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Nr. 57 Drittes Blatt

Freitag, 8. März 1929

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Turnen, Sport und Spiel.

Leibesübungen aus dem Lande.

Von Turnoberiehrer Luley, Dorsikender des Hess. Turnlehrer-Vereins.

Durch daS Schulgesetz von 1874 sind die Lei­besübungen zum Pflichtfach in den Volksschulen Hessens gemacht worden. In der Nachkriegs­zeit wird ihnen allgemein, insbesondere in den Kreisen der Erziehet und Aet'.te eine beson­dere gcsundhe'.t.iche und erzieheri che Bedeutung beigelcgt. Zur ordnungsgemäßen Erteilung des Turnunterrichts ist es erforderlich, daß Ein­richtungen geschaffen werden, die das Turnen von der Witterung unabhängig machen.

In vielen Landgemeinden stand aber seither meist nur ein unzulänglicher Turn - und Spielplatz zur Vet.üzung. Regen und Schnee machten dieselben unbenutzbar. Die Folge davon war, daß die Turnstunden aussielen oder zu anderem Unterricht Verwendung fanden. Um aber der hohen Bedeutung der Leibesübungen gerecht zu werden, ist eine Turnhalle, wenn aud> ganz einfach hergestellt und ausgestattet, unbedingt erforderlich.

Wo cs die Verhältnisse der Gemeinde gestatten, könnte damit eine Badeanstalt verbunden oder wenigstens eine Drausebadanlage errichtet wer­den, damit die Liebenden noch Schluß der Llebungsstunde in der Lage sind, sich von Schweiß und Staub zu reinigen, was in gesund­heitlicher Beziehung für die Jugend von aller­größter Bedeutung ist.

Da fast überall Wasserleitung vorhanden ist, oder an einer Reihe von Orten Flüßchen und Bäche vorbei- oder durchfließen, könnte den 'obigen Forderungen bei einigermaßen gutem Willen und mit verhältnismäßig geringen Kosten leicht Rechnung getragen werden.

Welch ungeheure Werte an Volksgesundheit auch für die Erwachsenen daraus entspringen würden, läßt sich leicht ausdenken.

Rn Orten mit mehreren Klas'en müßte dann der gesamte Turnunterricht in die Hände eines fachkundigen und für die Leibesübungen begeister­ten Lehrers gelegt werden.

Wo schon Turn- und Sportvereine bestehen, sollten ihnen die neugeschaffenen Räume wie es schon in den Städten geschieht an den Rbenden und freien Rachmittagen zur Verfügung gcft-llt werden, wofür diese außerordentlich dankbar wären. Ein Handinhandarbeiten von Turnlehrer und Leibesübungen treibenden Ver­einen ist etwas Selbstverständliches.

Für Preußen ist bezüglich des Vaues von Turnhallen auf dem Lande eine wichtige grund­sätzliche Entscheidung getroffen worden, über die dieSportliche Rundschau" berichtet. Sie be­trifft die Gewährung des gesetzlichen Bau­drittels bei der Errichtung von Turnhallen in Schulverbänden von weniger als 7 Klassen. Diese Entschei­dung wurde vom Provinzialschulkollegium in Münster am 11. Ium 1928 getroffen und besagt, daß ser Beitrag in Höhe des staatlichen Bau- dritte.s gemäß § 17 Rbsah 2 des Volksschul- un:crhaltungsgesehes vom 26. Juli 1906 nur zu den Kosten des ReubaueS einer Schulturnhalle

Das große Grauen.

Vornan von H. A. von Byern.

Urheber-Rechtsschutz durch Verlag OSkar Meister Werdau.

23 Fortsetzung. Nachdruck verboten

21m 24. August 1902.

An die Grenze bin ich nimmer gekommen . . wozu auch, der Kapitale steht ja doch drüben . . . Wäre am liebsten mit Onkel Franz gefahren, er ist heute früh abgereist, hat noch in Budapest und Wien zu tun, will dann irgendwo in Tirol ein paar Gams abschiehen und bringt seinen neuen Iagdfreund gleich mit, einen Herrn v. An- drian glaub' ich. Gott, wenn der sich nur nicht auch wieder in mich verschießt, die Männer taugen ohnehin nichts, gar nichts, wenn sie ver­liebt sind."

