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Wandem und weisen • Bäder und Sommerfrischen.
und
urgarten.
Gpanienreisen.
Don Llngern-Sternberg.
Wanderfahrien.
Lauterbach — Bab Salzschlirf — Schlitz.
in Gießen: Jean Weisel, Sonnenstr. 6 Telephon 88
und durch die Kurverwaltung Bad Wildungen, twov
Wir fahren mit dem Frühzuge nach Lauterbach, durchwandern das freundliche Städtchen, das noch manche mittelalterliche Schönheiten aufzuweifcn hat. Von der Mitte der Stadt führt ein blaues Kreuz nach links in kräftigem Anstieg aum Hainig, von dessen Aussichtsturm man einen schönen Fernblick nprf) der Rhön, dem Knüll, dem Thüringer Wald und Vogelsberg genießt. Durch Wald und Feld weist uns das Zeichen über Landenhausen mit guten Wirtschaften und Sandsteinbrüchen nach Bad Salzschlirf, das reizvoll in einem Talkessel, umgeben von steilen Bergen liegt. 5)ier besichtigen wir
Bad Ems an der Lahn
Don Margret Halm.
glanzt es uns entgegen, doch wuchsen längs der Lahn stattliche staatliche Bauten, Kurhäuser und Hotels, von deren pompöser Fassade jene Könige und Fürsten nichts geahnt. Sie kamen ohne das. Und ihnen genügte der alte Kurhausbau, der von den Kupferstichen uns bekannt ist. Auf den Promenaden rechts und links des Flusses ist reger Sonntagsbetrieb. Man paddelt und rudert, und buntbewimpelte Motorbootchen fahren geschäftig auf und ab. Es tut sich was. Lind tragen die Wagen, die eng an eng die ganze Straße fast zum Autopark gestalten, auch nutzt die Luxusnamen, die das Weltbad suchen, so zeigt doch ihr Polizeischild Kennzeichen aller Länder.
Emser Salz und die daraus hergestellten Emser Pastillen, Naturerzeugnis wie das Emser Kränchen haben dafür gesorgt, den Namen Ems in aller Munde wachzuhalten. Nun hilft das Auto nach, und von einem Sonntagsausflug, sei es, daß wir vom Rheinland kommen, von Hessen her, von Frankfurt oder von weiter auch — die Straßen.sind gut und der Weg eine Freude, — so ist's zur Verlockung, hier einmal auszuruhen und, den Motor außen und innen abgestellt, sich in den tiefsten Wäldern zu ergehen, nur ein kleiner Schritt. ____________
Die Weltausstellung in Barcelona die paniberische Ausstellung in Sevilla werden in diesem Jahre mehr Ausländer als sonst nach Spanien locken. Namentlich Barcelona erwartet einen ungeheuren Zustrom an Fremden. Die Ausstellung, zu der schon jahrelang Vorbereitungen getroffen wurden, soll Europa und Amerika zusammenführen, sie soll der Welt mcht das Spanien der Carmenlegende, sondern das arbeitende, vorwärtsstrebende Spanien in aU seinen technischen und kulturellen Errungenschaften zeigen. Das auf großen, modernen Fremdenverkehr noch nicht sonderlich vorbereitete Spanien schaffte ganz in der Nähe des Ausstellungsgeländes einen riesigen Hotelkomplex rm allgemein üblichen Sinne. Der Part von. Montjuich, in dem wie durch ein Zauberwort Plaste und herrliche Gartenanlagen entstanden sind, bildet eine glänzende Staffage zu der größten internationalen Feria der Neuzeit. Aber die Besucher kommen gewiß nicht nur nach Spaniersum die Wunder der Ausstellung zu bestaunen. Für jeden, der zu schauen und dem Raunen der Geschichte nachzuhören versteht, ist Spanien eine Offen
barung.
M a d r i d ist eine moderne Großstadt mit rund einer Million Einwohner, mit einem rastlosen Drängen und Treiben auf den Hauptstraßen und auf der Puerta del Sol, mit Luxushotels, mit Promenaden und Parks. Aber wenn man von der „Gran Via" in einer Seitengasse einbiegt, so ist es als ob wir die Galoschen des Glückes angezogen und plötzlich um 3ahrzehnte zurückversetzt worden wären. Man gerät in ein Gewirr^ von engen Straßen und ein wenig unsauberen Plätzen, wo Menschen aus einer anderen Epoche zu leben scheinen. 3n der Sonne trocknen bunte seidene Lappen, und Frauen, mit dem Rosenkranz zwischen den Fingern, hocken auf der Schwelle der Häuser. Die Gassen sind am Wend spärlich beleuchtet, man kann sich verirren und glaubt dann, hinter jeder düsteren Ecke dem Abenteuer zu begegnen. Ab und zu Guitarrengeklimper und die prickelnden Töne einer Sevillana. Die alten Paläste, die man unvermutet in den krummen Straßen antrifft, liegen schweigend da. Die gemeißelten Wappen an den Toren und die geschmiedeten Gitter zeigen, daß dort weltabgeschlossen die Nachkommen alter spanischer Geschlechter leben. Daneben liegen mehrere Klöster, hinter deren Mauern stille Nonnen beten. Dann eine Biegung, und wir befinden uns wieder mitten im Grobstadtleben des zwanzigsten Jahrhunderts.
