Samstag, November 16st929
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. 270 Zweites Blatt
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i »u der Räumungsverpslichtung klar bekannt und Hot dabei teilnahmsvo.le und würdigende Worte
für Stresemann gefunden. Man fah aber aus der
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In diesem Augenblick sprengte eine Kavalkade heran. General Grande-Maison war mit seiner Hauptmacht nachge^ückt; die Kontrahenten wurden getrennt, der General empfing Bericht, schickte den Chevalier in Arrest, schiittelle dem Hauptmann Ca- sella, hingerissen von Bewunderung, beide Hände, und vollzog am Nachmittag Punkt für Punkt die Bedingungen. Auf zwei Wagen wurden die Kanone. Gewehre, Munition, Lebensmittel und Gepäck verladen, und von einer französischen Ehrenwache eskortiert, mit einem auszeichnenden Handschreiben des Generals versehen, ruckte in der Abenddämmerung Hauptmann Casella ab nach Porto Vecchio, Pasquale Paolis Hauptquartier, von wo er sich, in der Suite seines Führers, wenige Tage später nach England einschiffte.
die Verständigung mit Amerika, die Macdonald als Vertreter des „englischen Volkes",
aus a uf diele Zusammenhänge zu sehen und umgekehrt in ihrem Lichte und in ihren Möglichkeiten die nächsten Aufgaben bc3_ TZoung-Plans und des deutsch-polnischen Verhältnisses anzufassen und zu lösen. Dazu muh man allerdings das Gesamtwcltbild. das sich so ergibt, übersehen und genau erkennen, um es für Deutschlands Interessen wirklich nutzbar zu machen, um aus den groben Veränderungen und Verschiebungen der weltpolitischen Struktur, die wir heute erleben, das Acuherste für Deutschland herauszuhohlen!
Debatte, dah die Haager Fragen für England eigentlich schon sehr als erledigt gelten. Anderes steht im Vordergründe. Zunächst
weiße Fahne wurde geschwenkt, das Turmtor knirschte und öffnete sich langsam und schwerfällig, und heraus trat mit Degen, Pistolen und einer
Wurde." ~
Der Verzicht auf das Mandat im Irak wurde nicht weiter berührt und ist so vom Parlament hingenommen. Die delikateste Frage aber ist 2 n d i e n. Cs ist keine Krise daraus geworden. Alle Parteien sehen, was daran mit einem Streit der Parteien verdorben werden könnte, und so verflog schnell der Schein einer Krise. Man ist einig darin, dah Indien die Erreichung der Stel.ung eines Dominion in Aussicht gestellt wird, aber zu einem Zeitpunkt, den man nid)t bezeichnet und der in weiter Ferne gesucht wird. Erst wird der Bericht der Simon-Kommission abgcwartet. Rur dah auch hier, in der größten Reichsaufgabe, die im nächsten Iahr vor dem Parlament steht, im großen und ganzen auch der „neue Geist" anerkannt wird, von dem die Labourregierung ausgehen will. Er soll gelten für die Besitzungen im vorderen Orient, wie Mesopotamien und Aegypten. Er soll gelten (das ist nun nichts neues) auch im Verhältnis zu den Selbstver- waltungsko onicn, für die die Erklärung von 1926 auch die Grundlage der Lal ourpo.itik ist.
Aber das al es ist nicht die Hauptsache, sondern das ist die innere Politik: die Arbeitslosigkeit, für die auch das Ladourkabinett kein rechtes Programm bisher zustande gebracht hat und die Kohlenkrise und natürlich der Kampf um das Budget, der im Februar beginnt. Jedoch: es drängen die auhenpolitischen Aufgaben immer wieder vor: die Vorbereitung für die Marinekonferenz, die am 20. Januar in London oder einem anderen englischen Orte beginnen soll, das Verhältnis zu Frankreich. bas Macdonalds Guildhallrede berührte, auch die ö st e r r e i ch i s ch e Frage, auf deren ernste und besorgniserregende Gefahren Hender- . fon in derselben Debatte hinwies, ilnö schließlich wieder das Verhältnis zu Amerika, das über die gewonnene Verständigung hinaus in ’ einer großen Rede Hoovers zum Waffenstill- slandstag am ll.Rovcmber wieder an einem •: triften Punkt berührt wurde.
