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Samstag, 30. März 1929

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 75 viertes Blatt

I

Die Lebensmittelkontrolle in Oberheffen

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Oer Kinderarzt.

Don Max Iungnickel.

Der alte Kinderarzt mit den gütig beobachten­den Micken, mit dem schelmisch verspielten Lä­cheln um den Mund, hat sich so etwas wie eine Philosophie zurechtgemacht.

Nicht nach Systemen sieht seine Philosophie aus. Sie hat vielmehr etwas Schwebendes, Wol­kenhastes. Man kann sie wohl eigentlich nicht Philosophie nennen. Es ist mehr ein denkendes Poetisieren. Aber wer sollte auch zu einer hand­festen Philosophie kommen, wenn er tagaus, lag­ern immer mit Kindern umgeht?

Da hat der alte Arzt nun in seinen dreißig Berufsjahren viele, viele Kinder sterben sehen. Er fagt:Ein sterbendes Kind sieht, kurz vor dem letzten Herzschlag, sein ungelebtes Leben deutlich vor sich und lebt es durch in einigen Wimperschlägen. Die verschwebende Kinderseele sieht und fühlt, was ihr auf der Erde beschieden wäre, wenn sie die Lebenslage zu Ende gegangen wäre. Das Kind ist in diesem Augenblick nicht mehr Kind. Cs ist allwissend, allfühlend, all- sehend. Gott ist ganz groß in dem sterbenden Kind und füllt es allmächtig aus. Manche Kinder sehen ihr sonniges Leben. Lächeln, weil es gut und schön ist, lächeln sich zufrieden in den Tod. Andere wieder sehen das Graue, fühlen das Schwere ihres ungelebten Daseins. Und jammern und weinen sich hinüber."

Wie wollen Sie denn das begründen?" frage ich erstaunt.

Der alte Arzt zuckt die Achseln und lächelt: Begründen? Lieber Freund, wenn man so lange Kinderarzt ist wie ich, dann gibl's keine Be­gründung mehr. Dann sieht und fühlt man das eben. So im Untsrbewuhtsein. Mil der Seele."

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Aus Oer Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 30. März 1929.

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkl: Buller 190 biS 200, Kochbulter von 140 an, Malte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 biS 140, Wirsing 20 bis 50, Weißkraut 20 bis 30, Rot­kraut 20 bis 35. gelbe Rüben 25 bi« 30. rote Rüben 25 biS 30, Spinat 90 bis 100, Unter- Kohlrabi 10 biS 15, Rosenkohl 70, Feldsalat 250 bis 300. Endivien 150, Tomaten 80 biS ICO, Zwiebeln 25 bis 30, Meerrettich 50 bis 150, Schwarzwurzeln 60 bis 90, Kartoffeln 6V$, Aepsel. ausländische 60 biS 80, inländische 30 bis 40, Dörrobst 35 bis 40, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 biS 120, Tauben 100 bis 110, Rüsse 70 bis 80 Pf. das Pfund: Eier 14 bis 15, Blumenkohl 70 bis 160, Salat 40 bis 60, Salatgurken 140 bis 150, Lauch 15 bis 30, Rettich 20 bis 30, Sellerie 20 bis 100 Pf. das Stück: Radieschen Bd. 30 bis 40 Ps.. Kartoffeln der Zentner 5,50 bis 6 Mark. Rotkraut Zentner 18 Mark.

Aus dem Amisverkündigungsblaii.

Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 20 vom 28. März enthält: Schlachthaus- anlage des Metzgers Gustav Boeger zu Londorf. Tag des Buches. Dienstnachrichlen.

Dennoch: in jener Stunde, wo der Hahn ge­kräht, hatte ich die große schöne Well zum ersten­mal in mein kleines Herz gelassen. Ich halle die große schöne Welt in meinem kleinen Herzen wiedererschaffen. Und ich denke oft, wenn Ostern herankommt, daß ich vor jenem krähenden Hahn an einem Ostersonntag vielleicht zum erstenmal in meinem Leben gedichtet habe.

