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Nr. 105 Drittes Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) Keitag, 3. Mai 1929

Turnen, Sport und Spiel.

3. Bezirk Turngau Hessen 0.2.

Am vorigen Sonntag fand das wegen der strengen Kälte anfangs März verschobene Be­zirks-Wintergeräte Wetturnen in Wallernhausen bei Ridda statt.

Einleitend ging am Samstagabend ein stark besuchter Werbeabend voraus, an dem sich auch der Gesangverein, der Posaunenchor und die Mädchenvcreinigung rege mit guten Dar­bietungen beteiligten. Bach der Degrühungs- ansprache des Vorsitzenden des Turnvereins Wallernhausen, Schmidt, gedachte Turner R e u- n i n g in finnigen Worten der Gefallenen, be­sonders der gefallenen Turner. 3m Laufe des 'Abends hielt noch Dezirlsvertreter Wolf eine Turnerrede, ausklingend in ein Gut Heil! auf die D. T. und das deutsche Vaterland. Der Po­saunenchor intonierte das Deutschlandlied, und alles sang wacker mit.

Am Sonntagmorgcn stellten sich 128 Turner und Schüler den Bezirksturnwarten Zeschky und Reih und den Kampfrichtern. Der Rückgang in den Meldungen ist wohl eine Folge des harten Winters, der es den meisten Landvcreinen un­möglich machte, sich turnerisch weiterzubilden. Doch wurden 115 Turner und Schüler Sieger. Den Bogel schoß dabei der Turnverein Hungen ob. der in sämtlichen Stufen den ersten Sieger stellte und auch die weitaus höchste -Zahl an Siegen aufzuweisen hatte. Am Rachmitlag traten die geübteren Tur­ner des Bezirks zu einem Schauturnen an, das viele Zuschauer anlockte. Echzeller Turne­rinnen zeigten Keulenschwingen und Reigen in gut durchgebildeter Weise. IhreArbeit im Gewände jugendlicher Freude" fand starken Bei­fall. Schon um 4 Uhr konnte die Preisvertei­lung stattsinden. Die drei ersten Sieger in jeder Stufe find:

Turner: 1. Paul Reuter, Hungen, 163 P.. 2. Ernst Mölcher, Freienseen, 159 P., 3. Willi Hof­mann, Hungen, 152 Punkte.

Jugend-Oberstufe: 1. Ernst Emmrich, Hungen, 155 P.: 2. Wilhelm Gerhardt. Hungen, 150 P.; 3. Ernst Jung, Billingen. 137 P.

Jugend-Unterstufe: 1. Heinrich Schlö- finger, Hungen. 127 P.: 2. Otto Graf, Billin- gen, 123 P.: 3. Heinrich Zimmer, BiNingen, 122 P.

Schüler: 1. Karl Schäfer. Hungen, 129 P.; 2. Ernst Hofmann, Hungen, 123 P.: 3. Willi Meyer, Gedern, 122 P.

Waldlauf im 4. Bezirk Gau Hessen O. T.

Am vergangenen Sonntag fand in Rieder- Ohmen der Waldlauf der Turnver­eine des 4. Bezirks statt. Die Leitung hatte der Bezirksspielwart E. G e r b i g von Lauterbach, dem ein Stab von Ziel- und Bahn­richtern aus den verschiedenen Vereinen zur Seite stand. Die Vorbereitungen waren von dem Tv. Rieder-Ohmen in mustergültiger Weise ge­troffen, so daß die Läufe schnell und reibungslos durchgeführt wurden. Gemeldet waren jum Lauf ungefähr 70 Turner. Die Siegerverkündigung wurde am Abend im Dereinslokal Doll von dem 1. Sprecher. Lehrer Dern, vorgenommen. Rach­stehend ein Auszug aus der Siegerliste.

Einzelläufe:

^-Klasse (Turner über 18 3.) 5000 Meter: 1. K. Schaaf, Tv. Bernsfeld: 2. H. Roth, Tv. Alsfeld: 3. E. Otto, Tv. Rieder-Ohmen.

6-Klasse (16- und 17jährige) 3500 Meter: 1. W. Dehnert, Tv. Bernsfeld: 2. O. Erb, Tv. Rieder-Ohmen: 3. H. Schäfer, Tv. Schlitz.