Hoover stellt die Forderung auf. daß im Kriege ? die Hungerblockade ausgeschlossen sein ? müsse und er stellt sie als einen Teil des riesen- großen englisch-amerikaniichen Problems von der I ..oreiheit der Vteere". Wieder ein Schritt vor- tPärtjl Man sieht Hoovers Gedankengang vom Kcl.ogg-Pakt zur Secobrüstungsverständigung und
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Macdonalds Kurs.
Außenpolitische Umschau.
Äon Dr. L-tto Hoehsch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Berlin, M. d. ZR.
Macdonald hat vor seinem Parlament sich
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Hochschulnachrichien.
Dr. Hendrik de Man in Frankfurt a. M. ist beauftragt worden, in der Wirtschafts- und sez'alwissenschaftlichen Fakultät der dortigen Uni» rcrfität vom Wintersemester ab die Sozialpsychologie und die Sczialpädagogik in Vorlesungen und Hebungen za vertreten. — Di« Ernennung des Privatdoz?nten Dr. Eduard v on I a n zum ordentlichen Professor der romanischen Philologie an der Universität Greif swald als Dachsolger von <8. Lommatzsch tft erfolgt.
„aber ich kann sie im allgemeinen andeuten. Es handelt sich zunächst um die Rheinfrage."
Da es mir um eine genaue Feststellung zu ist. lese ich meinen Briefwechsel mit dem Ministerpräsidenten vor. 3m Schreiben des letztern vom 9. April findet sich das Wort „beraten" : dieses Wort ließ mich glauben, es handle sich um eine Besprechung der militärischen Friedensbedingungen in meiner Gegenwart. Außerdem verlangte ich die Anfertigung eines Protokolls, damit kein
zur Freiheit der Meere. Vergessen wir nicht in unseren inneren Sorgen und dem Kampf um den Voung-Plan diese großen Fragen -und Auseinandersetzungen! Sie berühren auch uns in der Weiterwirkung, in dem Verhältnis Englands zwischen Amerika und Europa. Diese Forderung der Angelsachsen lausen den deutschen Interessen durchaus gleich. Die deutsche Außenpolitik, an deren Spitze eben ein neuer Herr endgültig ernannt wurde, hat alle Veranlassung, über die nächsten Aufgaben, Voung-Plan und Polen, hin-
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Der politische Journalist Raymond Re- couly war viel mit Foch zusammen. Die wichtigsten Unterredungen mit ihm aus der Zeit von 1919 bis 1928 hat er zur Veröffentlichung ausgezeichnet und dem Marschall vorgelegt, der sie guthieß und nur geringe Aenderungen vornahm. Uns liegt die deutsche Uebersetz-.ng vor, die unter dem Titel „V o n der Marneschlacht bis zur Ruhr" im Verlag Paul Aretz in Dresden er cheint. W.r veröffentlichen mit Genehmigung des Verlags im fo'genden ein Stück aus der langen Kapitelreihe „Drama des Friedensvertrags". insbesondere den entscheidenden Vorgang: Foch kämpste mit aller Macht für die Rheingrenze und erreichte schließlich auch, daß der M nisterrat ihn anhörte: der Crsolg war aber, daß Clemenceau ihn endgültig fallen ließ.
„Am 25. April fand der berühmte M nisterrat statt, zu dem ich mir eine besondere Einladung erbeten hatte. Außer dem Präsidenten der Republik und allen Mitgliedern der Regierung waren -noch die französischen Delegierten, die nicht Minister waren, anwesend: die Herren Jules Cam- bon und Tardieu. Der General Weygand begleitete mich.
Rach Eröffnung der Sitzung erklärt Herr Clä- meneeau, daß ich bereits zweimal von den Regierungshäuptern gehört worden. Ich hätte das Verlangen geäußert, vor der endgültigen Be- schlußfassuna dem M.nisterrat beigezogen zu werden. Der M.nisterprä.ident habe die Führer der verbündeten Regierungen verständigt, daß er vor dieser Sitzung dem Vertragsentwurf nicht seine formelle Billigung erteilen werde. Die Frage sei also noch offen, und er lade mich ein, mit meinen Ausführungen zu beginnen.
