Nr. 55 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Montag. 4. März 1929
Wirtschaft.
Oer Geldmarkt am Ultimo.
Die nach der Abwicklung des Medio Februar emg.trct:nc mäßige Erleichterung am Geldmarkt konnte nur von sehr kurzer Dauer sein, da bereits einige Tage später die Vorbereitungen für den Ultimo einsetzten. Die Schahwechselemisfion des Deiches im Betrage von 155 Mill. Mark hat der Geldmarkt zwar ohne weiteres aufnehmen können, aber es hat sich doch eine gewisse versteifende Wirkung bemerkbar gemacht. Wie man jetzt klar übersehen kann, hat die Reichsbank bei der Schahwechselemission des Reiches, durch die bekanntlich ein Anziehen der Privatdiskcntsätze erfolgt ist. den Zweck verfolgt, die in der Zunahme begriffenen Geldabflüsse in das Ausland einzudämmen. Diese Maßnahme mag auch darauf zurückzuf hren sein, daß die Rcichsbank Interventionen am Devifenmar.t in dem Umfange der Vorwochen mit Rücksicht auf ihr stark vermindertes Devisenportefeuille vermeiden wollte. Di.scr Zweck ist tatsächlich erreicht worden, die Zinssatzstcigerungen am Privatdiskontmarli sind eingctreten und haben weiteren Geldabflüssen in das Ausland entgegengewirkt. Der Rcichsbankausweis vom 23. Februar zeigt, daß das Reich die ihm aus der Schahwechselemission zugeflossenen Mittel dazu benutzt hat, den am Medio bei der Reichsöank ausgenommenen Bctriebsmiitcllredii bei der Reichsbank abzudecken und den darüber hinausgehenden Betrag auf Girokonto der Reichsbank einzu- zahlem Was den Ultimo anbelangt, so ist damit zu rechnen, daß er ohne besondere Schwierigkeiten überwunden ist. Der überraschend ausgetretene Bedarf für Tagegeld und für Geld über Ultimo steht wohl in Zusammenhang mit den Anfang März fälligen Einzahlungen auf die Industrieobligationszinfen (125 Mill. Mark). Der Geldmarkt ist nach wie vor als verhältnismäßig leicht zu bezeichnen, der Rück- gang der Konjunktur und damit des Beschäftigungsgrades und des Geschä t Verkehrs macht sich eben mehr und mehr bemerkbar. Diesen Ent- span .ungst nde zen w rkt a'ckcr.ings rie Unsicherheit über die Aussichten des Reutzorker und auch Londoner Geldmarktes entgegen. Hinzu kommt, daß der Bedarf der öffentlichen Hand sehr groß ist und daß mit dem Eintritt des Frühsahrs- gcschäftes höhere Anforderungen an den Geldmarkt gestellt werden. Es erscheint Wohl angebracht, in Anbetracht dieser besonderen Umstünde, die Geldmarktsituation als undurchsichtig anzusehen.
Oie Reichöbank Anfang März.
Rach dem Ausweis der Reichsbank vom 2 8. Februar hat die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten in der Ultimowoche um 676,3 Mill, auf 2279,3 Milk. Mk. zugenommen. Im einzelnen sind die Bestände an Wechseln und Schecks um 415,2 Mill, auf 1876,4 Mick. Mk., die an Lombards um 253,8 Milk, auf 297,2 Mill. Mk. und die an Reichsschatzwechseln um 2,4 Milk, auf 12,5 Mill. Mk. angewachsen. Die Anlage in Effekten ist mit 93,2 Mill. Mk. unverändert geblieben.
An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 697,1 Mill. Mk in den Verkehr abgeflosscn. und zwar hat sich der Umlauf an Rcichsbanknoten um 653,9 Mill, auf 4513,3 Mill. Mk.. derjenige an Rentenbantscheinen um 46,2 Mill, auf 503,2 Mill. Mk. erhöht. Demgemäß hat sich der Bestand der Reichsöank an Rentenbankscheinen auf 8,8 Mill. Mr. vermindert. Die
fremden Gelder zeigen mit 525,6 Mill. Mk. eine Abnahme um 47,1 Mill. Mark.
Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen insgesamt sind mit 2819,3 M.ll. Mk. aus- gewiesen, im einzelnen die Goldbestände mit 2728,9 Mill. Mk. und die Bestände an deckungsfähigen Devisen mit 93,4 Mill. Mark. Die Deckung der Roten durch Gold allein betrug 59,9 Prozent gegen 69,9 Prozent in der Vorwoche, die durch Gold und deckungsfähige Devisen 61,9 Prozent gegen 72,5 Prozent.
Fortschreitender Konjunkturrückgang.
Das Institut fürKonjunkturforschung kommt in seinem neuesten Üierteljahrsheft bei einer zusammenfassenden Betrachtuna über die deutsche Konjunktur Ende Februar zu folgendem Ergebnis: Im ganzen bietet die Wirtschaftsbewegung das Bild eines fortschreitenoen Konjunktur- abschwunges. Teilweise sind neuerdings leicht krisenhafte Erscheinungen zu beobachten. Eine allgemeine Krisis, wie sie sich namentlich im Zwange zur beschleunigten Liquidation der Warenvorräte äußert, liegt jedoch nicht vor.
Don der Wirtschaftslage im Februar.
Dem Bericht der Frankfurter Handelskammer über die Wirtschaftslage im Februar entnehmen wir:
häute-, Jette- und Ledergroßhandel.
Im Laufe des Monats Februar setzten sich die Preisrückgänge für rohe häute und Felle sock. Don Deutschland wurde nur in geringem Maße in den Markt eingegriffen Im Ledergeschäft wird weiterhin Zurückhaltung geübt, wenn auch nicht zu verkennen ist, daß die Schuhfabrikation, die etwas bester beschäftigt ist, geringe Vorräte besitzt und in den Markt eingreifen muß.
Weinbau und Deinhandcl.
Die anhaltende Kälte hat den Weinversand vollkommen lahmgelegt. Auch die Karneoalszeit brachte keine Belebung des Geschäftes. Für den Weinhandel ist eine Belebung nur dann ßu erhoffen, wenn die allgemeine Wirtichaftslage eine Besserung er- fährt. Im Weinbaugebiet ist bei den Verkaufsangeboten eine gewisse Zurückhaltung zu beobachten, da dort die Ansicht vorherrscht, daß die strenge Källe den Reben geschadet hat. Die Preise scheinen daher etwas anzuziehen.
Eisenerzbergbau im Lahn-D.U-Gebiel
Die Lüge auf dem Eisensteinmarkt war nicht günstig. Der starke Frost brachte Störungen und Schwierigkeiten beim Versand. Der Umschlag in Oberlahnstein mußte ganz eingestellt werden. Da die Hilfsmaßnahmen der Reg'erung bisher immer wieder aufgeschoben wurden, hat sich die Notlage der Grubenbetriebe nicht gebessert.
Aulomobil- und Johrradindustrie.
Die Preise für Roh- bzw. Halbfabrikate lagen trotz sinkender Konjunktur fest, weil Löhne und Rohstoffe gestiegen sind. Metalle, besonders Kupfer, erfuhren eine außerordentlich starke und rasche Preissteigerung. Nach wie vor herrschte starke Geldknappheit. Die abnorme Kälte hat im Februar nachdrücklich auf den Absatz eingewirkt. Von einer Belebung des Geschäftes ist bis jetzt noch nichts zu bemerken.
Jabrifation landwirtschaftlicher Maschinen.
Im Berichtsmonat konnte sich eine regere Geschäftstätigkeit noch nicht entfalten, da der anhaltend starke Frost naturgemäß jedes Neuanschaf-
Das große Grauen.
Vornan von H. A. von Byern.
Urheber-Rechtsschutz d -rch Verlag Oskar Meister. Werdau.
