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Vornan von Edgar Wallace.
(Schluß.)
,Ich habe es vor einigen Jahren nur zu dem 'Zweck gekauft, um Davids Dramen auf die Bühne zu bringen", sagte er. „Der einzige Zweck, für den ich überhaupt lebte, war ja doch, Davids Ramen bekannt zu machen. Er hatte schon sehr früh das Pseudonym Dearborn angenommen, und es wundert mich eigentlich, daß Sie den 'Hamen Dearborn, der schon vor sechs Jahren auf den Theateranzeigen erschien, nicht mit Ehrw. John Dearborn in Verbindung brachten."
„Das haben wir ja auch getan," sagte Larry, „aber wir zogen unsere Schlußfolgerungen erst in einem späten Stadium unserer Antersuchun- gen."
„Hafer zweites Experiment war ein Mann namens — nun, auch den ‘Hamen brauche ich Ihnen nicht zu geben“, sagte er. „Da mußten wir eine ganze Zeit warten, bis wir das Geld von den Rückvcrsichcrungsgesellschaften ziehen konnten. And hierbei passierte eine sehr unangenehme Sache. Einer unserer Angestellten hatte heraus- gefunden, daß die Person, der das Geld ausgezahlt wurde, mein Vruder David war. Durch einen ganz lächerlichen Zufall war er dahinter gekommen und fing nun an, Geldsummen von David zu erpressen, fürchtete dann jedenfalls die Konsequenzen, unterschlug eine beträchtliche Summe im 'Bureau und ging nach Frankreich. David folgte ihm und erschoß ihn in Montpellier. Dieser Teil der Geschichte ist Ihnen ja sehr gut bekannt", lächelte er.gutgelaunt. „Flimmer Fred war zufällig Zeuge dieses Vorganges und lebte dann Jahre hindurch auf meine Kosten herrlich und in Freuden, das heißt, aber auch nur, weil er vorsichtig genug war, niemals eine Einladung zum Diner in meinem Hause anzuneh- men", fügte er mit feinem Lächeln hinzu.
„And jetzt komme ich zu der Stuart-Sache. David, der eine große Anzahl Recherchen auf eigene Faust führte, war, wie Sie wissen, von der Vildsläche verschwunden, als er von Flimmer Fred erkannt worden war. Wir hatten ihm ein wunderbares Begräbnis bereitet und —" Er zögerte.
„And der Körper im Sarge war Lews Bruder," unterbrach Larry ruhig.
„Ganz richtig," gab der Doktor zu. „Er war ein etwas unbequemer Mensch und - er mußte eben gehen! Die ganze Sache war in der Zwischenzeit sehr vereinfacht worden," erklärte er.
„Mein Bruder hatte unser wundervolles Haus gebaut, und die Todeskammer mit ihrem Wasser, der Pumpe, den Ventilatoren war eine Schöpfung des Genies meines Bruders. Ich hatte den Gedanken. Todds Heim aufzukaufen, und merkwürdigerweise hatte ich den Ankauf abgeschlossen, bevor es sich als notwendig erwies, daß mein lieber David verschwinden muhte. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat Mr. Grogan Ihnen nicht erzählt, daß wir ihn mit allen Mitteln, die in unserer Macht standen, zu bewegen versuchten, einer Einladung nach dem Macready-Theater Folge zu leisten, um sich eines der Dramen meines Bruders anzusehen. Er rettete sich selbst, nicht weil er übermenschlich geschickt war. sondern weil er die gerissene Verschlagenheit der Ratte hatte, die um die Falle herumläuft, sehr gut weiß, daß es eine Falle ist. aber nicht ausfindig machen kann, wie sie arbeitet.
„Ich komme jetzt zu dem Stuart-Fall zurück." sagte er. „Wir hatten unseren Plan reiflich überlegt, als Stuart in die Loge kam, aber wir hatten natürlich nicht daran gedacht, irgendwie Gewalt gegen ihn zu brauchen, während er sich dort aufhielt. Wir dachten, es würde ganz einfach sein, ihn zu überreden, durch den Rotausgang hinauszugehen und in den Wagen zu steigen, der auf der privaten Abfahrtstrahe wartete.
„Stuart kam. Mein Bruder war natürlich nicht da, obgleich er für den Fall, dah ich seine Hilfe nötig hatte, in der Rühe war. Beiläufig gesagt. wurden die Logen B und C niemals an das Publikum abgegeben. Zu unserer Aeber- raschung befand er sich in äußerst gehobener Stimmung und erzählte uns, daß er seine Tochter entdeckt hätte. And jetzt wurde es zum erstenmal klar, daß er nicht irgendein unbedeutender Fremder. sondern ein äußerst reicher Mann war. Wir brachten ihn nach unserem Hause, er ging ganz freiwillig mit. und dort hatten mein Bruder David und ich eine kleine Besprechung, was mit ihm geschehen sollte. Wir kamen zu dem Resultat, daß wir nichts Besonderes von ihm zu erwarten hätten, wenn wir ihn leben ließen. Außerdem war es sehr notwendig, absolute Lebensnotwendigkeit, daß wir so schnell wie möglich Geld hereinbekamen. Ich hatte eine sehr große Summe Geldes ausgegeben, einige hunderttausend Pfund," sagte er leichthin, als er sich seine zweite Zigarette ansteckte, „für Kunstschätze aller Art, und noch weitere hunderttausend für das Theater, und, wie Sie sich denken können, waren wir in größte Verlegenheit gekommen. Wir beschlossen also, daß Stuart gehen müßte."
Er zog behaglich an feiner Zigarette und blies kunstvoll einen Ring in die Luft.
