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Nr. 295 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 14. Dezember i929

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Oberhessen.

Landkreis Gießen.

d. Heuchelheim. 12.Dez. Die Dorberei- tungsarbeien zur Wasserversorgung und Kanalisation in der Gemeinde Heuchel­heim gehen zwar langsam, aber anscheinend doch sicher vorwärts. Dor 14 Lagen hat man die Arbeiten aus dem Submissionswege aus­geschrieben, und zwar in drei Losen. Les 1 umfaßt die Erdarbeiten für Wasserleitung und Kanalisa­tion, sowie die Lieferung und Verlegung der Rohre für die Wasserleitung; Los 2 umfaßt die Lieferung von Ton- und Zementrohre für die Kanalisation; Los 3 die Lieferung von 830 Meter Zementrohre von 120 Zentimeter lichte Weite. Auf Los 1 sind dreizehn Angebote abgegeben worden, und zwar von Firmen aus Gau-Alges­heim, Heuchelheim, Metzlar, Herborn, Dillenburg, Gießen, Rieder-Mendig, Kassel, Weilbach. Höhr, Bremen und Münster (Wests.) Das niedrigste Angebot lautet auf 203 732 Mark, während das höchste 301 316 Mark beträgt. Dazwischen liegen Angebote von 211 203, 218 400, 223 775, 224 497, 226 685, 227 425, 234 004, 232 9 3, 236 416, 244 559 und 285 822 Mark. Auf Los 2 haben elf Firmen aus Dillenburg, Hartenrod, Oberkassel, Frank­furt a. M., Issum, Gießen, Heuchelheim, Höhr und Bremen eingereicht. Hier ist das niedrigste Angebot 57 535, das höchste 63 346 Mark. Auf Los 3 haben vierzehn Firmen aus Saarbrücken, Heuchelheim, Biebrich, Oberkassel, Issum, Gießen, Heidelberg, Bremen, Kassel, Höhr und Stuttgart cingereicht. Riedrigstes Angebot 25 030, höchstes 59 488 Mark. Die Zuschlagsfrist war mit fünf Wochen vorgesehen. Hoffentlich läßt sich aber die vorgesehene F.ist wesentlich verkürzen, damit mög­lichst bald mit den Arbeiten angefangen werden kann. Diele Arbeitslose warten schon lange auf deren Beginn, damit sie in den harten Winter­monaten für einige Zeit lohnende Beschäftigung finden. Am Sonntagabend hielt der A r b e i - tcrgesangverein in der Turnhalle ein sehr gut besuchtes Konzert ab. Herr Hch. Rikolai (Großen-Dused) hat es als Dirigent verstanden, aus den zum Teil jungen Sängern einen Chor zu schaffen, der sich hören lassen kann. Es wurden ^X)örc von TUhmann, Krause, Curti, Rolden- f-oucr, Meißner, Kratzer, Winkelhagen, Baumann und Strauß in vollendeter Weise zum Dortrag gebracht. Die Kapelle Weller-Einbrod't (Gießen) versah in guter Weise den instrumen­talen Teil des Konzertes.

Lollar. 14. Dez. Am kommenden Montag vollendet unser Mitbürger, Zimmermeister Balthasar Nuhn, sein 75. Lebensjahr. Der Jubilar stammt aus Treis a. d. Lda., erlernte das Zimmer- Handwerk in Ruttershausen, besuchte dann die Zei- chenschule in Gießen und machte sich 1884 selbständig, nachdem er vorher auswärts gearbeitet hatte. Im Laufe der Jahre brachte er dann fein Unternehmen auf die heutige, sehr bedeutsame Höhe. Im letzten Sommer betrug die Belegschaft des Werkes einschließ­lich der Beamten 110 Personen. Im Jahre 1922 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umge­wandelt. Herr Nuhn kann mit höher Befriedigung auf ein gesegnetes und weithin geschätztes Lebens­werk zurückblicken.

