Montag, 5. August 1929
179. Zahrgang
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„Graf Zeppelin" in Lakehurst glücklich gelandet.
Lakehurst, 5. August. (W. T. B.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" landete um 9.52 Llhr (2.52 Llhr
mitteleuropäische Zeit) in Lakehurst
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Insgesamt 94 Stunden 1 Minute unterwegs.
Lakehurst, 5. Aug. (1DIB. Funkspruch.)
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gehörige und Freunde an Bord bringen mußten. | Uni) während der Ausfahrt waren die ganzen Kais bis zum Entschwinden des Schiffes mitten in der Rächt mit dichten Ketten von Automobilen besäumt, die ihm das Geleite gaben, Scheinwerfer und Sirenen spielen ließen und Zeugnis für die Begeisterungsfähigkeit eines überaus jugendlichen, temperamentvollen und für Höchstleistungen empfänglichen Bolkes ablcgten. Als Passagier während der Rückfahrt vermag der । Verfasser nicht zu beurteilen, wie sich diese Be- 1 geisterung über den neuen Rekord, der die Ausfahrt um eine ganze Reihe von Stunden übertraf, kundgegeben hat. Aber es ist anzunehmen, daß sie womöglich noch sine Steigerung erfahren hat. „
Gewiß war das verdient. Denn dte „Bremen steckt nicht nur durch ihre Geschwindigkeit einen vorläufig kaum überbietbarenWelt- rekord dar, sondern auch durch ihre künstlerische Einrichtung, durch die zahlreichen technischen Reuerungen, durch den Luxus und die Bequemlichleit dieses „Ricsenhotels mit Schraube n“. Aber in keinem Lande der Welt vermag eine derartige Leistung so populär zu werden, wie in den Bereinigten Staaten. Ohne Rücksicht auf Fahrpreis, auf Termin, auf sonstige Dispositionen haben die amerikanischen Geschäftsleute usw. für lange Zeit im voraus die Kabinen belegt, das Riesenschiff bis aufs letzte Plätzchen gefüllt.
Die „Bremen“ ist zu einem Propagandisten des Deutschtums, des deutschen Gewerbefleißes und der deutschen Technik und Wissenschaften minde- stens für die ganze westliche Hemisphäre ge- worden.
3m Verein mit dem Zeppelin und dem neuen Großflugzeug Do. X, auf dessen Auftauch en die Amerikaner durchaus gefaßt sind, ergibt sich daraus das Bild eines Vertrauens in die deutschen Leistungen, das mindestens in bezug auf die Technik und die Wissenschaft für Deutschland die Llebernahrne der Bezeichnung als „Land der unbegrenzten Möglichkeiten" rechtfertigt. Es bedarf keiner Erläuterung, welche politische Bedeutung das zugleich hat.
die Straßen und auf die Dächer der Häuser, reckten die Köpfe himmelwärts und bewunderten das majestätisch dahin gleitende Luftschiff. Besonders am Times Square, wo Sonntagabend reges Leben herrscht, blieben die in die Theater und Kinos hastenden Menschen stehen, um die Fahrt des durch die erleuchtetest Kabinen erhellten Zeppelins zu beobachten, der eine Schleife nach Lakehurst zu beschrieb.
Philadelphia muß verzichten.
Neu t;ork, 4. 2ü g. (WB.) Da das Luftschiff „Graf Zeppelin" in der Nähe der K ü st e auf u n - günstige Winde traf, hat Dr. Eckener darauf verzichtet, Philadelphia zu überfliegen. Er steuert nunmehr das Luftschiff direkt nach Lake-
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 5. August. Der „Zeppelin" ist wieder einmal unterwegs nach Amerika. And wenn ihn auch dort Millionen schon gesehen und begrüßt haben, wenn seine silberne Silhouette auch schon populär im ganzen Osten der Vereinigten Staaten ist, so tst seine neue Ankunft doch kaum in minderem Grade ein Fest für die Amerikaner, als es seine erste gewesen ist. Dazu hat in sehr hohem Maße die Popularität des neuesten deutschen Weltr^ kords die Ozeanüberquerung durch den Lloyddampfer „Dremen“ , beige»
Man traut in Amerika den Deutschen nachgerade alles zu, und man bringt diese Anerkennung dadurch zum Ausdruck, daß man die Deutschen als die „amerikanischsten Europäer" bezeichnet.
