Nr. M Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Dienstag, 7. Mai (929
Turnen, Sport und Spiel.
Das Abschwimmen des Gießener (Schwimmvereins.
Der Gießener Schwimmverein hat in letzter Zeit durch öffentliche Veranstaltungen nicht allzu häufig von sich reden gemacht. Man könnte deshalb leicht geneigt sein, zu glauben, das Leben im G. S. V. pulsiere nicht mehr so intensiv wie in früheren Jahren. Daß dem nicht so ist. bewies das am Samstagabend veranstaltete Abschwimmen, das diesmal mehr für die Oesfcntlichkcit, als für das interne Ver- einsleben bestimmt war. Was hier geboten wurde, war der Erfolg rastloser Arbeit der Ver- cinsleitung und regelmäßigen Besuchs der .Uebungsstunden von feiten der aktiven Damen, Herren und Jugendmitgliedcr. Der mit der Veranstaltung angestrebte Zweck der W e r b u n g für den Schwimmsport darf als vollkommen erreicht angesehen werden. Das Programm war so zusammengestellt, daß — worauf der G.S.V. immer Wert gelegt hat — die Vielseitigkeit des Schwimmsports recht offenbar wurde und daß infolge der dauernden Ab- wechllung eine Ermüdung der Zuschauer, die man in dem warmen Hallenbad immer befürchten muh. nach Möglichkeit verhindert wurde.
Herr Lang eröffnete den Abend mit einer Begrüßung der Gäste, unter denen man zahlreiche Vertreter Don Behörden bemerkte. Er schilderte den Zweck der Veranstaltung und gab dem Bedauern der Gießener Schwimmer Ausdruck, daß sie sich immer noch in dem zwar schönen, aber zu eng gewordenen Hallenbad begnügen müßten: man hoffe in Schwimmerkreisen auf die Errichtung einer zweiten, den heutigen Bedürfnissen entsprechenden größeren Schwimmhalle.
Was die einzelnen Darbietungen anlangt, so sei vo. weggenommen, daß die Damen in hervorragender Weise zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben. Ueberrascht war man überhaupt über die Größe der Damen-Abteilung, die sich unter der Leitung des unermüdlichen Herrn Lang erstaunlich schnell entwickelt hat. Aber nicht nur die große Zahl der Damen fiel auf, sie glänzten vor allem auch durch ihre Leistungen. Das Figurenlegen sei an erster Stelle genannt. Es war ein ästhetischer Genuß, zu sehen, wie immer neue, exakt gelegte Figuren entstanden: der Beifall war entsprechend stark. Einen eigenartigen Anblick bot der von zwölf Damen geschwommene Lampionreigen bei völlig verdunkelter Halle, gewiß für viele Anwesende etwas noch nicht Gesehenes. Auch die Schwimmwettkämpfe der Damen zeigten schöne Leistungen und brachten manchen spannenden Kampf.
Die Herrenwettkämpfe wurden nicht, wie bei früheren Abschwimmen, intern, sondern gegen den Marburger Schwimmverein ausgetragen. Die Gießener waren in sämtlichen Wettkämpfen stark überlegen. Wenn die auffällig große Ueberlegenheit auch zum Teil darauf beruhte, daß die Marburger fast kein Wintertraining hatten, so muß doch cruch anerkannt werden, daß die Gießener sich durchweg in guter Verfassung befanden, und der Erfolg in erster Linie hierauf beruht. Die D r u ft st a f f e l 3X4 Bahnen gewann der G. S. D., mit Tausch Mertens und Stütz, die L a g e n st a f f e l 3X4 Bahnen mit Tausch Schaum und Herbert (beachtlich war hier das gute Abschneiden von Tauss gegenüber Dorfmüller-Marburg): die Freistil- staffel 4X4 Bahnen wurde mit Bickel, Schaum, Weiß und Herbert ganz überlegen gewonnen, ebenso die Iugendbruststaffel 3X4 Bahnen durch Mos- ner, Hechler und Mewes. Sehr flott und anregend mar das Jugend-Wasserballspiel, in dem der MarburgerS.V. mit 5:2 unterlag. Die Gieße-
Charles de Coster.
