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Eröffnung derGenserÄalsiagung

Das Miuderheitenproblcm.

Genf, 4. März. (WTB.) Der DölkerbundS- rat hat heute vormittag um 11 Llhr mit der üblichen vertraulichen Schung unter dem Vorsitz Les neuen Ratspräsidenten S c i a l o j a seine 54. Tagung begonnen. Diese vertrauliche Sitzung dient, wie gewöhnlich, der endgültigen Aufstellung der Tagesordnung, die inzwischen durch eine zwischen dem stellvertretenden südslawischen Außenminister Kumanudis und dem ungarischen Gesandten in Vern Hevesh gestern getroffene Ab­machung über die Vertagung des süd­slawisch-ungarischen Och tauten st rei­te S entlastet worden ist. Beide Parteien haben sich mit einem Vertagungsantrag brieflich an den Generalsekretär gewandt, um zu versuchen, durch direkte Verhand.ungen bis zur Juni-Tagung des Dölkerbundsrates au einer Verständigung zu ge­langen. Damit bildet der litauische Antrag auf Hinzuziehung zu der grundsätzlichen Er­örterung der Minderheitenfrage den Hauptgegenstand der vertraulichen Eröffnungs­sitzung.

Anläßlich der neuen Ratstagung sind außer Len Außenministern der fünf Ratsmächte Deutsch­land, England, Frankreich, Finnland und Polen auch die Außenminister Südilowiens,Grie­chenlands, Vulgär.ens a,r Lo.intagatend in Genf eingetroffen. Die Anwe.enheit dieser drei Außenminister wird ebenfalls mit dem zur grund­sätzlichen Erörterung stehenden Minder^eitenpro- blem in Zusammenhang gebracht. Sie dürfte aber vor allem bedingt sein durch die für diese Woche in Gens gp'ante tTn er'eichnunz des neuen grie­chisch-südslawischen Freundschafts­vertrages uno der gleichzeitig getroffenen Wirtschaf tsabmachungen, duru) die bekanntlich auch eine Freihafenzone in Saloniki geschaffen werden soll. 3m Anschluß sollen die beiderseitigen mit Dulgar en geführten Verhand­lungen durch gemeinsame Desprechungen der Außenminister dieser drei Länder gefördert werden.

Unter den hier weilenden diplomatischen Gä­sten ist noch der frühere belgische Dotschaf- t e r in London, D a r o n M o n ch e u r , zu er­wähnen, der auch bei der letzten Ratstagung in Lugano als Beobachter anwesend war. Außerdem weilt der polnische Politiker Kor - f an tt). der bekanntlich die Verha'tung des Ge­schäftsführers des Deutschen Volksbundes, 11 l i h , verurteilt hatte, seit Sonntagabend in Genf, wo er in dem Hotel der polnischen Delegation abge- stiegen ist. Der Dölkerbundsrat hat zu dem litauischen Antrag auf Hinzuziehung zu der grundsätzlichen Erörterung des Minderheitspro­blems den Beschluß gefaßt, ein kleines Iuristen- komitee einzusehen, das die von Litauen auf Grund von Art. 4 des'kirbundspaktes ausgeworfene Frage einer Vorprüfung unterziehen soll.

Endkampf

um das Einwanderungsgesetz.

Die Schlußsitzung des amerikanischen Senats

Washington, 4. März. (WTB. Funk p uch) 3n der letzten Sitzung des alten Senats, heute vormittag, versuchten die Senatoren D i n g h i m und Rye nochmals, den Quotenauffchub zur Abstimmung zu bringen, aber Senator Reed (Pensylvania) sprang sofort auf und er­klärte vor den vollbesetzten Tribünen, er werde die Abstimmung verhindern. Jeder Gesetzentwurf müsse in drei Lesungen beraten werden, und zwar, sofern nicht Einstimmigkeit er­zielt werde, an drei verschiedenen Tagen. Diese Einstimmigkeit sei nicht gegeben, da er protestiere. Aber auch sachlich sei der Quotenaufschub unbe­gründet. Denn Deutschland habe nach den besten Statistiken nur 17 Prozent der ameri­kanischen Bevölkerung gestellt und sei daher zu nicht mehr als einem Sech st el der ge­samten Einwandererzahl berechtigt. Eine weitere Diskussion wurde unmöglich, da nunmehr dre Mitglieder des Repräsentantenhauses, des Ober- bunbesgerichtes und des diplomatischen Korps in feierlicher Prozession in den Sitzungssaal des Senats einzogen und die sachlichen Beratungen daher endgültig beendet waren.

