Gemeinden mit allem Ernst vorgelegi haben; schon die beleuchteten Uhren zu nächtlicher Stunde waren vor etwa zwanzig Jahren ein großer Fortschritt; sie wurden ein beliebter Treffpunkt und sind das bis heute geblieben. Inzwischen sind auch das Telephon und Radio in den Dienst der Zeitmesser getreten. 3n Wien kann der Wissensdurstige sich telephonisch mit der elektrischen Uhr der Urania in Verbindung sehen, die ihm in regelmäßigen Abständen die Stunde ind Ohr brummt. Auch die Zeit- bcrichte des Radio, die zu philosophischen Erwägungen darüber Anlaß geben, wie spät es in anderen Ländern zur gleichen Zeit ist, haben viel dazu beigetragen, daß die Hausuhren heute richtiger gehen als damals, wo der Rundfunk noch nicht erfunden war. Als Amsterdam noch keine großstädtischen Allüren hatte, waren die Telephonistinnen die liebenswürdigsten Geschöpfe der Welt; Tag und Rächt bereit, das Reueste über die Fortschritte der Zeit zu verkünden. Seit man sich aber mit der ganzen Stadt selbst automatisch verbinden kann, ist die Zentrale unerreichbar geworden. Wie groß die Zeitnot ist, die dadurch entstand, ist dieser Tage deutlich geworden. Ein Uhrmacher dieser Stadt hatte, um sich von den Anfragen, die ihn von morgens bis abends quälten, zu befreien, einen sinnreichen Apparat erfunden, durch den eine vernünftige Uhr im Anschluß an das Telephonneh auf jeden Anruf die Zeit verkündete. Der Erfolg war überwältigend! Die Rümmer wurde von allen Seiten derart bestürmt, daß der Telephonzentrale nichts übrig blieb, als die Leitung auszuschalten und zu warten, bis die Anzahl schlecht gehender Uhren auf ein normales Maß zurückgegangen sein wird.
Oberheffen.
50 Jahre Bezirkslehrerverein Nidda.
♦ Nidda, 9. Sept. Der Bezirkslehrerve r c i n Nidda feierte am Samstag sein 50- jähriges Bestehen. In der Turnhalle trafen sich die Mitglieder mit Familienangehörigen und viele auswärtige Gäste und Lehrersfamiuen aus den benachbarten Lehrervereinen. Der Vorsitzende des Jubelvereins, Lehrer Ganz (Ober-.Widders- heim), begrüßte die große Festversammlung in herzlicher Weise und besonders Kreisschulrat Gockel (Büdingen), Bürgermeister Ringshausen von hier, den Obmann des Landeslehrervereins, Landtagsabgeordneter Reiber (Darmstadt) u. a. Oberreallehrer R. Küfer von hier, der 46 Jahre dem Verein angehört, hielt die Festrede. Er schilderte übersichtlich die Geschichte des Volksschulwesens in Hessen seit Philipp dem Großmütigen, um dann ausführlich aus den Werdegang des feiernden Vereins, der am 27. August 1879 von 12 Lehrer von hier und Umgegend gegründet wurde, aus eignem Erleben einzugehen und die Kämpfe des Lehrer- stondss um seine Stellung während dieser Zeit ge- bührend zu würdigen. Der Redner erntete reichen Beifall. Kreisschulrat G ö ck e l übermittelte die Glückwünsche des Kreisschulamts und wies dann auf die Fortschritte hin, die der Lehrerstand während der letzten 50 Jahre hauptsächlich durch die ununterbrochene Tätigkeit der Bezirkslehrervereine errungen hat. Die Glückwünsche der Stadtverwaltung brachte Bürgermeister Ringshausen von hier zum Ausdruck und versicherte, daß er und der gesamte Stadtvorstand dem Lehrerstand und Schulwesen stets das größte Interesse entgegnbrächten. Der Landeslehreröerein ließ durch Obmann Reiber dem Bezirksverein Nidda, der immer ein sehr reges Glied des Hauptoereins gewesen sei, die Glück- wünsck)e und den Dank für die geleisteten Dienste aussprechen. Ohne die Zweigvereine sei eine ersprießliche Wirksamkeit des Hauptvereins unmöglich. In einer längeren Aussprache ging Lehrer V i e r h e l l e r (Düdelsheim) nach Beglückwünschung des Jubelvereins auf die Alltagsarbeit der Lehrer ein und verstand es, auf den idealen Lohn für alle
Dämonen der Zeit.
