Vonrerstag, 31. Januar 1929
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für tvberheffen)
Nr. 26 Drittes Blatt
Nachdruck oerboten.
59 Fortsetzung
’MM Naiazz-r
Vornan von 3- Echneider-Koerstk.
Urbeberrechtsschutz Oskar Meister. Werdau i. Sa.
Wyeth, Humphrey Smith, van ihrem Ve° kämpfer Leslie die Schrift The snake in tbc grass in 2. Auflage (1697) und die Gegenschrift von Wyeth (1699), von dem St.fter der Gesellschaft George Fox das berühmte Journal ol the life, travels usw. in dritter Ausgabe (1765), von William Penn, dem Gründer Pennsyloanicns, eine zweibändige Samim lung seiner Werte (London 1726) und der Abr.ß der Ouäkeraeschichte (A briet acconnl of the rise and progress 6$ the ... Quäkers, 8 Ih. edition, London 1776), außerdem Schriften von Samuel Fisher, W ll.am S e w e l. Francis Howgi11, Edward Burroughs, John und Samuel Fothergill, James P a r n e l, Robert Barclay u. o. a, deren Auszählung zu weit führen wurde. Als auf e.ne
als hätte der Schrecken sie deS Gedächtnis^ beraubt.
Diebow rüttelte einen derselben, bet toetaewb auf einem Steinhaufen sah, an den Schultern und frag nach Jettingen.
Er bekam nichts als ein verständnisloses Kopfschütteln zur Antwort. Der neben ihm hockte, sah mit einem irren Lachen auf iircb zeigte nach dem Tunnel, der bi5 zur Hälfte ausgeriff« lag Die ein gähnend offener Dachen.
„Dort drinnen?" frag Kurt und fühlte 6te Kälte biS in di« Fingerspitzen rieselrr.
Gin stummes Dicken. Dann ein Hinwegstrerchen über die Stirne, als mühte er etwas toeg» wischen. — Und wieder dieses irre Lachen.
Fehmann kam auf sie zugerannt. Man hatte nicht Zeit, dis Hand zu drücken. »Ich habe da vorne einen gesprochen, der wußte mit zu sagem dah Joachim, mit einem jungen Menschen auf dem Arm, nach dem AuSgange gelaufen wäre Aber ob es stimmt. Er dürfte kaum mehr Zeit dazu gehabt haben. Es muh urplötzlich gekommen fein. Heine zehn Minuten, nachdem ich zu Haufe war." meldete er dem Kommerzienrat.
3m Verein mit Diebow machte er sich von neuem auf die Suche nach Hettingen. Der Platz wurde abgesperrt. Die Menschenmenge, welche ihn planlos überflutete, erschwerte Sanität und Polizei die Arbeit.
„Wissen Sie, wo die Daronin ist?" Diebow suchte in Fehmanns Augen.
„Bei Ihrer Frau Mutter. Ich habe ihr ae- fagt, sie müßte sich bereithalten, toerm Achim gebracht würde, wenn sie selber herausliefe, bet* fehle sie ihn. Sie wäre doch nur zusammen»' gerochen bei diesem Anblick hier."
Diebow schloh ab und zu die Augen, wenn ein Paar erloschene glasige ihn anstarrten. Aber auch geb mann, der als Arzt an Tod und Sterben gewöhnt war, muhte seine Verven Im Zaume halten, dah sie nicht vorzeitig versagten
(Fortsetzung folgt)
Diu junger, kaum zwanzigjähriger Mensch tau- me.te plötzlich vor seinen Augen, glitt seitwärts zu Dvöen und regte sich nicht mehr.
„A.srit!" rief Hettingen und Liiete bereits neben ihm auf den Steinen.
Ql a leine Antwort tarn, faßte er chn mU beiden Armen unter, hob ihn zu sich herauf und gmg, so rasch das Geröll es gestattete, den Slollra zurück, um zum Ausgange zu gelangen. Frische Luft war das einzige, was ihn zur Besvmung bringen tonnte. Ehr.ürchtig machten di« Arberter Platz und sahen ihm nach.