(^-Klasse (15jähr. u. jüngere) 1500 Meter: 1. K. Erb. Tv. Rieder-Ohmen: 2. K. Zulauf. Romrod: 3. R. Börger. Rieder-Ohmen.

Mannschaftsläufe:

^-Klasse: 1. Tv. Bernsfeld: 2. Tv. Rieder- Ohmen: 3. Tv. Alsfeld.

O-Klasse: 1. Tv. Rieder-Ohmen: 2. Tv. Romrod: 3. Tv. Bernsfcld.

Spielvereinigung 1900 Gießen.

ö. Da im benachbarten Mainbezirk die Aufsticg- spicle zur süddeutschen Oberliga vom 5. Mai auf den 12. Mai verschoben wurden, gelang der Spielvereini­gung 1900 für den kommenden Sonntag die Ver­pflichtung des D. f. B. Friedberg, der als diesjähriger Nordmainkreismeister an diesen Auf­stiegspielen teilnimmt, zu einem Gesellschaftsspiel nach Gießen. Wer Gelegenheit hatte, die Friedberger bei ihren letzten Meisterschaftsspielen zu sehen, in denen sie Vereine, wie die spielstarke Germania 94, Frankfurt a. M., hinter sich ließen, der kam zu der Ueberzeugung, daß sich die Oberhessen sehr verbessert haben. Da das Gießener Gastspiel gewissermaßen als Generalprobe für die Aufstiegspiele gilt, ist be­stimmt anzunehmen, daß die Gäste in stärkster Auf­stellung hier antreten. Der Platzoerein 1900 hofft, zu diesem Spiel erstmals komplett, d. h. in stärkster Aufstellung anzutreten, da nunmehr die Studenten wieder zurück sind und die Spiclsperrc für den Halb­rechten Stürmer Erb abgelaufen ist. Der Ausgang des Treffens ist völlig offen, da 1900 auf eigenem Platz immer ein schwer zu nehmendes Hindernis ist.

Die Reserven erwarten die erste Elf Grün­st e r g s und werden sicher einen recht ansehnlichen Sieg über die Gäste herausholen.

1900s dritte Mannschaft trägt in S t e i n - stach gegen die dortige erste Elf ein Gesellschafts­spiel aus. Die Chancen der Gießener sind dabei aber nicht groß, da mehrfacher Ersatz mitwirkt.

Die erste Jugendelf empfängt die erste Ju- gendmannschast vom D. s. R. Butzbach. Beide Mannschaften dürften gleich stark sein.

Die zweite Jugend 1900s ist noch gesperrt und die Dritte spielfrei. Die 3b-Jugend wird Steinbachs erste Jugend zum Gegner haben. Diese Begegnung findet ebenfalls in Steinbach statt.

1900s e r st e S ch ü l e r e l s, die in letzter Zeit sehr schöne Spiele lieferte, wird nach dem Ligaspiel gegen die Schüler vom V. f. B. Friedberg das Rückspiel liefern. Im Vorspiel in Friedberg blieb 1900 mit 2:0 Toren siegreich.

1900s zweite Schüler tragen das Rückspiel vom vorigen Sonntag gegen Wetzlar-Rieder- girmes aus.

V. f. B.

Einem alten Abschluß gemäß sollte die Liga- Mannschaft am kommenden Sonntag auf hie­sigem Platz gegen die Liga des D. f. L. Frank­furt spielen. Auf Antrag der Frankfurter ist das Treffen jedoch aus den Himmelfahrtstag ver­legt worden. Auch die Ligareserve ist spielfrei.

Die Dritte hat sich S t e i n b e r g s Erste zu einem Gesellschaftsspiel nach hier verpflichtet und sollte dank ihrer größeren Wettspielerfahrung und reiferen Spielweise die Gäste ohne allzu viel Mühe schlagen können.

Die A.-H. -Mannschaft fährt nach Lich, | um der dortigen neu zusammengestellten A.-H-

Elf ein Freundschastsspiel zu liefern, daS sie aller Voraussicht nach hoch gewinnen dürfte.

Einen ziemlich sicheren Sieg darf man auch der erften Iugendrnannschaft Voraus­sagen. Sie trägt in Grünberg gegen dessen Jugend ihr letztes Pflichtspiel der diesjährigen Saison aus und wird, nach der Reihe ihrer Erfolge, alles daransehen, zum Abschluß ein möglichst gutes Resultat herauszuholen. Sie dars jedoch keineswegs den Gegner unterschätzen, der auf seinem kleinen, für fremde Mannschaften un­gewohnten Platz immerhin überraschen kann.