3u seinem 50. Todestage.
Von Hanns Martin Elster.
Ein bedeutender belgischer Schriftsteller. Maurice de Oinbiaux, hot einmal gesagt: »Don de (Softer an gibt es ein belgisches Schrifttum." ilnö Emile Verharren gesellte sich mit dem Aus- spruch über Costers Hauptwerk, den Uilenspiegel- Roman, hinzu: ..Es ist das erste Buch, in dem unser Land sich wiederfindet." Camille L e m o n - nier aber nannte dies »Vaterlands-Buch" „die flämische Bibel". Und doch ist dies Buch, rst dieser Dichter erst in unserer Zeit und von Deutschland her entdeckt, der Welt erobert worden: vorzüglich durch O p p e l n - B r o n i k o w- skis erste Verdeutschung im Verlage Eugen Diederichs Anno 1909 und weiter dann durch die Teilnahme Deutschlands am Flamentum feit dem Weltkriege. Die Flamen selbst hatten ihre ..flämische Bibel" zuvor nur in literarischen Kreisen beachtet, weil sie in - französischer Sprache abgefaßt wurde. Erst die Verdeutschungen ließen die germanische Wesenheit dieser einzig- artigen neben Grimmelshausens Sunplizllft- mus", Rabelais' „Pantagruel und Gargantua , Cervantes' „Don Quichotte . Goethes „Faust in seiner Art zu stellenden Gestaltung emes geschlossenen Volkstums Erscheinung werden. Wer die Ratur des Flamen, des Riederlanders durch die Dichtkunst erleben will, er kann es nur durch Charles de Coster.
Es ist immer wieder das gleiche Sch^sal: schöpferische Dichtung gelangt zumeist erst lange Jahre nach dem Tode ihres Anwrs zum Del. rühm, zur Menschheitswirkung. Weder die Hei matkunstbewegung noch der Rationalismus noch der Historismus hoben Charles de Coster auf ihre Schultern: erst die Zeit, da man reif toar, wesenhafte Volkstumsdichtung S" erkennen Auch Charles de Coster hat ein schweres. enM rungsreichcs. ärmliches Leben fuhren müssen, um seines Werkes willen. Er war als Lohn des Intendanten beim päpstlichen Runttus Grafen von A r g e n t e a u , Erzbischof von ^yrus einem Wallonen, in München am 20. August 1827 gut Welt gekommen und hatte nach seiner -ziussdu* düng im College Saint-Michel SU Druffel, wohin die belgischen Eltern 1833 zurückgekehrt wa^n nach dem Willen seines Gönners katholischer Priester werden sollen. Der Siebeiizehniayrige war aber lieber bei einer Jndustriebank tätig.
ner Jugend, die bisher in Wettspielen nie besonders 1 gefallen konnte, führte diesmal ein wirklich gutes Spiel vor.
Großen Beifall ernteten wie immer die Springer, unter denen vor allem R e h b o r n und Müller sich durch die Schwierigkeit und gute Ausführung ihrer Sprünge hervortaten. Auch der Nachwuchs zeigte recht beachtenswerte Leistungen. Herr Mertens wies in beredten Worten auf die Wichtigkeit des Rettungsschwimmens hin und verstand 'es, durch praktische Vorführungen den Zu- schauern klar zu machen, wie die meist recht schwierigen Situationen der Lebensrettung zu überroin« den sind. _
Znm Schluß fei noch zweier neuartiger Vorführungen gedacht. Die eine war der fog. E i n- blick in eine Uebungs stunde, der dem Publikum das Leben und Treiben, wie cs sich an den gewöhnlichen Schwimmabenden abspielt, abrißweise veranschaulichte. Die andere war ein kurzes Spiel: ..Reptuns Bekehrung", aufgeführt von drei Mitgliedern des G.S.V. In heiterer Weife wurde hier dargetan, wie sich die Ansichten über das gemeinsame Vaden von Männlein und Weiblein im Wandel der Zeiten geändert haben.
