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Nr. 10 Zweiter Blatt

Eietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 12. Januar 1929

Zur Finanzlage des Reichs.

Don Dr.6cr*(Eremer,Mitglied desl^e-chstags.

Die Verzögerung der Koalitionsbildung im Reich und in Preußen macht es erforderlich, daß das Reichskabinett nunmehr aus sich heraus den Reichshaushalt verabschiedet und zunächst dem Reichsrat zuleitet, um vor dem 1. April den Reichs haushalt und die zur Deckung des darin enthalte­nen Defizits erforderlichen Gesetze zu vollenden. Da die Parteien keine Gelcgenhc.t haben, vor der end- gültigen Aufstellung des Etats ihre Stimmen zu erheben, jo bleibt ihnen der Weg frei, gegenüber den Vorlagen der Regierung ihren Standpunkt zu vertreten und gegebenenfalls auf diejenigen Aende- rungen zu dringen, die sie für erforderlich halten. Das Kabinett wird sich mit dieser Sachlage abfin­den muffen und dürste sich der Tatsache voll be­wußt sein, daß es einer großen Elastizität bedarf, um die schwierige Aufgabe der Herstellung des finanziellen Gleichgewichts befriedigend zu lösen.

Ohne Zweifel ist es eine anerkennenswerte Lei­stung des Reichsfinanzministers, daß es ihm ge­lungen ist, durch rigorose Sparmaßnahmen die Höhe des ungedeckten Defizits auf 350 Millionen zurückzuschrauben, wobei ohne Zweifel auch bereits erhebliche Beträge durch eine stärkere Inanspruch­nahme der Posterträgnisse und eine stärkere Beteiligung des Reichs an den Uebermei» fungs steuern eingestellt sind. Ob in letzterer Beziehung dos Maß des Möglichen ausaeschöpst ist, wird später zu prüfen fein; es hängt ohne Zweifel mit der Frage zusammen, ob und inwieweit es ge­lingt, die im Jahre 1927 den Ländern auferlegtcn, aber nur zum geringsten Teil ausgeführten Sen­kungen der Real steuern für die Zukunft sicherzustellen: denn wenn diese Sicherstellung auf gesetzlichem Wege jetzt nicht zustande kommt, so mußte die Folge eine entsprechende Kürzung der den Landern zu fließenden Ueberweisungsfteuern fein.

Hinsichtlich der zur Deckung des Defizits benö­tigten Steuern kann das letzte Wort naturgemäß ebenfalls erst gesprochen werden, wenn volle Klar­heit über da» Maß der künftigen Beteiligung der Länder an den Ueberweisungssteuern geschaffen ist. Einerlei, nach welcher Seite hin der endgültige Vor­schlag des Reichsknbinctts sich entscheidet, darf ruhig ausgesprochen werden, daß es heute überhaupt keine neue Steuer gibt, deren Festlegung nicht die bcrechtigsten und schwersten Bedenken er­wecken müßte. Am erträglichsten erscheint immer noch die Einbeziehung der wirtschaft­lichen Unternehmungen der öffent- lieben Hand unter d i e Einkommen- und Körperfchoftssteuer, weil hierdurch ein ungesunder Zustand beseitigt wird, der eine durch nichts begründete Bevorzugung derjenigen Staatsbürger bedeutet, die aus der öffentlichen Hand z. B. mit Elektrizität ujw. versorgt werden, gegenüber denjenigen, die aus privaten oder ge­mischt-wirtschaftlichen Betrieben versorgt werden. Die Besteuerung der öffentlichen Hand wird natur­gemäß oon den Gemeinden und Ländern ungern ?ugestanden werden; da man jedoch dort die Real- teuer pflicht der Rejchsbetriebe in Anspruch nimmt, kann man sich logischerweife der Reichssteuerpslicht der eigenen Betriebe nicht mit guten Gründen widersetzen.

