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roertx. Da Ne mtickfteriell« Genehmigung eines der­artigen Statuts längere Zeit beanspruche, müsse man sich setzt schon mit dieser Frage beschäftigen, damit bei Abschluß des Verfahrene gegen den der­zeitigen Bürgermeister die genehimgte Orlssatzung vorliege. Er ist der Meinung, daß zukünftig nur ein Berufsbllrgermeister in Frage komme. In glei­chem Sinne äußert sich auch Beigeordneter Kel­ler, der für seine Person es ablehnt, auf den Bürgermeisterposten zu reflektieren. Nach seinen Er­fahrungen habe er die Ueberzeugung gewonnen, daß der Bürgermeisterpvsten, der in Grünberg in der letzten Zeit stets in alten Händen gelegen habe, in die Hand eines jungen Mannes gehöre, der mit weitem Blick in die Zukunft arbeite.

[* Hungen, 24. Juli. Die Oberklasse der hie­sigen gewerblichen Fortbildungsschule unternahm unter Führung des Gewerbelehrers Hübner einen Ausflug nach Heidelberg. Auf der Rückfahrt wurden die Sehenswürdigkeiten der ^Lan­deshauptstadt Darmstadt noch einer Besichtigung unterzogen. An der Fahrt nahmen 23 Schüler teil.

-U- Obbornhosen, 24. Juli. Mit dem 1. August wird der Kraftwagenverkehr in der Postzustellung im Bereich des Postamts Friedberg durchgeführt. Bon diesem Zeitpunkte ab wird die hiesige Postagentur m eine Post stelle umgewandelt. Sie bleibt auch weiter in den Händen des seitherigen bewähr­ten Inhabers Karl Koch. Dieser wird nun an Stelle des Postschaffners K. Appel die Zu­stellung der Postsachen besorgen. Herr Appel wird nach Friedberg versetzt. Die Umstellung der Post bedeutet für das flache Land eine Verbesserung, da täglich einmal die Postsachen zugestellt werden und daneben noch Gelegen­heit gegeben ist, nachmittags erwartete Post auf der Poststelle abzuholen. Auch Sonntags er­folgt nun eine einmalige Zustellung. Damit wird einem jahrelang gehegten dringenden Wunsch der Landbevölkerung Rechnung getragen.

! I n h e i d e n , 24. Juli. Der hiesige Män­nergesangverein feierte am vergangenen Sonntag und Montag in Form eines größeren Festes sein 3 5 j ä h r i g e s B e st e h e n und zu­gleich sein 2 5. Fahnenjubiläum. Einge- leibet durch einen Festkommers am Samstag abend und eine würdige Gefallenenfeier am Sonntag morgen, begann am Sonntag mittag nach Eintreffen der auswärtigen Vereine das eigent­liche Fest. Ein stattlicher Festzug, an dem sich 21 Vereine beteiligten, bewegte sich gegen 2 Uhr durch die mit Fahnen geschmückten Dorfstraßen. Aach Ankunft auf dem Festplatz begrüßte der festgebende Verein unter Leitung von Lehrer Mühl mit dem ChorGott grüße dich!", sowie Vereinsmitglied A. Frank in herzlichen Wor­ten die Sänger und Sangesfreunde. Hierauf hielt der Ortsgeistliche, Pfarrer Weber (Trais-Hor­loff), die Festrede, in der er auf Zweck und Be­deutung des Liedes und der Gesangvereine, be­sonders in nationaler Hinsicht, einging. Aachdem dem Iubelverein durch zwei Festjungfrauen eine von den Frauen und Jungfrauen des Ortes gestiftete Fahnenschleife überreicht worden war, nahm Lehrer Sommer (Gr.-Linden), der frü­her hier wirkte und dem Verein 18 Jahre lang ein tüchtiger Dirigent war, die Ehrung der Der- einsgründer (es waren drei anwesend) und des Fahnenträgers, der die Fahne nun schon fünf­undzwanzig Jahre trägt, vor, indem er den Iu- bilaren Ehrenurkunden und Gedenkmünzen über- veichte. Das folgende Singen der zahlreichen Gastt»eveine legte Zeugnis ab von Fleiß und Können unserer kleinen Landvereine. Beson­deren Beifall fanden die Volks- und volkstüm­lichen Lieder, die in ihrer schlichten Innerlich­keit ja auch einzig dastehen und für unsere klei­nen Vereine das Gegebene sind. Bei Tanzbelu­stigung und weiteren Liedervorttägen verlebten die Festteilnehmer dann noch recht frohe und genußreiche Stunden. Im Mittelpunkte des Fest- montags stand das Iugendfest unserer Schule, das bei Spiel und Gesang ebenfalls einen schönen Verlaus nahm.

