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neunter hatte. Die Arbeitsstätten tmiTöen übri­gens um 4 Uhr geschlossen und die Betriebe nah­men geschlossen an der Demonstration teil.

fpd. Kassel. 31. Äug. Der Polizeipräsident hat auf Grund der Verordnung des Reichsprä­sidenten sämtliche öffentlichen Aufzüge und Kund­gebungen unter freiem Himmel verboten, wenn sie geeignet sind, innerhalb der Bevölkerung Un­ruhen oder Aufreizung hervorzurufen. Alle bisher ge st eilten Anträge auf Abhal­tung solcher Kundgebungen hat das Präsidium abgelehnt.

Mannheim. 31. Aug. (WTB.) An der heutigen Massenkundgebung, die von der S. D. D. und der U. S. P. einberufen worden war. nahmen rund 35 000 Personen teil. Es sprachen gleichzeitig zwei Redner. Zum Schluß wurde in einer Entschließung verlangt: Sicherung der Re­publik und der Bolksrechte, Aufhebung des Be­lagerungszustandes in Bayern, energisches Dor- gehen gegen die Aufheher in der Presse der Rechtsparteien. Verhinderung militaristischer-na- tionalistischer Kundgebungen, Demokratisierung der Verwaltung und der Justiz. Ferner geloben sie den Abwehrkampf mit allen zu Gebote stehen­den Mitteln zur Sicherung der Republik und der Reichsverfassung gegen die Wiederkehr der Mi- litärherrschaft zu führen Ausschreitungen sind nicht vorgekommen.

Karlsruhe. 31. Aug (WB.) Annähernd 30 000 Personen rahmen auf dem Markt­plätze mit Deifall die Ausführungen des sozigi- demokratischen Abgeordneten Schopflin und des unabhängigen Staatsministers 3 u n t auf. die von der nationalistischen Gefahr, die Deutsch­land drohe, sprachen und die die Reichs- und vtaatsregierungen sowie den Reichs- und Landtag aufforderten, jetzt energischer zuzugreifen, andern falls die Arbeiterschaft zur Selbsthilfe greifen werde. Rach Schluh der Versammlung werde sich eine Deputation in das Ministerium des Innern begeben, um ein Verbot der Regiments­feiern zu fordern. Die Reden Hangen aas in ein Hoch auf die Solidarität der Arbeiter­schaft und die Deutsche Republik. Sodann for­mierte sich ein gewaltiger Demonstrations­zug. der sich nach seiner Rückkehr auf dem Markt­platz in voller Ruhe a iftöfte. Zwischenfälle er­eigneten sich nicht.

Einspruch Bayerns gegen die Reichsverfügungen.

München, 1. Sept. Wie die Blätter mel­den, beschäftigte sich der bayerische Mini­ster r a t, der gestern 6'/r Stunden tagte, mit den Mahnahmen zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Sicherheit, sowie den jüngsten Erlassen der Peichrsegierung, vor allem den Zeitungsverboten und dem Verbot des Uniformtragens. Der Mi­nisterrat soll beschlossen haben, gegen diese Verbote bei der R e i chS r e g i e r u n g nachdrücklichst Einspruch zu erheben und zwar sowohl gegen die Form der Erlasse, als auch gegen ihren sachlichen Inhalt.

Weitererscheinen des Miesbacher Anzeigers".

Berlin, 1. Sept. Wie die Blätter auS München melden, sind trotz deS Verbotes durch da« Reichsministertum des Innern sowohl der -Miesbacher Anzeiger" in Miesbach als auch derVölkische Bedachter" in München am Mitt­woch erschienen.

Noch keine Aufhebung des Belagerungszustandes in Bayern.

Berlin, 1. Sept. Rach einer Meldung deS .Berliner Tageblatts" aus Weimar richtete gestern der republikanische Reichsbund ein Tele­gramm an die bayerische Staatsregierung, in dem er diese dringend bittet, endlich den DelagerungS- xtzistand in Bayern aufzuheben und den monar­chistischen Bestrebungen entgegenzutreten. llnter- kjrichnet ist das Telegramm von Freiherrn von Brandenstein.