„Hat einer von euch einen Schluck Trmlwa.ser bei' »ich?" frag.« Hellingen die nächste Gruppe. Die Last in le.nen Armen wurde beängstigend schwer. Es war. als trüge er einen Toten.
Ihrer drei und vier ka.nen zugleich gesprungen und reichten ihm ihre Flasche. Er ließ sich vor- jichtig zu Doden und setzte dem junge Manne behuL.a.n die Oeifaung an den Wund.
Eine Stichflamme fuhr dicht vor ihm auf!
Kanonendonner dröhnte über Deckinzona hin. Wie im Tromme.feuer klirrten die Fenstersche'uan an den Häusern — die Gwcken in den Türmen schlugen an, so gewaltig war die Erschütterung, welche die ganz« Stadt aus den Fugen zu reiften schien.
In den Straßen schrien Menschen aus und brachen blutüberströmt zulammen.
Ein Steinkvloft schlug in eine Palme und spaltete sie bis zum Herzen. Gleich Granaten kamen die Felstrümmer geflogen, bohrten sich durch das Dachwerk und blieben im Erdgeschoß eingekeilt, daß die Holzfetzen der Diele nach allen Seiten splitterten.
In der Dilla IankeS schoß bad Wasser des Springbrunnens bis hoch über den First des
Alles drängte hinaus, der Stätte zu. an welcher sich das Gräßliche zugetragen hatte. Man schrie einander zu. nannte Zahlen, überbot sich an Mitteilung von Schauernachrichten.
Ein gellendes Hupensignal forderte Platz für uachlonunende Sanitäter. Das Genfer Kreuz flatterte an der Steuerung, und Diebow mußte für einen Moment die Hand über die Augen decken.
„Het.ingen!"
Die ersten verstümmelten Körper machten das Auge erschrecken. Zu vieren und fünfen wälzte die Hilfsmannschaft b.e Felstrümmer zur Seite, um die darunter Eingeklemmten aus ihrer gräßlichen Lage zu befreien.
Ab und zu rührte sich ein Fuß? Eine Hand hob sich hochl — Ein Kopf legte sich zur Seite. Meist aber kam kein Lebenszeichen mehr von benen, die unter den Steinlolotsen begraben lagen.
Wan legte die blutenden Körper in Aeihen. Hin und wieder deckte eine mitleidige Hand ein Stück Tuch ober einen Gewandfetzen über ein verstümmeltes Antlitz schob einen abgerissenen Körperteil zurecht oder drückte ein Paar weit geöffnete Augen zu. ,
Schmerzdurchzrtlerte Hilferufe, verzweisettes Stöhnen Langen auf. Gin alter Mann suchte vergeblich seinen Sohn aus der Umklammerung zweier Felsenstücke zu befreien. Erst als trodi Feuerwehrleute ihm Beistand le iteten, glückte es.
Behüt am hochgehoben, verschied er an der Brust des Vaters. Mütter suchten unb_ riefen nach ihren Söhnen, Frauen nach ihren Wannern, dir am Morgen noch frisch uno gesand zur Arbeitsstätte gegangen waren.
Diebow war auf seinen Vater gestoßen, der mit der Polizei eingetroffen war und nun gleich ihm üoer Wenschen.eiber, Sterntrümmer und Gewandstücke stolperte.
Und über all dem entsetzlichen Jammer, dem Ehaos und dem wilden Schreien der 'Bermun» dete.i leuchtete die hellste Dellinzona-rr Oltober- sonne.
Don den Unrerletztgeblieben-en war un Augenblicke soviel wie nichts zu erfahren. ES schien,
Glückliches Amerika!
Wie die amerikanischen Zudustriekönige ihr Gewissen beruhigen. - Jährlich für 10 Milliarden Mark neue Spenden. — Das Riesenerbe des Seeräubers.
Don Fred C. Dillinger.