t Treis a. d. Ld a., 13. Dez. Gestern abend svrach auf Einladung unseres Pfarrers in der hefigen Kirche Fräulein Hichler von der Basler Mission über die segensreiche Arbeit dieser Missionsanstalt unter den heidnischen Frauen Chinas. Die Vortragende schilderte u. a. in bewegten Worten die große Rot der chinesi­schen Frauenwelt und suchte die Herzen der Anwesenden zur hilfreichen Teilnahme dafür zu gewinnen. Rachdem die drei hiesigen Schäfer im Laufe der letzten Jahre wegen hohen Atters nach und nach ihren Dienst aufgegeben haben und sich keine Rachfolger für sie fanden, ist kürzlich auch die letzte Schafherde aufge- 1 ö st und damit die Schafzucht in unserer Ge­meinde vorerst beendet worden.

gd. Großen-Buseck, 13. Dez. Einen sehr interessanten Dortrag hielt in der hiesigen Volkshochschule der Universitäts-Garten- inspektor i. R. R e h n e l t aus Gießen. Durch seine beiden Reisen nach der Insel Ceylon hat der Redner so weitgehende Kenntnisse über Land und Leute sich erworben, daß er in der Lage war, seinen Hörern, wenn auch in gedrängter Kürze, einen klaren Lleberblick von diesem Tropen­gebiet zu geben. Rach kurzen Ausführungen über Lage, Größe, Bodenbeschaffenheit und Klima schilderte unter Darbietung von nahezu hundert Lichtbildern, deren Farbenschönheit oft lebhafte Bewunderung hervorrief, der Vortragende die Sitten und Gebräuche, die religiösen Anschauun­gen und das Kastenwesen der Bewohner Ceylons. Es folgte sodann die Tierwelt, sowie die Kultur- und wildwachsende Pflanzenwelt. Reicher Beifall dankte dem Vortragenden. Angesichts der kurzen Zeit, die den auswärtigen Rednern bei der Lage der Züge zur Verfügung steht, wurde angeregt, die Vorträge bereits auf 7.30 Tlhr festzusehen.

* Großen-Buseck, 13. Dez. Auf der Ge­flügelausstellung in Homberg a. d. Ohm erhielt Herr Wilhelm M e l i o r von hier auf seine ausgestellten Tiere (je ein Hahn und eine Henne Rhodeländer und Barnevelder) zwei 1. und zwei 2. Preise. Schon auf verschiedenen Ausstellungen ist Herr Melior mit Aus­zeichnungen und Ehrenpreisen bedacht worden.

OO Klein-Linden, 13. Dez. Auch in unserem Dorfe sollen jetzt die Volksbildungsbestre­bungen Eingang finden. Nachdem sich vor kurzem sämtliche Vorsitzenden der örtlichen Vereine für die Sache ausgesprochen haben, wird morgen, Sams­tag, abend, der erste Vortragsabend stattfinden. Frau Dr. Neumann (Gießen) wird überDie seelische Entwicklung des Kindes und schwer erzieh, bare Kinder" sprechen. Es sind bereits weitere Vor­träge in Aussicht genommen und namhafte Redner für die Sache gewonnen worden.

LJ Großen-Linden, 12. Dez. In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde die Hundesteuer für das Jahr 1930 von 4 auf 6 Mark erhöht. Einschließlich der Staatssteuer sind nunmehr für einen Hund 18 Mark zu zahlen. Die Masserleitungsarbeiten wurden für das kommende Jahr dem Installateur Heinrich Weinandt von hier übertragen. Eine bei dein Wasserwerk seit Jahren im Betrieb befindliche Dampfmaschine entspricht nicht mehr den Anforderungen, sie soll verkauft und durch einen Motor erseht werden. Ein Antrag der Erwerbslosen auf Gewährung einer TI t e r st ü h u n g mußte zurudgestellt werden, weil die allgemeinen staatlichen Richtlinien hier­über noch nicht eingegangen sind. Im Laufe dieses Jahres herrschte hier eine auhcrgc-

Tagung des hessischen SeWStlenvneins.