Daneoen wird von manchen Seiten eine E r - Höhung her Umsatzsteuer als Verhältnis- mäßig tragbar angesehen. Die Gefahr, daß ein sol­cher Schritt den Konsum und den Einzelhandel be- sond?rs stark treffen und den Konzentrationsprozeß in manchen Erwcrbszweigen zum Schaden der selb­ständigen Existenzen erneut ankurbeln würde, lst aber nicht zu übersehen. Wenn aus Kreisen der Linken auf eine Erhöhung der Besitz- steuern hingewiesen wird, wobei teils eine Er­höhung und Erweiterung der Erbschaftssteuer, teils die Reuerhebung der Vermögenszuwachesteuer, teils die Erhöhung der bestehenden Vermögenssteuer in den Vordergrund gestellt wird, so tritt hier überall das Bedenken entgegen, daß nach dem gewaltigen Dermöaenszufammenbruch der Inflationszeit und angesichts der außerordentlichen Anspannung der

Einkommensteuer alle Steuern, die aus der Substanz genommen werden müssen, als eine verhängn'svolle Beeinträchtigung des Spartriebs und der Ansätze zu der so notwendigen neuen Ka- pitalbildung angefprochen werden müssen.

Auf der andern Seite faßt man die neuerliche Er­höhung der Steuern auf Bier und Brannt­wein und die Wiedereinführung der Wein­st e u e r ins Auge. Es kann auch hier kein Zweifel darüber fein, daß diele Steuern auf den Konsum abgewälzt werden müßen, wenn die beteiligten Produktionszweige nicht in eine unmögliche Lage geraten sollen. Können diese Steuern nicht abge- I wälzt werden, so werden die schwächeren Betriebe ! der Produktion zusammenbrcchen, die stärkeren mindestens erschüttert werden, so daß der volks­wirtschaftliche Schoden weit größer ist als der möa- liche finanzielle Nutzen. Erfolgt die Abwälzung, so wird bei so wichtigen Geuußmitteln eine Steige­rung der Lebenshaltungskosten und ein entsprechen­der Druck auf das Lohnniveau unvermeidlich sein, etwas, was die deutsche Wirtschaft in ihrer pro­blematischen Lage heute weniger denn j« vertragen kann.

Der Weg der Anleihe zur Deckung des Defi­zits ist uns ebenfalls verschlossen: im Gegenteil be­steht die Tatsache, daß aus früheren Bewilligungen des Außerordentlichen Haushalts, für welchen die

geplante Anleihe nicht zustande kam, eine Ver­schuldung des Außerordentlichen Haushalts gegenüber dem Ordentlichen Haus- halt oon mehr als 600 Millionen besteht, so daß auch flüssige Mittel nur in ungenügendem Umfange vorhanden sind. Es müssen also schnell Entschei­dungen getroffen werden, die das Verantwortlich­keitsgefühl aller Beteiligten bis zum äußersten in Anspruch nehmen; dabei ist die jetzige Opposition nicht ausgenommen, da sie die Verantwortung für die gegenwärtige Lage der Reichefinanzen, die nicht oon gestern auf heute entstanden ist, in vol­lem Umfange mitträgt. Bereits vor Jahresfrist ist von uns mit größtem Ernst auf die Lage hinge- I wiesen worden, welche sich für den gegenwärtigen | Zeitpunkt ergeben würde. Trotzdem ist unter dem damaligen Firanzminister der vorjährige Etat ledig­lich durch die Heranziehung oon etlichen Hundert Millionen einmaliger Einnahmen für die Deckung der laufenden Ausgaben balanciert worden, und der Ruf zur Sparsamkeit und Ausgabensenkung fand keinen genügenden Widerhall. Die Bewilligung von ungedeckten Ausgaben aber schließt die Ver­pflichtung in sich, für die Deckung zu sorgen, und diese Verpflichtung wird nicht beseitigt dadurch, daß eine Partei sich aus der Regierung zurückzieht, um in die Opposition zu gehen oder die Rolle eines unbeteiligten Beobachters zu spielen.

Feinde von gestern - Freunde von heute.

,,Seeteufel" wieder in Amerika.

Don Felix Grafen von Luckner.

Nachdruck verboten.

z. Z. Rocky Mountains, Januar 1929.

