Nr. 125 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Freitag, 31. Mai 1929
Turnen, Sport und Spiel.
Jaustball imTurngauSeffenD.T.
Die Gaumeisterfchaft 1929.
Am Sonntag fanden in Marburg auf dem Kämpfrasen die Rückrundespiele der G a u k l a s s e statt. Die sehr spannenden Meisterschaftsspiele, zu denen Tv. 1846 Gießen, Tgm. Friedberg, Atad. Tv. „Kurhessen" Marburg und Lv. Frankenau angetreten waren, und die vom Gauobmann für Sommerspiele, W. Loh (Gießen) geleitet wurden, nahmen einen flotten, ungestörten Verlauf und zeigten, daß der Gau Hessen über eine ganz beachtliche Faustballklasse verfügt. Rur die Playverhältnisse hätten besser sein dürfen. Kleber den Spielverlauf der Rückrunde sei in Kürze folgendes gesagt:
Als erstes Spiel stieg das bei der Dorrunde beanstandete Treffen Tv. Frankenau gegen „K u r h e s s e n" Marburg. Frankenau gewann knapp mit 22:19 Punkten, während bei Halbzeit Marburg mit 11:9 führte.
3m ersten Treffen der Rückrunde traten sich Friedberg und Marburg gegenüber. Es war ein gleichwertiges Spiel, in dem Marburg in der letzten Halbzeit etwas im Dorteil lag. Dei Seitenwechsel führte „Kurhessen" mit 14:13. Friedberg holte jedoch in der zweiten Halbzeit auf und konnte knapp mit 30:2c gewinnen.
Dei dem Spiel der Gießener 1846er gegen Frankenau merkte man bald, daß Gießen nicht die Form vom Vorspielsonntag hatte. Den Gießenern fehlte zu Beginn das Zusammenspiel und sie lagen bei Halbzeit mit 11:12 im Hintertreffen. Rach Seitenwechsel wurden die 1846er aber bedeutend besser; sie holten Punkt für Punkt auf und konnten die Frankenauer, die zum Schluß ganz auseinanderfielen, hoch 31:22 schlagen.
Das nächste Spiel, das Friedberg und Frankenau xusammcnführte, zeigte den seitherigen Gaumeisler in bester Verfassung. Frankenau hatte während des ganzen Spiels fast nichts zu bestellen und muhte mit 28:19 (Halbzeit 16:6) eine empfindliche Riederlage hinnehmen.
So angenehm Tv. 1846 Gießen bei der Dorrunde überrascht hatte, indem er seinen langjährigen Faustbcllrivalen Friedbergei wand- frei besiegte, so bitter war die Enttäui^-ung, die er seinen Anhängern bei der Rückrunde bereitete. 3m Spiel gegen Marburg mußte sich die Gießener Fünf vor den Marburger Akademikern beugen und mit dem Spielverlust die Aussicht auf die Gaumeisterschaft schon etwas zurückstellen. Marburg führte bei Halbzeit 14:13; Gießen holte jedoch bei Seitenwechsel auf und hatte die besten Aussichten, die Punkte dieses 'Spiels für sich zu retten. Kurz vor Schlußpfiff leisteten sich die 1846er aber noch kurz hintereinander drei grobe Schnitzer, so daß „Kurhessen" mit zwei Punkten Vorsprung einen glücklichen Sieg erringen konnte. Das Spiel endete 25:23 für Marburg, das durch diesen Erfolg erreichte, daß es nicht punktlos aus den Meisterschaftsspielen hervorzugehen brauchte.
3m Treffen Marburg gegen Frankenau wurde ein schön ausgeglichenes Faustballspiel geboten. Man sah beide Mannschaften abwechselnd in Führung. Frankenau entschied den Kampf mit 22:19 Punkten (Halbzeit 11:9 für Marburg) für sich.
Mit Spannung erwartete man das Schluhspiel, das Friedberg und Gießen als Gegner sah. Trotz des Punktverlustes im Kampfe gegen Marburg bestand für die Gießener 1846er noch
Wettlaus um Lllmor.
Roman von Senta Neckel.
Copyright bei Greiner & Co., Berlin NW 6.
10 Fortsetzung Nachdruck verboten.
Er sah zwei große, flackernde Augen, die wie int Fieber sich in die seinen bohrten, er sah den schmalen rassigen Knabenko^f, irgendwie kam ihm das Gesicht vertraut und lieb vor.