Ohne die Frage erörtern zu wollen, dB das auch vom Standpunkt des Richtamerikaners als ein Kompliment aufzufassen ist — von dem des Amerikaners ist es unzweiselhast eines! —, kann man als Augenzeuge feststellen, welche außer- ordentlichevolitischeBedeutung derartige technische Rekorde haben. 3n Reu- York herrschte über die Fortschritte der „Bremen schon vor ihrer Ankunft eine förmliche Begeisterung. ,
Alle amerikanischen Zeitungen brachten die Rachrichten über ihre Fahrtzeiten und ihr Bild auf der ersten Seite; amerikanische Politiker, Wirtschaftler und Gelehrte, die man in diesen Tagen als Deutscher sprach, begrüßten einen mit den Worten: „Ihr Deutsche scheint ja das feinste Schiff der Welt zu haben!" Lind die Begeisterung nahm nach dem Eintreffen der „Bremen" im Hafen derartige Formen an, daß yran sich um die Besichtigungskarten wie um die Zulassung zu einem künstlerischen Weltereignis stritt. 75 000 Menschen haben das Schiff in den wenigen Tagen seines Reuhorker Aufenthaltes besichtigt; weit mehr haben auf die Erfüllung dieses Wunsches verzichten müssen, den Riesenbau mit seinen gefälligen und neuartigen Formen aber von außen bestaunt. Bei der Abfahrt sanden sich i rund 20 000 Amerikaner ein, die unbedingt An-
NEUFUNDLAND
hurst, wo er noch vor Anbruch der Nacht zu landen hofft.
Oie erste Visite über Lakehurst.
Lakehurst, 4. Aug. (WTD.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" erschien um 19,38 LI hr (0.38 Llhr MEZ.) über dem Landungsplatz von Lakehurst, von zahlreichen zu seiner Begrüßung ausgestiegenen Flugzeugen umkreist. Die Silberhülle des Zeppelins bot an dem Abendhimmel, wie eine Silhouette erschel- nend, einen prächtigen Anblick. Dr. Eckener funkte dem Stationskommandeur, das Luftschiff fliege zunächst nach Reuyork und wäre um 20.30 Llhr (1.30 MEZ.) zurück. Das Luftschiff steuerte dann nordwärts und ent- schwand in kurzer Zeit in den Wolken. Die
Reuyork, 3. Aug. (WTB.) Die Goodyear Zeppelin Company gab die Pläne für den Bau zweier Luftschiffe, die doppelt so groß wie der „Graf Zeppelin" sein sollen, bekannt. Sie werden also etwa die Ausmaße des gegenwärtig für die Marine in Bau begriffenen Super-Zeppelins haben. Die Luftschiffe sollen im Pacific-Verkehr, später auch im Atlantik-Verkehr verwendet werden.
Luftschiffe oder Schnelldampfer?
Reuyork, 5. Aug. (WTB. Funkspruch.) Im Leitartikel der „Reuyork World" heißt es: Der Westftug des „Graf Zeppelin" zeige von neuem, daß ein Luftschiff dieses Typs bei anständigem Wetter und mittelmäßigem Glück einen Dampfer hinsichtlich der Geschwindig* leit übertreffe und den Passagieren ein gutes Maß an Komfort und Sicherheit zu biet len vermöge.
Die Geschichte der Luslschiffozeanslüge stehe in erfreulichem Gegensatz zur tragischen Geschichte der Flugzeug-Ozeanfiüge.
Dr. Eckener und seine Mannschaft seien zu dem Erfolge zu beglückwünschen, es sei jedoch keines-. Wegs gewiß, ob die Luftschiffe den Weg der endgültigen Lösung des Ozean- flugproblems weisen, da angesichts der Frage der R u h l a st Luftschiffe teuer zu bauen, teuer unterzubringen und zu fahren seien und der Zeitvorteil wahrscheinlich durch die neuen Schnelldampfer wesentlich verringert toew den dürfte.
