Aus Natur und Technik.
Was -er Bodensee zu erzählen weiß.
Versuche über Höhenstrahlung.
Von Professor Or. Küstermann.
NaäHruck verboten.
Zu älnrecht wird die in den letzten fahren so wichtig gewordene Höhenstrahlung gelegentlich auch als „Millikan-Strahlung" bezeichnet; denn ohne die Verdienste, die sich der hochbedeu- tende amerikanische Phylcler Millikan um dre Erforschung dieser merkwürdigen Erscheinung erworben hat, irgendwie schmälern zu wollen, mutz man doch sagen, dah es in erster Lime deutsche Forscher wie Hetz und insbesondere Ko Ihorst e r , und in letzter Zeit Hoffmann und Steinke aus Königsberg waren, die auf dre- sem Gebiete bahnbrechend gewirkt haben. Dah diese Strahlen immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich lenken, ist kein Wunder. Seitdem ein Versuch auf dem Iungfraujoch gezeigt hat dah sie dann am stärksten sind, wenn die Milchstraße den höchsten Stand am Himmel hat, ist an der Herkunst der Strahlen aus den Liesen des Weltalls, also nicht etwa bloß von der Sonne her, kaum noch zu zweifeln. Auf das Gemüt des Menschen wird aber immer wieder die Tatsache cinwirken, dah er mit der ganzen ‘2߀lt, nicht nur der sichtbaren, verbunden ist. Foeilich braucht man daraus nicht den Schluh zu ziehen, dah der Mensch auch sein Schicksal aus den Sternen ablesen könne. Es handelt sich bei unserer Höhenstrahlung vielmehr um eine sehr nüchterne, wissenschaftliche Angelegenheit.
Dah man, um die Höhenstrahlung zu erforschen, in die Liese des Bodensees und fast bis auf seinen Grund hinabsteigt, wird manchen vielleicht wundern. Aber dieser Weg ist es, den Professor Rogener, der verdienstvolle Physiker dec technischen Hochschule in Stuttgart, beschritten hat. Denn nachdem einmal das Vorhandensein einer besonders kurzwelligen und darum auch besonders durchdringenden Strahlung ganz zweifelsfrei nachgewiesen ist, die um so stärker wird, zu je gröheren Hohen wir emhvrsteigen, kam es ja weniger darauf an, möglichst starke Wirkungen dieser Strahlung zu erzielen, als vielmehr das Gesetz ihrer Zu- oder Abnahme in einem von äuheren Zufälligkeiten möglichst unabhängigen Bereich sorgfältig zu untersuchen. Als ein solches Gebiet kann aber eine große Wasserfläche, namentlich in bedeutenden Tiefen, ohne weiteres angesehen werden. Wie schon von Luft, so werden diese Strahlen, die ja doch dicke Metallplatten durchsetzen können, auch vom Wasser verhältnismäßig stark verschluckt, und das Gesetz ihrer ' Abschwächung in immer größeren Tiefen ist es, Las vornehmlich den Gegenstand der Versuche bildete.
Als Dersuchsgefäh benutzte Aegener eine mit stark zusammengepreßter Kohlensäure gefüllte Stahlkammer, deren Wandstärke einen Zentimeter betrug. Ihr Gewicht war durch einen Schwimmer teilweiie ausgeglichen, so dah die Versenkung bis zu beliebiger, natürlich sehr genau gemessener Tiefe, verhältnismäßig leicht gelang. In der Stahlkammer befand sich als wichtigster Teil der Versuchsanordnung ein auf etwa 600 Volt Spannung geladenes Elektrometer, dessen Ladungszustand durch eine zweckmäßige Einrichtung selbsttätig auf einer Lichtbildplatte festgehalten werden konnte. Die Ausnahmen erfolgten regelmäßig alle Stunde. Selbst in der geringen Tiefe von 32,4 Meter war nach Verlauf von zwanzig Stunden noch eine Elektrometerspannung von 500 Volt wahrnehmbar. Zu je gröheren Tiefen aber die Vcrsuchskammer versenkt wurde, um so langsamer war die Abnahme. Sehr hübsch und auch sachlich überzeugend wirkt es aus den von Aegener mit- geleilten Bildern, daß die Spannung während des Absenkens der Kammer in größere Tiefen zunächst noch verhältnismäßig schnell abnimmt, Dann aber, wenn die gewünschte Tiefe erreicht ist, langsamer und ganz regelmäßig abfällt.