„Das ging nicht so leicht." sagte er kurz, „der I Mann leistete Widerstand. Dabei fällt mir übri- | gens ein. daß ich wohl alle Berechtigung für die Annahme habe, einer der Manschettenknöpfe. der bei dem Kampf von meinem Oberhemd abgerissen wurde, ist von Ihnen gefunden worden, Mr. Holt. Wo fanden Sie den eigentlich?"
„In der Hand des Toten," antwortete Larry, und Dr. Judd nickte.
„Ich hatte befürchtet, daß ich nicht sorgsam genug gewesen war," sagte er. „Aber im gewissen Sinne ist dies eine Erleichterung für mich, denn ich dachte, David hatte die Schuld daran — David war in solchen Kleinigkeiten immer etwas nachlässig.
Stuart hatte uns alles erzählt, alles über die Aufwärterin, und uns auch ihre Adresse gegeben; und in diesem Augenblick beschlossen wir, daß wir Clarissa auffinden und mit irgend jemand verheiraten müßten." Er zuckte mit den Achseln. „Es kam mir nicht darauf an, mit wem wir sie verheirateten, wenn wir nur vor allen Dingen ihre Geburt nachweisen und dann ihr Vermögen kontrollieren konnten. Am nächsten Tag machte sich mein Bruder an die Arbeit, um die Wahrheit der Angaben Stuarts zu prüfen, fand aber, daß dies gar nicht so einfach war. Die Leiterin des Genesungsheims — Sie werden sich erinnern, daß das Heim, in dem Mrs. Stuart starb, früher eine Farm gewesen war — war verschwunden. Richt einmal das Angebot einer Belohnung brachte irgendwelche Resultate. Wir hatten keinerlei Schwierigleiten, um die Aufwärterin zu finden und in unsere Gewalt zu bringen. Der blinde Jake, der wirklich ein treuer Diener von uns war — und niemand bedauert seinen Tod mehr als ich selbst, aber ich war mir klar geworden, daß fein Tod notwendig war oder zum mindesten den Anschein der Rotwendigkeit hatte - -, der blinde Jake brachte sie weg. und von den Mitteilungen, die sie uns geben konnte, war es mir dann möglich, Clarissa Stuart mit Diana Ward zu identifizieren. Zu Ihrer persönlichen Information möchte ich noch hinzufügen. daß die Rachforschungen nicht mehr als einen halben Tag beanspruchten.
„Da ist noch eine Frage, die ich Ihnen gern vorlegen möchte, Doktor." sagte Larry ruhig. „Wer hat denn eigentlich den Anfall mit dem Fqhrstuhl arrangiert?“
„David." sagte der Doktor mit einem leichten Lächeln, als ob er sich in Gedanken über etwas amüsierte. „David befand sich in der obersten Etage, und es war auch David, der allerhand schwere Gegenstände nach Ihrem Kopf zu schleudern versuchte. Er traf Sie nämlich nicht, und
das war recht bedauernswert. Von dort hatte er einen sehr bequemen Ausgang über das Dach hinweg nach dem nächsten Hause, und ich habe Sie niemals so sehr bewundert, wie in dem Augenblick, als Sie sich bezwangen und die Treppen der Leiter, die man so einladend unter der offenen Dachluke hatte stehenlassen, nicht hinaufgingen. Sie würden äußerst schnell wieder heruntergekommen fein.“ fügte er bedeutungsvoll hinzu. „And hiermit, meine Herren, ist meine Geschichte beendet.“ Er griff nach der dritten Zigarette, denn die zweite war bis auf einen kleinen Rest verraucht.
„Warum haben Sie eigentlich Lew verschont?" fragte Larry. „Er war doch einer Ihrer Helfer und kannte doch alle Ihre Geheimnisse."
„Ich hatte mir vorgenommen, jeden zu schonen, falls mein eigenes Leben nicht dadurch in Gefahr kommen würde,“ antwortete Dr. Judd. „Selbstverständlich wollte ich doch nicht alle meine guten Pläne durch den Tod irgendeines verkommenen Bettlers, der sonst ganz harmlos war, zusammenbrechen sehen. Ich habe nur getötet, wenn es nötig oder einträglich war. Der blinde Jake hatte seine eigene Vendetta. u.nd fein Versuch. Fanny Weldon umzubringen, war eine private Angelegenheit, an der wir keineswegs interessiert waren."
Ein Mann kam durch die Zellentür, ein kleiner untersetzter Mann, barhäuptig, und Dr. Judd nahm einen letzten tiefen Zug aus feiner Zigarette. warf sie auf den "Boten, zertrat sie, bis der letzte Funke verlöscht war.
„Der Henker, wie ich annehme?" sagte er freundlich, drehte sich herum und legte seine Hände auf den Rücken.
Der untersetzte Mann fesselte ihn. und ter weißgekleidete Priester, dessen Dienste Judd zurückgewiesen hatte und der auf der Außenseite der Zellentür auf ihn wartete, kam herein und schritt langsam an der Seite des Doktors auf den Gang hinaus.
And so verschwand der Doktor für immer den Blicken Larrys, der zurückblieb. Zum letztenmal sah er seine breiten Schultern, als sie durch die schmale Tür schritten, die von der Halle des Gefängnisses nach dem Hofe führte, und er wartete mit einem unaussprechlichen und unerklärlichen Gefühle tiefster Traurigkeit.
Eine Minute verging, und dann vernahm er ein Krachen, das feinen Ohren wie Donner erschien und ihn zusammenfahren ließ. Es war das Geräusch der sich öffnenden Falltür, die zum Tode führte. Dr. Judd war mit seinem Bruder vereint!
— Ende. —
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