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drei Mieter am 1. April auf ein 25jährige« Wohnen in dem Hause, daS vor 25 Jahren als Reubau von dem Echreinermeister Karl Hahn | errichtet wurde, zurückblicken. Ein so dauerndes Berbundensein zwischen Hausherrn und Mietern dürste in der heutigen Zeit leider zu den Selten­heiten gehören.

" Brand durch Funkenflug. Am Don­nerslagnachmillag, etwa um 4 Uhr. entstand auf der Bahnstrecke GießenGroßen-Linden kurz vor dem Waldeingang ein Böschungsbrand, der mut­maßlich durch Funkenauswurf einer Lokomotive verursacht wurde. Das Böschungsgras und Ge­strüpp brannte bis an den Fichtenhochwald ab, so daß der Wald in Gefahr war. Durch rasche Hilfe der in der Rähe beschäftigten Bahnarbeiler konnte der Brand eingedämmt und das Feuer ge­löscht werden. Wäre nicht schnelle Hilfe zur Stelle gewesen, so hätte ein größerer Waldbrand ent­stehen können, zumal der Wind das Feuer nach dem Walde zu trug.

Aufwachende Seele.

Sine Ostererinnerung von Martin Borrmann.

ES war vor langen Zeilen an einem Oster­sonntag: ich war vier, höchstes tuns Jahre all. Kannich daS Alter, in dem ich mich damals be fand, nur ungenau angeben, so ist doch die Deutlichkeit, mit der ich in leder übrigen Ve atebung mich an die sonderbare Stunde jene« Bormitlags erinnere, sehr groß. Cs war im Vor- aarlen einer der alten Schlösser aus der Zeit des deutschen Ritterordens, der Ostpreu^n.erobert bat und dessen Bauten, einstige Trotz- und Zwingburgen, nun als friedliche Wohnungen der Pfarrer Kantor, Glöckner der Stadl dienstbar gemacht' worden waren. Die Wohnungen zeich­neten sich weniger durch ihre Miene- als 1durch ihre Romantik aus: saß man doch m wncnljtnter Mauern, welche die Stärke von vier Metern halten. r

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Räuber und Soldaten.

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Ein übermäßiger Wassergchalt der Butler wurde nur vereinzelt beobachtet. Gegen früher ist eine ganz erhebliche Besserung eingetreten. Ein Verkauf von Margarine an Stelle von

Jch^ah aufmeinen Bauplatz. Er lag blank und heiß im Sonnenlicht. Als Hintergrund stand dort ein kahles Fliedergestrüpp, regenfunkelnd, für mein Kinderauge ein ganzer Wald aus Krausheit und Zauberturn. Dahinter war die Burgmauer und der Burggraben. Der Regen halte die Ofenkachel saubergewaschen wie ein Tablett, auf dem Kaffee serviert wird. Auf der Fliese aber stand Ehingagook, der nach dem Leder- strumpf benannte Hahn aus der Zwerghühner­zucht meines Bruders: stand auf meiner Ofen- fliefe, spreizte die sporigen Kampfbeine und krähte mir entgegen. Wie er mich aber nun, als ich gerade aus der Türe kam, von seinem Wach- und Gebetsturm her so früh begrüßte, geschah es, daß in meinem Herzen ein ganz .sonderbares Begreifen und Eröffnen anhob.

Was sich da eigentlich ereignete, weiß ich auch heule nicht zu sagen aber etwas Besonderes muß es wohl gewesen fein, sonst hätte es sich mir nicht so scharf über die vielen Jahre hinweg ins Gedächtnis geprägt. Eine Riesenfreude durch­drang und erfüllte mich. Ehingagook stand auf der Kachel, die ich eingegraben hatte, und krähte. Die Sonne glühte auf meine kleine Burg aus Dreck und Steinen. Das Fliedergestrüpp funkelte. Blank und regengewaschen waren die Morgen­wege unseres schmalen Gartens.