Erschreckt vernahm mau vor wenigen Tagen in Deutschland, daß Der Haushall des Deutschen Deiches im kommenden C.a.s.ahr 10 W.lliarden Mari versch.ingen soll. Das ist eine ungeheure Summe, die für euuipäischr Länder schwer zu erschwingen ist, aber in den Vereinigten ©.aalen sehr leicht aufgebracht werden kann. Haben doch die reichet, Amerikaner im Jahre 1927, wie auß eir.tr soe en verös.entlichten S.a istll hervorge^t gerade diesen Detrag, zehn Milliarden Mark, ganz nebenbei für wohltätige <jw e cke gespendet und damit das Gesamtver- mögrn der Philanthrop.scheu Institutionen, das der ameriian.sche Soziologe Dent vor mehr als ande-t^alb Jahren aus etwa 210 M lliarden Mark geschätzt Hal, auf 223 Mi.l arden Mari erhöht. De-g eicht man diese Ziffern mit den Beträgen, die vor dem Krieg in Amerika für wohltätige Zwecke gegeben wurden, so erhält man einen neuen Beweis für die bekannte Talsache, daß nur die Bereinigten Staaten wirtschaft.ich den Krieg gewonnen haben.
Seit dem Jahre 1893 gibt es eine Statistik ter .,Wohltätigkeitsinduftrie". wieder Amerikaner die organisierte Mildtätigkeit unschön, aber treffend nennt; aus dieser — frarlich unvollständiaen — Smtistik kann man entnehmen, daß von 1893 bis 1939 4 Milliarden 600 Millionen Mari in ganz großen Einzelne tragen gestiftet worden smd, während man dama.s nicht feststellen konnte, wieviel kleine Summen izr Woh.tütigkestsindustrie zur Brrfügung gestelll wurden. Auch hat bi; S.atistik darauf vernichtet jene „einfältigen" M.mlchen zu erfassen. Die es verschmähten, als Stifter großer Summen genannt zu werden. Die g.oßen amerikanischen Philanthropen geben niemals anonym. Die Pv- ttD.'eundönige und Schlachthausbesitzer. die Finanzmagnaten und Stahiherrscher haben viele Sünden wieder gut zu machen und finden, jede gespendete Dollarmillion laf.e leicht Der gen en, tast öer betreffende Wohltäter vorher das Zehnfache dieses Betrages auf wenig einwandfreie Weise verdient habe. So hat der jüngere Morgan sich veranlaßt gesehen, die Diösiothek seines Balers der Stadt Arayori zu vermachen, um die Erinnerung an dir Tatsache auszulöschen, daß er Kunstschätze des älteren Morgan, die schon als testamentarisch festgesetzte Spenden galten, r-er- kaust und dabei am nationalen Ehrgaiz seiner Landsleute viel Geld verdient habe. Wan weiß, daß Bocke feiler und Carnegie mitunter Geschäfte gemacht haben, die nxftt jeder Kritik fiandhiellen: aber beide W.llardäre waren auch großzügig, haben gewaltige Summen für die Erziehung des Dolles und die Förderung der Wissenschaft ausge^eren. So hat ter ältere Aocke- f ekler an seinem 70. Geburtstag allem für den von ihm ins Leben gerufenen General Education Board 40 Millionen Mari gestiftet und damit den Fonds dieser Institution auf 200 Millionen Mark gebracht. Dieser Betrag wird von Fachmännern verwallet, die nach freiem Ermessen neue Erziehungsanstalten bauen und bestehende Institute ausftallen lassen können. Äockefeller hat schließlich die Universität von Chicago gegründet, ihre Gebäude gestiftet, sie auf seine Kosten erhalten und in gewissen Abständen für
Spezia zwecke einige Millionen Mark zur Der- fügung gestellt. Daß er dadurch auf die studierende Jugend des Landes und auf diejenigen technischen Erfindungen Einfluß erhielt, die in den Laboratorien der Universität gemacht wordm sind, war eine angenehme Folge seiner wo.>ll- tätigen Oefinnung.
