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llr. 13 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch. |6. Januar 1929
famleit können deutsche Landwirte als Pioniere vorbildlich wirten.
Die Bevölkerung ist vorwiegend katholisch, eZ gibt aber in einer Reihe von Cc.cn evangelische Gemeinden. Aber von irgendwelchen te igiösen Segensätzen ist nichis zu bemerken.
Das landschaftlich außerordentlich schöne Steiermark zeichnet sich in allgemeinen auch durch eine recht günstige Bodenverteilung aus. Li.le.'guter int deu scheu Sinne fehlen, der Grvßgrundiesih ist fast nur forstwirtschaftlicher Betrieb, während der bäuerliche Besitz mit rund 70 COO Hektar weitaus überwiegt, ü uch der Boden ist im allgemeinen gut, meistens ist eZ ein schwerer humöser Lehmboden, in Ost- steiermark gibt es sogar ausgezeichnete Weizru- bölen. Dazwischeir ist meist an den Hängen des geiirgigen Tells ein kalkhaltiger, milt.erer Lehmboden. das Berwii.erungdproiust des glimmer» haltigen Tonmergels als gut geeignetes Wein- land zu finiet. Die Terteilurg der landwirt- schafllnchen Flächen ergibt, daß rund 224 COO He.'tar Aecker sind, rund 203 OOO Wiesen, 236 000 Alpenweiden, 837 COO Walduncen u ib der Rest von 153 COO Hektar unproduktives Land sind. Beben dem Ackerland, von dem rund 123 COO Hektar für den Anbau von Körnerfrüch- t e n verwendet werden und neben dem recht wichtigen O b st b a u liegt der Hau>tr'ichtum des Lanres in der Viehzucht und in den Wäldern.
Landwir.sch-aftliche Grundstücke stehen in jeder Preislage zurBerügurrg. 3m allgemeinen rechnete man zum Beispiel i < dieftm So.nmer für 112 Pr. Morgen (davon 85 Wald) 12000 Mark, oder für 528 Pr. Morgen (davon 330 Wald) 108 000 Mark. Aalürlicherweife rich en sich die Preise nach Derkehrslabe. Güte des Bodens und dem Zustand der Wir schaftsgrbäude. Eie schwarlen zwischen 150 und 350 Marc pro Morg:'. Leider ist Pachtland kaum zu bekommen. Die Steuer- belastung ergibt etwa folgende Zif.ern: Für ein Hektar Acker oder Wirse 4,80 Mark Grundsteuer jährlich und für einen Hektar Wald 2 Mk. Die Warrn Umsatzsteuer beträgt etwa 2 Prozent aller verkauften Produkte, während bei der Einkommensteuer von 840 Mark an bis zu 2040 Mark 1,5 Proz. berechnet werden. Eine Gewerbe- oder Gebchrdrsteuer gibt es übe.Haupt nicht. Detrirbs- kredite sind durch die RaLsieisen-Danlen, die in Steiermark sehe verbrri et sind, zu haben. Bei Ankauf ist eine älebertragungsgebühr zu zahlen, und zwar bei ei em Kaufpreis bis zu 7200 Mark 6 Prozent und bis 28 003 M rrk 8 Prv->ent usw. Damit Gü erschlächte.eien und S-eL-llatioasläuse verhindert werden, bedürfen die Kaufverträge über l ndwirischaftttche Besitzungen der Geney- migung der Grundverkehrs.ommistion. Heber die Derhäl misse in Steiermark ist ei re besondere Organisation, dir Vereinigung für deu sche Siedlung und Wanle.ung in Berlin N 30, Martnn- Luther-Straße 97, genau unterrichetz
Im Krachidampser auf dem Atlantik.
Don (Sofie von llhde.
3edes Ding hat zweierlei Angesicht.