20 Fortsetzung Nachdruck verboten
„Alterle, mir zwoa bleib'n z'samm, 3adl, du stellst di weiter drunt'n, am Wechsel nach _’m Hochholz zu, an, toann'd schnallt, wact'n ma fünf Minuten, nadja hup' L“
Weiter wurde Lin Wort gesprochen. 3m flachen Bogen birschten wir uns von rückwärts an, schlief- ten vorsichtig zwischen schneebehangenen Aesten durch, bis zu einem Felsblock, der nach drei Seiten hin von Legföhren umbuscht war. Mit dem Knicker schnitt der Binzen; ein paar Zweige ab. — so, nun mochte es gehen.
Grau und schwer dämmerte der Winterabend. Es war, als sinke langsam eine bleierne Decke herab, kein Laut, Schweigen und Einsamkeit inmitten dieser rätselvollen, eisgepanzerten Bergwelt ... ich fing an, Frau SophtzS Heimweh zu begreifen.
Unb nun schob sich ein fahles Leuchten herauf, rieselte in silbernen Kaskaden bläuliches Mondlicht über die Hänge und Halden, Schroffen und Schrunden. Wie mit einem Schlage war die gan^e Umgebung völlig verändert, flimmerte die Schneelandscha t in g'itz?r..dem Ela.ze. al3 decke eine dichte Schicht von Goldstaub das nackte Gestein. Der Wind stand vom Kamm h r auf unseren etwas erhöhten Sih zu, kalt fühlte ich das starre Metall der Gewchrläuse durch dre Wi d- lederhandschuhe. Dann überkam mich eine seltsame Müdigkeit, mit aller Willenskraft muhte ich gegen den Schlaf ankämpfen.
Irgendwo ein kurzer Blaff — im Ru war ich hell wach: — aha, da drüben bellte ein Fuchs, ein zweiter gab Antwort... Stille ... Co mochte eine Stunde vergangen fein. Längst hatte sich das Auge an das Zwielicht des Hallidunkels gewöhnt. Wärmer war es geworden, jetzt kam der Wind von Süden her, über die Paßhöhe, klatschend fiel hie und da eine Schneelast zu Boden, rann und tröpfelt es in gleichförmigem, ermüdendem Tonfall.
Eine Hand legte sich auf meinen Arm... ich schreckte zusammen... Aus lern Kr.:mmhrl' 1 sten sich zw:i langhi:hu,chende Schatten, glitten lautlos übet die Blöße auf d as g:rebene Stück zu - FüchseI Keckcrnd richt te sich der stärkere Rüde auf, windete, setzte sich bedächtig auf die Keulen und schnitt dann das Luder an. Mit dem lichtstarken Glas konnte ich jede kleinste Bewegung deutlich beobachten, prüfte probeweise das Abkommen über Kimme und Korn — das hätte eine mühelose Dublette gegeben I
Aber plötzlich hob der eine Rotrock sichernd den spitzen Fang, duckte sich, schnürte in scharfem Troll nach der gegenüberliegenden Seite, gefolgt von dem anderen Freibeuter. Sollten die beiden schon satt fein? Och strengte Auge und Ohr an, um die Ursache der Störung zu entdecken — nidjÜ, kein Drechen, kein Anstreichen, kein noch so leifes Geräusch. 3m Westen schoben sich blei- graue Wollenietzen herauf, kamen näher wie stürmende, gepanzerte Deitergeschwader. Der Wind ging hohl, verstärkte sich von Minute zu Minute, peitschte mir pulvernde, nadelscharfe Schneekristalle ins Gesicht. Roch eine Viertelstunde, dann würde der Sturm losbrechen, konnten wir im Dunkel den Heimweg antreten — es war also wieder einmal nichts gewesen mit dem sagenhaften „Bauernschreck!"
Reben mir ein unterdrückter Atemzug, unwillkürlich blickte ich auf, und... nein, es war keine Sehtäuschung... dort drüben stand, scharf und plastisch vom Schnee sich abhebend, gleich einer aus Erz gegossenen Statue, ein starker Wolf, die Lauscher steil gestellt, die Rute leicht gesenkt, stand und äugte unverwandt nach uns herüber. Heber den harschen Balg hin glitzerte glimmerndes Mond'icht, jedes Granenhaar schien silbern bereist... 3d) wagte kaum zu atmen, senkte die Augenlider, aber das Herz hämmerte in wahnsinnigen, jagenden, zuckenden Schlägen, der Gaumen wurde mir trocken, und in den Ohren fang und sauste das Blut.
