Eröffnung derGenserÄalsiagung
Das Miuderheitenproblcm.
Genf, 4. März. (WTB.) Der DölkerbundS- rat hat heute vormittag um 11 Llhr mit der üblichen vertraulichen Schung unter dem Vorsitz Les neuen Ratspräsidenten S c i a l o j a seine 54. Tagung begonnen. Diese vertrauliche Sitzung dient, wie gewöhnlich, der endgültigen Aufstellung der Tagesordnung, die inzwischen durch eine zwischen dem stellvertretenden südslawischen Außenminister Kumanudis und dem ungarischen Gesandten in Vern Hevesh gestern getroffene Abmachung über die Vertagung des südslawisch-ungarischen Och tauten st reite S entlastet worden ist. Beide Parteien haben sich mit einem Vertagungsantrag brieflich an den Generalsekretär gewandt, um zu versuchen, durch direkte Verhand.ungen bis zur Juni-Tagung des Dölkerbundsrates au einer Verständigung zu gelangen. Damit bildet der litauische Antrag auf Hinzuziehung zu der grundsätzlichen Erörterung der Minderheitenfrage den Hauptgegenstand der vertraulichen Eröffnungssitzung.
Anläßlich der neuen Ratstagung sind außer Len Außenministern der fünf Ratsmächte Deutschland, England, Frankreich, Finnland und Polen auch die Außenminister Südilowiens,Griechenlands, Vulgär.ens a,r Lo.intagatend in Genf eingetroffen. Die Anwe.enheit dieser drei Außenminister wird ebenfalls mit dem zur grundsätzlichen Erörterung stehenden Minder^eitenpro- blem in Zusammenhang gebracht. Sie dürfte aber vor allem bedingt sein durch die für diese Woche in Gens gp'ante tTn er'eichnunz des neuen griechisch-südslawischen Freundschaftsvertrages uno der gleichzeitig getroffenen Wirtschaf tsabmachungen, duru) die bekanntlich auch eine Freihafenzone in Saloniki geschaffen werden soll. 3m Anschluß sollen die beiderseitigen mit Dulgar en geführten Verhandlungen durch gemeinsame Desprechungen der Außenminister dieser drei Länder gefördert werden.
Unter den hier weilenden diplomatischen Gästen ist noch der frühere belgische Dotschaf- t e r in London, D a r o n M o n ch e u r , zu erwähnen, der auch bei der letzten Ratstagung in Lugano als Beobachter anwesend war. Außerdem weilt der polnische Politiker Kor - f an tt). der bekanntlich die Verha'tung des Geschäftsführers des Deutschen Volksbundes, 11 l i h , verurteilt hatte, seit Sonntagabend in Genf, wo er in dem Hotel der polnischen Delegation abge- stiegen ist. Der Dölkerbundsrat hat zu dem litauischen Antrag auf Hinzuziehung zu der grundsätzlichen Erörterung des Minderheitsproblems den Beschluß gefaßt, ein kleines Iuristen- komitee einzusehen, das die von Litauen auf Grund von Art. 4 des Dö'kirbundspaktes ausgeworfene Frage einer Vorprüfung unterziehen soll.
Endkampf
um das Einwanderungsgesetz.
Die Schlußsitzung des amerikanischen Senats
Washington, 4. März. (WTB. Funk p uch) 3n der letzten Sitzung des alten Senats, heute vormittag, versuchten die Senatoren D i n g h i m und Rye nochmals, den Quotenauffchub zur Abstimmung zu bringen, aber Senator Reed (Pensylvania) sprang sofort auf und erklärte vor den vollbesetzten Tribünen, er werde die Abstimmung verhindern. Jeder Gesetzentwurf müsse in drei Lesungen beraten werden, und zwar, sofern nicht Einstimmigkeit erzielt werde, an drei verschiedenen Tagen. Diese Einstimmigkeit sei nicht gegeben, da er protestiere. Aber auch sachlich sei der Quotenaufschub unbegründet. Denn Deutschland habe nach den besten Statistiken nur 17 Prozent der amerikanischen Bevölkerung gestellt und sei daher zu nicht mehr als einem Sech st el der gesamten Einwandererzahl berechtigt. Eine weitere Diskussion wurde unmöglich, da nunmehr dre Mitglieder des Repräsentantenhauses, des Ober- bunbesgerichtes und des diplomatischen Korps in feierlicher Prozession in den Sitzungssaal des Senats einzogen und die sachlichen Beratungen daher endgültig beendet waren.
