Zreitag, 6. Dezember 1929
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Nr. 285 Drittes Blatt
Hände hoch - Kriminalpolizei!"
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Jean Weisel, (Hebe, Sonncnstrabe 6, Telephen Nr. MM
Betriebe geben St. Pauli seinen internationalen Charakter.
Kirche und Schule.
Pforrer Sch cks Abschied.
Queckborn, 5. Dez. Nachdem am Sonn
schiedsstunde in die Säle von Sames und Görnert ein, wo noch manch herzliches Wort mit dem Abschiednehmenden gesprochen wurde, das von der rührenden Anhänglichkeit der Gemeinde
Das Gelnndhellswaller
Was ich in tlSjährigem Kampf gegen das internationale Verbrechertum erlebte.
■ Don Kriminalkommissar Ernst Engelbrecht.
Copyright bh Greiner & Co., Berlin NW 6.
zeugte.
3n dem Filialdorf Lauter war die Abschiedsfeier am vorigen Sonntag mit dem Gottesdienst verbunden worden. Aach dem Schluß desselben sprach Bürgermeister A f f Abschiedsund Dankesworte und übergab als Andenken an die Gemeinde das bekannte Benzersche Bild „Abendmahl in der hessischen Dorfkirche", sowie einen von den Mädchen gestifteten Blumenschmuck. Die Kirche selbst war schön geschmückt, und fast die ganze Gemeinde nahm am Gottesdienst teil, denn jeder wollte bekunden, wie sehr er den Weggang des langjährigen Ortspfarrers bedauerte.
wesentlich nachgelassen, so daß nur etwa 280 Kubikmeter in diesem Jahre abgefetzt wurden. Für die Gemeindekasse bedeutet dies einen Ausfall an Einnahmen, da der Steinbruch an den Unternehmer W. Weber gegen Aaummeter- abgabe verpachtet kst.
Kreis Schotten.
4- Llnter-Seibertenrod, 3. Dez. Bom 24. November bis 1. Dezember wurde hier eine Evangelisationswoche in der Kirche abgehalten. Missionar Walther von Beuern hielt an iedem Abend Borträge, die auf eine Erneuerung des sittlichen und des Glaubenslebens hinzielten. Der Bolksmissionar verstand es, in überaus klarer Weise den Zuhörern das eine was not tut, einzuschärfen. Die Themen der Evangelisation waren: Totensonntagmorgen: „Die Schar der seligen Vollendeten. Wer gehört zu dieser Schar?" Sonntagmittag: „Welche Segnungen werden denen zuteil, die dazu, gehören?" Sonntagabend: „Wie überwinde ich die Todesfurcht?" Montag: „Heilung vom sicheren Verderben." Dienstag: „Sorge für dein Seelenheil!" Mittwoch: „Befolge Jesu heilige Mahnungen!" Donnerstag: „Erziehungsratschläge. Aur für Eltern und Erzieher." Freitag: „Gedenke an deinen Schöpfer in deiner Jugend! Speziell für Jünglinge und Jungfrauen, auch für die Eltern, nicht für Kinder." Samstag: „Irret euch nicht. Gott läßt sich nicht spotten!" 1. Advent. Morgen: „Der Segen des Sonntags und unserer lieben Kirche für unser Volk und Vaterland." Sonntagmittag: „Zanket nicht auf dem Wege:" Aur für Eheleute und Verlobte." Sonntagabend: „Verscherzet nicht Gottes Gnade!" Auch wurden an drei Aachrnit- tagen Bibelstunden gehalten. Die Abendvorträge waren nicht nur aus der Gemeinde, sondern auch von den benachbarten Orten gut besucht, ein Beweis dafür, wie Missionar W a l- t h e r es verstanden hatte, die Herzen für die heilige Christensache zu begeistern. Die erhobenen Kollekten betrugen insgesamt 175.73 Mk.
Kreis Lauterbach.