Wenn Sie im behaglichen Hausrock auf dem Sofa liegen, den Lautsprecher vor sich, und stillvergnügt irgendeiner ansprechenden Tanzmusik lauschen — la — la — lalala — so werden Sie weiter keine Betrachtungen anftrllen über diesen Zuwachs an Annehmlichleit in Ihrem täglichen Leben, sondern Sie werden eS so selbstverständlich hinnehmen, wie Ihre Zeitung und wie Ihre Zigarre. Aber seien Sir erst einmal losgelöst vom -gewohnten Sein, erkämpfen Sie sich, beispielsweise so wie wir soeben tun, auf einem
“ Reue Formblätter des Post» und Postscheckverkehrs. Don der Deutschen Leichspost sind die Postanweisungen und Zahlkarten, sowie die Lachnahme- und Postauftragsformblätter mit anhängender Postanweisung oder Zahlkarte wesentlich geändert worden, il. a. haben die Formblätter zum leichteren Ausfüllen mit Schreibmaschine Rormalzellenabstand erhalten: gleichartige An 'en auf den verschiedenen Teilen der Fprmblät^. sind möglichst auf gleiche Zeilenhöhen gebracht worden. Ferner sind Vereinfachungen für die Detragsangabe vorgesehen. Lach den Vorschriften müssen die nicht von der Post bezogenen Zahlkarten und Postanweisungen in der Größe, Farbe und Papierftärke, sowie im Aufdruck mit den amtlichen genau übereinstimmen. Gleichwohl werden noch immer vielfach Zahlkarten und Postanweisungen aufgeliefert, die in den Abmessungen, namentlich des Empfängerabschnitts, wesentlich von den amtlichen abweichen Die Bearbeitung solcher Zahlkarten usw. verursacht besonders bet den Postscheckämtern erhebliche Betriebsschwierigkeiten. Zur Abstellung dieser Unzuträglich leiten hat daher die Deutsche Reichspost angeordnet, daß Zahllarten und Postanweisungen, die in den Ausmessungen mit den amtlichen nicht genau übereinstimmen, nur noch bis Ende Juni 1 929 verwendet werden dürfen. Die Postanstalten sind angewiesen worden, nach Ablauf der erwähnten endgültig letzten
Aus der provinzialhaupistadt.
Gießen, den 16. Januar 1929.
Aus der Hess. Sängerbundbewegung.
Am SamLtagnachmittag tagte in Darmstadt hn Städtischen Saalbau unter dem Bundesvorsitzenden Ministerialrat Dr. S i e g e r t der Hauptvorstand des Hess. Sängerbundes. der sich hauptsächlich mit der Abhaltung der Sonderkonzerte und der Beteiligung der einzelnen Gaue beim 2. Hess. Sängerbundesseft in Darmstadt im Juli 1929 befaßte. Zu diesem Zwecke waren aus allen Teilen des Kreisgebietes die Vorsitzenden der einzelnen Gaue erschienen. Es wurden angemel- Let: etwa 15 Sonderkonzerte, 6 Gaukonzerte und mehrere Gaukonzerte, die an öffentlichen Plätzen in Darmstadt abgehalten werden., Das Bundesfest eröffnet der ©au Darmstadt mit einem großen Sonderkonzert in der Festhalle am Freitag, 12. Juli. Die Aussprache hat gezeigt, daß mit einer außerordentlichen Beteiligung aus dem gan» zen Bundesgebiet zu rechnen ist.
Hierauf wurden von dem Bundesgeschäftsführer Roth die einzelnen Gaue an Hand des im vorigen Jahre von ihm herausgegebenen Führers durch den Hessischen Sängerbund hn Bestand erneut festgestellt, so daß der Reudruck
kleinen Frachtdampfer den Weg durch die Stürme des Atlantik, nichts um sich als Wasser und Himmel, die sich in Raterei umarmen — und dies kleine tönende Kästchen wird zum rätselvollen Herz dec Welt.
Seit sieben Tagen Haber wir Sturm, Hnb die Seen stürzen krachend über unser Schiff. Seit sieben Tagen besteht meine Tätigkeit vornehmlich Larin, mit kümmerliche n Erfolge die Gesetze des Gleichgewichts zu studieren und mit ruxf) kümmerlicherem Erfolgs mich vor den Sturzseen in Siche heit zu bringen, welche stets schneller zu fein pflegen als man selbst ist. Und des Rachts liege ich geschaukelt in der Koje und höre zwischen Traum und Wachen das gewaltige Donnern von Meer und Wind.
