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werden, weil diese ihre Beamten gezwungen habe, unter Bedingungen zu arbeiten, die gegen gesetzliche Bestimmungen verstießen.

Rach dem Plädoyer der Verteidigung zog sich das Gericht sofort zur Llrteilsberatung zurück. Vach dreistündiger Beratung verkündete das Ge­richt das Urteil. Sämtliche Angeklag­ten wurden freigefprochen. Sn der Be - gründung wird festgestellt, daß die An­lage des Münchener Hauptbahnhofs nicht den Anforderungen entspro­chen hak«, die man an die Einrichtung des größ­ten Bahnhofs Bayerns stellen müsse. Es habe an der Zsntralisierung, an einem geregelten Zug­meldeverfahren und an notwendigen Vorschriften gefehlt. Auf wessen Schuld dieser Mangel zurück­zuführen sei, könne dahingestellt bleiben. Es habe auch an einer genügenden Zahl geschulten Per­sonals gefehlt. Der Dienst sei aber zu leisten ge­wesen und sei auch seit 20 Jahren geleistet wor­den. Ein Fehler im System hätte allenfalls beim Strafausmaß in Betracht gezogen werden müssen, wenn das Gericht zu einem Schuldspruch ge­kommen wäre. Da aber in den einzelnen Fällen das Gericht weder eine Fahrlässigkeit, noch einen Verstoß gegen irgendwelche Bestimmungen und Vorschriften in dem Verhalten der Angeklagten habe erblicken können, so sei auf Freispruch er­kannt worden.

Die Serieguns der Ahemlandkommission nach Wiesbaden.

Berlin, 19. Sept. Der deutschnationale Reichs­tagsabgeordnete von Lindeiner-Wildau hat bei dem Reichsminister Dr. W i r t h in seiner Eigen- schaft als Abgeordneter für Hessen- Ra s s a u die nachdrücklichsten Vorstellungen gegen die Verlegung der Rheinlandkommis­sion nach Wiesbaden erhoben. Er hat auf die besonders schwierige Lage Wiesbadens hinge­wiesen und das Versprechen erhalten, daß von feiten der Berliner Stellen alles Mögliche gegen die geplante Verlegung geschehen soll, freilich auch den Eindruck gewonnen, daß die Entscheidung darüber ohne Rücksichtnahme auf die deutschen Wünsche von der Rheinlandkom­mission herbeigeführt wird.

Im Zeichen der Räumung.

Französische Rücksichtslosigkeit im Rahetal

Frankfurt a. M, 18. Sept. Wie aus Bad Sobernheim (Rahe) gemeldet wird, haben gestern von 7 älhr morgens bis 12 Uhr mittags mit einstündiger Pause dazwischen schwere französische Motorgeschühe unmit­telbar über den Badeort hinweg­gefeuert. Ganz nahe, nordwestlich zwischen Bockenau und Steinhardt, stehen die Geschütze und schießen gerade über den Ort hinweg nach der Lim.acher Höhe zu. Dieses Scharfschießen soll am 20., 23., 24. und 25. September wieder­holt werden. Dem Ort werde außer den schwe­ren Vervenerschütterungen, die Bewohnern und Heilungsuchenden zugemutet werden, noch eine Einquartierung von über 240 Offi­zieren und Manns chaften für volle zwei Wochen aufgenötigt. Auch die nahe ge­legenen Orte Staudernheim und Waldböckelheim feien mit französischen Truppen belegt. Man be­richtet weiter, daß bereits eine Massenflucht der Kurgäste eingesetzt habe.

Wie lange noch?

Berlin, 19.Sept. (Priv.-Tel.) Wie dieVoss. Ztg." berichtet, hat das französische Mili­tärgericht in Landau den katholischen Prie­ster Georg Handrich aus Ludwigshafen zu 150 Mark Geldstrafe und 4 Wochen Gefängnis verurteilt. Pfarrer Handrich ist Bezirksleiter der Deutschen Iugendkraft" in der Pfalz, einer katho­lischen Sportvereinigung, die am 14. Juni hei einer Zusammenkunft in Mundenheim einen Festzug veranstaltete. In diesem Zug marschierten auch einige Trommler mit, die von ihren In­strumenten Gebrauch machten. Bekanntlich verleiht das nach einer Ordonanz der Rheinlandkommission einem Festzugmilitärischen Charakter"!