WSN. D a r m st a d t, 13. Dez. Unter dem Vor­sitz des Präsidenten der Landesoersicherungsanstalt Hessen, Dr. Neumann, sand hier die Mitglieder­versammlung des Hessischen Landesver­bandes zur Bekämpfung der Tuber­kulose (Heilstättenverein) statt. Dor Ein­tritt in die Beratungen gedachte die Versammlung des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Geh. Sani­tätsrat Dr. Habicht in ehrender Weise. Der B c - richt über den Stand des Landesverbandes und seiner Heilstätten ist von uns bereits veröffentlicht worden und wurde von der Versammlung gebilligt. Ueber den Stand der Bauarbeiten au der H e i l - stätte Seltersberg (Heilstätte für Tu­berkulose der oberen Luftwege) in Gie> ßen erklärte der Vorsitzende, anfangs April könne mit der Betriebseröffnung gerechnet werden. Die neue Heilstätte umfasse über 100 Betten und unter­stehe Pros. Dr. B r ii g g e in a n n (Gießen). Aus Reichsmitteln seien 560.000 Mark, von Hessen 210 000 Mark zur Verfügung gestellt, der Rest durch die Landesversicherungsanstalt. Der vorgesehene Be­trag von 1 Million solle nicht überschritten werden. Für die Errichtung einer Kinderabteilung an der Lupusheil st ätte in Gießen lägen die Pläne fertig vor, die Gesamtkosten beliefen sich

auf etwa 600 000 Mark, die in absehbarer Zeit auf­gebracht werden könnten. Der hessische Staat wolle wohl geeignetes Gelände abtreten, dafür aber von der «ladt Gießen Gelände in Tausch nehmen. Hier sei in kurzer Zeit mit einem Abschluß der Verhand­lungen zu rechnen. Die Notwendigkeit der Errichtung dieser Kinderheilstätte wurde in der Aussprache an­erkannt. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Der Kassenbestand beträgt 59 383 Mark (Ein­nahmen 711 296 Mark, Ausgabe« 651.913 Mark). Der Vermögens st and wird als g ü n ft i g be­zeichnet. Der Vorstand wurde wiedergewählt und einige ausgeschiedene Mitglieder ergänzt. Zum Schluß entspann sich eine längere Aussprache über die Errichtung eines Mittel st andsanato- riums zur Betreuung nieist älterer Leute, deren Einnahme-grenze monatlich 500 Mk. nicht Übersteige und die für teuere Kuren nicht zah­lungskräftig genug sind. Der Plan fand grund­sätzliche Z u ft i m m u n g, doch wurde auf die Schwierigkeit der Finanzierung hinbewiesen. Die Generalversammlung wird nach Klärung einiger Fragen später endgültig Stellung nehmen. Der Chef­arzt der Heilstätte Winterkasten Dr. Cursch- mann hielt daraus einen Vortrag über Fragen der Tuberkulosebekämpfung.

Der Ladenschluß am 24.Oezember.

(MTB.) Der Reichstag hat am 10. Dezember bas Gesetz über den Ladenschluß am 2 4. Dezember verabschiedet. Rach dem Artikel 1 Absatz 1 dieses Gesetzes dürfen offene Verkaufs- stellen am 2 4. Dezember nur bis 5 Uhr nachmittags und solche, die ausschließlich oder überwiegend Lebensmittel, Cenußmittel oder Blumen verkaufen, bis 6 Uhr nachmittags für den geschäftlichen Verkehr geöffnet fein. Unter offenen Verkaufsstellen sind alle Läden, Buden und andere Verkaufsgelegenheiten innerhalb und außerhalb von Gebäuden, sofern von einer festen, jedermann zugänglichen Stelle aus Waren abge­geben tocrccn, zu verstehen. Zu den offenen Verkaufsstellen zählen auch die Warenautomaten.

Die Verlängerung der Verkaufszeit bis 6 Uhr nachmittags gilt nicht für die Lebens- und Ge­nußmittelabteilungen der Warenhäuser.