2lm 28. August 1902.

Zu dumm! Aber der Sechzehnender läßt mir keine Ruh'. Tagsüber denk' ich an ihn und nachts spukt er in meinen Träumen. Wenn ich wüßte, wo er steht . . ., nein, ist ja Llnsinn, den bewacht der Herr von Mansar wie seinen Augapsel . . .

Am 6. September.

Onkel ist wieder zurück, und auch der Herr von Andrian ist eingetroffen ... Ich hatte chn mir anders vorgestellt . . . Ganz albern hab' ich mich heut' benommen, recht wie ein dummer Backfisch. Wit Len Juckern holt' ich die Herren in Köröpülü ab. und wie der Herr Vinzenz von Andrian mich anschaut, werd' ich dunkel- rot .. .. was der sich wohl gedacht haben mag! Wäre ich doch daheim geblieben . . . Vinzenz eigentlich ein wunderhübscher Rame und . . . und ... ach was, die Blätter liest ja keiner: auch ein schöner Mann!Schön?" Rein aber so männlich und so stark, man könnte sich fürchten, wenn . . . wenn, ja wenn . . . nein, das schreibe ich nicht nieder, aber wissen mächt' ich wohl, wie es ist, wenn der ein Mädel küßt . . . Pfui, Sopherl! Pfui Has! Ich glaub' gar . . . oder nein, ich glaub' lieber gar nicht . . ."

Am Mo--->en darauf.

Heut' früh hab' ich chn im Speisesaal getrof­fen allein. Auf die Birsa- *,ai er fahren wollen, und wir haben miteinander Kaffee ge­trunken. Ein Salontiroler ist der nit, alles Seh­nen und Muskeln, nußbraun gebrannt, und von den Tropen hat er erzählt, von seinen Bergen daheim stundenlang halt' ich ihm zuhören mögen . . . Iessas! Jetzt versäum' ich noch die Morgenbirsch schreib' halt am 2lbend weiter . .

Am selbigen Tag . . -

Roch ist mir's. als hott' ich das alles nur ge­träumt. als könnt' es nicht Wirklichkeit sein . . . Doch wi-l ich der Reche nach berichten: Bin ich also heut' früh wieder einmal an der Grenze gewesen, könnt' ja sein, dcch da irgendwohermn ein anderer Platzhirsch steht. Kein Trenzen, kein Knorren, kein noch so leises Anstößen. Mitz-

nebst einer Einrichtung für Wanne Brausebäder für den Schulbedarf zu leisten ist."

In Hessen liegen die Verhältnisse Wohl an­ders. Hier sind die sachlichen Ausgaben für die Bauten eine Angelegenheit der Gemeinden. Der hessische Staatshaushalt sicht alljährlich 100 000 Mark zur Unterstützung bei Erbauung von Schul­häusern für bedürftige Gemeinden vor. Ferner stehen aus Kapitel 64 und 65 des Staats­voranschlags noch Mittel an Turn-, Sport- und Spielvereine für dauerndeEinrichtungen also Turnhallen und Turn- und Spielplätze von besonderer Bedeutung zur Verfü­gung.

Wenn diese Smmnen auch nicht groß sind, so läßt sich doch hierdurch manches erreichen, wenn Gemeindeverwaltung und die Leitung genannter Qk reine verständnisvoll miteinander arbeiten.

Vielleicht können auf Antrag des Landes­beirates für Leibesübungen noch weitere Mittel durch die Regierung beschafft werden, um hier­durch neuzeitliche Turnräume in größerem Maße wie bisher zu erstellen.