Alles in allem genommen, kann festgestellt werden: Es ist mit dieser Veranstaltung für den Schwimmsport und nicht zuletzt für den G. S. V. erfolgreich geworben worden. Die Zufchauer, die mit ihrem Beifall nicht kargten, haben ficherlich die Schwimmerei liebgewonnen bzw. sie werden weiter Freunde der deutfchen Schwimmfache bleiben.
5. Bezirk im Turngau Hessen.
Goehlvanderung.
bpw. Der 5. B e z i r k i m T u r n g a u Hessen führte am Sonntag die Goetz-Wanderung als Pflichtturngang durch. Die einzelnen Vereine unternahmen größere Wanderungen. Treffpunkt war Z i e g e n b c r g im Ufatal. Dort entwickelte sich bei frohem Spiel und Sang in den Mittagsstunden reges turnerisches Leben. Der 2. Gauvertreter, Redakteur Schneider, Butzbach, entbot den Gruß der Bezirks- leitung und des Gaues und wies in vortrefflichen Ausführungen auf die Bedeutung des Wanderns hin und auf das Lebenswerk Dr. Ferdinand Goetz', des langjährigen Vorsitzenden der D. T., dem zu Ehren alljährlich eine Wanderung ausgeführt wird.
Handball Tv. 1899 Großen-Buseck.
Eine ganz überrafchende 4:5«Riederlage mußten fich die Busecker auf eigenem Platze am Sonntag vom Kinziggaumeister gefallen lafsen. Die beiden wertvollen Punlte verscherzte sich die Mannschaft leichtsinnig durch Unterschätzen des Gegners. Zu seinem ersten Tor kam dieser, während sich der Tormann an der Abseitslinie aufhielt. Der Gastgeber drückte stark während des ganzen Spiels, die Hintermannfchast rückte so zu weit vor. so daß bei einigen schnellen Durchbrüchen der Gästesturm allein vor dem Tor stand.
Tabelle der Gaumeister im 1. ©au- verband. 9. Kreis: Tv. Frankfurt-Riederrad. 10 Punkte. 5 Spiele: Tv. Grotzen-Bufeck, 4 Punkte, 5 Spiele: Tgef. Offenbach-Bürgel, 4 Punkte, 5 Spiele, Tv. Hüttengefäß, 2 Punkte. 5 Spiele.
Handball im Turnverein Fronhausen S. T.
Ironhausen — Rokh 3:2 (3:0).
Zu einem Gesellschaftsspiel hatte sich die Handballabteilung des Tv. Fron Hausen am Sonntag den To. Roth verpflichtet. Fronhaufen war während des ganzen Spiels tonangebend, aber die Spielhärtc Roths fetzte sich durch bis zum Schluß. In der ersten Halbzeit warf der Halblinke Fronhaufens drei schöne Tore. Nach Halbzeit drückte Roth mächtig und konnte
zwei Tore erzielen. Die letzten 15 Minuten gehörten wieder ganz Fronhausen, jedoch die Torzahl konnte sie nicht mehr erhöhen. Fronhaufen verschenkte zwei Strafstöße. Ein Schiri vom Tv. 1885 Marburg leitete das Spiel in gerechter Weise.
Handball Beuern-Dorlar 3:3 (1:3).