Vornan von Arthur Brausewetter.
27 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Rachmittags und abends war Tanz in der neugebauten Scheune bei Kaffe, Kuchen und einem aufgelegten Faß Vier. Die Herrschaft war zugegen, und ich sah Barbara, die zu einer Pensionsfreundin in der Rähe von Dresden gereist war, zum erstenmal wieder.
Aber sie trat mir wie einem Fremden gegenüber, als wären wir nie zusammen durch die verschwiegenen Psade eines rauschenden Waldes gefahren, als hätte ich nie ihre kleine, zitternde Hand in der meinen gehalten.
*
Wir sind in der Kartoffelernte. Draußen ist regnerisches und oft stürmisches Wetter. Der Himmel hängt wie ein schwerer, schwarzer Sack über der durchweichten Erde, die Raben und Krähen krächzen den ganzen Tag, der Winter des Mißvergnügens ist im Anzuge.
Ich habe mehr als je zu tun, denn der Kämmerer, der damals auf seinem Geburtstagssessel noch wie ein Bild der Kraft und Gesundheit saß, hat einen Schlaganfall erlitten und muß, obwohl seine gute Ratur sich zu erholen scheint, dem Felde fernbleiben, so daß alle Drauhen- arbeit allein auf meinen Schultern ruht.
Und ungeahnte Ereignisse müssen eingetreten sein. Die Stimmung im herrschaftlichen Hause ist gedrückt, und obwohl sich Herr Hollwede die alte Mühe gibt, bei den Mahlzeiten einen heiteren und unbefangenen Ton aufrechtzuerhal- t'n. und seine Gattin nach wie vor ihr Helles, nichtssagendes Lachen lacht, so weiß ich doch, daß es in ihrem Herzen anders aussieht.
Herr Hollwede hat schwere und kaum mehr einzubringende Verluste gehabt. Er hat es mir nicht länger verbergen können. Er, der Sichere und Siegende, hat sich diesmal in der Konjunktur stark verrechnet. Selbst er konnte diesen völlig unerwarteten Umschwung in der Landwirtschaft nicht voraussehen. Ich habe oft Mühe, die immer steigenden Lohnauszahlungen zu bewerkstelligen. Der Wald muß daran glauben. Er, der immer sein Herzblut lassen muß, wenn es auf dem Lande nicht geht, wie es sollte. Cs wird mächtig gefällt. Manchmal dröhnt die ganze Gegend von Arthieben, die einem bis ans Herz bringen.
Ob Barbara eingeweiht ist? Ohne Frage. Aus der Unnahbarkeit, in die sie sich mir gegenüber hüllt, merke ich es noch mehr, als aus der Un- besanaenheit. die sie allen gegenüber an den Tag legt. Ich glaube, daß ich über die schwere Verlegenheit, in die ihr Vater geraten, unter«
Mühen und Sorgen, bte der Lehrerberuf Bringt in marinen Worten hinzuweisen und die Berufsfreudigkeit in das richtige Licht zu stellen. Das D e - k a n a t Nidda sandte ein herzliches Glückwunschschreiben und erwähnte anerkennend den Segen, der durch die gemeinsame Tagung des Bezirkslehreroereins mit den Geistlichen bei den Religions- lehrerkpnferenzen heroorgeht. Sämtliche Reden und Glückwunschschreiben wurden mit großem Beifall aufgenommen. Musikalische Vorträge des Orchesters des Lehreroereins, gemeinsame Gesänge und humoristische Vorträge füllten die Pausen aus. Besonders machte sich Fräulein Schuch aus Echzell, die als konseroatorisch ausgebildete Sängerin in weiteren Kreisen schon große Anerkennung gefunden hat, durch den Vortrag mehrerer Lieder verdient. Ihr und allen Mitwirkenden bei der erhebenden Feier sprach am Schlüsse der Vorsitzende, Lehrer Ganz, den wohlverdienten Dank aller Festteil- nehmer aus. Bei vorzüglicher Bewirtung durch den Inhaber des Vereinslokals, Gastwirt Ludwig Wagner („Zur Treppe"), blieben die Festgäste bis zum Abgang der letzten Bahnzüge in bester Stimmung in der Festhalle.
Lan-kreis Gietzen.