= Lang-Göns, 24. Juli. Die Ernte nimmt ihren Anfang. Auf trocken gelegenen Aeckern wurde mit dem K o r n s ch n i t t begonnen. Die Winter­gerste, die hier allerdings wenig gezogen wird, wurde zum Teil schon eingefahren. Die Haupternte

Kurzweilige Bahnfahrt.

Ein Rezept für die Reisezeit.

Don Or. Wolfgang Mejer.

Als der Handwerlsbursch noch singend von Herbe.rge zu Herberge zog, als der Wald noch vom Liede des Postillons widerhallte und die Peitsche des Fuhrmanns noch auf der Landstraße knallte, da war das Reisen eine poetische An­gelegenheit. Mondes Silberlicht huscht durchs Laubdach uralter Linden vormDorfkruge", freundliche Wirte dienern vor dem späten Gast, bildschöne Wirtstöchter kredenzen köstlichen Labe­trank.

Heute rattern wir auf öden Eisenschienen an langweiligen Telegraphenstangen entlang, kahle Bahnsteige begrüßen uns,Bier gefällig, Zigar­ren, Zigaretten, Zeitungen"

Lenau in der Holzklasse, Eichendorfs am Fahr­kartenschalter müßten verzweifeln.

Reisen ist Prosa geworden. Womit natürlich die eigentliche Reise, die Fahrt gemeint ist, nicht die Erholung in Wald, Gebirge und am See­strande, nicht das Schauen in fremder Stadt, der Gewinn ungekannten Eindrucks. Die Bewegung von Stadt zu Stadt selbst, einst im Liede des Volkes wie in der Dichtung der lyrischen Künst­ler immer wieder verherrlicht, hat ihren Reiz verloren. Die Wirklichkeit ist unpoetisch gewor­den, sie kann die Seele nicht mehr beschwingen.

Die Wirklichkeit, aus der ehedem die Reise­poesie ihren Stofs entnahm, müssen wir also kennenlernen, wenn wir die Ursachen jenes bedauerlichen Verlustes an Lebensromantik er­gründen wollen. Briefe, Tagebücher, Schilderun- ge.i sind in reichlicher Menge erhalten, von rö­mischen Poeten und von Scholaren des Mittel­alters, von päpstlichen Gesandten und Kaufleuten, von Fürsten und Wanderburschen, von Zeit­genossen Ovids und Goethes. Die Art des Rei­sens hat sich ja von der Anttke bis zur Ein­führung der Eisenbahn nicht wesentlich gewan­delt, und so finden wir auch in den alten Dar­stellungen immer wieder das Gleiche: Klagen über körperliche Qualen, wenn der Reisende auf staubiger, holperiger Landstraße in elenden Wa­genkasten durchgerüttelt wird. Ungeziefer plagt den Gast, der das dürftige Zimmer mit un­angenehmen Gefährten teilen muh. Gerissene Wirte betrügen den Unerfahrenen, betrunkene Postillone werfen den Wagen um. und oftmals überfallen gar Räuber den friedlichen Reisen-

rotrb aber wohl erst anfangs nächster Woche be­ginnen. Die große Trockenheit wirkt sich besonders ungünstig auf das Grünfutter aus. Zahlreiche Landwirte verfüttern zur Zeit grünen Hafer. Auch unsere Wasserversorgung macht infolge der Trockenheit Schwierigkeiten. Das Was­ser kann nur morgens und abends angestellt werden.

