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Aus der Provinzialhauptsiadt.

Gießen, den 3. 3unt 1929.

Das Zähren mit Hunden.

Im neuesten Amtsverkündigungsblatt veröffent­licht das Kreisamt Gießen eine Polizei-Verord­nung über daS Fahren mit Hunden, der wir die folgenden Bestimmungen entnehmen.

Ein Hund darf zum Anspannen und zum Ziehen nur mit pouzeilicher Erlaubnis benutzt werden. Dem Antrag ist ein amtstierärztliches Zeugnis des zuständigen Kreisveterinäramtes beizufügen, das die genaue Beschreibung des Hundes und die Angabe des Gewichts enthält, dos die von dem Hund zu ziehende Last ungefähr haben darf. Kleber den Antrag entscheidet für den Bereich der Landgemeinden des Kreises Dießen das Kreisamt Gießen, für den Bereich der Stadt Gießen das Polheiamt Gießen. Der Füh­rer muß den polizeilichen Erlaubnisschein stets bei sich haben. Auf Verlangen hat er ihn jedem Polizeibeamten sowie dem zuständigen beamteten Tierarzt vorzuzeiaen.

IedeS Hundefuhrwerk muß von einem Führer begleitet sein, der über 14 Iahre alt ist.

Der Führer ist verpflichtet, stets ein Gefäß zum Tränken des Hundes mitzuführen. Im Win­ter muh er dem Hund beim Halten eine Decke oder irgendeinen trockenen Sack unterlegen. Wäh­rend des Fahrens darf sich niemand auf das Hunbefuhrwerk sehen.

Der Führer muß alle Vorschriften der Straßen­verkehrsordnung genau beachten. Insbesondere muh er den Hund jederzeit in seiner Gewalt ha­ben. Er darf nicht schneller als in gewöhnlichem Trab und nur auf der Fahrbahn, aber nicht auf den Fuh- oder Reitpfaden, Banketts und Trot­toirs, fahren. Er muh in der Regel die rechte Seite der Fahrbahn innehalten. Rur beim Aeber- holen darf er vorübergehend die linke Seite der Fahrbahn benutzen.

Es ist verboten, ein Hundefuhrwerk ohne zwin­genden Grund auf einem öffentlichen Weg stehen zu lassen. Der Führer darf das Hundefuhrwerk nicht verlassen, ohne die nötigen Vorsichtsmaß­regeln zur Vermeidung von Unglücksfällen oder Verkehrsbehinderungen getroffen zu haben. Auch darf er das Hundefuhrwerk in der Regel nicht ohne Aufsicht lassen. Wenn er genötigt ist, auf kurze Zeit sich von dem Fuhrwerk zu entfernen, so muh er den Hund entweder anbinden oder aussträngen.

Während der Dunkelheit muh jedes auf einem öffentlichen Weg befindliche Hundefuhrwerk durch eine hellbrennende Laterne beleuchtet sein. Diese muh so angebracht sein, dah sie für die Führer der entgegenkommenden und der vorbeifahrenden Fuhrwerke sichtbar ist.

Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden, wenn nach den allgemeinen Strafgesetzen keine höhere Strase verwirkt ist, mit Geldstrafe bis zu 150 Reichsmark oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft. _________________

Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung im Amtsverkündigungsblatt in Kraft.

Bornotizen.

Tageskalender für Montag. Lichtspielhaus Bahnhofstrahe:Pat und Patachon als Detektive".

Stadttheater Giehen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Eine Sensation bedeuteten in der vergangenen Saison die Vorführungen des Russen Leo Thercmins Aetherwellen-Musik". Auf Professor Theremins Veranlassung ist jetzt ein Theremin-Trio von Musikern gebildet worden, das die Technik der Aetherwellen-Musik beherrscht. Ein einziges Kon­zert dieses Trios findet am Donnerstag, 6. Iuni, im Stadttheater statt.

"Von der Landesuniversität. Der Ordinarius für Chemie an der Universität Er­langen, Professor Dr. Rudolf Pummerer, hat einen Ruf an die Landesuniversität Gießen als Rachfolger des in den Ruhestand getretenen Geheimrats K. Elbs erhalten. Cs handelt sich um den Lehrstuhl, als dessen Inhaber Iustus Liebig im Iahre 1835 zuerst in Deutschland ein großes Laboratorium in den Dienst des Unterrichts gestellt und damit eine äußerst er­folgreiche Schule deutscher Chemiker begründet hat. Professor Pummerers Spezialgebiet ist or­ganische Chemie.