Das alles sah ich oder besser: witterte ich, so wie ich früher hinter meiner kleinen Well die Welt der großen 3ungen geahnt hatte. Jetzt aber witterte ich hinter dieser Morgensonne, dem Garten und hinter dem unbeholfenen Orgelspiel, das soeben flötend und verstockt aus der Kirche der Ordensburg herüberdrang (denn dort hatte inzwischen der Ostergoltesdienst angefangen), eine Art von Ordnung. Maß, Einsicht und Symmetrie ja eine Symmetrie der Well, die auch meines Bruders Hahn Ehingagook fühlen müßte, denn wie wäre er sonst darauf verfallen, sich zum Krähen gerade meine Ofenfliese auszusuchen, die­sen schönen rhythmischen und über der Landschaft erhöhten Standpunkt. Aber natürlich waren meine Empfindungen damals nicht so altklug wie sie jetzt klingen, wo ich ihnen in der Erinnerung nachgehe. Es war alles ganz selbstverständlich. Ich dachte:Alles ist froh, alles ist gut und schön." Das andere fühlte ich nur. Denken konnte ich es noch gar nicht. Es ging wohl auch bald vorüber. Ich wurde bald danach wieder der Vier- oder Fünfjährige, der zu den großen Iungen in den Durggraben gebracht werden wollte.

"ft! 130: ÄupigoX 11. fimberfirdje; 13/r bhenblW. - Klltib r.£ MlrmatW **9.10:^ i?nTbefl,ieber^ 1-30. Mainzlar; fjefo Memänbegliebtr.^ irbcntei(f); 1: ^fen. ngoeretns. - Bähen.

RirMor. "Ichluß Äonfirmotion». -fu L,*c' dchorleinmer: Stiftspfarrer Lic. Schor- en 1. April.

k°rm Mr; ftonfir* Jxarfusgemeinbe; Feiet rer Mahr; Dochellung den aus ber Matthäus- - Johanne,kinhe. 9.30: : Sinbertirdje für bie htolsheimer; 2: Üorfteb Tnanöen aus ber Lulas- jeimer. - Kapelle bei er Lenz; 2: Vorstellung oben aus ber Luther- Ellfabeth-Kleinkiabn- Inten. 9: Konfirmation, firmation; im Anschluß jfer für den Äleintinber- 0: Aonfimationsgottes- - KirWerg. 10: Kirch- für das hessische firüp- iau|en-(6arbenleid). Son= Earbenteich. Dahen- rmatton; hl. Abendmahl trdechant Kahn; 2: Bor- mfirmanden.

2. April, linderlirche (bei gutem

Dem Bericht über die Tätigkeit deS C h e m i - 1 schen Untersuchungsamtes für die Provinz Oberhessen im Iahre 1928, der in der jüngsten Sitzung des Provinzialtages den Provinziallagsabgeordnelen vorlag, sind folgende Angaben des Berichterstatters Direktor W r e d e zu entnehmen:

Die Tätigkeit deS Amtes erstreckte sich auf die allgemeine Lebensrnittel- und Weinkontrolle in den Städten und Landgemeinden der Provinz, auf Untersuchungen von Auslandwaren, sowie auf behördliche und private Untersuchungen. In Verfolg dieser Tätigkeit wurden

2852 Untersuchungen auSgeführt, die sich auf 2N9 Rahrungsmittel- Untersuchungen, 81 hygienische, physiologisch-che­mische und gerichtliche Untersuchungen, 52 tech­nische Untersuchungen verteilen. Außer den im Zusammenhang mit den Untersuchungen stehenden kleineren Gutachten wurden 77 ausführliche Gut­achten erstattet. Die Untersuchungen erstreckten sich auf alle in der Provinz Oberhessen in den Verkehr kommenden Lebensrnittel.

Von den untersuchten Lebensmittelproben muß­ten 13,7 Prozent wegen Verfälschung, Derdorben- seins oder anormaler Beschaffenheit beanstandet werden. Beanstandungen muhten bei folgenden Lebensmitteln eintreten:

Mehl, Brot Idgroaren.

