Noimgplan, Zinanzresorm und KommunalpoM.
Eine Programmrede des preußischen KmanzministerS.
Hamm. 10. Nov. T.-Ll. (Funkspruch.) Hier sprach der Preußische Finanzminister Dr. Höp- ker - Aschoff über wichtige Fragen der deutschen Politik. Er forderte eine starke bürgerliche Mitte. Die aus dem Voungplan gesparten Millionen gingen für die Fehlbeträge aus dem Jahre 1923/29 drauf. Später bringe der Voungplan 700 Millionen Minderlasten. Es sei unmöglich, schematische Abstriche an den Haushalten in Höhe von 3 bis 5 v. H. vorzunehmen, um so die genannten 700 Millionen für Steuersenkungen zu verwenden. Ein Beamtenabbau bei Lehrern, Schupobeamten und der Justiz sei unmöglich bzw. nicht von heute aus morgen durchzusühren. Auch in der Landeskulturverwaltung könnten keine Ersparnisse gemacht werden, weil die Bodenver- besserungsarbeiten im Jntere'se der deutschen Volkswirtschaft notwendig seien. Die Wirtschaft müsse durch Kapttalviidung entlastet werden, die nicht nur im Interesse der Arbeitgeber liege. Wege hierzu feien Abbau öer Industrie- und der Rentenbank- l a st e n , Erleichterungen bei der Einkommensteuer und eine starke Senkung der Realsteuer. Zu der Kommunalpolitik übergehend verwarf der Minister die Verstärkung der Staatsaufsicht über die Selbstverwaltung, da eine Gesundung nur durch die Selbstverwal- t u n g selbst kommen könne, indem sich Stadtverwaltung und Stadtverordnete äußerster Sparsamkeit befleißigten. Wie Preußen von der Inangriffnahme von neuen Bauten für das Jahr 1930 vollständig abgesehen habe, so müsse das auch in den Gemeinden möglich sein.
SMpartei und innere Reform. Eine Entschließung des Landesverbandes Hessen.
Darmstadt, 9.Nov. (Wolff.) Der geschäftsführende Ausschuß des hessischen Landesverbands der Deutschen Bolkspartei hat eine Entschließung gefaßt in der es u. a. heißt:
Die deutsche Wirtschaft in allen ihren Zweigen ist durch die Tributlasten, durck den öffentlichen Aufwand in Neich, Ländern und Gemeinden, durch die Belastungen und erdrückenden Steuern vor die unmittelbare Ge-fahr des Zusammen- bruchs oder des Ausverkaufs an das Ausland gestellt. Die deutsche Landwirtschaft ist infolge ihrer Ueberschuldung in weiten Teilen bereits der Kaufkraft beraubt. Kapitalschwund und
unerschwinglicher Zinssatz, Börsenpanik und Konkurse sind die Anzeichen lebensgefährlicker Krank- hcit. Mit Rücksicht auf die deutsche Außenpolitik mußte, um das Ziel der Befreiung der Rheinlande nicht zu gefährden, derKampfumdieinnere Reform im Reiche zurückgestellt werden. Mit dem vertraglichen Abschluß der Verhandlungen über die Tributlasten und die Räumung ist s p ä t e st e n s der Zeitpunkt gekommen, wo die lange aufgeschobenen Reformen auf dem Gebiete der Verfassung, des öffentlichen Aufwandes und der Steuern mitrückfichtsloserEntschiedenheitan- gefaßt werden müssen. — Die Deutschnationale Volkspartei ist durch die Führung Hugenbergs zu völliger Einflußlosigkeit auf den Gang der Entscheidungen verurteilt. Gegenüber der starken Sozialdemokratie besteht deshalb um so dringender und unaufschiebbarer die Notwendigkeit, daß die auf dem Boden des gegenwärtigen Staates zur inneren Gesundung des Reiches und aur Sanierung feiner Wirtschaft entschlossenen Kräfte und Parteien aus allen Ständen und insbesondere aus der jüngeren Generation zu einer großzügigen Zusammenarbeit zusammen- gefaßt werden. Die Parteileitung wird aufgefor- dert, die kommenden politischen Entscheidungen, insbesondere in der Führerfrage ausschließlich unter diese großen Gesichtspunkte zu stellen und baldigst herbeizuführen.