Deute die Zeichen! Dieser auf der Eingangspforte der Göttinger Erdbebenwarte eingegrabene Spruch gilt heutzutage für jeden physikalischen Versuch. Bloße Lichtbildplatten mit den Spuren der jeweiligen Stellung des Elektrometers bildeten das teuere Ergebnis der angestrengten Versuchsarbeit Regeners. Aber nun galt es die , „Zeichen zu deuten", das heißt mit den Mitteln der höheren Rechenkunst und der physikalischen Theorie die Sprache zu erlauschen, die sie redeten. Aatürlich können wir dem Forscher auf diesen vielverschlungenen Pfaden hier nicht folgen, aber manches werden auch wir ohne Schwierigkeit sofort sehen. So z. B. wird es uns sofort klar
Riesensterne.
Von Arthur Sienze!.
Dem in die wissenschaftliche Himmelsforschung nicht tiefer eingeweihten Beschauer des nächtlichen sternbesäten Firmaments erscheint es zunächst unfaßbar, daß jeder der Tausende von leuchtenden Punkten da droben, mit Ausnahme einiger weniger, der Planeten oder Wandelsterne, ein glühender Körper etwa von der Größenordnung unserer Sonne ist. Doch an dieser Tatsache besteht schon lange nicht mehr der geringste Zweifel. Um sie dem Verständnisse näher zu bringen, ist es aber nötig, vorerst die Größenoerhältnisse der Sonne selbst einer kurzen Betrachtung zu unterziehen.
Da der wahre Durchmesser der Sonne 1 391 000 Kilometer, dagegen der Erddurchmesser nur 12 756 Kilometer beträgt, übertrifft der Rauminhalt oder das Volumen der Sonne das der Erde 1,3 Millionen mal. Wenn daher die Erde im Mittelpunkt des hohl gedachten Sonnenkörpers stände, könnte der Mond in seiner wirklichen Entfernung, 384 000 Kilometer, bequem innerhalb der Sonne um die Erde kreisen, ja, er würde in fast doppeltem Abstande von der Erde erst die Kugelschale, d. h. die Sonnenoberfläche, berühren. Die Masse der Sonne entspricht 333 400 Erdmassen, mithin ist die Dichte der Sonne unter Berücksichtigung ihres Rauminhaltes sehr gering, kaum 1,4 mal so groß als die Dichte des Wassers. Obwohl die Schwere (Gravitation) an der Oberfläche des unoeheuren Sonnenkörpers 28 mal so groß ist als an der Erdoberfläche, so daß ein normaler Mensch von 70 Kilogramm Gewicht dort 39 Zentner wiegen würde, darf dieses überaus lockere Gefüge der Sonnenmaterie nicht wundernehmen; es wird bedingt durch die außerordentlich hohe Temperatur, die an der Oberfläche der Sonne 6000 Grad Eelsius beträgt und in deren Innerem noch weit höher ist.
sein, daß di« Entladung des Elektrometers nicht allein von einer Unvollkommenheit der Isolierung oder einer anderen im Apparat liegenden Ursache herrühren konnte; denn ein solcher Einfluß wäre in jeder Wasser tiefe derselbe gewesen. Der Teil der Wirkung, der auf diese Ursachen zurückzuführen war, mußte natürlich von vornherein abgezogen werden. Es zeigte sich, daß bis zu einer Tiefe von 230 Meter eine Entladung übrig blieb, die nicht auf solche „Selbstentladung" zurückgeführt werden konnte. Dieser Teil konnte nur auf einer von oben her wirkenden Ursache beruhen; denn wäre diese von der Tiefe ausgegangen, so wäre auch die Wirkung in größeren Tiefen größer gewesen, während in Wirklichkeit die Entladung tief unten langsamer geschah.