Die Tagung des Völkerbundes.

Paris 31. Aug. (Wolff.) Rach einer Ha- vaSmeldung aus Genf geht die allgemeine Mei­nung baotn, dah derVölkerbunosratin der Lage sein werde, sein Gutachten in der ober- schlesischen Frage in der ersten Oktober- wvche bekannlzugeben.

Der griechisch-türkische Krieg.

Paris, 31. Aug. (WB.) Wie der Sonder- Berichterstatter desTernps" aus Konstantinopel meldet, hat die Regierung von Angora di? Wassenaushebung aller Männer zwischen 20 und 45 Jahren angeordnet. Auherdern ist eine Kriegs­abgabe, zahlbar In natura, eingeführt worden. Diese sieht vor, dah alle Lebensmittel aus dem Auslande für die Armee beschlagnahmt werden, während die inländischen Lebensmittel von den

Die Nothersteins.

Roman von Erich Eben st ein. Copyright 1919 by Greiner L Eomp., Berlin W 30. 43. Fortsetzung. (Rachdruck verboten)

,Zum Teufel mit deinemkünstlerischen Stand­punkt", unterbrach ihn Rüdiger, in dem mehr und mehr ein sinnloser Zorn die Oberhand über alle Vernunft gewann.Ich verbiete es dir ein­fach, ist dir das genug?"

^Rein I"

Beide Männer mähen sich einen Migenblick Mit Blicken, die Hertha in jähem Schreck das Blut zum Herzen trieb. Auch Mageloi" war tief er­schrocken. Freilich aus einem anderen Grunde als Hertha. Sie allein erriet, was in Rüdiger vorging und touhte nun mit einem Male, was ihn ihr entfremdet hatte.

Aber gottlob diese Bildergeschichte würde ja nun alles wieder im Keim ersticken, selbst wenn L)o ihre Liebelei mit dem Maler verleugnen und neue ehrgeizige Pläne hegen sollte.

Rüdigers Heftigkeit hatte Magelone entzückt Er war also doch kein fischblütiger Pedant, wie sie Immer gefürchtet hatte . .

Während diese Gedanken durch ihren schönen Kops huschten, bemühte sie sich mit sanfter Stimme SU vermitteln und die beiden gereizten Männer wieder zur Ruhe zu "bringen.

Bei Waldemar gelang ihr dies bald. Rü­diger aber, der heftig den Vorhang über das Bild gezogen hatte, alS sei ihm dieser Anblick Unerträglich, war nur zu verbissenem Schweigen zu bringen und drängte zum Aufbruch.

Kaufleuten bis zu 40 Prozent des Vorrates an die Armee abzuliefern find.

Athen. 31. Aug. (Woflf.) Wie das Prefls- Bureau mitteilt, melden alle Kriegsberichterstatter, dah der feindliche Widerstand gebrochen sei Unb dah sich die Türken jenseits Sakharia zurück- ziehen. Von ermächtigter Stelle wird erklärt, dah die Operationen sich günstig für die Grie­chen entwickeln. Alle türkischen Rachrichten über angebliche Siege der Türken seien falsch.

London, 31. Aug. (Wolff.) Aus Smyrna wird gemeldet, dah die Schlacht am Sakharia andauere. Die Türken erhielten aus dem Kau­kasus und aus Eilicien Verstärkungen. Die tür­kischen Kräfte, die am Sakharia stehen, sollen 60 000 Mann umfassen. Die Verluste sind beider­seits schwer.

Die Lohnbewegung in Qberschlesien.

