persönlich meine, bah im heutigen Staat diese Gesandtschaft nicht mehr notwendig sei. Wenn man mit Mehrheit die wieder vorliegenden Anträge auf ihre Beseitigung annehme, werde er dieser Position keine Träne nachweinen.
Bei den Abmachungen mit Hamburg hat sich gezeigt, daß bei beiderseitigem guten Willen sich eine gewisse Vereinheitlichung im Reiche durch organisch-zweckmäßige Gestaltung erzielen läßt, ohne daß deshalb neue Behörden aufgezogen werden. So stelle ich mir auch die weitere Entwicklung der ganzen Reichs - r e f o r m vor. Es geht jedenfalls nicht so weiter, daß vom Reich durch Reichsgeseh nicht nur Befugnis >e den ßänöcrn abgenommcn, sondern daß auch für ihre Durchführung immer wieder neue Reichsbehörden ausgemacht werden. (Zustimmung.» Der Dualismus wird immer schlimmer, wenn auf immer weiteren Gebieten Reichs- und Länderbehörden nebeneinander stehen. Augenblicklich haben wir aber noch eine Menge Zwergländer, die ihrer Struktur nach nicht imstande sind, die ihnen vom Reich zu übertragenden Aufgaben zu erfüllen. Es ist nicht das Bestreben Preußens, sich solche kleinen Länder anzugliedern: aber es dürste zwang-- läufig sein, daß diese kleinen Länder, die innerhalb Preußens noch bestehen, allmählich zu Preußen kommen. Wir drängen die kleinen Länder nicht, entziehen uns aber auch nicht den Rot- wendiglcitcn, wenn in den Ländern die Erkenntnis von der Zweckmäßigkeit des Anschlusses selbst gereift ist.
Der Beamte ist aber auf Grund seine- Diensteides zur Treue zur Verfassung, zum Gehorsam gegenüber den Gesehen und dazu verpflichtet, die Verfassung gewissenhaft zu beobachten. Wei- 1er ist dem Beamten durch daS Gesetz zum Schuhe der Republik untersagt, in der Oeffent- lichkeit gehässig oder aufreizend die Bestrebungen zu fördern, die auf Wiederherstellung der Monarchie oder dem Bestand der Republik go- richtet sind, und eS ist ihm weiter untersagt, Bestrebungen auf Verächtlichmachung der republikanischen StaatSform oder ihrer Repräsentanten zu unterstützen. Wenn Sie sich die Haß-Parole des Stahlhelms vergegenwärtigen, und weiter den Kaiser-Geburtstags-Artikel deS Organs diese- Bundes „Slahchelm", so hat der Stahlhelm selbst die Frag« aufgeworfen, daß die Regierung sich sehr ernstlich damit zu ^beschäftigen hat, ob sie Beamt«, die dem heutigen Staat den Treueid g> leistet haben, sich im Stahlhelm noch betätigen lassen will.
Oes Stahlhelms Antwort an Braun.
Eine Entschlictzung des Bundesvorstand-.