^Lauterbach, 5. Dez. In der Nacht zum Dienstag wurde in das Stationsgebäude
Glück unverletzt. Das Auto wurde so ftatf beschädigt, dah es abgeschleppt werden muhte.
ch Dornholzhausen. 5.Dez. In unserer Gemeinde hat sich ein Gesangverein gegründet, dem bis jetzt 40 Mitglieder beigetrctcn sind. Der Verein führt den Aamen „Gesangverein Liedcrkranz". Zum Vorsitzenden wurde Hermann L a u b c r gewählt, Dirigent des Vereins ist Lehrer Schüler, Oberkleen. Es finden vorläufig wöchentlich an zwei Abenden Gesangstunden statt.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
(□ Lollar. 4. Dez. Eine öffentliche Sitzung des < Gemeindcrates fand gestern abend statt. Die Gemeinde-Hundesteuer für das Jahr 1930 wurde zu den seit 1925 gültigen Sähen erneut beschlossen. — Die Abgabe eines Gelände st ückes am Lollarer Kopf zu Steinbruchzwecken stand wieder auf der Tagesordnung. Die den Steinbruch betreibende Firma Stahl und Söhne muhte im Juli den Betrieb schliehcn, weil das Gewerbeaufsichtsamt und die Berufsgenossenschaft das Anlegen einer terrassenförmigen Bruchwand forderten, die Durchführung dieser Anordnung jedoch infolge Fehlens ausreichenden Abbauraumes den Fortbetricb des Bruches in einem den wirtschaftlichen Grundsätzen entsprechenden Mähe, selbst unter Hinzunahme eines von der Gemeinde pachtweise abzulassenden zehn Meter breiten Gc- landeftreifens, nicht möglich machte. Nachdem in den Verhandlungen zur Abgabe weiteren Gemeindegeländes der Gemeinderat einen Antrag aus Rückgängigmachung des Vertrages, bei gleichzeitiger Forderung nach Genehmigung zur Ausbeutung von nur abbaufähigem Gelände am Scheitel des Berges bis zu 50 Meter Tiefe, als zu weitgehend abgelehnt hatte, suchte die Firma nunmehr um pachtweise Lieberlassung von 40 bis 50 Meter weiteren, in die Tiefe gehenden Geländes nach. Als Pachtpreis wurden angeboten für abbaufähiges Gelände 4 Mk., für das übrige Gelände 1 Mk. je Quadratmeter, bei Zahlung von 10 000 Mk. sofort, den Rest der Pachtsumme in sechs Jahresraten. In gleicher Sache lag eine Mitteilung des Gewerbeaufsichtsamts vor, die im wesentlichen die Angaben und Forderungen der Firma für richtig bzw. notwendig erklärt, und Lieberlassung von Gelände im gewünschten Umfange nach gehöriger Sicherheitsleistung empfahl, wobei darauf hingewiesen wurde, dah vertraglich das Schürfrecht auf diese bzw. eine Firma beschränkt werden könnte, und dah im übrigen die Naturschönheiten des Lollarer Kopfs nicht beeinträchtigt würden. Einig war sich der Gemeinderat darüber, dah eine Aufteilung in abbaufähigcs und nicht abbaufähiges Gelände unmöglich sei und von vornherein die Gefahr des gerichtlichen Austrages von unausbleiblichen Meinungsverschiedenheiten in sich trage, dah ferner der seinerzeit geforderte, bereits die Verschiedenartigkeit des Geländes berücksichtigende Pachtpreis von 4 Mark für das Quadratmeter als Durchschnittspreis für das getarnte Gelände aufrechtgehalten werden müsse. 2m übrigen zeigte die Aussprache das bekannte Bild des Für und Wider. Der Gemeindcrat einigte sich dahin, die Verhandlungen sortzu- führen und der Firma zunächst die Annahme eines einheitlichen Pachtpreises von 4 Mk. je Quadratmeter des Gesamtgeländes aufzugeben, auch soll sich die Firma erklären, wie sie die Sicherheiten bieten will. — Der Geslügel- uni) Drieftaubenzuchtverein Lollar veranstaltet am 5. Januar 1930 anläßlich feines 25jährigen Bestehens eine Jubiläumsschau. Es wurden ihm für einen Ehrenpreis 25 Mk. bewilligt. — In einem Schreiben des Kreisamtes Giehen wurde unter Hinweis auf eingegangene Beschwerden wegen Behinderung des Straßenverkehrs auf der Ortsdurchfahrt durch die Schausteller bei Festlichkeiten empfohlen, Abhilfe zu schaffen. Der Gemeinderat beschloß, dem Ersuchen des Kreisamtes zu entsprechen. Welche Plätze künftig für die Schaubuden usw. angewiesen werden, wird einer späteren Beschlußfassung Vorbehalten. — 2m Holzmühlenweg soll durch Verlegung von 280 Meter Wasserleitungsrohr Anschluß an das Rohrnetz der Hauptstraße erfolgen. Die Arbeit wurde der Firma Kutscher-Schwabe zu ihrem Angebotspreis von 2386 Mk. übertragen.