Also doch... doch...!!
Die Sekunden dehnten sich zu Minuten, zu Ewigkeiten, immer fahler wurde das Leuchten — nur noch wenige Augenblicke, dann mußten die mit rasender Geschwindigkeit heraufziehenden Wolken die Mondscheibe verdecken, war alles versunken in schweigender, schwarzer Rächt, licht- lofer Finsternis . . .
Da schnürte der Wolf vorwärts — ich sah, wie Vinzenz den Stutzen hochriß —, ein aufzuckender Feuerstrahl, härt und rund peitschte der Büchsen-- knall durch die Stllle, wurde zurückgeworfen von den Felswänden, verebbte lang hinrollend.
Blitzschnell hatte ich den entsicherten Drilling in Anschlag, lag der Finger am Abzug . . . nein, da konnte ich mir den Fangschuß sparen! 3n seiner Fährte war der Wolf zusammengcbrochen, schlegelte mit den Läufen, die buschige Rute peitschte die Flanken ....
Hnb schon standen wir neben dem verendenden Raubwild — ein Ton, halb Lachen, halb Schluchzen:
„Allerlei Du! Sei mir net Harb, daß i tz'erst g'schosfen hab', aber den da, den hält' i keinem anderen vergönnt — den net!" Mein Freund beugte sich nieder, tastete nach dem Einschuß — mitten auf dem Blatt:
„Du. dös hat's Herz gefaßt . . .1“
fungsvorhaben seitens der Landwirtschaft unter- bindet. Auch im Auslandgeschcift konnte nur eine geringe Umfatztätigkeit entfallet werden.
Beiträ :e und Le.stungen in der Sozialversicherung.
3m Hinblick auf die großen Kapitalbedürfnisse der deutschen Wirtschaft und die Rotwendigkeit einer zunehmenden K a p i t a lb il d ung sind Befürchtungen bei der Ansammlung großer Ka- pitalien seitens der Sozialversicherung, insbesondere bei der 3nvaliden- und Angestelllen- versicherung, berechtigt, da eine Entziehung von Milliardenbeträgen für künftige Sozialzwecke die Finanzierung des Produktionsprozesses stark beeinträchtigen muß. Eine Betrachtung der Beiträge und Leistungen in der Sozialversicherung kann jedoch von diesem Gesichtspunkt allein nicht ausgehen, sondern es kommt daraus an, die Aufbringung der Sozialversicherung an Kapital mit ihren Leistungen zu vergleichen, zu denen diese gegenüber den Versicherungsnehmern verpflichtet ist. Bei diesem Vergleich zeigen sich derartig große Verpflichtungen, daß die heutige Kapitalisierung nicht einmal ausreicht, um für eine längere Dauer ihre Erfüllung zu gewährleisten. Rach einer Denkschrift über die Vermögenslage der R i s crsicherungkanstalt für Angestellte ergibt sich, daß auf Grund der gegenwärtigen Leistungen und Beiträge bei der 3n - validenversicherung in den 3ahren 1929'33 noch ein Gesamtüberschuß von 1070 Mill. Mark vorhanden sein wird. Das 3ahr 1934 würde zum erstenmal einen geringen Fehlbetrag bringen, der im Laufe der folgenden 3ahre allmählich bis auf nahezu 400 Mill. Mk. anwachsen würde. Der genannte Ueberschuß würde ungefähr zur Deckung der in den 3ähren 1934/38 eintretenden Fehlbeträge ausreichen. Wollte man diese Fehlbeträge nicht aus den Rückständen decken, so müßte im 3ahre 1930 eine Erhöhung der Beiträge vorgenommen werden, und zwar entweder durch eine allgemeine Erhöhung oder durch einen Aufbau von Lohnklassen. Dadurch würde der Fehlbetrag allerdings nicht länger als bis zum 3ahrc 1935 abgewendet werden. Die spä- teren Fehlbeträge würden zwar geringer sein, aber immer noch groß genug, um das Problem als solches bestehen zu lassen. 