Als die Weihnachts- und Siloesterglocken alte, liebe Festtage in der deutschen Heimat einläuteten, da werden nur die wenigsten meiner zahlreichen deutschen Freunde gewußt haben, daß derSee­teufel" auch diesmal wieder fern dem teuren Vater­lands weilen würde, getrennt von ihm durch den weiten Ozean, in einem Lande, in dem jetzt schönste und herrlichste Blumen- und Blütenpracht die fest­lich gestimmten Mei schenherzen erfreut. Aber noch höher, als die Bergriefen hier um mich herum, und noch' tiefer als der Ozean, dessen Majestät mich immer wieder ergreift, ist die Liebe zu meinen deutschen Volksgenossen, für deren Ansehen in der Welk ich mich hier einzusetzen versuche, und die Aufrichtigkeit meiner Wünsche für ein gesegnetes 1929. Nanu, werden Sie vielleicht fragen, was macht denn der Luckner wieder in Amerika? Das ist schnell erklärt. Als ich im vorigen Jahre mit meinem prächtigen SchippVaterland" heimkehrte, nach langer Vortragsreise durch den ganzen nord- amerikanischen Kontinent, da war ich mir sofort im klaren, daß es galt, das Erreichte fortzusühren und zu vertiefen. Mein Schipp mußte Ich zwar leider verkaufen, um den finanziellen Mißerfolg der Reise aus der Welt zu schaffen. Aber Sie wißen ja, den Kopp hängen laßen, ist nicht meine Sache: Kik in de Sünn, und nicht In das olle Musloch, wo bat so düster ist! Der moralische Erfolg meiner ersten Reise, für den mir das Deutsche Auswärtige Amt Dank werden lieh, ermutigte mich au dieser zweiten. Denn bald schon nach meiner Heimkehr erreichten mich eine Anzahl Einladungen amerika­nischer Universitäten, die Vorlesungen und Vor­träge von mir zu hören wünschten.Der Iu - g e nd gehört d i e Zukunft" dachte ich mir, und es ist gewiß von großer Wichtigkeit, wenn gerade die amerikanische Jugend für die Zukunft in deutschem Sinne beeinflußt wird, zumal sie es selbst verlangt. Andere Einladungen folgten, und so be­durfte es keinen schwerwiegenden Entschlusses, den Sprungüber den großen Teich" noch einmal zu wagen, besonders, wenn es auf einem so schmucken Lloyddampfer geschieht. Daß mich mein treuster Kamerad, Inaeborg, meine Frau, begleitete und nun all die Anstrengungen eines steten Wander-

lebens mit auf sich nahm, war bei ihrer prächtigen Einstell ng zu meiner Arbeit von vornherein selbstverständlich.

Nicht nur als ehemaliger Kaperfchiffskommandeur oder als Missionar eines guten Willens kam ich diesmal herüber, wie bei der letzten Reife, son­dern auch alshonoured Citizen", als Ehrenbürger einer der größten amerikanischen Stätte, als Ehrenmitglied der ..ameri'an Legion", des einzigen großen amerikanischen Frontkrieger­verbandes. Ich kann heute mit gutem Gewißen sagen, daß diese zweite Vortragsreife nun feit drei Monaten bie glückllchsten Erfolge gezei­tigt hat, und hoffe in meinem unverbrüchlichen Optimismus, daß mir Fortuna auch für die noch zu haltenden 186 Vorträge, die mich bis Mitte Mai von der Heimat fernhalten werden, treu bleiben wird. Denn es ist ja ein guter Zweck mit all mei­nem Sehnen und Handeln verbunden. Glauben Sie mir, für mich brachte ich als alter Seemann kein Wort über bie Lippen, schämen würde ich mich solchen Tuns, es ist für das Ansehen unse­res Vaterlandes, das zu fördern gerade hier in Nordamerika von größter Wichtigkeit ist. Immer mehr wächst der Kreis rein amerikanischer Freunde, und viele offizielle Vertreter der einzel­nen Staaten machen sich geradezu eine Freude dar­aus, mich dem Publikum perfönlich oorzustellen. Nicht auf mich fallen diese Ehren zurück, sondern auf mein deutsches Vaterland. Ein ehrenvoller Brief des bekannten Gouverneurs Fuller vorn Staate Massachusetts gibt ein Beispiel von vielen dafür.

