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fei kerne Rede. Zweifellos Labe sich die Lage insofern gebessert, alS die britischen For­derungen ihrer Annahme näherge- 1 ommen seien als vorige Woche. Zugleich wird aber gemeldet, dah zwar die Franzosen einen versöhnlichen Geist zeigen und sich be­mühen, den britischen Schahkanzler mindestens teilweise zufriedenzustellen, dah aber die Ita­liener keine derartige Neigung bekunden und von Rom ermutigt werden, an den im Voung- plan Italien zugesprochenen Prozentsätzen fest­zuhalten. Es ist nicht sicher, ob Snowden dar­auf bestehen wird, daß ein Unterausschuß zur Prüfung der Möglichkeit einer Revision der Verteilung eingesetzt wird, denn wenn in den privaten ^sprechungen eine Vereinbarung zustande kommt, würde kern Grund bestehen, auf diesem Unterausschuß zu beharren.

Die Gachlieferungen.

Loucheur gegen die englischen Bedenken.

Haag, 14. Aug. (WD.) Die heutige Sitzung des Finanzausschusses brachte die angekündigten ausführlichen Darlegungen L o u ch e u r s , die eine Reihe zahlenmäßiger Einwände gegen die englischen Besorgnisse in der Sachlieferungsfrage enthielten. Der ge­samte Lohnwert, der in der denkbar höchsten Sachlieferungsguote steckt, mache nicht mehr als ein Zehntel (nämlich 1,5 Milliarden gegen 15 Milliarden Francs) der Lohnsumme aus, die für die Beschäftigung der englischen Arbeitslosen aufzuwenden wäre, d. h. also, daß die Kohlen­lieferungen auf Reparationskonto nur eine rela­tiv geringe Rolle für die englische Wirtschaft und das englische Arbeitslosenproblem spielen. Trotz­dem ser Frankreich bereit, auf diese englischen Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen, namentlich in der Frage des Reexports, auf den ver­zichtet werden sollte und in der Frage einer Beschränkung des Sachlieferungsvolumens für den Fall eines im Voung-Plan vorgesehenen deutschen Moratoriums. Weiter setzte sich Loucheur stark für eine internationale Verständigung der Kohlenwirt­schaft ein, die nicht durch Sachlieferungen, sondern durch Ueberproduk tion und verminderte Nachfrage, im ganzen durch dieRegellosigkeit ihr erPro- duktionsverhä ltnisse in Schwierigkeiten gekommen sei. Das Sachlieferungsproblem als solches habe in der Tat manches Bedenken, die aber schon seit seinen Verhandlungen mit Rathenau im Jahre 1921 bekannt seien und die nicht abgestellt werden könnten, solange man nichts Besseres gesunden habe.

Das Hauptergebnis der Aussprache war, daß am Samstag die verschiedenen geplanten Unter­ausschüsse zu den Finanz- und Wirtschafts­fragen und die Organisationskomitees, die nach dem Voung-Plan für die verpfändeten Einnahmen, für die Frage der Reichsbahn und diejenige der Reichsbank vorgesehen sind, ein­gesetzt werden sollen. Das Organisationskomitee für die Internationale Bank bleibt zunächst noch offen. Damit ist der Widerstand Snow­dens gegen die Verwirklichung des Voung- Planes in seinen Einzelheiten vor Erreichung einer Verständigung über die drei bekannten englischen Einwände auf gegeben. Der Fi­nanzausschuß selbst hat sich bis Samstag vertagt. Inzwischen finden in verschiedenen Gremien Ein- zelbesprechmrgen dieser Fragen statt.

Die Räumungsfristen.

Keine finanziellen Zusagen Deutschlands.