4L Hungen, 5. Dez. In diesen Tagen feierte unser ältester Mitbürger, Christoph Karl Bender, seinen 90. Geburtstag. Der al e Herr, der früher unter dem Namen ,,'Sot^e Bäcker" hier ein Bäckereigeschäft betrieb, ist ein weit über die Grenzen unseres Städtchens hinaus bekannte Persönlichkeit. Noch niemals in seinem Leben ernstlich erkrankt, erfreut er sich noch einer ungewöhnlichen geistigen Frische und körperlichen Rüstigkeit. In diesem Sommer war er feirc.n Anverwandten noch bei der Ernte behilflich. Dor wenigen Jahren erst verlor er seine gleichalterige Frau. Ncwen zahlreichen Beglückwünschungen und ( Aufmerksamkeiten wurde der alte Herr durch ein Ständchen des Männergesangvereins unter Leitung von Lehrer Meyer dahier geehrt.
Kreis Büdingen.
△ Nidda, 5. Dez. Der Vorstand und Aufsichtsrat der Bezirkssparkasse Nidda wählte zum Nachfolger des verstorbenen Bürgermeisters und Sparkasserechners Ludwig Ringshausen dessen Sohn Albert Ringshausen zum Rechner der Bezirkssparkasse. Letzterer ist schon über zehn Jahre als erster Gehilfe und Stellvertreter seines Vaters an der Bezirkssparkasse tätig und erfreut sich im ganzen Sparkassenbezirk großer Hochachtung und vollen Vertrauens, das vom Vorstand und Auf-
(Schluß.)
0er Kriminalkommissar als Gannove in &. Pauli.
Aus leicht verständlichen Gründen war es für mich überaus schwierig, im Verkehr mit dem Berliner Verbrechertum tieferen psychologischen Einblick zu gewinnen, denn der Verbrecher wird sich einem Kriminalbeamten gegenüber — und schließlich sind doch alle Berliner Kriminalbeamten mehr oder weniger der Verbrecherwelt bekannt — immer unnatürlich geben. Um mit dem Verbrechertum in engere Fühlung zu kommen und es in seinem Leben und Treiben ungenierter und besser beobachten zu können, mußte ich deshalb eine andere Großstadt aufsuchen, in der ich nicht zu befürchten brauchte, bei meinem Studium als Kriminalbeamter erkannt zu werden. Ich wählte hierfür Hamburg und nahm in einem der am Hauptbahnhof gelegenen Hotels Standquartier. Von hier aus zog ich dann allnächtlich in entsprechender „Schale" auf Abenteuer aus, um durch Se'bsterleben psychologische Eindrücke zu sammeln. Ich muh aber gestehen, daß es mir nicht gerade leicht war. den für diese Studien absolut notwendigen Eingang in die dortigen Verbrecherkreise za finden.