* Klein-Linden, 10. Sept. Der hiesige Turnverein veranstaltete am Sonntag unter starker Beteiligung seiner Mitglieder und in Anwesenheit vieler Turnfreunde sein diesjähriges Qlbturnen und verband damit die Feier fei- nes 40jährigen Bestehens. Da in diesem Sommer schon ein größeres Fest in unserem Dorfe abgehalten worden war, hatte der Turnverein von der Feier des Iubiläums in größerem Stile Abstand genommen. Zu den Wettkämpfen am Sonntagvormittag traten 63 Turner und Turnerinnen an. Geleitet von den Tumwarten Ernst Pfaff und Fritz Morneweg und unterstützt von den Turnern Becker, Leun und Stern, die der Druderverein Großen-Linden als Kampfrichter zum hiesigen Abturnen gestellt hatte, ging das Wetturnen glatt vonstatten. Den Rachmittag füllten zwei Wettkämpfe um zwei von den Mitgliedern Hch. Adolph und Albert Weigel gestiftete Wanderpreise und das Schauturnen aus. Die Preisverteilung für die Schülerriegen wurde noch am Rachmittag vorgenommen und hatte folgendes Ergebnis: Schüler-Oberstufe (Achtkampf): 1. Preis Emst Schimmel, 2. Karl Wagner, 3. Hans Volk, 4. Willi Gärtner, 5. Wilh. Zörb. Schü - ler-Unter stufe (Fünfkampf): 1. Preis Walter Lang, 2. Karl Marten, 3. Eberhard Kopp, 4. Wilh. Müller. 5. Wilh. Weigel, 6. L. 3ung, 7. Heinr. Keudel, 8. August Mülle, 9. Wilhelm Kehl, 10. Hermann Lenz, 11. Karl Ehring, Hch. Kehl, Wihl. Kissel, 12. Erich 3ung, 13. Wilh. 3ung. Schülerinnen-Oberstufe (Fünfkampf): 1. Preis Marie Funke, 2. Hilde Weigel, 3. Lina Klos, 4. Martha Wagner, 5. Martha Spengler, 6. Ella Kissel, 7. Elisabeth Berg, 8. Ottilie Frey. (Schülerinnen-Unter- ft u f e ((Fünfkampf): 1. Preis Lisel Steinmüller, 2. Marie Ruhl, 3. Anni Weiß, 4. Marie Weigel, 5. Elli Polih, 6. Margot 3ung, 7. Lisel Polih, 8. Annemarie 3ung. Bei der Abendfeier im Turnerheim richtete der erste Vorsitzende, Sattlermeister Weitz, herzliche Be- grützungsworte an die Versammelten und gedachte des Tages der Gründung vor genau vierzig 3ahren. Die Preisverteilung, von dem ersten Turnwart, Ernst Pfaff, vorgenommen, brachte nachstehende Resultate: Zöglings- Oberstufe (Zwölfkampf): Ehrensieger Heinrich Marten mit 208 Punkten; 1. Preis Rudolf 3ung II., 2. Aug. Müller, 3. Rud. 3ung I., 4. Rudolf Ufer, 5. Robert Weller; Zöglings- Unt er stufe (Zehnkampf): 1. Preis Ernst 3ung, 2. Walter Fink, 3. Fritz Mülle, 4. Willi 3ung, 5. Hans Weller. Turnerinnen - Obe r stufe: 1. Preis Elfriede Weller, 2. Gretel Spengler; Turnerinnen-Unter stufe: 1. Preis Else Fink, 2. Tilli Hahn, 3. Frieda Volk,
richtet bin, ist ihr unerträglich. Wenn sie mir so gegenübersitzt und ich sehe, wie sie mit einer gewissen Starre und einem aufgerafften Stolz in dem blassen Antlitz das niederzuzwingen sucht, was in ihr ist, dann fatzt mich ein unaussprechliches Mitleid mit diesem Mädchen.
Aber ich darf nichts sagen, nicht einmal das Leiseste merken lassen. Ich würde ihren Stolz kränken, und das würde sie mir niemals vergeben.
Ein langer Winter liegt hinter mir, aus dessen grauem Einerlei nicht viel zu berichten war. Rur daß der alte Kämmerer am Abend vor Weihnachten still und gottselig eingeschlafen ist, und daß ich, zumal Herr Hollwede mit Frau und Tochter auf Monate verreist war, die ganze Tannenwälder Wirtschaft allein geführt habe. Ich habe es mit viel Freude getan, und die Einsamkeit, die mich umgab, kaum empfunden. Es ist ein wahres Wort, daß der Mensch immer zu feiner ersten Liebe zurückkehrt.