Haag, 14. Aug. (Privatmeldung.) Zu der gestri­gen Besprechung der Vertreter der Vesahungsmächte zusammen mit den deutschen Delegierten hören wir von unterrichteter Seite, daß in den mit dec Räu­mung des besetzten Gebietes zusammenhängenden finanziellen Fragen deutscherseits noch keinerlei Zusage gemacht worden ist. Ls handelt sich bei den ganzen Besprechungen nur um vorbereitende Erörterungen. Zu den von der anderen Seite ausgesprochenen Wün­schen nach einer spontanen G e st e Deutschlands be­züglich der Entschädigung und der vesahungskosten ist deutscherseits darauf hingewiesen worden, daß Deutschland ein Recht auf die Räumung habe und daß die in Frage stehenden Summen für die deutsche Finanzlage von Bedeu­tung seien, ifian rechne damit, daß spätestens am Samstag von England, Belgien und Frankreich d i e genauen Räumungsdaten bekanntgegeben werden.

lieber die voraussichtlich von Briand zu nennende Frist für die Räumung verlautet in französischen Kreisen, daß auch die Franzosen in der zweiten Septemberhäl,te mit der Räumung beginnen, sie für die zweite Zone in der ersten Dezemberhälfte beenden und für die dritte Zone, mit der ebenfalls bereits vorher ein Anfang gemacht werden soll, etwa die gleiche Frist beanspruchen wollen. Das würde bedeuten, dah die Räumung in etwa acht Hs zehn Monaten von heute ab beendet sein würde. Abgesehen von den weniger stichhaltigen Bedürfnissen des Abtrans­ports, der Unterbringung der Truppen ufro., soll diese Frist vermutlich dem Zweck dienen, in der Zwischenzeit die erste Tranch? der Anleihe auf Grund der deutschen Poung-Zahlungen unterzubrin­gen. Natürlich wird von französischer Seite betont, daß diese Fristen, wie die Räumung überhaupt, von der Annahme des Poung-Planes ab­hängen.

Opfer französischer Mlitärjustiz. Freilassung der Angeklagten in der Mainzer Spionageaffäre.

Berlin, 15. Aug. (Priv.-Tel.)3n aller Stille" ist wieder einmal ein deutsch-französisches Ab­kommen geschlossen und ausgeführt worden: vor dreiviertel Jahren wurden neunDeamte der Reichsvermögensämter in Mainz und in Koblenz wegen angeblicher Spionage vom französischen Geheimdienst verhaftet, wobei ihnen zum Dorwurf gemacht war, dah sie in den Wohnungen französischer Offiziere ein­gebrochen und Akten gestohlen, selbstverständlich auch photographiert haben sollen, um auf diese Weise Geheimnisse der französischen Maschinen­gewehre sowie der technischen Automobilmanöver in die Hand zu bekommen. Die Verhafteten sind mit allem Raffinement einer seelischen Tortur mißhandelt worden, bis sie zuletzt zusammen- hrachen. Zu einer VeiHandlung ist es nicht ge-

Das Ende des Garoparundflugs.

Am Mittwochnachmittag um 15 Uhr wurde auf dem Zivilflughafen in Orly bei Paris die A n k u n f t s k o n t r o 11 e für die Teilnehmer am Europaflug eröffnet. Der Flughafen, der von Paris aus nur mit großen Schwierigkeiten zu erreichen ist, wies verhältnismäßig wenigs Be­sucher auf, von denen viele auf Fahrrädern aus den umliegenden Dörfern herbeigeeilt waren. Schon eine halbe Stunde vor Eröffnung der Kontrolle zogen vier Flugzeuge ihre Kreise über dem Flughafen, der im Glanz der August­sonne lag. Die vier Flieger waren die Deutschen Röder, Kneer und Kirsch und der Tscheche K l e p s. Wenige Minuten später trafen die ersten italienischen Fiatmaschinen und der Fran­zose Weiß ein.

Pünktlich kündete eine Leuchtrakete den Beginn der Abschlußkontrolle an. Als Erster überflog der Italiener Battista das Zielband. Ihm folgte als Zweiter der Deutsche Röder, als Dritter der Franzose Weih, dann die Engländerin Spooner. An fünfter Stelle folgte immer noch in der Minute von 15. bis 15.01 Uhr der Deutsche S i e b e l auf einer Klemm-Maschine, wenige Minuten später hatten im ganzen 18 Flug­zeuge das Zielband überkreuzt, darunter zehn deutsche Apparate. Die vorläufige Liste der an» gekommenen Flugzeuge des Europarundfluges zeigt, dah noch drei deutsche, zwei schweizerische, zwei französische, ein belgisches und neun ita­lienische Flugzeuge ausstehen. Havas be­richtet, daß die Wertungsliste des Europa­fluges erst in einigen Tagen nach Vergleichung der einzelnen Punktwertungen festgestellt werden könne. Als vermutlicher Sieger der ersten Kategorie wird jedoch der tschechische Flieger K l e p s und als vermutlicher Sieger in der zweiten Kategorie der deutsche Flieger In­genieur L u s s e r genannt. Die offiziellen An­kunftszeiten liegen bisher noch nicht vor.