" Die AusstellungDer Mensch", die bis zum 16. Iuni in der hiesigen Volkshalle ge­zeigt wird, wurde am Samstag vormittag vor einem Kreise geladener Personen eröffnet. An­sprachen hielten Beigeordneter Dr. Hamm als Vorsitzender des Dolkshalle-Dereins, Professor Dr. Bürker als Vertreter des Rektors der Landesuniversität und Obermedizinalrat Dr. Z i n ß e r als Vertreter des Kreisgesundheits­amts. In allen Reden wurde der hohe be­lehrende Wert dieser Schau hervorgehoben. 2m Anschluß an die Eröffnung fänd ein Rundgang durch die Ausstellung unter Führung des Ober­medizinalrats Dr. Zinßer statt. Wegen Mangel an Raum muhten wir einen ausführlicheren Be­richt bis morgen zurückstellen.

** Oes fentliche Impftermine. Für die diesjährige öffentliche Impfung in der Stadt Gießen sind folgende Termine festgesetzt: 1. Mitt­woch, 5. Iuni, 14 bis 15 Uhr: Rachschautermin Mittwoch, 12. Iuni, 15 bis 15,30 Ahr. 2. Mitt­woch, 12. Iuni, 14 bis 15 Ahr: Rachschautermin Mittwoch, 19. Iuni, 15 bis 15,30 Ahr. 3. Mitt- woch, 19. Iuni, 14 bis 15 Ahr: Rachschautermin Mittwoch, 26. Iuni, 15 bis 15,30 Ahr. Impflokal ist die Turnhalle der Goetheschule, Westanlage. (Räheres in der heutigen Bekanntmachung.)

" Verkehrsunfall. Bei Kloster Arns­burg kam am Sonntagnachmittag ein Radfahrer infolge Gabelbruches mit seinem Rad zu Fall und erlitt ernstere Verletzungen an Knie und Kopf, die seine Aeberführung in die Chirurgische Klinik in Gießen erforderlich machten.

** Der Löwenzahn. Aus einem Schülerauf­satz: Der Löwenzahn ist eine Pflanze. Wenn er blüht, ist er gelb. Man macht dann Ketten. Der Löwenzahn heißt Löwenzahn, weil er Zähne hat wie Löwen. Der Löwenzahn wächst in den Gie­ßener städtischen Anlagen. Wenn der Löwenzahn reif ist, wird er gemäht. Der Samen vom Löwenzahn fliegt dann. Das gibt neue Löwen­zähne. Der Löwenzahn ist fehr nützlich. Er gibt viel Milch.

Auftrieb zum heutigen Frank­furter Schlachtviehmarkt: 70 Bullen, 240 Ochsen, 546 Kühe, 319 Färsen, 641 Kälber, 76 Schafe, 4580 Schweine.

Wilhelm von Opel zieht sich zurück.

WSR. Rüsselsheim, 1. Iuni. Der bis­herige Seniorchef der Opelwerke, Geheimrat W i l- helm von Opel, hat sich aus der Be­triebsleitung zurückgezogen und die Generaldirektion der Rüsselsheimer Werke seinem Sohne Fritz von Opel übertragen. Geheim­rat von Opel hat seinen Sih von Rüsselsheim nach Wiesbaden verlegt.

Turnen, Sport und Spiel.

Zußball-Lokalkamps in Gießen.

Das gestrige Lokaltreffen der Ligamannschaften der Spielvereinigung 1 9 0 0 gegen D.f.B. auf dem Waldsportplah endete nach sehr spannendem fairen Kampfe mit 2:0 für 1900. Halbzeit 1:0.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem

Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Ansere Stadtanlagen.

Der Artikel imGieß. Anz." vom Donnerstag über den Zu st and der Stadtanlagen wird manchem Gießener aus dem Herzen ge­schrieben sein. In Ergänzung hierzu sei noch hinzugcfügt, daß auch dieAnlagevorHotel Kühne nicht modernen Anschauungen genügen kann: Die dortige Rasenfläche gleicht ebenfalls einer unordentlichen Ankrautwiese. In großer, freier Gestaltung der Landschaft wir­ken blumige Wiesen sehr schön: sie sind bedingt durch die Amgebung. Aber in engere^ Raum- gestaltung innerhalb des Stadtbildes müssen die Anlagen sich nur in gepflegtestem Zustande be­finden, wenn sie dem Bürger Erholung und Freude bringen sollen. Sie sind Allgemeingut, und sollen es auch sein, daher auch der Wunsch, dah es anders werden möge. Ansere Anlagen werben nicht für den Fremdenverkehr durch den vernachlässigten Zustand, in dem sie sich augen­blicklich befinden. Fast jede Stadt wirbt heute,