Ein einsames, ein ganz auf sich selbst gestelltes Dasein. Was wissen wir von den Städten und Küsten der Menschen? Wir wissen nur vom Auf un Ab des Ozeans. Biber da steht dieser kleine schwarze Kasten oben im Ravigationsraum. Ein paar Hebel werden gestellt, ein Licht scheint auf — und in die Abgeschiedeirheit der Mcere dringt — unglaubhafter und unwirklicher Spuk — der freundllch-geschästige Widerhall bewohnter Erde.
Jeden Abend, wenn die hauptsächlichsten Funk- zeiten dec Schiffe vorüber sind und der Verkehr ein wenig nachläßt auf Len himmlischen Wellen- psaden, erklimme ich, zwischen jagenden Wassersahnen und brüllenden Böen den Weg zum Ravigationsraum, den Weg ins Land moderner Hexenkünste, ilnb immer neu und reizvoll bleibt dies Spiel: man steckt wahllos irgendeine Welle ein, man dreht den Zeiger langsam und ganz ziellos übers Zifferblatt, ein Jäger auf der Pirsch, lagend nach dem flüchtigen Wild der Töne. Stille — ein Schiff funkt — ein fernes Summen im Apparat — wieder funkt ein Schiff — und wieder Stille.
Aber nun hat der Zeiger den rechten Teilstrich erreicht und auf einmal kommt ein Liedchen gezogen, ein kleines, leichtes, tänzelndes Geigenliedchen, fremdartig hold zieht cs durch diesen sachliche,! Raum voll Schifsskarten und Logbücher. Gott weiß, woher es kommt, vielleicht aus Kairo oder Madrid oder vom Donau-
OerRechtswächier deslsieiches
In der Versafsung verstreut finden sich die entscheidenden und grundlegenden Deslinunungen, iuf denen sich bann ba3 Gesetz über den endgültigen Staatsgerichtshof vom 9. Juli 1921 aufbaut. Damit war n»ch den Aevoluftons- •üirren und nachdem die Rexchsverfassung zwei )ahre vorher beschlossen worden war, der erste Abschnitt der innerdeutschen Konsolidierung nach item Kriege abgeschlossen. Für alle Ausei.'.an- Sersetzungen zwischen dem Reich und den La/- «rn, den Ländern untereinander, für alle diese Hoheitsrechtlichen Fragen war ein oberster Ge- uichtshos beim Reichsgericht geschahen worden, Bet als letzte Instanz entscheidet. Die Kompetenzen des Staatsgerichtsho'es si id für lie Sicherheit des Staatsgefüges von allergröl-ter und entscheidender Bedeutung. Wie groß diese Bedeutung ist, zeigt der wenig bekannte Arti.el 59 der Reichsverfassung. nach dem der Reichstag berechtigt ist, den Rcichspräsidenten, den Reichs- fcn^ler und die Reichsminister vor dem StaatS- gkemchtshof für das Deutsche Reich anzullagen, baß Ite schuldhafter W<ise die Reichsverias.ung oder ein Reichsgesetz verletzt haben. Der Antrag auf Erhebung der Anklage muß von 100 Reichs - logSmitgliedern unterzeichnet sein und bedarf allerdings der Zustimmung der für Bi? Verfassungsänderungen vorgeschriebenen Zweidrittelmehrheit.
Der endgültige Staatsgerichtshof erfuhr 1922 nach der Ermordung Rathenaus durch die Einrichtung eines StaatsgerichtsfenathofS 3um Schuh der Republik, der ebenfalls eue Art Sondersenat des Reichsgerichts ist, aber inzwischen a u f g e 1 ö ft wurde, noch eine Erweiterung. Auf Grund des Erlasses vom Juni 1922 kamen vor diesem Sondersenat im Oktober desselben Jahres die Verfahren gegen die Rathe- nau-Mörder zur 'Abwicklung. Das vielfach angegriffene Republikschuygaseh hat in den späteren Jahren aber noch zu einer Reihe weiterer Verfahren geführt, wie z.,B. 1927 der Prozeß über das Verbot des Bundes „Wlling" durch das preußische Ministerium des Innern. Dieses Verbot wurde als zu Recht anerkannt, dagegen ttnirbe ein Verbot des Bundes „Olympia" auf- gehoben. Der Staatsgerichtshof selber hat in den vergangenen Jahren ein reiches Arbeitsgebiet zu verzeichnen. 1927 begann der Kampf mr die Reichsbahnverwaltungsratslitze. 1926 muhte er sich im Mai mit dem preußischen Flaggenerlaß beschäftigen, wäh- nmb im Wi iter 1927/28 über die Wa hlv or» Ichläge kleiner Parteien auf Grund von Klagen gegen Wecklenburg-Streliy. Hamburg und Hessen verhandelt wurde, wobei den Ländern Unrecht gegeben wurde. Zuletzt hat sich dann iam 17. Rovember der Staatsgerichtshof mit dem Liersteuergesetz zu beschäftigen, während der Kampf um die Verwaltungsratssitze der Reichsbahn immer noch weiter geht.