Ter Absatz 2 des Artikels 1 dehnt die Vor­schriften des Absatz 1 auf die Verkaufs­stellen der Konsum vereine und ähn­licher Vereine, auf die Verkaufs st eilen auf Eisenbahngelände, und zwar auch auf die innerhalb der Sperre gelegenen und auf den Hausier- und Straßen­handel aus. Die Vorschriften des Gesetzes fin­

den keine Anwendung auf Apotheken, auf den Marktverkehr' und auf den Handel mit Weih­nachtsbäumen.

Das Gesetz hat insofern für Gast- und Schankwirtschaften Bedeutung, als auch in diesem am Heiligabend von 6 älhr an Waren nur an Gäste zum Genuß auf der Stelle verabreicht werden dürfen. Rach Ladenschluß ist es in Gast- und Schankwirtschaften, wie auch in Friseurgeschäften verboten, Waren an Käufer zum Mi tnehmen abzugeben.

Das neue Gesetz regelt nur den Ladenschluß am 24. Dezember, nicht die La den Öffnung an diesem Tage. Diese richtet sich nach den für die einzelnen Arten von Verkaufsstellen gel­tenden Vorschriften.

Der Artikel 2 des Gesetzes bedroht Zuwider­handlungen mit Geldstrafe. Äe Höchststrafe beträgt nach dem Gesetz über Dermögensstrafen und Bußen vom 6. Februar 1924 10 000 Reichs­mark. Auch die fahrlässige Zuwiderhandlung ist strafbar.

Das Gesetz tritt mit dem Tage der Verkündi­gung in Kraft, gilt also schon für das bevorstehende Weihnachtsfest.

Raiffeisen-Tagung in Gießen.

O:e oberhessischen und Wetzlarer Genossenschaften gegen den ZranksurterVerband.

Es ist bereits durch die Presse bekanntgewor­den, daß die genossenschaftliche Eini­gung in unserem Wirtschaftsgebiet auf dem Frankfurter Verbandstag am 28. Ao- vember d. I. einen vorläufigen Abschluß ge­funden hatte. Dort war die einmütige Ent­schließung gefaßt worden, den seither bei Darm- st a d t gewesenen Wiesbadener Verband mit den Rassauer, Wetzlarer und Oberhessischen Raiff­eisen-Genossenschaften zu einem Verband zu vereinigen, der mit dem Darmstädter Verband in systematischer Genossenschaftsarbeit das Ziel eines großer» rhein- mainischen Wirt- schaftsblodes erstreben sollte.

Mit dieser Zwischenlösung waren auch die ober­hessischen und Wetzlarer Raifseisen-Genossenschaf- ten einverstanden, und man glaubte in diesen Kreisen, daß nun endlich Ruhe herrsche. Ein ganz unbegründetes, in ultimativer Form gege­benes Rundschreiben des Frankfurter Verbandes, das durch Vertreter der Rassauer Genossenschaf­ten veranlaßt war, hat jedoch die mühsam er­rungene Ruhe wiederum gestört und die Vertre­ter der Raiffeisen-Genossenschaften in Oberhessen und dem Kreise Wetz­lar zu einer großen Versammlung im Kath. Vereinshause in Gießen veranlaßt, die am Mitt­woch stattfand. In dieser stark besuchten Ver­sammlung, die von Landwirt Hildebrand, Rieder-Weisel, geleitet war, und in der auch vier Herren der Frankfurter Verbandsleitung zugegen waren, wurde in einmütiger Entrüstung dieses Rundschreiben verurteilt und ebenso einmütig fol­gende Entschließung gefaßt:

1. Die aus allen Teilen Oberhessens und des Wetzlarer Kreises in Gießen versammelten Ver­

treter der Raifseisen-Genossenschaften lehnen ein­mütig das von der Frankfurter Verbandsleitung versandte Rundschreiben ab. Sie erblicken darin ein diktatorisches Handeln, das sowohl gegen die gute Sitte im Genossenschaftswesen, als auch gegen die Satzungen verstößt. Es ent­hält die Tendenz, die Genossenschaften in Rassau gegen die in Oberhessen und im Kreise Wetzlar auszuspielen, wozu sich leider Rassauer Vertreter hergegeben haben. Wenn dann dies Rundschreiben den Zweck verfolgt, die führenden Köpfe der oberhessischen und Wetzlarer Sonderbewegung verächtlich zu machen und abzusägen, so müssen wir das niedri­ger hängen. Wir erheben schärfsten Protest ge­gen den Ausschluß unseres hochgeschätzten Füh­rers, des Herrn Dekan Vogel.Bruchenbrücken, auS dem Generalverbandsrat.

