene Skizze der gesamten Grabanlage. Aber der Künstler hatte sich nicht auf dre Wiedergabe der Wirklichkeit beschränkt, sondern er hatte vor die leere Fläche der Tempelfront eine überlebensgroße Figurengruppe gesetzt. Und ym diese allein mußte
es ihm zu tun gewesen sein. Alles andere war nur der flüchtig behandelte Rahmen für die beiden bis in die Einzelheiten liebevoll ausgeführten Gestalten des gedachten Grabmals. Von allem Herkömmlichen freilich war dieser Entwurf sehr weit entfernt. Er hatte nichts von der erhabenen Ruhe und dem sänftigenden Frieden, denen man in Werken der Friedhosskunft zu begegnen gewöhnt ist. Riesenhaft und drohend, von den Sckmltern ab- wärts durch ein weites, in losen Falten berab- fallendes Gewand verhültt, erhob sich die Knocben- gestalt des Todes, eben im Begriff, ein wider- sttebendes junges Weib in ihre Arme zu ziehen. Mit überzeugender Wahrheit kam in der Haltung des stark bewegten weiblichen Körpers zum Ausdruck, was ein lebenstrotzendes und lebensdursttges menschliches Wesen an Kräften des Widerstandes auf bietet, um sich dem Griff des unbarmherzigen Würgers zu entwinden. Tie Hoffnungslosigkctt der verzweifetten Gegenwehr drückte dem Ganzen einen Zug von Brutalität auf, der doch nicht ohne künstlerische Größe war. Meisterhaft gelungen aber war der Ausdruck des von dem schauerlichen Knochenmanne abgewandten, auch in seiner namenlosen Qual noch wunderschönen Antlitzes, m dessen Zügen sich viel weniger Angst umb
trotzige Auflehnung und leidenschafttich wilder öom zu spiegeln schien. Als Darstellung eines Frauenraubes hätte diese Gruppe sicherlich auch den t)od£ sten Anforderungen genügt, die an ern plastisches Kunstwerk gestellt merben können
„BerzeihOi Sie die Unterbrechung, mein Öerr!" sagte Erich plötzlich, indem er neben den Zeichner trat. „Ihr Entwurf ist sehr schön/'
Ohne sich überrascht oder gar bestürzt zu zeigen, hatte der Hnbekannte flüchtig au7gesehen, sein Gesicht mar noch jung und von fernen, burchgei- | fügten Formen; aber die zchamrnegezogenen
Die Sukonst der höheren Schulen Reffens.
Aus einer oberhessischen Kreis- stadt erhalten wir folgende Zuschrift:
Nach dem Gesetz über die Kosten der höheren Schulen vom 21. März 1914 haben die Gemeinden, in denen sich höhere Schulen befinden, sämtliche sachliche Ausgaben und pro zentuale Anteile an den persönlichen Kosten der Schule zu bestreiten. Die Höhe der fach lichen Ausgaben ist infolge der allgemein eüv getretenen Teuerung enorm gestiegen, noch mehr aber sind die persönlichen Kosten durch die neue Besoldungsordnung gewachsen. Die Gemeinden sind selbst bei dem besten Willen, die höheren Schulen aufrecht zu erhalten un- möglich in der Lage, die außerordentlich hohen Beiträge zur Unterhaltung der Schulen zu leisten. Falls der Staat nicht helfend eingreift und eine anderweitige Regelung des obenerwähnten Gesetzes vom 21. März 1914 nicht erfolgt, ist die Existenz der höheren Schulen bei den derzeitigen Verhältnissen auf die Dauer in Frage gestellt. Die sämtlichen interessierten Städte mit höheren Schulen haben sich daher schon lange an die hessische Staats- regierung mit der Bitte um Aenderung des Beitragsvcrhältnisses zwischen Staat und Gemeinden gewandt. Entscheidungen hierüber sind noch nicht getroffen, obwohl es dringend an der Zeit wäre, diese äußerst» wichtigen Fragen so bald wie möglich in der hessischen Staatsregiecung und int Landtag zu behan deln, damit vor Beginn des neuen Schuljah res Klarheit für die Schulen, für Staat und vor allem für die Gemeinden, die die Kosten aufzubringen haben, geschaffen wird. Das hessische Finanzministerium teilt auf Einga ben mit, daß im Hinblick auf die Finanzlage weitergehende als die z. Zt. vom Staat aufgewandten Mittel für die höheren Schulen nicht bereit gestellt werden können, der Staat würde nur diejenigen höheren Schulen, an deren Bestand die Allgemeinheit ein Interesse daran habe, in ihrer Existenz erhalten, leistungsschwache Gemeinden würden seitens des Staates Zuschüsse aus dem Ausgleichsstock erhalten, manche Gemeinden würden eventuell gezwungen, ihre höheren Schulen eingehen zu lassen.