Aun müssen es natürlich Strahlen einer ganz merkwürdigen Art sein, die nach Durchsetzung einer Wassertiefe von 230 Meter noch eine Stahlwand von einem Zentimeter Stärke durchdringen, um alsdann immer noch sichtbare Wirkungen auszuüben. Aach wohlbegründeten physikalischen Anschauungen sind Strahlen um so wirksamer, je kurzwelliger sie sind. Die starke, namentlich in letzter Zeit so wichtig gewordene Wirksamkeit der ultravioletten Strahlen und die Durchdringungsfähigkeit der Röntgenstrahlen beruhen ja hierauf. Was nun die hier in Aede stehende Höhenstrahlung anlangt, so steht uns bisher kein anderes Mittel zur Verfügung, um ihre Wellen
länge zu messen, als eben chre Durchdringungskraft oder, anders ausgedrückt, das Maß, in dem sie verschluckt wird. Aatürlich sind nun die hierauf beruhenden Berechnungen noch nicht so sicher, als wenn wir die Wellenlänge der Strahlen unmittelbar messen könnten, wie dies beispielsweise noch bei Aöntgenstrahlen möglich ist. In- solgedessen schwanken denn auch die Wellenlängen, die sich aus Aegeners Versuchen ergeben, noch innerhalb ziemlich weiter Grenzen. Regener berechnet, dah sich als Höchstwert der Wellenlänge eine Welle ergibt, von der etwa 2 Billionen auf den Zentimeter gehen, während nach anderen Berechnungen die Wellenlänge noch etwa achtmal kleiner wäre. Die Zahl der Wellen- schwingungen in der Sekunde würde eine 22- bis 23stellige Zahl ergeben.
Durch die Bodenfeeversuche ist, wie sich gezeigt hat, die uns bekannte und genau untersuchte Strahlung um ein weites Stuck nach dem kurzwelligen Ende hinausgeschoben. Aegener plant seine Versuche in noch größerem Maßstab fortzusetzen, aber schon jetzt sind seine Ergebnisse höchst bedeutungsvoll, und man kann es als sicher ansehen, dah der Bodensee, das berühmte schwäbische Meer, nicht nur in der Geschichte der Technik, mit der er ja durch den Grafen Zeppelin unlösbar verbunden ist, sondern auch in der Geschichte der Physik eine bedeutende Aolle spielen wird.
Wie Güter umsteigen.
Von Max Fischer.
Rachdruck verboten.
Die auf der Eisenbahn zu befördernden Güter haben vor den Reisenden einen großen Vorzug: Sie lassen sich bis an die Decke der Wagen stapeln, so daß Raum und Tragfähigkeit der Wagen voll ausgenutzt werden; aber sie haben den Fahrgästen gegenüber auch einen erheblichen Nachteil, und das ist der, daß sie nicht umsteigen können. Die Güterwagen müssen daher fortwährend zu neuen Zügen zusarnrnengestgllt werden, um so vom Ausgangsbahnhof zum Zielbahnhof zu gelangen. Die Reichsbahn sucht deshalb möglichst weit geschlossene Güterzüge zu führen;
in Bewegung und bxemste ihn dann wieder ab. Den abgekuppelten Wagen ließ man auf das Gleis weiterlaufen, auf dem der Güterzug für seinen Zielbahnhof zusammengestellt wurde; dann zog die Lokomotive den Zug wieder zurück, es wurde wieder ein Wagen oder eine Wagengruppe abgekuppelt, der Zug nahm von neuem einen Anlauf und stieß den für ein anderes Ziel bestimmten abgekuppelten Zugteil in ein anderes Gleis — und so ging es unter fortwährendem Hin- und Herfahren des Zuges weiter, bis der ganze Zug zerlegt war. Dieses Der-
Stellwerk
Gleisbremse
Ablaufberg- Rahmenantenne
Ablaufberg
Stelfa/ert rn _
Gleisbremse
Bildt
Bild 2.