Don der Welt bin ich wie abgeschnitten. Außer den notwendigen wirtschaftlichen Unterredungen, die ich mit dem feit einigen Wochen zurück- gekehrten Herrn Hollwede führe, spreche ich mit niemand.
Heute ist es gerade ein 3ahr, dah ich in Tannenwalde bin.
Aber wie anders war der Frühling, in dem ich damals hier an einem wunderbaren Abend anlangte, gegen den, den wir jetzt hier erleben. Damals alles ein Blühen, ein Grünen in sommerlicher Wärme, eine herrlich-heilige Verheißung des Werdens und Wachsens — heute alles kalt und regnerisch und unwirsch, wie die Welt da draußen, in der es mit jedem Tage trüber und elender aussieht. Die Bestellung geht nur mit den größten Schwierigkeiten vor sich und ist noch längst nicht beendet. Manchen Aeckern ist gar nicht beizukommen, weil der unaufhörliche Regen sie unter Wasser gesetzt hat, auf anderen will die Saat sich nicht entwickeln. Die Bäume sind noch fast kahl, die Vögel fingen nicht, und die liebe Sonne scheint uns ganz und gar verlassen zu haben, denn sie hat schon seit Tagen kein freundliches Auge mehr auf die arme, frierende Erde geworfen.
Herr Hollwede bietet feine ganze Kraft auf. bei Tisch njcht aus der Rolle zu fallen, das Lachen der Gnädigen hat einen stark nervösen Ton bekommen, und Fräulein Barbara zieht die Hülle der Undurchdringlichkeit immer fester um sich.
3ch arbeite, ringe mit der zähen, unerbittlichen Ratur und suche nicht zu denken und nicht zu wünschen.
4. Ella 3ung. Den Wanderpreis im Geräteturnen errang zum dritten Male Heinr. Marten, den Wanderpreis im volkstümlichen Turnen Alb. Weigel. Der zweite Vorsitzende, Lehrer Rau, behandelte in einem Vortrag »Die Geschichte des Turnvereins Klein-Linden von feiner Gründung bis heute." Musik, Tanz und frohe Unterhaltung beschlossen die wohlge- lungene Feier.
—.— Klein-Linden, 10. Sept. Seinen diesjährigen Familienausflug unternahm der hiesige Gewerbeverein am Sonntag nach Koblenz. Die Fahrt ging mittels eines Autobusses der Firma Schäfer, Gambach, durch das schöne Lahntal. 3n Limburg wurde eine kurze Rast gemacht und alsdann die herrliche Fahrt bis nach Bad Ems fortgesetzt. Hier wurden die schönen Park- und Badeanlagen einer Besichtigung unterzogen. Hierauf ging die Reise nach Koblenz, wo das Deutsche Eck, das Kaiser- Wilhelm-Denkmal, sowie Kloster Arenberg, Roter Hahn und Chren-Dreitstein besucht wurden. Bei froher Stimmung wurde abends die Rückfahrt durch den Westerwald über Montabaur—Limburg nach Klein-Linden angetreten.
t Treis a. d. Lda.. 8. Sept. Gestern beging Herr Georg Denner II. dahier seinen 8 9. Geburtstag. Der 3ubilar befindet sich noch in vollem Besitz seiner geistigen Kräfte, die leiblichen aber sind der Höhe des Alters entsprechend nicht mehr die besten; er muß seit einiger Zeit wegen zunehmender körperlicher Schwäche das Bett hüten. Er ist der älteste Mann unserer Gemeinde. Die älteste Frau, Elisa- bethe A m e n d, geb. Will, wird in diesem Iahre 90 3ahre alt. — Heute nachmittag sand auf dem Platz vor der Kirche das 3 ahres - fest des evangelischen Dekanats Gießen unter großer Beteiligung von nah und fern statt. Den Festgottesdienst hielt Pfarrer Eckhardt- Wahlen. Seiner tiefgehenden Predigt über evangelische Gewissenspflicht lag das Wort aus dem Hebräerbrief: »Wir haben ein Dolk von Zeugen" usw. zu Grunde. Rach ihm brachte Dekan Buhmann die Grüße und Wünsche des Evangelischen Dekanats Gießen, darauf sprach der Festprediger über den Reichstag von Speyer 1529, und der Dorsitzende des Hessischen Haupt- Vereins des Evangelischen Bundes, Pfarrer B e r ck - Rohdorf, in bekannter, markiger Weise über „Protestanten einst (1529) und Protestanten jetzt". Die Schlußanfprache hielt der Ortspfarrer. Die Feier wurde durch die Mitwirkung des hiesigen Kirchengesangvereins, der unter der Leitung von Lehrer Walter mehrere Chorlieder vortrug, und des Posaunenchores von Hassen- hausen unter Leitung von Pfarrer Stäuber verschönert.