Was ein für die Leibesübungen begeisterter Lehrer auf dem Lande zu tun vermag, möge fol­gendes dartun: Das Dorf Elsoff im Kreis Wittgenstein hat 800 Einwohner. Als der Leh­rer dort hinkam, war für die Leibesübungen so gut wie nichts getan. Die Dorfjugend wurde zusammengerufen und ein Turnverein gegründet. Eine Lichtung mitten im Walde, die Gemeinde­eigentum war, wurde als Turnplatz angewiesen. Der Lehrer Schultheis hat nun mit seinen Jungen im Laufe des Jahres den Platz her­gerichtet, die gefällten Bäume zu Brettern ge­schnitten und ringsum den Platz mit Sitzblinken für die Zuschauer versehen. Eine Blockhütte er­setzt alle große Bauten. Der Platz ist etwa 100 Me er lang und 50 Meter breit. Arn 23. Sep­tember 1928 wurde der Platz eingeweiht und eine Iahnse.er damit verbunden. 2m kommenden Jahr soll auch der vorbeifließende Bach ausgenuht werden. Ein Staubecken ist geplant, in dem ein Freibad eingerichtet wird. 2m Winter werden im Schulgebäude Lichtbildervorträge veranstaltet. 2cdesmal leiten Freiübungen der Dorfjugend da­zu ein. Eine Führernatur gehört freilich zu sol­chen Unternehmungen, wenn diese von Erfolg und Dauer sein sollen.

Die 2ugend, das wertvollste Gut. das gerade den Erziehern anvertraut ist, bedarf in unseren: harten Gegenwart und vielleicht noch härteren Zukunft einer planvollen Erziehung, die nicht allein der geistigen Ausbildung, sondern auch der von Liebe und Seele gleichmäßig dient.

Gauiurniag Hessen (O. T.)

-o- Kommenden Sonntagvormittag hält der Turngau Hessen D.T. seinen ordentlichen ©auturntag zu Gießen in der Turnhalle des Tv. 1846 ab. Die vorbereitenden Sitzungen der leitenden Körperschaften finden schon im Lause des Samstagnachmittags statt, und zwar folgt einer Besprechung im Gau-Turnausschuh eine Tagung des engeren Gauvorstandes, am 2lbend vereinigen sich beide Verwaltungsstellen mit den Bezirksvertretern der sechs Gaubezirke zu einer Vollsitzung der gesamten Gauleitung. Die Tages-

mutig birsch' ich am Grenzgraben entlang da taucht drüben, im Morgennebel, eine Gestalt auf, kommt langsam näher . . .Guten Tag, Herr von Mansar!" Er fährt zusammen:Sie Gräfin? Grad' hab' ich an Sie gedacht zehn Minuten von hier steht der Kapitale auf der Iannowicz- w'.ese wollen Sie ihn nicht einmal anschau'n?" 2ch zögerte einen Augenblick......meinet­

wegen!" Dann schlüpfte ich zwischen den Lap­pen durch.Soll ich die Büchse zurücktassen?" 2Iber ich bitte schön, weshalb denn nur?" Der Herr Oberförster lächelt:Ein bisserl Obacht geben, wenn ich bitten dürft', der Waldhüter braucht uns nicht grad zu sehen . .

Sind wir also quer durch den Bestand gebirscht, einen ganz schmalen S.eig entlang und dann Oeh oeh ahau ahau o aahü" Wie Orgelton klang das, ich schauere unwill­kürlich zusammen, fasse nach dem Arm meines Begleiters:2st das?!" Der Herr von Man­sar nickt nur, legt den Finger an die Lippen und birscht weiter bis an die vorspringende Wiesen­fläche.Sott!! zischelt er dicht an meinem Ohr . . . Keine hundert Gänge vor uns steht der Haupthirsch, steht da wie aus Erz gegossen, den Träger mit der dunklen, zottigen Brunftmähne weit ausgestreckt, das klobige, urige Geweih so weit zurückgelegt, daß die Spitzen der Kroncn- enden an den Keulen liegen ...Gräfin wollen Sie den Hirsch schießen?!" Ich blickte ihn an verständnislos nein, nein, das ist kein Scherz ist ich weiß nicht, was, aber ein eisialles Frösteln jagt mir den Rücken hinab: .Herr von Mansar! Er lächelte: Ich gebe Ihnen den Kapitalen frei unter einer Bedingung!"Lind die wäre?!" Sekundenlanges Schweigen, eine Stille, in der ich jeden Schlag meines zuckenden Herzens spüre.....Daß Sie mir das Recht geben, mich

um Sie zu bewerben. . .!"Ja!"