In Buttergebacienem, das als reinste« Dutter- gebäck angepriesen war, wurde wiederholt die Verwendung von Margarine und sonstigem Richt- butterfett festgestellt. Milchbrötchen waren anstatt mit Milch mit Wasser hergestellt.

Paniermehle waren mit einem künstlichen üarb- stofs aufgefärbt worden.

Die in verschiedenen Broten beobachtete Dio- kttfärbung war auf einen Farbstoff (Methyl- violett) zurückzuführen, der von einem Tintenstift, der beim Vermahlen des Getreides in das Mehl geraten war, herrührte.

Speiseeise.

In den auf Straßen und Messen verkauften Speiseeisen wurde häufig die Verwendung von künstlichen Essenzen, künstlichen Farbstoffen und Verdickungsmitteln, die einen höheren Gehalt in Fruchtaroma und Eigehalt vortäuschen, fest- gestellt.

Zucker.

Eine Zuckerprobe war durch 10 Prozent Alaun verunreinigt.

Wurst- und Fleischwaren.

Wiederholt wurde die Verwendung unerlaubter Bindemittel, die aus pflanzlichem Eiweiß oder Casein bestanden, bet der Herstellung von Wurst- waren beobachtet.

Milch und Milchkonserven.

Dem Milchverkehr wurde mit Rücksicht auf den hohen Wert der Milch als Volksnahrungsmittel, die Großen, die niedrige Burgmauer am Rand unseres Gartens übersteigen, und nur über sie hinweg ging der Weg in die Jagdgründe der Buben. Die Burgmauer schied unser Traumland, unser Frühlicht von der tobenden Welt, dem stärkeren Licht der älteren Iahrgänge. Wir waren darüber sehr traurig. Wir sehnten un« sehr, über die Mauer hinweg in den Durggraben zu kommen. Die Mauer zerfiel mehr und mehr, fte war uralt, sie zerbröckelte. Mit meinem Freunde, dem Glöcknerssohn, brach ich täglich Stein um Stein aus ihr heraus und trug das Gehäuse in unseren Garten. Mit den herausgebrochenen Stei­nen aber baute ich Höfe, Burgen, Häuser, ferner freie Formen der kindlichen Einbildung, einfache kleine Hügel aus Steinen und nasser Erde. Dem Erwachsenen mögen sie als sinnlose Dreckhaufen erschienen sein. Mir waren sie kostbare Tempel.

An dem Ostermorgen nun, von dem ich er­zähle, freute ich mich schon im Hause, aus der Treppe auf den Anblick dessen, was ich gestern gebaut hatte. Es war ein Wall gewesen, der einen Hof umgab: abseits von diesem Dau aber hatte ich eine anderwärts gefundene Ofenfliese als Wacht- und Gebetsturm in die Erde ge­graben. und ihre blanke Spiegelfläche sorgsam von Erde gereinigt. So war sie eine kleine Welt für sich geworden. Auf ihren Anblick war ich am nächsten Morgen ganz besonders neugierig.

Ex war, als ich aus dem alten Ordensgemäuer heraustrat, ein Ostermorgen, wie man ihn nur als Kind und vielleicht nur als _ ganz kleines Kind zu erleben vermag. Ich wußte nicht viel mehr von der Dedeutung des Festes, als daß am Rachmittag Ostereier gesucht werden sollten. Wer das Wort Ostern und die Festlichkeit, mit der schon an Vortagen bei den Erwachsenen davon die Rede gewesen, hatte doch mehr als jedes verstandesmäßige Erfassen in mir ein Gefühl der Vorbereitung ausgelöst, als müsse sich an diesem Tag etwas ganz Desonderes auf Erden zutragen. Je weicher die Wachsplatte ist, um so tiefer schneidet der Griffel. Ich war voller höchster Erwartungen. Und ich sah, als ich aus dem dunkeln Hause trat, strahlendes Osterlicht im Garten wie niemals später sonst. Cs hatte über Rächt geregnet. Vom Durggraben her brauste der Dach. Ganze Wolken von der Luft der ; letzten Schneeschmelze drangen auf mich ein. Die Sonne sog die würzige Feuchtigkeit in ihr froh­sinniges Strahlen aufwärts und verwandelte den - Schnee, der noch in den Winkeln des Durg- i graben« gelegen hatte, in Hrühlingsdampl»