ch Rüddingshausen, 10. Sept. Dieser Tage beendete der hiesige Kleinkaliber-Schützenverein fein diesjähriges Preisschießen, das unter sehr starker Beteiligung stattgefunden hatte. In den einzelnen Gruppen mußte mehrmals „aestochen" werden, so beispielsweise um den ersten Preis, auf den vier Schützen mit 36 Ringen Aussicht hatten, viermal. Besonders auffallend war die Leistung des Volksschülers Ludwig K a l b e r l a h , Sohn des Försters Kalberlah, der mit drei Serienschüssen 36 Ringe erzielte. Es kamen neben den kleineren Serienpreisen 32 Hauptpreise zur Verteilung. Den 1. Preis errang Hermann Müßig (Riiddingshcm- sen); den 2. Heinr. Weber (Dreihausen); den 3. Wilh. Peter (Rüddingshausen); den 4. Wilhelm Paulus (Deckenbach). Weiter fielen 10 Preise auf 35 Ringe, 14 Preise auf 43 Ringe und der Rest von 4 Preisen auf 33 Ringe. Bei dem anschließend abgehaltenen Serie,nschießen erzielten Heinr. Reitz (Rüddingshausen) und Kalberlah mit 36 Ringen je einen 1. Preis. Je eine Ehrenscheibe errangen Konr. Diehl, Heinr. Lang und Lehrer Heiß, alle aus Rüddingshausen. Der Verein hat mit den erzielten Leistungen gezeigt, daß der Schießsport in unserem Ort eifrig gepflegt wird.
Es ist Hochsommer, und wir leben wie im Winter. 3m Schlosse wird geheizt, und das Prasseln und Knacken der Holzscheite im Kamin ist die einzige liebliche Musik, die wir vernehmen. Draußen braust der Sturm durch die Bäume, fährt über die Felder, peitscht den unaufhaltsam strömenden Regen. Das Getreide, das vor einem 3ahre um dieselbe Zeit ährenschwer und goldblickend der Sense sich entgegensehnte, ist heute gelblichgrün, steht nicht prall wie Lanzen, sondern matt und müde in der grauen Luft, und die Aehren sind dünn und leer.
Was soll nur aus der Ernte werden? Tannenwalde hat keine Dorräte mehr auf seinen Kornböden liegen, Mais- oder Kunstdüngerspekulationen sind auch nicht mehr zu machen, und die landwirtschaftliche Lage geht mit jedem Tage abwärts.
Hast du uns ganz und gar verlassen, lieber Gott da oben? Willst du mit deiner Sonne auch dein Auge für immer von uns ziehen? Oder fehlen dir die Gebete des Kämmerers? Wohl ihm, daß er dies alles nicht mitzuerleben braucht. Sein Herz würde bei dem immer trostloser werdenden Anblick seines Tannenwälder Bodens verbluten.
Herr Hollwede hat seinen Sekretär entlassen, und das Schreibfräulein hilft im Haushalte, weil es nicht mehr Diktate aufzunehmen und Briefe zu schreiben hat. Er ist jetzt mehr als je in dev Wirtschaft und hat des Abends auf seinem Zimmer stundenlange Unterredungen mit mir.
Aber fein Einspänner fährt langsamer als früher, und wenn er mir so gegenübersteht, dann sehe ich Furchen und Striche auf feiner Stirn, die früher nicht da waren, und der einmal so siegende Blick seiner leuchtenden Augen ist stumpf und leer geworden.
Heute morgen kam der Einspänner zur gewohnten Stunde aufs Feld gefahren. Als er in meiner Rähe war. bemerkte ich, dah nicht Herr Hollwede auf ihm sah, sondern seine Tochter.