„Wollen Sie mit mir spielen," fragte er liebenswürdig. Die Sache machte ihm Spaß, er spielte gern mit Partnern, die das Spiel ernst nahmen, und der gut aussehende junge Mann nahm anscheinend das Spiel sehr ernst.
Ellinor setzte sich.
„Wie hoch?" fragte sie kalt.
George schaute sein Gegenüber amüsiert an. Der Junge war ja kolossal bei der Sache.
Cs reizte ihn, etwas ganz Tolles zu tun.
„1000 Dollar", sagte er plötzlich.
'Ellinor verzog keine Miene.
„Zweitausend!"
„Ditte", sagte Ellinor ruhig.
Die Umstehenden drängten näher. Hier gab es eine Sensation!
George wurde gereizt.
„Dreitausend!" . .
Riemand spielte mehr. Alles drängte ßch m dichtem Kreis um die beiden. An den verschiedenen Türen und Portieren des Spielsaals hoben sich die Diener auf die Zehenspitzen und verfolgten atemlos die Vorgänge.
„Viertausend!"
Eine Frau stieß einen kleinen Schrei aus. Worte schwirrten hin und her. Man sah mit brennendem 3nteresse auf diesen Wettstreit, dessen tiefen Sinn keiner von den Anwesenden ahnte.
„Es geht um meine Liebe," dachte George.
„3ch spiele um meine und seine Liebe", dachte Ellinor.
„Fünftausend!"
Ellinor lächelte. Sie verzog spöttisch die Lippen.
„Ditte, fünftausend!"
Irgendeine Macht zwang George, sein Gebot zu erhöhen. Er hatte sich in eine Wut gebissen, die er selber nicht verstand. Dieses Bürschchen, das da mit so ruhiger Miene ihm gegenüber sah und zu seinen wahnsinnigen Geboten nur spöttisch die Lippen verzog, erregte ihn in ungeheurem Maße.
Eine Frau in hauchdünnem Seidenkleid, mit einer Reihe schimmernder Perlen um den Hals, sah Ellinor verliebt and sagte halblaut: „Dravo!"
3n schnellen Sprüngen fegte ein älterer Herr durch den Saal und grub seine zitternde Hand in Mabels schwellenden Arm.
die Möglichkeit, Gaumeister zu werden. Aber in der ersten Halbzeit war Gießens Mannschaft gar nicht in Form; sie spielte ziemlich ungenau und unsicher, wodurch es den Friedbergern, die mit der größten Ruhe arbeiteten, ermöglicht wurde, bei Halbzeit einen Vorsprung von sieben Punkten zu buchen. Alle Anstrengungen der 1846er, nach Seitenwechsel den Punlteverlust aufzuholen, scheiterten an dem starken SiegeS- willen Friedbergs, das auf Grund seiner langjährigen Faustballerfahrung den Vorsprung zu halten verstand. Friedberg zeigte sich als die beständigste Mannschaft und hat den Sieg, der mit 28:21 (15: 8) endete, verdient errungen.
Aachstehend bringen wir den Schlußstand der Tabelle:
Spiele gew. unentsch. verl. Pkte.
5
6
0
nunmehrige
Tgm. Friedberg, meister, hat damit die G
aumeisterschaft von
6
6
6
5
4
2
0 0 0
1 2 4
10
8
4
Tgm. Friedberg Tv. 1846 Gießen Tv. Frankenau Akad. Tv. „Kur-
Hessen" Marburg
1 der
2 Gau-
neuem behauptet und den Gau Hessen demnächst bei den Gaugruppenspielen in größerem Verband
zu vertreten.
Die Dezirksmeister des 3. Bezirks (Ridda) und des 4. D^irks (Schlitz) sind durch Richtantreten aus der Gauklasse ausgeschieden; sie steigen in die Bezirksklasse ab. >
Die Spiele um die DezirksmeistersHafte n, zu denen die Vereine der Gauklasse natürlich nicht antreten können, finden im Rachsommer in den sechs Bezirken des Gaues statt. Die dabei ermittelten Bezirksmeister stehen sich bei dem voraussichtlich am 8. September in Gießen statt- sinkenden Gauspieltag gegenüber. Die beiden Besten der Bezirksklasse steigen in die Gauklasse auf und tragen dann zusammen mit den vier Vereinen der obigen Tabelle übers 3ahr die nächste Gaumeisterschaft aus.
S.Bundesturntag desA.O.T.