um den Verkehr für Fremde so angenehm al- möglich zu machen. Gewiß ist die Anlage am Stadttheater freundlicher und sauberer gehalten: doch fehlt hier die ruhige, harmonische Form und Farbenwirkung zu der Umgebung und zu unserem schönen Theater. Die Gesamtanlagen mit ihrem zum Teil prachtvollen Baumbestand sind in ihrer natürlichen Art schön, sie stellen daS innere grüne Stadtband Gießens dar. Am ihre geschlossene Folge kann uns manche Stadt be­neiden. Deshalb aber sind sie besonders wert­voll für die Bewohner unserer Stadt und be­dürfen der besonderen Pflege. Es stehen sehr schöne Bäume oft so verborgen hinter minder­wertigen Decksträuchern, dah sie nicht zur Gel­tung kommen können. Cs liegt innerhalb der ge­samten Anlage zuviel Kleinmalerei, die nament­lich am Theater nicht dem heutigen Geschmack entspricht. Einen geradezu erhebenden Eindruck erhält wohl jeder Besucher Gießens und jeder Blumenfreund, wenn er die Gemüsegärten am Alten Zeughaus" sieht. Dah so etwas über­haupt möglich ist, kann nicht verstanden werden? Inmitten der Stadt am Markt werden so pracht­volle alte Gebäude, welche bei der Werbung Giehens im Licht extra beleuchtet und photo­graphiert wurden, deren Bilder in derHeimat im Bild" des Giehener Anzeigers veröffent­licht wurden, in ihrer äußeren Amgebung der­artig vernachlässigt. Hier kann doch leicht Qlb- hilfe geschaffen werden. B. S. G.

Berliner Börse.

Berlin, 3. Iuni. (WTD. Funkspruch.) Wenn sich auch im heutigen Vormittagsverkchr eine aus­gesprochene Tendenz noch nicht entwickelt hat, glaubt man doch, daß die Stimmung eher freund­licher werden wird. Das Geschäft ist zum Wochen­beginn natürlich noch sehr gering, für Farben, einzelne Montane und Spritaktien scheint Inter­esse zu bestehen. Man taxiert Schultheis 317,5, Siemens 392,5, Farben 258,5, Gelsenkirchen 139, Mannesmann 128,5, Deutsche Linoleum 351. Am Devisenmarkt hört man: London gegen Kabel 484,90, London gegen Madrid 34,50, London gegen Berlin 20,3450, Kabel gegen Berlin 4,1950.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samslag nachmittag geschlossen.

Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten.

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Die diesjährige öffentliche Impfung in der Stadt Gießen findet wie folgt statt:

1. Impftermin: Mittwoch, 5. Juni, von 14 bis 15 Uhr,

Nachschautermin Mittwoch, 12. Juni, von 15 bis 15* Uhr;

2. Impftermin: Mittwoch, 12. Juni, von 14 bis 15 Uhr,

Nachschautermin Mittwoch, 19. Juni, von 15 bis 154 Uhr;

3. Impftermin: Mittwoch, 19. Juni, von

14 bis 15 Uhr, .

Nachschautermin Mittwoch, 26. Ium, von 15 bis 15i Uhr.

Jmpslokal ist die Turnhalle der Goethe­schule, Westanlage. 4926C

Zu diesen Terminen können alle in 1928 oder früher geborenen Kinder, bei welchen der Nachweis der erfolgreichen Impfung bisher noch nicht erbracht wurde, vorge­stellt werden. In 1929 geborene Kinder können in diesen Terminen nicht geimpft werden. Die Kinder müssen mit rein ge­waschenem Körper und reinen Kleidern zur Impfung gebracht werden.

Kinder aus Häusern, in denen übertrag­bare Krankheiten herrschen, sind nicht zu- gelassen.

Gießen, den 31. Mai 1929.

Der Oberbürgermeister. ________I. V. Klings per.

Bekanntmachung.

Der vom Gemeinderat beratene Vor­anschlag für 1929 liegt vom 4. d. 211. an eine Woche lang bei der unterzeichneten Stelle zur Einsicht offen. Bemerkt wird, daß eine Umlage erhoben wird, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben.

Trohe, den I.Juni 1929. 4944D

Hessische Bürgermeisterei Trohe. Schmidt.

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