Es wäre außerordentlich bedauerlich, wenn in diesen Erklärungen des Finanzministeriums eine Bevorzugung der großen Städte zu suchen sei, wenn die höheren Schulen vom Land verschwinden würden und sich die zukünftige Beamtenschaft nur aus dec städtischen Bevölkerung rekrutierte. Denn den auf dem Land wohnenden Familien wird es bei der herrschenden Teuerung zukünftig unmöglich gemacht, ihre Kinder die höheren Schulen einer Stadt besuchen zu lassen. Höhere Schulen müssen auch auf dem Land unbedingt be stehen bleiben. Wenn der Staat, wie wir wohl verständlich sinden, aus Sparsamkeitsgründen nicht alle z. Zt. bestehenden Schulen besser sinanzieren und erhalten will, so soll er selbst unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse, geographischen Lage, Zugvecbinoung und bergt, bestimmen, die und, die Schule bleibt bestehen und erhält eine entsprechende staatliche Unterstützung, der und der Schule muß die staatliche Subvention und Beitragsleistung entzogen werden. Jedenfalls müssen die interessierten Gemeinden umgehend die Stellung der Regierung und des Landtags kentten, damit sie rechtzeitig über das Schicksal ihrer höheren Lehranstalten bestimmen können. Auch im Interesse der Eltern und deren Kinder, sowie der Lehrkräfte (Versetzungen!) ist eine baldige Entscheidung dringend erwünscht. Mit einer Vertröstung und Verweisung auf den nebelumwobenen, berüchtigten Ausgleichsstock, von dem alle finanzschwachen Gemeinden, besonders die großen Städte Rettung und Erlösung aus ihrem Finanzelend erhoffen, ist den Gemeinden nicht gedient. Hier so rasch wie möglich klare Entscheidungen zu treffen, ist unabweisbare, dringendste Pflicht der Regierung und der Abgeordneten.
Au» Stabt und Land.
Gießen, bat 3 Jan. 1921.
Aufruf und Einziehung der ReichSbank- noteu zu 50 Mark vom 30. Nov. 1918.
Die Reichsbank ruft nunmehr durch öffent siche Bekanntmachung ihre 50-Mark-Nvlen mit dem Datum vom 30. 11. 1918 auf. Die Besitzer werden auf gefordert, diese Noten bis zum 31. Ja nuar 1921 bei einer Dienststelle der Reichs bank in Zahlung zu geben oder gegen andere gesetzliche Zahlungsmittel umzutauschen. Mit dem 31 .Januar 1921 verliert die ausgerufene Note ihre Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel, was zur Folge hat, daß nach diesem Tage niemand mehr verpflichtet ist, die 50-Mark-Noten vom 30. M vember 1918 anzunehmen. Es empfiehlt sich deshalb, schleunigst alle 50-Mark Noten dieser Ausgabe bei einer Reichsbankanstalt, öifentlichen Kasse, Bank, Sparkasse oder Geldinstitut m Zahlung zu geben ober umzutauschcn. Nach dem 31. Januar 1921 erfolgt die Einlösung nur noch bei der Reichsbanlhauptkasse in Berlin, aber auch nur bis zum 31. Juli 1921. Mit letzterem Zeitpunkt erlischt für die Reichsbank die Einlösungspflicht überhaupt.
Um jedem Irrtum vorzubeugen, wftd aber ausdrücklich darauf hingewiesen, daß es sich bei diesem Ausruf lediglich um die Reichsbanknoten zu 50 Mark mit dem Datum des 30. November 1918 handelt. Unberührt vom Aufruf bleiben sämtlich: übrigen Reichsbanknoten, Reichskassen- scheine und DarlelMskassenscheirre, also auch die anderen auf 50 Mark lautenden Darlehnskasseu- scheine und Reichsbanknoten. Alle diese Geldzeichen bleiben gesetzliches Zahlungsmittel, müssen also von jedermann auch ferner in Zahlung genommen werden. MTB.