In Beuern standen sich diese beiden Handballneulinge gegenüber. Dorlar, das nach Anstoß sofort start aus sich herausging, erzielte in den ersten 20 Minuten drei Tore, denen die Einheimischen nur eins entgegensetzen konnten. Mit diesem Resultat wurden die Seiten gewechselt. Rach Halbzeit spielte Beuern stark überlegen und erzielte in kurzen Abständen den Ausgleich. Schiedsrichter L. Wallenfels. Allendorf (Lda.), leitete einwandfrei.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
ö. Die Liga mannsch ast hat am Sonntag abermals ein Spiel verloren, das bei etwas gutem Willen der Spieler glatt hätte gewonnen werden können. Der Gastverein, die Meistermannschaft des V. s. B. F r i e ö b e r g, spielte nicht so überragend, wie man erhoffte. Der Platzverein 1900 hatte in der ersten Hälfte mit dem Rückenwind bedeutend mehr vom Spiel. Trotz der großen Drangperiode brachten aber die Stürmer durch ihre behäbige Spielweise nicht ein Tor zustande, ausgenommen einen verwandelten Handelfmeter. Umgekehrt halfen aber die einheimischen Verteidiger den Gästen bei gelegentlichen Durch- brüchen durch Handspiel u. dgl. zu recht günstigen Torchancen, von denen prompt zwei zu Treffern verwertet wurden. Einen Handelfmeter hielt der Gießener Ersatztorwart ganz ausgezeichnet. Rach dem Wechsel verteiltes Spiel. Die Gegner wußten die Situationen aber auch hier wieder geschickt auszunutzen und ihren Erfolgen vor der Pause zwei weitere anzureihen. Beim letzten Treffer war die reguläre Spielzeit schon überschritten. 1900 hatte auch in der zweiten Hälfte recht günstige Chancen, die Stürmer standen aber meist mit verschränkten Armen im Feld herum und liehen die besten Gelegenheiten unausgenuht vor- übergehen. Das Spiel des Angriffs wirkte direkt hilflos und anfängerhaft. Die Verteidigung spielte so schwach wie noch nie. Der beste Mannschaftsteil waren die Läuferreihe und der famose Torwart. Bei Friedberg gefielen auch diese Spieler am besten, wozu man noch die vorzüglichen Außenstürmer nehmen kann. Die Verteidiger waren unsicher und der Jnnensturm auch recht schußschwach. Der Schiedsrichter war den Anforderungen gewachsen. Endresultat 1:4 (Halbzeit 1:2).
1900s Reserven besiegten Grünbergs 1. Elf (^-Klasse) 6:2. obwohl die Dlauweißen infolge eines Mißverständnisses nur zehn Spieler im Feld hatten. Bei den Gästen waren Mittelstürmer und Mittelläufer die besten.
Die 3. Mannschaft der Spielvereinigung spielte in Steinbach gegen die dortige 1. Elf und verlor 2:1. Reben zahlreichem Ersah war die Mannschaft aber auch nicht komplett, was schließlich in erster Linie die Riederlage verschuldete.
1900s 1. Jugend konnte sich für die Dorspielniederlage (3:2) vom vorigen Sonntag in W e h - lar-Riedergirmes revanchieren, indem sie diesmal die Gäste 1:0 geschlagen nach Hause sandte, während die Revanche der 2. Schülerelf nicht glückte. Sie unterlag auch diesmal 0:1.
D. f. B.
Die dritte Mannschaft schlug S te i n - bergs Erste erwartungsgemäß mit 5:1. Steinberg war zwar eifrig und schnell, kam aber gegen die weitaus besseren V. f. Der nicht auf. Das Resultat entspricht dem Spielverlauf.