K a t t o w i h, 31. Aug. (Wolff.) Gestern fand in K a t t v w i h zum ersten Male seit der durch den Aufstand hervvrgerufenen Spannung wieder eine gemeinsame Sitzung der deutschen und polnischen Gewerkschaften statt. Gegenstand der Verhandlungen, die den ganzen Tag in Anspruch nahmen, war die von den Gewerks<chiften auf- gestellte Lohnforderung. Von den Vertretern der Arbeitgeberschaft wurde den Gewerkschaftsvertre­tern die au herordentlich schwierige Lage der In­dustrie ausführlich und ohne Zurückhaltung ge­schildert, eine Lage, die hauptsächlich durch den achtwöchigen Aufstand und feine Begleiterschei­nungen und Folgen hervorgerufen wurde. Den Vertretern der polnischen Gewerkschaften wurden die Folgen des Aufstandes besonders eindringlich vorgehalten. Es wurde nachaewiesen, dah die Industrie nicht in der Lage ist, eine Lohn- und Gehaltsaufbesserung auch nur annähernd In der Höhe zu gewähren, wie sie gefordert wird.

Ein gestörter deutsch-völkischer Jugendtag.

Wien, 31. Aug. (Wolff.) Am Sonntag fand in Melk ein deutsch-völkischer Jugend- t a g statt, woran auch Mitglieder deS Darmstad­ter Iugendbundes teilnahmen. Am Abend kam eS zwischen den Teilnehmern am Iugendtag und den Volkswehrleuten zu Streitigkei­ten, in deren weiteren Verlauf, wie dieTages­zeitung" meldet, 60 aus der Kaserne herbeige­holte Volkswehrleute mit geladenem Gewehr und aufgepflanztem Seitengewchr sich in der Dahn- hosswirtschaft versammelten und die Festteilneh­mer, darunter zahlreiche Gäste aus Deutschland, bedrohten. Erst gegen 5 ilbr morgens gelang es dem grohdeutschen Rationalrat H r f t n sowie dem Bürgermeister von Molk, nach mehrstündigen Ver­handlungen die Dolkswehrleute zum 2ll>zug zu bewegen.

Die Räumung von Weftnngarn.

Budapest, 31. Aug. (Wolff.) Das Ung. Korrespondenzbureau meldet: Die Räumung von West Ungarn ist bereits beendet bis auf die kleine zweite Zone, die einstweilen noch durch ungarische Gendarmerie und Grenzwache beseht wird. Vollständige Ruhe herrscht In der zweiten Zone: von bcp ersten Zone werden hingegen Ruhestörungen gemeldet, die nach dem AuS- marsch des ungarischen Militärs sich ereigneten. Die Arbeiterschaft des GrenzorteS Brennberg und Umgebung hißte infolge Aufwiegelung durch österreichische Kommunisten die rote Fahne, bildete Arbeiter- und Svldatenräte, und verjagte die Direktoren und Ingenieure der Kohlenberg­werke. Da Zusammenstöhe zu befürchten waren, kehrte auf Ersuchen der Ententemission die un­garische Gendarmerie zurück und stellte die Ordnung wieder her. Die österreichische Gen­darmerie stieh vor Pinkafeld auf den bewaffneten Widerstand der Ortsbewohner. Es entstand ein Feuergefecht, wobei es beiderseits Opfer gab. Die österreichische Gendarmerie trat den Rückzug an. Die ungarische Regierung bemüht sich auch ferner­hin, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die alli­ierte Kommission drückte dem ungarischen Regie- rungskvmmissar Graf S i g r a h für sein korrektes energisches Auftreten ihre Anerkennung auS.

Aus dem Reiche.

Der neue Reichsfinanzminister.

Stuttgart, 31. Aug. (Wolff.) Wie wir zuverlässig erfahren, hat der Reichskanzler den württembergischen Finanzminister Liesching gebeten, das Poriofeuille des Reichs­finanzministers zu übernehmen. Liesching hat aus persönlichen Gründen geglaubt, das ehrenvolle Angebot ablehnen zu müssen.

Guggenheimer und Ralhenau.