Derprasibentenwechselinll.SLl.

Hoovers Antrittsrede.

Washington, 4. März. (WTB.) Präsi­dent Hoover hat sich heute mittag nach der feierlichen Amtseinführung mit Coolidge und großem Gefolge zu der vor dem Kapitol errich­teten Tribüne begeben, wo et eine durch Rundfunk im ganzen Lande verbreitete An­sprache hielt, in der et die Ziele feiner Po­litik darlegte. Die amerikanische Ration sei aus der Rachkriegsperiode kräftiger denn je hervorgegongen. Sie erfreue sich eines großen Wohlstandes im Inland und großer Achtung im Ausland. Sie dürfe jedoch nicht außer acht lassen, daß die Gleichgültigkeit gegenüber Gesetzen und besonders die Verbrechen im Zusammen­hang mit der Prohibition erheblich zu- ?ienommen haben. Hierin liege eine große Gefahr ür die Ration. Er, Hoover, werde die Einsetzung einer Kommission Vorschlägen zum Studium der Pläne für eine Reform der Bundesver­waltung und der Strafprozehordnung zwecks strengerer Durchführung der Prohi- bitionSbestimmungen uno schnellerer und strengerer Bestrafung der Schuldigen. Ent- sprechend dem Wunsche der Wähler trete er f ü r die private Initiative und für mög­lichste Ausschaltung behördlichen Besitzes oder behördlicher Verwal­tung von geschäftlichen Unterneh­mungen ein. Fetner werde er eine besondere Kongreßtagurg einten-fen zur Durchführung ter versprochenen Hilfe für die Farmet sowie zur Aenderung des Zolltarifs, die je­doch nur in beschränktem Umfange dutchzusühren sei. Als außenpolitische Richtlinien bezeichnete Hoover den Wunsch nach Frieden mit anderen Rationen und zwilchen ihnen sowie dem Aus­bau deS Kellogg Paktes durch weitgehende Anwendung des Schieds- und Detgleichswesens durch Eintritt in den WeltgerichtShof und durch Beschränkung der Rüstungen. Er lehnte dagegen den Eintritt in den Dollerbund ab, durch dessen Satzungen die Mitglieder in fremde Streitigkeiten bertoidelt werden könnten. Hoover prollamierte die Freundschaft der Bereinigten Staaten mit den lateinamerikanischen Republi­ken und sprach den Wunsch aus, daß ihre Un­abhängigkeit erhalten, bleibe und ihre Stabilltät

9er Reichshaushalt im Rotjahr 1929.

Oer Kampf upt die Steuern. Das Kürznngsprogramm der Bolkspartei und des Hansabundes

Berlin. 5. März. (Ptiv.-Tel.) Rachdem die Politiker aus dem Koalitionstausch wieder auf- gewacht sind, beginnt allmählich daS Schreck­gespenst des Steuerprogramms im Zu­sammenhänge mit ter Etatssrage erneut herauf- zudämmern. Wie wir erfahren, erwägt man in den Kreisen der Deutschen Dolkspartei, ob bas von ihr unter dem Motto: Keine neuen Steuern ausgestellte Finanzprogramm, das das offene Defizit durch noch weitere energische Abstriche aus der Welt schaffen will, nicht doch schon jetzt, bevor ter Etat im Blenum behandelt wird, veröffentlicht werten imte. Tie Deutsche Dolkspartei verspricht sich in diesem Zusammenhänge auch eine gute Wir­kung ihrer Devise auf die anderen Parteien. Welche Posten sie im einzelnen im Haushalts­voranschlag noch streichen will, ist nicht zu er­fahren, da bas Programm der Partei bis jetzt wenigstens rwch geheim gehalten wird. Allerdings wird man in der Annahme nicht fehlgehen, daß bei eventuell beabsichtigten Kürzungen der Soziallasten erneute starke Auseinander­setzungen mit den Sozialdemokraten wie ater auch mit dem Zentrum einsetzen würden. Aus volks- varteilichen Kreisen versichert man uns jedoch, oah man im Haushaltsvoranschlag genügend andere Posten gefunden hat, die In An­betracht des Rotjahres in diesem ZwangSetat keine vordringliche Existenzberechtigung hätten.