der Geist ließ sich nicht in eine bestimmte Richtung zwängen. Die literarischen, künstlerischen Reigungen formten das Leben des Jünglings, der unter dem Einfluß der Romanttk und ihrer Ideen stand. Man sieht ihn 1847 einen literarischen Zirkel gründen und man hort ihn erste poetische Arbeiten vorlesen. 1850 wandte er dem Bankbeamtentum den Rücken, studierte noch an der Brüsseler Universität, immer schon auf seine späteren Werke gerichtet: 1854 begegnen uns erste Verse, 1855 die erste Prosa im Druck, und zwar begann Coster sofort mit archaistischem Französisch, mit den „Legendes flamandes“, den „flämischen Legenden", auch „Mären" genannt, die 1858 das erste Buch abgaben und ein Vorläufer zum Üilenspiegel-Roman darstellen. Ihre altertümliche Sprache, vom Gelehrten Emile Des- ch a n e l rühmend begrüßt, verschaffte . Coster 1860 eine Anstellung in der Kommission zur Durchforschung mittelalterlicher Gesetze — aber schon 1864 hielt er es im Aktenstaub nicht mehr aus. Inzwischen hatte er 1861 seine modernen und schwächeren „Brabanter Rovellen" erscheinen lassen. Er lebte nun einsam, zurückgezogen, sein kleines Erbteil verzehrend, der Arbeit an seinem Hauptwerk: der „Legende von Uilenspiegel und Lamme Goedzak", die 1867 erschien und auf die 1870 nur noch ein kleiner moderner Roman „Die Hochzeitsreise" folgte. Rur langsam sand jenes große flämische Epos auch in der engeren Heimat Beachtung: als man den in größter Rot lebenden Dichter, den harte Gläubiger bedrängten. 1870 durch die Professur für allgemeine Geschichte und französische Literatur an der Kriegsschule der Brüsseler Gemeinde Elsene der Sorgen zu entheben versuchte, war es schon zu spät. Der literarisch bereits berühmte Mann kämpfte wirtschaftlich noch neun Jahre einen bösen Kampf mit seinen Gläubigern: einsam starb er am 7. Mai 1879 in den dürftigsten Verhältnissen! Camille Lern o n n i e r hielt ihm die Grabrede. Und erst ein Menschenalter später, von 1909 an, begann seine Weltwirkung, die nicht mehr vergehen wird, so lange große Epik geliebt werden wird.
Der Tlilenspiegelroman ist im Gehalt wie in der Form d i e lehtmögliche Gestaltung flämischen niederländischen Volkstums. Der Dichter, der fich auf umfangreiche Studien in alten Chroniken und Volksbüchern stützte, nach alten Bilderbogen, Uefcerlieferungen, historischen Gestalten und vielen Reisen richtete und stets die stoffliche wie wesenhafte Wahrhaftigkeit anstrebte, griff die nun schon vierhundert Jahre alte Eulenspiegelgestalt mit seinem Gegenspieler, seiner Ergänzung, dem
Dickwanst Lamme Gutsack, nicht aus äußerlichen Gründen, sondern aus innerlicher Rotwendigkeit aus: in ihr verkörpert sich der germanische, ebenso schwärmerische wie praktische, ebenso lebensbejahende wie melancholische, die schlechteste aller Welten zuletzt negierende, darum revolutionäre Idealist, eben jenes unberechenbare Kind, als das der Germane andern Rassen und Völkern erscheint. Es ist nun de Costes Genialität, daß er diese germanische Eigenart in Beseeltheit, Geistigkeit, Freiheit und Wirklichkeit in voller Raivität Anschauung werden ließ. Durch die Darstellung des flämischen Volkslebens und des Weges, den Llilenspiegel quer hindurch als Gegner alles Welschen im Befreiungskampf der Flamen gegen die spanische Herrschaft geht. Coster erhebt das reale Geschehen zum Typischen: für die Vorstellung „Volk" und zum Symbolischen für jeden Freiheitskampf. Sein Werk ist darum Erlebnis für jede Ration, die noch — im germanischen Sinne — Volk ist und um ihre Freiheit in realer wie geistiger Hinsicht kämpft.
Die anderen Werke Costers gruppieren sich in feiner Llbstufung um dies große Epos, dessen Sprachschönheit ihresgleichen sucht. Bald zeigen „die flämischen Mären" seine historischen Studien in mannigfaltigen Beleuchtungen, bald enthüllt ..Die Hochzeitsreise" die Zartheit, die Innigkeit seines Liebeslebens, das in der Ehe die reinste Vollendung der Leidenschaft sah. Immer haben wir in seinem Werke Teil an seiner persönlichen Seele, zugleich auch ebensosehr Teil an der Seele seines, der Flamen, die nach Blut und Geschichte, Geist und Könper, Lebensart und Wollen unsere Brüder sind. De Costers Werk ist die vollendete Verkörperung des echten Fla- mentums in epischer Gestaltung.