Aufbrauchssrist solche Zahlkarten von der Annahme auszuschließen.
" Warnung in einer Rachlaßange- legenheit. Die Hessische Amtliche Pressestelle meldet: Ein gewisser E. R. de Min aus Philadelphia, der sich zur Zeit in Kassel, KÄni.che Straße 72, aufhält, wendet sich in einer Rach- laßangelegenheit an Behörden, Pfarrämter, auch an nichtamtliche Siel en und an Privatpersonen. Er bemüht sich angeolich um die Auffindung von deut.chrm Erben, die auf den Rachah deS am 15. Rovember 1730 in Magdeburg geborenen und am 23. Rovember 1794 in Htica (Bereinigte Staaten von Amerika) gestorbenen Generals Friedrich Wilhelm von Steuben Anspruch haben. In zahlreichen Schreiben an alle ihm erreichbaren Interessenten, die sich entweder an ihn wenden oder ihm namhaft gemacht werden, fordert er für seine Vermittlungsdienste nicht unerhebliche Vorschüsse. Amtlich ist über das Vorhandensein eines Rachlasses des erwähnten Generals von Sterben nichts bekannt. Ein etwa vorhanden gewesener Rachlah wäre auch schon längst an die Berechtigten zur Verteilung gelangt ober, falls Erben nicht zu ermitteln waren, nach Ablauf der in dem betr. ilnionftaate geltenden Bewährungsfristen der Staatskasse an- gefallen. Es werden daher sämtliche Interessenten gewarnt, da es sich bei dem Rachlah Steuben um eine oftenöar gänzlich aussich^lose Erbschaftsangelegenheit handelt.
** Der Deutschnationale Hand- lungsgchilfenverband, Ortsgruppe G i e u e n , veranstaltete am Donnerstagabend int Saale des Kath. Vereinshauses einen Rezitationsabend. Es waren Stunden reiner Freude, die Dr. Erich Fortner -Berlin, der meisterhafte Interpret des Wiener Humors, den Zuhörern zu bieten vermochte. Dr. Fortner verfügt über die Vorzüge des süddeutschen Mannes, ei; charakterisiert mit großer Feinheit und ist, wenn er heiter wird, ein Despot der Lachmus- keln. Was er bot, sollte nach seinen eigenen Worten von den seither veranstalleten seriösen Abenden überleiten zur Karnevalsfreude. Der erste Teil seiner reichhaltigen Darbietungen brachte deutschen Humor von Hans Sachs bis zur Gegenwart. Schon beim ersten Vortrag: »Der Koch mit dem Kranich" zeigte sich der Künstler von der besten Seite. Ebenso aufmun* ternd wirkten seine Darbietungen aus dem reichen Schatze deutschen Volkshumors aus alter Zeit. Originell war auch die aus dem 17. Jahrhundert stammende „Predigt vom Ehestand'. Erfrischenden Humor atmeten die Erzeugnisse bekannter geistiger Größen, wie Lessing („Die Küsse" und „Eheliche Liebe"), Mozart (Bries an Baronin Waldstädten"), Schiller („Zum Geburts» tach"), sowie Goethe („Gutmann. Gutwcib" und „Der Zauberlehrling"). Als Heberlcitung zur Gegenwart brachte der Künstler einige Heine Sachen aus der Biedermeierzeit, von denen seine Illustrationen über .Liebe und Ehe" wahre Lachsalven hervorriefen. Aach einer Pause zeigte Fortner in geradezu meisterhafter Weise Humor aus neuerer und neuester Zeit. Prachtvoll waren dabei .Eine Vorlesung auS der Ra- turgeschichte" von Wilh. Dusch, die „Rheinfahrt" von Feuchtwanger. sowie .Zahnweh" von Queri. Karl Ettlingers: .Der Teufel und das Münchener Wadi" versetzte die Zuhörer unwillkürlich