Derprasibentenwechselinll.SLl.
Hoovers Antrittsrede.
Washington, 4. März. (WTB.) Präsident Hoover hat sich heute mittag nach der feierlichen Amtseinführung mit Coolidge und großem Gefolge zu der vor dem Kapitol errichteten Tribüne begeben, wo et eine durch Rundfunk im ganzen Lande verbreitete Ansprache hielt, in der et die Ziele feiner Politik darlegte. Die amerikanische Ration sei aus der Rachkriegsperiode kräftiger denn je hervorgegongen. Sie erfreue sich eines großen Wohlstandes im Inland und großer Achtung im Ausland. Sie dürfe jedoch nicht außer acht lassen, daß die Gleichgültigkeit gegenüber Gesetzen und besonders die Verbrechen im Zusammenhang mit der Prohibition erheblich zu- ?ienommen haben. Hierin liege eine große Gefahr ür die Ration. Er, Hoover, werde die Einsetzung einer Kommission Vorschlägen zum Studium der Pläne für eine Reform der Bundesverwaltung und der Strafprozehordnung zwecks strengerer Durchführung der Prohi- bitionSbestimmungen uno schnellerer und strengerer Bestrafung der Schuldigen. Ent- sprechend dem Wunsche der Wähler trete er f ü r die private Initiative und für möglichste Ausschaltung behördlichen Besitzes oder behördlicher Verwaltung von geschäftlichen Unternehmungen ein. Fetner werde er eine besondere Kongreßtagurg einten-fen zur Durchführung ter versprochenen Hilfe für die Farmet sowie zur Aenderung des Zolltarifs, die jedoch nur in beschränktem Umfange dutchzusühren sei. Als außenpolitische Richtlinien bezeichnete Hoover den Wunsch nach Frieden mit anderen Rationen und zwilchen ihnen sowie dem Ausbau deS Kellogg Paktes durch weitgehende Anwendung des Schieds- und Detgleichswesens durch Eintritt in den WeltgerichtShof und durch Beschränkung der Rüstungen. Er lehnte dagegen den Eintritt in den Dollerbund ab, durch dessen Satzungen die Mitglieder in fremde Streitigkeiten bertoidelt werden könnten. Hoover prollamierte die Freundschaft der Bereinigten Staaten mit den lateinamerikanischen Republiken und sprach den Wunsch aus, daß ihre Unabhängigkeit erhalten, bleibe und ihre Stabilltät
9er Reichshaushalt im Rotjahr 1929.
Oer Kampf upt die Steuern. Das Kürznngsprogramm der Bolkspartei und des Hansabundes
Berlin. 5. März. (Ptiv.-Tel.) Rachdem die Politiker aus dem Koalitionstausch wieder auf- gewacht sind, beginnt allmählich daS Schreckgespenst des Steuerprogramms im Zusammenhänge mit ter Etatssrage erneut herauf- zudämmern. Wie wir erfahren, erwägt man in den Kreisen der Deutschen Dolkspartei, ob bas von ihr unter dem Motto: Keine neuen Steuern ausgestellte Finanzprogramm, das das offene Defizit durch noch weitere energische Abstriche aus der Welt schaffen will, nicht doch schon jetzt, bevor ter Etat im Blenum behandelt wird, veröffentlicht werten imte. Tie Deutsche Dolkspartei verspricht sich in diesem Zusammenhänge auch eine gute Wirkung ihrer Devise auf die anderen Parteien. Welche Posten sie im einzelnen im Haushaltsvoranschlag noch streichen will, ist nicht zu erfahren, da bas Programm der Partei bis jetzt wenigstens rwch geheim gehalten wird. Allerdings wird man in der Annahme nicht fehlgehen, daß bei eventuell beabsichtigten Kürzungen der Soziallasten erneute starke Auseinandersetzungen mit den Sozialdemokraten wie ater auch mit dem Zentrum einsetzen würden. Aus volks- varteilichen Kreisen versichert man uns jedoch, oah man im Haushaltsvoranschlag genügend andere Posten gefunden hat, die In Anbetracht des Rotjahres in diesem ZwangSetat keine vordringliche Existenzberechtigung hätten.
