Nr. |29 Erster Blatt
U9. Jahrgang
Mittwoch, 5. Juni 1929
Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.
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Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.
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Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Chefredakteur.
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.
Die Zeitungsverleger über Röte der presse.
Eine nationalpolitische Kundgebung in der Westmark.
die nationale Würde. Das Bewußtsein Vollhafter Verbundenheit und Schicksalsgemein- schäft überspringt die polittschen Grenzen unv verknüpft uns mit den deutschen Stammesbrüdern, die außerhalb der Grenzen des Reicheleben.
WSR. Heidelberg, 4. Juni. Zu Beginn der heutigen Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverle- ge r begrüßte Präsident Kommerzienrat Dr. Krumbhaar die an der Versammlung teilnehmenden österreichischen Gäste und teilte mit, daß schon anläßlich der letzten Tagungen der Gedanke erörtert worden sei, eine der nächsten Tagungen in Wien abzuhalten.
Der Präsident der Vereinigung österreichischer Tageszeitungen, Kommerzienrat F l i e g e l, wies in einer längeren Ansprache darauf hin, daß es den Vertretern der österreichischen Verlegerschaft bereits möglich gewesen sei, an den Tagungen des Vereins Deutscher Zeitungsverleger in Köln, Dresden und Berlin teilzunehmen, eine Tatsache, die außerordentlich dazu beigetragen habe, nicht nur die persönlichen, sondern auch die beruflichen
Beziehungen zwischen der Presse Oesterreichs und Deutschlands zu erweitern.
Er freue sich, an dieser Stelle mitteilen zu können, daß die Anregung, eine Tagung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger in Wien abzuhalten, in der österreichischen Zeitungswelt mit starker Genugtuung ausgenommen worden sei, und er erlaube sich, auf einstimmigen Beschluß der Vereinigung österreichischer Tageszeitungen die Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger einzuladen, die Hauptversammlung des Jahres 1913 in Wien abzuhalten.
Der österreichische Pressechef Gesandter Ludwig, gab sodann die Erklärung ab, daß auch die österreichische Bundesregierung eine Tagung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger in Wien mit Genugtuung begrüßen würde, und er fügte hinzu, er glaube, den Teilnehmern an der Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger versichern zu können, daß die von den österreichischen Zeitungsverlegern vorgebrachte Einladung nicht dem Gefühle der Konvention, sondern einer H e rz e ns v e r p f lich t un g der österreichischen Bevölkerung entsprungen sei.
Die österreichische Einladung wurde auf Antrag des Vorsitzenden, Kommerzienrat Dr. Krumbhaar , unter lautem Beifall mit Zuruf angenommen. Zum Zeichen der Sympathie für Oestebreich und Wien erhob sich die Versammlung von den Plätzen.
Der Vorsitzende widmete bei Eintritt in die Tagesordnung den verstorbenen und hochverdienten langjährigen Mitgliedern des Vorstandes Dr. h. c. Lampert Lessing (Dortmund) und Dr.-2ng. e. h. Gustav Fuchs (Danzig) tiefempfundene Dantesworte. Dr. Krumbhaar ging dann in langen Ausführungen auf die schwierigen Wirtschaftsverhältnisse des Zeitungswesens ein und erläuterte im Anschluß daran die vielfachen Maßnahmen, die der D. D. Z. im letzten Jahre zur Abwendung der Schwierigkeiten in die Wege geleitet hat. Mit besonderer Betonung hob er die Vormachtstellung der Zeitungsanzeige im Werbungswesen und die Bestrebungen des Vereins, das Anzeigengeschäft !u reformieren und auf eine gesündere Basis zu teilen, hervor.