- Einheitskurzschrift. Man schreibt un«: Trotz der herrschenden Arbeitslosigkeit liest man oft in den Tageszeitungen, daß tüchtige Stenotypistinnen und Stenographen gesucht wer­den. Der Vorwärtsstrebende kann sich demnach baldigst eine Stellung verschossen, wenn er den Erfordernissen entspricht. Die Erlernung der Ein- heitskurzschrift bildet hierzu die erste Grundlage, zumal diese Kurzschrift heute überall verlangt wird. Wir weisen darauf hin, daß die I. Reichs­kurzschriftgesellschaftGabelsberger" und Damen­abteilung e. V. Gießen am Dienstag, 16. April, abends 7 Uhr, in der Pestalozzischule (Stadtkna­benschule), Rordanlage 8, unter der Leitung eines staatlich geprüften Lehrers der Stenographie einen Anfängerlehrgang in der Einheitskurzschrift für Damen und Herren eröffnet. Weiter gibt der Verein in seinen neu beginnenden Fortbildungs-, Redeschrift-, Diktat- und Praktikerkursen zur wei­teren Vervollkommnung reichlich Gelegenheit. (Siehe heutige Anzeige.)

Anlagekonzert findet morgen, Sonn­tag. (ersten Osterfeiertag) 1U/, Uhr durch ba8 Musikkorps des 1. Batl. 15. Inf.-Rgt«. bei günstiger Witterung am Liebig-Denkmal statt. Leitung: Obermusikmeister Löb er. Musikfolge: 1 Armeemarsch 3, Rr. 53. Kavalleriemarsch, Karl Wilhelm; 2. Einleitung zum 3. Akt und Brautchor a. d. OperLohengrin". Richard Wag­ner: 3. Präsentia rmcrrsch des ehern. Leib-Kiwas. sier-RegimentsGroßer Kursürst" (Schlesisches) Rr 1, Kuno Graf von Moltke: 4. Präludium, Chor und Tanz, a. d. OperetteDas Pensionat", Franz v. Suppö: 5. Armeemarsch 2, Rr. 145, Radetzkhmarsch, Johann Strauß.

Autobusverkehr zur Domäne Schissenberg. Im heutigen Anzeigenteil wird daraus hingewiesen, daß der Autoomnibus von jetzt aber wieder täglich von der Restauration Rheingold", Ludwigstrahe 6, nm 8 Uhr, 13 Uhr, 15 und 18 Uhr bi« zum Fuße des Schifsenberges, um 15 Uhr bis auf den Schiffenberg verkehrt.

Die Erweiterung von elektri­schen Anlagen und die Festsetzung der Zah- lergröhe betrifft eine Bekanntmachung des städti­schen Elektrizitätswerks im heutigen Anzeigen- teil, auf die wir besonders aufmerksam machen.

Städtische Brennhvlzversteige- rung. Bei der diesjährigen letzten Drennholz- versteigerung auS den Waldungen der Stadt Gießen, Abt. Fernewald, Bezirk des Forsters Arft, wurden im Durchschnitt folgende Preise erzielt: Buchenscheiter pro Rm. 16 Mk., Eichen- scheiter 12,20 Mk., Kiefernscheiter 1280 Mk., Duchenknüppel 12,20 Mk.. Eichenknuppel 10 Mk.. Kiefernknüppel 10.40 Mk.. Kiefernstöcke 5 Mk.; Fichtenreisig pro 100 Wellen 14 Mk.