Kreis Schotten.

V Gedern, 24. Juli. Der Reu- und Um­bau unseres Kreisbezirkskranken- Hauses hat in den letzten Wochen bedeutende Fortschritte gemacht. Der innere Ausbau hat bereits begonnen. Die Derputzarbeiten sollen bis 12. August fertiggestellt sein. Die Anlage der Dampfheizung, welche die Firma Pfeiffer aus Ortenberg aussührt, ist in Arbeit. Ebenso sind die Schreiner- und Glaserarbeiten schon be­gonnen. Durch den Umbau des alten Daches sind noch zwei weitere Helle und große Räume ge­wonnen worden. Mit nicht allzu großen Schwie­rigkeiten ließe sich in demselben Stockwerk noch ein größerer Saal einbauen. Die Derpuharbei- ten in Röntgen-, Op^rations- und Verbands­raum sind fertiggestellt. Die Arbeiten sollen derart beschleunigt werden, daß das ner Kran­kenhaus bis zum 1. Aovember beziehbar ist. Der Betrieb im städtischen Kindergar­ten leidet zur Zeit sehr unter dem hier stark aufttetenden Keuchhusten. Es fehlen zur Zeit etwa zwei Drittel aller Besucher, und es können gegenwärtig nur 20 Kinder betreut werden. Man hofft, daß in etwa 14 Tagen die Krankheit so weit behoben sein wird, daß das schon lange geplante Kinderfest, auf das sich die Kleinen sehr freuen, abgehalten werden kann.

V" Oberfeemen, 24. Juli. In verschiedenen Zeitungen wurde in den letzten Tagen die Aach- richt verbreitet, daß der von hier stammende Maurer Karl Kipper, der beim Wildern angeschossen wurde, auf dem Sterbebett, kurz vor seinem Tode, eingestanden habe, vor nunmehr acht Jahren den Förster Maul aus Wenings er­schossen zu haben. Demgegenüber sei festgestellt, daß Kipper weder gestorben ist, noch bis jetzt ein Geständnis in obigem Sinne gemacht hat.

§ Ulrich stein, 24. Juli. Als Aachfolger des anfangs Mai nach Herchenhain verzogenen Gendarmerie-Wachtmeisters Wahl hat dieser Tage Gendarmerie-Hauptwachttneister Wilhelm Wirth, seither in Gießen, seinen Dienst bei der hiesigen Gendarmeriestation angetreten. Postkraftscchver Louis Jost, der im vorigen Jahr einen schweren Unfall erlitten hatte, ist als Werkführer nach Darmstadt versetzt worden. Ein Truvp Zigeuner hiell sich hier am Mon­tag, dem Beginn des Iakobimarktes, über den ihnen zugestandenen Termin hinaus auf. Die Leute verwickelten sich in allerlei Händel und ließen sich Unregelmäßigkeiten zuschulden kom­men. Da sie zur vorgeschriebenen Zeit das Orts­gebiet nicht verlassen wollten, sah die Bürger­meisterei sich nach Verständigung mit dem Kreis­amt genötigt, Gewalt anzuwenden. Die Feuer­wehr rückte an und veranlaßte durch einige Spritzen Wasser die braunen Gesellen zu be­schleunigtem Ab rücken.