Magdeburg, 18. Febr. (Tel.) 3n der Dun- desvorstandssitzung des Stahlhelms, Bund der Frontsoldaten, wurde einstimmig eine Entschließung gefaßt, in der eS u. a. heißt:
Der preußische Ministerpräsident Braun hat der Öffentlichkeit mitgeteilt, im Schoße der preußischen Staatsregierung werde ernstlich die Frage erörtert, ob e- mit der Stellung der Beamten noch weiter vereinbar sei, wenn sie sich aktiv im Stahlhelm betätigten. Er beruft sich dabei auf ein« Kundgebung des Stahlhelm-, Landesverband Brandenburg, in welchem dem augenblicklichen Staatsaufbau der Kampf angesagt wurde und auf einen Kaifer- GeburtstagS-Artikel der Stahlhelm-Zeitung. in welchem da- TreueverhältniS des nationalen Frontsoldaten zum ehemaligen Obersten Kriegsherrn unterstrichen wurde. Die in Magdeburg zur Bundesvorstandssitzung versammelten Führer des Stahlhelms erklären dazu, daß sie den Kamps um die verfassungsmäßig sestgelegten Rechte des Beamtentums auf freie politische Betä 1 igung rücksichtslos aufnehmen und durchkämpfen werden. Ein Recht, das die sozialdemokratischen Machthaber den Kommunisten einräumen, kann den Beamten, die aktiv im Stahlhelm Mitwirken, nicht vorenthalten werden. Ein Treucverhältnis, das den höchsten Repräsentan- ten des Reiches, den Reichspräsidenten von Hindenburg, an den früheren Monarchen innerlich bindet und ihn zu einem Geburts- lagöglückwunsch veranlaßt hat, kann den Beamten des Reiches und der Länder nimmermehr zum Vorwurf gemacht werden. 3m übrigen sind die sozialdemokratischen Machthaber besonders ungeeignet, sich als Schützer des Staates aufzuwerfen, da sie in jahrzehntelanger Arbeit den früheren Staat hochverräterisch-revolutionär unterwühlt haben und auch heule kein Hehl daraus machen, daß sie den gegenwärtigen Staatsaufbau in der Richtung der Diktatur des sozialdemokratisch en Proletariats, d. h. in der Richtung zum bolschewistischen Staat .weiter umformen wollen *
Ein Steuerkompromiß?
Berlin, 18. Febr. (Priv.°Tel.) Der Ausschuß des R e i ch s r a t e s hat sich nach seiner Tagesordnung dieser Woche mit den Steuervorschlä- g e n des Reichsfinanzmini st ers zu beschäftigen und dabei endgültig die Frage der Steuererhöhungen zu klären. In diesem Zu- sammenhange wird uns mitgeteilt, daß man bereits in Kreisen des Reichsrates ein Kompromiß ausge- arbeitet hat, das, vorausgesetzt, daß es angenommen wird, geeignet sein Dürfte, die Parteien des Reichsrates doch unter einen Hut zu bringen. Wir glauben zu wissen, daß sich dieses Kompromiß aus Kürzungen des Haushaltsvoranschlages, Herabsetzung der geplanten Diersteucrerhöhung, um damit Bayern und die Bayerische Dolkspartei geneigter zu machen, weitere Erhöhung des Branntweinmono- p o l s, evtl. Weglassung der Erbschaft», und 23er- mögensstcuer, zusammensetzen soll. Di« endgültige Verabschiedung des Etats im Reichsrat wird in der letzten Fcbruarwoche vorgenommen werden, da die erste Lesung des neuen Haushaltsplanes bekanntlich am 28. d. M. mit einer großen Rede des Reichs- sinanzministers eröffnet werden soll.
Da nach den neuesten Dispositionen für die nächsten Wochen mit keiner Fortsetzung der Koalitionsverhandlungen sowohl im Reiche als auch in Preußen zu rechnen ist, gehen die Etatsbera- hingen in der derzeitigen losen Par- ieibilbuno vor sich. b. h. die einzelne Entscheidung muß von Fall zu Fall getroffen werden. Trotzdem kann schon heute damit gerechnet werden, bah bei aller Schärfe der Debatte ein« Einiaung über die Frage des Etat- erzielt werden wird.
Fortdauer der Kälteperiode.
Der Eisstand auf dem Rhein.
Die Rheinstrombauverwaltung teilt mit: Die auf dem Oberrhein bei Gernsheim südwestlich Darmstadt beginnende Eisdecke hat sich über Mannheim hinaus bis Germersheim ausgedehnt. Oberhalb herrscht mittleres bis starkes Eis - t reiben. Der Sisstand im Mittelrhein reicht nunmehr von der Loreiey bis Erbach (Rheingau) und, abgesehen von der hier beginnenden etwa einen Kilometer langen eisfreien Stromstreckr über Mainz hinaus bis Rackenheim.