Oie Dürgerschastswahlen in Lübeck.
starke Zunahme der Nationalsozialisten und Kommunisten.
Lübeck, 10. Nov. (WTB.) Der heutige Wahltag in Lübeck ist bemerkenswert ruhig verlaufen. Bei den diesjährigen Dürgerschastswahlen wurden zum erstenmal die Driefwahlen durchgeführt, die Kranken und von Lübeck abwesenden Personen die Möglichkeit gaben, ihre Stimme bereits vor dem Wahltag brieflich zu übersenden. Das amtliche endgültige Ergebnis der Dürgerschastswahlen stellt sich wie folgt: (Mandate der vorigen Dürgerfchaftswahlen in Klammern.) Hanseatischer Volksbund 27 863 Stimmen, Sitze 29 (36), Sozialdemokraten 33 256, Sitze 34 (35), Kommunisten 6714, Sitze 7 (5), Demokraten 2612, Sitze 2 (2), Zentrum 636, Sitzi 1 (1), Hausbesitzer 781, Sitze 1 (0), Nationalsozialisten 6338, Sitze 6 (0).
Macdona!- Ober Räumung, Abrüstung, Frieden.
Oer Arbeiterpremier auf dem Londoner Guil-hall-Bankett.
London, 9. Nov. (WD.) In dir Guildhall in der Londoner City wurde hru.e abend mit allem herkömmlichen Gepränge das Dankett abgehalten, das der neue Lordmayor von London am 9. November, dem Tage seiner Vereidigung, den Mitgliedern der Negierung, dem / Diplomatischen Korps, den Richtern und anderen hervorragenden Gästen gibt. Der neue Lordmayor, Sir William Waterlow, brachte den Trinkspruch auf die M i n i st e r feiner Majestät aus. Er verwies darauf, daß zum erstenmal in der Geschichte Englands Mitglieder eines Arbeiterkabinetts an dem Dankett teilnehmen. Er gedachte des Vorhabens, Macdonald und Snowden zu Ehrenbürgern der Londoner City zu ernennen und sagte, diese Ehrung werde dem Schahkanzler zuboll wegen der Zähigkeit, des Mutes und der Geschicklichkeit, mit der er im H a a g die britischen Interessen verteidigt habe, während der Premierminister durch seinen Desuch in A me r i k a eine Atmospäre guten Einvernehmens, gemeinsamen Strebens und erneuter Freundschaft hervorgerusen habe, deren guter Einfluß auf die künftigen Beziehungen beider Länder und auf den Weltfrieden gar nicht abzu- schähen sei.
Dann hielt
Macdonald
der mit lautem Beifall begrüßt wurde, eine Rede, in der er u. a. ausführte: älnsere Nation hat während des Krieges und seit dem Kriege reichliche Deweise für ihren selbstlosen Wunsch erbracht, Europa wieder auf die Beine zu helfen und mit beinahe grenzenloser Großmut und Doll- auf jede Verpflichtung eines Alliierten erfüllt. Im gegenwärtigen Augenblick ziehen unsere Truppen heim. Zwei Drittel sind bereits zurückgekehrt, und der Rest wird am 15. Dezember zu Hause sein. Der Tlmfang der französischen Streitkräfte hat es nicht möglich gemacht, ihre Bewegung mit der gleichen Beschleunigung durchzuführen, aber wenn wir unseren 25bzug beendet haben, werden auch unsere französischen Freunde die zweite Zone völlig geräumt haben, und d i e dritte Zone wird endlich, wenn alles gut geht, Mitte nächsten Jahres frei sein. Niemand, der an den Haag denkt und die Zukunft ins Auge faßt, kann dies tun, ohne gewahr zu werden, daß ein Schatten über dem Abschluß dieser Konferenz liegt. Denn am Ende seines Werkes im Haag ist Dr. Stresemanns Leben zu Ende gegangen. Während einiger Zeit hatte er mutig gekämpft: denn sein Körper war durch Krankheit geschwächt, aber fein Geist war durch Hingabe an seine öffentlichen Pflichten gestärkt. Er dachte an sein
Land und gab sich selbst dafür hin. Er hat es nicht nur finanziell und nicht nur politisch wieder her gestellt, sondern er hat auch die Achtung der anderen Nationen vor Deutschland wiederhergestellt. Er hat sich zuerst und vor allen Dingen seinem Lande geweiht. Trotzdem aber war er auch ein großer Diener der Sache der europäischen Befriedung, und durch sein Leben wird wieder die Wahrheit bezeugt, die besonders den jungen Leuten, welche sich der Politik widmen wollen, gar nicht genug ans Herz gelegt werden kann, daß der beste Dienst, der den eigenen nationalen Interessen geleistet werden kann, tatsächlich der Dienst ist, der dem Interesse der ganzen Gemeinschaft der zivilisierten Nationen zugute kommt (Beifall.)