3n der An - gestelltenversicherung zeigt die versicherungstechnische Dllanz einen Fehlbetrag von 1,67 Milliarden Mk. Die Denkschrift stellt fest, daß eine Erhöhung der Beiträge um 25,54 Prozent hinreichen würde, um bei Festhaltung der gegenwärtigen Stiftungen für die Zukunft völlige Deckung aller Ausgaben zu bewirken. Es ist sicher, daß die Entwicklung sich dahin aus- toirle-i wird, daß das Beitragsaufkommen in der Invaliden- und Angeftelltenversichcrung _ im Jahre 1939 um wenigstens 700 Mill. Mk. höher sein muß, wenn die gegenwärtigen Dersicherungs- leistungen gehalten werden sollen. Es werden also statt jetzt 1400 Mill. Mk. dann rund 2100 Mill. Mk. aufgebracht werden müssen. Q^elannt» lief, besteht neuerdings die Absicht, die Leistungen der Versicherungen weiter zu steigern. Die Ansprüche der Sozialversicherung an den Kapitalmarkt werden gerade in Zukunft, in der eine weitere Einengung des Kapitalmarktes erfolgen wird, recht groß sein. Es fragt sich, ob der Kapital m a r k t diese Mehrbelastung tragen kann, da jede Erweiterung der Stiftungen zu einer Gesamt erhöhung der Beiträge führen müßte, die nicht viel unter 1 Milliarde liegen würde. Der Reichstag wird sich demnächst auch mit dem weiteren Ausbau der 3nvaliden- und Angestcllten- versicherung und der vom Reichsarbeitsministe- rium ausgearbeiteten Denkschrift über die Stiftungen und'Beiträge beschäftigen.
3ch knickte einen Latschenbruch, netzte ihn mit dem zäh und klebrig sickernden Schmiß:
„Weidmannsheil, mein lieber, alter Kerl, der ist mehr wert als der stärkste Gams, der kapitalste Hirsch!"
„3a, du, und was nur 's Sopherl sagen wird!" Er legte die Hände an den Mund, hupte einmal, zweimal: „Weißt, d', so g'freut hab' i mi net über mei stärkstes Stück Großwild, dagegen is a Kudu oder Leopard a Schmarrn!"
Wie ausgewechselt war der Vinzenz, konnte sich nicht satt sehen an seiner Beute, und ich stand lächelnd daneben, brannte mir eine Zigarre an und sog den aromatischen, narkotischen Rauch tief in die Lungen.
Hinter uns knirschten schwere Tritte, mein Freund richtete sich auf:
„3ackl, i hab' ’n!“
Ein Lachen im tiefsten Daß:
„Da gratulier’ i halt, Hab s ja glei g’fagt, oamai derwifch man den „Bauernschreck" doch!"
Vorn Kamm her fegte ein schütternder Windstoß.
„Teisi. Teifi, jetzt könn' ma aber schaug'n, daß ma hoamkemma. gibt a grob's Wetter." Der 3äger schob den Hut ins Genick, lud sich mir einem kräftigen Schwung den Wolf auf die Schultern: „Hab'n S' d' Catern*, gnä’ Herr?"
Doch der Sturm verlöfchte das flackernde Flämmchen, wir muhten vorwärts in der jäh einbrechenden Dunkelheit, hielten uns einer dicht hinter dem anderen, tasteten Schritt für Schritt weiter. Endlich war der Almboden erreicht, der schützende Hochwald.
„Hui jo, ho ho!" pfiff es durch die knarrenden Kronen, das sparrige Gezweig, brauste wie Wo- des wilde 3agd um die in den Grundfesten erbebenden Stämme, sandte einen Schauer von morschen Ast stücken herab.