Verschiebebahnhof.
Jeder der zu zerlegenden Züge wird von einer Lokomotive über den Ablaufberg geschoben; dabei sind die Wagen und Wagengruvpen mit verschiedenen Zielen voneinander abgekuppelt und laufen in die Gleise 1 bis 6 — in Wirklichkeit ist die Zahl dieser Gleise erheblich größer —, von denen jedes zur Zusammenstellung eines neuen Zuges mit bestimmtem Ziel dient. Zu schnell laufende Wagen werden beim Ablaufen mit der Gleisbremse auf die richtige Geschwindigkeit abgebremst. Die Weicken werden im voraus für die ganze Zerlegung" im Stellwerk gestellt, das mit der Verschiebelokomotive funkentelegraphisch in Verbindung steht.
aber das geht leider nicht immer, weil es oft zu lange dauert, bis die von einem Ort zu einem bestimmten andern laufenden Güterwagen beisammen sind. So kommt es, daß jeder Güterwagen durchschnittlich nach 70 Kilometer Fahrt einmal auf einem Verschiebebahnhof behandelt werden muß. Die Reichsbahn erfügt zu diesem Zweck über 152 Verschiebebahnhöse; davon sind drei besonders groß, nämlich Hamm, Mannheim und Wustermark bei Berlin. Im ganzen werden täglich auf diesen Bahn- Höfen 450 000 Wagenverschiebungen vorgenommen. Das kostet 408 Millionen Mark jährlich oder 1,35 Millionen Mark täglich, jede Verschiebung kostet also 3 Mark. Diese ungeheuren Kosten lassen es selbstverständlich erscheinen, daß die Reichsbahn bestrebt ist, sie nach Möglichkeit herabzusetzen.
Früher stellte man aus den ankommenden Güterzügen neue Züge so zusammen, baß man die Lokomotive hinten an den zu zerlegenden Zug oder an einen Teil davon ansehte und den vordersten Wagen abkuppelte. Dann setzte man ton Zug durch Schieben möglichst schnell
fahren ist nicht nur zeitraubend, sondern kostet auch viel Geld, weil es eine Verschwendung ist, den Zug immer wieder in schnelle Bewegung zu versehen und dann die ihm erteilte Bewegungsenergie durch Bremsen zu vernichten.
Da kam man auf einen neuen Gedanken: Man legte auf den Verschiebebahnhöfen sogenannte Ablaufberge (Bild 2) an — Eselsrücken nennt man sie auch; das sind 3 bis 4 Meter hohe Berge, über die ein Gleis gelegt ist, das sich nachher in die Gleise für die Bildung neuer Züge gabelt. Aun schob die Lokomotive den angekommenen Zug, nachdem die Kupplungen zwischen den Wagen mit verschiedenen Zielen gelöst waren, den Berg hinauf, und zwar so weit, daß der vorderste Wagen auf der anderen Seite in das für ihn bestimmte Gleis herunterrollte. Dann wurden die Weichen für den nächsten Wagen gestellt, und die Lokomotive schob den Zug soweit vor, daß dieser Wagen nun abrollte. Damit man dem Stellwerksbeam-
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Als ähnliche gigantische glühendheiße Körper, als Sonnen wie unsere Sonne, haben wir uns also alle Fixsterne oorzustellen. Daß sie dem schwachen menschlichen Auge, auch dann noch, wenn es sich mit dem stärksten Fernrohr wappnet, nur als leuchtende Punkte erscheinen, hat seinen Grund in der gewaltigen Entfernung, die uns von ihnen trennt und die bei dem nätfrften Fixstern vier Lichtjahre, bei vielen anderen Hunderte und bei den Gestirnen der Milchstraße