„Der Dater hat geschäftlichen Besuch," sagte sie, indem sie abstieg und dem hinter ihr sitzenden Burschen die Leine zuwarf, „er lieh durch fein Fräulein mitteilen, dah er heute nicht hinaus» fahren würde und auch nicht durch irgendwelche Anliegen gestört werden dürfte. Da lieh ich für mich anspannen, um 3hnen hier drauhen mal guten Tag zu sagen."
Und als ich sie wohl ein wenig erstaunt an- sah, denn sie hatte mich in der letzten Zeit nicht durch Freundlichkeit verwöhnt: „Ich weih, daß Sie es jetzt nicht leicht bei uns hoben."
Wir waren auf die Wiese gegangen, auf der die Leute die Staken Heu auf Wagen luden. Es war zwar noch nicht trocken, aber ich hatte lange genug gewartet und konnte doch nicht alles hier draußen verkommen lassen. So hatte ich
D Hu ngen, 9. Sepk. Die dem Hessischen Landjugendbund angegliederten Reitergruppen von Reichelsheim (Wetterau), Echzell und Hungen veranstalteten heute hier ein wohlgelungenes Reitturnier. Eine große Anzahl Freunde der Reitkunst war aus unserer Stadt und aus den umliegenden Dörfern herbeigekommen, um diesem für die meisten Dorfbewohner noch neuartigen Sport zuzusehen. Eröffnet wurde die Deranstaltung durch einen schneidigen Kavalleriemarsch der Echzeller Musikkapelle, die auch durch schone Musikstücke die Pausen ausfüllte. Den Auftakt bildete das Schulreiten, ein Abteilungskampf der drei Reitergruppen, in dem die Gruppe Hungen Sieger wurde und den von dem Hessischen Landjugendbund gestifteten Ehrenpreis erhielt. Das unter Kommando von Reitlehrer Hesse (Hungen) stehende Dressurreiten bot schöne Leistungen. Schwieriger für unsere ländlichen Reiter und Pferde war das Trabreiten, bei dem das Pferd nicht weiter al$ 10 Meter in Galopp fallen durfte. Sehr gut beseht war das Galoppreiten. Auch die schwierigen Anforderungen des 3agdspringens, bei dem 12 Hindernisse zu überwinden waren, wurden im allgemeinen zufriedenstellend erfüllt. Den Schluß bildete das Flachrennen, wobei zwei von Dr. Schmidt, Hungen, gestiftete Wanderpreise ausgesetzt waren. Rachmittags fand auf dem Reitplatz die Preisverteilung statt, die folgende Ergebnisse brachte: I. Schulreiten. 1. Preis: Hungen, 2. Preis: Reichelsheim, 3. Pr. Echzell. II. Dressurreiten. Ehrenpreis: Heinrich Hesse, Hungen; 1. Preis Hch. Veith, Reichelsheim; 2. Pr. Albrecht Vopp, Langd; 3. Pr. Walther Seibert, Hungen; 4. Pr. Erich Hofmann, Rodheim a. d. Horloff; 5. Pr. W. Eisele, Reichelsheim; 6. Pr. Herbert Schneider, Utphe; 7.Pr. Hch. Köhler, Hungen; 8. Pr. Hermann Schmidt, Hungen. III. Trabreiten, a) Leichte Pferde, Entfernung 800 Meter. Ehrenpr.: Hch. Beith, Reichelsheim; 1. Pr. Robert Schmidt, Steinheim; 2. Pr. Albr. Bopp, Langd; 3. Pr. Fr. Hesse, Hungen; 4. Pr. Hb. Schneider, Utphe, b) Schwere Pferde, Entfernung 600 Meter. Ehrenpreis: Walther Seibert. Hungen; 1. Pr. Karl Weck, Hungen. IV. Galoppreiten, a) Leichte Pferde, Cntf. 800 Meter. Ehrenpreis: Erich Hofmann, Rodheim a. d. Horloff; 1. Pr. W. Eisele, Reichelsheim; 2. Pr. Gustav Schultheis, Echzell; 3. Pr. Hch. Beith, Reichelsheim; 4. Pr. Alfred Ries. Heuchelheim (Wetterau); 5. Pr. (Jung, Echzell, b) Schwere Pferde, Entfern. 600 Meter. Ehrenpreist W. Seibert, Hungen; 1. Pr. Karl Weck, Hungen. V. 3agöfbringen. Ehrenpreis: Erich Hofmann, Rodheim a. d. H.; 1. Preis Erich Hofmann, Rodheim; 2. Pr. Hch. Schäfer, Reichelsheim; 3. Pr. Karl Schäfer, Reichelsheim; 4. Pr. Hch. Beith, Reichelsheim. VI> Flachrennen (Wanderpreis von Dr. Schmidt), a) Leichte Pferde: Herbert Schneider, Utphe; b) Schwere Pferde: Karl Weck, Hungen.