Wesentlich schwerer sollte es die zweite 3 u g e n d haben. Trotzdem sie den Vorteil des eigenen Platzes hat, wird sie im Pflichtspiel ge­gen Heuchelheims erste 3ugend im besten Fall kaum mehr als ein Unentschieden erringen können, da der Gegner als recht spielstark gilt.

Die dritte 3 u g e n d hat sich Steinbachs 3ugendelf zu einem Gesellschaftsspiel nach hier eingeladen. Wenn die Gäste körperlich nicht allzu sehr überlegen sind, kann V.f.B. knapp gewinnen.

Die erste Schülermannschaft wird vor­aussichtlich das noch fällige Pflichtspiel gegen die gleiche des Wetzlarer Sportvereins angeseht bekommen.

Fußball in Heuchelheim.

Eine alte Rückspielverpflichtung erfüllend, fährt die erste Mannschaft des Sportvereins 1 920 Heuchelheim am kommenden Sonntag zum S.V. Oranien Frohnhausen (Dill­kreis). Ob es den mit Ersah antretenden Heuchel- heimern gelingen wird, einen Sieg mit nach Hause zu bringen, muß nach der derzeitigen Form der Mannschaft stark bezweifelt werden.

Die 1. 3ugend fährt am nächsten Sonntag nach Herborn. Ob auch hier wieder ein Sieg glücken wird, hängt von der Aufstellung der Mannschaft ab.

Fußball in Großeu-Buseck.

Für nächsten Sonntag wurde Sportverein O f f- d i l l n I nach Grohen-Buseck eingeladen. Offdilln ist in hiesiger Gegend wohl noch unbekannt, jedoch spielt die Elf in der Heimat einen recht an­sprechenden Fußball, der auf guter technischer Grundlage aufgebaut ist. Die F. C.-M an n - schäft tritt in der gleichen Besetzung an, wie gegen Dallspielverein Sinn, da sich diese in der besten Weise bewährt hat.

Die 3ugend des Sportvereins Leih­gestern wird zum Pflichtspiel gegen die 3ugend des Plahvereins Grohen-Buseck antreten. Eine Voraussage über den Spielausgang kann man hier nicht machen, jedoch dürste man der Busecker 3ugendelf etwas größere Siegeschancen ein­räumen.

V. f. B. Aßlars Schüler werden ihr De­büt gegen Grohen-Dusecks Schüler geben. Be­kanntlich sind die Treffen von Schülermannschaf­ten, was Sportlichkeit anbelangt, immer schön.

Handball Tv. 1899 Großen-Busect.

Zum Rückspiel empfängt am nächsten Sonntag Grohen-Buseck den Kinzig-Gaumeister Tv. Hüt- tengesäh b. Hanau. Die Gäste werden wohl nicht um eine Riederlage herumkönnen, zudem dieses Spiel auf gutem Boden stattfindet. Grohen- Buseck kann seine in den letzten schweren Spielen gesammelten Erfahrungen ausnuhen, um sein Torverhältnis wieder positiv zu gestalten. Bei Gewinn des Spieles steht der Gau-Hessen-Meister mit dem Gau-Main-Meister punktgleich.

Arbeiter Turn- und Sportbund.

Der kommende Sonntag sicht Gießen I (Kreis klasse) zum Pflichtspiel in Lollar als Gast. Bei dem vor wenigen Wochen ausgetragenen Freund­schaftsspiel beider Mannschaften konnte Lollar die Gaste mit einer Niederlage heimschicken. Gießen wird jetzt alles daransetzen, um diese Niederlage wie der auszugleichen. Auf den Ausgang des Spieles darf man gespannt sein.

Wetzlar empfängt Gießen 1b. Hier treffen zwei gleichwertige Gegner auseinander. Wetzlar wird wohl die Chancen des eigenen Platzes auszu nutzen wissen und als glücklicher Sieger den Platz verlassen.

In der zweiten Klasse hat Leun 1 Klein- Linden I zu Gast. Hier dürfte den aufstrebenden Gästen der Sieg zuzusprcchen sein.

In Kinzenbach treffen sich Kinzenbach I Wieseck II. Hier treffen zwei gleichwertige Gegner aufeinander, von denen der Glücklichere Sieger blei ben wird.

