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Nr. 282 Zweiter Blatt

Das Reichsverkehrsministeriuw zu der Frage der Abgabe der

IReicbscifenbabn an die Privatwirtschaft.

'Brr erhalten mit ber 'Bitte um 3bbrud lol gtnbe Zuschrift

Der 7Ui2;4eifen5obn-'BertiM(turg irirb <ur.i Borwurs flcmdtbi. bah sie schiech: wirtschafte Tic» wird bat au* gckvigcrt. bah es ihr bisher nicht gc- hntgen ist, bat Gleichgewicht zwilchen ben Aue gaben j-ib bc- Q.nnibmen hettzustenen

G* ift richtig, bah ble Rechnung bet Aauebalt- jahres 1920. bet edten Wahres ber Reichsverwas- tu na. nut einem BetriebSabrnangel von 15.6 THil- Barben abgeschlossen bat. und bah auch bas Jafer 1821 einen Reich' utchuß non 10,8 Milliarden »rbentlichen Haushalt erfordern wirb. 3m erste 3abr übersteigen die Ausgaben bie Einnahmen ui i 87 Proz.. im zweiten Immer noch um 32 Proz

Die Hauptursachen für diele gewaltigen Fehl­beträge sind einmal die ben Mtriebsapparat be­last enden Folgen des Krieges, dann bas Zurück hleiben des Versehrt hinter dem Umfang, für ben Ue persönlichen und sachlichen Äruf;e vo.gehalten »erben mül'-m, und nicht zum lebten bie auch beute noch ungenügende Anpassung ber Tarife an/bk eiben tuertung

Mit ben persönlichen und sachlichen Äräften her deutschen Staat »bahnen ist während des Krie­ges ber verhängnisvollste Raubb au getrieben wor­den Während bie Industrie, soweit sie für kriegerische 3tnede nutzbar gemacht tourte. ihren technischen Apparat vielfach noch erweitern und verbessern konnte, würben die Eisenbahnen völlig herunter gewirtfchaftet und während die In­dustrie durch die Krieasgewinne in die Lage ge­setzt war sich starke Geldreserven zu sammeln, hät­ten bie Eisenbahnen aus politischen und allgemein wirtschastlichen Erwägungen in ber Erhöhung ber Xanfe. dem einzigen Mittel zur Steigerung ihrer Einnahmen, die größte Zurückhaltung geübt, fn bah sie mit Schulden belastet aus dem Krieg her- borgegangen sind.

Man mutet ber Aeichsbahnve.-waktung nun- mehr zu. bah sie diese Schwierigkeiten aus eigener Kraft in aller Zeitkürze überwinde. In anderen am Kriege beteiligten Ländern ist man einsichts­voller. So hat England seinen Dahnen im Krieg und ben ersten Aachkriegsjahren die Dividende der Vorkriegszeit gewährleistet, und es hat ihnen außerdem jetzt noch weitere 60 Millionen Pfund Sterling, nach heutigem Äur» etwa 60 Milliarden Mark, zur Verfügung gestellt zur Aachholung der im Krieg unterlassenen Unterhaltungsarbeiten. Aebnltch liegen die DerhäNniste in Frankreich und tn den Vereinigten Staaten von Vordamerika

Die Frage, ob die Aeichsbahn ber ihr gestell­ten Aufgabe gerecht werden kann, ist auf Grund ber seitherigen Erfahrungen zu bejahen, wenn auch die Schwierigkeit der Lösung nicht verkannt werden soll.

Der Zustand der 'Bahnanlagen und der De- triebsmitlel hat sich seit Kriegsende in lebhaftem Fvrlschreiten gebessert, der Arbeitswille des Per- sonals hat sich in erfreulicher Weise gehoben. Die Folgen zeigen sich ber Oessentlichkeit In der grö­beren Ordnung, Pünktlichkeit und Sicherheit des 'Betriebe* und in ber stetig zunehmenden Erhöhung der Detriebsleistungen. Diese entsprechen im Per­sonenverkehr allen billigen Ansorderungen, wäh­rend allerdings im Güterverkehr bie Bewältigung eines ausserordentlichen GeschästsansalleS. wie die­ser Herbst ihn brachte, noch nicht reibungslos ge­lungen ist Immerhin kann getagt werden, bah auf dem Gebiete des Betriebes die KriegSsolgen unter Anspannung aller Kräfte zum gröhten Dell über­wunden worden sind. Anders liegt die Sache hin­sichtlich ber Finanzen