DieZnternat tonale Zahlungsbank

Wiesbaden

alsTagungsort des Drttanisationsiomitccs.

Paris, 19. Sept. (WTB. Funkspruch.) Zu der Frage des Tagungsortes des Organi­sationsausschusses für die Inter­nationale Zahlungsbank schreibtPetit Parisien", da Brüssel nicht mehr in Frage komme, dürfte der Vorschlag Dr. Schachts, Wiesbaden zu wählen, bei den übrigen interessierten Machten Zustimmung finden. Die rröffnungssihung werde wahrschein­lich am 3. Oktober stattfinden, worauf die täg­lichen Arbeiten am 7. Oktober in Angriff ge­nommen werden würden.

Berlin, 18. Sept. Seit einiger Zeit sind in Genf Bestrebungen int Gange, nicht nur den Sitz der Weltbank, sondern auch die Einwirkung des Völkerbundes auf die künftige Bank unter Genfer Atmosphäre sicherzustellen, viel­leicht sogar sie unter eine Art Oberaufsicht des Völkerbundes zu bringen. Solche Be­strebungen werden vorwiegend von Frank­reich und Polen begünstigt, während England sich von ihnen noch sernhält. Deutschland hat sich an dieser Diskussion bisher nicht beteiligt und würde selbstverständlich aus wirtschaftspolitischen Interessen eine solche Regelung auch ab lehnen. Veben Deutschland dürfte auch Amerika dagegen fein, dessen Mitwirkung aber aus finanziellen und wirt­schaftspolitischen Gründen einen Hauptfaktor für das Gelingen der ganzen Aufgabe der Weltbank darstellt, das aber wegen seines grundsätzlichen Fernhaltens vom Völkerbund naturgemäß einen solchen Genfer-Gedanken ablehnen müßte.

Reichswehr und Bombenattentäter.

Euthüllungen" derRoten Fahne".

Berlin, 19. Sept. (Priv.-Tel.) Die in Schles­wig-Holstein Verhafteten sind jetzt dem Unter­suchungsrichter vorgeführt worden. Die Links­presse wird also vorläufig darauf verzichten müssen, ihren Lesern täglich neue Sensationen über die angeblichen oder tatsächlichen Pläne der sogenannten Bombenattentäter vorzusehen. Sie hat aber bereits einen vollwertigen Ersatz inEnt­

hüllungen" kommunistischer Blätter gefunden, die schon vor Tagen die Reichs­wehr bezichtigten, sie hätte mit den radikalen Elementen Schleswig - Holsteins in engster Ver­bindung gestanden. Diese Behauptungen versucht jetzt die BerlinerRote Fahne" durch die Ver­öffentlichung von Dokumenten zu untermauern, aus denen hervorgehen soll, daß zwischen einem Angestellten der Reichswehr und einem der Verhafteten gewisse Beziehungen bestanden ha­ben: welcher Art sie waren, werden erst die gerichtlichen Untersuchungen festzustellen haben. Jedenfalls ist es mehr als voreilig, gefundene Briefe zu benutzen, um die Reichswehr mit dem Verschwörerkreis in Verbindung zu bringen. Zu diesen Briefen gehört auch ein an den Gene­ral v. Hammer st ein gerichtetes Schreiben, von dem übrigens schon einmal im Sommer die Rede war, das aber General v. Hammerstein gleich nach Empfang vernichtet hatte. Selbst Zei­tungen, die gewiß nicht reichswehrfreundlich sind, müssen feststellen, daß dieser General, der die Tochter des Generals v. Lüttwitz geheiratet hat, beim Kapp-Putsch treu zur Regierung hielt, also nach wie vor Putschplänen unzugänglich ist. Da­gegen kann sich Hammerstein natürlich nicht weh­ren, daß ihm irgendein Bekannter Vorlesungen über die Votwendigkeit der Ausrufung der Dikta­tur hält. Auch Herr Severing dürfte als preußi­scher oder Reichsinnenminister von radikalen Parteifreunden wiederholt aufgeforvert worden sein, von seiner Macht entsprechenden Gebrauch zu machen, ohne daß man deswegen ihn ebenso verdächtigen darf, wie das gewisse Linkskreise der Reichswehr gegenüber jetzt tun.

Das Volksbegehren.

Reichslandbnnd und Stahlhelm.