Danach sprach Geheimrat Dr. h. c. Waldkirch, Ludwigshafen, über die Tätigkeit des
Zeitungswiffenschastlichen Instituts in Heidelberg,
das jetzt im vierten Semester arbeitet. Er dankte den Verlegern, die jetzt und weiterhin dem Institut ihr tätiges Interesse schenken. Rur auf der Basis verständnisvoller gemeinsamer Arbeit von Verlegern und Redakteuren könne die Aufwärtsentwicklung des deutschen Zeitungswesens erfolgen. Eine reichhaltige Sammlung von Zeitschriften und Zeitungen muhte zusammengebracht werden. Eine Bibliothek, die nach Möglichkeit alle Publikationen enthält, die für das Zeitungswesen von historischer Bedeutung sind, befindet sich im Aufbau. Der technische, organische und publizistische Werdegang der Zeitungen werde den Studierenden bei intensiven Besichtigungen von Verlagen praktisch dargetan Der For- schungsarbeit steht die Lehrtätigkeit, die dem Grundgedanken dient, einen ausreichend geschulten Rachwuchs heranzubilden, der die Erhaltung der produktiven und schöpferischen Arbeit für die Zukunft sichert, ein Problem, das gerade für das Zeitungswesen so dringlich ist, gegenüber.
lieber das Thema
„Wachsende Gefahr für das Zeitungswesen^ sprach Prof. I. F. Wolf, Dresden. Er führte den Rachweis, wie man allenthalben versl^e^^entweder auf Schleichwegen oder durch wirtschaftliche oder andere Machtmittel die Presse wirtschaftlichen und rein persönlichen egoistischen Interessen hörig zu machen. Hierher rechnen alle Versuche, reine Reklameartikel in die Zeitungen hineinzu- schmuggeln, indem man ihnen den Anschein givt, als handele es sich um ein öffentliches Interesse. Es kommen hinzu alle die gefährlichen Versuche, durch Androhung von Jnseratenboykott usw. die Zeitungen dem Willen einzelner kompakter Rca- ioritäten gehorsam zu machen. Höher als alle wissenschaftliche Schädigung schätzte der Vortragende die ethische und moralische Schädigung der Leitungen durch Willfährigkeit gegen solche Ansinnen ein. Der redaktionelle Stand der
deutschen Zeitungen halte sich im großen und ganzen rein von privatwirtschaftlichen und Reklamedingen, aber angesichts der wachsenden Gefahr und Schwierigkeiten, in denen sich viele Zeitungen befinden, müsse in kameradschaftlicher Zusammenarbeit etwas dafür geschehen, daß die Gefahr erkannt wird. Einer zielbewuhten Presse, die die Gefahren erkennt und die gemeinsam und kameradschaftlich handelt, und sich von ihren Grundsätzen, weder durch die Androhung wirtschaftlicher Schädigung, noch durch andere machtpolitische Drohungen abbringen läßt, kann eine ernsthafte Gefahr nicht drohen, weil an einer einigen Front, die sich der Bedeutung der Freiheit der einzelnen Zeitungen in jeder Beziehung _ und überall bewußt ist, diese Gefahr einen unüberwindlichen Damm findet.
Kleber das
Anzeigenwesen
berichtete E. K. v. Zweck (Bernburg). Er legte der Versammlung im Auftrage des Vorstandes folgende Entschließung vor:
«Die am 4. Juni 1929 in Heidelberg tagende ordentliche Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger hat einstimmig folgende Entschließung gefaßt:
Die sich dauernd mehrenden systematischen Versuche gewisser Inserenten und insbesondere die Jnserentenverbände, den Zeitungen die Anzeigenpreise und Anzeigenbedingungen zu diktieren und darüber hinaus auch ihren redaktionellen Teil ihren privatwirtschaftlichen Sonderinteressen nutzbar zu machen, gefährden aufs allerschwerste die Grundlage und innere Unabhängigkeit der Zeitungen. Derartigen Bestrebungen der Inserenten leisten manche Zeitungen und Annoncenexpeditionen Vorschub, indem sie in kurzsichtiger Verkennung der unausbleiblichen Folge einen ungesunden und übersteigerten Konkurrenzkampf untereinander führen und sich hierbei selbst den unbilligsten und unerhörtesten Forderungen der Inserenten fügen. In all dem muß eine Höch st e Gefahr für die deutsche Presse erblickt werden.
Die Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger ist sich bewußt, daß eine grundlegende Besserung der zur Zeit unerträglichen Zu stände im Anzeigenwesen nur dann wird erreicht werden können, wenn die Grundsätze eines ordnungsmäßigen Geschäfts im Anzeigenwesen wieder zur herrschenden Geltung gebracht werden und wenn die Zeitungsverleger den wachsenden Angriffen auf die Freiheit der Zeitung und mittelbar auf die Freiheit der Presse überhaupt eine geschlossene Front entgegenstellen!"