Steinbach I hat Beilstein I zu Gast. Hier werden die Gälte die besseren sein und Sieg und Punkte mit nach Hause nehmen.

R o d h e i m I wird in Watzenborn auf einen gleichwertigen Gegner stoßen und nur mit viel Glück Sieger bleiben.

Auch Oppenrod dürfte sich gegen Oden Hausen in Odenhausen zwei weitere Punkte holen.

Burkhardsfelden wird in Grünberg zu Gast sein und wird sich anstrengen müssen, wenn es die Punkte erhalten will.

Auch Da u bringen I Hachborn I wer­den sich in Daubringen ein spannendes Spiel lie­fern, in dem die Einheimischen wohl Sieger bleiben werden.

Treis wird sich in Staufenberg anstrengen müssen, wenn eo von den Nachbarn nicht besiegt werden will.

Hungen I, das in Beuern zu Gast weilen wird, dürste sich im Spiel gegen die dortige erste Mannschaft zwei weitere Punkte sichern.

In der Jugendklasse treffen sich: Gießen Jugend Treis Jugend; Wieseck Heuchelheim: Wismar Klein-Linden: Rodheim Naunheim: Watzen­born Großen-Linden.

Die Leichtathleten des Bezirks treffen sich am Sonntag auf dem Universitäts-Sportplatz zu einer Lehrstunde. Uebungsplan: Laufschule, Kugel­stoßen, Speerwerfen und Hochsprung.

Die Geräte - Ober st ufenturner halten eine Uebungsstunde in Heuchelheim ab.

Wirtschaft.

Oie Neichsbank Ende April.

Der Ausweis der Reichsbank vom 3 0. A p r i l zeigt in der Ultimowoche ein A n - wachsen der gesamten Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Reichsschatz­wechseln, Lombards und Effekten um 831,5 Mil­lionen auf 3281,6 Millionen Mark. Im einzelnen sind die Bestände an Wechseln und Schecks um 550,9 Millionen auf 2790,2 Millionen Mark, die Bestände an Reichsschatzwechseln um 59,6 Mil­lionen auf 136,4 Millionen Mark und die Lorn bardbestände um 221,1 Millionen auf 262,1 Mil Nonen Mark angewachsen.

An Reichsbanknoten und Renten­bankscheinen zusammen sind 760,3 Millionen Mark neu in den Verkehr abgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 712,6 Mil-

Nachdruck verboten.

19 Fortsetzung.

Roman einer Nacht

Don Paul Nosenhayn.

Dort, an dem großen Motorrettungsbvot. drän­gen sich ein Paar Frauen: ein Paar schwarze Teusel reißen sie zurück, schleudern sie zu Boden. Ein Schiffsoffizier tritt mit erhobenen Fäusten auf sie zu; ein Boxhieb er klatscht über die Reling hinüber ins Wasser. Dumps brüllt die Dampfpfeife.

3m sechsten Rettungsboot, das eben schaukelnd in den Davits niederging, drängten sich Bruno Riedinger und Lilian Stone. Rasselnd ging die Winde: der Kiel des Bootes klatschte glucksend auf das Wasser nieder.

Don oben kamen gellende Zurufe: jemand sprang über Bord, schwamm mit zwei, drei Stößen dem Boot nach, legte die Faust aus den Bootsrand, um sich hineinzuschwingen.

Plötzlich stand ein heulender Ton in der Luft Niemand konnte ihn sich erklären. Er schwoll an es schien, als ob das Meer, als ob die ganze Welt getränkt sei mit diesem irrsinnigen Geheul. Cs kam nicht aus Menschenmund; es schien geradewegs aus der Hölle zu kommen. Alles blickte auf das Schiff, das sich wie ein schwarzes Tier im Todeskampf zu bäumen schien: noch hörte man lei|e die OHuftf; die gedampfte Melodie eines Chorals. , «a

Plötzlich ging ein Schrei durch die Rächt, das Licht erlosch.

Lähmendes Entsetzen breitete sich über der nächtlichen Szene aus: dann ftieg ein wahn­witziges Kreischeii zum Himmel. Wieder setzte jenes Heulen ein und. wie in einer iahen uno letzten Wendung, schoß das Schiff mit alle Leben, das es barg, in die Tiefe. ..