Nun aber zu den Vorträgen selbst. Es genügte mir natürlich nicht, nur vor den Deutsch-Ameri­kanern zu sprechen, oon ihrer Liebe zur alten Heimat habe ich mich oft genug überzeugen ton­nen. nein, den Vollblutamerikaner galt es zu gewinnen und zu interessieren. Es ist natür­lich ungemein schwer, sich als Deutscher in bie Se­hens- und Denkungsart dieses an und für sich schwierigen Menschenschlages hineinzusinden, sich einen Weg von Herzen zu Herzen bahnen. Sein Gemüt muß auf besondere Art bewegt, fein Sensa- tionshunger auf eigene Weise befriedigt werden. Daß diese Arbeit mir gelang, geht aus meiner ganzen Entwicklung hervor. Schon als kleiner Junge sehnte ich mich nach dem großen amerifa- ewir,TOTilTT*we:iir-.ii|JieeriuvieTiriBewBBiHeeeeeÄneÄHnH

Gießener Giadttheater.

Otto Ernst:Flachtzmann als Erzieher".

TBtr haben dieses Stück vor nicht ganz drei Jahren schon einmal hier zu sehen befommen; wir haben es seinerzeit abzllrhnt. wie es seit seinem Erscheinen vor saft drei Jahrzehnten von jeder ernsthaften und ehrlichen Kritik immer wieder abgelehnl worden ist.

Trotzdem ist das Derk, welches von feinem Verfasser sehr selbstbewußt als Komödie aus ge­geben wurde, von Anfang an ein großer und siche.er Dühnenerfolg gcw'en.Das kamt allerdings unserer Auffassung nach eine Ausgrabung nicht rechtfertigen.

Dieses Schulstück ist vollkommen veraltet und verstaubt. Seine Moral rennt offene Türen ein, und eS ist eine Unmöglichkeit, dieGegenwart von der Jahrhundertwende auf unsere eigene Zett übertragen zu wollen. Das Tanze ist durchaus ehrenwerten Gesinnung hitaus gefä>rie- ben und sehr gut gemeint. Aber es geht uns heute nichts mehr an.

Vicht, als ob die moderne Pädagogik und die neuzeitliche Schule nicht auch ihre Sorgen hätten, sie beißen sich am Ende mit schw.n:e^en und schlimmeren Problemen herum, als man cs zu Otto Ernst (Schmidts) Zeiten getan hat. Eben M- wegen: in ten Stücken, die h ute aus dem gleichen Milieu und dem selben Problem kr.-iS hervor- brechen, herrscht ein ganz anderer Ton. Da ist es mit verständnisvoller Heiterkeit im Zuschauer- raum nicht getan.

Zudem ist das Grundmotiv, auf dem der .Flachsmann" auf gebaut ist, ein gottseidank ver­einzelter und eigentlich auh nthalb der Haupt­motivreihe liegender Sond rfall. dessen Wieder­holung heute kaum denkbar wäre.

Und schließlich ist die vorliegende Gestaltung der Zabel künstlerisch von einer rühr.mden Un­zulänglichkeit. Das Personal besteht hüben au« Schuften und Brunnenvergiftern, drüben aus Bie­dermännern mit wahren Engelsgemüt nn. Dazwi­schen ein paar Karikaturen, die man heute zum Glück nur noch in schlecht geleiteten Witzblatt nm findet, und etliche norma r Menschm. die leider nur als blasse Schatten durch die drei Akte geistern und nichts zu sagen haben.

Natürlich erhalten nach bewährtem Muster ältester Schule die Biederleute ihren verdienten Lohn, und die schwarzen Schufte werden nach

ausführlicher Zerschmetterung in den OrkuS ver­senkt. Die dramaturgische Behandlung zeigt im Einzelnen und in Qlcbcitmoti.e i di. gleicle.i Män­gel jener heute un.rrräglichenSchwcr.-z weiß manier­eine Ironie, die faustdick aufgetragen wird; eine Satire, die mit dem Zaunvfahl winkt; daneben bewährte Schulwitze und Pvsseneff.ckte, die nie ihre Publikumswirkung verfehlen.