Auch ter Hansa-Dund wird mit seiner bereits angekündigten Denkschrift, die sich in denselben Ideengängen bewegt wie der Plan ter Dolkspartei, ter wahrscheinlich im wesentlichen eine Folge ter Initiative des Hansabundes ist, zu gleicher Zeit mit der Eröffnung der Plenarberatungen des Etats, also etwa Mitte März, an die Oef.entlichkeit treten. Auch in dieser Denkschrift, die ebenfalls unter dem Motto: Keine neuen Steuern steht, wird, wie wir erfahren, in der Fvrm eines bis ins einzelne ausgearteiteten Programms die Beseitigung des Defizits durch weitere Streichungen am Etatsvoranschlag durchgeführt, wobei man ebenfalls davon ausgezangen ist. die sozialen Posten soweit es nur geht, verschont zu lasfen. Man darf gespannt sein, wie sich dieser Hexensabbat um das Steuerprogramm weiter entwickeln wird, doch muß damit gerechnet werden, daß es zu ernsten, vielleicht den ernstesten inner- politischen Auseinanderfetzungen kommen wird.
Reichminister Koch zur innerpolitischen Lage.
Landesparieitag der hessischen Demokratischen Partei
Worms, 3. März. Samstag und Sonntag tagte hier der Parteitag der hessischen Demokraten. Nach der Vorstandssitzung und verschiedenen Ausschuß- sitzungen fand Samstag abeno eine Begrüßungs- Versammlung statt, in der Reichstagsabgeordneter Professor Dr. Hellpach über „Weniger Staat" sprach. Am Sonntag wurde der eigentliche Parteitag mit einer Begrüßung durch den Abg. Schreiber eingeleitet. Den Geschäftsbericht erstattete Dr. Kunze, worauf Abg. Reiber die Landespolitik behandelte. Im Mittelpunkt des Parteitages stand eine großangelegte Rede des Parteivorsitzenden, Reichs' ju st izmi nister Koch. Wes er, über „Reichs- Politik unter besonderer Berücksichtigung des Em- heitsstaates". Der Minister beklagte in feiner Rede das erneute Scheitern der Regierungs- Verhandlungen, dieses Mal verursacht durch das ultimative Auftreten der Deutschen Bolkspartei. Heute sieht es fast so aus, als ob die Regierung befreundet sei mit dem Zentrum, das keine Min.ster in der Regierung habe, aber nicht mit der Deut- fchen Volkspartei, die darin vertreten sei. Wortlaut und Geist der Derfasiung werden durch den Parte,ismus bei der Regierungsbildung ver- letzt. Der Antrag der Deutschen Dolkspartei, den Sturz einer Regierung von dem Beschluß einer qualifizierten Mehrheit abhängig zu machen, mutet in einem Augenblick sonderbar an, wo die Deutsche Volkspartei nach neun Monaten der Verhandlungen nicht einmal auf gleichem Fuß mit den anderen
Parteien mitwirken will, eine Regierung zu hüben. Nur eine starke und geschlossene Koalitionsregierung vermag durch organisatorische Aenderungen E r - s p a r n i s s e zu erzielen, die dauernder und größer sind, als einzelne Abstriche am Etat. Indem man nach den Vorschlägen der Deutschen Bolkspartei die lleberroeifungen an Länder und Gemeinden um 300 Millionen Mark kürzt, ohne bei ihnen organi - satorische Aenderungen vorzusehen, veranlaßt man nur, daß die Wirtschaft und der Mittel- stand mit höheren Grund- und Ge- werbe steuern belastet wird. Man muß in die Regierung gehen, um in sachlicher Arbeit Derrn a l t u n g s r e f o r m und Reichsreform durchzusetzen. Die Arbeiten der Länderkonferenz sind hoffnungsvoll. Ich hoffe, daß die Länderkonferenz in wenigen Monaten zusammentreten und mit Stimmenmehrheit eine Plattform beschließen wird, die dem Reichstag vorgelegt und erforderlichenfalls zum Volksentscheid gebracht werden kann. — Zum Schluß seiner Rede kam der Reichsjustizminister auf Hessen zu sprechen, indem er ausführte: Daß in Hessen das Streben nach dem Einheitsstaat besonders stark ist, liegt in der unglückseligen Gliederung dieser Gegend, liegt auch an seiner Finanznot. Hessen befindet sich ohne Frankfurt ungefähr in der gleichen Lage, in der sich Preußen und seine östlichen Provinzen ohne Berlin befinden würden. Trotzdem ist die Teilung hier wie überall schwierig. Hesien muß feine Kraft in erster Linie für eine Gesamtlösung zur Verfügung stellen.