Für die Erziehung der Jugend haben die amerikanischen Slister von jeher etwas üb-ig gehabt. Waren sie doch selbst häufig Autodidakten, die bei allem Sloiz auf ihre felbst- erwo.benen Kenntnisse doch heimlich die tiefe Ehrfurcht des Ha.bgebildeten vor der vollkommenen. schulmäßigen Blldung im Herzen trugen! Schon vor 20 Jahren hat John S. Kennedy testamentarisch sein Dermögen von 25 Millionen Mari für Erziehungszwecke vermacht, und man weiß, daß Carnegie gerade für Universitäten eine offene Hand hatte. Aber diese Erziehungsinstitute sind gesättigt, und so ist es zu erklären, daß im Jahre 1927 „nur“ eine dreiviertel Milliarde Mari für diese Zwecke neu geopfert worden ist. Das ist sehr wenig, wenn man in Betracht zieht, daß den religiösen Stiftungen viereinhalb Milliarden Mari zugeslossen sind. Etwas über 833 Millionen erhiellen Institutionen, dte der medizinischen Forschung dienen oder auf andere Weise die Gesundheit des Bockes heben sollen-, für die sog. „organisierte Wohl- tä igke'll" im engeren Sinne war mehr als eins Milliarde vorhanden, und ungefähr der gleiche Beriag wurde urnnineLbat. also ohne die Deo- mittlung pHllantropischer Gllellfchastrn. an Bedürftige gegeben. Fast eine Milliarde Wari ist auch in das Ausland gesandt worden, teils aus wirklicher Menschenliebe, teils aus der Erwägung, daß man auf diese Weise für die Bereinigten Staaten und mittelbar auch für den amerikanischen Kaufmann neue Sympathien werben könne. Europa kann von den Methoden der amerikanischen Bek äme viel lernen!
Seltsam ist es. haft im Jahre 1927 die ver- schiederren Aeformorganisationen nur 13 Millionen Dollars erhalten haben: die Zeiten, in denen die Lady Cook nur für die Propaganda des weib'.ichen Erimmrechts über vier Millionen Mark stiftete und ein nicht übermäßig bekannter Berleger in Boston ebensoviel für die Zwecke der Friedenspropaganda ausgab, scheinen vorüber zu fein. Merkwürdig ist es auch, datz nur ein Prozent der gesamten im Jahre 1927 gestifteten Beträge den schönen Künsten zugute kommen. Hier fehlt offenbar die Großzügigkeit des älteren Morgan, der dem Metro- politan-Museum in Aeuyork manche wertvolle Sammlung übergeben hat. .
Besonders behebt waren von jeher Instttute, die Waisenkindern eine sorglose Jugend bereiten sollen. Es ist dies die sinnfälligste Art, Gutes zu stiften und sich darüber zu beruhigen, daß man in seinem Leben viel Schlechtes begangen hat. Bun gibt es aber in den Bereinig- ten Staaten nicht genug Waisenkinder. um alle Waisenhäuser zu füllen, und so entbrennt um die an sich bedauernswerten Geschöpfe ein erbitterter Kampf philanthropischer Organisationen. Es gibt in Amerika ungefähr 7030 kirchliche.
bdonbere Seltenheit fei noch hingewiejen auf die .Jöems on various subjects, religious and moral11, London 1773, von Phillis heatIey, einer in Afrika geborenen Siegerin. Durch diesen Zuwachs, für den die Universitätsbibliothek dem Lecker des College in Woodbrooke, Dir Sturge, in ganz befon« der em Maße verpfl chrct ist, rückt sie mit an die erst7 Stelle gleichartiger Brolivtheken, die sich die Sammlung ähnlicher Literatur zur Spezialaufgabe gemacht haben.
Diesen hochherzigen Stiftern weiß die Universitätsbibliothek aufricht gen Dank, dem sich alle die, deren Studien durch die Zuwendungen gefarbert werden, gewiß von Herzen anschließen.
soziale und private Vereine, die viele hundert Millionen Dollars jährllch für die Erziehung von. Waisenkindern ausgeben. Zum Schrecken dieser Organisationen, aber zum Glück für das amerU lamsche Boll, ist die Zahl der Waisenllnder in den Bereinigten Staaten von 35 000 im Jahre 1917 auf 30 000 im Jahre 1921 auf 28 000 tm Jahre 1925 zurückgegangen. Diese Entwicklung ist für die wohckätigen Vereine um so bedenlltcher. aiS sie während eines starken Bcvölkerangs- zuwachses vor sich gegangen ist.