-o- Ober-Bessingen, 10. Sept. Unsere Gemeinde kann auf einen erhebenden Festtag zurückblicken, der den Beweis erbrachte, daß auch kirchliche Feste eine starke Zugkraft ausüben können, wenn sie volkstümlich gehalten werden. Schon am Morgen des vergangenen Sonntags zeigte es sich, daß die Dorfkirche nicht die Erschienenen alle aufnehmen konnte, weshalb man sich neben die Kirche auf den für den Rachmittag vorbereiteten Festplatz begab. Andächtig lauschte die Gemeinde dem Festredner, Pfarrer Petermann aus Leipzig, früher Missionar in Indien. An Hand des Bibelwortes Römer 10, 11 bis 13 begeisterte er für das große Werk der Mission. Da mit dem Misst o n s f e st auch eine Zusammenkunft der Siebzigjährigen verbunden war, folgte nun eine Ansprache an diese durch den Superintendenten der Provinz Oberhessen, Oberkirchen- rat Wagner aus Gießen, der die Worte: „Herr, nun läfsest du deinen Diener in Frieden
schnell entschlossen den ersten sonnigen Morgen benutzt und die Wagen auf die Wiese gejagt.
Aber es war wieder einmal vergeblich gewesen. Die Sonne hatte sich sehr bald hinter schwer und drohend aufziehende Wollenberge verkrochen, die bald den ganzen Himmel in ein undurchdringliches Grau gehüllt hatten. Ieht fiel der erste Regen, zuerst leicht sprühend und langsam, dann schneller und in dichten Strähnen« Die Knechte und Mägde, die am frühen Morgen gesungen und mit Heller Lust ihre Arbeit getan hatten, beeilten sich, so sehr sie nur konnten; die Staken flogen unter ihren wuchtigen Händen nur so auf die Wagen. Aber der frohe Sinn war nicht mehr in ihrem Tun, und ihr Gesang war verstummt. Mißmutig ließen die schlecht genährten Gäule Kopf und Ohren hängen, manche standen stumpf und ergeben in ihr Schicksal, als fchliefen sie, andere schüttelten sich, wenn der Regen auf ihr Fell niederrieselte. Alles umher war in graue Rebel gehüllt; dunkle Krähen- schwärme strichen über die Wiese.
3m aufgerafften Kleide schritt Barbara neben mir her, kein Ton der Klage ober des Mißbehagens kam über ihre Lippen.
Mit einem Male blieb sie stehen und sah mich aus leise umschleierten Augen an: „Denken Sie noch manchmal an unser Gespräch damals, als wir im Hellen Rachmittagssonnenschein zur selben Iahreszeit hier durch die Felder fuhren?"
„Ob ich daran denke!"
„Und wissen Sie auch," fuhr sie fort, indem sie mit einer leichten Handbewegung über die immer trüber und dunkler sich breitenden Aecker und Felder wies, „was das hier ist? Die Rache des Landes! 3a, sagen Eie, was Sie wollen! Das so lange verachtete Land nimmt seine Rache. Cs sind die Dämonen der Zeit, die sich wider uns erheben. Haben Sie noch nichts von ihnen verspürt? Ich treffe sie überall. Die bösen Geister sind es, die diese unheilvolle Zeit hervorgebracht. Bei dem einen heißen sie Trunk, bei dem andern Geldgier, bei dem dritten —"
„Ob ich etwas von ihnen gespürt habe!" sagte ich und mußte an den alten Obersten denken. Auch ihres Daters Bild mit seiner unersättlichen Habsucht stand vor meiner Seele.
„Run scheinen Sie von diesen Dämonen verschont geblieben," setzte sie nach einer längeren Pause hinzu.
..Sie irren. Auch ich habe ihnen meinen Zoll zahlen müssen. Sie sagten ja schon, daß sie bei jedem in anderer Gestalt erschienen. Bei mir heißen sie Wandertrieb, eine innere Unruhe, die mich nie in gegebenen Verhältnissen Rast und Befriedigung finden läßt, mich immer zu neuen Lebensmöglichkeiten, neuen Menschen treibt —"
(Fortsetzung folgt.)
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