§ Vom oberen Vogelsberg, 24. Juli. In diesen Tagen wird die Heuernte auch auf den höchstgelegenen Wiesen beendet. In den letzten Wochen konnte sie bei bestem Wetter, nur selten einmal durch kurze Gewitterregen gestört, vor sich gehen. Ueberall hört man, daß ein an Güte ausgezeichnetes Heu eingebracht worden ist; die Menge läßt freilich allgemein stark zu wünschen übrig, und das ist bei der ohnehin herrschenden Futterknappheit sehr be­dauerlich. Eine eigenartige Aatur- sch önheit kann der Aaturfreund hier eben wieder beobachten: die Weideröschen blü­hen! Weite Flächen stehen in dem bekannten, wunderbar zarten und leuchtenden Lila und bie­ten dem Auge einen einzigartig schönen Anblick.

Kreis Lauterbach.

K Schlitz, 24. Juli. Die Heidelbeer- ernte in den großen Wäldern des Schützer Landes ist kaum eine Mittelernte. Bei starker Aachfrage werden 35 bis 40 Pfennig für das Pfund gezahlt. Man erwartet von der Aach-

den. Regen und Kälte dringen ins Innere des langsam von Posthalterei zu Posthalterei schlei­chenden Wagens. Stadttore, Brückenzoll, Schlag­bäume hemmen die Fahrt. Bedienter und Kut­scher prügeln sich auf der Kutsche des Herrn Staatsministers von Goethe.

Rein, wir wollen nicht undankbar sein. Un­sere Wirklichkeit ist nicht trostloser als die ver­gangene sollte es nicht möglich sein, ihr auch Reize abzugewinnen? Sollten wir nicht selbst Schuld an der Langweiligkeit der Bahnfahrt tragen, die uns so rasch und mühelos über frem­den Boden führt? Jedes Stück Erde hat seine Geschichte und Eigenart, auch das ödeste. DieOede" selbst ist ja schließlich eine Besonder­heit. Auch mit flüchtigem Blick läßt sich so man­cher Eindruck erhaschen, und eine lange Bahn­fahrt bietet Zeit und Muße genug zum Schauen. Immer ist das Studium von Werden und Eigen­art eines Landstriches anregend, doch braucht es, wie jedes Studium, seine Vorbereitung. Da liegt das Geheimnis.

Jedermann wird sich über das Ziel seiner Reise unterrichten, wird sich mit Sehenswür­digkeiten und Geschichte, mit der Landschaft und Bewohnern mehr oder weniger durch Lektüre bekannt machen. Warum widmet man der Reise­strecke selbst nicht einen Teil der geistigen Reise­vorbereitung?

Der Schienenweg, der sich von der Reichs­hauptstadt durch die märkische Sandwüste süd­wärts erstreckt und dem wichtigen Verkehr mit München, Frankfurt und Stuttgart dient dieser Schienenstrang von europäischer Derkehrs- wichttgkeit gehört in seinem Teile zwischen Ber­lin und dem Elbtale zu den langweiligsten Eisenbahnstrecken unseres Vaterlandes. Doch dem Reisenden, der sich daheim mit ein wenig Liebe dem Studium seines Reiseweges gewidmet hat, verrät auch diese dürfttge Kiefernlandschaft ihre Geschichte. Sandgetürmte Dünen reden von mil­lionenjahrfernen Tagen, da die Fluten eines gewalttgen Urstromes über das Havelland roll­ten. Er lagerte jene Sandmassen ab, und die Höhenzüge zwischen Havel und Elbe lassen feine einstigen Ufer erkennen. Die weiten Sumpfflä­chen, die unser Zug durcheilt, die zahlreichen Seen, die blinkenden Augen der märkischen Land­schaft, stammen von jenem Urstrome her. Viele Tausende von Menschengeschlechtern waren da- hingegangen, feit Menschen und Tiere der Eis­zeit an den Ufern des Urstrvms in hartem Kampfe ihr Dasein erkämpften, als dieses fisch, reiche Sumpfland dem scheuen Fifchervolke der

ernte noch einen zufriedenstellenden Ertrag. In den höheren Lagen des Schützer Landes wurde heute mit dem Schnitt des Korns be­gonnen.