Acnderungen in der örtlichen Verwaltung der Zölle und Verbrauchssteuern.
Frühere Benennung: Jetzige Benennung:
Hauptsteueramt Gießen Hauptzollamt Gießen
Zollabfertigungsstelle am
Bahnhof Gießen Zollamt Gießen-Bahnhof
Steueramt Friedberg Zollamt Friedberg
Salzsteueramt Bad-Nauheim Zollamt Bad-Nauhcim Ortseinnehmerei Lauterbach Zollamt Lauterbach Ortseinnehmerei Nidda Zollamt Nidda.
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" Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde am 8. Dezember 1920 der Amtsarzt bei den Kreisgesundheitsämtern Büdingeii^und Schotten Tr. .Ludwig W i l l m an n zu Bad-Salz- Hausen zum Kreisarzt bei dem Kreisgesundheitsamt Lauterbach mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts an. — Am 22. Dezember wurde Der Ministerin!sekretär bei der Buchhaltung des Ministeriums der Finanzen Philipp Gänzler zu Darmstadt vom 1. April 1920 ab zum Burecu inspektor beim Katasteramt ernannt. — lieber tragen wurde am 25. 9loöember dem Lehrer Jakob Ackermann M Maar, Kreis Lauterbach, unter Zurücknahme des Dekrets für Goddelau, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Fürfeld, Kreis Alzey. — Entlassen wurde am 21. Dezember die Lehrerin an der Volksschule zu Lich im Kreise Gießen Emilie Köhres auf ihr Nachsuchcn vom 1. Februar 1921 ab aus dem Schuldienst. — Erledigt ist eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Schulstelle an der Volksschule zu Fricd- berg. — Ernannt wurde am 22. Dez. 1920 W. Pettscher zu Grebenau zum Kanzleigehilfen bei der hessischen Oberförsterei Grebenau vom 1. Juni 1920 an; Adele Hoffmann zu Friedberg zur Kanzleigchilfin bei der hessischen Oberförsterei Friedberg vom 1. April 1920 an. — Ernannt wurden zum Kreisamtmann: 1. Kriegsgerichtsrat Konrad Wolf-Büdingen, 2. Rog.-Asfefior Tr. Erich Kayser-Bingen, 3. Reg.-Asseffor Erich W. Jourdan-Worms, 4. Reg.-Assessor Tr. W. SB t nT e I m a n n » Friedberg. — Ernannt wurden: zum Vorstand der LandesgendarmerieLir eklion Po- [ifreiamtmann Tr. Hermann Usrnger - Darmstadt ; zum Polizeiamtmann ber dem Polrzet'amt Tannstadt Kreisamtmann Dr. Karl Ahl- Darmstadt ; zum Regierungsrat der dem Kreisamt Darmstadt Regierungsvat Karl Rudolf Schäfer -Schotten; zum Kreisamtmamt Reg.-Assessor Dr. Theodor Krebs- Heppenheim. — Ernannt wurde am 1. Tez. 1920 der Lehramtsassesfor und Kandidat für das landwirtschaftliche Lehramt Tr. Hermann Schad zu Friedberg mit Wirkung vom 1. Dez. 1920 zum Landwirtschaftslehrer.
** Die hessische Brandversiche- r 11 n g Stamm er erinnert wiederholt an die Bestimmungen des Notgesetzes, betreffend die Erhöhung der Leistungen der Brandversicherungsanstalt für Gebäude bzw. macht sie aus ' ' Merkblatt, welches bei Brandschäden an
scheinend nicht hinreichend beachtet wird, aufmerksam.
Schutz gegen Schreibmaschinendiebstahl. Tic Handelshuiimer Gießen macht Interessenten darauf aufmerksam, daß eine Frankfurter Grcwievanstalt wur Verhinderung des Diebstahls von Schreibmaschinen diese mit einer nicht entf entboten Eingravierung der Firma oder des Namens des Besitzers veffieht. Tic Arbeit wird am jeweiligen Standorte ter Maschine ohne sonstige Betriebsstörung aue-gefuhrt und nimmt pro Niaschftte 1/1 ©tunbe in Anspruch: der Preis der Gravierung stellt sich auf 10 Mk. bis zu 15 Buch staben, für jeden wetteten Buchstaben 50 Pf mehr In Frankfurt, wo wöckxmtlich durchschnittlich zirka 125 Schreibmasckinenbiebstähle polizeilich gemeldet wurden, merken jetzt, nachdem zirka 3000 Schreibmaschinen mit dieser Gravierung versehen sind, fast feine mehr gemeldet. Tie Handelskammer ist bereit, die M>tessen derjenigen Firmen, die ihre Maschine mit der Eingravierung versehen lassen wollen, zu sammeln und sie nach Frankfurt a. M. weiterzuleiten. Schlußtermin sirr Meldungen 10. Januar 1921.