* Eine Fünfundsiebzigjahrig e. Am 2. April (dritten Osterfeiertag) vollendet ^rau Elisa- beth Rar n b a d), geb. Börmer, Am Kugelberg 23 wohnhaft, ihr 75. Lebensjahr in voller geistiger ^^Evangelisch - kirchliche Persona- I i e Durch die Kirchenregierung wurde dem Pfarrer Wilhelm Södler zu Stumpertenrod die cDange- tische Pfarrstelle zu Hopfgarten, Dekanat Alsfeld, übertragen. r K

Staatliche Gewerbe- und Ma­schine n b a u s ch u l e Gießen. Das Schuljahr 1928 schloß am 26. März nut den Abgangs- Prüfungen in den Abteilungen Maschinenbau- schule, Abteilung für Baugewerbe, Tchreinerfach- schule, Malerfachschule und Schuhmacherfachschule. An den Prüfungen nahmen insgesamt 79 Kandi- baten teil. Das neue Semester beginnt am 22. April. Es empfiehlt sich, Anmeldungen mög­lichst frühzeitig einzureichen. Wir verweisen auf die heutige Anzeige. r

- Erfreuliche Harmonie Zwischen Hausbesitzer und Mietern herrscht in dem Hause Goethestrahe 59. Dort können die

meinten.

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irz. Ostersonntag.

A- Messe: 8: fommib i'qt; 11: Messe mit Pre- v 4.30 und?: Beichte- Predigt. - Hungen. : Ul 10: Mess-"»! it mit Predigt.-Ma. _ Schotten. 10.30: hoch-

aen. - Srunberg. 9.30. mm. 9.30: hochom -- 7 30 Hochamt.

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besonder« für die Kinderernährung, ganz beson­dere Aufmerksamkeit geschenkt. Im ganzen wurden 1869 Milchproben (Vollmilch, Vorzugsmilch, Ma­germilch) untersucht. Von diesen mußten 225 Pro­ben beanstandet werden, und zwar:

a) wegen Wasserzusahes 114 Proben,

b) wegen Fettentzuges 75 Proben,

c) wegen WasserzusaheS bei gleichzeitigem Fett- entzuge 1 Probe,

d) wegen anormaler Beschaffenheit 35 Proben. Die Erwartung, daß die Verfälschungen der Milch zurückgehen lyerden, hat sich leider nicht bestätigt. Sowohl die Zahl der Milchfälschungen, als auch die Größe der Fälschungen hat zugenommen. Im vorigen Berichtsjahre wurden von den Liefer­proben 10,2 Prozent wegen Verfälschungen be­anstandet. In diesem Berichtsjahre ist die Be- anstandungSziffer auf 13,5 Prozent gestiegen. Die Wasserzusätze schwankten zwischen 8 und 400 Pro­zent. In 6 Fällen war der WasserAusatz höher als 50 Prozent. In einem Falle bestand die in Verkehr gebrachte Milch aus 20 Teilen Milch und 80 Teilen Wasser. In anderen Gegenden Deutsch­lands hat in letzter Zeit eine Abnahme der Milchfälschungen stattgefunden, trotzdem die Kon­trolle nicht stärker ausgeübt wurde, wie in Ober­hessen. Wenn trotz der von den Gerichten bei Milchfälschungen erkannten hohen Geld- und Frei­heitsstrafen die Milchfälschungen nicht nachlassen, sondern eine Zunahme erfahren haben, so ist nach Ansicht deS Berichterstatters dies zum großen Teil darauf zurückzuführen, daß das Justizmini- sterium von feinem Begnadigungsrechte in weit­gehendstem Maße Gebrauch machte und damit die gute Wirkung, die eine strenge Bestrafung und besonders die Veröffentlichung des Urteils bei milchfälschenden Landwirten ausübt, fast voll­ständig wieder aufhob. So wurde bei einer Milchfälscherin, die fortgesetzt Milch mit einem Wasserzusatz von etwa 60 Prozent in den Verkehr gebracht hat und die deshalb von der Gießener Strafkammer zu einer Gesängnisstrahe von sechs Wochen verurteilt worden war, ein Teil der Gefängnisstrafe in eine Geldstrafe von 75 Mk. umgewandelt und ihr für den restlichen Teil der Gefängnisstrafe eine Bewährungsfrist von fünf Jahren zugesprochen. Die vom Gericht ausge­sprochene Publikation des Urteils wurde weiter­hin in eine Geldstrafe von 30 Mk. umgewandelt. Die Geldstrafe von 75 Mk. hat in diesem Falle nicht einmal den zu Unrecht erworbenen Gewinn erreicht.