2. Wir wünschen nunmehr die sofortige Einrichtung des großen rhein-mai- nischen Wirtschaftsblockes mit aller- kleinstem Verwaltungsapparat.

3. Wir halten es in dem jetzigen verworrenen Stadium für notwendig, eine Kommission zu ernennen, die in der Lage ist, für eine als­baldige klare Lösung zu wirken und bitten die Preußenkasse, uns zur endgültigen Rege­lung eine kommissarische Verwaltung beizugeben.

4. Wir beantragen eine außerordentliche Generalversammlung.

5. Auf das Rundschreiben vom 7. Dezember werden Erklärungen nicht abgegeben.

6. Wir sind bereit, mitzuarbeiten an einer Re­gelung, die die bisherigen Mißstände beseitigt.

wöhnlich starke Bautätigkeit. Richt weniger als 18 neue, meist Zwei-Familien- Wohnhäuser wurden in dem noch nicht 3000 Einwohner zählenden Orte errichtet. Hinzu kom­men noch die Fertigstellung der neuen Schule und die vielen Reparatur- und sonstigen Bau­ten. Zahlreichen Bauhandwerkern und Arbeitern von hier und aus anderen Orten war hierdurch lohnende Beschäftigung geboten. Die Gemeinde gewährte dem Wohnungsneubau weitgehende Llnterstühung, insbesondere durch üebernafjme von Bürgschaften und durch Abgabe von Bau­material (Sand) zu ermäßigtem Preis.

O Holzheim, 13. Dez. Die Bewohner unseres Dorfes wurden gestern abend durch Sturmläu­ten der Kirchenglocken in großen Schrecken versetzt. Die Pflichlfeuerwehr war sehr rasch an der Brand­stelle, dem Hause des Steigers i. R. Hch. Schnei­der. Zum Glück war es nur ein Z i m m e r b r a n d, der bereits gelöscht war, ehe die Feuerwehr in Tätigkeit treten konnte. Bei dem herrschenden Sturm hätte der Brand schlimme Folgen haben können.

O Holzheim, 13. Dez. Dieser Tage begannen im hiesigen Gemeinde- und im Markwald, die zu der Försterei Gambach gehören, die Holzhauer­ar b e i t e n. Während voriges Jahr nur eine Rotte von 16 Arbeitern daran teilnahm, sind es heuer Der» hältnismäßig viel, nämlich 27 Mann, darunter vier- zehn seitherige Arbeitslose, deren Zahl zuletzt auf 50 gestiegen war. Der hiesige Geflügel- und Kaninchenzuchtverein hält am nächsten Sonntag eine Lokal-Geflügelschau ab.

T Lich, 13. Dez. Die Stadtverwaltung läßt gegenwärtig in der Hintergasse von ihrer Ein­

mündung in die Bahnhofstraße bis zur Scheunen­gasse die in früheren Jahren gebaute K a n a I i - 1 a t i o n und Wasserleitung tiefer legen u. o einige neue Schächte zur besseren Reinigung der Kanalanlage einbauen. Infolge der sehr engen, kaum vier bis fünf Meter breiten Straße mutzte die ausgehobene Erde bis gegen die Häuser aufgesetzt werden, so daß die Anwohner ; kaum ihre Häuser verlassen können. Daß auf der Straße kaum vorwärts zu kommen ist, läßt sich begreifen. Die Anwohner der Straße wären der Stadtverwaltung zu großem Danke verpflichtet, * Obbornhofen, 13. Dez. Am Mittwoch er­eignete sich hier vor unserem Dorfe ein schwerer Unfall, dem leider ein blühendes Menschenleben zum Opfer fiel. Als das beladene Fuhrwerk des Gastwirts Philippi unter Führung des Knechts Wilhelm L o w i n, die abschüssige Straße von Wohn- bach kommend, herunterfuhr, fiel der Lenker auf bis jetzt ungeklärte Weise vornüber vom Wagen und wurde ein Stück Wegs mitgeschleif t. Der Bedauernswerte erlitt schwere innere und äußere Verletzungen und verlor das Be­wußtsein. Er ft a r b schon während der Nacht, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Er stand im 23. Lebensjahre und hinterläßt eine Witwe mit einem Kinde.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