Kreis Schotten.
X Ulrichstein, 30. Dez. Heute fand in der Gastwirtschaft von Mannstiel eine gutbesuchte V e r- sam mlung von Bürgermeistern und Gewerbetreibenden aus Ulrichstein und den umliegenden Orten unter Vorsitz des Kreisamt mamt-5 Tr. Rftckfuß aus Schotten statt, die fid) mit der Hebung und Förderung der Hausindustrie im Vogelsberg beschäftigte. Tie Forstbehörde mar vertreten durch Forstmeister Leo Ulrichstein) und Forstmeister Keil iSchotten), die Gewerbeinspektion durch GemeSerat Tr. Gerhardt, die Gesellschast zur Förderung des oberhessischen Handwerks und .'ihuiftgcroerbev durch Tr. »trausmiiller, Baurat Kuhlmann und Architekt Burg. Tie sehr eingehende Aussprache befaßte sich mit der Beschaffung von Holz, mit Verbesserung der Arbeitsmethoden, Schaffung neuer Industrien und besserer Regelung des Absatzes. In ^tracht kommen u. a. Messer fdjmicbe, Rechenmachr, Schllckler, Drechsler, Löffel schnitzer usm. Es wurde die Gründung einer Vereinigung der Hausindustrie im Vogelsberg beschlossen, die in einzelnen Fachvereinigungen gcgliebert ist und unter ßeitimg von Rechenmacher Heinrich Güulher I. iRedgesk)aiu>, Schindlernleister Johs. Korcll I. ! Helpershain) und Kreisamtnumn Tr. Rirckfuß steht.
Ö Ulrichstein, 30. Dez. Unser Gebirgs städtchen hatte vorgestern außergewöhnlich seltenen Besuch. Es waren der Bürgermeister und die Stadtverordneten von Bad-Nauheim, die von der Oberpostbirektion Frankfurt a. M. zu einer aus gähnten Postautofahrt durch Ober helfen eingeladen worden waren. Die Postdirektion wollte damit der Stadt Bad-Nauheim Dank erweisen, weil sie bei der Errichtung der Postautostation Bad-Nauheim behilflich gewesen ist. Die Besucher kamen über Friedberg, Büdingen, Nidda und Schotten und fuhren nach einem einfachen Mittagsmahl über Laubach zurück.
Kreis Friedberg.
O Butzbach, 30. Dez. Wohlgelungenc 23er- anftalhmgen ber Liga zum Schutze der deutschen Kultur sanden dieser Tage in Griedel und v 0 ch - Weisel statt. Redner war jedesmal Pros. Schl ar b, defsen Ausführungen lebhaftes Interesse entgegengebracht wurde. In Griedel bildete sich im Anschluß an den Vortrag eine starke Ortsgruppe der Liga. — An das Lazarett in Gießen wurden durch die Geschäftsstelle der hiesigen Zeitung über 500 Mk. für das Weihnachtsfest abgeliefert, die durch fteiwillige Speicken gesammelt worden sind.
= 23 ab-Nauheim, 30. Dez. Ein Mieter- schutzverein wurde hier gegründet. — Als weitere Vereinsgründung ist am 2. Januar die Gründung eines Konsumvereins durch den ftoni'umöerein Gießen geplant. — Die Täter, die kürzlich den Einbruch in das Goldwarengeschäft von Hofmann verübt und dabei SBarcn im Werte von über 10 000 Mk. entwendet haben, sind in Essen festgenommen worden. Es sind vier Spitzbuben, ein Italiener Gippi, zwei Ge- lwüder Stolp und ein gewisser Brandt. Ihren Raub hatten sie noch in Händen. — Tie häufigen Einbrüche der letzten Zeit veranlaßten den Hausbesitzer- und den Detaillistenverein, Schritte zur Sicherung des im Winter fast kaum belebten besseren Geschäftsviertels zu tun. Der Ausbau der hiesigen Wach- und SchließAesellschaft soll baldigst erfolgen. Eine Bürgervenammlung wird sich in den nächsten Tagen mit der Angelegenheit befassen.