Berlin, 31. Aug. (WB.) Amtlich. Die Meldungen, dah der Rücktritt des Kommerzien­rates Dr. Guggenheimer alS Reichskom- misfar zur Ausführung der Aufbauarbeiten auf einen Zusammenstoß mit dem Wiederausbau­minister Dr. R a t h e n a u zurückzuführen sei, ent­

behren jeglicher Grundlage. Guggenyetmer nahm mit Minister Rothenau zusammen an den in Wiesbaden geführten Verhandlungen von Anfang bis zum Sch'uh teil. Er arbeitet auch als Prä­sident der Reichsrücklicf »rungUommissivn im rol­len Einvernehmen mit Rathenau weiter. Das Amt als Reichskommissar zur Ausführung von Aufbauarbeiten war Guggenheimer auf besten Wunsch von vornherein nur vorübergehend auf kurze Zeit übertragen worden. Auf die über den angeblichen Zusammen st oh vvrgebrachten Be­hauptungen einzugehen, verbieten die noch schwe­benden Verhandlungen mit Frankreich.

Der Ausnahmezustand in Ostpreußen auf­gehoben.

Berlin. 30. Aug. (Wolff.) Der Reichs­präsident hob mit Wirkung vom 1. September den noch verbliebenen Teil des Ausnahme­zustandes in Ostpreußen auf.

Eine untersagte Tannenbergfeier.

Breslau, 31. Aug. (WTB) Die vom Bund der Aufrechten für den 1. September an­gesagte Tannenbergfeier wurde vom Poli­zeipräsidenten verboten.

Forderungen der Kriegsbcf-badigten.

Berlin, 31. Aug (Wolff.) Der Zentralver­band deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegshinterbliebener teilt mit: Am 29. August fand zwischen den Organisationen der Kriegsopfer und dem Reichsarbeitsministerium eine Beratung statt, auf welche Weise der Rctlage der Kriegsopfer entgegengetorrft werden könnte. Der Vertreter des Zentralverbandes deut­scher Kriegsbeschädigter kennzeichnete die völlig unhaltbaren Zustande als eine Auswirkung ein­zelner Bestimmungen des Reichsversorgungsge- sehes. Rur eine schleunige Abänderung des Ge­setzes gemäß den Vorschlägen der Verbände könnte eine Beruhigung der Kriegsopfer bringen. Die Forderungen der Verbände sind folgende:

Erhöhung der Teuerungszulage auf 80 Prozent für die Ortsklassen A und B, auf 90 Prozent für die Ortsklasse C und auf 100 Prozent für die Ortsklassen E und D rückwirkend ab 1. August 1921. Ferner solle die Regierung eine sofortige Hilfsaktion vor allem für die Hin­terbliebenen und Schwerbeschädigten einleiten. DaS Reichsarbeitsministerium nahm die Forderung der Verbände entgegen und will in nächster Zeit die Stellungnahme der Reichs­regierung und der Parteien einholen. Dann sollen in einer weiteren Sitzung mit den Vertretern der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen end­gültige Maßnahmen beschlossen werden.

Erhöhung des ZeitungsdruckpapierpreiseS.

Berlin, 31. Aug. (WTB.) Die Verhand­lungen zwischen den Verbänden der Zeitungsver­leger und der Zeitungsdruckpapiersa­bri k e n führten heute zu dem Ergebnis, daß der Papierpreis für Zeitungsdruckpapier für die Zeit vom 1. Oktober bis 31. Dezember um 17,50 Mark für 100 Kilogramm Rollenpapier auf durchschnitt­lich rund 348 Mark erhöht wird.

Aus dem besetzten Gebiet.

Redeverbot für Dr. David im befetzten Gebiet.

Mainz, 31. Aua. Minister a. D. Dr. David war als Redner für eine Demon­stration der sozialdemokratischen Partei in Mainz anläßlich deS gewaltsamen Todes Erz- bergerS vorgesehen. Die französische De- satzungSbehörde hat sich veranlaßt gesehen, Dr. David als Redner zu dieser Veranstal­tung nicht zuzulassen.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 1. Sept. 1921.

Der Himmel im September.