Die Ausgabenseite ist in ihrem persönlichen wie in ihrem sachlichen Teile aus« schwerste be­lastet. und zwar ist, bas sei hier ausdrücklich sest- geftetit. bk Zunahme ber sachlichen Ausgaben gegenüber der Vorkriegszeit verhältnismäßig stärker als die der persönlichen. Auf die Hobe der sachliche., Ausgaben bat die Verwaltung immer nur geringen Einsluh- Dem Beschasfungswefen wirb die größte Aufmerksamkeit zugewandt, auf sparsame Wirschaft wird in allen Zweigen ge­sehen, das Intereste deS Personals hieran ist durch Wiedereinführung von Prämien geweckt tootben Der allgemeinen Preissteigerung aber kann die Verwaltung nicht entgegentreten, und i hinsichtlich des wichtigsten Betriebsstostes, der I

(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhejjen) Donnerstag, i. Dezember 1921

Kohle, leibet sie heute noch unter der zu geringen Förderung Die Aeichsbahn ist aenötigt. gering- mertige Sorten und vor allem ben äuhet ft un­wirtschaftlich zu verwertenben Koks in größerem Umfang zu verfeuern.

Daß das Personal zu hoch bezahlt sei. wird ..irouznb behaupten S«; Verwaltung wird abti zum Vorwurf gemacht daß die Kopfzahl zu groß *<i. und daß lle an deren Verringerung m4>: energisch genug arbeite Die durch bie Demvbii- muchung verursachte Ueberfüllung der Eisen­bahnen mit Menschen wird von der Verwaltung mit allen Kräften bekämpft Der heutige Bestand ist um etwa 50 000 Köpfe niedriger als ber be» Jahres 1919 Ein rascheres Vorgehen bat sich vor allem mit Rücksicht auf bk heute noch gel­tenden ^entobtlmachungevorschriften nicht ei mög­lichen lassen Ihre Aufhebung ist beantragt Ein A.beitszeitae'e ist im Entwurf fcrtiggeftellt, das unter grunbs yliche. Wahrung des Achtstande:'- tages einer gerechten und wirtschaftliche' Ver­wendung des Perfonais den Weg ebnen soll. Das Gedingeverlahren ist auf Dem größten Dell der Gebiete, für die es anwandbar tst. wieder eingeführt und hat die Leistungen, vor allem in den Werkstätten erheblich gesteigert Der vor- tdiJgen Au-wähl ber neu einzu stellenden Kräfte und der Weiterbildung der Bediensteten zum Zwecke der Erhöhung ihrer Leitungen wird be­sondere Beachtung gewidmet Diese Maßnahmen, benen wie zu hosten da- Personal daS nötige Verständnis entgegenbringt, werden in ver- hältnismahig kurzer Zeit dazu führen, bah ber Aufwanb der zu leistenden Arbeit entspricht. Dabei bars freilich nicht außer acht gelassen werden, daß in zahlreichen Zweigen des Ellen- bahndiensteS der Perfonalstand nicht völlig ab­hängig ist von ber Stärke deS Verkehr- Die volle Ausnutzung bei Personals ist erst bann zu erzielen, wenn der Verkehr sich dem Friedens­stand wieder wenigsten- genähert haben wird

Die Angleichung der Einnahmen an die Aus­gaben kann aber nicht erreicht werden, wenn nicht in ber Tarifpolitik die frühere Zurück- Haltung aufgegeben wird Dem Sturz ber Mark kann nicht anders begegnet werden aiS durch Erhöhung der Tarife Heute sind die Sähe des Gütertarifs durchschnittlich um das IZsache des FriedenSslandes erhöht Die neue Steigerung um 50 Prozent erhöht sie insgesamt um daS 2vsachc deS JriedensstandeS. ES gibt wenig Waren, vor allem keine, die für den Verbrauch der Eisen­bahn in Betracht kommen, deren Preis sich nicht stärker gesteigert hätte. Roch schonender ist bisher ber Personenverkehhr bebanbelt worden. Die Stei­gerung beträgt hier in der 1 Klasse ungefähr daS lOfache, In ber 3. und 4 Klasse daS «fache des Friedenspreises Die deutsche Volkswirtschaft wird sich daran gewöhnen müllen, daß künftig die Teuerungswellen, wie sie namentlich bie letzte Zeit unS gebracht hat, rascher und entschiedener alS bisher durch Tariferhöhungen aufgefangen werden Dabei wird innerhalb der Grenzen der Möglichkeit den berechtigten Forderungen der Wirtschaft durch schonende Behandlung schwäche­rer Reichs- und Volksteile immer noch Rechnung getragen werden können