Die ungeheure Zahl wohltätiger «Stiftungen macht es den Philanthropen immer schwerer, wirklich Bedürftige zur Beruhigung ihres Gewissens ausfindig zu machen. Die reichen Leute kommen babri auf die merkwürdigsten Ideen. Es gibt in den Bereinigten Staaten z. D. ein Asyl für alte Matrosen, das ^Robert Raindal, der Sohn eines Seeräubers, gegründet hat. Der pietätvolle Erbe wollte die Verbrechen seines Daters wieder gut machen und bestimmte in seinem Testament, daß sein Aach laß nur atmen allen Matrosen zugute kommen follte. DaS Kapital der Stiftung ist inzwischen auf 40 Millionen Dollars angewachsen, aber es ist nicht ge-> langen, dem Asyl eine genügende Zahl alter Matrosen zuzuführen, da in dem Testament bestimmt ist, nur solche Seeleute aufzunehmen, die ihr Leben auf dem Atlantischen Ozean zugebracht haben, also aus dem Wirkungskreis seines Vaters stammten. Aun scheinen die Matrosen des Atlantischen Oheans entweder frühzeitig zu ertrinken, oder sich in mittleren Jahren einem anderen Beruf zuzuwenden. So erfreuen sich die wenigen Einwohner größ er Bequemlichkeiten, und die alten Matrosen sind von einem Luxus umgeben, den man sonst nur in aristokratischen Klubs antrifft
Würde man die großen Betrage, über die Die WoMLtigleitsindustrie verfügt, wirlrich zweckmäßig anlegen, so gäbe es natürlich auch in den Vereinigten Staaten viele Verwendungsmöglichkeiten. Das soziale Elend ist auch aus Amerika nicht verschwunden, es gibt Heere von Arbeitslosen und es fehlen die Zwangs- Versicherungen, die in vielen europäischen Ländern dem durch Krankheit ober Unfall in Hot Geratenen helfen. Aber solche Stiftungen such nicht volkstümlich, entsprechen nicht den feriti» mentalen A.gungen der Philanthropen, für die be- durstigr Waisenkinder ein viel geeignetere# Hilsstchjekt sind.
Schwurgericht Gießen.
• Gießen, 30. Jan. Am letzten Tage der ersten diesjährigen Schwurgerichtsperioüe fand unter dem Vorsitz aon Landaerichtsrat Hirsch die Verhandlung gegen ben Händler Jakob Schneider von Gamdach wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang statt. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Schneider, die Serteibigung führte Rechtsanwalt Dr L Katz.
Am Sonntag, 9. September v. I., war in (Barn- bad) Kirchweihe. Nach Mitternacht tarn der ßanfr wirt Wilhelm Fenchel, der angetrunken roar, auch an den Tisch des Angellagten, welchen et ohne Anlaß durch allerhand Neckereien belästigte. Zunächst nahm er dem Angellagten die Zigarette, aus dcm Mund, dann strich er diesem wiederholt durch die Haare und raufte ihn darin, was sich dieser verbat. Mit den Worten: „Du glaubst wohh ich wäre befoffen", schwang Fenchel, anscheinende um seine Nüchternheit zu beweisen, dem HngeHag^ ten mehrmals sein Bein über den Kops, wobei er diesem wider die Schläfe trat, der dadurch tm Gesicht eine Hautabschürfung erlitt, lieber diese» un-° verantwortliche Verhallen ansche'mend verärgert schlug der Angeklagte mit seinem Henkelbierglas, das er gerade m der Hand hatte, dem seitlich neben ihm stehenden Fenchel derart auf den Kopf, daß Fenchel einen komplizierten Schädelbruch davontrug, an deren Folgen er einige Wochen später verstarb.