Stets meinem Grundsatz getreu: „Worum handelt es sich eigent.ich?" er,uche ich. man* möge mir den vorläufig von den Regierungschefs angenommenen Entwurf in Gemäßheit des Schreibens des Ministerpräsidenten vom 9. April mit- teilen. Bevor ich darüber sprechen könne, müsse ich ihn zunächst kennen.
Richts war loaischcr und natürlicher, das müssen Sie zugeben. Aoer Clemenceau will davon nichts wissen. Der M.nisterrat werde sich darauf beschränken. mich anzuhören. Die Beratung fei Sache der Regierung und werde in meiner Abwesenheit stattfinden. Der Präsident der Republik sei übrigens derselben Ansicht. 2n diesem Augenblick macht Poincare, der. vergessen wir es nicht, nach Pflicht und Gewissen völlig auf niemer Seite ist, die Bemerkung, er habe es nicht begriffen, daß man die vorläufig angenommene Fassung mir nicht mitgeteilt habe, damit ich meine Ansicht darüber äußern könne.
„2ch habe nicht das Recht, diese Fassung bekanntzugeben", erwidert sofort Herr Clemenceau:
Wort verlorengehe.
Herr Clemenceau entgegnet, ein Protokoll laufe den Vorschriften des Ministerrats zuwider.
Da mifcht sich der Präsident der Republik zum zweitenmal ein und gibt zu bedenken, daß es sich nicht um einen gewöhnlichen M nisterrat handle, da die Delegierten der Frieoenskonserenz zu- gegen seien. Diese Vorschrift sei also nicht unbedingt anwendbar.
Demnach wird entschieden, daß der General Weygand berechtigt sei, Aufzeichnungen zu machen.
Herr Clemenceau erklärt, daß er weder eine Besprechung noch Beratung in meiner Gegenwart zulasse. Sollte sie dennoch stattfinden, so würde er sich augenblicklich entfernen. Der Marschall Foch sei hier, um seine Ansicht zu äußern, nichts weiter.
Hierauf geht er mit einigen Worten auf die Frage ein. Der Marschall ist der Ansicht, der Rhein müsse dauernd beseht gehalten werden. Herr Clemenceau dagegen meint, Frankreich solle in seinen alten Grenzen bleiben und sich mit dem ihm von England und Amerika angebotenen Bündnis zufriedengeben. Die Besetzung der Rheinlands sei im Prinzip als Garantie für die Zahlungen mit allmählichem Abbau aufrechtzuer- halten, und falls Deutschland säumig sei, hätte man das Recht, die frei gewordenen Gebiete wieder zu besetzen.
Der Präsident der Republik ersuchte mich, meine Ansicht kundzugeben und dabei darauf Rücksicht zu nehmen, daß der Ministerrat ohne Kenntnis des Ganzen sei. Hierauf könnten mir Fragen gestellt werden.
Run ergriff ich das Wort. Es ist mir unmöglich, sagte ich, den in Vorbereitung befindlichen Vertrag einer Prüfung zu unterziehen, da man es ablehnt, mich mit ihm bekannt zu machen. 2ch will also nur auf die militärischen Bedingungen eingehen, die ich stets als einen unerläßlichen Bestandteil dieses Vertrags angesehen habe. Darauf verlas ich meine Rote vom 10. 2a"uar, von welcher jedem Minister ein Exemplar übergeben worden war. Zugleich wies ich nachdrücklich auf das Gewicht hin, das der Feldmarschall Moltke stets auf den Rhein gelegt hatte, und faßte seine Ansicht in die Worte zusammen: „Zwischen Paris und Berlin ist die Entscheidung am Rhein zu suchen. Wer von den beiden Gegnern den Strom
ganz allein!"