Unter der Voraussetzung, daß eS gelingt, weiteren Ausgabesteigerungen auf die bezeich­nete Weise zu begegnen, wird der Haushalts­plan für 1922 durchgefübrt werden tonnen, in dem die Ausgaben durch die Einnahmen ausge­glichen sind, das Defizit also beseitigt ist.

Das AeichSverkehrSministeriunl ist davon überzeugt, daß auch ein privatwirtschaftliches Unternehmen im wesentlichen nicht anders vor­gehen würde. Die Preisbewegung auf allen Ge­bieten. namentlich hinsichtlich der Erzeugnisse der Großindustrie, bestätigen diese Annahme. Frei­lich wird nicht verkannt, daß die Industrie, wenn sie daS Eisenbahnunternehmen mit ihren sonsti­gen Zweigen in Verbindung gebracht hätte, in der Lage wäre, den Bahnen auf dem Gebiete der sachlichen Ausgaben Erleichterungen zu ver­schaffen ES sei nur an die bessereBelieferung mit hochwertiger Kohle erinnert Auch ble Preise für Schienen und Schwellen wie für Fahrzeuge konnten von der Leitung des Gesamtuntemeh- mcns zugunsten der Bahnen beeinflußt werden Wie groß dieser Vorteil wäre, läßt sich nicht sagen, well sich nicht beurteilen läßt, wie weit und namentlich wie lange die Industrie ihre son­stige Preispolitik beeinflußen lassen würde durch die Rücksicht auf das Bahnunternehmen.

Hinsichtlich der Personallosten wäre eine we­

sentlich: Erleichterung beim Uebergang zur Pri- vatwirllcha'r nicht zu erwarten Die Mnzelbezügc töim:en gewiß nicht herabgesetzt werben, und die Erfahrungen im Steinkdienbergdau zeigen, baß es auch der Prrvatwirr'chaft nicht überall und nicht immer möglich ist. d,c Arbeitsleistungen auf die Friebenstz he zu bringen. w,c die- in ci-.rel- nen Werk« allerdings gelungen ist. Der raschen Bei ;<ng?rung b?» Perienalstandes wäre also auch beim U. bergang ber Bahnen tn Privathand Schranken gezogen