v Lützellinden, 11. Dez. Hier hat sich vor kurzem ein Schühenverein gebildet. Der Schießplatz ist in dem GemarkungsstückAn der

Holzburg", neben dem stillgelegten Bergwerk der Gewerkschaft Gießener Braunstcinbergwerlc, auf Gemeindegelände gelegen, wobei ein unbenutzt liegender Erddamm des Bergwerks als Äugel­fang d'Ltt. Gründer des Vereins ist die hiesige Bruderschaft des Iungdeutschen Ordens.

4- Dornholzhausen, 11. Dez. Der ncuge- wählte Gemeinderat trat jetzt zu seiner erste» Sitzung zusammen. Als Vertreter für den ver­hinderten Bürgermeister Dr. Reumann nahm Amtsobersekretär Sänger vom Bürgerrneister- amt Groh-Rechtenbach an der Sitzung teil. Rach der Verpflichtung der neugewählten Gemeinde-- ratsmitglieder wurde die Wahl des Gemeinde­vorstehers und des Gemeindevorsteher-Stell­vertreters vorgenommen. Da Widerspruch nicht erhoben wurde, erfolgten beide Wahlen durch Zuruf. Es wurden einstimmig gewählt als Ge­meindevorsteher der bisherige Gemeindevorsteher Wilhelm Watz, als Gemeindevorsteher-Sbell- vertreter der bisherige Gemeindevorsteher-Stell­vertreter Konrad Loh.

Riederklee n, 11. Dez. Der Gasthaus- besiher Ernst Sommerlad vom Jagdhaus Hubertus bei Butzbach schoß im DistriktS.achel- havdt" des hiesigen Gemeindewaldes ein Wild­schwein. welches aufgebrochen ein Gewicht von 100 Pfund hatte. Die Wildschweine treten in der letzten Zeit sowohl im hiesigen, als auch in den benachbarten Jagdbezirken wieder in stärkerem Ilm fange auf und richten bei ihrem Austritt auf die mit Wintergetreide bestellten Felder Schaden an.

<> Riederkleen, 12. Dez. Der neue Gemeinderat hielt jetzt seine erste Sitzung ab. Als Vertreter des Bürgermeisteramtes in Groß-Rechtenbach nahm Amtsobersekretär Sän- . g c r an der Sitzung teil. Gemeindevorsteher Eisenhardt führte die neugewählten Ge­meinderatsmitglieder in ihr Amt ein und ver­pflichtete sie. Der Gemeindevorsteher, Landwirt Johannes Gisenhardt, und der Gemeinde­vorsteher-Stellvertreter, Landwirt und Zimmer­mann Louis Ulm, wurden einstimmig wieder­gewählt. Beide Wahlen erfolgten, da kein Wider­sprach erhoben wurde, durch Zuruf. Dem Ge­meindevorsteher wurde noch eine besondere Ehrung dadurch zuteil, daß ihm der hiesige Männergesangverein ein Ständchen brachte and dankbare Ortseinwohner ihm eine Tanne vor das Haus setzten.

Maingau.

WER. Frankfurt a. M., 13. Dez. In einem Hause der Alten Mainzergasse stürzte heute nachmittag beim Senfterrcinigen ein etwa 50 Jahre alter Mann aus dem Fenster. Er trug so schwere innere Verletzungen und Knochenbrüche davon, daß er kurz nach feiner Einlieferung in das Heiliggeisthospital Der* st ar b.

Das Gaarproblem.