Für einen jungen, ehrgeizigen Offizier ist sonderlich erhebendes Bewußtsein, an der Spitze zweier ^Regimenter zwei volle Tage lang gegen einen einzelnen Mann gekämpft zu haben: überdies besaß wohl der Chevalier wenig Sinn für Humor — kurz und gut: Scham und Wut rissen ihn zu einer Antwort hin, die er schon im nächsten Augen- blick bereute. Hauptmann Casella jedoch warf seine Flinte zu Bode und zog den Degen, entschlossen, sein Aeußerstes gegen den Beleidiger zu wagen. Der Chevalier zog gleichfalls, versuchte noch, den Streit gütlich bcizulegen, als aber nun Hauptmann Casella seinerseits eine Antwort gab, die an herab- würdigender Grobheit nichts zu wünschen übrig ließ, fiel er aus der Hauptmann parierte, und die Degen klingelten und blitzten lustig im SonnenlichL
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Foch verlangt die Rheingrenze.
Ein dramatischer Minist rrat vom 25 April 1019. - Das Dur« El6menccau- Foch. - Oes Marschal s Forderung nach der Rheingrenze abgelehnt.
Oer Turm von Nonza.
Anekdote von Ernst Sander.
Der Turm von Nonza, dessen schwärzlich-braune Trümmer unfern des Städtchens Pino an der kor- [iicben Westküste morschen, eins jener Bollwerke, die, im'Mittelalter zum Schutz des Landes gegen Seeräuber errichtet, des häusigeren am gebuchteten Strande dcr Insel anzutresfen sind, ist Zeuge einer Begebenheit gewesen, in welcher Heroismus und Lächerlichkeit sich auf eine nicht eben alltägliche Weise mischen.
Sie geschah im Jahre 1768, diese Begebenheit, «egen Ende des großartigen, v.erhundert Jahre wahrenden Freiheitskampfes der Korsen wider Genua, ihre blutsaugerische Schirmherrin. Die Republik Ge- T.ua war alt geworden; des aufreibenden Kleinkriegs, des launischen Wechsels von Sieg und Niederlage müde, hatte sie die Insel Korsika an Frank- icid) versäht chert, und Frankreichs Uebermacht und soldatischer Zucht" gelang überraschend schnell die Niederwerfung der unter dem großen Pasquale vaoli, ihrem letzten Helden, zäh und erbittert um ihre Unabhängigkeit ringenden Inselbewohner: nach ;mei glorreichen Siegen wurden ihre bunt zusammengewürfelten, schlecht ausgerüsteten und unzu- länglich bewaffneten Milizen vernichtend geschlagen. Sie zerstreuten sich In die rauben, schwer zugänglichen Bergwälder der Insel: Pasquale Paoli gelang es, mit einer Handvoll Getreuer Porto Dec- chio zu erreichen und die kleine Hafenstadt für wenige Wochen zu halten. Die übrigen befestigten Mtze ergaben sich einer nach dem andern der die Küste entlang marschierenden französischen Armee, m der lähmenden Erkenntnis, daß alles verloren, daß weiterer Widerstand sinnlos sei.
Im Turm von Nonza lag mit zwanzig Miliz- ioldaten, jungen Burschen, Knaben faft, ine kaum dcm Gewicht ihrer achtzehnpfündigen Flinten gewachsen waren, der alte Hauptmann Casella. Sie waren reichlich mit Munition und Lebensmitteln versehen, und überdies besaßen sie eine Kanone.
Ohne auf ernsthaften Widerstand zu stoßen, Rotten die Franzosen das Kap von Pino besetzt: im Morgengrauen schickten sie ein Häuflein gegen den -türm vcn? Nonza vor, in der sicheren Erwartung, kmh ihr bloßes Sichnähern hinreichen würde, die Besatzung ;ur Uebergabe zu zwingen. Lebhaftes, verteufelt gut gezieltes Gewehrfeuer empfing sie und 3mang sie zurück, unter Hinterlassung mehrerer -"ter. -sie ; lagerten außer Schußweite, ratlos, um die Vorhut der Armee abzuwarten, die sie unter dem -ö er epi Des Chevalier d'Aubray wenige Marschstunden hinter sich wußten.