Die Aufführung wurde von B a st e inszeniert: sehr au.führlich und behaglich, sehr m.t Einzelheiten, heftigen Betonungen und herausacstrichenen Poin­ten, der stellenweise stürmische Erfolg mag seiner Auffassung recht geben. D.e Mängel des Stückes wurden dadurch nicht verdeckt, sondern hervorge- kehrt. Wenn man denFlachsmann" schon spielt, sollte man ihn so zurückhaltend, maßvoll und ge­räuschlos spielen, wie es irgend möglich ist

Die Hauptrolle des entgleisten Iugenderziehers gab Gareis als einen trockenen Schleicher, Be­trüger und Tartüff, ein ausgekochtes Subjekt von verkniffener und auftrumpfender Bösartigkeit, der Charakterspieler-Typus der Rolle wurde aber von Anfang an durch einen in Sprache, Haltung und Geste fvftgclegten Thcaterintrigantenstil aufgelöst , die Re­gie hätte hier und auch in anderen Besetzungen mil­dernd und glättend eingreifen müßen

Auf der Gegenseite hatte vo> allem lannert mit der zärtlich in Helles Licht gerückten Idealfigur des Musterlehrers Ian Flemming eine dankbare Aufgabe; so ein frisches, oft freches, immer selbst­bewußtes und sicgessicheres Drauflosspielen mit dem Munde vorneweg und gut sitzenden Antwor­ten liegt ihm sehr.

Bolck in der Rolle des Schulrats, der mit einem sympathischen Temperament und einem gesunden Sinn für Orbnurg, Anstand und Sauberkeitdie muffige Bude" auskehrt, wiederholt hier eine schon in der früheren Aufführung bewährte, tüchtige Leistung.

Aus dem Wachsfigurenkabinett des Lehrerkolle­giums: Arzdorf, der verschlagene und brutale Spießgeselle des edlen Flachsmann: behutsam und mit angenehmer Zurückhaltung. (Je weniger die Rollegespielt" wird, desto erträglicher wirkt sie ) D a st e (Weidenbaum), Gehre (Brösecke) und Linkmann (Riemann) trieben ihre Chargen vollends in die Karikatur, wie sie in einer Komödie unm gl ch ist, die aber unbestrittene Heiterke tserfolge hervorrief. Ingeborg Seher er, an sich frisch und natürlich, wirkte als die Elementarlehrerm G:sa Holm doch etwas zu jugendlich und stellenweise zu backfischhaft.

Drei gute Chargen: Trude f) e ß (nur leider ver- schminkt), d e C a st r o und Ritter.

Der Erfolg beim Publikum war so stark und ein- hell g, daß man ihn gern einem künstlerisch wert­volleren Schauspiel gewünscht hätte. Dr. Th.

Oer römische Spielzeug-Karneval.

Gas Epiphaniasfest i.'t tn Rom stets mit be­sonderem Glanze begangen w:rd n denn es lebt noch eine Gri inerung daran fort, baj ja li brr ältesten Christenheit W i-nachten auf diesen Tag siel. Auch Nachklänge aus der alten Römerz.it spielm noch mit. Das Hauptoergnügen sr teile sich in den l.chten 100 Jahren immer auf der Diaz'a Ramona o5. dem schönen langgestreckten Platz mit feinen Palästen und Brunnen, der auf der Ö'ctle des Stadio S des D-wi tan ftefji Wäh­rend im alten Ron an diesem Platz Glatistvren- Kämpfe und Tierhetzen statt anden und in der Re aissance Turniere und Wa'serfeste veranstal­tet wurden, findet jetzt hier in Januar der .Spielzeuzkar: eval" statt. Klei re Kaufleute und flieg-E rdler lassen hier it kürzester Zeit hölzerne Buden und malerische Derkaufsstände erstehen. Bunte Lampen werfen ihr lustiges Licht auf eine unendliche Auswahl von Spiel­zeug aller Art; Zuckerzeug wird angepriesen, und in diesem bunten Rahmen drängt sich eine schreiende und lachende Menge, unter der nicht nur die Kinder vor all dem Tand in Entzücken auSbrechen. Der mächtige Triton deS Den i ri­schen Brunnens, den das Bolk den »Fmtänon- Mohren" nennt, blickt gravitätisch auf diese hei­teren Szenen hernieder, und feine phantastische Silhouette vereint sich mit den andern Brunnen­figuren und den wundervollen Fassaden der Paläste zu einer eirzigartigen Umrahmung dieses Karnevals. In federn Jahr entbrennt ein hef­tiger Strei: it den Zeitungen, ob selche Bvlks- brärtche aus dem alten Rom noch in dem »drit­ten Rom" Mussoli-.iZ angebracht ind. Aber der Gouverneur von Rom, Fürst Buoncampagni 2 u - dov'isi. der 'it guter Römer ist. hat diesmal allen Einw.mdungen sofort die S itze abgebrochen, intern er allen Antragstellern die Auf ichtunz der Buten gestattete und einen sehr geringm Miet­preis festsetzte. So i t denn der Spielzeug-Karne- val in diesem Jahre mit besolde rem Glanze be- ganoen worden, aber trotzdem dürften feine Tage gezahlt fein.