„Wird net lang dauern, kommt eh’ schon wieder hell herauf!" Mein Freund mußte schreien, um sich verständlich zu machen: denn der Orkan riß das Wort vom Munde, warf sich uns wie eine wütende Bestie entgegen. Ein entwurzelter Baumriefe sperrte den Weg, der Vinzenz stolperte, hielt sich an mir fest: „Hoppla!" Dann kämpften wir weder mit vorgebeugten Schultern gegen das Toben und Tosen der entfesselten Elemente an.
Und plötzlich Stille — das Unwetter hatte aus^erast, wieder wob Monülicht geheimnisvoll zwls.'en den Stämmen, brannten droben, am nachtdunklen Firmament, die S.ernen in urewigem Glanze. Der Hochwald lichtete füfh vor uns lag Schloß Terosal in der Ceb. Unwllkürlich blieb ich stehen, starrte hinüber nach den schwarzen, schweigenden Granitmauern.
„Sieh mal, Vinzenz. das ist doch . . . sonderbar!"
Starke Kurssteigerungen für Automobilaktien.
An der Frankfurter Börse vom Samstag trat plötzlich starke Rachfrage nach Automob i l a k t i e n hervor. 3m Vordergründe standen Kleber, die von 53 Prozent Freitag abend bis auf 68 Prozent, d. h. um 15 Prozent, an- Aogen. Die Börse erwartet bekanntlich eine Zusammenlegung des Kapitals der Adlerwerke im Verhältnis 2:1. Diesem Zusammenlegungsverhältnis hatte sich der Kleyerkurs vor der sensationellen Steigerung vom Samstag bereits ziemlich angeglichen. Die Verwaltung der Adlerwerke versicherte auf Anfrage, daß sie über die Ursachen der plötzlichen starken Kurssteigerung vollkommen im unklaren sei. 3n Frankfurter Bankkreisen wurde vermutet, daß es sich im wesentlichen um die Abdeckung größerer Baissepositionen gehandelt haben dürfte, wobei Februarstücke stark gesucht worden feien. Die Rach- frage ging hauptsächlich von Berlin aus, wahrend der Frankfurter Platz meist als 21bgebet auftrat. 3m Zusammenhang mit der Rachfrage nach Kleber machte sich lebhafte Kaufneigung auch für die Daimle raktie bemerkbar, deren Kurs bis auf 63,5 Prozent (Freitag abend 55,5 Prozent) erhöht werden konnte.
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* 6,5 p rozentige Schatzanweisungen in Hessen. Die 6,5prozentige Schatzanweisungsanleihe von 1926 des Dolksstaatcs Hessen wird am 1. April 1929 zur Rückzahlung fällig. Einlösungsftcllen für diese Stücke find die Hessische Staatsschuldenverwaltung und die Hessische Landesbank.
° Dre amtliche Großhandelsindex- z i f f e r. Die auf den Stichtag des 27. Februar berechnete Großhandelsinderzisier des Statistischen Reichsamtes ist mit 139,6 gegenüber der Vorwoche (140,0) um 0,3 Prozent zurückgegangen. Don den Hauptgruppen hat die 3ndexziffer sür Agrarstoffe auf 131,1 (135,7) nachgegeben. Die 3ndexziffer für Kolonialwaren bat sich um 0.2 Prozent auf 125,8 (125,6) erhöht. Die Indexziffer für industrielle Halbwaren und Rohstoffe ist auf 133,9 (133,7) gestiegen, während diejenige für industrielle Fertigwaren auf 153,1 (158,2) zurück- 0C*an§Teben Milliarden Spareinlagen Im Deutschen Reich. Bei den öffentlichen Sparkassen ist mit dem 3ahresabschluh 1928 die 7. Milliarde der Spareinlagen in Deutschland erreicht worden. Die Spareinlagen betrugen in Millionen Mark im Dezember 1924: 608,0, 1925: 1615,0, 1926 : 3096,4, 1927 : 4667,0, 1928; 6988.2. Die erste Milliarde wurde erreicht im April 1925 (also angesammelt in 16 Monaten), die zweite im März 1926 (11 Monate), die dritte im Dezember 1926 (9 Monate), die vierte wurde in 6, die 5. in 7, die sechste und siebente in je 6 Monaten angesammelt. Betrachtet man die Spareinlagenzunayme in den einzelnen Monaten. so zeigt sich eine auch schon in den Vorkriegszeiten beobacht te Gesehmlß gkcit: der Zuwachs ist jeweils in den Wintermonaten am höchsten, in den Sommermonaten am geringsten.