Nach mehreren ergebnislosen Versuchen, entsprechenden Anschluß zi finden, stand ich elf Llhr abends am „Alten Sleinweg" und überlegte, was ich noch Zweckdienliches beginnen könnte. Plötzlich trat ein Mann auf mich za und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, mal etwas za erleben und einen interessanten Betrieb kenne z iternen. Die Einladung tarn mir wie gerufen, ia> nahm deshalb gern die Gelegenheit wahr, mich mit dem freundlichen Manne, der mir ein Anreißer für Nachtbetriebe za fein schien, etwas anzubiedem. Ich erzählte ihm, daß ich in Berlin selbst einen ähnlichen Betrieb hätte und gerade nach Hamburg gekommen wäre, um mich nach ein paar hübschen Mädchen dafür umzasehen. Der Hamburger bot mir feine „fachmännische" Vermittlung an und war von meinem Vorhaben so begeistert, daß er seinen Dienst als Anreißer auf der Stelle aufgab und sich mir als Führer durch die Nacht- und Verbrecherlokale zar Verfügung stellte. Ich merkte bald, daß „Hinrich" in den Hamburger Verbrecherkreifen gut bekannt war, und als ich meinem neuen Freunde vorgeflunkert hatte, daß ich wegen Betruges und Zuhälterei mit zweieinhalb Jahren Gefängnis vorbestraft wäre, faßte auch er volles Vertrauen und erzählte mir, daß er, obwohl er noch nicht fünfundzwanzig Jahre alt fei, schon über vier Jahre „Knast" gehabt habe, und zoar wegen Zuhälterei und eines „kleinen Kirchenraubes". Selbstverständlich war Hinrich auf unserer mehrtägigen Kaschemmenreise mein Gast, und er gab sich auch die redlichste Mühe, mich mit den Eigentümlichkeiten der verschiedenen Verbrecherlokale und seiner Besucher eingehend bekannt zumachen. Argwöhnische Blicke und Fragen der Gannoven entkräftete er schnell durch ihm geeignet erscheinende Aukflärungen, und so wurde ich für die folgenden drei Nächte ein in den Hauptverbrecherkellern Hamburgs bekannter Gast. Sogar einen Spitznamen erhielt ich hier, „Düsseldorfer Ernst" meiner Heimatstadt entsprechend.
In den vielen langen Jahren meiner Tätigkeit beim Berliner Polizeipräsidium habe ich nicht so viele und psychologisch wertvolle Erfahrungen sammeln können, wie hier, in diesem Hamburger Derbrechermilieu, wo alle Gannoven männlichen und weiblichen Geschlechts mich unbeirrt für ihresgleichen hielten und mir blindlings ihr Vertrauen schenkten. Selbstverständlich hatte ich aus Gründen der Vorsicht Ausweispapiere und Brieftasche im Hotel gelassen, und so war mir eine dem von mir gerade besuchten Derbrecher- keller durch die Hamburger Schutzpolizei drohende Aushebung nicht gerade angenehm. Aber ebenfo-
sichtsrat bei der Wahl einstimmig bekundet wurde. — Der Gesangverein „Sängerkranz" hierselbst ernannte in seiner jüngsten Generalversammlung an Stelle des nach Gießen versetzten Iuftizinspektors Dapper den Lehrer Dietrich zu Rodl)eim a. d. Horloff zu seinem Diriaenten. Der neue Chormeister ist in Sängerkreisen als vorzüglicher Dirigent bekannt.
# Anter-Widdersheim, 5. Dez. Die von hier nach Grund-Schwalheim und Steinheim führenden Provinzial st raßen befinden sich in einem sehr schlechtenZ u st an de. Der immer stärker werdende Verkehr nut Kraftfahrzeugen aller Art, sowie der Fährverkehr mit Basaktsteinen von den Ober-Widdersheuner Hart- basaltwerkcn Hal der Straßendecke schwer zuge- scht, so daß sich stellenweise Loch an Loch befindet, in denen sich bei dem herrschenden CRcgen- toetter meterlange Pfützen bilden. Nachdem die Provinzialstraßenverwaltung die Durchgangs- strahen in guten Zustand gebracht hat. wäre es sehr zweckmäßig, auch die stark benutzten Bezirks- straßen neu zu befestigen, oder doch wenigstens die tiefen Löcher der Fahrbahn mit Schotter auszufüllen. — Die nachlassende Bautätigkeit hier und in den benachbarten Ortschaften hat sich im Absatz des hiesigen Gemeinde st ein- bruchs im lausenden Jahre besonders bemerkbar gemacht. Die Nachfrage nach den lagerhaften Bausteinen hat den letzten Jahren gegenüber
tag sich Pfarrer Schick, der seit November 1905 die hiesige Pfarrstelle innehatte und nun mit dem 1. Dezember in den Ruhestand getreten war, sich von den Gemeinden im Gottesdienst verabschiedet hatte, sand am Montagabend noch eine von feiten der Gemeinde veranstaltete Abschieds feier statt, die von der großen Verehrung. die der langjährige Ortspfarrer in unserem Dorfe genießt, beredtes Zeugnis ablegte. Aus Einladung des Bürgermeisters Albert versammelte sich die ganze Gemeinde im Pfarr- hose und vor dem Pfarrhaus, um ihrem Pfarrer „Lebewohl" zu fag n. Eröffnet wurde die Feier durch einen Chor des Gesangvereins unter Leitung von Lehrer Jochem. Darauf feierte_ Bürgermeister Albert den Scheidenden, wünschte ihm Gottes Segen für de Jahre des Ruhestandes, den unser alter Pfarrer in Laubach noch recht lange und gefunö verleben möchte, und überreichte ihm im Namen der Gemeinde einen wertvollen Sessel. Für den Kircheavorstand sprach Ludwig Dörr den Scheidegruh. Er hatte ihn in dichterische Form gebunden:
Dem scheidenden Pfarrer.