3n furchtbaren Wirbeln schlug das Wasler über dem versunkenen Dampfer zusammen: berge­hohe Wellen klatschten zu>n Himmel, stürzten krachend nieder und zogen alles Lebendige, das in einer letzten verzweifelten Hoffnung fluch­tete, in ihren brüllenden Schlund. .

Heber die gurgelnden Wasser hallte em tiefer Ton. Ein beruhigender, tröstender, rufender Ton.

Am Horizont flammte das Suchlicht des eng­lischen Dampfers auf.

Wo talwärts über Felsgestein

der Riagara brausend fließt, wo still der Amazonenstrom sich in den Ozean ergießt, und wo am Mississippi still die Rothaut ernst und sinnend lauscht den Weisen, die er ihr erzählt

v von alten Zeiten, längst verrauscht, ' A \

wo meine Wiege stand,

ja, dort allein kann ich nur glücklich sein:

dort in dem freien Heimatland: Amerika....

Eva Sullivan verneigte sich: Zurufe, brau­sender Beifall, winkendes Grüßen drangen zu ihr heraus.

Mit stiller Wehmut denk ich heut

des Orts, wo ich geboren bin;

im Schattenspiel der Sykomoren.

so flieht der Hudson leicht dahin ...

Der 3mpresario blätterte in den Roten: ein Kreis von Enthusiasten stand um ihn herum. Wünsche äußernd, mit jener heißen, aus Rächt, Klang und Stimmung erwachsenen Eindringlich­keit:Ein Regerlied!"Ein Wiegenlied!" Die Hallenarie!"

Fedor Sokoloff stand unweit des Flügels, die Hände in den Fracktaschen. Die Blicke der Frauen streiften ihn, mutiger, begehrlicher, in der Tiefe dieser erregenden Rächt.

Aus dem Arm des Operndirektors löste sich Marcelle Krenh. Sie kam quer durch den ©aal, direkt auf Sokoloff zu und schlug ihn mit dem Strauhfederfächer leicht auf den Arm.

..Run, mein Herr?"

..Run, gnädige Frau?"

Sie trat um einen halben Schritt näher an ihn heran.Wie kommt es. daß du noch immer hier bist?"

Er antwortete mit höflichem Lächeln, wie in einer liebenswürdigen Konversation:

Du weiht, warum ich hier bin.

Sie nickte, und ein harter und böser Ausdruck trat in ihr Gesicht.

Linda Andersen," sagte sie leise.Du kannst dich von deiner Geliebten nicht trennen.

Er zog das Zigarettenetui und bot ihr an.

Sie richrte keine Hand.

Du weiht genau, daß Linda Andersen nicht meine Geliebte ist."

Aber du gibst dir alle Mühe, sie dazu zu machen."

Wenn dieser Tanz zu Ende ist ...

Bist dii eifersüchtig?"

Zwischen ihren Brauen erschien eine kleine Falte.Du weiht, was auf dem Spiele steht. 3ch fiebere vor Angst von Minute zu Minute warte ich auf die Rachricht. Und du kannst in aller Seelenruhe Konversation machen?"

Mein liebes Kind, sagte Sokoloff um einen Ton schärfer,ich pflege nur Dinge zu tun, die einen bestimmten Zweck haben, lind ich Pflege alles zu unterlassen, was zwecklos ist. Oder gar: was zweckwidrig ist. 3ch stehe hier und warte, genau wie du wartest. Glaubst du. ich wäre nicht in Sorge?"

Du lügst. Du bist hier, weil Linda Andersen hier ist.

Du benimmst dich wie eine eifersüchtige Kon­fektioneuse."

3n Wahrheit bist du es, für den alles auf dem Spiel steht."

Er deutete mit den Augen hinüber.Dort steht Peter. Er beobachtet uns aufmerksam."

Mag er.

Sokoloff schüttelte den Kopf.Dieser Peter ist gefährlich. 3ch sage es dir."

Du willst mich nur los sein."

Wenn du mir noch ein paar weitere Proben dieser Art gibst so fange ich an zu glauben, daß du an die Seite des Herrn Staatsrat Krcnh gehörst. Und nicht an die meine.

Sie hob den Kopf: die Furcht vor dem Ver­lieren mochte ihre jähe Wirkung tun.Du mußt mich begreifen," sagte sie mit tiefer, fast weicher Stimme.Du kannst so nicht mit mir spielen. Und du kannst" ihre Stimme festigte sich du kannst nicht so deine Mission in den Wind schlagen. Unsere Mission."