• Unveränderte Dividende bei Schubert & Salzer. Die Schubert & Salzer Maschinenfabrik 21.-®. in Dresden beantragt nach angemessenen Absch:ell> ingen und Rückstellungen aus dem Reingewinn von rund 4,4 Mill. Mk. einschließlich 0,8 Mill. Mk. Gewinnvortrag eine Dividende von wieder 16 Prozent auf das erhöhte Stammaktienkapital von 19,1.5 Mill. Mk. 0,84 Mill. Mk. sollen vorgetragen werden. 3n den ersten zwei Monaten des lausenden Geschäftsjahres sind befriedigende Umsätze erzielt worden. 3n der Hauptabteilung liegen zur Zeit noch für mehrere Monate ausreichende Arbeitsmengen vor.
Er blickte auf, — da strahlte auS fast allen Fenstern Lichtschein, als sei aus irgendeinem festlichen Anlaß der ganze weitläufige Bau illuminiert worden.
Mein Freund schüttelte den Kopf:
„Die fan Wohl narret worden? Schaugt g’rab* aus wie a Tier mit an viertelhundert Sehern ..."
Merkwürdig — denselben Gedanken hatte ich auch gehabt, ein stumm und geduckt auf der Lauer liegendes Ungeheuer, dessen funkelnde Lichter nach Beute spähen. Wir schritten schneller a^s, stiegen den steilen, in Serpentinen gewundenen Pfad empor, gingen durch den Park, dessen entlaubte Ulmen in gespenstisch verzerrten Formen gleich riesigen Besen aufragten.
Weiß heut' noch nicht, wie es kam. daß niir mit einem Male das Herz so hart und schwer schlug, irgend etwas Unerklärliches, Wesenloses war da um uns, das nur im Unter bewußtsein lebende Gefühl eines Grauens, dem ich doch keinen Ramen geben konnte . . . Furcht — was man so gemeinhin „Furcht" nennt — war mir ein unbekannter Begriff, und einer Gefahr war ich niemals aus dem QSege gegangen. Aber weder je zuvor noch in meinem späteren Leben habe ich jenes instinktive, jedes vernünftigen Grundes entbehrende Bangen gefühlt, wie ein wuchtender Alb lag es auf mir. lähmte alles Denken, Wollen . . -
3n der Halle war kein Mensch zu sehen.
„Alois! He. 2llois! — Anderl!"
<teei-, dreimal rief der Vinzenz, dann llappte irgendwo auf dem Flur eine Tür, leise schnelle Schritte, der Kaplan trat in den runden, scharf abgegrenzten Lichtkreis des Geweihkronleuchters:
„Herr Graf — und ich bitte, fassen Sie sich, — ein — ein Unglück — die gnädigste Frau Gräfin —"
Sekundenlang stand mein Freund regungslos da, jede Muskel und Sehne gespannt, den massigen Oberkörper vorgebeugt, — und nun ein leuchender Laut, er stürzte den Gang entlang, riß eine Tür auf — dann ein Schrei, der nichts Menschliches mehr hatte, ein wilder, tierischer, ausbrüllender Schrei. —
Mir war es, als gerinne das Blut in meinen Adern zu Eis. mit aller Willenskraft schüttelte ich den lähmenden Dann ab. ging den im Dunkel liegenden Korridor hinab, prallte mit einem Menschen zusammen:
„Mr. White. Sie? So sagen Sie doch — um Gotteswillen — was was ist denn nur . . .?"
Der Haushofmeister jitterie wie Espenlaub.
„Die Frau Gräfin ... vor anderthalb Stunden . . . wir hörten einen Schuß . .
„Mensch!! Sie wollen doch nicht sagen . . .?'" „Ein Mord . . ich habe alle Leute weg- geschickt, den Herrn Grafen zu suchen."
fjöiaj buntialpoß)