Oer Schornstein macht das Schiff.
Für das reisende Publikum gehört der 6d)orm stein zu den wichtigsten Erscheinungen des Schiffes. Ja, die Schornsteine haben bisweilen einen ent- fcheidenden Einfluß auf die Beliebtheit eines Paffa- gierdmnpfers. Es ist bei den Schiffahrtsgesellschaften eine bekannte Erfahrung, daß Reisende, besonders solche aus dem Binnenland, bei der Auswahl des Schiffes von der Zahl und Größe der vorhandenen Schornsteine bestimntt werden. So hat kürzlich eine Gesellschaft von Auswanderern sich gewei- I gert, an Bord eines Schiffes zu gehen, weil es nur einen Schornstein Halle, während die Plakate in I dem Schisfahrtsbureau ganz deutlich drei Schorn-
Ebenfalls einen klaren Sieg errang die A.H- Mannschaft. Sie gewann gegen die gleiche • Lichs auf dortigem Platz, trotzdem sie zahlenmäßig unterlegen war, mit 4:1.
Die erste Jugendmannschaft fertigte im letzten Pflichtspiel Grünbergs Jugend mit 5:3 ab. Der Sieg war durchaus nicht so sicher, wie man vorher angenommen hatte, sondern muhte auf dem unzulänglichen Platz erst hart erkämpft werden. Trotzdem wurde das Spiel von beiden Mannschaften ruhig und fair durchgeführt.
Auch die dritte Jugend gewann ihr Spiel. Sie gewann, obschon der Gegner, Steinbachs I u g e n d e l f, körperlich stärker war, verdient mit 2:0.
Fußball in Heuchelheim.
Spv. Heuchelheim — Oranien Frohnhausen I 0:1.
Zu einem Gesellschaftsspiel weilte am Sonntag die erste Elf des Sportvereins Heuchelheim in Frohn hausen, um sich mit ihrem neuen Verbandsspicl- gegner bekannt zu machen. Die Mannschaft hat ihre Probe gut bestanden, denn — obwohl mit drei Mann Ersatz spielend, konnte sie den sehr hart spielenden Draniern ein gleichwertiges Spiel liefern. Dem Spiel verlauf nach wäre ein Unentschieden am Platze gc wesen. Durch ein Eigentor, das bei einem Eckball in der letzten Minute fiel, konnten die Platzbesitzer einen billigen Sieg erringen.
Fußball in Großen-Buseck.
J. L. 1926 Großen-Buseck I — Sporkverein Offdilln (Dillkreis) I 3:2 (1:0).
Dis 10 Minuten vor Schluß stand diese Partie am Sonntag in Großen-Buseck 1:2 für die Gäste, obwohl Großen-Buseck fast während der ganzen Spieldauer der letzten Hälfte tonangebend war. Dank der flüssigen Stürmerarbeit und der verständnisvollen Zusammenarbeit der gesamten Mannschaft wurde obiger Sieg erkämpft. Offdilln stellte eine körperlich überlegene Mannschaft ins Feld, die den kleinen Busecker Stürmern viel zu schaffen machte, aber die Ball- und Feldüberlegenheit. das genaug Zuspiel und die Ausdauer der Einheimischen glichen vollends aus. Während der ganzen Spielzeit kam nicht die geringste An- fairneß vor, so daß man diesen Freundscha tskarnps als eine winliche Propaganda für den Fuhball- sport bezeichnen kann. Rach einigen ausgelassenen sicheren Torchancen für Großen-Buseck wurden die Seiten mit 1:0 für die Platzmannschaft gewechselt. Großen-Buseck spielte in der zweiten Hälfte gegen den Wind. Offdilln kam zu dieser Zeit mächtig auf und erzielte zwei Tore, die das Resultat verheißungsvoll auf 1:2 für die ©äste stellten. Jetzt entfalteten die Busecker Leute einen rasenden Cntspurt. In wenigen Minuten war der Ausgleich und kurz vor Abpfiff der Sieg sichergestellt. Alle Leute des F. C. verdienen gelobt zu werden. Herr B ö ch e r (V. f. D. ©iehen) war ter rechte Spielleiter.