Tausende von Lichtjahren beträgt. Ein Lichtjahr aber entspricht der Strecke, die das in einer Sekunde 300 000 Kilometer durcheilende Licht in der Zeit eines Jahres zurücklegt, d. h. 9,46 Billionen Kilometer. Die neuere Sternsorschung, namentlich die Untersuchung zahlreicher Doppel- fterne hat erwiesen, daß die meisten Sterne annähernd die Größe und Maste unserer Sonne besitzen, daß die Sonne mithin etwa den Normal« 11) p u 5 bildet. Es gibt jedoch sehr viele Sterne, die kleiner, ebenjo sehr viele, die größer als unser Zentralgestirn sind, in der heutigen Astronomie Zwerge und Riesen genannt. Während die kleineren Sonnen mit Volumen und Massen bis herab zur Größenordnung unserer Planeten weniger bemerkenswert find, da ihr Bestand im all« gemeinen gesichert ist, verdienen die größeren Sonnen besonders deshalb Beachtung, weil ihnen gewisse Grenzen gezogen sind, über die hinaus ihre Existenz durch äußere Einflüsse gefährdet erscheint und schließlich möglich wird. Ihre räumliche Ausdehnung, das Volumen, allein kommt hierbei nicht in Betracht, sie kann sehr bedeutende Dimensionen annehmen; dagegen ist das Wachstum ihrer Masse beschränkt und in Verbindung mit dieser auch das ihrer Dichte. Allzuriesenhafte Sterne sind daher im Kosmos nicht vorhanden und darum gibt es auch im Zentrum großer Weltsysteme nicht, wie man früher glaubte, eine durch ihre mächtige Gravitation alles ringsum beherrschende Kolossal« sonne, das gemeinsame Schwerezentrum zahlreicher
Sterne kann vielmehr mitten im stofflosen Raume liegen.
Unter den Riesen st ernen dem Volumen nach, die aber verhältnismäßig kleine Masse und damit geringe Dichte haben, stehen die in rötlichem Lichte strahlenden obenan, obwohl es auch viele weiße und gelb(id>e Giganten gibt. So besitzt der Haupfftern im Bilde des Bootes, Arctur, den erstaunlichen Durchmesser von 45 Millionen Kilometer, gleich 0,3 der Entfernung Sonne — Erde, die 149,5 Millionen Kilometer beträgt, und gleich dem 32fachen Durchmesser unserer Sonne. Noch größer ist der Haupfftern im Stier, Aldebaran, der einen Durchmesser von 55 Millionen Kilometer aufweist. Doch diese Werte erscheinen klein gegenüber den fabelhaften Ausmaßen einiger anderen Sterne. Der hellste Stern im Skorpion, Antare, ist eine Riesenkugel von 230 Millionen Kilometer oder 1,54 Entfernung Sonne — Erde. Innerhalb seines hohl gedachten Raumes hätten also mit der Sonne die Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars in ihrem wahren Abstande von der Sonne Platz; denn die mittlere Entfernung des Mars von der Sonne mißt nur 288 Millionen Kilometer. Aehnliche Dimensionen besitzen auch die Riesen Alpha im Herkules und Gamma in der Andromeda. Aber sie alle werden noch in den Schattön gestellt durch zwei weitere Sternungetüme, den hellen Stern Beteigeuze im Orion und den Stern Mira im Wal« lisch. Beide sind offenbar außerordentlich lockere glühende Gasbälle. Der Durchmesser beträgt bei Beteigeuze 396 Millionen Kilometer oder 2,65 Sonnenabstände, und bei Mira, dem bis jetzt bekannten größten Fixsterne, 493 Millionen Kilometer oder 3,30 Sormenentfernungen.