Zum sechsten Male waren am Samstag und Sonntag in Mülheim (Ruhr) die Vertreter der Verbände DHeinland-Westfalen, Südwestdeutscher Turnverband (Hessen), zu dem auch der Turn- gau Lahn-Dünsberg gehört, und Schwäbischer Turn- und Spielverband (Württemberg) mit dem Bundesvorstand versammelt, um den alljährlichen Dundesturntag zu begehen.
Samstag nachmittag besichtigten die Teilnehmer zunächst unter fachkundiger Führung das Rathaus und die Stadthalle in Mülheim. Der Samstagabend vereinte die Teilnehmer im kleinen Saal der Stadthalle.
Der 1. Bundesvorsitzende Architekt Scher» r i e b l e (Oberehlingen, Württemberg- eröffnete am Sonntagmorgen im Dereinshaus den 6. Du n- desturntag. Die ersten Punkte, Feststellung der stimmberechtigten Vertreter usw., erfolgte sehr schnell, dann nahmen die Jahresberichte einen breiten Raum ein. Der Turnbericht berichtet von einer ausgezeichneten Gleichmäßigkeit, er zählt die Veranstaltungen und ihre Auswirkun» gen auf. Der Bundesjugendwart berichtet von einem stetigen Steigen der Zahl der Zugendlichen. Der Sportwart hat aus der Leichtathletik über stetig sich verbessernde Leistungen ziu berichten, aber auch, was viel wertvoller erscheint, von dem großen Durchschnitt, also wirksame Arbeit in die Breite. Glänzend ist auch wieder der Spielbericht, der von einem besonderen Aufschwung im Handball berichtet. Den besten De-
„Was geschieht hier?" fragte er atemlos.
Mabel schüttelte den Fremden widerwillig ab, dieser aber begann mit Knien und Ellbogen sich seinen Weg durch die wogende Menge zu bahnen.
„George, sei vernünftig!" flüsterte Bobby Carlton erregt; er kannte den Freund nicht wieder.
George öffnete und schloß krampfhaft die Fäuste.
„Achttausend!" sagte er plötzlich.
Ein Raunen ging durch die Zuschauer. 3eht würde der andere doch passen.
Der alte Herr, der sich bis zur vordersten Reihenfolge vorgedrängt hatte, rechnete ganz laut:
„Achttausend Dollar sind beim heutigen Kurs ..."
Riemand achtete auf ihn.
Ellinor lächelte ihr Gegenüber an.
„Sie vertrauen auf 3hr Glück oder Unglück in der Liebe, mein Herr, gut, ich nehme an. Haben Sie noch etwas zu sagen?"
Ein Taumel hatte George gepackt. Warum sprach dieser Zunge von seiner Liebe, warum quälte er ihn?
Die Augen seines Partners schimmerten grünlich blau, und diese Augen brachten ihn um die letzte Besinnung.
„Zwanzigtausend!" keuchte er.
Totenstille folgte dem Angebot.
„Zwanzigtausend werden gespielt!" sagte Ellinor so ruhig, als habe es sich eben um den Betrag eines Dollars gehandelt.
George verteilte die Karten.
Gierig hingen Dutzende von Augen an den kleinen Blättern.
Zwanzigtausend Dollar standen auf dem Spiel!
George deckte die Karten auf.
„Verloren!" sagte er und erhob sich ein wenig taumelnd.
„Za, verloren — aber Dafür haben Sie nun Glück in der Liebel"
George lächelte etwas krampfhaft:
„Wir wollen es hoffen!"
Er zog ein Scheckbuch und stellte einen Scheck über zwanzigtausend Dollar aus. Mit einer liebenswürdigen Verbeugung reichte er ihn Ellinor herüber. Einen Moment lang berührten sich ihre Hände.
Ellinor durchzuckte es wie ein Schlag.
Sie faltete den Scheck zusammen, stand auf, und sah sich suchend um. Mit festen Schritten ging sie zu einer Sammelbüchse für irgendeinen wohltätigen Zweck, wie man sie in jedem Spielsaal findet. Sie warf den zusammengefalteten Scheck hinein und ohne sich um die verdutzten Gesichter der anderen zu kümmern, verließ sie mit der sprachlosen Mabel den Saal.