Die Erfahrungen.

Paris, 14. Aug. (Tel.-Un.) Sämtliche Flie­ger äußerten sich in anerkennenden Worten über die tadellose Vorbereitung, die auf allen Zwischenlandungsplähen beobachtet worden war, sowie über die freundliche Auf­

nahme, die ihnen von feiten des Publikums überall zuteil wurde. Der Besitzer der Klemm- Flugzeugwerke, die mit vier Apparaten in Front eine hervorragende Leistung vollbracht haben, erklärte einem Vertreter der Telegraphen--Union, dah es nach seiner Meinung falsch sei, auf einem Wettbewerb für Tourenflugzeuge von 160 Punkten allein 70 Punkte für reine Ge­schwindigkeit der Flugzeuge vorzubehalten, während die Landung und Aufstiegs- g e s ch w i n d i g k e i t, die für die private Flie­gerei von erheblicher Bedeutung ist, nicht mit einem einzigen Punkt berücksichtigt sei. Auch die Regelmäßigkeit des Fluges sei bei der Bewertung zu kurz gekommen. Der Gesamt­eindruck des Fluges sei angesichts der erheblichen körperlichen und geistigen Anstrengungen an die Flieger und der technischen Anforderungen an die Apparate außerordentlich gut.

Eine bemerkenswerte Leistung hat das Klemm- Flugzeug des Fliegers Siebet vollbracht, der mehrere Male unterwegs vom Mißgeschick ver­folgt wurde. So setzte ihm auf der Fahrt zwischen Venedig und Triest der Motor aus, so daß Siebei mit nichtarbeitendem Motor im Gleitfluge nach Venedig zurücksegeln muhte. Später platzte ihm die Oelzuleitung, was wiederum einen unfrei­willigen Aufenthalt verursachte. Trotzdem hat der Klemm-Apparat in den letzten drei Tagen mit regelmäßig 1200 Kilometer langen Flügen den Rückstand aufgeholt und erreichte unter den Ersten das Zielband in Orth. Ein Ver­treter der Junkers werke äußerte sich dahin, daß man auf Grund der Erfahrungen des Tou­rens luges nunmehr w einer eindeutigen Scheidung zwischen Sport- und Tou­renmaschine kommen müsse, da seiner Mei­nung nach die Mehrzahl der teilnehmenden Flug­zeuge eher Sport- als Tourenmaschinen gewesen find, lieber die Schwierigkeiten, die der Flug bot, werden die verschiedensten Angaben ge­macht. Besondere Anforderungen stellte die Strecke von Lyon nach Marseille, sodann über den Kar st, aber auch über dem flachen Lande zwischen Breslau und Warschau und zwischen Berlin und Hamburg mach­ten starke Gegenwinde den Fliegern das Vor- wärtskommen schwer.

kommen, weil zwischendurch Austauschver­handlungen eingeleitet wurden, die schließ­lich zum Erfolge führten. Die deutschen Beamten sind jetzt alle freigelassen, dafür aber hat Deutschland auch zwei Franzosen herausgeben müssen, die bei uns verhaftet waren.

Wir verstehen es durchaus, dah die deutsche Regierung im Interesse der unglücklichen Opfer dieser französischen Justiz sehr weitgehendes Ent­gegenkommen gezeigt hat. wir verstehen aber nicht, daß derartige Dinge diplomatisch ge­heim erledigt werden. Es ist doch eine Un­geheuerlichkeit, dah auf deutschem Boden deutsche Beamte in Ausübung ihres Berufes verhaftet werden können, in Un­tersuchungshaft sitzen und monatelang auf die Anklage warten müssen. Das mehr als zehn Jahre nach dem Krieg im Zeichen des Völker­bundes und von Locarno. Machtpolitisch sitzen wir zwar am kürzeren Arm des Hebels, a5?f wir haben doch gerade jetzt während der Haager Verhandlungen alles Interesse daran, wenigstens propagandistisch zu zeigen, zu welch ungeheuer­lichen Folgerungen das System der Desatzungs- justiz führt.