Habe ich es wirklich gesagt? Der Hochgeweihte wirft auf, äugt sichert..., da fliegt meine Büchse hoch, steht das silberne Perlkorn hinter dem Blatt auf der harschen, graubraunen Decke: Peng! Klatsch!" Der runde, reißende Knall peitscht durch den traumstillen Forst, einen tiefen Fahrer tut der Kapitale, flüchtet in matten, tau­melnden Fluchten nach links, verhofft plötzlich ... ein Zittern läuft über ihn hin... dann knickt er auf der Hinterhand ein, schlegelt mit den Läufen. Lind ich stehe... stehe wie gebannt, bis ein harter Griff meine Hand faßt:Schnell! Schnell doch!! Mein Wagen hält drüben... der Kutscher ist verschwiegen, wir bringen den Hirsch auf einem ilmtoeg nach dem Erlenbruch..." Kein Wort weiter. Der Herr von Mansar rennt in langen Sprüngen zurück ein leiser Pfiff, das Knirschen von Rädern... zehn Minuten später ist der Sechzehnender auf dem Wildwagen ver­staut, im preschenden Galopp geht es den Holz­abfuhrweg entlang, quer über eine Schlagsläche, dann ist die Straße nach Kcresz-Erdö erreicht... Der Oberförster von Mansar atmet auf:Gott fet Dank, jetzt sind wir im Revier Ihres Herrn Onkels... darf ich Sie gleich hineinfahren, Grä­fin? Wir können ja sagen, ich fei dazugekommen.

ordnung weist 13 Verhandlungsgegenstände nach. Außer der Genehmigung der Jahresberichte des Gauvertreters, des Gauoberturnwarics und der verschiedenen Fachwarte wird der wirtschaftliche Riederschlag des abgelaufenen Turnjahres zur Aussprache gestellt und der Voranschlag für 1929 einschliehllch der Gausteuer festgestellt werden. Die Deutsche Turnerschaft hat ihren Kopfbeitrag im Jahr für Mitglieder über 14 Iabre um 20 Pf., für Vereinsangehörige unter 14 2a;rcn um 10 Pf. erhöht. 2n das Wa^lgcschäft fallen diesmal vom Gauvorstand der 2. Gauvertreter K. Schnei­der (Butzbach), der Gauoberturnwart W. Will (Gießen) und der Gauschriftführer K. Wenzel (Gießen), vom Gauturnausschuh der Gauwart für das Männerturnen Martin Textvt (Marburg) und eine Reuwahl für den aus Gesundheitstüct- sichten zurückgetrctenen Gaufechiwart: Ersatzwah­len sind notwendig geworden für den Gauwart für das Volksturnen und den Gaujugendturn- und -wanderwart. Schließlich hat der Gauturn­tag noch zu entscheiden über die Wahl des Ortes für das nächstjährige Gaufest, für das dies- und nächstjährige Gauwetturnen der Frauenabteilun- gen und für das diesjährige Bergturnen des Gaues.

Handball im Männerturnverein (O.T.)

lurngem. Friedberg l INännerturnv. (fomb.) 1:6

(Halbzeit 0:5).