Bis Unckel traten zweimal Eisstockungen ein, btt aber zu keinem dauernden Eissland führten. Im übrigen herrscht im Mittel- und Niederrhein Eistreiben, das stromab an Stärke zunimmt, bis zu der oberhalb Orsoy (bei Hamborn) beginnenden und bis Nymwegen durchgehenden Eisstockung. Die Zurückhaltung des Wassers oberhalb der gewaltigen Eisversetzung im Mittelrhcin bewirkt vor- übergehend ein bisher noch nicht beobachtetes Fallen der Pegel stände unterhalb St. Goar. Der Koblenzer Pegler, dessen bisher bekannter Tiefstand 0,62 Meter betrug, zeigte Samstagmorgen 0,06 Meter, stieg jedoch bis 20 Uhr wieder auf 0,41 Meter. Nach der Sondermeldung der Aachener Wetterwarte wird die am Nieder- und Mittelrhein bei Kälteabnahme herrschende Neigung zu geringen Schneefällen burd) eine neue Ostströmung eingeschränkt, so daß wieder eine Abkühlung zu erwarten ist. Der Rhein halte in Köln am Sonntagabend einen Pegelstand von 0,28 Meter, d. b., 34 Zentimeter unter dem bisher bekannten tiefsten Stande.
(Schwere Schneestürme in polen.
3nfolge der in Polen wütenden Schneestürme und Schneeverwehungen ist der Dahn-. Autobus- und Automvbilvcrlehr lahmaelegi. 3n O st - ga lizien, vor allem zwischen Lemberg und StaniSlau, ist der Dahnverkehr ganz eingestellt worden. Der nach Lemberg entsandte Sonderzug, mit dem sich der Sektionschef im Eisenbahnministerium, Cn.-enieur Ezechanows i, zur Reuregelung des Verkehrs nach Lemberg begeben wollte, ist auf der Strecke stecken geblieben. Etanislau ist von der Welt a b g e »
schnitten. Auf der nach Lemberg führenden Strecke zwischen Przemysl und Rzeczow liegen ganze Güterzüge fest. Tarnopol, der wichtigste Knotenpunkt im äußersten Teil des südöstlichen Polens mit der Wojwodschast und zahlreichen Aemtern, steht seit einer Woche nur mittels Radio mit den Warschauer Ministerien in Verbindung. Demnächst soll durch Militärflugzeuge eine Rotverbindung hergestellt werden.
Norwegen — das Land ohne Rekord« froste.
Oslo. 16. Febr. (WTD.) Bisher ist Ror- toegen im allgemeinen von den tiefen Temperaturen und den bajj.i verursachten großen Der- sorgungsschwierigkei.en verschont geb.Lben, die die anderen Länder heimgesucht haben. Rur im südlichen Teil des Landes, in der Gegend von A r e n d a l, hat in den letzten vier Ligen ein furchtbarer Schnee sturm gewütet. Arendal ist fast vollständig eingeschneit: jeglicher Eisenbahn- und Autoverkehr ist unmöglich geworden. Seit Donnerstag hat die Stadl keine Post mehr erhalten: und jetzt beginnt auch das Fehlen von Lebensrnitteln fühlbar zu machen, da die Fleisch- und Fischzufuhren vollkommen eingestellt werden muhten.
Nordseeinscln werden durch Flugzeuge verproviantiert.
Die 3nfeln Wangeroog, Aorderney und Borkum find vollkommen vom Eis eingeschlossen. Ton Dilhclmshaven-Rüstringen aus werden sie durch Flugzeuge mit Lebensrnitteln und Post versehen.
Kabclslöruug als Folge des Frostes.
Ungefähr 800 der Fernsprechteilnehmer E s - fens wurden am Sonntag durch eine plötzlich gegen Mittag aufgetretene Kabelstörung, von der besonders daS Rord-Süd- und ein DerbindungS- kabel betroffen wurden, ausgeschaltet. Die Störung ist auf den Frost zurückzuführen. Die Folgen dieser Störung werden sich erst im Lause des Montag auswirken, da der Schaden so bald nicht behoben fein dürfte.
Aus aller Wett.
Explosion eines Gasbehälters in Berlin.