Berlin. 18. Sept. (WB.) Die Meldung, daß der S t a h l h e l m sich dem Protest des Reichs­landbundes und der Christlich-nationalen Bau­ernpartei gegen den Paragraphen 4 des Volksbegehrens angeschlossen habe, wird vom Bundesamt des Stahlhelms f ü r falsch erklärt. Auf die nachträglich aus dem Reichslandbund und der Christlich-nationalen Bauernpartei gegen den Paragraphen 4 vorge- brachten Bedenken hin hat. so heißt es in der Mitteilung weiter, der Stahlhelm lediglich darum gebeten, daß das Präsidium des ReichZausschus- ses noch einmal zusammentritt, damit diese Bedenken in sachlicher Beratung ausge­räumt werden. Dem Antrag des Stahlhelms ist sofort entsprochen worden. Das Haupt­bureau des Leichsausschusses für das Volks­begehren teilt mit, da'ß der Reichsland­bund, der durch seine Präsidenten und maß­gebenden Persönlichkeiten im Reichsausschuß seit der Gründung vertreten war, nunmehr auch als Körperschaft dem Reichsausschutz für das Volksbegehren beigetreten ist.

Wie der Demokratische Zeitungsdienst von gut unterrichteter Seite erfährt, stammt die Fas­sung des Volksbegehrens, vor allem auch der Paragraph 4, von Hugenburg selbst. Der Demokratische Zeitungsdienst schreibt u. a.: Vach- dem der Geheimrat Hugenberg seine Formulie­rung fertiggestellt hatte, ist er ins Benehmen mit Hitler und Seldte getreten. Vachdem sich Geheimrat Hugenberg der Zustimmung dieser beiden Herren versichert hatte, ist er dann erst an die Deutfchnationale Reichs­tag s f r a k t i o n herangetreten. In der Be­sprechung erklärte nun der Präsident des Reichs­landbundes Schiele, daß er dem Paragraphen 4 nicht zustimmen könne, und daß er die schwer st en Bedenken gegen die Formu­lierung habe. Schiele erklärte, daß er es nicht verantworten könne, als früherer Reichs­mini st e r diesem Paragraphen zuzustimmen.

Ein Zungnatio.raler Ring.

Berlin, 19. Sept. Der Iungnationale Ring, eine Gemeinschaft junger konservati­ver Kräfte, die dem Boden der Deutschnatio­nalen Volkspartei entwachsen sind, gibt soeben eine Schrift heraus mit dem TitelDerRiedergang dernationalenOppositio n". Diese Schrift, die als einWarnruf aus den Reihen der Jugend" bezeichnet wird, ist eine scharfe Anklage gegen Hugenberg. Die Idee der nationalen Opposition befinde sich unter diesen Umständen in der größten Gefahr,deshalb muß Hugenberg gestürzt werden noch vor Stresemann". Es wäre kurzsichtig, so bemerkt dieGermania", die einen ausführ­lichen Auszug aus der Schrift in großer Aufma­chung bringt, in dieser Aktion der Iungnatiönalen etwa nur die Front gegen Hugenberg zu sehen und zu vergessen, daß es hier schließlich nicht um eine Person, sondern um eine Idee geht, um eine Idee, die so oder so die ganze deutsche Jugend bewegt und mehr oder weniger alle Parteien an­geht. _____________

Heimaiwehr urrdVerfaffungs- reform in Oesterreich.

Eine starke Regierung gefordert.

Wien, 18. Sept. (WTB.) Unter dem Titel Die letzte Warnung" wird von der Presse­stelle des Heimatbundes eine Verlautbarung ver­sandt, welche hier großes Aufsehen erregt, ob­wohl sie keine offizielle Kundgebung der Dun- dessührung der Selbstschuhverbände, sondern der heutige Leitartikel des Heimwehrorgans in Graz, derAlpenländischen Heimatwehr" ist, der aller­dings von einer dem dortigen Dundesführer Psriemer nahestehenden Seite stammen soll. In dem Artikel heißt es, daß die Heimatwehr dies­mal ihre ganze Macht einsehen werde, um eine halbe Lösung der Verfassungsreform zu verhindern. Ihre Forderung gipfele in dem Ver­langen nach einer Verfassung, die in sicher Weise den vaterländischen Wünschen wie den wirtschaftlichen Bedürfnissen der bodenständigen Bevölkerung entsprech«. Die Heimwehr will ganze Reformen und eine ganze Lösung. Fühlt sich die gegenwärtige Regierung einer solchen Aufgabe nicht gewachsen, dann möge sie zu­rück t r e te n. Dann haben die bürgerlichen Par­teien freie Hand, durch die Wahl einer starken Regierung, in der auch die Heimatwehr den ihr gebührenden Einfluß besitzt, zur Entwirrung der Lage und zur Festigung unserer innerpolitischen Verhältnisse beizutragen. Oeffnet man der Hei­matwehr kein Ventil, so könnte die innere Span­nung eines Tages zu einer Explosion führen, die den reinen Parteipolitikern ganz sicher nicht erwünscht wäre. Heute hätten die reinen Parteipolitiker es noch in der Hand, durch einen großzügigen Entschluß den ver­änderten politischen Verhältnissen Rechnung zu