In bezug auf die Masse sind dagegen den Sternen weit engere Grenzen gezogen. Während die Masse der kleinsten selbstleuchtenden Zwerge etwa der der Planeten Uranus oder Neptun, d. h. rund einem Zwanzigtausendstel der Sonnenmasse oder
ten nicht jedesmal zurufen muhte, wie er die Weichen für Len nächsten Wagen oder die nächste Wagengruppe zu stellen hatte, schrieb man vorher die Ziele der Wagen auf einen Verschiebezettel und gab diesen dem Stellwerkswärter. Dieser wußte also genau, wie er die Weichen nach dem Ablaufen eines Wagens für den ft>l- genden zu stellen hatte.
Aun laufen aber die Wagen nicht gleich schnell vom Ablaufberg herunter: Beladene laufen schneller, die Reibung der Achsen spielt natürlich eine Rolle und auch der Wind; bei Gegenwind laufen sie langsamer, bei Rückenwind schneller. Ferner muß noch berücksichtigt werden, dah die Wagen nicht zu weit laufen dürfen, wenn das Gleis, in dem der neue Zug gebildet wird, schon ziemlich voll ist. Da half man sich nun dadurch, daß man kurz vor dem Anprallen des Wagens auf den stehenden Teil des neuen Zuges einen Bremsschuh auf die Schienen legte und so den Wagen rechtzeitig zum Stehen brachte. Diese Art des Verschiebebetriebes war sicher schon ein großer Fortschritt; aber sie war doch noch ziemlich roh und ging für große Derschiebe- bahnhöfe immer noch zu langsam.
Man hat deshalb nach neuen Mitteln gesucht, den Verschiebebetrieb weiter zu beschleunigen und zu verfeinern. Das Ergebnis dieser Bemühungen hat man im Derschiebebahnhof Hamm zum größten Teil durchgeführt. Die Deutsche Reichsbahngesellschaft gab kürzlich der Technisch-Literarischen Gesellschaft Gelegenheit, diese Einrichtungen und ihr Wirken auf dem Derschiebebahnhof Hamm zu besichtigen, in dem die Wagen arte dem Rheinisch-Westfälischen Industriegebiet zusammenströmen und zu neuen Zügen zusammengestellt werden. Dieser Bahnhof hat drei Ablaufberge, nämlich zwei für die aus dem Industriegebiet ausfahrenden und einen für die zurückkehrenden Wagen; mit diesen drei Ablaufbergen wird die ganze Arbeit geleistet, da über jeden Berg täglich 5000 Wagen ablaufen können, gegen 2500 bei früheren ähnlichen Anlagen.
Dieser große Erfolg, durch den ungeheure Summen für andernfalls notwendige Dahnhofserwei- terungen gespart werden, ist im wesentlichen durch die selbsttätige Meichenstellung erzielt worden, und das ist so: Wie wir gesehen haben, gabelt sich das über den Ablaufberg führende Gleis hinter diesen Berg in viele Gleise (Bild 1), in denen die Züge für die neuen Zielbahnhöfe zusammengestellt werden. Run bekommt der Stellwerkswärter seinen Verschiebezettel, und zwar in Hamm durch eine Rohrpost. Aach diesem Verschiebezettel stellt er nun die Weichen für die Zerlegung des ganzen Zuges. Sie werden einwenden, verehrter Löser, daß dies unmöglich ist. da er sie natürlich nur für den ersten Wagen stellen kann, und damit haben Sie auch recht; aber ich habe auch recht. Er stellt sie nämlich doch alle vorher, aber diese Weichenstellungen gelangen nicht bis zu den Weichen, sondern werden vorher in einer Speichervorrichtung im Stellwerk abgefangen und liegen gewissermaßen dort auf Gis, bis sie an die Reihe kommen. Wenn nun der erste Wagen über eine Weiche gerollt ist, so fragt diese beim Speicher an: -Wie muß ich für den zweiten Wagen stehen?", ber Speicher sagt es ihr, und was er ihr sagt, das tut sie. Die Tlmstellung der Weichen erfolgt dabei durch Druckluft, die durch ein vorn Speicher auf elektrischem Wege an die Weiche gegebenes Kommando zur Wirkung kommt.