Bei guten Plah-e^p^.usien wurde am vorigen Sonntag auf dem Mtv.-Plah am Schiffenberget Weg ein Freundschaftsspiel zwischen obigen Mannschaften unter Leitung des Schiedsrichters Reichert, Tv. Wetzlar, ausgetragen. Die Gäste- mannschaft, die sich in den vorjährigen Verbands- spielen der ^-Klasse bis zum Tabellenersten durchringen konnte, war äuch diesmal kein zu unterschätzender Gegner. Wenn das Resultat für sie nicht besser ausgefallen ist, so lag es daran, daß sie noch nicht die nötige Erfahrung gegen spielstarke Gegner besitzt. Zum Spielverlauf ist folgendes zu sagen: Rach Anwurf konnte man sogleich die Ueberlegenheit der Männerturner im Zuspiel usw. feststellen. Gut vorgetragene An­griffe brachten denn auch die ersten Erfolge. Dis zur Halbzeit mußte der Friedberger Tor­wächter den Ball fünfmal passieren lassen. Die Gästemannschaft spielte aufgeregt, besonders der Sturm konnte sich zu keiner einheitlichen Hand­lung zusammenfinden. Sie Hintermannschaft war nicht schlecht, nur rückte sie vielfach zu weit auf. 2n der zweiten Halbzeit konnte man ein aus­geglichenes Spiel feststellen. Beide Mannschaften zeigten gute Leistungen. Friedberg gelang es, das Ehrentor zu werfen.

V. f. B.

Rach einer vom Technischen Bezirksausschuß in Kassel dem V. f. B. zugegangenen Mitteilung, sollte das für den vorigen Sonntag angesehte Entscheidungsspiel um die Führung in der Süd- aruppe zwischenBorussia" FuldaKur- Hessen" Kassel am kommenden Sonntag stattfin­den. Sem vonKurhefsen" Kassel gegen die An­sehung des Spiels eingelegten Protest hat der Vorstand des Westdeutschen Spielverbandes nun­mehr stattgegeben, so daß bat am vorigen Sonn­tag in Kassel au'getragene TressenKurhessen"

wie Sie den Hirsch hart an der Grenze geschossen haben..." Habe nur nicken können, habe nur eines gesehen das Geweih! Der Onkel Franz ist fast auf den Rücken gefallen vor Erstaunen, und erst der Herr Vinzenz von Andrian... der kam eine Stunde später heim als Schneider, habe ihm gleich eine Wette vorgeschlagen: daß ich auch meinen zweiten Deputathirs^) eher schießen werde als er... War mir aber doch lieb, daß Herr von Mansar sich nicht lange aufhielt... Beim Abschied beugt er sich über meine Hand:Wann darf ich mir Bescheid holen, Gräfin?" fragte er leise, nur mir verständlich. Lind ich:2n zwei Wochen..."Also am 20.... ich werde pünktlich sein!"

Drei Tage später.

Ser Herr von Andrian hat gestern seinen ersten Geweihten auf die Decke gelegt, einen braven Zwölfer. Aber neben meinem Kapitalen sieht das Geweih aus wie ein Zaunstecken... Lind nun warte ich, warte darauf, daß er seine Wette gewinnt... Hätte gestern abend einen guten Cis- sprossenzehner schießen können, wollt' aber nit, weil...ich kann mir fast denken, was sich unser Gast wünschen wird...! Sann ist der Sandor von Man'ar betrogen ... 2a, betrogen mit Wi s.n und Willen! Das schreibe ich ganz ruhig nieder, ohne Gewissensbisse, ohne Scham ... Wohl hun­dertmal am Sage streichle ich über die klobigen, knorrigen Stangen, die erbsengroßen Perlen und schneeigweiß blitzenden Enden meines Sechzehn- enders. Lind denke mit keinem Atemzug an... den anderen.2n der Liebe, auf der 2agb und beim Pferdehandel ist jedes Mittel recht!" sagt der Onkel oft. Trotzdem ... Ach was ... nur nichts bereuen!

Am 19. September.

Lind nun bin ich Braut... Braut...! Ob es wohl auf dem weiten Erdenrund ein Menschen­kind gibt, das so unsagbar glückleich ist wie ich?! 2st alles so gekommen, wie meine Phantasie es träumte... Heut' früh hat der Vinzenz mein Vinzenz! feinen zweiten Zwölfer gestreckt. Als ich gegen Abend in den Park gehen will, birscht mir der Schlank! nach:Guten Abend, Gräfin... der zweite liegt!"Soo" sag ich ganz gleich­gültig:Weidmannsheil!! Ist er gut?Ein braver Zwölfer, aber... ich hab' meine Wette gewonnen."Ach richtig die Wette, also was wünschen Sie sich denn?!" Ganz blaß ist er geworden vor Erregung, tritt noch einen Schritt näher:... Dich I..." Lind dann hab' ich an seinem Herzen gelegen, in seinem Arm, fühlte seine heißen, dürstenden Lippen auf meinem Mund .... schweig stille mein Herze...