Am Sonntag gegen 3 Uhr morgens wurde auf der Gasbehällerstation Seilerstraße einer der vier Gasbehälter durch Explosion aus bisher noch nicht bekannter Ursache zerstört. Ren- nenswerte Beschädigungen an den umliegenden Gebäuden sind nicht eingetreten, insbesondere sind die drei übrigen Gasbehälter völlig unbeschädigt geblieben. Glücklicherwei e sind auch Menschenleben nicht zu beklagen. Soweit bisher feststeht, sind zwei Straßenpassanten in das Dirchow-Kraickenhaus ein geliefert worden, und zwar der eine mit einer Handverletzung, der andere mit einer Rückenverlehung. während nach Angabe des Rettungsamtes vier weitere Personen in ihre Wohnungen entlassen toorben sind. Der explodierte Gasbehälter hatte ein Fassungsvermögen von 27 000 Kubikmetern. Die Explosion war so stark, daß zentnerschwere Steinblöcke bis auf die Straße geschleudert wurden und infolge des eminenten Luftdruckes die hohe Grundmauer auf einer Strecke von etwa 50 Metern sich umlegte.
Rach den übereinstimmenden Bekundungen der Bewohner ter Gegend am Wedding, die aus den umliegenten Häusern größtenteils panikartig flüchteten, kündigte sich die Katastrophe durch ein unheimliches weithin vernehmbares Zischen an. 3m nächsten Augenblick e:t5nte eine ungeheure Detonation. Während von allen Seiten Mauersteine, Zementblöcke. Eisenträger usw. auf die Straße und die umgebenden Wohnviertel prasselten, klirrten bis zur Chaussee- und Fennstraße die Fensterscheiben ans Vorderhäusern. Hintergebäuden, und von allen Seiten ertönten die Schreckensschreie der größtenteils nur notdürftig begleiteten Bewohner, dir in wilder Panik aus den Häusern auf die Straßen eilten und kopflos umherirrten. 3m ersten Augenblick wußte selbst die Feuerwehr nicht, ob eS ratsam wäre, die Löschmannschaften unmittelbar an der Trümmerstätt« anzusetzen, da man in jedem Augenblick die Explosion auch des zweiten, nur 50 Meter entfernt liegenden Behälters befürchten muhte. Das -Kommando .Freiwillige vorl' ertönte und trotz der ungeheueren Gefahr taten die Feuerwehrleute ihre Pflicht, und legten von den vereisten Hydranten her über Mauertrümmer ihre Leitungen und begannen riesige Wassermcngen in den Trichter zu schleudern, in die Trümmer des Gasbehälters, di« ein Flammenmeer bildeten. Gleichzeitig wurde das Hauptaugenmerk auf den Schutz deS zweiten Behälters gerichtet, besten Zuleitung schleunigst abgesperrt wurde, während die dem Brande zugekehrte Seite ständig unter Wasser gehalten wurde.
Tragische Folgen einer Gewaltkur.
Ztoei junge Mädchen aus Damerow in Mecklenburg kamen von einem Tanzvergnügen mit vollständig erfrorenen Füßen naa) Hause. Als die eine versuchte, ihre Füße m i t heißem Wasser aufxutauen, platzten Lj re Waden auf und sie starb an den 'Folgen ihrer vernunftlosen .Kur". Dem anderen Mädchen mußten in der Klinik zu Greifswald beide Deine amputiert werden.
Gin französisches Schloß durch Feuer zerstört.
Das aus dem 16. Jahrhundert stammende Schloß Du Moisnie bei Wattignies, in der Nähe von Lille, ist durch Feuer zerstört worden Infolge des Wasiermangels war es unmöglich, das Schloß, das wertvolle Kun ft schätze, darunter kostbare alte Wandteppiche und alte Möbel enthielt und u n • ter ft a a 11 i d) e r Verwaltung stand, zu retten. Der Schaden soll sich auf 4 bis 5 Millionen Franken beziffern.
Die „Emden In Konstantinopel.
Ein« Oloorbnunj der „Emden" unter Führung des Kommandanten legte einen Kranz auf dem Eh renf riebhof in Therapia nieder in Anwesenheit des deutschen Botschafters und seiner GaUin und von Vertretern der deutschen Kolonie. Marinepfarrer Ronneber,t hielt (ine Ansprache- RachmittagS war Bordfest auf der „Emden" für die deutsche Kolonie, abends gab der deutsche Botschafter einen Ball für die Offiziere und d'.e Kadetten der .Emden", an dem di« Spitzen der
städtischen Behörden, die deutsche Kolonie und die österreichische Gesandtschaft teilnahmen. Die »Emden" ging um 4 Ufjr morgens unter türkischem Salut in See.