Das geht nun so schnell, daß die Lokomotive den zu zerlegenden Zug einfach langsam über den Ablaufberg schieben kann. Wenn dann die vordersten Wagen auf den abfallenden Teil kommen, laufen sie schneller und gewinnen dadurch den erforderlichen Abstand von einander. Geht es zu schnell oder zu langsam, so benachrichtigt das Stellwerk den Lokomotivführer auf funken- telegraphischem Wege über eine Rahmenantenne vor dem Lokomotivschornstein mit Morsezeichen, die ihm ein im Führerstand stehender Lautsprecher in Gestalt von langen und kurzen Tönen zuruft.
Aun könnte es trotzdem Vorkommen, daß zwei Wagen zu schnell hinter einander herlaufen, so daß eine Weiche für den zweiten Wagen erst umgestellt würde, wenn er mit den Vorderrädern schon darüber hinweg ist, mit den Hinterrädern aber noch nicht; dann würde er natürlich entgleisen und so — abgesehen vom Sachschaden — das Geschäft auf lange Zeit aufhalten. Damit dies nicht Vorkommen kann, sind die beiden Schienen an der Weiche elektrisch von einander isoliert. Gin darüber rollender Wagen verbindet sie nun leitend. So lange dies der Fall ist, kann die Weiche nicht umgestellt werden. Sie stellt sich erst um, wenn der Wagen
dem Sechzehnfachen der Erdmasse entspricht, weicht die normale Masse der Sterne im allgemeinen nur wenig von der Sonnenmasse ab, ebenso übertrifft die Masse der Riesen diese zumeist nur wenig. Die obere Grenze reicht etwa so weit, wie sich innerer Gasdruck und Schwerkraft die Waage halten, d. i. bis zu 30 bis 50 Sonnenmassen. Vorwiegend kennt man heute nur die Massen von Doppel ft er« neu, aus deren Bahnelementen man sie sicher berechnen kann. Der uns nächste Fixstern, Alpha, im südlichen Sternbilde des Centauren, besteht aus einem Hauptkörper von 1,1 Sonnenmassen und aus einem Begleiter von einer Sonnenmasse. Schwerer ist das Dinärsystem des Sirius, des hellsten aller Fixsterne nach Größenklassen; fein Hauptkörper besitzt die 2,4fache Sonnenmasse und dessen Begleiter gleicht an Masse unserer Sonne. Zu den Riesen gehören schon die Sterne Beta und Alpha im Fuhrmann, von denen der erste aus zwei Körpern von 2,4 und 2,3 der letzte, Capella, aus solchen von 4,2 und 3,3 Sonnenmassen gebildet wird. Gigantisch überragen die angeführten Sterne u. a. der Stern Xi in der nördlichen Krone mit 26 und der Stern Beta im Delphin mit 46 Sonnenmassen, und ein schwacher Doppelstern in Einhorn setzt sich zusammen aus Körpern von 87 und 73 Sonnenmassem Der spektroskopische, im Fernrohr also nicht trennbare Doppelstern V im Schützen soll sogar 260 Masseneinheiten enthalten. Das erstaunlichste Mas- sensystem entdeckte in jüngster Zeit O. Struve in dem Stern 5. Größe Nr. 27 im Großen Hunde. Nach den bisherigen Beobachtungen scheint dieses aus zwei zusammengehörigen Doppelsternen, d. h. aus vier Körpern, zu bestehen, für deren Gesamtmasse de Rechnung mehr als 1000 Sonnen» massen ergibt; bei gleichmäßiger Verteilung des Stoffes würde daher jeder der vier ungeheuren Weltkörper reichlich 250 mal so schwer fein als unsere Sonne.
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