Der Premierminister stellte dann u. a. fest, daß die Fakultatioklausel nur nach von 13 Mitgliedstaaten des Völkerbundes noch nicht unterzeichnet sei. Wenn ihre Unterschrift vorliegen werde, werde eine neue Epoche in der Geschichte der Zivilisation beginnen. Im übrigen sei es bemerkenswert, welche Furcht d'.e Allgemeinheit vor dem Frieden statt vor dem Kriege zu empfinden scheine. Fragen, wie die der Freiheit der Meere, riefen sofort alle Empfindungen und Besorgnisse der Vergangenheit in alter Stärke auf den Plan. Es werde das Bestreben seiner Regierung fein, den Völkern diese Dinge in ihrem wahren Lichte zu zeigen. Wenn man daran denke, daß das Problem der Freiheit der Meere nur akut werden könne, wenn die Kriegstrompeten geblasen werden, dann werde jeder Verständige begreifen, daß es das sicherste Mittel zur Lösung des Problems fei, wenn die Kriegstrompeten niemals wieder geblasen würden.
Der Lordpräs.dent des Geheimen Rats, Lord Parmoor, feierte in seinem Trinkspruch die auswärtigen Botschafter und Gesandten als Förderer des Geistes kooperativen Friedens. Er begrüßte besonders die neuen Botschafter Amerikas und Japans und gab der Hoffnung Ausdruck, daß im nächsten Jahre auch ein Botschafter Sowjetruhlands als Gast an dem Bankett teilnehmen werde. — Der spanische Botschafter, Marquis Merry del Val, antwortete als Doyen des Diplomatischen Korps. — Der erste Lord der Admiralität, Alexander, der den Trinkspruch auf die Streitkräfte der Krone beantwortete, führte aus, der größte Teil der nationalen A sgabe diene der Bezahlung früherer Kriege und der Vorbereitung der Abwehr etwaiger künftiger Kriege. England werde keine Bemühung unterlassen, um durch Besserung der internationalen Beziehungen eine Vereinbarung über die Abrüstung zu sichern.
Ostgrenze, eine lebenskräftige Landwirtschaft. Widerstand gegen ihn bis zum Aeußersten sei daher nicht nur wirtschaftliches Gebot, sondern auch nationale Pflicht. Die Grüne Front sei eine Lebensnotwendigkeit der um ihre Existenz kämpfenden deutschen Landwirtschaft. Als oberstes Ziel ble.be bestehen eine durchgrei- fendeStaatsform, die allein die Grundlage für eine durchgreifende Finanzrefvrrn geben könne.
Eine neue Verhaftung im Kall Lampel.
L i e g n i tz , 11. Nov. Im Zusammenhang mit der Verhaftung des Schriftstellers Lampel, der bekanntlich unter dem Verdacht, den Oberland-Angehörigen Fritz Köhler ermordet zu haben, festgenommen wurde, wurde nunmehr eine neue Verhaftung vorgenommen. Es handelt sich um einen Mann namens v o n B o l l w i tz, der in das Untersuchungsgefängnis in Liegnitz eingeliefert wurde. Der ermordete Köhler ist, wie Zeugen bekundet haben, von den jetzt der Tat verdächtigten Personen als unliebsamer Kamerad und als des Landesverrats verdächtig bezeichnet wor- den. Die Leiche Köhlers ist bisher not - nicht gefunden worden. Die Tat selbst dürfte nicht, wie ursprünglich behauptet worden ist, bei Kohlhöhe im Kreise Striegau, sondern in N e u st a d t in Oberschlesien verübt worden sein.