Gcsamlfahrtdauer des „Graf Zeppe- l i n beträgt 94 Stunden 1 Minute. Die 2Ha- rinebehörden haben ausgerechnet, daß das Luftschiff insgesamt 5331 Meilen mit einer mittleren Geschwindigkeit von 80 Kilometer die Stunde zurücklegte.
In der Lakehurster Halle.
Lakehurst. 5. Aug. (WTB. Funkspruch.) ' „Graf Zeppetin" wurde um 1.52 Uhr morgens (6.52 MEZ.) in die Halle gebracht, nachdem der wind, der die Einbringung des Luftschiffes verzögerte. nachgelassen hatte.
Oie Landung.
Lakehurst. 4. Aug. (WTB. Funkspr.) „Graf Zeppelin“ kreiste über dem Flugplatz über 2 0 M i n u t c n . ehe er die Landungstaue um 8.48 Uhr Ostnormalzeit (2.48 Uhr früh MLZ.) ab- warf. Die Bodenmannschaft zog das Luftschiff daraus zu dem kleinen A n k e r m a st. Sofort nach der Landung verließen die Passagiere das Luftschiff, das die Rächt über am Ankermast belassen wird. Die Zuschauermenge wurde im Gegensatz zum letzten Herbst in musterhafter Ord- n u n g gehalten. Allerdings hatten sich nur etwa 10 000 Zuschauer und einige Tausend Autos eingefunden. Für die Zollabfertigung und die Einwan- derungsformalitäten war weit besser vorgesorgt, als im vorigen Jahre. Ein mit Radiophon und Rundfunksender ausgestatteles Flugzeug war dem „Graf Zeppelin" einige Meilen bis über den Ozean entgegengeslogen und begleitete das Luftschiff zurück nach Lakehurst, dabei Beschreibungen des Luftschiffes über das große Reh der Funkstationen ganz Ame- rikas durch Rundfunk verbreitend. 3n dem Flugzeug befanden sich auch Berichterstatter der Associated Preß und verschiedener Zeitungen, die eine Schilderung des in der Abendsonne glänzenden Luftschiffes ihren Redaktionen radiotelephonisch übermittelten.
Rückflug des „Graf Zeppelin" am Mittwoch?
Lakehurst. 4. Aug. (WTB. Funkspruch.) Dr. Eckener kündigte an. er werde den Rückflug bereits Mittwoch nacht antreten, falls Del und Brennstoff schnell genug eingenommen werden könnten.
Oer blinde Passagier.
Lakehurst, 5. Aug. (WTB. Funkspruch.) Der blinde Passagier des „Graf Zeppelin" wurde gleich nach der Landung durch Cinwanderungsbeamte einem summarischen Verhör unterzogen und dann sofort nach Glou- c e st e r (Rew 2 erseh) gebracht, wo er in Haft behalten wird, bis der nächste Dampfer nach Europa zurückgcht. Dr. Eck en er-und seine Offiziere lehnten es ab, seinen Ramen bekanntzugeben, damit der Eindringling keine ungebührliche Publizität erhalte. Die Passagiere erklärten jedoch, es handele sich um einen Albert Buhskow aus Dortmund.
Die letzte Etappe.
Lieber den letzten Abschnitt des Zeppelinfluges liegen uns zahlreiche Meldungen vor, von denen wir nachstehend die wichtigsten registrieren:
Gegenwind von 85 Std.-Km
Reuyork, 4. August. (WTB.) Associated Preß gibt einen Funkspruch ihres Berichterstatters an Bord des „Graf Zeppelin" von 2,42 Llhr (7.45 Llhr abends MEZ) bekannt, nach dem das Luftschiff infolge des ungünstigen Wetters seinen Kurs geändert habe und d i ■ rekt nach Lakehurst fliegen werde, ohne Reuyork zu berühren. Rach einer weiteren Meldung habe der starke Gegenwind von 85 Stundenkilometer Dr. Eckener veran- laßt den Plan, Washington, Baltimore, Philadelphia und Reuyork zu überfliegen, aufgegeben und direkt Lakehurst anzusteuern. Trotz starker Winde sei der Himmel klar und die Sicht gut.