Einen Tag danach...

Es ... ist... getan ... Am Rachmittag kam der Herr von Mansar herüber, und Onkel geht ihm bis an die Freitreppe entgegen:Servus! Servus! Wollten g'rab' die Dcrlobungskarten verschicken, d' Sopherl... Weiter ist er nit gekommen, mit einem Satz steht der Oberförster neben dem Wagen:Ihre... Ihre Richte?! Aber freilich!" Onkel Franz lacht:Ging ein bisserl schnell, nicht wahr? 2lh, da ist ja das Brautpaar...!" Der Sandor von Mansar starrt

gegen S. E. 03 (2:0) als Verbandsspiel gewertet wird und das tn Gießen geplante Spiel über­flüssig ist. .

Am kommenden Sonntag tragt bic Liga - Mannschaft das letzte Verbandsspiel der dies­jährigen Serie auf eigenem Platz aus. Ihr Geg­ner ist die Liga des S. C. Burg. Im Vorspiel auf dortigem Platze gewann V. f. B. mit 5:1. Sie Gästemannschaft scheint ihr Können in letzter Zeit erheblich verbessert zu haben. Burg steht zur Zeit in der Mitte der Tabelle, und wird stark bemüht sein, sich in den restlichen Spielen noch einige Punkte zu sichern, um seine Position wei­terhin zu verbessern. Körperlich dürfte Burg Gießen überlegen sein. V. f. B. dagegen ist in der Lage, ein bedeutend reiferes Spiel vorzuführen. Beide pflegen zwei grundverschiedene Spielsy- steme. V. f. B. darf man mit seinem slachen Kom­binationsspiel die größeren Siegesausfichten ein­räumen.

Sie Ligareservc hat ebenfalls auf hiesi­gem Platz bic gleiche HerbornS im fälligen Verbanbsspiel zum Gegner. Auch ihr barf man einen glatten Sieg Voraussagen, ba sie in tech­nischer Beziehung ben Gästen vieles voraus hat.

Sie S r i 11 e beendet am kommenden Sonn'ag ihre Verbandsfpielserie. Im letzten Punktctressen steht sie in L a u b a ch der dortigen Zweiten gegenüber. Sie ist bis jetzt ohne Punltverlust und sollte erwartungsgemäß auch in Laubach gewinnen können.

Sie vierte Mannschaft tritt gegen Steinbergs erste zum Verbandsspiel an und wird sich sehr anstrengen müssen, wenn sie nicht verlieren will.

Sic zweite Iugendmannschaf t hat sich die erste Jugend der Surngemein bc Lollar zu einem Gesellschaftsspiel eingclaben. Lieber bie Spielstärke bec Gäste isst nichts be­kannt: der Ausgang ist ungewiß.

Sie erste Schülermannschaft erwartet zum fälligen Pslichtspiel bie gleiche bes Sport­vereins Heuchelheim. Hier follte man bie kleinen V.f.B.er mit Sicherheit in Front sehen.

Spieivereinigung 1900 Gießen.

ö. Die Ligamannschaft 1900s wirb am kom­menden Sonntag zu einem Gesellschaftsrückspiel in Fulda weilen. Gastgeber ist der Spieloerein Germania 0 9^ Fulda. Das Vorspiel in Gie­ßen im vorigen Jahre gewann die Spielvereinigung 1900 Gießen mit 4:1 Toren (Halbzeit 1:1). Der Sieg der Blauweißen war aber, gemessen an den beider­seitigen Leistungen, zu hoch ausgefallen. 1900 wird nicht in stärkster Besetzung antreten, trotzdem setzt man in bie Mannschaft das Vertrauen, daß sie in Fulda in Ehren bestehen wird.