Oie Bombenattentate.
Berlin. 9.Nov. (WTB.) Lieber den Stand der Ermittlungen in der Angelegenheit der Bombenanschläge wird mitgeteiit: Gegen Weschke ist die Voruntersuchung entsprechend dem Anträge der Staatsanwaltschaft auf Meineid ausgedehnt worden. Weschke ist jetzt geständig, an dem Bombenattentat in Heiden fleth teil genommen zu haben. Er hatte inr Vorverfahren, als Zeuge zur Erreichung einer wahrheitsgetreuen Aussage unter Eid vernommen, bekundet, daß er zu den Bombenattentaten in keinerlei Beziehungen stehe. Der Maler Werner Brandt, der am 2. November unter dem Verdacht der Begünstigung wegen Verdunkelungsgefahr verhaftet worden war, ist heute aus der Haft entlassen worden, weil Verdunkelungsgefahr nicht mehr ausreichend begründet erscheint. Die Strafkammer hat die Haftbeschwerde des Freiherrn von Oncken-Otto zurückgewiesen.
Gemeinderaiswahl in Niederöfterreich.
Keine Änderung im Kräfteverhältnis zu erwarten.
Wien, 10. Nov. (WTB.) Die mit Rücksicht auf die gespannten politischen Verhältnisse in Oesterreich mit besonderem Interesse erwarteten Gemeinderatswahlen in Niederösterreich sind ohne nennenswerte Zwischenfälle verlaufen. Die Wahlbeteiligung war außerordentlich groß. Sowohl die bürgerlichen Parteien als auch die Sozialdemokraten haben entsprechend ihren bisherigen Verhältnissen- Mandate gewonnen. Auch die neu dazugekommenen Wählerstimmen hielten sich.ungefähr im Rahmen der bisherigen parteipolitischen Kräfteverhältnisse. Die bürgerlichen Parteien, vor allem die Christlich - Sozialen und die Groß- deutschen, sprechen von einem Erfolg, den sie hauptsächlich mit der Vermehrung der von ihren Kandidaten bereits gewonnenen Mandate begründen. Don sozialdemokratischer Seite wird dagegen behauptet, daß die Heimwehrbewegung den bürgerlichen Parteien keinen ihren Erwartungen entsprechenden Gewinn gebracht habe. Die Zahl der von der Sozialdemokratie eroberten Stimmen sei größer, als Man hätte erwarten dürfen. Dis 23 30 Llhr lagen von den niederöfterreich .schen Gemeindewahlen die Ergebnisfe aus 1646 Gemeinden vor. Die nichtsozialistischen Parteien erlangten bisher 17 647 Mandate, die Sozialisten 4040 Mandate. Dei der früheren Wahl erhielten die nichtsozialistischen Parteien 16 396, die Sozialdemokraten 3564 Mandate. Die Ergebnisse aus 65 Landgemeinden stehen noch aus. Der Mandatszuwachs für die nichtsozialistischen Parteien beträgt also bisher 1251, für die Sozm.i- stische Partei 476.
Aus aller Welt.
Ein neuer Mord in Düsseldorf.
Düsseldorf, 9. Nov. (WD.) Die feit Donnerstag vermißte fünfjährige Gertrud A l b c r m a n n ist in der Lehnau-Straße m i l durchfchni ttener Kehle tot aufgefunden worden. Dem Kinde waren mehrere Messerstiche beigebracht worden, die unmittelbar den Tod herbeigeführt haben dürften. Leider hat sich herausgestellt, daß die bei dem zuständigen Polizeirevier erstattete Vermißten- Meldung von dem betreffenden Deamten n icht sofort wei tergegeben wurde. Gegen diesen Beamten ist sofort das Weitere veranlaßt worden. Der preußische Innenminister hat eine Del ohnung für die Ergreifung des Täters in den anderen Mordfällen um weitere 5000 Mark erhöht, so daß sie jetzt auf insgesamt 15 000 Mark festgesetzt ist.