Lieber dieses Thema sprach am Mittwochabend imHindenburg" auf Veranlassung der Studen­tenschaft der Landesuniversität der Studienrat Dr. Kill, Düsseldorf. In seiner Einleitung wies der Redner darauf hin, daß angesichts der deutsch­französischen Verhandlungen die Saarfrage augenblicklich im Vordergrund des Interesses stehe. Die Franzosen würden sich nur zögernd zur Rheinlandräumung beciuemen, weil die fran­zösische Saarpolitik unzertrennlich von der fran­zösischen Rheinpolitik fei. Der Redner schilderte dann in eingehender Weise, wie Frankreich schon seit Jahrhunderten bemüht ist, seine Rheinland- Pläne durchzusehen dadurch, daß es zunächst mit allen Mitteln versucht,. das Saargebiet dauernd an Frankreich anzugliedern. Er wies dann unter Erläuterung der geschichtlichen Vorgänge nach, wie diese Pläne Frankreichs, dank der Haltung der Saarländer, trotz vorübergehender Abtren­nung des Saargebietes von Deutschland, immer wieder vereitelt wurden. Auch die Hoffnung Frankreichs, durch den Krieg von 1870 dem Ziele näherzukommen, habe sich als Trugschluß erwie­sen. In den von Frankreich mit Rußland abge­schlossenen Geheimabkommen aus den Jahren 1912 bis 1917 gehe klar das Ziel Frankreichs, das Saargebiet zu besitzen, hervor. Frankreich speku­liere dabei auch auf den Kohlenbergbau und die dortige Industrie. Die Anstrengungen Frank­reichs, beim Abschluß des Vertrags von Ver­sailles in dieser Hinsicht etwas zu erreichen, seien begreiflich gewesen. Der Redner schilderte Dann die Auswirtungen derSchaffung des Saar­gebiets", zeigte die von französischer Seite ver­suchte politische Beeinflussung und Propaganda und erläuterte die Entrechtung der Saarländer durch die Regierungskommission, die Der Annek­tion des Saarlandes durch Frankreich die Wege ebnen solle. Auch das eingesetzte Parlament (Lan­desrat) habe keine Besserung gebracht. Der Red­ner sprach Dann von Der Einführung Der fran­zösischen Währung im Saargebiet, von der Ver­teuerung Der Lebensmittel bei fast gleichzeitiger Herabsetzung der Löhne, und wies auf die Ver­suche Frankreichs hin, den deutschen Geist zu unterbinden und frairzösischer Kultur Eingang zu verschaffen, durch Errichtung französischer Schu­len und Versuche zur Einführung französischen Sprachunterrichts in Den Volksschulen usw. Auch hier habe die saarländische Bevölkerung stand- gehalten trotz Zuckerbrot und Peitsche. Man habe deshalb das System geändert und dahin ge­wirkt, daß Frankreich in wirtschaftlicher Hin­sicht im Saarland einen größeren Einfluß er­halle. Dies sei in vollem Maße geglückt. Heute sei das Saarland wirtschaftlich in Händen Frank­reichs, ebenso mache sich dort starkes Eindrin­gen französischen Kapitals bemerkbar. Von der französischen Wirtschaft werde daher verlangt, daß Frankreichs wirtschaftliche Stellung bei Den bevorstehenden Verhandlungen gebührend berück­sichtigt und auch aus Weiterbestehen des Saar- staates unter Aufsicht des Völkerbundes hin- gewirkt werde. Rach Aeußerungen französischer Staatsmänner fei zu befürchten, daß bei den bevorstehenden Verhandlungen nur wirtschaft­liche Fragen zur Besprechung kämen, während man Die politischen Fragen wahrscheinlich mög­lichst lange hinauszuschieben versuche, in der Hoffnung, dem Ziele der Anneltion doch noch näherzukommen. Die Saarländer hätten alle der­artige Versuch,: schroff abgewiesen, sie wollten auch, wie ans den seitherigen Kundgebungen zu entnehmen war, lieber bis 1935 warten, wenn die restlose Befreiung in politischer und wirtschaft­licher Hinsicht durch eine frühere Lösung des Saarproblems gefährdet würde. Die Saarländer hätten das Recht, zu verlangen, daß die beut-