Run kommt wieder langsam die ^Zeit der lan­gen Abende. Zwar kann man zur Zeit noch das Abendbrot beiSonnenbeleuchtung" zu sich neh­men aber wie lange noch? Denn die Sonne, die zu Anfang des Monats 6 Uhr 47 Min. untergeht, verschwindet am 30 September bereits 5 Uhr 39 Minuten von der Bildfläche. Zu jener Zeit fin­det der Sonnenaufgang genau 6 Uhr statt: ZU An­fang des Monats 5 Uhr 11 Min. Am 23. Septem­ber, nachmittags 3 Uhr, tritt die Sonne in das Zeichen der Wage, gelangt wieder zum Aequator und macht zum zweiten Male im Jahre Tag und Rächt einander gleich, mit anderen Worten: es beginnt kalendermäßig der Herbst. Am 2. Sep­tember, 5 Uhr morgens, haben wir Reumond, am 9., 4 Uhr morgens, erstes Viertel, am 17., 8 Uhr vormittags, Vollmond und am 24. September, 10 Uhr abends, letztes Viertel. Ueber die Planeten ist zu berichten: Merkur bleibt unsichtbar. Venus: Die Dauer der Sichtbarkeit nimmt lang­sam ab, beträgt aber am Ende des Monats immer noch nahezu 23A Stunden. Mars ist anfangs 8A-, am Ende des Monats ls/4 Stunden lang des Morgens im Osten sichtbar. Jupiter kommt am

Auf Dem Heimweg sprach er kaum ein Wort. Rur als Magelone hinwarf:Mir ist ja nun vieles klar besonders, warum Dorothea an­fangs, als Ruhland noch in Sewingers Jagdschloß beschäftigt war, durchaus nach Monrepos zurück wollte, und warum sie sich nun auf einmal so wohl auf Grafenegg zu fühlen scheint."

Und als sie hinzufügte:Rur eins begreife ich nicht warum sie so hinterhältig tut und un« gar nichts von ihrer Bekanntschaft mit Ruh- land erzählte," da warf ihr Rüdiger einen fin­steren Blick zu und sagte:

Ich möchte dich und Hertha dringend bitten, über die ganze Sache Stillschweigen zu beobachten Dorothea soll nicht den Eindruck bekommen, als suchten wir uns in ihre Geheimnifle zu drängen."

Magelone war damit sehr einverstanden

Wenn Rüdiger nicht gewillt war, über die Sache mit Do zu sprechen, konnte diese auch nicht versuchen, sich irgenbtote zu rechtfertigen.

20. Kapitel.

Anneliese 'hatte an diesem Sonntagnachmittag eine 'bewegte Stunde verlebt.

Die Gräfin war mit den Kindern und der Französin zu Rachbarn auf Besuch gefahren Gras Rainer beschäftigte sich wie gewöhnlich mit seinen Münzen- und Mineraliensammlungen, die er von Zeit zu Zeit neu ordnete. Ein Teil der Diener­schaft hatte Urlaub.

So herrschte Totenstille im Schloß. Anne­liese, die diese Stille plötzlich unerträglich qual­voll empfand, wollte eben einen ihrer weiten Spaziergänge antreten, als sie am Parktor mit Graf Wendlvh zusammen traf.

Er kam zu Fuß von der Station heraus und.

wie er sagte, nur zu kurzem Besuch, um sich von den Damen zu verabschieden.

Zu verabschieden?" fragte Anneliese er­blassend und konnte es nicht hindern, daß ihre Stimme liefe bebte.Wollen Sie denn Wien verlassen?"

»Ich bin nach Galizien verseht, und da ich wohl Jahre dort bleiben müßte, haben meine ei­tern gewünscht, daß ich den Abschied nehme und mich künftig der Bewirtschaftung von Birkenried widme. In vierzehn Tagen dürfte die Bewil- tigung meines Gesuches herankommen. Dann" er unterdrückte einen Seufzerheißt'S den bunten Rock ausziehen, Wschied nehmen von allem, was Jugendlust heißt und sich In einer Wüste begraben.

.Sie lieben Ihre Heimat nicht?" fragte Anne­liese beklommen, denn sie hatte wohl bemerkt, wie sein Blick, als sie sich dem Schloß näherten, su­chend über die Fensterreihen hinglitt.