Starkenburg.

WSA. Darmstadt, 24. Juli. Allmählich fängt die Tagesausbeute der Heidelbeerpflücker an, geringer zu werden. Die Heidelbeer. ernte neigt ihrem Ende zu. Sie hat in ihrem Ertrag nicht getäuscht, sondern voll das gehalten, was der reiche Dlütenschmuck einst versprach. In­teressant war die Preisbildung. Für das Pfund wurden anfangs 30 Pfennig bezahlt, und so hielt sich auch der Verkauf etwa eine Woche lang. Dann ging es herunter auf 28, 25, 20 und sogar 17 Pfennig. Eines Tages stellten sich je- bod» auswärtige Ankäufer ein, die die einheimi­schen Einkäufer um 2, 3 und 5 Pfennig über­boten. Aatürüch mußten die letzteren mitmachen und so stand der Preis bald wieder auf 30 Pfennig. Auf dieser Höhe hat er sich gehalten. Wenn Regen einträte, dann würden die Wäl­der rwch acht Tage lang von ihrem Reichtum geben. Bleibt es trocken, dann hort das Aach- reifen auf.

Preußen.

Das Wetzlarer Derkehrsuniernehmen geht an die Post über.

WSA. Wetzlar, 24. Juli. Die Stadt Wetz­lar betreibt seit etwa zwei Jahren einen öffent­lichen O m nibusbetrieb mit einem Wagen­park von sechs Omnibussen und mit dichtem Ver­kehrsnetz. Trotzdem hat sich eine Rentabili- t ü t des Unternehmens nicht erzielen lassen. Es teilt damit das Schicksal vieler Kraftwagenver­kehrslinien, die selbst bei günstigerem Gelände als Wetzlars enge und bergige Straßen und bei größerer Frequenz kaum auf die Betriebskosten wmmen. Das Wetzlarer Unternehmen.hat so erhebliche Betriebsverluste verursacht, daß die Stadt es abzustoßen beabsichtigt. Es sind er­folgversprechende Verhandlungenmit der R e i ch s p o st eingeleitet worden, die voraus­sichtlich den gesamten Wagenpark, die Garagen und das Personal gegen eine jährliche noch fest­zusetzende Gebühr übernehmen und den Fahr­plan nach ihren Grundsätzen umgestalten wird. Die Stadtverordneten haben demnächst darüber zu befinden.

Kreis Wetzlar.

~ Hörnsheim, 24. Juli. Am Sonntag fand hier ein großes Preisschießen, verbunden mit dem Wettkampf um die Kreismeisterschaft der Kleinkaliber-Schützenvereine des Kreises Wetzlar statt, das Lehrer Bork (Hörnsheim), der Kreis­schießmeister des Kreises Wetzlar, leitete. An dem Schießen um die Kreismeisterschaft beteiligten sich nur die aus dem Landesvereinsschießen am 20. Juni hervorgegangenen, aus fünf Mann be­stehenden Meisterschaften der einzelnen Dereine, an dem Preisschießen konnten sich sowohl Schützen, als auch Gäste beteiligen. Es waren im ganzen 20 Vereine vertreten. Hörnsheim, das schon die Kreismeisterschaft von 1928/29 besah, konnte mit 375 Ringen auch in diesem Jahre die Kreis- meisterschaft für 1929/30 erwerben. An zweite Stelle trat Ehringshausen mit 325 Ringen, an dritte Stelle Oberweh mit 323 Ringen. Bei der Kreismeisterschaft ging es um einen silbernen Eichenkranz und die Meisterschaftsnadeln, die an die Schützen verliehen werden. Es' wurde noch um die Einzelmeisterschaf t für den Kreis Wetzlar geschossen, welche Richard Esch (Ehringshausen) erwarb. Bei dem anschließenden Preisschiehen wurde um 20 Preise geschossen. Den 1. Preis erhielt mit 36 Ringen Alfred G ü m b e l (Hörns­heim), den 2. Preis Lehrer Bork (Hörnsheim) mit 35 Ringen. Es folgten dann vier Schützen mit je 35 Ringen, 12 mit je 34 Ringen und zwei mit je 33 Ringen. Die Kreismeisterschaft Hörns­heim begibt sich am 8. September nach Marburg zum Wettkampf um die Gaumeisterschaft.