Begrüßungstelegramme:
An den Herrn Reichspräsidenten in Berlin: «Die zu ihrer diesjährigen Tagung aus allen Teilen Deutschlands in Heidelberg versammelten Deutschen Zeitungsverleger entbieten Ihnen, Herr Reichspräsident, einen ehrfurchtsvollen Gruß. In Ihnen verehrt das deutsche Volk den über den Meinungen und Parteien stehenden Führer, dessen hohes Vorbild gerade in unserer Zeit, mehr als je beispielhaft wirkt. Der Verein Deutscher Zeitungsverleger ist sich seiner verantwortungsvollen Aufgabe bewußt, durch Sammlung der in der deutschen Presse lebendigen geistigen Kräfte mitzuarbeiten an dem großen Einigungswerk, an der 11 e b e r w i n d u n g der zersplitternd wirkenden übertriebenen Gegensätze, die das Wohl der deutschen Ration schmälern. Verein Deutscher Zeitungsverleger, Dr. K ru m b h a a r."
An den Herrn Reichskanzler: „Dem Herrn Reichskanzler sprechen die in Heidelberg versammelten Deutschen Zcitungsverleger für die zugleich im Ramen der Reichsregierung übermittelten Wünsche aufrichtigsten Dank aus. Die Versammlung erinnert sich aus diesem Anlaß mit besonderer Freude der anerkennenden Worte, die Sie int vergangenen Jahre, anläßlich der Berliner Hauptversammlung, für den Verein Deutscher Zeitungsverleger gefunden haben. Ihre hohe Auffassung von den Aufgaben der Presse wird von dem Verein Deutscher Zeitungsverleger in ihrer Gesamtheit geteilt."
An Herrn Reichsaußenminister Dr. Strese- mann: „Die Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger gedenkt auch in diesem Jahre mit Dankbarkeit des Führers der deutschen Außenpolitik, der mit unbegrenztem persönlichen Opfermut und unbeirrbar dem Ziel der deutschen Wiedergeburt zustrebt. Mögen Sie, hochverehrter Herr Minister, auf Ihrem schwierigen Wege begleitet werden von dem wachsenden Verständnis allerDolks- genösse n.“
Oer Ausklang.
Heidelberg, 5. Juni. (WTB. Funkspruch.) Zu einem festlichen Höhepunkt der diesjährigen Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger gestaltete sich gestern abend in den Räumen des Stadthallenbaues ein Bankett, zu dem mehrere hundert Teilnehmer an der Tagung mit ihren Damen erschienen waren. Rach einer musikalischen Darbietung begrüßte der Vorsitzende des Vereins Deutscher Zeitungsver
leger, Kommerzienrat Dr. Krumbhaar, die Gäste mit einer Rede, in der er betonte, die diesjährige Hauptversammlung sei eine
nakionalpolitische Kundgebung in der Westmark für die besetzte bayrische Pfalz,
zu der man mit wärmster herzlicher Teilnahme hinüberblicke. „So gedenken wir", führte Dr. Krumbhaar aus, „heute an erster Stelle unserer Brüder jenseits des deutschen Stromes, die auf noch nicht befreitem Boden leben müssen, und gedenken mit Stolz unserer tapferen Pfälzer Zeitungskollegen, die nun schon ein Jahrzehnt lang die ganze Schwere fremden Druckes aufrecht und mannhaft ertragen haben und ertragen. Der Dank der deutschen Presse und des gesamten deutschen Volkstums ist ihnen sicher. Möge das Bewußtsein, daß wir alle in engster seelischer Verbundenheit hinter ihnen stehen, sie weiter stärken im Ausharren, bis zur Stunde der endlichen Befreiung." In einem Rückblick und einer Würdigung besonders der politischen Bedeutung der Presse, gedachte der Redner des Vorkämpfers der deutschen Zeitung, ©örred, und dessen hoher Auffassung von den Aufgaben der deutschen Presse. In seinem Sinne habe auch heute der deutsche Zeitungsverleger zur Grundlage seines Denkens und Handelns das Bewußtsein, daß er in Erfüllung einer ethischen Pflicht die letzte und höchste Verantwortung für seine Zeitung trägt, eine Verantwortung, die heute ungeheuerlich gesteigert ist. In den Händen 5er Verleger und Redakteure ruht
Der badische Kultus- und llnterrichtsminister Dr. L e e r s erklärte in seiner Begrüßung, die Zusammenarbeit der Zeitungen mit der Regierung müsse unter dem Zeichen des gleichen Zieles stehen, uns emporzuringen aus der Rot des Deutschen Volkes.