Thealerfkandal in Nenyork.
3n einem Reuyorkec Theater hat bte Polizei sämtliche Darsteller eines Theaterstücks wegen groben Unfug» verhaftet. Die Behörden sind mit einer Balteszene nicht einverstanden, wo einige Mädchen im Dadekostüm auf- treten und andere ihre Schuhe und Strümpfe auszießen. Die Polizei erklärte aber, daß sie bei der Erofsnungsaorstellung erheblich mehr au-gezogen haben, worauf zahlreiche Prot^t- brief« bei den Behörden eingegangen seien.
Unter dem verdacht der Spionage festgenommen.
. In Kempten (Allgäu) wurde ein tschechischer Offiziersschüler, der sich seit Mitte Januar hier unter falschem Namen aufhielt und an- gibt, daß er aus dem tschechischen Heere desertiert sei, unter dem Verdacht der Spionage feftgenommen.
25 Millionen AnsalldersiHerte.
Rach der letzten amtlichen Zählung des Reichs- Versicherungsamtes sind im 3ahre 1927 rund 25 Millionen gegen Lin fall versichert gewesen. Dazu kommen noch die in dieser Summe nicht erfaßten Versicherten bei den 14 Zweiganstalten der Baugewerts-, Tiefbau- und Seeberufsge- no?senschaiten. 3m gteichen 3ahr bestanden zum Zweck der Durchführung der Unfallversicherung 106 Derusszeno.senschaften, von denen 40 land- und forstwirtschaftlicher und 66 gewerblicher Ra- tur waren. Zu diesem ungeheuren Apparat kommen aber noch 164 Ausführungsbehörden für De triebe des Reiches und der Länder und 335 provinziale Kontrollstellen, so daß im ganzen nahezu 500 Ausführungsbehörden im Bereich der Unlackversicheeung bestehen. Der Unfallverfiche- rung unterlagen bei den gewerblichen Berufs- aenofsenschaften 875 874 Betriebe und bei den land- und forstwirtschaftlichen 4 604 900 Betriebe, so daß im ganzen nahezu 5,5 Millionen Betriebe in den Dere.ch der Unfallversicherungen gehören. Dazu kommen aber noch di« Reichs- und Staatsbetriebe, die allein noch einmal an 900 000 versicherte Personen zählen.
Ein Prinz al- Obdachloser.
Auf dem Transport nach der Berliner städtischen Krankenanstalt Wuhlgarten ist der mittel- und wohnungslosc Prinz Alexander von H o h e n l o h e - O e h r i n - gte n plötzlich verstorben. Er hatte seit etwa fünf Monaten bei einem Restaurateur in der Bülowstraße Unterkunft und Verpflegung gefunden. Als ihm nun bekannt wurde, daß der Restaurateur am 1. Februar das anderwärts verpachtete Lokal verlassen sollte, erlitt Hohen» lohe-Oehringen einen Tobsuchtsanfall und ist auf dem Wege zur Krankenanstalt an epileptischen Krämpfen gcstorben. Die „D. Z." erinnert daran, daß Prinz Alexander v. Hohen- lohe-Oehringen, der 1871 in Lindau als Sohn des Prinzen Felix v. Hohenlohe und einer Prinzessin von Hanau geboren worden ist, schon seit 3ahrzehnten aus dem standesherrlichen Hause ausgeschlossen war. 3m Fahre 1923 ist der Verstorbene in einer Betrugsangelegenheit von Wien aus steckbrieflich verfolgt und trotz des in dieser Sache erfolgten Freispruchs aus Oesterreich a u 8 g e to i e f e n worden. 3m März 1926 wurde er bei einer Polizeirazzia in Budapest in völlig verwahrlostem Zustand aufgegriffen, ebenso später in ähnlichem Zustand in Frankfurt a. M.
Fünf Schmuggler von einer Lawine gelötet.