Starkenburg und Rheinhessen.
Schändung von Gartenanlagen.
Offenbach a. M., 30. Dez. In den städtischen Gartenanlagen haben Diebe wäh
rend der Christnacht von 54 wertvollen Nadelhölzern, darunter Blautannen, Nord- mannstannen und Cypressen die Kronen abgcschnitten inib dadurch die Bäume für immer verschandelt.
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* Darmstadt, 29 Dez. Än Tezembev dieses Jahres fand hier eine sameradsct*ntlicke Zusammenkunft aller ehern. Artilleristen vom Artill - Regiment 25 und Res.-AniU.-Regt. 25 statt. Tie Anremrng lncrzu kam von den gedienten Ar- ttllcristen des Regiment» au.< dem besetzten (Gebiete, denen dorr unter den heutigen Verbttlnissen jede gesellige Zusammenkunft vLn ter Be apungs- behörde unterbunden wird. Aus Nay und Fern strömten die alten und jungen Regimenlskameraden aus cttlen Teilen des Hesienlanbes zu ihrer alten Gamisonstad^ Darmstadt, so daß schon lange vor Beginn des Tagungsprograium» alle Räumlichkeiten überfüllt waren. Vormittags fand auf Dem Walbfriebhvf <m den Gräbern der Gefallenen Kranzniederlegung statt. Tie Feier' wird allen TeiM nebmem noch lange in Grinnenmg bleiben Anden Bcvatimgen seien als befonbcrc Miulte er» nxilynt: Zusammenschluß aller ehern 25 Artilleristen zu Kreis- und Provinzverbändeu, Feier des 1 BOiälyngen Stistungstags des Regimenls im ?lpril 1921 in Tarmftabt, weitgehende Unter« stützung von Hinterbliebenen gesallencr Regimentskameraden usw. 9Md)i)cm der gefdiditlidie Teil erledigt war, saßen die ehern. Offiziere unb HUmeraten des Regiments bei ben Klängen de» ehern. Re- gimentstrompeterforps beim Austausch alter Erinnerungen aus Kriegs- und Friedr'uszciten nedj lange beisammen. — Wie ehern. Regimentsangehörige, die wegen Zusamnrenschluß für ben Regimentstag Auskunft, wünschen, wenden sich am besten an ben Vorstand des Artillerie - Verein Gießen.
yochsebulnaebriehten.
Eine Ehrenerklärung für die Marburger SttLcnten.
[] Marburg, 1 Jan. Nettor und Deputation ber hiesigen Universität beröffenb lichen eine längere Erklärung zu den Angriffen gegen die Marburger Sttcdenteil wegen der Gefangenen-Erschießung in Bad Thal, die nun durch die Feststellrtnben unb Urteile des Kriegs- und Schwurgerichts gebührend gekennzeichnet urorbeit seien. Am Schlüsse heißt ^s: sNettor und Deputation haben nach ihrer früheren Erklärung schweigend abgewartel, bis das zuständige (Bericht seinen Spruch gefällt hat. Nachdem dies geschehen ist, dürfen wir gegenüber den durch ihre Verallgemeineruna noch verschärften Beschimpfungen der Marburger Zeitfreiwilliben vor aller Welt feierlich erklären: Wir sind stolz darauf, daß sich die Marburger Studenten in großer Zahl freiwillig dem Vaterland zur Erhaltuiig von Ruhe und Ordnung zur 23erfügung gestellt haben. Und wenn den Studenten von den Stellen der jetzigeii Regierung, durch rvelche sie wiederholt und dringend zur Mithilfe gebeten worden waren, der Dank bisher vorenthalten worden ist, so ^wollen wir, die akademische Behörde, die wir den schweren Entschluß der Studentenschaft, von neuem ihr Leben für das Vaterland einzusetzen, aus nächster Nähe hier miterlebt haben, ihnen wenigshens den unseren aussprechen. #
Hk. Bonn, 31. Dez. Wie wir hören, ist der emeritierte ordentliche Professor für praktische Theologie an der Universität Marburg D. Eduard Simons in Friesdorf bet Bonn zum .Honorarprofessor in der evangelisch-theologischen ftaMt tat der Universität Bonn ernannt worden.
(Bericbtsfaal.