in die Bier- und Tanzsäle Münchens, wo das Münchener Mädel selbst den Teufel beim Tanzen und Trinken übertrumpft und ihn schließlich als Weihwurst verzehrt. Zeigte Fortner schon bei der Darstellung bayrischer Typen ausgezeichnete Fertigkeiten, so tarnen diese bei den folgenden Darbietungen aus dem Leben in Tirol (.Materln" von Rudolf Greinz) und in Steiermark (.Raffer-Michel" von Peter Rosegger) vorzüglich zum Ausdruck. Das Beste des Abends war aber zweifellos der zwerchfellerschütternde Wiener Humor. Leibhaftig traten die von Fortner mit warmblütigem Leben erfüllten Wiener Typen vor das Auge des Zuhörers. Erwähnt feien nur die Humoreske .Die Bürgschaft in Meidling" und die zum Schluß gebotene mimische Studie: .Haar in der Suppe." Jedes Vor-- tragsstück bedeutete einen vollen Erfolg, und der Dank an Dr. Fortner war entsprechend groß und herzlich, so dah der Künstler mit einer weiteren mimischen Darbietung »Wie man Obst nicht ißt", als Zugabe aufwarten mußte.
sofort in Angriff genommen werden kann. Die Ausgabe des neuen Führers mit genauer Bestandsangabe des gesamten Bundes wird voraussichtlich am 1. Februar erfolgen können.
Weiter wurde beschlossen, daß der Bund für feine Bundesvereine eigene Chöre kosten- l o s beschaffen soll, die aufführungsfrei sind. Auf diele Weise wird mit der Zeit ein eigenes Dundesliederbuch zusammengestcllt und den Vereinen enorme Vorteile geboten.
Der Vorsitzende des Gaues Reckartal konnte mit teilen, daß sich um die Organisation des Gaues in der Drelländerecke der Bundes- schatzmeister Wilh. Bitter außerordenllich verdient gemacht hat. Der Bundesschatzmeister wurde daher zum Ehrenmitglied des Gaues ernannt unter Verleihung der silbernen Plakette und durch die llleberreichung einer Ehrenurkunde, die dem BundesschahmLister überreicht wurde. Bundesvorsitzender Dr. 6 iegert dankte dem Reckartalgau für die Auszeichnung des Schatzmeisters und gratulierte dem Ausgezeichneten.
oum Schluß wurde über die Rotlage der Gesangvereine gesprochen. Hierbei gab Bundesgeschäftsführer Roth folgende 21otiz der „Süddeutschen Slngerzeitung" aus Konstanz bekannt. „Dem Stadtrat von Konstanz gebührt in der Söngerpresse ein wohlverdientes Dankes- wort. Als weiteres Entgegenkommen, neben der Steuerfreiheit bei reinen S.uhlkonzerten, wurden jedem Gesangverein von Konstanz, der dem Deutschen Sängerbund oder dem Deutschen Ar- beiterfängerbunb angeschlossen ist, pro Sanger 2 Mk. als älnterstützung, bzw. Abgeltung für Miete und Probeauslagen zugestanden, bzw. den Vereinskassen überwiesen, so daß jeder Verein eine schöne finanzielle Weihnachtsgabe für sich buchen kann. Der Stichtag für Feststellung der Kopfzahl der Sänger pro Verein war der 28. Rovember 1928. Alle Hochachtung vor einem derart in Sängerbelangen vorbildlichen Stadtrat. Ob er in Deutschlands Sauen noch einmal seinesgleichen findet?" Die Mitteilung wurde mit einem Bravo quittiert.
Um 19 Ähr wurde die fruchtbringende Tagung mit dem Wunsch, den einigenden Gedanken ber_ durch das 2. Sängerbundesfest erneut aus- gelöst wurde, in das Bundesgebiet hineinzutragen, durch den Vorsitzenden geschlossen.