Oer Reichsrat und das Etats- -efizit.
Eine Doppelvorlage wahrscheinlich.
'Berlin, 5. März. (VDZ.) DaS Reichskabi- nett wird den Haushaltsplan für 1929 dem Reichsrat mit alleiniger Berücksichtigung der De- gierungSvorschläge unterbreiten. Danach soll also das Defizit von 32D Millionen gedeckt werden durch 120 Millionen Abstriche bei den Lleberweisungen an Länder und Gemeinden, ferner durch eine Erhöhung der Bier- und Erbschaftssteuer, sowie der Abgaben vom Spiritusmonopol und für eine einmalige besondere Vermögenssteuer. Tie „offene Feldschlacht" wird Datei für die Reichsregierung in voller Schärfe einsetzen: denn die Länderabstriche dürften eine Mehrheit gegen fich haben. Außerdem lehnt Bayern die Diersteuererhöhung ab, während Preußen, Sachsen und andere Industrieländer Gegner der zum Ausgleich gebotenen Umsatzsteuer sind. Preußen hält seine Aenterungs- vorschläge bereit. Es ist nicht ausgeschlossen, daß eine D o p p e l v o r l a g e des Etats an den Reichstag kommt und daß eine Mehrheit im Reichsrat den Ausgleich durch Abstriche am Wehretat sucht.
Ein Erneuerungskabinett:
Hoffnungen auf eine Initiative des Reichspräsidenten.
Berlin. 5. März. (Priv.-Tel.) Schon während der Verhandlungen um die Große Koalition tourte verschiedentlich angeregt, ja geradezu gefordert, daß der Reichspräsident seine persönliche Autorität für eine bessere Wendung ter so verfahrenen Situation einsehen sollte. Ater auch nachdem die Große Koalition gescheitert ist, verstummen in politischen Kreisen, die zum Teil ter Dollspartel nahenehen, aber auch andern Gruppen angehören, derartige Wunsche nicht. Man denkt daran, daß Hindenburg nach dem Wiederzusammentritt tes Reichstags am 13. März die Initiative zu einer neuen Kabinettsbildung ergreifen soll. Ein energischer und vertrauenswürdiger Kanzler hätte bann ohne Rücksicht auf Fraktionsbindungen ein Kabinett zusammen- zustellen, das beweglicher als die heutige Regierung und gleichzeitig auf breiterer Basis gleichsam unter dem Schlagwort „DaS Vr - neuerungStabinett" den steckengebliebe- nen Wagen wieder auf den Weg bringt. Statt ter Bindung an die Fraktion tourte man direkt an das Vertrauen der Massen appellieren. Wird ter Wunsch als Vater des Gedankens zu seiner Realisation kommen und eine wirkliche Lösung bieten?
und ihr Wohlstand gefördert würden. Amerika hoffe, daß auf ter ganzen Welt dauernder Friede herrschen werte.