Lleberraschung für Reuyork.
Reuyork, 5. Aug. (WTB. Funkspruch.) Als „Graf Zeppelin" unerwartet übet Reuyork erschien, eilten Tausende, von dem mysteriösen Surren der Motoren angelockt, auf
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zahlreichen Zuschauer jubelten dem Schiff z u bis es außer Sicht war, und räumten Dann den Flugplatz. Um 20 Llhr abends (1.00 W MEZ.) erschien „Graf Zeppelin" über der Bucht von Reuyork und um 20.20 Llhr über der Stadt Reuyork.
Warum die Landung verschoben wurde.
Berlin, 5. Aug. (WTB.) Rach der amerikanischen Rundfunkangabe, die durch den Stuttgarter Rundfunk auf die deutschen Sender übertragen wurde, hat sich die Schiffsleitung des , Graf Zeppelin" im letzten Augenblick entschlossen, doch noch Reuyork zu überfliegen und dann erst gegen 2.45 Llhr morgens (mitteleuropäischer Zeit) in Lakehurst zu landen. Der Grund hierfür liegt darin, daß mit dem Eintreten der Rächt ein Abflauen des außerordentlich starken Windes erwartet wird und außerdem eine spätere Zeit n i ch t f o viel Gasabgabe nötig machen würde.
Zahlreiche Platzgesuche für den Weltflug.
Neuyork, 3. Aug. (WB.) Wie das hiesige! Bureau der Hamburg-Amerika-Linie bekannt gibt, sind zahlreichePlatzgesuche für den W e l t- rundflug des „Graf Zeppelin" emgegan- gen, davon viele von Frauen. Das Bureau kann jedoch nur drei Plätze .zuteilen, von denen zwei bereits vergeben find, und zwar an Joachim Richard, der den gegenwärtigen Amerikaflug als Passagier mitmacht, und an Morris Shu- nofsky, den Inhaber einer Großbäckerei in Neu- Rochelle. Die Teilnahme an dem Weltrundslug kostet I 9000 Dollar für jede Person.
Oie amerikanische Post für den Weltflug.
Neuyork, 4. Aug. (TU.) Seit Tagen laufen sowohl in Neuyork, als auch im Flughafen von Lakehurst große Mengen von Briefpost ein, die „Graf Zeppelin" auf seiner bevorstehenden Weltreise mitnehmen und in den verschiedenen Ländern, die das Luftschiff berühren wird, abfetzen soll. Der durchschnittliche Tageseinaang beträgt, in Gewicht ausgedrückt, etwa 2 Zentner. Dieser riesige Andrang ist um so beachtlicher, als dos Porto auch für amerikanische Verhältnisse ziemlich hoch ist.
Dau eines Groß-Zeppelin in Amerika.
Bericht der Saar-Regierung.
Gens, 3. Aug. (WTB.) Der Vierteljahresbericht der Saarregierungsko'm Mission für das zweite Quartal 1929 ist im Völ-t kerbundssekretariat eingetroffen. Derl Bericht behandelt neben den laufenden Verwaltungsfragen die wirtschaftliche und soziale Lage, die politische Lage, die Finanzlage und macht Angaben über die Aufnahme des Flugverkehrs von dem Mitte Mai dem Verkehr übergebenen Flughafen in Saarbrücken. In dem Kapitel über die soziale Lage wird die Aufbesserung de« Löhne der Bergarbeiter um fünf Prozent und
Ost-Westflüge überden Nord- atlantischen - Ozean.
Zum Amenkdrlug des Z.R127 ( Mdi 1929)
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Die bisherigen Ost-West-Flüge
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„Zeppelin" und „Bremen".
OieOeutschendie„amerikanischstenEuropäer".—OasIriesenhotelmitSchrauben. Beste Propaganda der Tat für Deutschland.
(Von einem Passagier der „Bremen".)
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