Der durchschnittliche Fettgehalt der in Ober­hessen in Verkehr kommenden Milch betrug 3,6 Prozent.

Butter, Käse.

Butter, oder ein Zusatz von Margarine zur Butter wurde nicht beobachtet.

Bei Käse mußten häufig Beanstandungen er­folgen, weil fettarme Käse al« Vollfettkäse seil- gehalten wurden.

Bier, Branntweine.

Bei Trinkbranntweinen gab ein zu geringer Alkoholgehalt wiederholt Anlaß zu Beanstan­dungen.

Zwei Rum-Verschnitte waren unter Verwen­dung künstlicher Essenz hergestellt.

Wasser, Mineralwasser, Cimonaben.

Die Untersuchung von Wasser und Mineral­wasser nahm im Berichtsjahre wieder einen ganz großen Umsang ein. Es wurden 225 Trink- und Gebrauchswasser und 126 Mineralwasserproben einer chemischen und bakteriologischen Unter­suchung unterzogen. Cs handelte sich teils um Wasser neuerbohrter Brunnen, teils um die regelmäßige Kontrolle bereits bestehender Wasser­versorgungsanlagen der Gemeinden der Provinz Oberhessen. In verschiedenen Fällen mußte Be­anstandung erfolgen, weil ein Zufluß von ver­unreinigenden Stossen durch die chemische und bakteriologische Untersuchung festgestellt war.

Das Wasser der Gießener Wasserleitung wurde monatlich einer ausführlichen bakteriologischen und im Oktober auch einer ausführlichen che­mischen Untersuchung unterzogen. ES war stets von einwandfreier Beschaffenheit und entsprach den Anforderungen, die in hygienischer Be­ziehung an ein gutes Trink- und Gebrauchs­wasser zu stellen sind.

Limonaden wurden wiederholt beanstandet, weil ihre Bezeichnung entweder irreführend war. oder weil bei ihrer Herstellung künstlicher Süß­stoff Verwendung gefunden hatte, der auf dem Etikett nicht deklariert war.

Essig, Gewürze, Spezereiwaren.

Beanstandungen betrafen Essig mit zu gerin­gem Säuregehalt und gemahlenen Pfeffer mit zu hohem Schalengehalt.

hygienische, physiologisch-chemische imd gerichtliche Untersuchungen.

Diese Untersuchungen betrafen Abwasser, die meist industriellen Ursprungs waren, und Fluh­wasser. Verschiedentlich mußten Lebensmittel, nach deren Genuß angeblich Gesundheitsstörun­gen eingetreten waren, auf Gift untersucht wer­den. Die Untersuchungen verliefen negativ. Da­gegen konnten in den Magen und Mageninhal­ten plötzlich verendeter Tiere Strychnin nach­gewiesen werden.

Arzneimittel waren auf ihre Zusammensetzung zu untersuchen.

Ein Briefumschlag war daraufhin zu unter­suchen, ob er von unberechtigter Seite geöffnet worden war. Durch die Untersuchung wurde dies einwandfrei bewiesen.

Die rötliche Farbe einer Milch war auf einen Gehalt an Blut zurückzuführen.

Das Qtbfterben von Bäumen und Sträuchern in unmittelbarer Rähe einer Verzinkerei konnte auf eine Verstäubung von Zinksalzen in Verbindung mit schwefliger Säure zurückgeführt werden.

Technische Untersuchungen.

Sie erfolgten auf Antrag von Behörden und von privaten Auftraggebern. Die Unter­suchungsergebnisse gaben Ausschluß über die Zu­sammensetzung und Eigenschaften der zur Unter­suchung übergebenen Objekte. In verschiedenen Fällen konnte festgestellt werden, daß die Waren nicht den Anforderungen entsprachen, die nach allgemeinem Handelsgebrauche üblich sind und nach den vereinbarten Bedingungen vorgeschrie­ben waren.

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