Auch ter Hansa-Dund wird mit seiner bereits angekündigten Denkschrift, die sich in denselben Ideengängen bewegt wie der Plan ter Dolkspartei, ter wahrscheinlich im wesent­lichen eine Folge ter Initiative des Hansabundes ist, zu gleicher Zeit mit der Eröffnung der Plenarberatungen des Etats, also etwa Mitte März, an die Oef.entlichkeit treten. Auch in dieser Denkschrift, die ebenfalls unter dem Motto: Keine neuen Steuern steht, wird, wie wir er­fahren, in der Fvrm eines bis ins einzelne ausgearteiteten Programms die Beseitigung des Defizits durch weitere Streichun­gen am Etatsvoranschlag durchgeführt, wobei man ebenfalls davon ausgezangen ist. die sozialen Posten soweit es nur geht, verschont zu lasfen. Man darf gespannt sein, wie sich dieser Hexen­sabbat um das Steuerprogramm weiter entwickeln wird, doch muß damit gerechnet werden, daß es zu ernsten, vielleicht den ernstesten inner- politischen Auseinanderfetzungen kommen wird.

Reichminister Koch zur innerpolitischen Lage.

Landesparieitag der hessischen Demokra­tischen Partei

Worms, 3. März. Samstag und Sonntag tagte hier der Parteitag der hessischen Demokraten. Nach der Vorstandssitzung und verschiedenen Ausschuß- sitzungen fand Samstag abeno eine Begrüßungs- Versammlung statt, in der Reichstagsabgeordneter Professor Dr. Hellpach überWeniger Staat" sprach. Am Sonntag wurde der eigentliche Partei­tag mit einer Begrüßung durch den Abg. Schreiber eingeleitet. Den Geschäftsbericht erstattete Dr. Kunze, worauf Abg. Reiber die Landespolitik behandelte. Im Mittelpunkt des Parteitages stand eine großan­gelegte Rede des Parteivorsitzenden, Reichs' ju st izmi nister Koch. Wes er, überReichs- Politik unter besonderer Berücksichtigung des Em- heitsstaates". Der Minister beklagte in feiner Rede das erneute Scheitern der Regierungs- Verhandlungen, dieses Mal verursacht durch das ultimative Auftreten der Deutschen Bolkspartei. Heute sieht es fast so aus, als ob die Regierung be­freundet sei mit dem Zentrum, das keine Min.ster in der Regierung habe, aber nicht mit der Deut- fchen Volkspartei, die darin vertreten sei. Wortlaut und Geist der Derfasiung werden durch den Parte,ismus bei der Regierungsbildung ver- letzt. Der Antrag der Deutschen Dolkspartei, den Sturz einer Regierung von dem Beschluß einer qualifizierten Mehrheit abhängig zu machen, mutet in einem Augenblick sonderbar an, wo die Deutsche Volkspartei nach neun Monaten der Verhandlungen nicht einmal auf gleichem Fuß mit den anderen

Parteien mitwirken will, eine Regierung zu hüben. Nur eine starke und geschlossene Koalitionsregierung vermag durch organisatorische Aenderungen E r - s p a r n i s s e zu erzielen, die dauernder und größer sind, als einzelne Abstriche am Etat. Indem man nach den Vorschlägen der Deutschen Bolkspartei die lleberroeifungen an Länder und Gemeinden um 300 Millionen Mark kürzt, ohne bei ihnen organi - satorische Aenderungen vorzusehen, veran­laßt man nur, daß die Wirtschaft und der Mittel- stand mit höheren Grund- und Ge- werbe steuern belastet wird. Man muß in die Regierung gehen, um in sachlicher Arbeit Der­rn a l t u n g s r e f o r m und Reichsreform durchzusetzen. Die Arbeiten der Länderkonferenz sind hoffnungsvoll. Ich hoffe, daß die Länderkonferenz in wenigen Monaten zusammentreten und mit Stimmenmehrheit eine Plattform beschließen wird, die dem Reichstag vorgelegt und erforderlichenfalls zum Volksentscheid gebracht werden kann. Zum Schluß seiner Rede kam der Reichsjustizminister auf Hessen zu sprechen, indem er ausführte: Daß in Hessen das Streben nach dem Einheitsstaat beson­ders stark ist, liegt in der unglückseligen Gliederung dieser Gegend, liegt auch an seiner Finanznot. Hessen befindet sich ohne Frankfurt ungefähr in der gleichen Lage, in der sich Preußen und seine östlichen Provinzen ohne Berlin befinden würden. Trotzdem ist die Teilung hier wie überall schwierig. Hesien muß feine Kraft in erster Linie für eine Gesamtlösung zur Verfügung stellen.