Geheimer Legationsrat Dr. von Kaufmann überbrachte die Grüße und Wünsche der R e i ch s r e g i e r u n g für die diesjährige Tagung. Er schloß mit dem Wunsche, daß die gemeinsame Arbeit von Regierung und Presse immer stärker, eindringlicher und wirkungsvoller dem Dolksganzen diene.
Rach einer Begrüßung des Heidelberger Oberbürgermeisters sprach der Rektor der Universität Heidelberg über die enge Verbundenheit zwischen Universität und deutscher .Tagespresse durch die gemeinsame Gründung deS Heidelberger Instituts für Zeitungswesen.
Hierauf gedachte Professor Wolf (Dresden) der Kollegen in Eupen-Malmedy und im Saar« gebiet. Diese Kundgebung wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen, ebenso wie folgendes, durch Professor Wolf bekanntgegebenes Telegramm des demnächst nach Deutschland kommenden amerikanischen Senators Borah an die Hauptversammlung: „Ich übersende der Presse die herzlichsten Glückwünsche. Die Aufgabe der deutschen Presse war in den letzten Jahren keine leichte. Aber ihre Bahn war durch Zähigkeit und Mut gekennzeichnet. Ich bewundere das deutsche Volk und ich wünsche, daß ihm Erfolge beschieden sein möchten."
Oer Vesuv in großer Tätigkeit.
Neapel, 4.3unl (WB.) Wie der Leiter des Vesuv-Observaloriums mitteilt, hat im Lause des Vormittags die Tätigkeit des Vulkans erheblich zugenommen. Der aus dem kleinen Kegel herausfliehende Lavastrom weist eine Breite von 20 Meter und eine Schnelligkeit von zwei Meter In der Minute auf. Die Lava füllt das ganze Höllental aus und teilt sich dann in zwei Arme. Der eine flieht nach Terzigno, der andere, der auf der Lava vom Jahre 1906 herunterläust, hat schon in der Ebene das Laoafeld von Eoposecchi erreicht. Die Explosionen sind gewaltig.
Am 12.25 Ahr wird mitgeleilt: 3n diesem Augenblick ist eine beträchtliche Zunahme des Laoaergusses aus dem Kegel zu bemerken, dessen innerer Teil in einen brodelnden See von einem Durchmesser von 50 Meter verwandelt ist. Aus dem See ergießt sich der Strom mit großer Wucht und bei einer Geschwindigkeit von drei Meter in der Minute. Der Direktor des Observatoriums habe das grohe Tal von Eupaccio besichtigt, wo sich der Lavaerguh mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 15 0 Meter in der Stunde bewege.
Am 14JO Uhr erfolgte ein neuer Ausbruch des Vesuvs, der unter donnerähnlichem Krachen und einer riesigen Rauchsäule große Lavamassen und schwere Steinblöcke herausschleuderte. Rach diesem Ausbruch hat die Tätigkeit des Kraters fast ganz aufgehört, und der Direktor des Vesuv-Obseroatoriums ist der Ansicht, daß die Ausbruchstätigkeit in kurzer Zeit beendet sein wird.
Gewaltige Lavamaffen.
Neapel, 5.3uni. (WTB. Funkspruch.) Entgegen den Erwartungen hat die Tätigkeit des Vesuvs gestern abend außerordentlich zugenommen, von 7.30 bis 9.15 Uhr über- strömten gewaltige Lavomassen das ganze Kraterplateau und wälzten sich in breitem Strome an das Höllental. Anter feurigem Schlacken - und Aschenregen erfolgte eine f Stunden lang dauernde heftige Eruption. 3nfolge des Aschenregens und der erneut strömenden Lava muhte man zahlreiche Touristen, die herbeigeeilt waren, um das Naturschauspiel zu beobachten, veranlassen, umzukehren. Gegen 8.15 Uhr lieh die Tätigkeit des Kraters plötzlich nach. Schätzungsweise beträgt die a u s g e st r ö m t e Lava ungefähr 800 0 0 0 Kubikmeter.