nischen Lande, von dessen Geheimnissen ich au- vielen Büchern mehr oder minder Wahres gelesen hatte. Mein Forschungsdrang und noch einiges andere ..., ließen mich schon als Junge mein Elternhaus verlaßen. Ich segelte dann als Schiffs­junge auf einem deutschen Kauffahrteischiff nach Australien, im Glauben, Amerika läge auf dem Weye nach Australien. Enttäuscht verlieh ich das Schift in Melbourne und fristete mein Leben eine Zeitlang als Gast der Heilsarmee, als Leuchtturm­wächter, als Mitglied einer Fakirtruppe, als Meisterboxer ufro., wie es ja viele von Ihnen ge­wiß in meinemSeeteufel" gelcfen haben. Als gewöhnlicher Seemann, die Liebe zum Meere hatte mir das Landleben versalzen gelangte ich nach San Franzisko. Hier suchte ichmein Idol, meinen Helden, die Personifizierung des Traumes meiner schlaflosen Nächte", Buffalo Bill, den großen Trapper und Zirkuste ter. Hier erfuhr ich, daß er in Denver lebte. Also los! Da ich nicht Geld genug hatte, lief ich am Bahndamm entlang und gelangte endlich zum Ziel meiner Sehnsucht, nur, um dort zu hören, daß Buffalo Dill in Deutschland weilte und, wie ich später erfuhr, aus» gerechnet Gast im Hause meines Vaters war!

Als mich mein Weg jetzt im November wieder westlich führte, da statteten wir Denver unfern Besuch ab, und unser erstes Ziel dort war die ©rabftätte Buffalo Bills, die hocherhoben auf dem BergeLookout" liegt. Ein wundervoller A s- blick bot sich uns von da aus über die weite, weite Ebene um Denver. Man konnte ungefähr siebzig Meilen weit ins Land fd)auen. Eine beson­dere Feier bildete das Zusammentreffen mit dem Adoptivsohn Buffalo Bills Johnny Baker, der meinetwegen hier hinaufaekommen war. Ich berichtete ihm meine obige Erzählung, die auf Johnny Baker einen tiefen Eindruck machte. Ge­rührt nahm ich von ihm ein gezeichnetes Bild Buffalo Bills entgegen, und ergriffen entblößten mir die Häupter zu Ehren eines Weltgeistes, der für das Leben so vieler von besonderer Bedeutung war.

Mit der obigen Erzählung von meinem Jugend- Mißgeschick in Denver wie mit dem Bericht meiner sonstigen Jugenderlebniße und nicht zuletzt mit dem meiner abenteuerlichen Kaperfahrt im Kriege ge­wann ich langsam, aber sicher den Sieg über das Herz des Stockimerikaners. Es ist mir immer wie­der eine innere Genugtuung und Freude, zu sehen, wie die jungen Menschen an den amerikanischen Universitäten während meiner Vorträge, die ich in englischer Sprache halten muß, an meinen Lippen hängen, mit welch großer Aufmerksamkeit sie meinen Ausführungen lauschen. Bewegt war ich oon dem Empfang an der Universität Ann A r - bor, wo ich vor einer Zuhörerschaft von 4500 Studenten sprach und die innigsten Sympathie­kundgebungen für Deutschland erntete. In Sait Cafe, Utah (Hauptsitz der Mormonen), waren laut Zeitungsbericht 8000 Menschen beim Vorträge an­wesend; Exgouverneur Magby, der vor dem Kriege als Missionar der Mormonen in Deutschland tätig gewesen, führte mich offiziell ein. Die Bevölkerung steht meiner Arbeit nicht minder sympathisch gegen­über. Täglich gehen Maßen oon Briefen ein, aus denen man ersehen kann, wie sehr sich das Blätt­chen gewendet hat, wie sehr man geneigt ist, mit uns Deutschen wieder freundschaftliche Beziehun­gen aufzunehmen. Manch nettes und vielsagendes Erlebnis hoffe ich Ihnen später mal erzählen zu können.