„Warum hast du das getan?“ fuhr Bobby George an, der wie geistesabwesend hinter dem jungen Mann herschaute, der sich eben in der Tür noch einmal nach ihm umschaute.
richt gab der Dundesfrauenwart. Das Frauenturnen, wie es unter den heutigen Gesichtspunkten aufgezogen werden muß, werde im ADT. restlos befolgt, wenngleich natürlich nicht verkannt werde, daß das gesteckte Ziel noch nicht erreicht ist. Heber die Pressearbeit des Bundes kann nicht viel berichtet werden, da bisher diese Arbeit den Verbänden oblag. — Die Anträge drehten sich im wesentlichen um die Steuererhöhung, die sich jedoch nur in einem kleinen Betrag auswirkt, der restlos dazu dient, einen Pressefonds zu schaffen. Eine Reihe Anträge war turntechnischer Ratur, u. a. wurden hier die Znteressengcmeinschaften mit anderen Verbänden behandelt. Außerdem wurde das Stimmrecht abgeändert, dann wurde auf Grund der neuen Steuer, die 12 Pf. pro steuerpflichtiges Mitglied beträgt, der Voranschlag angenommen, worauf zur Wahl geschritten wurde, die einmütig verlief und bis auf einen Posten alle Wiederwahl ergab. Es amtieren demnach für die nächste Periode: 1. Vorsitzender Architekt Scher - rieble (Oberehlingen), Geschäftsführer Lehrer Zöller (Hausen bei Gießen), Bundespresse- toart Draisbach (Kelsterbach), Bundesober- turntoart Stäbler (Stuttgart), Bundessport- toart Endrehs (Stuttgart), Bundeskassierer Koch (Darmstadt), Vertreter im DRAfL. Lehrer Prang (Duisburg). Eine Reihe von Anregungen gab es noch unter dem letzten Punkt, dann konnte mit Heilruf Scherr ieble die Tagung schließen. Am Montag fanden noch Besichtigungen von Zugendheimen und großen Sportanlagen statt.
Faustballspiele beim Bezirksturnfest in Lützellinden.
Zn früheren Zähren war es üblich, daß auf den Bezirksturnfesten am Rachmittag nach den allgemeinen Freiübungen Sonderwettkämpfe im Volksturnen stattfanden. Da diese diesmal Wegfällen, werden einige Faustballwerbespiele aus- getragen. Sicher steht schon das Spiel der A. T. D. „Rheinfranken" gegen eine zusammengesetzte Mannschaft des Tv. 1846 Gießen. Außerdem werden noch je eine Mannschaft der Turnvereine Lützellinden und Hochelheim sich ein Spiel liefern.
B.f. B. Leichtathletik.
Am kommenden Samstag folgt die Z u g e n 6 - abteilung des V. f. B. einer Einladung des V. f. L. Wetzlar zu einem Zugend-Klubzwei- kampf. Es ist das erste Mal, daß V. f. B. mit seiner Jugend einen solchen Klubkampf bestreitet. Ungefähr 30 Zugendliche und Schüler haben sich zur Teilnahme gemeldet und werden gegen die von Paulus trainierten Wetzlarer einen schweren Stand haben. Man darf auf ihr Ab- schneiden gespannt fein.
Fußball in Heuchelheim.
Am nächsten Sonntag empfängt der Sportverein Heuchelheim die erste Mannschaft vom Spiel und Sport Ehringshausen zum Gesellschaftsrückspiel. Das Vorspiel verlor Heuchelheim am vorigen Sonntag, allerdings mit reichlichem Ersatz und nur 10 Mann spielend, 6:1. Auch am kommenden Sonntag muß die Mannschaft mit 3 Ersatzleuten antreten, da der Vorstand einige Spieler der Ersten gesperrt hat. Ob es unter diesen Umständen gelingen wird, Revanche für die vorsonntägliche Riederlage zu nehmen, muß bezweifelt werden.
„Warum? Der Zunge hatte die gleichen Augen, wie die Frau, die ich liebe . . ."
Als Ellinor mit Mabel Peers zur Garderobe ging, stand Chung Li plötzlich wie ein Schatten neben ihr und flüsterte ihr leise ein paar Worte zu.
„Entschuldigen Sie mich einen Moment, kleine Mabel," sagte sie und folgte Chung Li, der hinter eine Säule getreten war.
„Wer hat mich erkannt?" flüsterte Ellinor.
„Jules Smith, vom »Herald', ich habe ihn gesehen, als ich durch die Säle ging, um nach Zhnen zu schauen, Miß Ellinor, Mr. Stanley hat mir befohlen, Sie keinen Augenblick allein äu lassen, und ich bin Zhnen gefolgt. Zch kenne den Reporter Smith, er war einmal bei Mr. Stanley, als ich Mr. Stanley gerade bediente. Zch vergesse keinen, den ich einmal sah!"
