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Oer Osten.

Von Wilhelm Freiherrn von Gayl, Äevollm. der Provinz Ostpreußen z. Reichsrat, M. d. preuß. Staatsrats.

Dor wenigen Tagen sah es aus, als würden wir in diesem Jahre Ostern in allen Teilen des Vaterlandes in Schnee und Eis feiern und auf die Vorboten des Frühlings an diesem Fest verzichten müssen. Auf den deutschen Osten und das äußerste Glied unseres Volkes, das abge­schnürte Ostpreußen, trifft cs auch noch zu. Der Osten ist nun einmal von der Natur harter be­dacht. als der deutsche Westen.

Wir sind ein in schwerem gemeinsamen Schick­sal unlöslich verbundenes Volk. Wir haben die gemeinschaftlichen Lasten des Friedens von Ver­sailles zu tragen. Wir leiden an denselben Grund­übeln unseres öffentlichen Lebens und der fal­schen Struktur unseres parlamentarischen Sy­stems. Wir entbehren alle des Waltens einer starken Staatsgewalt, welche die knap­pen Kräfte der Nation in ausgleichender Gerech­tigkeit da einsehen könnte, wo es ganz besondere Schäden zu heilen gilt. Llnd wir stehen alle unter den Einwirkungen des Zeitgeistes, der unser Volk mit den Gedanken einer uns wesensfremden West­zivilisation überfremdet und daher nicht zur in­neren Sendung kommen läßt.

Neben dem gemeinsamen Schicksal drückt die einzelnen Reichsteile noch ihre besondere Not: den Westen die fremde Besatzung und den Osten die Folgen der unsinnigen Grenzziehung. Dazwischen liegen jene glücklicheren Gebiete der Mitte, denen jener besondere Druck fehlt. So­viel uns gemeinsam ist, soviel unterscheidet uns heute doch, wenn man die einzelnen Gaue des Vaterlandes vergleicht. 3n diesen Unterschieden liegt die Gefahr, daß wir uns im Westen, in der Mitte und im Osten Deutschlands nicht im­mer r i ch t i g v e r st e h e n . daß wir aneinander vorbei und schließlich uns auseinander reden. Lind doch hängt einer vom anderen in unserer Volks­gemeinschaft ab. Wenn ein Glied eines geschwäch­ten Körpers ganz besonders krankt, so leidet end­lich auch der gesamte Organismus.

3m Lärm des täglichen Lebens und im Kampfe ums tägliche Brot findet der heutige Deutsche sel­ten Zeit, einmal über den Bannkreis des eigenen Kirchturms hinauszusehen und sich klarzumachen, wie es in anderen Teilen des Vaterlandes tat­sächlich aussieht. 3n den stilleren Stunden der Osterwoche bietet sich wieder einmal Gelegenheit, auch über das nachzudenken, was uns nicht täg­

lich berührt. 3n den Tagen, in denen das christ­liche Deutschland des Sterbens und Auferstehens des Heilandes gedenkt, in denen wir die Größe und Tiefe des christlichen Liebesgedankens wieder einmal innerlich empfinden, sollten wir auch in Liebe unserer Volksgenossen, der näheren und der weiteren, gedenken und ihrem Schicksal nachgehen.

So eignen sich diese Ostertage besonders dazu, daß der Westen über den Osten, der Osten über den Westen und die Mitte über beide nachdenkt.

Diese Osterzeit soll uns näherbringen. Der Westen ist im Osten sehr viel mehr bekannt, als der Osten im Westen. Viel mehr Ostdeutsche kennen und lieben den Rhein aus persönlicher Anschauung, und viel weniger Westdeutsche den Osten aus eigenem Erleben. Da der zahlenmäßig größere Teil unseres Volkes links der Elbe be­heimatet ist, so ist die Zahl derjenigen, welche den Ostfragen fremd gegenüberstehen, der grö- ständigung beitragen, wenn jetzt einmal einige grundsätzliche Gedanken über den deutschen Osten ausgesprochen werden.