Der-Täter richtete am Freitagabend einen anonymen CD rief an die Redaktion der hiesigen kommunistischen Zeitung, in dem er auf einem Lageplan genau die Stelle bezeichnete, wo die Leiche des ermorde.en Mädchens gefunden werden könne. Der Dries wurde von der betrefsenden Redaktion sofort der Krimi- nalpolizll zur Verfügung gestellt, woraus diese die Leiche suchte und fand. Der neue Mordsall toeift bis in die letzten Einzelheiten eine überraschende Aehnlichkeit mit der Ermor- düng der achtjährigen Luise O h l i g e r im Februar d. I. auf, die die amtlichen Stellen im Degematz zu weiten Kreisen der Devöllerung dem Geisteskranken Stausberg zur Last legt. Immer mehr gewinnt die Auffassung an Wahrscheinlichkeit, daß alle Morde einem und demselben Täter zuzuschreiben sind. Die Erregung der Devöllerung über diese endlose Serie ungehärtet Morde ist ungewöhnlich groß. Kriminalkommissar D u s d o r f ist vom Berliner Landeskriminalpolizeiamt zur Verstärkung der Düsseldorfer Mordkommission entsandt worden. Er ist hier eingetroffen tn Begleitung des Krimi- nalrats Gennat.
Der Reichspräsident laust feinen Urenkel.
Der Reichspräsident hat sich bereit erklärt das Ehrenprotektorat über die im nächsten Sommer in Berlin stattfindende zweite Weltkraftkonferenz zu übernehmen. — Reichspräsident v. Hindenburg hat sich Samstag- oormittag nach Groß-Justin (Bezirk Stettin) begeben, um dort an der Taufe seines Llrenkels von Drockhusen teilzunehmen. Der Reichspräsident wird in den ersten Tagen dieser Woche wieder nach Berlin zurückkehren.
Einstein Ehrendoktor der Pariser Sorbonne.
Die Sorbonne hat in einer feierlichen Sitzung die Eröffnung der Vorlesungen vollzogen. Aus diesem Anlaß ist folgenden ausländischen Gelehrten der Titel eines Ehrendoktors verliehen worden: Professor Einstein von der Llniversi- tät Berlin, Professor Eduard JenkS von der Rechtsfakultät tn London, Dr. Boux von der
Medizinischen Fakultät Lausanne, Kunsthistoriker Franz C u m o n t vom Cinquantenaire-Museum Brüssel, sowie dem Präsidenten der polnischen Republik Moscicki. Der Feier wohnte der deutsche Botschafter v. H ö s ch bei, dessen Gast Professor Einstein während seiner Anwesenheit in Paris ist.
Schreckenstat eines betrunkenen Chauffeurs.
Der 23 Jahre alte Chauffeur Pohl fuhr in Berlin die Straße am Treptower Park in großer Geschwindigkeit entlang. Er überfuhr mit seinem Kraft- tragen den Kaufmann Habermann der so schwer verletzt wurde, daß er auf dem Transport nach dem Bethanien-Krankenhaus verstarb. Als Pohl merkte, was er angerichtet hatte, schaltete er das Licht an seinem Auto aus und raste in größter Geschwindigkeit davon. Etwa 100 Meter non der Unglücksstelle entfernt fuhr er einen Radfahrer an. der vorn Rade stürzte und Quet
schungen erlitt. Während man das zweite Opfer des rasenden Chauffeurs nach der nächsten Rettungswache brachte, jagte Pohl tn unverminderter Schnelligkeit weiter. Zwei Polizei- beamte stellten sich mit erhobenen Armen dem Auto entgegen, wobei einer der Beamten beinahe über- fahren worden wäre, und erzwangen das Anhalten des Kraftwagens. Es stellte sich heraus, daß Pohl völlig betrunken war.
Schweres Eisenbahnunglück bei Teffau.