Daß bie isenbahnen in Privathänden dx-n einer wtrischaltltchen Gefchästsführung ab- t täglichen CmlüUen ber inneren und äußere.' Po- litu mehr entzogen wären, ist richtig Eine völlig. Befreiung von diesen Rücksichten wäre aber nicht au ertonrten. Dao Keich würde sich der Einwir­kung aus den wich igsten volkswirtfchastllche" Fak­tor nicht durchaus entfä)lagen können Wichtige Geb.cie wie die Festsetzung der Durste, die Pei- sonnlbeh.'nbiung die Bevüllfichiigung ber Indu- stricn in b n einzelnen Reichstellen, die Aufrecht- eih.lltung des Betrieb# auf wenig rentablen Li­nien lön-ten von der Kontrolle dv-s Reiches nicht verschon» bleiben Der freien privatwtrtlcha':» sich n Betätigung des llnter lehmens wären also Grenzen zu setzen, und es toi re daher die Ent­politisierung jedenfalls kein- vollständige Oj die Bei lauf öbeöinuungen so gestellt werden könnten, daß sich der Käufer habet eine in seinem Sinne wirtschaftliche, b h auf Gewinn gerichtete Ge­schäfts ühruna versprechen würde, ist unter ben heutigen Verhältnissen im höchste i Grade zweifel- hast Die Veräußerung der Reichsbahn wäre nur möglich nach 2«mbcrung ber Reichsversallung und untir Zustimmung der früheren Sisenbahnländer. Der W.derstand des Personal- gegen eine solche Veränderung fei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Die Frage der Entpolitisierung der Reichs­bahn im Sinne der Erhöhung ihrer wirtschaft­lichen Freiheit läßt sich aber auch auf anderem Wege erreichen DaS Eisenbahn-Finanz-Gesetz, dessen Entwurf den gesetzgebenden Körperschaften bald wird vorgelegt werden können, soll die Ver­waltung in Erfüllung deS § 92 der Reichs Verfas­sung freistellen vom allgemeinen Haushalt. DaS Gesetz wird auch die Frage zu beantworten haben, wie weit dem Unternehmen die Kriegslasten ab- gebürdet werden können Die Losung ber Be­triebsverwaltung von ber eigentlichen Ministe- riallnstanz wird ber Verwaltung bie ständige Be­rücksichtigung politischer Gesichtspunkte ersparen können Ein Verwaltungsrat mit Männern aus ber freien Wirtschaft kann dieser Leitung seine Erfahrungen zur Ber'ügung stellen und durch seinen Einfluß auf das allgemeine Wirtschafts­leben vielleicht auch auf bie Preisgestaltung des EisenbahnbedarsS günstig einwirken. Die bereits eingeleitete Dezentralisation im Sinne der Zu­weisung ber Verantwortung für die Geschäfte an die sic bearbeitenden Stellen wird den Apparat erleichtern und verbilligen. Das Publikum wird sich freilich dann damit abflnben müssen, daß nicht in jeder Kleinigkeit auch die Entscheidung des Mi­nisters angerufen werden kann.

Diese OrganjfanonHmaßnnhmen werden so rasch betrieben, als irgend möglich. Man darf aber dabei nicht vergessen, daß sich das Reich erst seit l'/z Jahren im Besitz ber Bahnen befindet, und daß in dieser auhen- und innenpolitisch stark be­wegten Zell außer ber Wiederinstandsetzung deS Betriebsapparates grobe und f4>toierigc organi­satorische Ausgaben bie Kräfte ber Verwaltung außerordentlich in Anspruch genommen haben, so bie Zusammenschweißung deS Beamtenkörpers.

Daß auf allen Gebieten bie schärfste Dirt- schaftSkontrolle durchgesührt werden muß. und daß zu diesem Behuf die Verfolgung ber Selbst­kosten jedes einzelnen WirtschastSvorgangeS ein­geleitet ist, fei hier noch erwähnt.

Zufammenfaffend ist hier zu sagen ES ist nicht richtig, daß die deutschen Bahnen alS Reichs- Unternehmen nicht zur Gesundung gebracht wer­den könnten. Die Voraussetzungen für diese Ge­sundung sind in 1> ^jähriger mühevoller Arbeit geschallen worden Durch Annahme privatwirt- Ichastlicher Grundsätze in der Organisation deS Unternehmen- und in der Führung ber Geschäfte kann dieser Prozeß beschleunigt werden, ohne daß die Wiedergabe Der Bahnen tn Privathände not­wendig wäre und damit die Preisgabe der politi­schen und volkswirtschaftlichen Vortelle, die dem deutschen Volke auS dem Reichsbetrieb erwachsen sollen.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 1 Dez 1921.