-6- Hörnsheim, 24. Juli. Aachdem in der Ac^hbargemeinde Hochelheim die Arbeiten am Bau der Wasserleitung ihrem Ende entgegen» gehen, beabsichtigt auch die hiesige Gemeinde

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Wenden Aahrung und Schutz vor kriegerischen Aachbarn bot. Solche morastigen Wiesen, wie sie zwischen Lichterfelde und Luckenwalde, zwischen den Waldstücken am Bahndamm auftauchen, konnte kein feindlicher Reitertrupp überschrei­ten. Der kümmerliche Boden schuf feinen eigen­artigen Wald von genügsamen Kiefern, er lie­ferte keinen Baustein und so mußten die christlichen Bauherrn des Mittelalters hier ihre Rathäuser und Kirchen aus gebrannten Ziegeln bilden. Stilschöpferisch ward das karge Land. Aorddeutfche Backsteingotik ist ein selbständiger Zweig europäischen Kunstschaffens, ein Bauwerk wie Kloster Chorin ein Kleiiwd der Weltkunst. Doch nicht nur der Baukunst, nein, dem gesamten kulturellen und wirtschaftlichen Leben wies die Eigenart, die Dürftigkeit derSandbüchse des Heiligen Römischen Reiches" ihren besonderen Weg, schuf jenen harten, selbstsicheren Menschen­schlag, der inmitten von Aatur und Klima benach­teiligten Dünenlandschaft das Wunderwerk, die Millionenstadt Berlin auf baute.

Wenn schon ein armes, kleines Stück Eisen- bahnstrecke solche Geschichte zu erzählen weih und sie kann dem Wirtschaftler, dem Landmann, dem Techniker, dem Soldaten, dem Aameiv- forscher und Kulturhistoriker noch unendlich viel mehr erzählen um wieviel mehr wird eine Bahnfahrt durch gesegnetere Gaue, etwa durchs Alpenvorland oder durchs fonnenwarme Ober­rheintal dem auch nur oberflächlich vorbereiteten Reisenden berichten! Schon die Ortsnamen geben uns Kunde von der Kulturarbeit vergangener (Senerationen, von den Heimstätten germanischer Stämme, von den Kolonien der staatsgewaltigen Römer, von kirchlicher, fürstlicher oder bürger­licher Siedlungstätigkeit und Städtegründung Frankfurt, Furt der Franken, also Fluhüber- gang, aus Aaturbedingung durch Bürgerfleih erblühte Handelsstadt Karlsruhe, planmäßig nach dem Wunsche eines Einzelnen, eines abso­luten Rokokofürsten geschaffen, der hier Erho- lüng, Ruhe suchte, München, heute noch im Aamen an die einstige Pionierarbeit der Mönche erinnernd. Oder wir lassen uns von den Türmen der Kirchen und Dome, die wir mit flüchtigem Bück vom Abteilfenster aus erhaschen, ein wenig kulturgeschichtlichen Vortrag halten. Wir gleiten auf rollenden Rädern durchs südliche Daycrn- land. Regensburgs gotische Turmriefen werden für längere Zeit sichtbar. Meisterwerk deutscher Gotik, Filigranarbeit aus gehauenem Stein, den naher Felsboden gespendet. Dagegen in Augs­burg geschwungene Turmhelme ein Gruß süd-

nach Bereitstellung der nötigen Mittel, die auf dem Anleihewege aufgebracht werden müssen, mit dem Bau der Wasserleitung zu beginnen