Der Perfonenzug 402 Magdeburg—Leipzig ist Sonntag früh um 7.56 Uhr in der Nähe des Bahnhofes Dessau mit der Lokomotive und den vorderen neun Wagen e n t g ( e i ft. Drei Personen wurden getötet. Fünf Personen wurden schwer und drei leicht verletzt. Sämtliche Verunglückte stammen aus Magdeburg, Zerbst, Bitterfeld und der Umgebung dieser Städte. Die elektrische Lokomotive sowie die entgleisten Wagen wurden teilweise zertrümmert. Der L o k o m o t i o - führer Siegmann aus Magdeburg wurde eine Stunde nach dem Unfall im Bremshäuschen eines Leerzuges erhängt aufgefundxn. Der Zug sollte wegen Umbauarbeiten in dem betreffenden Streckenabschnitt über ein Ueberholungsgleis auf das falsche Gleis abgelenkt werden. Nach amtlicher Darstellung find die Weichen richtig gelegt. Der Zug istinnerhalbdesUeberholungsgleises entgleist. Von den Schwerverletzten ist die Frau Hantrich aus Ragösen gestorben, so daß sich die Zahl der Todesopfer einschließlich des Lokomotivführers, der Selbstmord begangen hat, auf fünf erhöht, lieber die Schuldfrage verlautet: Der Lokomotivführer fei bereits in Magdeburg instruiert worden, daß er bei der Einfahrt in den Dessauer Bahnhof auf ein Nebengleis fahren und deshalb die nötige Vorsicht gebrauchen müßte. Er hat angeblich in ziemlicher Schnelligkeit zwei Weichen passiert und auch die dritte Weiche überfahren, als ihm seine Maschine mit den nachfolgenden Wagen aus dem Gleise sprang. Man nimmt an, daß dies infolge der plötzlichen scharfen Bremswirkung geschehen ist.
vier Streckenarbeiter am Hauptbahnhof Altona getötet.
In der Nähe der Cisenbahnüberführung am Kreuzweg ist Sonntag früh gegen 3 ilfjr eine Lokomotive in eine Gruppe von Streckenarbeitern hi n e i n ge f a hre n. Zwei Arbeiter wurden auf der Stelle getötet, zwei so schwer verletzt, daß sie kur; nach der Einlieferung ins Krankenhaus starben: außerdem sind noch drei Schwer- und drei Leichtverletzte geborgen worden. Die Arbeiter warm mit dem Beladen eines auf dem Stadtbahnglci stehenden Bauzuges beschäftigt. Dabei mu'ten sie das da-- nebenliegende Ferngleis Hamburg-Altona betreten. Die von Hamburg auf dem Ferngleis kommende Lokomotive ist von dem ausgestellten Warnposten nicht rechtzeitig bemerkt worden.
Starke Zunahme der Deutsch lernenden Schüler in Amerika.
Joseph Beha, Direktor im städtischen Schulamt von Neuyork, teilte mit, daß die Zahl der Deutsch lernenden Schüler an den höheren Schulen 10 649 betrage, d. h. 22,7 Prozent mehr al? im Vorjahre. An den Mittelschulen nahmen 1857 Schüler am deutschen Sprachunterricht teil, was eine Zunahme von 36 Prozent bedeutet.
Oie Wetterlage.
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rk-cttcrvocausfagc.
Der hohe Druck im Südwesten von Spanien her dehnt sein Bereich ^'s über Süd- und Mittel- deutschland aus und bil et ein.' Drücke mit dzm über Polen lagernden yohen Druck. Gleichzeitig verursacht enges Darometergesälle der nordwestlichen Störung besonders über den britischen Inseln ungünstiges Wetter. Eine abermalige Warmluftwelle führt dort zu Temperaturanstieg und erneuten Niederschlägen. Der unsere Wetterlage zur Zeit beherrschende hohe Druck hält zunächst stand, so daß in der kommenden Nacht durch das Aufklaren Temperaturrückgang bis zum Gefrierpunkt und auch etwas darunter zu erwarten ist. Jedoch wird im Laufe des morgigen Tages unter Südwestluftzufuhr der nördlichen Störung Temperaturanstieg eintreten, sowie De- wölbungsauszug einsetzen, dem später auch Niederschläge folgen werden.
Wettervoraussage für Dienstag. Nach vielfach klarer Nacht mit leichtem Nachtfrost milder aufkommende Bewölkung, später älebergang zu Niederschlägen.
Lufttemperaturen am 10. November: mittags 6 Grad Celsius, abends 6,2 Grad: am 11. November: morgens 1,9 Grad. Maximum 6,4 Grad, Minimum 1,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 10. November: abends 5,2 Grad: am 11. November: morgens 4,8 Grad Celsius.