Im Gegenteil! Ich liebe fle sehr! Aber Birkenried ist nicht Grafenegg, Komtesse! Sie machen sich ja gar keinen Begriff, wie einsam es dort ist besonders im Winter. Richts als Wäl­der und böhmische Dörfer ringsum. Hie und da mal ein Schloß dazwischen, wo eS aber zur Zeit meist mir alte Herrschaften gibt. Und ich bin nun einmal so. ich brauche Jugend und Fröhlich­keit! Ich Hebe bewegtes Geben, Eleganz Sport. Aber die Eltern sind alt und machen kein Hau« mehr. Selbst wenn sie's nun mir zuliebe tun wollen, ich "bitte Sie: womit denn? Mit den paar alten Herren und Damen, die unsere Rach- barschaft bilden, läßt sich ja doch nichts an­fangen I Aber Vie müssen daS ja ebensogut wissen, wie ich, von AddenSloh her. wo Ihre Tante Lebe

22. September in Konjunktion mit der Sonne unv bleibt daher noch unsichtbar. Saturn kommt, am 21. September in Konjunktion mit der Sonne und bleibt daher unsichtbar.

Wettervoraussage

für Freitag:

Wolkig, später vereinzelte Riederschläge, LHl. wechselnde Winde.

Vom atlantischen Ozean her naht ein Tiefdruck« gebiet, besten westliche Begrenzung durch un­vollständige Meldungen nicht ersichtlich ist. Der Hobe Druck über Mitteleuropa hat sich bedeutend verflacht. Für morgen werden wir mit zunehmen­der Bewölkung rechnen müssen.

" Das Stadttheater, besten neue Winterlpielzeit am 5. Oktober eröffnet wird, ver­öffentlicht im heutigen Anzeigenteil feine Abonnementseinladung.

* Der diesjährige Winterfahr­plan wird auf den deutschen Eisenbahnen nicht, wie bisher üblich, am 1. Oktober, sondern erst am Montag den 2 4. Oktober cingefüfjrt werden. Die Gründe für die spätere Einführung des Wintersahrplanes sind, wie eS heißt, darin zu suchen, daß der Fahrplanwvchfel auf den fran­zösischen Eisenbahnen auch erst an diesem Tage eintritt und die Fahrplanänderungen auf den beiden Bahnen gleichzeitig eingeführt werden müs­sen. Eine Einführung zum 1. Oktober kann nicht stattftnden, weil Frankreich zum 1. Oktober den Uebergang aus der Sommer- in die Winterzeit durchführt: das Zusammenfällen beider Termine auf den 1. Oktober würde zu Irrtümern führen, die gerade im Eisenbahnverkehr die bedenklichste» Folgen haben würden.

Das Hilfswerk der Deutsch- Amerikaner zugunsten der notleidenden Be­völkerung Deutschlands hat durch das Zentral­komitee für Linderung der Rot in Deutschland und Deutschösterreich (Central Relief (Komitee' schon viel Elend gelindert. Reuerdings sind in Gießen, Liebigstrahe 26. durch Vermittlung des Deutschen Roten Kreuzes als amerikanische LiebeSspenden zwei Säcke Weizenmehl durch das Katholische Schwesternheim und Hospital verteilt worden.

** Der Landesverband hessischer Kaninchenzüchter hielt am Sonntag in Darmstadt seine Hauptversammlung ab. Ueber die beabsichtigte Auflösung der Provinzialverbände und die Bildung von Kreisverbänden berichteten Efs-Offenbach und Steinbrecher-Darmstadt In Starkenburg hat nach Gründung von sechs KrelS- verbänden der Provinzialverband seine Auflösung beschlossen. Oberhessen und Rheinhessen werden nachfolgen.

Bornotizen.

Tageskalender für Donnerstag: Postkeller, 8V- Uhr, Oberschle'ier-Verfammlung. Postkeller, 8' > Uhr. Versammlung ber W^bwings- lofen und Wohmingfuchenden. OSwaldsaarien. Volksfest deS ReichSbundeS der Kriegsbeschädigten.