Oer Reichsrat und das Etats- -efizit.

Eine Doppelvorlage wahrscheinlich.

'Berlin, 5. März. (VDZ.) DaS Reichskabi- nett wird den Haushaltsplan für 1929 dem Reichsrat mit alleiniger Berücksichtigung der De- gierungSvorschläge unterbreiten. Danach soll also das Defizit von 32D Millionen gedeckt werden durch 120 Millionen Abstriche bei den Lleberweisungen an Länder und Ge­meinden, ferner durch eine Erhöhung der Bier- und Erbschaftssteuer, sowie der Abgaben vom Spiritusmonopol und für eine einmalige besondere Vermö­genssteuer. Tieoffene Feldschlacht" wird Datei für die Reichsregierung in voller Schärfe einsetzen: denn die Länderabstriche dürften eine Mehrheit gegen fich haben. Außerdem lehnt Bayern die Diersteuererhöhung ab, während Preußen, Sachsen und andere Industrieländer Gegner der zum Ausgleich gebotenen Umsatz­steuer sind. Preußen hält seine Aenterungs- vorschläge bereit. Es ist nicht ausgeschlossen, daß eine D o p p e l v o r l a g e des Etats an den Reichstag kommt und daß eine Mehrheit im Reichsrat den Ausgleich durch Abstriche am Wehretat sucht.

Ein Erneuerungskabinett:

Hoffnungen auf eine Initiative des Reichs­präsidenten.

Berlin. 5. März. (Priv.-Tel.) Schon wäh­rend der Verhandlungen um die Große Koa­lition tourte verschiedentlich angeregt, ja gerade­zu gefordert, daß der Reichspräsident seine persönliche Autorität für eine bessere Wen­dung ter so verfahrenen Situation einsehen sollte. Ater auch nachdem die Große Koalition geschei­tert ist, verstummen in politischen Kreisen, die zum Teil ter Dollspartel nahenehen, aber auch andern Gruppen angehören, derartige Wunsche nicht. Man denkt daran, daß Hindenburg nach dem Wiederzusammentritt tes Reichstags am 13. März die Initiative zu einer neuen Kabinettsbildung ergreifen soll. Ein energischer und vertrauenswürdiger Kanzler hätte bann ohne Rücksicht auf Frak­tionsbindungen ein Kabinett zusammen- zustellen, das beweglicher als die heutige Re­gierung und gleichzeitig auf breiterer Basis gleichsam unter dem SchlagwortDaS Vr - neuerungStabinett" den steckengebliebe- nen Wagen wieder auf den Weg bringt. Statt ter Bindung an die Fraktion tourte man direkt an das Vertrauen der Massen ap­pellieren. Wird ter Wunsch als Vater des Gedankens zu seiner Realisation kommen und eine wirkliche Lösung bieten?

und ihr Wohlstand gefördert würden. Amerika hoffe, daß auf ter ganzen Welt dauernder Friede herrschen werte.