Obwohl das Gebiet unseres Volkstums zwischen Magdeburg und Memel uralter deutscher Boden ist, hat unser Volk diese weiten Flächen er st im Mittelalter wieder zurückerworben und besiedelt. Die Städte und Dörfer des Ostens sind weit jüngeren Ursprungs, als die Mittel­und Westdeutschlands. Das deutsche Volkstum im Osten ist daher wesentlich jünger als das der Stammgebiete. Seine Kultur hat es aus dem Her­zen des alten deutschen Gebietes bezogen. In schweren Kämpfen um den neuerworbenen Besitz­stand haben die Volksgenossen im Osten ihre deutsche Kultur verteidigen und fortentwickeln müssen. Die größere Jugend der Kultur im Osten bedeutet einen Trennungsstrich durch Deutschland, der sich erst in längerer Entwickelung verwischen wird. Dazu kommt, daß die Natur den Osten viel stiefmütterlicher in bezug auf Klima, Boden­schätze und andere wirtschaftliche Vorteile bedacht hat. Das Leben im Osten ist daher kulturell und wirtschaftlich ärmer als im Westen. Diese lln- terschiede haben auch den Charakter der Bevölke­rung beeinflußt. Wer im Kampf mit seiner kargen Natur lebt, wird ernster, schwerfälliger, oft auch unliebenswürdiger in seinen Lebensformen, wie der Bewohner glücklicherer Gebiete. So sind jene tiefgreifenden Llnterschiede zwischen Westen und Mitte Deutschlands einerseits und dem Osten anderseits geschichtlich entstanden und menschlich verständlich. Der Westen ist der ältere und des­halb auf vielen Lebensgebieten vorgeschrittenere- Druder des Ostens. Davon, daß dieser Unterschied a u f h ö r t und daß der Osten kulturell und wirt­schaftlich sich dem Westen annähert, hängt das Schicksal des Deutschtums sehr wesentlich ab.

Wenn es auch selbstverständlich ist, daß daS deutsche Volk keine Fußbreite seines ohnehin zu schmalen Besitzstandes aufgeben kann, so muß hier besonders betont werden, daß die Erhaltung des Besitzstandes Lebensfrage des gan­zen Volkes ist. 3e mehr die Welt sich für uns verschließt, desto notwendiger ist jedes Stück deut­schen Bodens. Am deutschen Osten, an der ganzen Linie von Kattowitz über Schneidemühl bis Lauenburg in Pommern und an dem durch den sogenannten Korridor vom Reich abgetrennten Ostpreußen nagt die slawische Flut un­aufhörlich. 3n den losgerissenen Gebieten ver­sucht diese Flut, den deutschen Charakter des Lan­des und seine deutschen Bewohner völlig hinweg­zuspülen. 3m Osten liegt daher eine Gefahren­quelle, deren unser Volk sich in weitesten Kreisen bis heute noch nicht bewußt geworden ist. Die Gefahr kann nur gebannt werden, wenn der deutsche Osten kulturell und wirtschaftlich s o ge­stärkt wird, daß er der andrängenden Flut gewachsen bleibt. An dieser Aufgabe mitzuarbei- ten, ist Pflicht des gesamten deutschen Volkes im eigenen wohlverstandenen 3nteresse der Mitte und des Westens. Diese Pflicht kann nur durch Opfer erfüllt werden, die bei der allzu knappen Decke unseres Vermögens durchaus emp­findlich gefühlt werden mögen. Diese Opfer wer­den aber gebracht werden müssen, wenn unser Volk seinen Besitzstand behaupten will. Der Osten ist wirtschaftlich kränker als die anderen Reichs­teile. Die gemeinsamen Lasten wirken sich natur­gemäß in einem kranken Glied besonders drückend aus. Der Osten muß daher von der Mitte und dem Westen entlaßet werden, wenn er ge­sund werden soll.

Die geforderten Opfer werden nicht verloren sein. 3m Osten lebt ein zäher Wille zur Selbst­behauptung, der nur der Hilfe bedarf, um sich durchzusehen. An einem erstarkenden Osten hat jeder Deutsche ein 3nteresse. Das große Heer der westlichen 3ndustriearbeiter wird auf die Dauer keine Arbeit und kein Brot haben, wenn es nicht gemeinsamer Arbeit aller gelingt, den Osten wieder kaufkräftig zu machen.

Das Verständnis und die Arbeit für den Osten muß heute mehr denn je Volkssache werden. Wir haben keinen einzelnen Herrscher mehr, dessen Wille und Machtwort für uns Taten schafft. Wir leben in einer Zeit, in der das Do l k selbst verantwortlich sein soll für seine Zukunft. 3e mehr deutsche Männer und Frauen den unlös­lichen Zusammenhang zwischen Westen und Osten erkennen und den Willen zur Tat haben, desto stärker wird dieser Zusammenhang gegen alle Stürme der nächsten Zeit gefestigt. Nicht mit einem innerlich von gewisser Geringschätzung be­

einflußten Wohlwollen, sondern mit festem tat- und opferbereiten Willen müssen Westen und Mitte Deutschlands an das Ziel Herangehen, die geschichtlich gewordenen und in der Not der Zeit verstärkten Unterschiede zwischen der Kultur und der Wirtschaft des Westens und des Ostens so weit auszugleichen, als die verschiedenartigen natürlichen Verhältnisse es erlauben. Nur dann ist die Zukunft einst wieder unser!

Es stimmt nicht, daß die Milliardäre die Welt beherrschen.