tragen und das Staatsruder in die Hände einer ne uen Macht zu legen, welche die Fähigkeit und die Macht habe, eine Gesun­dung der politischen und wirtschaftlichen Verhält­nisse Oesterreichs durchzuführen. Ob sie in einigen Wochen noch die Freiheit des Handelns hätten, das sei im Hinblick auf das stürmische Tempo, das die Entwicklung der Heimatbewe- nung eingeschlagen habe, fraglich. Am 29. Sep­tember fänden in der Umgebung Wiens vier große Aufmärsche statt, ganz bestimmt nicht ohne einen tieferen Sinn. Sie würden den Druck der bodenständigen Bevölke­rung auf die Entwicklung der politischen Dinge in Wien so verstärken, daß kein Politiker mehr den Ernst der Lage verkennen könne.

Gegen Englands Abrüstungsvorschläge in Genf

Frankreich. Italien und Japan in der Opposition einig.

Genf, 19. Sept. (Tel.-Un.) In den letzten Tagen haben hier mehrfach Verhandlungen zwischen den französischen, italienischen und japanischen Vertre­tern ftattgefunden, um eine einheitliche Hal­tung der drei Abordnungen gegen­über dem englischen Abrüstungsoor­schlag herbeizuführen. Es ist, wie von gut unter­richteter Seite mitgeteilt wird, zwischen den drei Abordnungen eine drundsätzliche Einigung in folgen­den Punkten erzielt worden:

1. Die Zuständigkeit der dritten Kommission der Vollversammlung (Abrüstung) für die Behand­lung der grundsätzlichen Fraaen der Abrüstung, wird bestritten. Die Hauptfragen können allein in dem vorbereitenden Abrüstungsausschuß behandelt werden, da in diesem Ausschuß neben den Mitgliedsstaaten, auch Nichtmitglieds st aa- t e n, wie Sowjetrußland, Vereinigte Staaten von Amerika und die Türkei teilnehmen, und für die irgendwelche Beschlüsse einer Kommission der Völ­kerbundsoersammlung nicht bindend sein kön­nen. Die Aufgaben der dritten Kommission können sich nur darauf beschränken, der Vollversammlung Vorschläge für den Wiederzusammentritt des vor­bereitenden Abrüstungsausschusses allgemeine Richt­linien für die Arbeiten zu geben, wie das in dem englischen Antrag, der vor einigen Tagen «ingebracht worden sei, vorgesehen ist. Die drei Mächte vertreten aus diesem Grunde die Auffassung, daß der englische Abrüstungsvorschlag ohne weitere Aussprache dem vorbereitenden Abrüstungsausschuß überwiesen werden muß.

2. Die französische, itali«nische und japanische Abordnung vertreten ferner den Standpunkt, daß die bisherigen Beschlüsse des vorbereitenden Ab­rüstungsausschusses, an denen die englische Re­gierung beteiligt war, und zu denen sie ihre Zustimmung erteilt hat, einen bindenden Charakter trage und keinerlei Abän­derungen mehr unterzogen werden können.

3. Die drei Abordnungen sind nach wie vor der Auffassung, daß an dem Grundsatz der allgemeinen Wehrpflicht nicht ge­rührt werden darf und daß aus diesem Grunde die ausgebildeten Reserven die große Streitfrage der letzten Jahre nicht durch ein internationales Abrü­stungsabkommen beschränkt werben können. Die Herabsetzung und Begrenzung der Rüstungen, darf sich nur auf den aktrven Truppenbestand beziehen. Das lagernde Kriegsmaterial darf ferner nur auf dem Wege der Herabsetzung des Militärhaushalts der Staa­ten, nicht jedoch durch direkte zisfernmäßige Ver­minderung eingeschränkt werden.