Präsident Hoover und Vizepräsident Curtius wurden durch Oberrichter Taft vereidigt. Curtis leistete dabei den Eid aus eine deutsche Bibel. 500 Züge und unzählige Automobile brachten zu dieser Feier 200 000 Fremde hrran. so daß sie unter ungeheurer Beteiligung vonstatten ging. Das Wetter war günstig und Flugschiffe und Luftschiffe üterflogen während ter Vereidigung das Kapitol. An die Feier schloß sich eine große Parade an. Zu der gleichen Zeit, als die feierliche Amtsübernahme durch den neuen Präsidenten Hoover erfolgte, schloß der 70. Kongreß in. aller Stille seine Ar­beiten. Hm 10 Ähr vormittags versammelten sich die Mitglieder tes Repräsentantenhauses in dem säst leeren Sitzungssaal, und um 11 Uhr führte Dawes zum letztenmal den Vorsitz im Senat. Darauf begaben sich die Mitglieder tes Reprä­sentantenhauses in den Sitzungssaal des Senats, um ter Hebergate tes Amtes seitens Dawes an den neuen Vizepräsidenten der Vereinigten Staa­ten, CurtiS, teizuwohnen, ter damit gleich­zeitig Präsident des Senats wird. Hoover und Coolidge sowie das Diplomatische Korps und die hohe Beamtenschaft ter verschiedenen Res­sorts waren bei ter Amtsübernahme zugegen. 2!ach ter Vereidigung des Vizepräsidenten Curtis tourten verschiedene Ernennungen, dar­unter die ter Mitglieder tes neuen Kabinetts Hoover, in einer Sondersitzung bestätigt. Sine halte Stunde später war Hoover Präsi­dent unb Coolidge nach 30jähri^er Tätig­keit in Regierungsdiensten weder einfacher Bür­ger geworden. Coolidge und Gattin begaben sich -um Dabnhos und reiften nach ihrem Besitztum in Rortyampton (Massachusetl).

Oie Absichten Trohlis.

Berlin, 5.März. Im Zusammenhang mit dem Ginreifegesuch Trotzkis nach Deutsch­land hat die Reichsregierung lautVorwärts" in Konstantinopel verschiedene Rückfragen ge­

halten. Sie beziehen sich u. o. insbesondere auf die künftigen Absichten Trotzkis, d. h., ob er dauernd in Deutschland zu verbleiben gedenkt oder nur Aufenthalt zu einer Kur zu nehmen beabsichtigt.

Oie Todesfälle in der französischen Besahungsarmee.

Paris. 4. März. (WB.) DerParis Soir" bestätigt die Meldung des .Quotibien, daß 30 Soldaten ter Desahungsarmee in Trier infolge der Kälte gestorben sind. Das Blatt er- klärt, das Kriegsministerium stelle diesen Vorfall nicht mehr in Abrede und gebe freimütig zu, daß die Angelegenheit einige Beunruhigung aus- löste. Eine Untersuchung sei angeorbnel worden. DaS Kriegsministerium bestätigt selbst in einer ter Presse ^gegangenen Mitteilung was von deutschen Blättern berichtet und von den franzö­sischen Zeitungen abgeleugnet Worten war daß die in der Rheinarmee herrschende Grippe einen epidemischen Charakter angenommen hat. In der Mitteilung tes Kriegs» ministeriums wird jedoch nicht angegeben, wie­viel Todesfälle zu verzeichnen sind.

Gandhi verhaftet.

Boylottrcde des indischen Nationalisten- führers. zusammcnftost mit der Polizei.

London, 5. März. (WTB. Funkspruch.) Die Blatter melden aus Kalkutta, daß dort der Ratio- nallstenfuhrer Gandhi und andere indische Ratio- nalisten, darunter Dr. R o y, nach heftigen Zusam- menstohen, die an die Unruhen der Jahre 1926 und 1927 erinnerten, verhaftet worden seien.

Hunderte der Anhänger Gandhis hatten sich ver- sammelt, um eine Rede von ihm anzuhören, und versuchten danach, Freudenfeuer aus aus- länbifdjen Stoffen, die in der ganzen Stadt zusammengesucht waren, zu veranstalten. Die Po- lizei sollte das Anzünden der Freudenfeuer verhin­dern, aber Gandhi, der in feiner Rede für den vollständigen Boykott ausländischer

Stoffe eingetreten war, erklärte der Menge, daß er alle Verantwortung für das Anzündcn der Freu­denfeuer übernehme. Daraufhin setzte die Menge so­fort die riesigen Stofshaufen in Brand und als die Polizei versuchte, das Feuer zu löschen, kam es zu einer Bewerfung mit Ziegeln und Steinen. Bei einem hierauf erfolgenden Massenangriff auf die Polizei wurden mehrere europäische Polizeisergeanten und eine große Zahl indischer Polizisten verletzt. Berittene Polizei wurde in Eile herbeigerufen und die Ordnung schließlich wieder- hergestellt. Gandhi wurde später gegen Kaution aus freien Fuß gesetzt. Er führt heute nachmit­tag nach Burma ab. Nach seiner Rückkehr nach Kal­kutta wird er vor Gericht gestellt werden.

Schweres Explosionsunglück in Sofia.