Die Hauptstadt Madrid ist gleich mit dem Bahnhof zu Ende. Grau, steinig und öde setzt die Ebene ein. Dort liegt das Ritterland Kastilien. Manchmal reitet ein dicker Mann auf seinem Esel einher und man denkt: Sancho Pansa! Wenn auch Don Quichote nicht immer zu sehen ist, so weih man doch, daß er nicht weit sein kann. Er reitet ja immer noch durch die spanische Gegenwart. Manchmal lebensfern und den Weg nicht wissend, aber stets mit Handschuhen und nobel auch im Mißerfolg.
Jeder Besucher Madrids macht Ausflüge in die historische Umgebung, denn die Hauptstadt , selbst bietet außer dem unübertroffenen P r a dorn u s e u m und außer einigen anderen Sehenswürdigkeiten nicht allzuviel. 3m Norden, in der
rauhen F-llenlandlchast des Duadaram- liegt das gewaltige, granitene Denkmal, das sich Philipp II. erbaut hat, der Escorial, und un Süden, etwa eine Stunde Dahnfahrt entfernt Aranjuez und Toledo. 3m Frühjahr und im Frühsommer blühen unter den hundertjährigen Bäumen von Aranjuez prächtige Rosen. 3n den Kronen verstecken sich Fasanen, inmitten von all diesem geheimnisvollen Grün steht das „Ko* nigliche Bauerrchaus", eine bukolische Caprice ber spanischen Bourbonen. Man denkt anWat- teaus Schäferinnen, die mit Atlasschuhen und mit seidenbebänderten Hirtenstäben dort ihre Lämmer weideten. Marmorbüsten und mythologische Statuen leuchten schneeweiß auf Balustraden und in Nischen von warmem venltiani- fehern Rot. Die Rosen ranken sich an den Gittern empor, und jeder Windhauch läßt einen Regen von Dlütenblättern niederrieseln. Das f eine Schloß leuchtet dazwischen weih un& rot, seine Einrichtung ist zierlich und reich. Man glaubt, eine Melodie von Mozart zu hören, und vermißt die Menuett tanzenden Paare. Dort in Aranjuez spielte der gutmütige König Carlos I V., der Mode seiner Zeit folgend, Dauer, pflügte und säte und unterhielt sich, wenn er nicht auf die 3agd ging, mit seinem Günstling Godoy über die Dinge, die in seinem Reich, in dem damals noch nicht die Sonne unterging, vorgingen. Aranjuez wird heute selten von der königlichen Familie besucht, es gehört der Vergan- genheit an. Heute ist es am meisten dadurch berühmt, daß es die schönsten Erdbeeren und Spargel für den Madrider Markt liefert.
Auf der Fahrt nach Toledo sieht man das Schloß Pinto, in dem die Eboli gefangen sah. Aber die Prinzessin Eboli ist in Deutschland
geben von steilen Bergen liegt. Hier besichti die Quellenanlagen und den schönen Ku , Das Zeichen bringt uns bann weiter über hen 492 Meter hohen Sängersberg mit herrlicher Fernsicht nach der Rhön und in das Schlitzerland zu unserem Endziel, dem alten, schön gelegenen Städt- 1 chen Schlitz, das malerisch von einigen Burgen,
Nichts sagen von Kitsch und so, wenn wir etwa alliterierend mit „Liebliches Lahntal" beginnen möchten. Das paht daher. Denn es ist süh und weich, nein, eben lieblich, dieses Tal, durch das man dahinfährt auf der sich windenden Autostrahe, die in jeder Biegung neu uns überraschend zeigt, was immer Schöneres sie dem Auge zu bieten hat, und an Vielgestalt der Landschaft sich steigert, je tiefer wir ins Lahn- tal bringen. 3a mit Selbstverständlichkeit setzen wir voraus, dah wir mit dem Auto kommen. Sv als Kurgast mit der Bahn kam man in den letzten 3ahren nicht mehr viel nach Ems. Ein jedes Ding hat seine Blütezeit, und die von Ems liegt fünfzig 3ahre zurück. Wir wollen das Warum nicht erörtern und nicht das Weil, sondern unbeschwert von solchen Gedanken in Rückschau den Eindruck genießen, der voll erfüllte, ja übertraf, was in einer kleinen geheimnisvollen Spannung einen einmal nach Ems zieht. Man weih, da liegt ein Bad zwischen Taunus und Westerwald, in dem einst Könige sich so wohlgefühlt, dah sie 3ahrzehnte wiederkehrten. Das soll für uns gewöhnliche Bürgersleute nicht mehr schön genug fein? Schon auf den ersten Blick wehrt es sich sehr gegen solchen Snobismus. Richt durch Eleganz und grohartiges Gepränge