Daten für Donnerstag, 17. Januar.
Sonnenaufgang 7,57 älhr, Sonnenuntergang 16,24 Hbr. — Mondaufgang 10,58 Hhr, Woich- untergang 23,47 Hhr.
1600: der spanische Dramatiker Don Petro Cal- deron de la Darca in Madrid geboren; — 1706: der Staatsmann und Schriftsteller Benjamin Franklin in Boston geboren; — 1812: der Politiker Ludwig Windthorst in Osterkappeln geboren; — 1834: der Zoologe August Weisman in Frankfurt a.M. geboren
strand. Vielleicht a uch hat es den Staub sehr entfernter himmlischer Landstraßen auf feinen Schuhen, man rechnet weiter nicht nach, man nimmt es hin als einen Landstreicher im All.
Zuweilen aber ist man ganz im Bilde. Man hört den Ansager von Paris die Hebertragung der Oper ankündigen, und eine Ouvertüre btüfrt auf in das Rollen und Stampfen des Schiffes hinein bis irgendein Funker — kurz — lang — lang — kurz — die Andacht stört. Wan hört einen deutschen Gesangverein gänzlich uirzutref- fend: ,Das Meer erglänzte weit hinaus" fingen, wählend um uns ein nussewühlter Ozean durch pechschwarze Rächt tobt. Von Gott weiß woher kommen Lieder der Donkosaken, schön und schwermütig wie die weiten Steppen Rußlands, und man lauscht innig und hingerissen, bis eine Stille feindlich trennt und wieder nur der Sturm und die Einsamkeit atmen. Doch mit einmal hört man ein spanisches Liebeslied, betörend und warm durch unsere strenge Abgeichiedenheit locken — man hört London, man hört Wien ©in Verschieben des Zeigers — und auf unfaßbares Zauberwort über Wind und Wellen her. kommt zu uns gewandert die Welt.
Täglich spiele ich dieses berückende Spiel mit der bewohnten Ferne. Gestern aber — und öas Herz hat mir gesurft — habe ich meine Heimat gehört, mein bayerisches Hochland! Es war weiter nichts Klassisches, was man da hörte, es war die Hebertragung eines Zitherkonzert- unö ein paar rauhe Bergler haben gesungen:
»und i fimm bei der Rächt daß des nur woaßt..."
Rein, klassisch kann man das nicht nennen Aber ich hab' sie sitzen sehen im Herrgottswinkel er niedrigen Stube, diese feinen, aus hartem Holz geschnitzten Kerle, den Gamsbart auf dem verwegnen Hüt'l, und draußen, vor den kleinen Fenstern, sind die Berge gestanden im Glanz ihrer Firne. Mitten in den Stürmen des Atlantik, in der nächtlichen Einsamkeit eines Ravt- gationsraumes ist die Heimat mir entgegen» gesprungen aus dem schwarzen Kästchen.
Hub nun sagen Sie noch, dies sei nicht Zauberei und Herenspukl
(Siebener HochschulgeseUschaft
2uf Einladung der Siebener Hochschulde s e 11 s ch a f t sprach am Montag und Diens- hgi im Großen Hörsaal der Hniversität Pros. 2r. Federigo Enriques aus Rom über die öeschicht e des wissenschaftlichen Denkens bei den Griechen. In einigen tmsührenden Worten geb der Rektor der Landes- wiversität, Prof. Dr. Herzog, feiner Genug- trzng darüber Ausdruck, mit der Veranstaltung, fie der Hniversität zur Ehre und Freude ge- Mche. feinen Dank für die große ©aftfreunh- teaft der italienischen Wissenschaft abftatten zu Mnen, die er selber bei einem Besuch in Rom erfahren habe.