„älnd warum glaubst du, daß er mich erkannt hat?"
„Er folgte Zhnen schon von der Oper her und läßt Sie nicht aus den Augen. Wenn Sie sich vorsichtig umsehen, Miß Ellinor, da drüben steht er."
Ellinor sah sich langsam um. Da stand ein kleiner Mann im schlechtsihenden Frack und las die Abendnummer der Evening Review. Das sah ganz harmlos aus, aber plötzlich sah Ellinor, daß in der Zeitung ein kleiner Riß war, und durch diesen Ritz spähte ein kühles graues Auge zu ihr herüber.
Das ist ja gräßlich, dachte Ellinor, alle dürfen mich finden, nur nicht der Reporter des Konkurrenzblattes, dann hat Vaters ganze Zdee gar keinen Sinn gehabt. Aber was tun? Der Mann, der sie beobachtete, sah nicht so aus, als ob man mit ihm spaßen könne, und 100 000 Dollar waren immerhin keine Kleinigkeit. Sie verstand nicht, warum Zules Smith sie nicht feststellte, da et sie doch erkannt hatte, war das ja nur eine Kleinigkeit für ihn. Sollte Chung Li vielleicht älnrecht haben. 3n diesem Moment aber drehte sich 3ules Smith zu ihr um und grinste frech, während er wie unabsichtlich die Evening Review so hielt, daß Ellinor die Rubrik sehen muhte, wo der tägliche Bericht über sie stand. Kein Zweifel, Zules Smith wußte, wer sie war.
Rur blitzschnelles Handeln konnte Ellinor retten.
„Wie lange fährst du von hier bis nach Hause, Chung?"
„Fünfzehn Minuten mit dem Wagen!"
„Gut, du fährst sofort nach Hause, im Eiltempo, holst einen kleinen Koffer mit ein paar einfachen Kleidchen und etwas Wäsche, außerdem bringst du den Paß mit, weiht du, den Pah, den uns der feine Gentleman neulich für 3000 Dollar verkauft hat. Du bringst alles sofort hierher, läßt dir ein Zimmer geben und gibst mir dann sofort
Fußbals-Lokolireffen.
Am kommenden Sonntag stehen sich auf dem Waldsportplah die Ligamannschaften der Gießener Spielverecnigung 1 900 und des V. f. B. 0 8 im Gesellschaftscüctspiel gegenüber. Vorspiel fand im Februar auf dem Sportplatz an dec Liebigshöhe statt; es war ursprünglich als Derbandstrefsen angefetzt, konnte aber infolge des nebligen Wetters vom Schiedsrichter als solches nicht gewertet werden; nach gegenseitiger Vereinbarung, die eine Rückspielverpflichtung der Spielvereinigung in sich schlotz, wurde es als Privatspiel ausgetragen und endete mit einem hohen Sieg der V.f.D.er. Das kommende Lokaltreffen ist das vierzehnte seit Kriegsschluh und hat insofern eine besondere Bedeutung, als es von beiden Gegnern in bestmöglichster Verfassung bestritten wird. Da V.f.B. in der vergangenem Verbandsspielserie, und besonders auch in den letzten Privatspielen, in glänzender Form war und trotz mehrfachem Ersah sehr gute Resultate erzielt hat, wird man auch am nächsten Sonntag ein befriedigendes Spiel von ihm erwarten können, zumal der Spielausschuß in der Lage ist, die Mannschaft in stärkster Aufstellung antreten zu lassen. Die Spielvereinigung von 1900 war zwar in der Derbandsspielsaison weniger erfolgreich, hat dann aber in Privatspielen (z. D. gegen Mudersbach, 1. Dezirksligaklasse) gezeigt, daß mit ihr zu rechnen ist. Die Spielstärke der Mannschaft soll sich noch in der letzten Zeit durch Reueinstellung einer Anzahl talentierter Spieler von auswärts bedeutend verbessert haben, so daß es nicht ausgeschlossen erscheint, dah die Spielvereinigung den Kampf am Sonntag für sich entscheidet.