<> Hochelheim, 24. Juli. Der Gemein­de r a t beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit der Beratung des Haushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1929. Bei der Feststellung der Einnahmen wurde der Gemeindezuschlag auf die staatliche Steuer vom Grundvermögen, sowie auf die Gewerbeertrag- und Gewerbekapitalsteuer von 300 Prozent auf 400 Prozent erhöht. Die Erhöhung erwies sich als notwendig, weil von den Kosten der Herstellung einer Dorfkanalisation 60 Pro­zent auf den ordentlichen Haushaltsplan übernom­men werden sollen. Zur Ausführung von Stra- ßeninstandsetzungsarbeiten wurden 3000 Mark zur Verfügung gestellt. Die Beschlußfassung über die Verwendung dieses Betrages behielt sich der Gemeinderat vor. Ferner soll eine Neu- Numerierung der Wohnhäuser stattfin­den, worüber der Gemeindevorsteher eine Vor­schlagsliste aufstellen soll. Auf dem Friedhof soll bei dem im Gange befindlichen Wasserleitungs­bau ein W a s s e r b a s s i n angelegt werden, aus dem das zum Begießen der Gröber erforderliche Wasser entnommen werden soll. Fortbildungs­schulunterricht soll, wie im Vorjahre, auch im kommenden Winter abgehalten werden. Zur Schaf­fung eines eisernen Bestandes, der auftichtsbehörd- lieh gefordert wird, beschloß der Gemeinderat die zinsbringende Anlage eines Betrages von 500 Mk. Im übrigen wurde der Haushaltsplan in Ein­nahme und Ausgabe auf 167 000 Mk. festgestellt. Dem Erlaß einer Polizeiverordnung zur Erhal­tung der Vogelschutzanlagen stimmte der Gemeinderat zu. Als Rohrmeister für die Wasser- teitung und Dorfkanalisation wurde Friedrich Mack 111. gewählt.

T Aus dem Kleebachtal, 24. Juli. Die Roggenernte ist in vollem Gange. Körner- und Ctrohertrag deuten auf eine gute Mittelemte hin. Auch das übrige Getreide zeigt im allge­meinen einen guten Stand, abgesehen von Aeckern in trockenen Lagen. Dort fallen Stroh-und Körner- ertrag nut gering aus. Geradezu trostlos steht es aus mit dem Wachstum des Grünfutters. Viele Landwirte schneiden grünen Hafer, um ihn als ©rünfutter zu verwenden. Ein längere Zeit anhaltender Regen wäre dringend vonnöten, auch im Interesse des Graswuchses auf den Wie­sen. In tiefen Lagen stehen die K a r t o f f e ln im großen und ganzen gut, nur auf sandigem Boden fängt das Kraut jetzt schon an, sich zu färben und stirbt ab, so daß hier mit einer vorzeitigen Ernte gerechnet werden muß. A e p f e l und B i r- nen zeigen mittleren Behang, jedoch fallen in­folge der Trockenheit und der übergroßen Hitze viele Früchte zur Erde und können jetzt noch nicht verwendet werden.

Kreis Marburg.

WSA. Marburg, 24. Juli. Heute morgen 5.15 Uhr wurde auf der Bahnstrecke zwischen Marburg-Süd und Marburg von dem Zugperso­nal eines vorüberfahrenden Zuges eine unbe­kleidete männliche Leiche neben dem Dahn- gleis aufgefunden. Aach den polizeilichen Er­mittlungen handelt es sich um den in Marburg wohnhaften 20jährigen Studenten Georg Fried­rich Meyer. Äe Kleider des Getöteten fand man in der benachbarten Badeanstalt vor. Es tonnte noch nicht festgestellt werden, ob ein Ain* glückSfall vor liegt.

Kreis Biedenkopf.