Das Zentrum zur Vsrsicherungsresorm.

Gegen jede Verschleppung.

Berlin, 14. Aug. (WTB.) Der Vorstand der Reichstagsfraktion des Zentrums kam zu dem einmütigen Beschluß, daß die in der Presse erörterte Verschleppung der Verhand­lungen über d i e Reform der Ar­beitslosenversicherung aus einer Reihe entscheidender politischer Gesichtspunkte nicht erträglich sei. Eine sofortige Erledigung dieser Fragen scheine vor allem deshalb nötig, um die Grundlage zu schaffen für die Vor­bereitung einer F i n an zr e f o rrn , da ohne eine klare Regelung der Finanzverhältnisse der Arbeitslosenversicherung ein Finanzprogramm für die nächsten Jahre überhaupt nicht aufgestellt werden kann. Der Rahmen der Abeitslosenver- sicherungsreform ist durch die Notwendig­keit einer Reihe von Ersparnissen gegeben, wie sie zum Teil die Vorlage des Reichsarbeitsministers vorsieht. Von der Lösung dieser Frage hängt auch die Frage der Bei­tragserhöhung ab.

Preußens Verhandlungen mit der evangelischen Kirche.

Das Berhandlungsprogramm.

Berlin, 15. Aug. (Priv.-Tel.) Heber die bei den Verhandlungen zwischen Preußen und der evangelischen Kirche zur Beratung gelangenden Punkte teilt der Demokratische Zeitungsdienst u. a. mit: In erster Linie soll eine paritä­tische Sicherung der Religions­übung, des kirchlichen Eigentums und anderer kirchlicher Rechte, weiter eine Umgestaltung des preußischen Gesetzes von 1924 geprüft werden, die den Grundsätzen der Reichs- verfassung entspricht, und zwar im Sinne einer Sicherung der Selbständigkeit der Kirchen in ihrer inneren kirchlichen Gesetz­gebung und Verwaltung. Dabei ist auch an eine Befreiung von Bedingungen gedacht, die der katholischen Kirche nicht auferlegt sind. Alsdann wird verhandelt über eine vertragsmäßige Siche­rung der D o t a t i o ne n für die allgemeine kirchliche Verwaltung. Der Inhalt des Kirchen­vertrages wird alsdann eine Bestimmung ent­halten über die Mitwirkung des Staates bei der Besetzung der leitenden Aemter in der evangelischen Kirche, und schließlich wird au prüfen fein, ob die bisherige Rechtslage bei der Besetzung der theologischen Lehr­stühle vertraglich festgelegt werden kann.

WlienischerJlottenbesuch inKiel.

Berlin, 15. Aug. (Priv.-Tel.) In Kiel ist ein italienisches Geschwader eingelau­fen und von den deutschen Behörden herzlich be­grüßt worden. Der italienische Admiral hat in

Berlin auch im Hause des Reichspräsidenten seine Karte abgegeben. An freundlichen Trinksprüchen hat es in Kiel nicht gefehlt, ob allerdings Flotten- besuche gerade so ein besonders geeignetes Mittel sind, die Beziehungen der Völker untereinander zu verbessern, darüber kann man nach früheren Erfahrungen der Kieler Hafen barg noch we­nige Tage vor Anbruch des Krieges aus­ländische Gäste zweifelhaft sein. Gewiß ist Deutschland gern bereit, mit den Ital.e:ern in Frieden und Freundschaft zusammenzuarbeiten. Es bleibt dafür aber immer die erste Vor­aussetzung, dah die Italiener für die Lebens­notwendigkeiten des deutschen Volkes wie der deutschen Kulturgemeinschaft Verständnis haben. Daran lassen sie es wenigstens in Südtirol fehlen. Wenn sie die Absicht haben, mit dem Kriege wirklich ein Ende zu machen, dann besteht dafürJn Bozen für sie die beste Gelegenheit.