Sevilla nicht gesehen, hat kein Wunder gesehen) ober „Quien no conoce Granada, no conoce nada" (Wer Granada nicht kennt, kennt nichts). Tausend Lieder singen von der Märchenstadt am Guadalquivir. 3eder weih, dah die Alhambra nicht ihres Gleichen hat. — Man muh nur den Entschluß faßen, die Spanienreise nicht auf den Besuch der Weltausstellung in Barcelona und auf Madrid zu beschränken. Man muß nur baS nottoenbige Gelb dazu haben, denn leider ist Spanien kein billiges Land, besonders dann nicht, wenn man die ortsüblichen, reichlich mit Knoblauch gewürzten und in Oel gesottenen Speisen nicht verträgt, und wenn man Anspruch auf ein nach nordländischen Begriffen gut möbliertes Zimmer erhebt. Die großen Hotels sind sehr teuer, dafür allerdings auch mit allem LuxuS ausgestattet und mit vortrefflicher Verpflegung. 3n den großen Hotels wird man mit einer Ausgabe von mindestens 100 Pesetas., (1 Peseta gleich rund 65 Pfennig) täglich und pro Person rechnen müssen. Dazu kommen die Extraausgaben und die in Spanien üblichen recht hohen Trinkgelder. 3n den guten mittleren Hotels kostet der Pensionspreis 24 Pesetas, aber mit weniger als 50 Pesetas täglich wird man nicht auskommen. Durch ein Dekret der Regierung ist es den Hotels und Restaurationen verboten, wahrend der Ausstellungszeit die Preise um mehr als 50 v. H. zu steigern. Für Besucher mit einem kleinen Portemonnaie ist das aber nur ein geringer Trost, da die Preise ja an und für sich schon recht hohe sind. Es ist auch zu beachten, dah die meisten Schnellzüge in Spanien nur Wagen erster Klasse führen. Bei Rundreisen verbilligt sich über die Fahrt bedeutend, wenn man an der Grenzstation ein sogenanntes Kilometerheft löst. Wer es eilig hat, kann seine Spanienreise im Flugzeug machen. Die Lufthansa hat eine regelmäßige Verbindung mit Barcelona hergestellt. Wer es wünscht, kann auf dem Luftwege in wenigen Stunden Afrika erreichen^ da die Flugverbindung weiter nach Marokko führt. Spanien ist das Land der Sonne und das Land der Sehnsucht vieler Nordländer. Spanien hat noch 'niemand enttäuscht und wer es kann, soll nicht versäumen, das Land in seinem Festge- wande während der Ausstellungen in Barcelona und Sevilla zu besuchen.
bekannter als in Spanien. Man lehnt in Spanien Schillers Don Carlos ab, das Drama enthält zu viel Unmöglichkeiten. Es konnte keinen Marquis von Posa geben, der es gewagt hätte, mit König Philipp schöngeistige Gespräche zu führen.
Dlasco 3banez hat eins seiner schönsten Bücher über Toledo und die Kathedrale geschrieben. Toledo ist ein unvergleichliches Denkmal der Vergangenheit, es ist einzig in der Welt als eine versteinerte Erinnerung, voll von Monumenten, die der Zeit zu trotzen scheinen. Wenn man die uralte Drücke über den Tajo überschritten hat und die Stadt betritt, die der Sih des Kardinal-Primas von Spanien ist, so wird einem feierlich zu Mut. Dor der Kathedrale staunen die Künstler, die Gläubigen und die Zweifler, sie ist so erhaben, daß die Kritik zurückweicht, und man sie nur auf sich in Ehrfurcht wirken läßt. Es kommt vor, dah, wenn man das Schiff betritt, etwas gewaltig aufschreit. Cs ist die große Orgel am Chor. Die spanischen Orgeln haben kreischende Töne, die das Herz aufhetzen, es klingt manchmal wie eine unirdische Stimme aus einer anderen Dimension. Einige Pfeifen der Orgel ragen wagerecht hinaus wie die Posaunen der Engel am jüngsten Gericht, sie sind vielleicht mit Absicht so gestellt, damit die Gläubigen den Tag der Schrecken und Vergeltung stets vor Augen haben.
Trotzdem von Mai bis in den Herbst hinein die Sonnenglut über Andalusien brütet, so werden sich doch die meisten Desucher Spaniens nicht durch die Hitze abschrecken lassen, nach Cordova, Sevilla und Granada zu fahren. Ein spanischer Spruch lehrt: „Quien no ha visto Sevilla, no ha visto Maravilla" (Wer
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