4. Die drei Abordnungen sind weiter der Auf­fassung, daß eine irgendwie geartete interna­tionale ileberwachungsorganisa- tivn, der die ^leberwachung der Durchführung eines internationalen Abkommens obliegen konnte, nicht annehmbar ist. jedoch wird auf französischer Seite die Auffassung vertreten, daß in der Aeberwachungsfrage noch weitere Der- Handlungen möglich seien. Die französische Auf­fassung in dieser Frage kann daher als nicht endgültig angesehen werden.

Aus aller Welt.

Erholungsreise des Reichspräsidenten.

Reichspräsident von Hindenburg hat Mittwochvormittag Berlin verlassen, um einen etwa vierzehn tägigen Erholungs- und Iagdauf- enthalt auf dem Lande zu verbringen.

Reichslagung des GuflaoAdolf-vereins.

Am Dienstag nahm in Breslau der Gustav- Adolf-Derein seine Beratungen auf. In einer Reihe von Arbeitsgemeinschaften wurden die praktischen Fragen der viel verzweigten Gustav- Adolf-Arbeit besprochen. Die Propagandatätig­keit stellt sich schon jetzt auf das hundert­jährige Jubiläum auf das Gustav-Adolf- Iahr 1932 ein. Unter der LosungEine Million in Groschen" rüstet man sich zur Sammlung einer Iubiläumsgabe, die alle Unter- stützungsaktionen der letzten Jahre weit über­treffen soll und für den großzügigen Ausbau des Dia vrawerkes bestimmt ist. Sein besonderes Augenmerk hat der Gustav-Adolf-Derein der Minderheitenfrage in Ost-Europa zugewandt. Weitere Arbeitsgemeinschaften be­schäftigen sich mit der Frage der Ausland­pfarrer, der Mitarbeit der Frau im Gustav-Adolf-Derein und der Diakonissenarbeit. Als Abschluß des zweiten Festtages fand in der größten evangelischen Kirche Breslaus, in der Glisabelbkirche, ein Abendgottesdienst statt. Tau­sende, die keinen Einlaß mehr fanden, ver­sammelten sich in der Magdalenenkirchc zur Feierstunde. Die Feier klang aus mit einem lithurgischen Wechselgesang zwischen Geistlichen und Chor und mit einer Bachschen Fuge, die von Professor Gulbins auf der mächtigen Orgel der Elisabethkirche meisterhaft dargeboten wurde.

Sanierung durch Einbruch.

In Berlin hatte der 38jährige Kaufmann David Halpern bei der Polizei Anzeige erstattet, daß in der Nacht Einbrecher in seinem Pelz­geschäft in der Nähe des Stickelmarktes für 15 0 0 0 Mark Pelze gestohlen hätten. Bei der Untersuchung stellte die Polizei verschiedene ver­dächtige Einzelheiten fest. Die Einbrecher hatten an­geblich vom Nachbarladen aus eine Wand durchbrochen, die die beiden Geschäfte voneinander trennte. Es war jedoch auffallend, daß die Trüm­mer des herausgeschlagenen Wandstückes nicht, wie es natürlich gewesen wäre, im Pelzgeschäft, sondern auf der anderen Seite der Wand lagen. Da noch weitere derartige Feststellungen gemacht

wurden, sah sich Halpern veranlaßt, zu gestehen, daß der Einbruch von ihm fingiert worden sei, um das Verschwinden eines ihm von einer Leip­ziger Rauchwarenfirma anoertrauten Postens Kom­missionsware zu vertuschen. Er hatte auf der Straße einen 27jährigen Erich Linke angesprochen und ihn gegen ein Honorar von 100 Mark verpflichtet, den Einbruch zu inszenieren. Linke hatte dazu auch die Geschäftsschlüssel erhalten. Bei dem Einbruch sind jedoch noch Waren im Werte von 10 000 Mark tatsächlich verschwunden. Halpern und seine Kontoristin, mit der er verlobt ist, sowie Linke find verhaftet worden.

Todesurteile

gegen Brillanten- und Devisenschieber in Rußland.