Diktatur und Verfassung in Spanien.

Madrid, 13. Aug. (TU.) DasABC" ver­öffentlicht eine Unterredung mit Primo de Rivera. Primo erklärte, er habe fein sorg­fältiges Studium der neuen konstitutionellen Ge­setzentwürfe beendet und werde sie demnächst dem M i n i st e r r a t vorlegen. Die National­versammlung werde sodann die Erörterung her neuen Gesetze bis zum Juli 1930 beenden. Dann werde in den kommenden zwei bis drei Monaten die Regierung ihnen die endgültige Form geben. 2m Oktober oder November 1930 werde ein Volksentscheid über die neue Verfassung erfolgen. Man werde darauf gleich­zeitig zu Stadt-, Provinz - und Landes­wahlen schreiten. 1931 werde d i e Diktatur der Kammer ihre Rechte abtreten und dann verschwinden. Primo erklärte zum Schluß, daß auch die Vorzensur in dem Augenblick abgeschafft werden würde, wenn die Re­gierung ausreichende Sicherheiten besäße. Doch sei er der Auffassung, daß die Presse in ge­wisser Beziehung ein öffentliches Unternehmen sei, so daß der Staat niemals ganz auf die Kon­trolle über die Presse verzichten dürfe. Der Regierung müßte stets ein gewisser Raum in den Zeitungen zur Verfügung stehen, um gegen Angriffe der Presse, wenn sie es für nötig fjalte, antworten zu können.

Das wachsende Rußland.

Berlin, 14. Aug. (Priv.-Tel.) In diesen Tagen wird eine Statistik verbreitet, die für die Betrachtung der weiteren Entwicklung der Sow­jetunion von großer Bedeutung ist. Auf Grund von Erhebungen, die selbstverständlich keinen pein­lich genauen statistischen Charakter haben, ist festgestellt toorben, daß Rußland, während es 1923 noch eine Einwohnerzahl von 135 Millionen Menschen hatte, heute bereits über 153 MillionenMenschen in feinen® ren» z en beherbergt. Diese Feststellung besagt, daß Rußland einen jährlichen Bevölke­rungszuwachs von rund 3,25 M i l l i o - n e n zu verzeichnen hat. Schon im Jahre 1944 würde die Sowjetunion von 200 Millionen Men­schen bevölkert sein. Diese Tatsache stellt zunächst für die Sowjetregierung ein innerpolifisches Pro­blem dar. Die katastrophale Wohnungsnot belastet die russische Devölkerungspolitik auf das empfindlichste. Der Nahrungsmittel­mangel wird zudem von Tag zu Tag schlim­mer, und aus diesem Grunde erwächst aus der zunehmenden Bevölkerung eine innenpolitische Gefahr. Aber auch in außenpolitischer Hinsicht verdient die statistische Feststellung Beobachtung. Das wachsende Rußland wird Bewegung erzeugen, und aus diesem Grunde besteht die Gefahr von Russe n w a nd erungen, die im Zeichen des Bolschewismus bedenklich er­scheinen müssen. Das Experiment des Bolsche­wismus wird deshalb immer gewagter. Man darf gespannt sein, wie sich die Machthaber von Moskau wieder zur realen Politik zurückfinden werden.

Aus aller Welt.

Die Bluttat im Personenzug BerlinBreslau.

Breslau, 14. Aug. (WTB.) Wie die Kri­minalpolizei meldet, haben die beiden in Frank­furt a. d. O. verhafteten Reichsbannerleute nur die Mithilfe bei der Bluttat im Personen­zug BerlinBreslau zugegeben. Als Täter, der dem Fleischer Rademacher den tödlichen Stich in den Oberarm beibrachte, wurde gestern abend in Breslau der Reichsbannerangehörige 3a- schek festgenommen. Die Reichsbannerleute wa­ren mit Rademacher in Streit geraten, in dessen Verlauf Iaschek zum Dolch griff. Der Dolch ist am Bahndamm bei Jakobsdorf ge­funden worden. Politische Motive scheiden bei der Tat aus.