Görlitz, 31. Dez. (WTB.) Im Pro- zeß vor ber Strafkammer wegen Lrmd- friedensbruch in Verbinbung mit den Vorgängen in Hoyerswerda am 10. Avril 1919 nnrtben von den 33 Angeklagten 23 des Land- friebensbruchs für schuldig erachtet. Die übrigen 10 wurden ffeigesprochen. Die Strafen bewegen sich zwischen zwei und neun Mo- naten.
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Es fiel ihm nicht ein, sich vorzustellen. Nach einem leichten Lüften des Hutes ging er mit langen Schritten davon
Zwei Stunden später erst kehrte Erich Falkner in den „Schwarzen Adler" zurück. Er war auf eine kleine Weinstube gestoßen, deren Firmenschild ihm unbekannt war und die sich wohl erst wahrend seines Fernseins von Tiefenbrunn auf getan haben mußte. In der Erwartung, dem Wirt wie den Gästen ein Fremder zu fern, war er eingetreten, um da zu Mittag zu speisen. Es waren nicht viele Leute hier; ober an dem durch ein Täfelchen gekennzeichneten Stammttsch saßen einige jüngere Herren, die sich lebhaft unterhielten. Erich kannte diese Typen und diese Gesprächsformen zur Genüge, um sogleich darüber irn Klaren zu sein, daß es Ixe ledigen Juristen vorn Amtsgericht seien, bte sich da SUKunmengefimben hatten. Er liebte ben Ton nicht und würde ben Herrschaften unter anderen Umständen wenig Beachtung geschenkt haben. Heute aber hörte er ihren laut geführten Reden mit Teilnahme zu. Tenn sie sprachen ausschließlich von dem „Fall Germering", der in Ttefenbrunn offenbar jedes andere Interesse völlig in den Hintergrund gedrängt batte. Es gab nur eine einzige Meinung unter ihnen, die Meinung nämlich, baß der Angesckrulbigte ent verlorener Mann sei. Toran, baß schon jetzt ausreichenbes Ntttterial zur Erhebung einer Anklage wegen vorsätzlicher Tötung gegen ihn vorliege, hegte feiner den geringsten Zweiset. Nur hrnsickstlich der Beweggründe hatte jeder seine eigenen, mehr ober weniger scharfsinnigen Vermutungen.
(Fortsetzung folgt.)
Brauen machten es abstoßend finster, unb der rasche Blick der ttefliegenden 2lugen nxtr fast feindselig abweisend.
„Er ist nicht für die Ausführung bestimmt," gab er kurz zurück, sich wieder über ferne Arbeit beugend. Toch Erich ließ sich nicht abschrecken.
„Tas konnte ich mir wohl denken. Denn man würde die Aufstellung dieser Gruppen schwerlich gestatten."
„Sie können auf italienischen Friedhöfen viele sehen, die ungleich realistischer sind."
„Ich weiß. Aber wir sind eben nicht in Italien. Ter Deutsche will an der Begräbnisstätte ferner Toten iroft und Beruhigung flicken. Er will feinen Schmerz nicht jedesmal auss neue auf» peitschen lassen. Und Sie werden zugeben, daß der Lch-merz eines Gatten um den Tob feiner jungen Frau nicht grausamer ausgewühlt wecken könnte -als durch ein Bildwerk gleich diesem da."
„Es ist möglich; aber es kümmert mich nicht."
„Für Sie ist dies Grabmal nichts als bte Verwirklichung einer künstlerischen ^>ee — ich verstehe es wohl. Aber Ihre widerstrebende Todesbraut hat nicht das Aussehen einer allegorischen Gestatt. Ist das Gesicht vielleicht ein Porttat ber Verstorbenen?"
„Meinetwegen mögen Sie es dafür nehmen.' — Und nach einer kleinen Welle: „Haben sie sie etwa gekannt?" .
„Nicht von Angesicht. Obwohl es etgenllich meine Pflicht gewesen wäre, fte feratn zu lernen. Sie war die Frau meines Bruders."^
Ter andere klappte sein Skizzenbuch zu unb stand auf. Jetzt trat das Fefudiettge in fernem Benehmen ganz unverhohlen zu Tage.
„Tann habe ich mich wohl bet Ihnen wegen der Freiheic zu entschuldigen, dte ich mir da genommen. Es sei hiermit geschehen. Gupmi Tag'."