** £ntri(htungbcrLmfanftfuer.

gegenwärtig gellende Umfunfteueraefefc bestimmt in §37. bah Zahlungen auf die Um­satzsteuer innerhalb zwo er Wochen nach der Bekanntgabe des Steuerbescheids zu entrichten lind. Der Steuerbescheid wird nach Ablauf eine»- Steuerobschnttts. der bei der allgemeinen Umsatzsteuer das Kqlenberjabr und bei der Lurusskeuer bat Kalenderviertei fahr umfaßt, erteilt. Anzahlungen auf die Llmsaysteuer- schuld werden nach einer Verfügung des Xeichefmanzministers vom 20. Dezember 1920 dis zur Fälligkeit, d. b bis zum Ablauf zweier Vvchen nach her Bekanntgabe des Bescheids, spätestens aber bis zum Schluß des Dritten Xalenbernwnatc nach 2lblauf des Steuer- abschnlltS mit 5 Prozent verzinst. Vach einem hem VeichSrat zur Zeit vorliegenden Entwurf betr. Abänderung des Umsatzsteuergesetzes soll dagegen der Steuerpflichtige verpflichtet wer­den. innerhalb eines Monats nach Ablauf eines jeden Kalendervierteljahrs eine Voraus­zahlung zu leisten. Dies würde zur Folge Haben, daß die Steuerpflichtigen im April 1922 gleichzeitig die Umsatzsteuer leinschließlich ßuntöfteuer) für 1921 und die in dem Entwurf Dorgefefrene Vorauszahlung für das erste Vierteljahr 1922 zu entrichten hätten. Der VeichSfinanzmlnister macht auf diese Tatsache in einer Verfügung vom 4. Oktober d. IS. auf­merksam und empfiehlt daher, von der Mög­lichkeit freiwilliger Vorauszahlungen ausgie­bigen Gebrauch zu machen. Die Steuerpflich­tigen werden alsdann im April 1922 zu den borgefchriebcnen Vorauszahlungen auf die Umsatzsteuer 1922 wirtschaftlich leichter im­stande sein. An der Annahme der neuen Be­stimmung durch den Reichstag dürfte nicht zu zweifeln fein.

SHU öltfieitfiihiinöe oor Mi unö Saite.

(Beöenlel Der hungernden Böael!

Reifeprüfungen für Richt- fchü 1 er unbRichtschülerinnen finden Im Frühjahr 1922 statt. Der mit 1.50 Mark stem- vripslichtigen Meldung, bk bei bem LanbeSaml für da« BildungSwesen. Qlbtcilimg für Dchul- a TflcIegenbeitcn, einzureichen Ist, sind hinzuzu^ fügen: Lebenslauf, Leumundszeugnis. Rachwels deS Bildungsganges und ber Vorbereitung auf die Prüfung, sowie ble letzten Schul- jnb Privat­zeugnisse. Genaue Angabe der 21n<d)rift ist nötig. Zu den Prüfungen werben In der Regel nrr solche zugclasten, die durch Geburt oder Wohnort der Ölteim dem VvllSstaak Hellen angebören oder leit mindestens 3 Jahren darin Ihren stänbigen Wohnsitz haben ober seit mindesten» 3 Zähren bie hessische StaatSangehörlgkeil besitzen. Richt- hesseu b?bürten für bi« Zulassung ber Ge­nehmigung der Schulverwaltung bes zustän­digen Bundesstaates. Bel ber Meldung für die Prüfungen können Wünsche wegen Zuweisung an eine bestimmte Anstalt vorgebracht werden, di« nach Möglichkeit berücksichtig! werden sollen. -- Bei ber ebenfalls stempetpslichkigen Meldung für eine Prüfung zur Erlangung ber Reise für Prima ober Obersekunda genügt bie Vorlage bes Lebens­ganges. LeumunbszeugnilleS, bes letzten Schul­zeugnisses und bes Rachwelfes über die Art der Vorbereitung. Für die Zulastung gelten im all­gemeinen blefelben Bestimmungen wie für ble Reifeprüfung. Mitteilung über ble Zulassung, Ort und Zelt bar Prüfung erfolgt durch die für bl« Prüfung tn Betracht kommende Direktion. Melde- fchluß am 30. Dezember 1921.

Berichtigungsbogen a 1 s Druck­sachen. Korrektur- oder Berichtigungsbogen können als Drucksachen verschickt werden, auch wenn das Manuskript oder die Urschrift bei- qefügt ist. Man darf den Text in den Bogen andern, ergänzen und Bemerkungen über die Berichtigung, die Form und den Druck machen und solche Zusätze auch auf besonderen Zetteln anbringen. Das Reichspostministerium hat jetzt dazu entschieden, daß eine Urschrift nicht ge-

Spuren im Schnee.

Roman von Sven Slvestad.

Ermächtigte Uebersetzung.

1. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

,(Vrtm>bC Ich habe ihm auch den einen und anderen guten Rat gegeben: mehr konnte \i) leider nichr tun. Ich besitze ja nicht». Ich stehe völlig machtlos ba."