< Dvttenhvrn, 24. Juli. Der Männer­gesangverein Dottenhorn faßte in sei­ner Generalversammlung den einstimmigen Be­schluß, am 13. Juli 1930 einen Wettstreit zu ver­anstalten. In den letzten Jahren nahm der Ver­ein an verschiedenen größeren Wettstreiten teil und kann mit vollster Zufriedenheit auf feine seitherige Tätigkeit zurückbücken. Die Bedingun­gen werden in absoluter Wertung jeden einzelnen Verein dort einreihen, wo es seiner Kraft und feinem Können entspricht. Gerade diese Aeue- rung, die vergleichend Verein gegen Verein be­trachtet und die Unzufriedenheit der seither ge­bräuchlichen Klasfeneinteilung beseitigt, wird ohne Zweifel jedem Verein zusagen. Der Verein rech­

lichen Kunstempfindens. Die Alpen sind nahe über ihre Pässe kam hierher die Ware in die Speicher der Fugger, kam aber auch derneue Stil", die Renaissance. Und dazwischen eine Fülle von Kirchen und Klöstern mit barockem Linienfluß, deutsche Phantasie geeint mit süd­licher Pracht. Ein halbes Jahrtausend deutscher Kunst in einigen Stunden Bahnfahrt natürlich ergiebig nur für den, der innerlich bereits wohl- vorbereitet in raschem Bücke das Wesentliche erfaßt.

Von Frankfurt aus donnert der O-Zug südwärts durch die Rheinebene nach Basel zu. Welche Viel­seitigkeit von Eindrücken gewährt hier das Schauen aus dem Bahnfenster! Stundenlang kann der Freund der Erdkunde die mannigfachen Dergformen be­obachten, die beiderseits das einhebrochene Tal be­grenzen, kann der Historiker Stötten geschichtlicher Bedeutung sehen, der Militärfachmann die strate­gische Lage dieses von Cäsar bis zum Weltkriege immer wieder umstrittenen Landesteiles überdenken, der Volkswirt sich eine Vorstellung von den natür­lichen Bedingungen einstigen und künftigen Wohl­standes bilden. Der Romantiker kommt angesichs des Heidelberger Schlosses, der dunklen Höhen des Schwarzwaldes und der malerischen Ortschaften ebenso auf seine Kosten wie der Techniker, der hier vielleicht die Wasserkräfte berechnet, die der Ober* rhein zur Elektrifizierung der südwestlichen Reichs­bahnstrecken und der badischen Industrie liefern wird. Doch auch außerhalb des Fachgebietes wird gerade in diesem Gebiet, wo Natur und Menschen- geist alter und neuester Zeit im Landschaftsbilde sich so vielgestaltig offenbarten, wo Kulturen und Sprachen sich treffen, auch der durchreisende Fahr- aast interessante Einzelheiten selbst auf rascher Fahrt gewinnen. Doch auch eine Reise durch einen weniger mit auffallenden, großartigen Merkmalen bedachten Ltndstrich wird dem tellnehmenden Be­obachter am Bahnfenster mannigfaltige Unterhaltung bieten, und vielleicht hat das Nachschürfen nach den mehr verborgenen Sonderheiten einerlangweili­gen Strecke" für den im Entdecken Geübten den größeren Reiz die Befriedigung des Erkennens von Dingen, die anderen Leuten unerkennbar find.

Gewiß wird der Blick vom eilenden Zuge aus stets nur eine flüchtige Bekanntschaft mit dem durchfahrenen Gebiete vermitteln können. Immer­hin vermag der geistig vorbereitete Reisende einen Gesamteindruck der Stadtbilder oder des Land­schaftscharakters zu erhalten. Und der Hauptzweck des vorher der Fahrtstrecke gewidmeten Studiums wird stets erreicht: die Reise wird selbst im ödesten Landesteile kurzweilig und bringt inneren Gewinn.

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