In der Jugend geht's mit Iugendeil', Müde ziehn wir in das Altenteil. Wenn die zugemcfsne Frist zerrann. Stommt das Müdsein über jedermann. Er, der dieses Dorfes Hirte war Nun schon über vierundzwanzig Jahr Geht von hinnen, weil er scheiden muß. Drum dem Treuen diesen Liebesgruß. Als ihn die Berufung zu uns trug, Dessen Herz für unsre Scholle schlug. Haben wir es mehr und mehr erkannt, Wie er liebt sein Volk und Vaterland. Leid und Freud', wie jeder Erdensohn, Trug er hier und nahm fein Teil davon; Weib und Kinder mußf er scheiden sehn — Unverständlich bleibt manch Weltgeschehn. Auch wie du in unsrer Mitte hier Dich gesorgt, gebangt um uns, dafür Sei dir Dank gesagt von groß und klein: Niemals soll es dir vergessen sein.
Geh mit Gott! Du lieber, treuer Mann, Gott sieht gnädig stets die Seinen an, Sei im Leben ferner ohne Harm, Dieses wünschen viele Herzen warm!
Herbstein eingebrochen. Der oder bie 1 Diebe drangen durch ein Fenster in die Schreib» | ftube ein, um die Etationskasse zu plündern. Glücklicherweise waren größere Geldbeträge nicht vorhanden, so daß nur eine verhältnismäßig geringe Summe gestohlen wurde. In der gleichen Nacht und unter den gleichen Begleitumständen wurden auch die Stationsgebäude in Rixfeld, Eifenbach und B l i h e n r o d heimgesucht, jedoch konnten die Einbrecher auch dort feine größere Beute machen. Anscheinend handelt es sich um dieselben Einbrecher, die vorige Woche auch verschiedene Stationsgebäude an der Butzbach— Licher Strecke mit ihrem Besuch „beehrt" haben.
Preußen.
Bankzusammenbruch in Treysa.
WEN. Treysa. 5. Dez. Die Inhaber des Bankgeschäftes Gebrüder Hans und Paul Hermann in Treysa haben sich nach verübten großen Depotunter s ch lagungen am 4. Dezember der Staatsanwaltschaft in Marburg freiwillig gestellt und sind, ihrem Wunsche entsprechend, in Haft behalten worden. Nach ihren Angaben haben sie deponierte Wert- papierein Höhe von etwa 15 5 000 Mk. unterschlagen und sind dann zahlungsunfähig geworden. Geschädigt find hauptsächlich kleine Sparer aus Treysa und der Umgebung.
Kreis Wetzlar.
i Groß-Rechtenbach, 5. Dez. Ein Auto- Unfall ereignete sich heute in der Mittagszeit auf der Provinzialstrahe Wetzlar—Butzbach bei der neuen Schule in Klein-Rechtenbach. Ein Personenauto der Ueberlandzentrale der Buderusschen Eisenwerke in Wetzlar lefand sich auf der Rückfahrt nach Wetzlar, als ein Schuljunge aus der Schule in Klein- Rechtenbach herausgelaufen kam und die Straße Inoch vor dem Auto überqueren wollte.