.Ra, da siebst bu ja P* Auch ich habe ihm gute Ratschläge gegeben: etwa» anderes konnte auch ich nicht tun. Er verlangt da» Unmögliche."

.Hast bu ibn heute gesehen?-

.Ja. ich habe ihn am Bahnbof gesprochen Er fuhr in die Stabt und wollte sich tooN dort nach Hilfe umsehen. Mit dem Adendzug ist er nicht zurückgekommen: ich habe scharf aufgcpaßt, als dre Reisenden r»orbiix PDrbcüamen; er war nicht dabei "

Dirte ernsten Dinge wurden zwischen ben bei­den Freunden verbanbeit. Sie sprachen von einem Dritten, der ins Unglüa gekommen war. Daß die Sache ihnen aber kbr nahe ging, war au# ihren Bliencn und ihren gedämpften Stimmen zu ent­nehmen.

Inzwischen war e# spät geworden Der Apc>- iheker bemerkte eS, und aus den ungcbulbigcr. Blicken, die er nun fortgesetzt nach ber Uhr warf. <Ttng hervor, daß rr ben Gast gern losgewe'en wäre Allein dieser schien noch etwa» auf bem Herzen zu baden.

.Za. und dann noch ba» andere.- begann er zögernd, während er ben Apotheker unruhig an- fah. .Ich brauche wieder ein wenig.-

Der Apotheker schaute überlegend auf.

.Ich kann nicht." sagte er.

.Doch, gewiß, bu kannst," behauptete ber andere bestimmt.

.Das nimmt noch ein schlimmes Ende Du muht dich in acht nehmen. Ich habe beobachtet, daß bu dich im letzten halben Iadr stark reränbert hast. Du bist ganz gelb im Gesicht geworden."

.Du bis. heute schlechter Laune," entgegnete

der Kapitän ärgerlich, und zugleich war seinem Gesicht anzusehen, wie der Zorn tn ihm auf- wallte Der Apotheker bemerkte ba» auch und tat plötzlich sehr geschäftig Es war, alS fürchte er sich vor einem Zornausbruch des andern

.Ra ja, meinetwegen l" sagte er. .DieS eine Mal noch Aber das sage Ich dir, eS ist zum letztenmal."

.Das sagst du jedesmal. Ader du sollst nicht nötig haben, es noch einmal zu sagen, das ver­spreche ich dir."

Der Apotheker brummte etwas vor sich hin und schickte sich an, einige Flaschen aus dem Gestell benintcrsulangen Ader im seiden Au gen- Mia siel ihm ein, daß er vergeben hatte, vor zwei Fenstern die Läden zu befestigen.

.Da soll doch der Henker dreinschlagen," fluchte er. .Man kann mir ja biS mitten in die Apotheke hereinsehen I Zuerst muß ich die Laden vv riehen."

Einen nach dem andern trug er die schweren Läden hinaus Stumpf und teilnahmslos Iah ihm ber andere dabei zu. Rur well er nichts anderes zu tun hatte, folgte er mit den Augen bem Apo­theker. der die Löben befestigte. Er hängte fic vor den Fenstern in die Angeln ein. Zu vermehrter Sicherheit legte er dann über jeden Gaben unb ben Fensterrahmen eine eiserne Stange unb befestigte bie Stange von innen mit einer Schraube So­lange der Apotheker draußen beschäftigt war, Neß er die Tür ollen stehen. 5He eisige Kälte strömte in bie Apotheke herein Der Kapitän hustete Als ber Apotheker gerade den zweiten Laden ein- bängte, hörte der Kapitän, daß der andere braußen innebtclt und lauschte. Gleich daraus hörte er ihn mit lauter Stimme rufen: .Ist jemand da?"

Es erfolgte keine QLntirort.

Der Apotheker rief von neuem:

.Ist jemand da?"

"Wieder keine Antwort Auf ber Straße war kein Laut zu vernehmen; offenbar war jedermann längst zu Haufe.

AIS der Apotheker wieder hcreinkam, mur­melte er:

»Ich meinte doch, ich hätte gehört . . , DaS

ist doch sonderbar ... ich meinte, ich hätte ge­hört . . .