Leihgesterns Jugend und D. f. B. Aßlars Schüler blieben ohne Absage aus.
F. Sp. V. Steinbach.
3. Spv. 1926 Steinbach I — Sp. vg. 1900 Gießen III 2:1.
Am Sonntag trafen sich diese Mannschaften zu einem Gesellschaftsspiel in Steinbach. Da infolge Schiedsrichtermangels kein Derbandsschieds- richter zu erlangen war, übernahm ein Herr des Platzvereins die Leitung des Spieles. Steinbach hatte Seitenwahl und zog vor, in der ersten Halbzeit gegen den heftigen Wind zu spielen. 1900 versuchte mit aller Macht, mit dem Winde als Bundesgenossen etwas Zählbares zu erreichen, jedoch die Steinbacher Hintermannschaft war auf der Hut. Mit 0:0 ging es
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steine gezeigt hatten. Man nimmt daher beim Bau der Schiffe und bei der Propaganda auf diese merkwürdige „Schornstein-Vorliebe" des Publikums Rücksicht. Auf den Ansichten der Schiffe in den Werbeschriften und den Postkarten sind die Schornsteine besonders deutlich zu sehen, häufig mit einer stattlichen Rauchfahne, die dem Schiff einen besonders einladenden und romantischen Eindruck verleihen soll. Schornsteine haben eben noch verschiedene andere Zwecke als die, den Rauch aus den Kesseln abzuleiten. Außer dem Propaqandawert sind sie häufig mit einer bestimmten Farbe geschmückt, die das Wahrzeichen der Schiffahrtslinie ist, wie z. B. bei der engli|djen „Blauen Schornstein-Linie". Man nimmt auf die Schornsteine so viel Rücksicht, daß man ihnen mehr Raum einräumt, als sie eigentlich auf einem modernen Luxusdampfer beanspruchen dürften. Hier dehnen sich ja die Wintergärten, Schwimmbäder, Ballräume usw. immer mehr aus, und die Passagiere legen großen Wert auf die Geräumigkeit dieser Anlagen. Deshalb wollen sie aber auf die geliebten Schornsteine keineswegs verzichten, und die vier stattlichen „Rauch-Türme", die etwa die „Mauretania" oder die „Olympic" auszeichnen, haben viel zu dem Ruf dieser Schiffe beigetragen. Es wird aber, immer schwieriger, für die Schornsteine den notwendigen Platz zu finden. Bei dem größten Dampfer der Welt, der „Majestic", hat man einen interessanten Ausweg gefunden: um eine große Flucht von Räumen durd) das ganze Schiff hin zu erhalten, wurde der Raud), wenn er die Kessel verläßt, durd) ein weitverzweigtes Netz von Röhren getrennt und nach den Seiten des Schiffes geführt, wo er dann vereinigt durch die Schornsteine aufsteigt. Die drei hohen Schornsteine auf dem Oberdeck gehen also nicht durch die verschiedenen Decks zu den Kesselräumen hindurch und lassen so wertvollen Raum frei. Bei den fich immer mehr einbürgern den Motorschiffen werden die Schornsteine bereits zur leeren Attrappe, denn hier gibt es feine Dampfkessel, und die Rauchentwick- iung ist so schwach, daß sie leicht durch besondere Methoden verteilt werden kann. Trotzdem hält man auch bei solchen Schiffen noch uiclfad) an den Schornsteinen fest, weil nun einmal „der Schornstein das Schiff macht". Ader so eingewurzelt solche Vorurteile aud) sein mögen, sie verschwinden doch schließlich, und die Zeit wird kommen, da man einen Schornstein auf dem Schiff mit ebenso viel Verwunderung betrachten wird, wie wir heute die m^sstätisch geschwellten Takelagen auf den Mast- bäumen ber alten Karamellen beschauen.