Der Wagenführer riß im letzten Augenblick das Auto herum, so daß es ins Schleudern geriet I und in den Straßengraben umstürztc. Der • Schuljunge sowie die Autoinsassen blieben zum
wenig erfreut darüber war Hinrich, und auch den anderen Gästen des Kellers schien der Polizeibesuch äußerst unerwünscht zu sein. Wir waren deshalb nicht gerade unglüiÜich, als uns der Durchbruch nach hinten, erst durchs Fenster und dann über Mauern hinweg gerade noch im letzten Augenblick gelang.
Aber ein verteufeltes Pech sollte mir für die nächste Nacht bevorstehen. Als ich im „ Thiel beck- Keller" mit Hinrich und anderen „Freunden" den interessanten Erzählungen des „Flensburger Karl" über seine Flucht aus dem Zuchthause lauschte, trat vom Büfett ein gefährlich aus- schender Geselle an mich heran, streckte mir seine Hand entgegen und grüßte: „Morjen, Herr Kommissar, wat machen fe denn in Hamburg?" Ich muß sagen, ich war wirklich auf das peinlichste überrascht und sah schon im Geiste die ganze Verbrechergesellschaft wutschnaubend und rache- | dürftig über mich herfallen. Einen Augenblick überlegte ich, sollte ich zugeben, wer ich war, oder es abstreiten. Ich wagte das letztere und fuhr den Berliner Gannoven grob an: „Mensch, du bist wohl verrückt, du scheinst zuviel GrogS gesoffen zu haben und Gespenster zu sehen." Lind wirklich, der Berliner wurde stutzig, betrachtete mich zwar mißtrauisch, zog sich dann aber kopfschüttelnd, „ne, solche Aehnlichleit", zur Theke zurück. Von dort aus schielte er argwöhnisch zu mir herüber, tuschelte mit seinen Kumpanen und schien ihnen seine Zweifel über meine Angaben plausibel zu machen. Mir wurde die Geschichte doch reichlich brenzlig, und ich nahm deshalb die nächste Gelegenheit wahr, durch den mir als Rückzugsweg belannien Hinteren Hauseingang heim.ich zu verschwinden. Damit war natürlich meine Hamburger Kaschemmenreise erledigt, denn ich durste im Interesse meiner eigenen Sicherheit ein nochmaliges Zusammentreffen mit den Hamburger Gannoven nicht mehr riskieren. Nur Hinrich sollte ich drei Monate später in Berlin gelegentlich einer von mir geleiteten Aushebung des „Augustkellers" Wiedersehen. Auch Hinrich mußte mit zum „Alex", und niemals werde ich sein maßlos erstauntes Gesicht vergessen, als er mich sah und von feinen Leidensgefährten über mich unterrichtet wurde.
Selbstverständlich benutzte ich meinen Hamburger Aufenthalt auch dazu, St. Pauli, das bekannte aber auch berüchtigte Hamburger Der- gnügungsviertel, eingehend lennenzulernen.
Keine einzige Straße Deutschlands ist im Auslande so weit und breit bekannt wie die Reeper- bähn, die Hauptstraße St. Paulis. Fast jedes Haus dieser Straße und nicht minder auch dev an die Reeperbahn sich anschließenden „Großen Freiheit" birgt irgendein Tingel-Tange 1, eine Würfelbude, ein Kasperletheater, ein Karussell, i _ . .. i:„conih„
ein Panoptikum, ein Kino oder irgendeine andere 1 «LsfiAtßnr?n
Ad auf alte, weit fie alter
Sni>"ieUten’l®eif®U7melSn^unb'‘sÄanbi ®« «rigervereüti Sämann
Sauberkeit sind, so übertraf dieser Trichterpark Lorn E,cEa™lt- ® thJ?° m, t ™
dennoch bei weitem alle Erwartungen. Die Dar- Ä^^egosseE A^chiedsworte f^d^ guten bietungen waren durchaus minderwertig, aber ^über-
noch minderwertiger war in der Hauptsache das ^?I^ende ^Hosswbezirkes Grunb? 9.
Publikum, das hier zusammenströmte. Reben t «neLSfenSShvnli uÄÄ mitgtieb Ä sprach auch U»i.
^^fanÄÄ LLt Ä» । XÄÄÄyt malaiischer Restaurants und Speisekeller, und diese und alle die vielen anderen fremdländischen
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