Prof. Enriques begann nach kurzen Dankes- frorten feine Ausführungen mit einer chrono- lsgischen Einleitung. Die zu überschauende Ent- ttidlung umfaßt rund 1200 Jahre; vier Perioden faß zu unterscheiden, jede etwa 300 Jahre bau» thü. Das Hauptproblem des wissenschaftlichen Amtend ist die Materie und ihre VerwandluTrg. Qu.f bet Suche nach einer primitiven Materie fflcngt Thales von Milet zur Annahme des Dossers als des Grundprinzipes; bei Ana- rnZenes spielt bie Luft bte gleiche Rolle. Für Siufimanber, von hem auch eine sehr eigenartige Abstammungslehre bekannt ist, gilt als bie . primitive Materie das Hnendliche. Tenophanes st in gewissem Sinne als ein Vorläufer der '2e!sitivitätSlehre anzusprechen. Auch bie in Süd- •itol ien neuentflanbenen Schulen beschäftigen sich :t>)rDiegend mit dem Problem der Materie. Die rtprfftagoräer vertreten bie Anschauung: bie Märta!« ist Zahl. Die monadische Theorie hatte für Mb auch mathematische Bedeutung. Zwar sind ilt pythagoräischen Tatsachen (des bekannten iLchrsatzes) an sich sehr alt, aber der Beweis Ifcurbe durch Pythagoras erbracht. Auch die •6-rt7edung des Inkommensurablen geht auf seine tkchule zurück. Die Kritik der pythagoräischen rtühie gaben bte sog. Eleaten (Pannenides und ^iu>). Parmenides hat ein Poem über bie Ra- stv geschrieben, von bem einige Fragmente er» litten sind. Parmenides nimmt eine primitive, «Sßiedehnle, existente Materie an; ein leerer
Raum kann nicht existieren. Der Vortragende entwickelte hier eigene Hypothesen über bie Auslegung bet überlieferten Fragmente. Er hat ben Rachweis erbracht, daß Parmenides sich mit mathematischen Begriffen befaßt hat. Parmenides hat bie absolute Bewegung verneint. Auf ihn gehen bie ersten Versuche einer rationellen Physik zurück.
Empedokles und Anaxagoras setzten eine Mehrzahl von Materien voraus. Die Theorie des Empedokles trägt eklektischen Charakter. Anaxa- goras nahm unendlich viele Elemente an. Mit ber pluralistischen Theorie begegnet zum ersten Male bas Problem ber Kraft. Empedokles zerlegt sie in die gegensätzlichen Elemente Haß unb Liebe. Anaxagoras nimmt eine vernünftige Kraft als Impuls an. Demokrit vertritt im Gegensatz zu ben Eleaten bie Theorie einer absoluten Bewegung. Der von Demokrll entwickelten atomifti- schen Theorie wurde eine ausführliche Betrachtung gewidmet, deren Wiedergabe ben Rahmen dieses Referats sprengen würde. Mit Demokrit und Plato kommt bie Reaktion gegen die So- Phisti k. Eine ausführliche Hillersuchung des von Demokrit vertretenen Rationalismus und ein kurzer Rückblick auf die platonische Ideenlehre beschloß bie Vorträge, die sich eines sehr regen Besuches zu erfreuen hatten.
Giedlungsmöglichkeite» in Steiermark.
2luf ter Suche nach Stedlungsmöglichkeiten für deutsche Aulwanderer denkt man meistens lM Teile ber ehemaligen deutschen Kolonien AfrÄas, an süban'.erllanische Siedlungsgebiete i ober an andere weit entfernte und abgelegene Sinter, ohne zu ahnen, bah relattv nahe I; b e r deutschen Heimat, in Oesterreich, im Stinte Steiermark, für deutsche Bau.rn und Sanbtoirte Möglichkeilen ber Ansiedlung gegeben fiitb. S e ermar?, ber zweitgrößte Bundesstaat Ce|terrekf;£, grenzt im Süden an Kärnten und 3ixgoflatirien. Das Land ist u rgesähr 1637 000 feäar groß und zählt beinahe eine Million frrtoobre:, die durchweg Deufche sind, meist ton Stamn e der Bajuwaren. Der Grund, weshalb reichsdeullche Landwrle dort ^ul vor- därts komn e ist in erster Linie der, daß der feitr konservallre Bauernstamm dort r ü ck - fänblg ist. Es 'e>It ihm der Weitblick, der
e zur Modern.s eruig der Betriebe, intensive Tewirifchasiung, Düngung und Derwe.rdung von Cie faatgut ist noch lange nicht au, der Höhe. Aus Grund ihrer beferen landwirtschaftlichen 5i>tbtlbung u ib vor al en ihrer größeren Rcg- —I IT» ■■ I .........