Der TranSportarbeiterver- b an 6 hält, wie au« einer Anzeige ersichtlich ist, morgen abend halb 6 Uhr für Die Arbeiter und Arbeiterinnen, die Im Transport- und Han- delsgewerbe beschäftigt sind, eine Versammlung ab, die zu der schwebenden Lohnforderung Stel­lung nehmen soll.

Landkreis Gießen.

* Q u e ck b o r n, 31. Aug. Hier mietete sich ein Ingenieur Fritz Hirsch aus Memel bei einem Landwirt ein. hals bei den Grntearbeiten, entlieh sich im Pfarrhaus Bücher und verschwand plötzlich in der Richtung Grünberg. Er hat auf diese einfache und billige Art den ganzen Vogels­berg kennen gelernt Da er angibt, beim Luft­schiffbau Zeppelin in Friedrichshafen angestellt und auf einer Urlaubsreife begriffen zu sein, ge­winnt er leicht Vertrauen. Er wird bereit« seit Juli von dem Amtsanwalt zu Lauterbach wegen Betrugs gesucht, hat wegen Betrugs eine mehr­monatige Gefängnisstrafe verbüßt, ist bei Zeppe­lin nur in 1919 aushilfsweise beschäftigt gewesen und stammt aus Erlangen. Kenntlich ist et an Kniehosen und dem nach außen gebogenen rechten Fußgelenk. Er ist 36 Jahre alt und dürfte ganz mittellos sein. Meldungen über seinen Verbleib sind an den nächsten Wachtmeister zu richten.

Landkreis Gieflen.

± Hattenrod, 31. Aug. Der letzte Kriegsveteran, der 1866 und 1870/71 mit­kämpfte, Konrad Albach, ist im Alter von fast 80 Jahren gestorben. Pfarrer Ries-Ettingshausen hielt die Grabrede und der Kriegerverein gab ihm das letzte Geleite.

Kreis Lauterbach.

nt. Allmenrod, 31. Aug. Vergangene Woche wurde im ^genannten H'gwald -Wischer Allmenrod und Frischborn ein 20jähr ges Mädchen aus Allmenrod von zwei Burschen überfallen unk vergewaltigt. Die Täter formten noch nicht ermittelt werden.

Ich war lange nicht bei Tante Isabella. Da­mals vor drei Jahren fand ich es sehr schön aut Addensloh."

Sie hatten das Schloß erreicht. Anneliese rief einem Diener Im Vorübergehen zu: .Ver­ständigen Sie meinen Bruder, daß Besuch da ist" Dann begab sie sich mit Wendloh in den Salon

Rainer war sehr ärgerlich über die Störung. Da hatte er nun gerade all feine schönen Gold­münzen ausgeräumt und putzte fle vorsichtig mit einem Lederläppchen, und nun sollte er Knafl und Fall 'm den Salon!

Glber so rasch ging das keineswegs. Er konnte doch die wertvollen Dinger nicht so offen Herumliegen lasten. Mochte Anneliese auch böse sein, so lange mußte sie schon warten, dl« er alles wieder verschloflen hatte. Ganz aNmählich machte er sich daran, Stück um Stück In die EtulS zurückzulegen, um diese dann In den dafür be­stimmten Glasschrank zu bergen.

Anneliese war gar nicht böse. Sie war |ß glücklich, daß Wendloh überhaupt wieder gekom­men war, dah er nun hier neben ihr sah In derselben traulichen Kaminecke, in der sie so viele fröhliche Stunden gemeinsam verplaudert hatten und daß Magelone nicht daheim war!

Allerdings mengte sich in diese« GlückSgefüh, aud)_ ein Tropfen Wermut: Wendloh hatte eben erwähnt, daß er beim Kommen bereit« im Fürsten­haus seineü Abschiedsbesuch habe machen wollen, aber niemand daheim angetroffen habe. Und nun glitten seine Augen bei jedem Geräusch Im HauS erwartungsvoll nach der Tür.

l Fortsetzung folgt)