Räumung von Tercigno.
Neapel, 5.3uni. (WTB. Funkspruch.) Die Eruptionstätigkeit des Vesuvs, die nach dem letzten Ausbruch gegen 9 Uhr abends aufgehört zu haben schien, ist im Laufe der Nacht mit solcher Heftigkeit wieder aufgeflammt, dah man sich entschlossen hat, das Dorf Tercigno, dessen erste Häuser bereits von der Lava bedeckt sind, vollständig zu räumen. Geleitet von Karabinirie, die darüber zu wachen haben, dah niemand in der Gefahrenzone zurückbleibt, verliehen die Einwohner die Häuser, viele unter Tränen, während in aller Elle die Akten der Bürgermeisterei und des Standesamtes auf Lastkraftwagen geworfen und in Sicherheit gebracht wurden.
Regelung in der belgischen Mrksrage.
Paris, 4. 3uni. (WTB.) heute nachmittag sechs Ahr findet eine Vollsitzung der Reparationskonferenz statt, in der die Formalitäten für die Unterzeichnung des Schluhberichtes festgesetzt werden sollen, die nun möglich wird, nach dem das Hindernis wegen der Regelung der belgischen Forderung bezüglich der Markbanknoten allgemein als beseitigt angesehen wird.
Das offizielle Communiqus.
Paris, 4. 3uni. (WTB.) Heber die heule nachmittag staltgefundene Vollsitzung der Reparationskonferenz, die um 18 Ahr begonnen und z Stunde gedauert hat, wird folgendes Kommunique ausgegeben: 3n der Vollsitzung das Sachverständigenausschuffes ist heute nachmittag eine llebereinstimmung über alle wesentlichen Punkte erreicht worden. Der Ausschuh wird sich nunmehr dem beschleunigten Abschluß des Berichtes zuwenden, in der Erwartung, dah dieser Bericht vor Ende dieser Woche zur Anterzeichnung bereit ist.
Die Belgier sind die einzigen gewesen, die in Paris all die Wochen hindurch die Nerven behalten haben. Das war zwar für sie verhältnismäßig einfach, weil sie sich in dem Hauptkampf zurückhalten und ihre Kräfte aufsparen konnten, um, wenn die andern einig waren, mit ihrem Sondervorftoß zu
kommen und eine Entschädigung zu verlangen für die Markanten, die sie aus der Besatzungszeit noch in ihren Tresors liegen haben. Diese Ermattungs« strategie — die allerdings einen leisen Beigeschmack von Erpressung hat — ist von Erfolg gekrönt gewesen, sie war freilich nur durchzusetzen, weil Belgien immer noch den Glorienschein des unschuldig Uederfallenen mit sich herumträgt und von den Gläubigerstaaten wie ein etwas verzogenes Kind behandelt wird. Jedenfalls muß doch einmal fest- gestellt werden, daß ein Zwang für Deutschland, sich überhaupt auf derartige Verhandlungen einzu- laffen, nicht vorlag, denn erstens hat Belgien schon im Versailler Vertrag als Komvensation für diese Beträge die Priorität in der Reparation erhalten und ist auch von den Vereinigten Staaten bei der Abgeltung seiner Schulden besonders gut behandelt worden. Zum andern aber legt der Dawesplan ausdrücklich fest, daß mit den 2VÄ Milliarden, die wir jährlich als Kriegsentschädigung zahlen müßten, alle Ansprüche abgegolten wären, also auch die belgischen Forderungen. Trotzdem hat Deutschland sich schon früher zu Sonderverhandlungen bereit erklärt, die allerdings, worüber nach der ganzen Vergangenheit ja gar kein Zweifel sein konnte, rein politischen Charakter hatten. Belgien ist ja mit seinen Ansprüchen auch schon sehr viel bescheidener geworden.
Als^ die deutschen Truppen ab rückten, wurden die während der Desahungszeit in Umlauf gesetzten Markbeträge zum vollen Goldkurse gegen