Aach Schluß der umfangreichen Beweisaufnahme erhielt der Staatsanwalt das 'Sott. Nachdem er nochmals auf den der Anklage zugrunde liegenden Tatbestand näher etngeganäm war, beleuchtete er unter Hinweis auf die Rechtsprechung das Derhalten des Angeklagten in längeren juristischen Ausführungen. Er kam dabei zu dem Schluß, baft der Angeklagte auch für die Todesfolge strafrechtlich verantwortlich ga machen fei. Da zwischen der Körperverletzung
Stiftungen für die Universitäts-Bibliothek.
H.U.B. Die Universitätsbibliothek hat in letzter Zell einige Stiftungen erhallen, die allgemeines Interesse erwecken. Im Sommer des vergangenen Jahres stellte diechochschulgesell- schäft der Universität 15000 Mark zum Ankauf einer Papyrussammlung zur Verfügung, deren Bearbeitung in erster Linie Gießener Unü versitätsdozenten Vorbehalten ist. Die Sammlung wird mit der in der Universitätsbibliothek bereits vorhandenen vereinigt.
Dieselbe Hochschulgesellschaft hat in ben letzten Wochen die Universllätsbibliothek in den Stand gefeilt ein dieser anaebotenes Studenten ft am m- buch aus ben Jahren 1784 bis 1787 zu erwerben. Sein Besitzer war der Studiosus der Rechte, Ludwig Christian Hohenschild aus Darmstadt, geboren 1765, immatrikuliert 12. April 1785, gestorben als pensionierter Regierungesekretär 1838. Er war als Mitarbeller vieler belletristischer Zeitschriften bekannt. Das Stammbuch enthall 14 Silhouetten her damaligen Gieftener Professoren und etwa 90 Einträge mit Silhouetten von Studenten. Dadurch, daß fast bei jedem Eintrag von der Hand des Besitzers eine Bemerkung über die Zell und das Ziel des Abgangs von unserer Universität beigefügt ist, erhält das Stammbuch erhöhten Wert als Quelle unserer Studentengeschichte. Interessant ist für G.e° ßcn besonders der Eintrag des Studiosus der Medizin, Loh. Balth. Wortmann, der später als Arzt und Stadtphysikus segensreich in unserer Stadt gewirkt und sehr viel für die Besserung der hygre- nischen Verhältnisse Gieftens geleistet hat. Besonders groß waren feine Verdienste, als im Smbre 1814 hier die Spllalpest au-brach, der u. a. der Professor der Medizin He gar zum Opfer fiel. Druckbare Mitbürger haben zu seinem Andenken 1833 bis 1835 auf dem alten Friedhof das heute als Wohnung des Verwalters und als Leichenhalle dienende Gebäude mit der klassizistischen Vorhalle errichtet, das die schlichte, aber wirkungsvolle In- schrift „Unserrn Worimann" trägt. Hebet dieses Hous und den durch feine Errichtung Geehrten hat Pfarrer Bechtolsheimer im Sonntagegruß 1921. S. 194 schon dankenswerte Nachrichten gegeben auf die hier verwiesen sei. Wortmann war am 17. März 1770 als Sohn eines Apothekers in Gießen geboren. Schon im Alter von 15j Jahren ließ er sich als Mediziner an der Universität immatrikulieren. Sein Eintrag im Stammbuch lautet: .Nur Freundschaft versüßt die Mühseligkellen des Lebens. Zum cto gen Andenken schrieb d'eses Dein aufrichtigster Freund und Bruder I. D.Worimann d A G B. (- der Arzneigelahrtheit Beftissener) aus Gießen. Gießen d. 21. Juli 1787." Das aus drei Buchstaben bestehende „Symbol-Lm" ist forgfaUtg radiert, an feiner Stelle sind später von andrer Hand die drei Buchstaben V. 8. R hm-ugefugt, deren Bedeutung wohl nur den beiden Beteiligten de- könnt war ©efd)müch_ift das