Für die Bewegungsspieler gilt es am nächsten Sonntag, ihre Vormachtstellung im Gießener Fußball zu verteidigen und durch einen eventuellen Sieg weiter zu festigen. Für die Spielvereinigung ist der Ausgang des Treffens ebenfalls von großer Bedeutung; ein im offenen Kampf erzieltes Unentschieden wäre schon ein Erfolg für sie, wieviel mehr wäre dies nach den bisherigen Riederlagen ein einwandfreier Sieg! Cs ist also für beide Vereine ein Kampf um das Prestige, den für sich zu entscheiden jeder alles aufbieten wird. Gerade deshalb ist es schwer, den ungefähren Ausgang des Treffens vorauszusagen. Wohl verfügt V. f. D. über die größere Spielstärke und nennt das ausgeprägtere System sein eigen, kann aber auf Grund dessen keineswegs als voraussichtlicher Sieger bezeichnet werden, da der bekannte Kampfeseifer und Siegeswille der Spielvereinigungsleute jede Berechnung illusorisch machen kann. Zedenfalls verspricht das Treffen ein fuhballsportliches Ereignis ersten Ranges zu werden, dem man über die Mauern Gießens hinaus größtes Znteresse entgegenbringt und das — wie alle voraus- gegangenen — sehr stark besucht sein wird. Um so mehr ist es Pflicht aller Spieler, sich einer in jeder Weise einwandfreien Spielweife zu befleißigen und damit werbend für den Fußball- fport und ihre Vereine zu wirken. Das Spiel steht unter der Leitung deS bekannten Schiedsrichters W i n g e n f e l d, Fulda.
Vor dem Ligatreffen steht die erste Sch ü - lerelf der gleichen von Rieder-Girmes gegenüoer, nach demselben hat die erste Zugend Butzbachs Zugend im Gesellfchaftss üel zum Gegner. Die zweite Zugend hat sich die erste vom Sportverein Ridda eingeladen.
den Schlüssel. Zch warte im Vestibül. Roch eins: Sorg dafür, daß der Wagen des guten Mr. Smith unterwegs eine Panne bekommt, Du weißt schon..
Chung Li sah seine schöne Herrin begeistert an: „Miß Ellinor können sich auf mich verlassen!" Ellinor ging zu Mabel zurück, die schon ungeduldig von einem Füßchen auf das andere trat. Jetzt kam noch ein Problem: Wie wurde man dieses abenteuerlustige Frauchen auf die anständigste Art und Weise los?
Ellinor half Mabel in den Pelz.
„Ich muß meinen Wagen leider nach Hause schicken, es ist Ihnen doch recht, wenn wir eine Taxe nehmen?"
Mabel nickte.
„Alles ist recht, was Sie tun, Axel." dabei lehnte sie sich mit verführerischem Lächeln fest an Cllinors Arm.
Die Sache wird brenzlich, dachte Ellinor.
Ein wenig zitterten ihr die Knie, als sie jetzt dicht an Jules Smith vorüberging.
Jules Smith zündete sich mit dem gleichgültigsten Gesicht der Welt eine Zigarette an. Er wußte, Ellinor war ihm sicher, er ließ sie gern noch ein bißchen herumzappeln, entgehen konnte sie ihm nicht mehr, was Jules Smith in den Klauen hatte, das ließ er nicht so leicht wieder los. Die Rümmer von Cllinors Auto stand in seinem Rotizbuch notiert. Morgen früh würde sie ganz Reuyork kennen. Smith verfolgte eir.cn ganz bestimmten Plan. Er wollte Ellinor nicht einfach entlarven, wie das vielleicht jeder andere getan hätte, nein, er wollte auch für feine Zeitung eine Sensation aus der Sache machen, von der die Welt sprach. Run, dem alten Stanley würde die Sache schon unangenehm werdens Smith kicherte schadenfroh, als er an den Bericht dachte, den er vor fünf Minuten dem Hera Id telephonisch angekündigt hatte. Das Spielchen um die 20 000 Dollar und die Exkursion im Frack mit dem kleinen Dämchen sollten dem alten Stanley noch ein Rüßchen zu knacken geben.
O, Jules Smith kannte die Reuhorker. Er wußte, wie moralisch sie fein konnten, wenn man die Sache richtig aufzog. Jetzt würde er den Spieß umdrehen. Man sollte Jules Smith noch kennen lernen. Im Hintergrund seines Journalistenschädels aber wälzte der ehrgeizige ehemalige Zeitungsjunge einen ehrgeizigen Plan, es war der kühnste Plan, den er jemals gedacht hatte, aber diefer Plan hypnotisierte ihn. Er wollte Mac Stanley einmal zittern sehen, er wollte, daß einer von den Obersten einmal in feiner Sicherheit erschüttert würde, Stanleys Blick sollte einmal flackern — einmal sollte er abhängig von ihm fein.
(Fortsetzung folgt.)