Präsident Hoover und Vizepräsident Curtius wurden durch Oberrichter Taft vereidigt. Curtis leistete dabei den Eid aus eine deutsche Bibel. 500 Züge und unzählige Automobile brachten zu dieser Feier 200 000 Fremde hrran. so daß sie unter ungeheurer Beteiligung vonstatten ging. Das Wetter war günstig und Flugschiffe und Luftschiffe üterflogen während ter Vereidigung das Kapitol. An die Feier schloß sich eine große Parade an. Zu der gleichen Zeit, als die feierliche Amtsübernahme durch den neuen Präsidenten Hoover erfolgte, schloß der 70. Kongreß in. aller Stille seine Arbeiten. Hm 10 Ähr vormittags versammelten sich die Mitglieder tes Repräsentantenhauses in dem säst leeren Sitzungssaal, und um 11 Uhr führte Dawes zum letztenmal den Vorsitz im Senat. Darauf begaben sich die Mitglieder tes Repräsentantenhauses in den Sitzungssaal des Senats, um ter Hebergate tes Amtes seitens Dawes an den neuen Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, CurtiS, teizuwohnen, ter damit gleichzeitig Präsident des Senats wird. Hoover und Coolidge sowie das Diplomatische Korps und die hohe Beamtenschaft ter verschiedenen Ressorts waren bei ter Amtsübernahme zugegen. 2!ach ter Vereidigung des Vizepräsidenten Curtis tourten verschiedene Ernennungen, darunter die ter Mitglieder tes neuen Kabinetts Hoover, in einer Sondersitzung bestätigt. Sine halte Stunde später war Hoover Präsident unb Coolidge nach 30jähri^er Tätigkeit in Regierungsdiensten weder einfacher Bürger geworden. Coolidge und Gattin begaben sich -um Dabnhos und reiften nach ihrem Besitztum in Rortyampton (Massachusetl).
Oie Absichten Trohlis.
Berlin, 5.März. Im Zusammenhang mit dem Ginreifegesuch Trotzkis nach Deutschland hat die Reichsregierung laut „Vorwärts" in Konstantinopel verschiedene Rückfragen ge
halten. Sie beziehen sich u. o. insbesondere auf die künftigen Absichten Trotzkis, d. h., ob er dauernd in Deutschland zu verbleiben gedenkt oder nur Aufenthalt zu einer Kur zu nehmen beabsichtigt.
Oie Todesfälle in der französischen Besahungsarmee.
Paris. 4. März. (WB.) Der „Paris Soir" bestätigt die Meldung des .Quotibien“, daß 30 Soldaten ter Desahungsarmee in Trier infolge der Kälte gestorben sind. Das Blatt er- klärt, das Kriegsministerium stelle diesen Vorfall nicht mehr in Abrede und gebe freimütig zu, daß die Angelegenheit einige Beunruhigung aus- löste. Eine Untersuchung sei angeorbnel worden. DaS Kriegsministerium bestätigt selbst in einer ter Presse ^gegangenen Mitteilung — was von deutschen Blättern berichtet und von den französischen Zeitungen abgeleugnet Worten war — daß die in der Rheinarmee herrschende Grippe einen epidemischen Charakter angenommen hat. In der Mitteilung tes Kriegs» ministeriums wird jedoch nicht angegeben, wieviel Todesfälle zu verzeichnen sind.
Gandhi verhaftet.
Boylottrcde des indischen Nationalisten- führers. — zusammcnftost mit der Polizei.
London, 5. März. (WTB. Funkspruch.) Die Blatter melden aus Kalkutta, daß dort der Ratio- nallstenfuhrer Gandhi und andere indische Ratio- nalisten, darunter Dr. R o y, nach heftigen Zusam- menstohen, die an die Unruhen der Jahre 1926 und 1927 erinnerten, verhaftet worden seien.
Hunderte der Anhänger Gandhis hatten sich ver- sammelt, um eine Rede von ihm anzuhören, und versuchten danach, Freudenfeuer aus aus- länbifdjen Stoffen, die in der ganzen Stadt zusammengesucht waren, zu veranstalten. Die Po- lizei sollte das Anzünden der Freudenfeuer verhindern, aber Gandhi, der in feiner Rede für den vollständigen Boykott ausländischer
Stoffe eingetreten war, erklärte der Menge, daß er alle Verantwortung für das Anzündcn der Freudenfeuer übernehme. Daraufhin setzte die Menge sofort die riesigen Stofshaufen in Brand und als die Polizei versuchte, das Feuer zu löschen, kam es zu einer Bewerfung mit Ziegeln und Steinen. Bei einem hierauf erfolgenden Massenangriff auf die Polizei wurden mehrere europäische Polizeisergeanten und eine große Zahl indischer Polizisten verletzt. Berittene Polizei wurde in Eile herbeigerufen und die Ordnung schließlich wieder- hergestellt. Gandhi wurde später gegen Kaution aus freien Fuß gesetzt. Er führt heute nachmittag nach Burma ab. Nach seiner Rückkehr nach Kalkutta wird er vor Gericht gestellt werden.
Schweres Explosionsunglück in Sofia.