Lassen die Platzverhältnisse es zu, so wird 1900s dritte Mannschaft auf dem Sport- platz an der Liebigshöhe die erste Elf vom Sport­verein Garbenteich zum Rückspiel empfangen und dabei auch wohl einen sicheren Sieg erringen.

1900s erste Jugend spielt in Nieder- Girmes, die zweite Jugend hier gegen Leih- gesterns erste Jugend und die erfte Schüler- elf gegen die Schüler Aßlars in Aßlar. Alle Spiele sind Pflichtspiele.

mich an mit erloschenen Augen wie die eine- Toten, tritt langsam heran:Ich wünsche Ihnen alles Glück, das Sie... verdienen! Dreht sich um und geht...Oho!" Onkel Franz streichelt schmunzelnd seinen Bart:Scheint fast, als sei ba einer um eine Rafenlänge zu kurz gekommen!" Llnb ber Vinzenz fragt ganz erstaunt:Ja, also was is benn bös?!"Rix, ein... Intermezzo halt!" sag' ich unb geb' ihm ein Busserl:Fängst am Enb' gar schon an, eifersüchtig zu werben?!" Aber froh war ich doch, bah diese Begegnung vorüber ist..."

In ber Rächt vom 14. zum 15. Rovember 1902.

Hab' lang nimmer an meinem Tagebuch ge­schrieben, erst heut' toieber, an meinem Polter- akenb... Llnb hat feinen besonberen Grund ... Wie ich früh aus dem Fenster schau, liegt ba ein Drieferl auf bem Sims, keine Aufschrift, nur ganz unten in ber Eck'n ein winzigesS. v. M." Heiß unb kalt ist mir's geworden, bann brech' ich ben Umschlag auf:Es bittet um ein letztes, allerletztes Wiedersehen Ihr S. v. M. Um ein Uhr nachts an der Taxushecke..Weiter fein Wort... In tausend kleine Fetzen habe ich ben Dogen zerrissen, bie Schnipsel verbrannt... 2st mir nicht viel Zeit geblieben zum Lieberlegen, Grübeln natürlich, hingehen will ich... bas bin ich bem andern wohl schuldig... am Etzd' könnt er glauben, ich sei zu feige... ich! Wenn ich nur einen anderen Tischherrn gehabt hätte... Dieser sogenanntebeste Freund" des Vinzenz fällt mir auf bie Heroen mir, bie ich sonst keine Rerven kenne! Ein kühler, eiskalter Horb» deutscher halt, ein ganz alltäglicher Mensch, nur ... bie Augen... In benen liegt so etwas Fot- schenbes, so, als könne er Gebanken lesen... Pah, was geht mich ein Frember an...!

Fünf Minuten vor ber Zeit bin ich an ber Taxushecke gewesen,... ba.. . neben mir ein leises, ganz leises Geräusch, ein Gesicht, fahl im Wondlicht und eine Stimme:Du!! Dull Du darfst es nicht tun! Ich... ich habe dein Wort!

Mein Wort?! 2m Scherz gegeben, als Scherz aufgefaht..."Das ist eine Lüge!" Unb nun krallt sich eine Hand um meinen Arm, keuchender Atem: ...Du! Laß mich!! Mitten inS Gesicht hinein schlag' ich dem Sandor von Mansar, schlage mit der geballten Faust... et taumelt, gibt mich frei... wie gejagt husche ich ins Haus und ein Wort klingt mir im Ohr... Lüge!! Lüge!!

Terosal in der Oed, am 22. April 1903.

Mein liebes, altes Tagebuch! Hab' ich dich so arg vernachlässigt in all' den letzten Monaten und hätte doch so viel zu berichten gehabt von beh Reisen, pon meinem Glück! Aber am wohlsten fühle ich mich boch hier in Terosal in der Oed... Hat mir eigentlich gar nicht gepaßt, daß der Vinzenz gleich einen Gast eingeladen hat natürlichAlterte", seinen Herzensotudet auf den läßt er nichts kommen. Diesmal ge­fällt mir ber Freund schon besser, treu unb zu­verlässig ja, bas mag er wohl sein, aber auch verschlossen, man wird nicht klug aus ihm.

(Schluß folgt.)