Gegen Mittag langte sie an, zwei Regimenter stark. Ein Parlamentär wurde oorgeschickt, auf der
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in der Hand hat. kann stets sicher sein, den andern zu beherrschen."
Dann brachte ich die Rote vom 31. Marz zur Verlesung, in der ich mich gegen bestimmte Punkte des beabsichtigten Vertrags ausgesprochen hatte. Diese Rote wurde von den Führern der verbündeten Regierungen gelesen und blieb unbeantwortet. „Das war ihr gutes Recht", sagte ich. „Daß sich die verbündeten Regierungen für diese Frage nicht interessieren, mag hingehen: aber die sranzösische Regierung darf dies nicht tun.“ Dann fügte ich noch die gewichtigen Worte hinzu: „Angesichts einer durch die Zertrümmerung Rußlands viel drohender gewordenen Lage die offene Grenze von 1914 zu behalten und ürank- reich von neuem den Verwüstungen auszusehen, die es fünf 2ahre lang zu erdulden hatte, daS wäre das Verbrechen des Vaterlandsverrats. Gegen diese Gefahr gibt es nur ein Wittel: Di- Besetzung des Rheins."
Der Präsident der Republik unterbrach mich mit der Frage, ob im Falte eines Defensivbünd- nisses mit England und Amerika die sich ergebenden Sicherheiten jene am Rhein ersehen würden.
2ch erwiderte, daß mir die Bedingungen dieser Bündnisse nicht bekannt seien. Vorausgesetzt aber, sie seien noch so vorteilhaft, so würde es immer ein 2ahr wahren, bis England eine Qlrmec in Frankreich hätte. 2ch erinnerte an eine Erklärung Kitcheners, den man vor der Schlacht von Vpcrn um Truppen gebeten hatte, vom 1. Ro- vember 1914. „2m Monat August 1915“, sagte er, „werden wir 800 000 Engländer in Frankreich haben: vorher rechnen Sie auf nichts." älebri- gens werden die militärischen Verhältnisse Englands stets die gleichen bleiben: kein stehendes Heer, ein ungeheures Kolonialreich, aus dem man die Truppen zum Teil abberufen muß. Ilnö was die amerikanische Truppenmacht betrifft, so braucht sie wohl noch eine viel längere Zeit, mindestens zwei 2ahre. .
Somit gelangte ich zu dem kategorischen Schluß: Die Bündnisse bieten keine der notwendigen Sicherheiten.
Der Präsident der Republik fragte mich, ob Die -Neutralisierung des linken Users die Besetzung des Stromes ersehen könnte.
Diese Sicherheit, erwiderte ich. ist gleich Rull zu achten, wie es bereits in der Rote vom 31. Marz angegeben ist. Von den verbündeten Regierungen finde ich es begreiflich, daß sie zunächst auf ihre eignen 2ntereffen bedacht sind. Sie werden sich für die französischen nur insoweit einsehen, als die ihrigen nicht Darunter leiDen. Heute, vor Dem Ministerrat von Frankreich, muß man Die 2nteressen Frankreichs ins Auge fassen. Untre Truppen halten diese Grenze als unumgänglich nötig für unsere Sicherheit. Sie aus Der Hand zu geben, wäre Vaterlandsverrat. Möge der Ministerrat nach seinem Gutdünken diese Verantwortung tragen. 2n meiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber gebe ich klar und bündig meine Ansicht kund: 2ch halte die Ausgabe des Rheins für unzulässig.
Ein Minister, Herr Loucheur. warf hierauf die Frage auf, wie ich diese Besetzung des Rheins verstehe.
„Worum handelt es sich?" antwortete ich eingedenk meines Leitspruches. , „Um sichere Verteidigungsgrundlagen? Für diesen Fall muh man die Brückenköpfe beseht halten, Um Garantien für die Bezahlung Der deutschen Schuld? Dann muß man an Der Besetzung, solange es nötig ist, festhalten uuD auch noch, bis die ®inge_ in Deutschland so weit geordnet sind, daß wir über seine Absichten beruhigt sein können.