Von Boston ging's nach Ehikago, oon dort ins Chio-Gebiet, bann nach Kalifornien und end­lich in die Rocky Mountains. Zwischendurch natür­lich immer Abstecher, oft nach Neuyork ober in an­dere Städte. Meine Vorträge müssen natürlich, wie ich schon oben bemerkte, auf den amerikanischen Geschmack etwas zugeschnitten werden, vnb da will ich Ihnen ein kleines Geschichtchen nicht vorenthal­ten, an das mich eine Begegnung hier erinnerte und das ich den Amerikanern immer wieder er­zählen muß nämlich: meine Erfahrungen mit Frauen, wie ich ihre Macht und Einfluß zum Schaden des Gegners kennenlernte. Die besagte

100 Millionen aus dem Meere gerettet.

Dem englischen Kapitän Samant ist eine Schatzhebung vom Meeresgrund gelungen, die einzigartig dasteht. Er hat cs fertiggebracht, Goldbarren im Werte von 100 Millionen Mark zu retten, die mit derCaurcntk untergegangen waren. Im Frühjahr 1917 war der White Star- DampferLaurentic" von Liverpool abgefa./.en mit einer Ladung von 45 Tonnen Goldbarren, die in einer Stahlkammer untergebracht waren. Das Schiff geriet in der Rähe der irischen Küste auf eine Mine und sank auf den Grund bis in eine Tiefe von 130 Fuß. Da der Schiffskörper schwer beschädigt war, so kam eine Hebung nicht in Frage. Schwere Seen rasten über das Wrack und zerstörten es immer mehr, so daß es schließ­lich nur noch ein wüster Haufen war. Die Gold­schätze lagen ganz unzugänglich tief verborgen unter einer Masse von verborgenen und inein­andergedrückten Stahlplatten. Cs erschien ganz unmöglich, daß es den Tauchern gelingen könnte, diese Schätze emporzubringen. Da wurde Kapitän Samant mit dieser Aufgabe betraut, der schon lange vor dem Kriege den Fragen der Meeres- taucherei besondere Aufmerksamkeit zugewandt hatte und als Inspektor der Taucher der eng­lischen Admiralität über eine reiche Erfahrung verfügte. Er war selbst als Taucher ausgebildet und war bis zu einer Tiefe von 216 Fuß auf den Meeresgrund hinabgestiegen. Samant setzte sieben Jahre an diese Arbeit und hatte außer­ordentliche Schwierigkeiten zu überwinden. Als er zuerst von Portsmouth mit sechs erfahrenen Männern ausfuhr und, an Ort und Stelle an* gelangt, die Sachlage untersuchte, schien ihm selbst Oie Rettung des Goldes fast unmöglich. Rach langen Arbeiten wurde ein Weg durch das Trümmergewirr des Wracks gebahnt, und man drang bis zu der Stahlkammer vor. in der sich das Gold befand. Als man soweit war, brach das Wrack vollständig auseinander und häufte neue Hindernisse über dem Schatz auf. so daß man ganz von vorn beginnen muhte. Ein neuer Plan wurde ausgearbeitct, und nach aufregenden Abenteuern, in denen oft das Leben der Ar­beiter an einem Haar hing, legte man die ver­bogene und zerdrückte Stahlkammer wieder frei, verschaffte sich Zugang zu dem Gold und brachte nach und nach die ganze Menge empor, so daß die 100 Millionen Mark geborgen werden konn­ten. Damit war eine der größten und glück­lichsten Bergungsarbeiten auf dem Meeresgründe durchgeführt.