Nach einer kürzlich imErfolg" veröffentlichten Statistik befinden sich nur 7 Prozent des Aktien­kapitals der amerikanischen Gesellschaften in den Händen von Milliardären; die übrigen 93 Prozent besitzt jedoch die große Masse von Aktionären. Hier­aus folgert, daß auch drüben der Einfluß weniger Industrieführer nicht für die Gesamtmirtschaft maß­gebend ist, sondern daß junge, aufsteigende Unter­nehmungen dem Wirtschaftskörper frisches Blut zu­führen. Es ist in Amerika genau wie in Deutsch­land, daß der tüchtige Kaufmann, der dem Konsu­menten etwas Besonderes bieten kann, sich, losgelöst von Konzernen und Trusts, feinen Weg selbst ebnen kann. Durch seine Beweglichkeit hat ein derartig ge­führtes Unternehmen sogar einen wesentlichen Vor­sprung vor den größeren, schwerfälligen Wirtschafts­gebilden und kann weit durchdringender seinen Fa­brikationsapparat organisieren und straffen als diese. Das Resultat ist dann, daß sich der Erfolg an die Fahnen eines solchen kühnen Unternehmens heftet. Hierüber ist das große Publikum verwundert, da es die inneren Ursachen des Aufstieges nicht kennt.

Nach dem bekannten Wort eines deutschen Wirt- schaftsführers beweist derjenige, der sich beklagt, daß er zu viel zu tun hat, daß er nicht organisieren kann, wer dagegen zu wenig zu tun hat, beweist, daß er überflüssig ist. Dieses gilt nicht nur für die einzelnen Personen, sondern auch für geschäftliche Gründungen. Nach diesem Satz ist die Daseinsberechtigung eines in letzter Zeit durch feine Fortschritte auffallenden Unternehmens der deutschen Zigaretten-Industrie, der Bulgaria-Zigarettenfabrik, Dresden, begründet, denn diese Firma hat durch den starken Absatz ihrer bekannten Marken einen hohen Grad der Beschäfti­gung erreicht, den sie jedoch mit Leichtigkeit durch erfolgreiche Rationalisierungsmaßnahmen bewältigt.

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Weinet nicht an meinem Grabe, gönnet mir die ewge Ruh ; denkt, was ich gelitten habe, eh ich schloß die Augen zu.

Heute vormittag 5 Uhr entschlief nach langem schweren, mit Geduld ertragenem Leiden unser lieber hoffnungsvoller Sohn, Bruder, Enkel,Schwager und Neffe

Heinrich Theiß

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im blühenden Alter von nahezu 22 Jahren.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Heinrich Theiß nebst allen Angehörigen.

Lindenstruth, den 29. März 1929.

Die Beerdigung findet am 1. Osterfeiertag, 31. März, nachmittags 3 Uhr statt. vi802

Heute nacht entschlief sanft nach schwerem Leiden meine liebe Frau unsere liebe treusorgende Mutter, Schwester, Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter

Frau Elisabelha Weh. Seibert

im Alter von 80 Jahren.

In tiefer Trauer:

Kaspar Koch, Straßenwart i. R.

nebst Kindern und allen Angehörigen

Oppenrod, Annerod, Beuern, den 28. März 1929.

Die Beerdigung findet am ersten Osterfeiertag, nachmittags 2 Uhr, statt. 2936L)

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Die Beerdigung findet am 1. Osterfeiertag um 3 Uhr nachmittags statt.

Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen Georg Hammel Erika Hammel geb. Schneider

Am Karfreitag wurde meine liebe Frau, unsere gute, treusorgende Mutter, Großmutter, Schwägerin und Tante

Margarethe Eise geb, Braun

im 73. Lebensjahre von ihrem schweren Leiden sanft erlöst

Die trauernden Hinterbliebenen. In deren Namen:

Philipp Eise

Gießen (In Löbers Hof 8), Frankfurt a. M., Heuchelheim, 30. März 1929. Die Beisetzung findet am Dienstag," dem 2. April, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt

von Gielen null Umgegend

Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß die alte Jahresrechnung sowie der neue Haus­haltsplan bei unserem Kassierer Elges 14 Tage zur Einsicht offen liegt.

Im Namen der Hinterbliebenen: Ferdinand Scriba Pfarrer.

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Für die uns anläßlich unserer silbernen | Hochzeit in großem Maße erwiesenen Auf- t merksamkeiten danken wir herzlich

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im 74. Lebensjahre.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen.

Philipp Mohr Pflastermeister i. R

Annerod, den 29. März 1929.

Die Beerdigung findet am 1. Osterfeiertag, mittags 2 Uhr statt.

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nach langem schweren Leiden im Alter von 84 Jahren heimgegangen.

Ottilie Kowarzik geb. Mentzel Elise Mentzel

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Gerichtsassessor Dr. Hans Kowarzik Elli Kowarzik geb. Jung und 2 Urenkel.

Gießen (Hofmannstraße 8), den 30. März 1929.

Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 2. April, nachmittags 21/, Uhr, auf dem Neuen Friedhöfe statt.

()JK