Man fragte mich, was nach meiner Meinung Frankreich tun solle, wenn es zwischen einem Bündnis und Der Rheinbesehung zu wählen hätte. Das ist, erwiderte ich, eine hochpolitische Frage. Die Verbündeten können uns doch wohl nicht als ! Feinde behandeln, weil wir feste und dauernde
Dunkel. Unangefochten sind sie in ihre Heimatdörfer gelangt.
Pünktlich zu der Stunde, die er selbst sich zum Antritt des Wachtdienstes befohlen hatte, schlug Hauptmann Casella die Augen auf. In der nächsten Sekunde war er sich darüber klar, daß er allein sei. Verfluchte Kerls! S.ch heimlich aus dem Staube zu machen! Hätten sie ihn wenigstens geweckt — dann würde Der Turm nicht die halbe Nacht ohne Bewachung gestanden haben. Mochten sie lausen, die jungen Schufte — er würde den Turm allein verteidigen.
D.e niedergebrannten Laaerfeuer der Franzosen glommen matt im Frühdunst, ein Hornsignal scholl herüber, als Hauptmann Casella seinen Turm in Verteidigungszustand setzte. Die Kanone war geladen und gerichtet: er legte in jede Schießscharte mehrere Gewehre und erwartete den Angriff.
Der ließ auf sich warten. Es ging bereits gegen Mittag, als die Franzosen zum Sturm oorrückten, wie am vorhergegangenen Tage, in ausgerichteten Linien, mit dröhnendem Marschschritt. Wieder donnerte ihnen ein Kanonenschuß entgegen und fegte eine breite Lücke in ihre Reihen, dann knallten in unregelmäßigen Abständen die Flinten. Und Die Franzosen liefen, liefen zurück, trotz des wütenden Geschreis ihrer Offiziere. Derweil lud Hauptmann Casella aufs neue seine Kanone und seine Gewehre und zündete sich mit der Lunte eine Pfeife an.
Abermals näherte sich ein Parlamentär und forderte zur Uebergabe auf: in Anbetracht Des Heldenmutes der Besatzung wolle man ihr freien Abzug gewähren: die ganze Insel sei unterworfen und weiteres Blutvergießen sinnlos.
Hauptmann Casella, mit wehendem Barte und verwittertem, pulverdampfgeschwärztem Gesicht auf der Zinne, rief zurück, er wolle Kriegsrat halten, und verschwand.
Während er in aller Ruhe sein Mittagsmahl verzehrte, sah er durch eine Mauerlücke, wie der Unterhändler, dem die Zeit lang wurde, vom Pferde flieg und sich ins Gras streckte. Hauptmann Casella schmunzelte. Dann erschien er wieder an der Mauerbrüstung und rief hinab, die Besatzung des Turms von Nonza wolle kapitulieren unter folgenden Bedingungen: Abzug mit kriegerischen Ehren, unter Mitnahme von Artillerie und aller Bagage, wozu die Franzosen das Fuhrwerk zu stellen hätten.
Der Parlamentär kehrte zur Truppe zurück. Der Chevalier d'Aubray, erbost, daß das elende Mauerwerk ihn fast zwei Tage aufgehalten hatte, aber des strikten Befehls seines Generals eingedenk, alles Blutvergießen tunlichst zu vermeiden, gestand Die Bedingungen zu. Mit wehender weißer Fahne ritt der Parlamentär wieder zum Turm eine Kompagnie und Spielleute folgten, unter dem persönlichen Befehl des Chevalier: sie formierten sich, der Präsentiergriff klirrte. Die Musik schmetterte, Die
Flinte Der alte Hauptmann Casella.