.WaS hast bu gehört?" fragte ber Kapitän gähnend

.Ich meinte, ich hätte draußen im Dunkel ein Geräuich gehört," antwortete der Apotheker, wäh­rend er von innen den Laden festschraudte.

.Sin Geräusch? fragte der Kapitän und gähnte noch einmal.

.3a Es war gerade, als ob jemand im Dunkeln dich« neben mir stünde und schwer atmete. Aber natürlich war niemand da Vielleicht war es nur ein vor äderst reichender Vogel. Man sieht ja nicht die Hand vor den Augen in dieser ver­wünschten Finsternis."

Der Apotheker war immer noch mit feinem Laden beschäftigt.

.Der da ist kaput," sagte er. .Ich vergesse immer wieder, ihn machen zu lassen. Die Schraube sitzt lose. Er schließt nicht sicher," wie­derholte er .Man kann ihn losmachen, wenn man nur von außen ein wenig an der Stange rüttel!"

»Die Herren Einbrecher sollten sich aber doch lieber Dorfeben, ehe sie hier einbringen, fuhr er nach einer Welle fort, während feine Blicke an den mit Flaschen und Kolben besetzten Gestellen entlang streiften. .Jedenfalls möchte ich ihnen nicht raten, eirras von den Sachen ba mit»unehmen.

_V?eißr du, was ich für einen Gedanken bah ?" fragte ber Kopien.

.Ja? ermunterte ihn der Apotheker, wäh­rend er eine Flüssigkeit in ein kleine- Fläl chchen goß. _WaS hc't bu denn für einen ®ebankn?

Ich fll-ubc. ich kann dir versprechen, daß dies das letztemal ist."

.So daS würbe mich freuen. ertoiberte ber Apotheker, ber eben den Kort in baS Fläsch­chen drückte

Ter Kapitän deutete auf daS Fenste-

34 kann mich ja selbst mit bem "nötigen versehen," sagte er. _3n diesen finstern Rechten unb bei der völlig unbelebten Strabe ist das I keine Kunß. Ich brauche nur von außen ein j wenig an dem Laden zu rütteln, »

.Wirklich?"

.Tann fällt hier innen bie Schraube her­aus."

.Sehr wahrs-chetnllch."

.Dann kann ich den Laben aufmachen, und weiter ist es nur noch eine Kleinigkeit, auch daS Fenster aufzumachen."

.Ja mir schlafe ich häufig nebenan Im Apotixckenslübchen, unb unter meinem Kopfkissen habe ich immer einen Revolver. Wenn jemanb bei 2kacht Durchs Fenster einsteigt, muß ich annehmen, baß eS ein Einbrecher ist, unb bann habe ich das Recht zu schießen."

.Selbstveritändllch Wo ist bos 3eifl?

Der Apot!>eker gab ihm da- Fläschchen, bas er soeben gefüllt hatte, und der Äabitän steckte eS in Die Recktasche, knöpfte ben Mantel zu unb schickte sich an, zu gehen Der Apotheker öffnete ihm die Tür. aus bet Straße würbe ein breitet Lich-tst reifen sichtbar.

.Gehst bu nach Haufe?" fragte er.

.Ja," antwortete her Kapitän.

In bi cf em Augenblick strich ein Vogel nahe an ihren Köpfen vorbei Der Kapitän sah auf

-Das wat ein Vogel," sagte er. .Hast b* bie Flügelschläge gehört l Wat eS vielleicht ein fD(4«3f Geräusch vorhin?"

.Bein, nicht im mindesten. antwortete der Apotheker, und gleich darauf wiederholte er noch einmal natiinnenb:

.Richt im mindesten."

.Gute Rächt!" rief ber Kapitän ®r war bereits auL dem Lichtflteifen in bie Finsternis tinauögetreten, unb bet Apotheker konnte ibn schon nicht mefcr sehen.

.Gute Vachtl" rief ber Apotheker bem an­dern nach, ging bann ins Haus zurück, schloß bie Hüt hinter sich zu unb löschte Licht Unb nun logen das Ha-s und bk Straße unb die angrenzenden F-.lixr unb Wiesen in nächtlicher Stille unb Unfern iS ba

Rur in der Ferne brang aus dem Bah*- hofSgebäude ein Lichtschein in» Dunlel,

i Fortsetzung folgt)