Wie die ,Lnnsbrucker Nachrichten" vom Brenner melden, unternahmen am 31. Januar 5 Schmuggler einen Gang von Pfitsch aus den Wolfe n d o r n im Brennergebiet, um Waren nach Oesterreich zu schmuggeln. Sie kehrten jedoch nicht mehr in ihre Heimat zurück. Am 9. Februar wurde einer der vermißten Schmuggler südlich des Wolfendorn unter einer Lawine als Leiche a u f g e f u n b e n. Ohne Zweifel sind auch die übrigen vier Schmuggler brr Lawine zum Opfer gefallen. Ihre Leichen konnten bisher noch nicht ge- orgen werden.
Aus der provinzialhaupisiadt.
Gießen, den 18. Februar 1929.
Oie Streupflicht bei Glätte.
Trotzdem im allgemeinen die Haftung des Haus» eigentümers bei Unfällen, die dadurch entstanden find, daß bei Glatteisbildung vor dem Hause nicht rechtzeitig gestreut wurde, bekannt ist, wird diese gesetzliche Verpflichtung oft genug überfehen. Von großer Wicht gkeit für alle Streu- pflichtigen ist nun eine neue Reichsgerichtsentschei« duna vom 24. Januar d.I. Ein Polizeibeamter in Kassel kam am 11. März v. I. auf dem Bürgersteig vor der Artilleriekaserne infolge von Glätte zu Fall und zog sich einen Bruch des Fußgelenks zu. Der Verunglückte hat gegen bie Stadtgemeinde als Mieterin der im Eigentum des Reichsftskus stehen, den Kaserne, Schadenersatzklage erhoben und außer Ersatz des bereits entstandenen Schadens ein Schmerzensgeld von 300 Mark und'die Feststellung der Beklagten zum Ersaß allen weiteren Schadens verlangt. Das Landasricyt erkannte die Klage an, das Oberlandesgericht Kastel wies die Klage ab. Das Reichsgericht hat das Urteil des Obcrlandesge- ridjts aufgehoben und die Entscheidung an einen an» deren Senat des Oberlandesgerichts überwiesen. In den Entscheidungsgründen dieser Instanz heißt es nun: Die Streupflicht der Stadtgemeinde ergibt sich schon daraus, daß sie das Kasernengebäude zur Einrichtung von Notwohnungen als Ganzes vom Eigentümer gemietet hat. Rechtsirrig hat das Oberlandesgericht aber angenommen, daß die Stadtgemeinde schon dadurch entlastet sei, daß sie mit der Streupflicht einen als geeignet erscheinenden Klempner — der neben anderen Mietern zu den Hausverwaltern der 90 Notwohnungen gehörte — beauftragt halte. Der Streupflichtige hat vielmehr die betreffende Person auch in der Ausführung ihrer Pflichten fortlaufend zu überwachen. Sofern eine juristlsche Person als streupflichtig in Betracht fomtfit, haben ihre verfassungsmäßigen Vertreter für eine Kontrolle hinsichtlich der Ausübung der Streupflicht zu sorgen. Wenn der betreffende Haus- Verwalter sich auch bisher als zuverlässig bewährt hatte, so ist doch nicht festzustellen, daß er in bezug auf die Erfüllung der Streupflicht kontrolliert roor- den ist.