Das Moskauer Gericht fällte gegen die Teil­nehmer an einer illegalen lettischen Or­ganisation, die sich mehrere Jahre lang mit dem Ankauf von Brillanten und De­visen in Sowjetrußland und deren Verschie­bung ins Ausland besaht hatte, das -Urteil. Die Angeklagten Samuel Taitz und Abraham Klein« aus Moskau wurden zum Tode und die Äsngestellte der lettländischen Gesandtschaft, Berta Aschmann, zu sechs IahrenGefäng- n i s verurteilt. Weitere 20 Angeklagte, die meist Klienten dieser Organisation waren, wurden zu Gefängnisstrafen und Zwangsarbeit verurteilt. Es soll sich herausgestellt haben, daß Beamte der lettländischen Gesandtschaft Beziehungen zu Schmugglern unterhielten und Schmuggelware durch die lettische diplomatische Post ^fördern liehen.

Ein großer Tankbrand in England.

In Hüll ist am Montag ein riesiger Tank in der Tankanlage der Anglo American Oil Com­pany explodiert und in Brand gera­ten. Schätzungsweise befinden sich in dem Tank, der etwa eine halbe Millionen Gallonen Drenn- stoff enthielt, auch jetzt noch 180 000 Gallonen. Während der vergangenen 24 Stunden hat man jede bekannte Feuerlöschmethode zur Dekämpsung des Brandes versucht, ohne den geringsten Erfolg ku erzielen. Die benachbarten Tanks, auf deren Schutz sich die Arbeit der Feuerwehr zur Zeit ausschließlich konzentriert, sind bereits der­art erhitzt, daß große Dampfwolken aufrischen, wenn sie von dem Wasserstrahl ge­troffen werden. Die Feuerwehren der ganzen Ämgegend sind zusammengezogen. Aus dem etwa 40 Kilometer entfernten Leeds ist eine mit chemischen Feuerlöschmitteln ausgerüstete Spe­zi a l w e h r herangezogen worden. Don London ist schon gestern abend eine große Sendung Chemika lien, die sich zur Feuerbekämpsung eignen, mit einem Schnellzug nach Hüll ge­schickt worden. Der Brand konnte erst am Mitt­woch in den Mittagsstunden gelöscht werden.

Keine Mechanisierung des -Glücks.

Die Verwaltung der Preußisch-süddeut­schen Klaffenlotterie hatte die Frage ge­prüft, ob sich die Ziehung auf rein mechanischem Wege durchführen ließe. Die vorgeführten Maschinen wiesen aber alle den Mangel einer großen Kompliziertheit auf. Da bei der Lotterie­ziehung das Haupterfordernis die vollendete Durch­sichtigkeit des Vorganges ist, konnten alle diese umständlichen Maschinerien nicht befriedigen, und das Präsidium und die Direktion der Staats­lotterie kamen schließlich zu der Auffassung, daß sich eine absolute Sicherung auf maschinellem Wege noch viel weniger erreichen läßt, als bei der Ausführung durch menschliche Kräfte.

Verhängnisvolles Spiel mit Streichhölzern.

53 Häuser der in der Rähe von Warschau gelegenen Ortschaft Karczew wurden durch Feuer vernichtet. 200 Personen sind obdachlos. Ein Kind, das mit brennenden Streichhölzern ein Kaninchen aus einem Dersteck treiben wollte, hat den Brand verursacht.

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Wettervoraussage.

Der Tiefausläufer, der gestern über Frankreich lag, hat sich über Deutschland ausgedehnt. Be­reits in den gestrigen Abendstunden kam es in unserem Bezirk zu Riederschlägen, jedoch von geringer Art. Eine weitere Beeinflussung der Wetterlage findet nicht mehr statt, wenn' auch zunächst noch ozeanische Luftmassen nach dem Kontinent gelangen. Sie werden wohl Bewöl­kung mit sich bringen, aber kaum zu Rieder- schlÜgen führen.

Wettervoraussage für Freitag:

Wolkig mit Aufheiterung, Temperaturen nur wenig verändert, meist trocken.

Lufttemperaturen am 18. September: mittags 23 Grad Celsius, abends 17 Grad: am 19. Sep­tember: morgens 16,2 Grad, Maximum 23 Grad, Minimum 14,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 18. September: abends 20,9 Grad: am 19. September: morgens 17,4 Grad CelsiuS. Riederschlag 0,1 mm. Sonnenscheindauer 78/< Stunden.

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