28 Todesopfer eines Arfenalürandes

Sofia. 4. März. (Telun.) Gegen mittag ent­stand im hiesigen Arsenal in der Abteilung für Herstellung von Raketen durch un­vorsichtige Handlungsweise eines Arbeiters ein Brand, ter ein größeres Lager von Explo­sivstoffen zur Entzündung brachte. Das ein­stöckige Fabrikgebäude, bas sich innerhalb des Arsenals befindet, wurde durch Explosion und durch den Brand zerstört. In dem Gebäude waren ungefähr 40 Personen, zum größten Teil Frauen, beschäftigt, die vergebens ver­suchten, durch die brennenden Türen und die mit Gitter versehenen Fenster die Flucht zu ergreifen. Rach den bisherigen Meldungen finD 23 Perso­nen, meistens Frauen, erstickt und ver­brannt. Erst nachdem in mühevoller Arbeit doS eiserne Gitter eines Fenster! herauSgerissen war, gelang es. die restlichen zwöls Personen, die zum größten Teil schon verletzt waren, herauszu- brfngen. Rach den Aussagen ter Geretteten ist ein Arbeiter auf unverständliche Weise mit of­fenem Pulver dem Ofen z u nahe ge­kommen, wodurch daS Pulver entzündet wurde.

Verworrene Lage in China.

Paris, 4. März. (WB.) Wie die Agentur Indo Pacifique aus Peking berichtet, ist bei Peitana eine Meuterei unter den früheren Truppen Tschang Tschung-tangs, die in Stärke von etwa viertausend Mann in die nationalistische Armee eingereiht wurden, ausgebrochen. Pen Hsi-schan hat ihre Ent­waffnung angeordnet. Es kam hierbei zu einem Feuergesecht, bei dem zwei Mann getötet und meh­rere, verletzt wurden. Die aufständischen Generäle Tschang Din-yo und Tschang Hsing-ting sind hin- gerichtet worden. Die Ruhe ist wiederhergestellt. Die Aufstcmdsbewegung soll von Tschang Tfchung- tschang geführt worden fein. Die Lage in Tschi-fu ist unverändert. Ein Waffenstill­stand wurde abgeschlosien. Lio Schen-nien verlangt 500 000 Dollars; Tschang Tschung-tschang bietet 100 000 Dollars.

Die Zentralregierung hat angeordnet, in Pun« nan-fu eine Schule zu eröffnen, die die Ausbil­dung von Agitatoren der Kuomin­tang - P a r t e i zur Aufgabe hat. Sie steht unter der Kontrolle eines Volkskommissars. Die anti- japanische Kampagne herrscht weiter in Yunnan-fu. Gewisse Kaufleute, die dort Waren ja­vanischen Ursprungs gekauft hatten, wurden mit schweren Geldstrafen belegt. Auch ist das Räuberunwesen nach nicht unterdrückt. Die Provinzialregierung hat eine Abteilung Gendar­merie entsandt, um die Eisenbahnstationen von Suin Kiensin und Siao Long-tan zu schützen.

Oie Wetterlage.

Montag.

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Wettervoraussage.

In ganz Deutschland lagen die Temperaturen heute morgen wieder unter dem Gefrierpunkt. Sie erreichten in der Maingegenb, die im Bereich eine- Hochdruckkerns von 765 Millimeter liegt, wieder bis zu minus 13 Grad, unb zwar In Bam­berg. Im übrigen Deutschland schwanken sie zwi­schen minus 2 und minus 8 Grad. Mildere Luft­waffen, die über Dänemark vorgedrungen sind, haben dort und im Küstengebiet Erwärmung und Riederschläge gebracht.

Wettervoraussage für Mittwoch: Teils nebliges, wolkiges Wetter, teils aufhei- ternb. Nachtfrost, vereinzelte leichte Schneefälle.

Wettervoraussage für Donners­tag: Vielfach wolkig, stellenweise auch neblig, Rocht frost.

Cufttemperoturen am 4. März: mittags + 2,7 Grad Celsius, abends0,3 Grad Celsius: am 5. März: morgens 7,1 Grad Celsius. Maximum -b 3,1 Grad Celsius, Minimum 7,9 Grad Celsius. ErbteiHperctturen in 10 Zentimeter Tiefe am 4. März: abends1,6 Grad Celsius: am 5. März: morgens 2,1 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 1K Stunden.