Hast du den Paß?"

Sie schüttelte den Kopf.Das Zimmer ist ver­schlossen."

3st das im Ernst ein Hindernis?"

Der Diener war plötzlich da."

Siehst du!"

3rgend etwas stimmt nicht." Sie öffnete die Handtasche.Weiht du, was das ist?"

Er blickte erstaunt auf das Kodaknegativ und nahm es ihr aus der Hand.

Das bin ich," sagte er, ehrlich erstaunt.

3ch fand es vor der Tür seines Schlaf­zimmers."

Sokoloff wandte unmerklich den Kopf.Peter." sagte er.3mmer ist es Peter. Er muß mich photographiert haben."

Aber warum?"

Wo ist dein Mann?" fragte er mit unruhiger Stimme.

Sie zuckte die Achseln.Fast glaube ich, er ist nicht in seinem Zimmer."

Hier ist Gefahr," sagte er plötzlich.

Solange ich auf deiner Seite bin, antwortete sie lächelnd,bist du nicht in Gefahr."

Er wiegte den Kopf.Wer spricht von mir?

Du bist in Gefahr."

Ein Diener kam durch das Gewühl der Gäste. Gnädige Frau ..."

Was gibt es, Laurids?"

Hier ist ein Radiogramm. Für Herrn Mac- donald."

Macdonald ... warten Sie ... es ist der 3m- presario der amerikanischen Sängerin."

Eben verkündete jemand:

Fräulein Sullivan wird ein skandinavisches Lied fingen."

Brausender Applaus quittierte über die Hul­digung, v v y

Eva Sullivan trat auf das Podium: von neuem mit Beifall begrüßt.

Lang' noch ich stand.

Eh' dort im Westen fein Segel verschwand: Glücklich ist's, darf in die Weiten Fritjof begleiten!

Der Diener trat auf den Zehenspitzey hinter das Podium: der 3mpresario blickte ihm ver­ständnislos entgegen.

Ein Radiogramm, Herr Macdonald."

Es wird von Bord derEva Sullivan" fein," sagte Marcelle, die hinzutrat.

Wenn Lenzluft weht, Kommt er zurück, Doch die Lebende geht Richt ihm entgegen im ©aale, Dort nicht im Tale.

Macdonald rih den Umschlag auf.3ch kenne das: der Kapitän meldet die glückliche Einfahrt in den Hafen von Kopenhagen."

Falk, der mir blieb, Von ihm vergessen. Wie bist du mir lieb! Fülfre dich wie einst dein Pfleger, Fliegender 3äger.

Marcelle blickte mit lächelnder Reugier in Macdonalds Gesicht, während er den 3nhalt der Botschaft überflog. Sie sah befremdet, wie seine Hände zu zittern begannen wie sein Gesicht totenbleich wurde, wie seine Züge, während er wie ein 3rrer auf das Telegramm stierte, vor ihren Augen verfielen. Er griff mit der Hand nach der Lehne eines Stuhls; taumelnd sank er in sich zusammen. Er schloh die Augen: das Tele­gramm entfiel seiner Hand. Ein Hilfsbereiter wollte es aufheben, aber Marcelle, in einer dumpfen Ahnung, bückte sich blitzschnell danach und faltete es zusammen Ohne daß sie es wollte, hatte sie den Sinn der wenigen Worte ersaht: aber ungläubig, unfähig die Meldung zu begreifen, ptehte sie das Telegramm in ihrer zitternden Hand zusammen.

Sokoloff trat näher.

3n diesem Augenblick schlug Macdonald die Augen aus. Er nahm mit einem schwachen Kopf­nicken die Depesche aus Marcettes Hand. Mit einer krampfigen Bewegung wandte er den Kopf hinüber zum Podium. Dort oben stand in strah­lender Schönheit, mit der lächelnden Frische der Amerikanerin, Eva Sullivan.

Fräulein Sullivan darf nichts erfahren. Es könnte ihr Tod sein."

Marcelle nickte: Sokoloff sah sie fragend an.

Der Impresario öffnete mit zitternden Fin­gern das Telegramm und sagte, die schweren Lider hebend:

Der DampferEva Sullivan" ist unter­gegangen.

(Fortsetzung folgt.)