Kreiskassedirelior Kauß t-
Nach kurzer Krankheit ist am Freitagabend infolge eines Herzschlages der Direktor der Gießener Kreiskasse, Herr Adam Kautz, im Alter von 59 Jahren verstorben. Der Verewigte wurde am 8. Juni 1869 in Weitershain (Kreis Gietzen) geboren. Am 7. Juni 1883 trat er bei der Provinzialdirektion Oberhessen und dem Kreisamt Gießen als Gehilfe ein. Vom 10. März 1885 bis 29. August des Jahres war er beim Unioerfitätsrentamt beschäftigt, nein 1. September 1885 bis 31. Dezember 1836 arbeitete er bei dem Kreisamt Alsfeld, vom 15. Januar 1887 bis Ende Februar 1890 bei dem Provinzial- und Kreiskasterechner Grüneberg in Gießen, vom 1. Mörz 1890 bis 30 September 1894 als elfter Gehilfe b?i der Stadtkaste Gießen. Am 1. Oktober 1894 wurde er als Kreiskasterechner angestellt und erhielt bann am 19. Dezember 1901 auch die Provinzialkasse übertrageif, deren Rechner er bis Ende Mai 1919 war. Am 1. Juni 1919 erfolgte die Trennung dieser beiden Kassen, da der Umfang der Rechnerae schäfte der Kreiskasse die Bestellung eines besonderen Rechners notwendig machte. Herr Kautz war außerdem vom l.Mai 1901 bis 8. Juni 1C04 Rechner der israelitischen Religionsgemeinde in Gießen und seit 6. Januar 1903 Rechner der Landjudenschaft der Provinz Oberhessen. Weiter verwaltete er in früheren Jahren die Quäftur unserer Universität, oen geistlichen Landkasten, außerdem bis zuletzt die Kastengeschäfte des Gleibergoereins. Von 1917 bis 1928 gehörte er auch dem Kirchenvorstand der Mor- kusgemeinde an, 1928 wurde er auf feinen Wun'ch von diesem Amte entbunden. In allen feinen Obliegenheiten handelte er stets mit ganzer Hingabe seiner Persönlichkeit und m:t größter Gewissenhaftigkeit und Treue. Daher erfreute er sich sowohl als Beamter von vorbildlichem Pflichtbewußtsein, wie auch als allezeit entgegenkommender und liebenswürdiger Mensch überall der größten Wcrtsch^ung. Das Andenken an diesen ausgezeichneten Mann wird bei allen, die mit ihm dienstlich oder gesellschaftlich Beziehungen hatten, stets in hohen Ehren fortleben.
Die landwirtschaftliche Umstellung im Vogelsberg.
Am nächst«« Samstag findet m Ulrichstein in der Gastwirtschaft von Groh eine Versammlung der Landwirt« im westlichen Vogelsberg statt, die sich, ebenso wie die kürzliche Versammlung in Hartmannshain, mit der Frag« der landwirtschaftlichen Umstellung im Vogelsberg beschäftigen soll. Minister Korell wird auch hier die Verhandlungen persönlich leiten.
Daten für DienStaq, 10 Februar.
Sonnenaufgang 7.07 Uhr, Sonnenuntergang 17.21 Uhr. — Mondaufgang 11.43 Uhr, Mond- untergang 4.29 Uhr (Nordwende).
1473: der Astronom Nikolaus Kopernikus in Thorn geboren (gestorben 1543); — 1731: Frau- Rat Goethe, Goethes Mutter, in Frankfurt a. M. geboren (gestorben 1808); — 1745: der Physiker Alexander Gras Volta in Como geboren (gestorben 1827); — 1859: der Astronom und Physiker'Svantc Arrhenius in Wyk bei Upsala geboren (gestorben 1927^; — 1865: ter Forschungsreisende Sven Hcdin in Stockholm geboren; — 1927: der Literatur- Historiker Georg Brandes in Kopenhagen gestorben (geboren 1842).
Borrwtizen.
— Tageskalender für Montag. F.G.F.. Monatsversammlung, 8.30 Uhr, bei Kamerad Dippel. L chtspielhavs, Bah, hosstratze: „Liebfraumilch— Astoria-Lichtspiele: „Der Gefangene auf der Teufels- insel".
— Stadttheater Gießen. Aus dem Stadtthcaterburcau wird uns geschrieben: Morgen Dienstag. 19. Februar, geht zum letzten Male Otto Ernsts »Flachsmann als Erzieher" durchs Abonnement. Die Rolle des Schulrat Prell hat wegen Erkrankung des Herrn Volck Herr Ebert-Grassow. — Franz Molnar- „Olympia" wird am Mittwoch, 20. Februar, zum zweiten Male wiederholt. — Als allgemeine Volk-vorstellung geht am Freitag. 22. Februar, außer Abonnement zu ermäßigten Preisen Dayard DeillerS .Der Prozeß Mary Dugan" in Szene. —.Die letzte Aufführung von .Karl und Anna" ist am Sonntag, 21 Februar, als Fremdenvvrstellung. - Für die dritte Veranstaltung des KammerzylluS ist e? der 3nlendanz gelungen, das Theater der musikalischen Komö-
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