Blatt mit der Silhouette Wortmanns. Sie zeigt em sehr feines, iugendliches Profil, dessen Zarthell für unsere Augen noch durch den üblichen Zopf und das Jabot gehoben wird. Don der Deliebthett, deren sich Wort- mann damals schon erfreute, zeugt eine Seiner, hing des bekannten Leutnants F.v. Zangen, dessen Eintrag auf der Rückseite desselben Blattes zu sm- den ist. Zangen hat auf die von ihm und auf die oon Wortmann benutzte Seite „Angenehme Nachbarschaft" geschrieben, so daß auf jede Seite eines der beiden Worte zu stehen kommt,
Eine dritte, nicht alltägliche Schenkung ist aus England durch Vermittlung der D-bliotheksober. fetntärln Frl. Brückmann an die Unwersckats. dibllothek gelangt. Das Q u ä k e r. C o l l e g e m Woodbrooke konnte aus den Bestanden |einer Bibliothek 88 Dubletten ausscheiden, die es unserer Universitätsbibliothek zuwandte^ weil hier schon eine bedeutende Sammlung von Werken zur Gesch mte religiöser Gemeinschaften vorhanden und besonders in den letzten Jahrzehnten durch den Sammeleifer des Oberbibliothekars Professor fj e p b i n g sehr stark vermehrt worden ist. Die Sichtung der 'Banbe ergab zu unserer großen Freude e.nen reichen und seltenen Schatz von Origmalliteratur der Quaker, um den uns manche größere, Bibliothek beneiden wird. Es befinden sich darunter aus dem 17. Jahrhundert Erstausgaben von Werken, deren Verfasser zu den ersten Mckgliedern der Gesellschaft der „Freunde" gehören, wie William Dewsbury,
Hauses, die ungeheuren Steinbrvcken, die aus I der Lust hermederpra selten, zerschlugen den Vewnbodeu des Dalsins. daß sich die ungeheuren ! Wa,(erfüllen trichterförmig in Aasen und Beete einwühcken. Diebow sprang barhaupt über bie Veranda, setzte mit ein paar Sprüngen durch die Flut und suchte den Weg nach der Strafte.
Ein Sanitätsauto raste vorüber, berittene Polizei sprengte hinterher, die gellenden Signale der Feuerwehr t angen um die Straßenbiegung, bohrten sich ins Ohr und verebbten nach der Aichtung zur ttnglücksstätte hin.
In dem Staub, ben die nachfolgenden Kraft- Wagen zurückrieften. wälzte sich eine ungeheure Menschenmenge dahin die in sinnlos schrecklichem Entsetzen sich gegen eitig auf die Füße trat und den Weg versperrte.
Diebow schrie nach seinem Chauffeur, der her- geb.ich ben Motor in Bewegung zu bringen ver- ftrchte. Einer der fterumf.iegenben Siemkolos.e hatte das Dach der Garage durchbohrt und die Maschine zerschlagen.
Kurt mußte es zu Fuß versuchen. Gin Bekannter sah chn laufen, stoppte und bot ihm den Rücksitz aus seinem Motor^ade an. Während des Fahrens schrie er ihm abgerissene Sätze nach hinten: „Einhundertneunzig Tote bis jetzt I — Aus'eh-en sollen sie wie von Bestien zerfleischt. — Die Sa..itLt kann die einzelnen Körper gar nicht mehr zusammenfindmrl — —“
„Kairnst du nicht schneller fahren?'' rief Diebow nach vorne.
„Ich darf nicht! — Wenn ich die Polizei überhole. muß ich stoppen."
Diebow begriff. Es gab kein schnelleres Bor- wärrslommen 1 Und doch raste sein D.ut und fein Gehirn zerrte tausend Möglichkeiten vor das Auge.
Hetlingen! — Wo würde er ihn finden! — Und wie! —
Die ga.re endlos lange Straße war eine em- jige Wolle ,einkörn-gen Stauöes. in dem man kaum mehr die einze.nen Kolonnen von Autos. Fahrrädern und P.erdegesvannen unterschied.