28 Todesopfer eines Arfenalürandes
Sofia. 4. März. (Telun.) Gegen mittag entstand im hiesigen Arsenal in der Abteilung für Herstellung von Raketen durch unvorsichtige Handlungsweise eines Arbeiters ein Brand, ter ein größeres Lager von Explosivstoffen zur Entzündung brachte. Das einstöckige Fabrikgebäude, bas sich innerhalb des Arsenals befindet, wurde durch Explosion und durch den Brand zerstört. In dem Gebäude waren ungefähr 40 Personen, zum größten Teil Frauen, beschäftigt, die vergebens versuchten, durch die brennenden Türen und die mit Gitter versehenen Fenster die Flucht zu ergreifen. Rach den bisherigen Meldungen finD 23 Personen, meistens Frauen, erstickt und verbrannt. Erst nachdem in mühevoller Arbeit doS eiserne Gitter eines Fenster! herauSgerissen war, gelang es. die restlichen zwöls Personen, die zum größten Teil schon verletzt waren, herauszu- brfngen. Rach den Aussagen ter Geretteten ist ein Arbeiter auf unverständliche Weise mit offenem Pulver dem Ofen z u nahe gekommen, wodurch daS Pulver entzündet wurde.
Verworrene Lage in China.
Paris, 4. März. (WB.) Wie die Agentur Indo Pacifique aus Peking berichtet, ist bei Peitana eine Meuterei unter den früheren Truppen Tschang Tschung-tangs, die in Stärke von etwa viertausend Mann in die nationalistische Armee eingereiht wurden, ausgebrochen. Pen Hsi-schan hat ihre Entwaffnung angeordnet. Es kam hierbei zu einem Feuergesecht, bei dem zwei Mann getötet und mehrere, verletzt wurden. Die aufständischen Generäle Tschang Din-yo und Tschang Hsing-ting sind hin- gerichtet worden. Die Ruhe ist wiederhergestellt. Die Aufstcmdsbewegung soll von Tschang Tfchung- tschang geführt worden fein. Die Lage in Tschi-fu ist unverändert. Ein Waffenstillstand wurde abgeschlosien. Lio Schen-nien verlangt 500 000 Dollars; Tschang Tschung-tschang bietet 100 000 Dollars.
Die Zentralregierung hat angeordnet, in Pun« nan-fu eine Schule zu eröffnen, die die Ausbildung von Agitatoren der Kuomintang - P a r t e i zur Aufgabe hat. Sie steht unter der Kontrolle eines Volkskommissars. Die anti- japanische Kampagne herrscht weiter in Yunnan-fu. Gewisse Kaufleute, die dort Waren javanischen Ursprungs gekauft hatten, wurden mit schweren Geldstrafen belegt. Auch ist das Räuberunwesen nach nicht unterdrückt. Die Provinzialregierung hat eine Abteilung Gendarmerie entsandt, um die Eisenbahnstationen von Suin Kiensin und Siao Long-tan zu schützen.
Oie Wetterlage.
Montag.
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Wettervoraussage.
In ganz Deutschland lagen die Temperaturen heute morgen wieder unter dem Gefrierpunkt. Sie erreichten in der Maingegenb, die im Bereich eine- Hochdruckkerns von 765 Millimeter liegt, wieder bis zu minus 13 Grad, unb zwar In Bamberg. Im übrigen Deutschland schwanken sie zwischen minus 2 und minus 8 Grad. Mildere Luftwaffen, die über Dänemark vorgedrungen sind, haben dort und im Küstengebiet Erwärmung und Riederschläge gebracht.
Wettervoraussage für Mittwoch: Teils nebliges, wolkiges Wetter, teils aufhei- ternb. Nachtfrost, vereinzelte leichte Schneefälle.
Wettervoraussage für Donnerstag: Vielfach wolkig, stellenweise auch neblig, Rocht frost.
Cufttemperoturen am 4. März: mittags + 2,7 Grad Celsius, abends —0,3 Grad Celsius: am 5. März: morgens — 7,1 Grad Celsius. Maximum -b 3,1 Grad Celsius, Minimum — 7,9 Grad Celsius. — ErbteiHperctturen in 10 Zentimeter Tiefe am 4. März: abends —1,6 Grad Celsius: am 5. März: morgens — 2,1 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 1K Stunden.