Der Leichenfund bei derDarmftäbter hülle".

Von der Landespolizei wird zu dem Mord in her Nähe derDarmstädter Hütte" mitgeteilt. Der ermordete Rechnungsrat Karl Wendt aus Berlin-Neukölln war im Besitz einer Brief­tasche mit einem größeren Geld­betrag und einer Taschenuhr, die bei der Leiche nicht mehr gefunden wurden. Die Tat dürfte zwischen 17 und 18 Uhr am 1L August ver­übt worden sein. Der Tat dringend verdächtig ist ein fremder Wanderbursche, dessen Personalbeschreibung vorliegt.

Schweres Eisenbahnunglück bei tob).

Bei Lodz sind zwei Lastzüge, von denen der eine Militärgüter führte, in voller Fahrt zusam­mengestoßen. Die Autos der Lodzer Nettungs- gesellschast und drei Abteilungen der Lodzer Feuer­wehr sind auf die erste Meldung über die Kata­strophe ausgerückt, um die Verletzten und Toten zu bergen. Nach den bisherigen Feststellungen sind acht Persönen getötet, und sechzehn verletzt worden, hiervon die Mehrzahl Sol­daten, die den Militärtransport begleiteten. Das Eisenbahnunglück ist durch schlechte Weichenstellung verursacht worden. Erst nach langer Arbeit gelang es, den Zugführer des einen Zuges und einen Ma­schinisten schwer verletzt aus den Trümmern zu be­freien. Um den Brand der Trümmer zu löschen, mußten mehrere Feuerwehrzüge aus Lodz heran gexogen werden. Der Weichensteller, durch dessen Verschulden das Unglück hervorgerufen wurde, ist verhaftet worden.

Zwei Knaben verbrannt.

3n Lauenburg entstand in einer mit Stroh gefüllten Scheune des Händlers Holznagel ein Brand, bei dem zwei Knaben, der Sohn des Besitzers und sein Spielkamerad, mitverbrannten. Die Kinder haben anscheinend in der Scheune mit Streichhölzern gespielt.

keine Sängerroetfftreife mehr.

Wie wir hören, sind beim Deutschen Sängerbund verschiedene Anträge eingegangen, in denen die Abschaffung des 'S ä n g e r st re i t e s gefor­dert wird. Die Initiative ist von dem Mann­heimer Schubertbund ausgegangen, der fio dann bald mehrere andere große deutsche Sänger- bünde angeschlossen haben. So u. a. der Badis ch c Sängerbund. Alle Anträge werden auf brr nächsten Tagung des Deutschen Sängerbundes zur Beratung stehen. Es heißt, daß als Ersatz für d.' Sängerwettstreit in Zukunft ein Wertungs- fingen veranstaltet werden soll.

Jm Sleinbrudf) verschüttet.

3n einem Cteinbruch bei Rom wurden sechs Arbeiter verschüttet. Bisher sind vier Lei­chen geborgen worden. DaS Schicksal der beiden anderen ist noch nicht bekannt.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Durch den Ausläufer des Nordmeertiefs ist es auch in Deutschland vielfach zu Bewölkung gekom- men, aber trotzdem blieb der sommerliche Witterungs­charakter erhalten. Der Einfluß der Südseite der nördlichen Störung wird mit den vordringenden ozeanischen Luftwaffen es noch zum Auftreten von Bewölkung kommen lassen. Im allgemeinen bleibt jedoch durch den hohen Druck das vielfach heitere und trockene Wetter bestehen. Eine Beeinflussung der Temperaturen, die sich stärker auswirken wird, ist zunächst ftidjt zu erwarten.

Wettervoraussage für Freitag: Zeit­weise bewölkt, sonst aufheiternd, ohne wesentliche Temperaturänderung, trocken.

Witterungsaussichten für Samstag: Teils wolkig, teils aufheiternd und durchweg trocken.

Lufttemperaturen am 14. August: mittags 26 Grad Celsius, abends 16,8 Grad; am 15. August: morgens 14,8 Grad. Maximum 26,4 Grad, Minimum 12 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. August: abends 25,8 Grad; am 15. August: morgens 18,8

1 Grad. Sonnenscheindauer 12 Stunden.