Der Chevalier ging ihm entgegen, beglückwünschte ihn zu seinem unD Der korsischen Truppen tapferem Widerstande, äußerte etwas belanglos Höfliches vom Kriegsglück, und bat Dann Den Hauptmann, ein wenig beiseite zu treten, Damit Die Turmbesetzung Raum zum Aufmarschieren habe. — „Die ~ besatzung?" Hauptmann Casella verzog keine „Die Besatzung des Turms von Nonza bin
Turmbrüstung erschien Hauptmann Casella mit verwittertem Gesicht, wehendem Bart und blitzenden Augen. Was man wolle? — Nun, alle Festungen, alle Warttürme der Küste hätten sich ergeben; man wolle wegen Der Kapitulation des Turms von Nonza unterhandeln. — Was die übrigen getan hätten, gehe ihn nichts an; er habe keinerlei Absicht, zu unterhandeln oder zu kapitulieren... und mit einem gotteslästerlichen Fluche verschwand der Alte. Alsbald begannen Die Franzosen, sich zum Sturm anzusch'cken; Die Glieder traten an und rückten vor wie quf d-m Paradeplatze. Ein Schuß aus der Kanone des Turms riß eine gewaltige Lücke, ein zweiter ließ nicht lange auf sich warten, dann setzte Gewehrfeuer zwischen Die Stürmenden, von unsichtbaren Schützen bravourös gezielt — es half nichts, die Franzosen mußten weichen.
Der Turm schien stark besetzt, man hatte Dort Artillerie unD schien zu allem entschlossen — unD so versammelte Der Chevalier D'Aubray, Der erst vor wenigen Tagen auf Korsika eingetroffen war, seine Offiziere unD hielt Kriegsrat Hauptmann Casella, der greife Verteidiger, hielt ebenfalls Kriegsrat. Eine Kanone, zwanzig Gewehre, Munition und Lebens- mittel, zwanzig junge Kerls und ein alter — damit, wetterte er, könne man sich gegen eine ganze Armee verteidigen; unD wenn es aufs Aeußerste ginge, würde man zu sterben wissen und sich in die Lust sprengen. Die Milizsoldaten nickten |chwetgend: sie kannten ihren Führer unD wußten, Daß was er jagte, nicht leeres GereDe war, sondern heiliger Entschluß. Es war ihnen nicht sonderlich wohl zumute. Hauptmann Casella teilte die Wachen ein, behielt sich selbst die gefährlichste und am meisten verantwortungsreiche vor, die ums Morgengrauen und mit dem sinkenden Tage legte er sich neben seiner Kanone zur Ruhe, fest entschlossen, fernen letzten Schlaf auf dieser Erde gehörig auszukosten.
Aber es kam anders. Nicht, daß die Franzosen während der Nacht Den Turm überrumpelt hatten. Vielmehr steckten die Milizsoldaten die Kopse zusammen, und je lauter Der wackere Hauptmann Casella jchnarchte, Desto erregter rourDe ihr plustern, ihr Erwägen Des Für und Wider —; bis die noch Schwankenden überzeugt, bis alle sich einig waren, Daß gegenüber einem sicheren Heldentode ein unsicheres künftiges Leben dennoch das Ersprießlichere wäre; daß überdies die Ernte bevorstünde, wo man ihrer bedürfte, und daß es also Das Ratsamste wäre, der Entwicklung Der Dinge vorzugreisen, die Nacht zu nützen, Das französische Lager, dessen Feuer rot- lief) durch Den Ufernebel blinkten, zu umgehen und stillschweigend heimzukehren. Zu ihrer Ehre sei gesagt, daß sie es mit schlechtem Gewißen taten; aber sie lehnten ihre Gewehre an die Turmmauer, fühlten nach ihren Messern und Pistolen, steckten Lebensmittel zu sich, ließen sich dann einer nach dem andern Die Turm mauer hinab und verschwanden im
nicht einer Partei, angestrebt und ein großes Stück weiter gebracht hat. Darin fand er unbedingte Zustimmung: Englands Parlament und öffentliche Meinung erkennen, wie sehr diese Regelung den englischen 2nteressen entspricht.
Richt ganz so einheitlich war Die Stellung zu Rußland. Aber mit 324 gegen 199 Stimmen billigte dos Unterhaus den Regierungsantrag aus Die Wiederaufnahme Der diplomatischen Beziehungen mit Rußland. Das Blatt der Labourpartei schrieb dazu sogar, „ob es nicht möglich wäre, im Verhältnis zwischen England und Rußland eine neue Atmosphäre zu schaffen, so wie sie zwischen England und den Vereinigten Staaten geschaffen
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