Nr. 205 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhejsen) Montag, 2. September 1029
Oer Krieg im Dunkeln.
Oie Völkerverpflanzung am Bosporus. — Mussolinis Vermittlung zwischen der Türkei und Griechenland.
Don unserem H.-T./Berid)tcrftatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Athen, August 1929.
Europa hat cs schon seit den Tagen des Dr. Faust nicht weiter tragisch genommen, wenn hinten weit in der Türkei die Völker aufeinander- schlugen und glaubt infolgedessen auch heute den Papierkrieg, der seit einer Reihe von Jahren, mit Aktenbündeln, Tabellen und Statistiken, zwischen den türkischen und griechischen Delegierten in Angora durchge- sochten wird, leichten Herzens als „querelles orientales“ abtun zu können. Dabei vergißt man aber nur allzu leicht, daß gerade vom Ausgang dieser Tragikomödie sehr wesentlich die Gestaltung der kommenden Dinge im östlichen Mit» tclmcer abhängig ist. —
Grund und Ursache des Streites ist zu bekannt, als daß man beides des langen und breiten noch einmal zu wiederholen brauchte: mit der Unbeschwertheit, mit der von jeher in Asien die großen Rassen- und Völkergegensähc gelöst zu werden pflegten, hat sich der Türke der anato- lischen Griechen entledigt: dafür haben die Griechen ihre türkischen Mitbürger exiliert und nun geht es um den Ersah und den Ausgleich der Schäden, die diese Völkcrvcrpflanzung ganz zwangsläufig für die beiden Erbfeinde im Gefolge gehabt hat. Selbstverständlich versucht jeder der beiden Kontrahenten den anderen nach bestem Wissen und Gewissen über dos Ohr zu hauen, der grüne Tisch der Diplomaten hat die Hondelsmethoden des Vasars übernommen und wie bei jedem orientalischen Kuhhandel, ist auch hier kein Ende des Palavers abzusehen.
Zumal über dem Ganzen eine „neutrale Kommission" schwebt, Männer, die sich bei hohen Gehältr>rn und wenig Arbeit sehr wohl fühlen und die erklärlicherweise das größte Interesse daran haben, das schwelende Feuer nie ganz ousgehen zu lassen, oder höchstens erst dann, trenn die Streitmasse verprozessiert und aus dem kümmerlichen Rest Gehälter und Gebühren nicht mehr aufzubringen sind. Zur Erheiterung aller neutralen Zuschauer wird außerdem jede Woche ein Kommunique, herausgegeben, das heute von dem „unmittelbar bevorstehenden Abschluß der Verhandlungen" zu berichten weiß, morgen „Ausflüchte" der Griechen oder der Türken vermeldet und übermorgen den entsetzlich gelangweilten Festgenossen „neue Einigungsvorschläge" serviert. „Vevorstehende Llnterzeichnung — Vertagung — Annäherung — Ablehnung —“ so geht es im ermüdenden turnus ad infinitum weiter, und man könnte leichten Herzens über diesen häuslichen Streit zur Tagesordnung übergehen, wenn eben nicht von der griechisch-türkischen Einigung in der Entschädigungssragc sehr wesentlich die weiteren Pläne Mussolinis im östlichen M i t t e l m e e r beeinflußt würden.
Die Ziele Mussolinis sind bekannt: der alba« nisch-ungorische-bulgarische ..Angriffsring", den er um dos jugoslawische Faß zu schmieden versucht, soll durch den „Reservering" Angora-Athen verstärkt oder durch Ausschaltung der Rücken- bedrotz'ung - also durch Aufputschen der Griechen gegen die Türken und umgekehrt — um so ongriffstüchtiger und angriffsfreudiger gemacht werden. Dieser letzte Weg ist zeitraubend und kostspielig und „ungewiß ist der Erfolg", selbst wenn dabei zum Schluß für Italien die Möglichkeit herausspringen sollte, gleichzeitig und mühelos auch noch den Dodekanes- und den Smyrna- Rahm abzuschöpfen.. Oder aber — die für die Abrechnung mit Jugoslawien erforderliche Rückensreiheit wird auf andere Weise sicher- gestellt: durch einen von Rom protegierten „Freundschaftsvertrag" Athen-An- g o r a.
Um dos Groteske dieses Planes und die iln- Natürlichkeit dieser Verbindung auch nur einigermaßen verstehen zu können, muß man schon Vergleiche aus dem Tierreich heranziehen: Angora-Katze und die Eule von Athen sollen sich unter Assistenz der Wölfin paaren, obgleich diese drei Tiere, ihrer ganzen Ratur nach, jedes für sich und alle untereinander, geborene und geschworene Feinde sind, die sich nur aus dem einen Grunde noch nicht zerrissen haben, weil keiner es mit dem anderen zur Zeit aufzunehmen wagt.
Merkwürdig, daß Mussolini, der doch sonst ein so guter Psychologe ist, ausgerechnet in der türkisch-griechischen Frage gewisse Imponderabilien so ganz außer acht läßt: seit hundert Jahren und länger haben sich Griechen und Türken Urfehde geschworen. Dieser Krieg wird auch heute noch trotz des Friedens von Lausanne mit ungeschwächter Erbitterung fortgesetzt, auch wenn an Stelle von Gewehren und Kanonen nicht minder tödlich wirkende „Dekrete" und „Verordnungen", „Konferenzen" und „Verhandlungen" getreten sind.
Gewiß, die Möglichkeit, daß die beiden Erbfeinde aus dem Papier eine „tragbare Einigungsformel" finden, besteht durchaus, und wenn Rom in der Loge ist, in bar oder in Ratur gehörig zu zahlen, wird Mussolini seinen erstrebten An- qora-Athen-Pakt befriedigt „zu den übrigen" fegen können. Rur ist der springende Punkt dabei der: In „Süd-Ost-Europa", — ein unfreiwilliger Witz, der Zeugnis für die fortschreitende Valkanisierung eben dieses Europas ablegt — auf dem Valkan und in der „Reuen Türkei" hält man es mit Verträgen, wie die „Mädels vom Chantant" mit der „Liebe": Beide pflegen beides nicht sonderlich „tragisch" zu nehmen. „Unterschreiben — soviel ihr wollt — verschont uns nur mit Lesen!" Dieser Isolani-Standpunkt gilt auch hier, ganz zu schweigen davon, daß jeder Vertrag mit der reservatio mentalis abgeschlossen wird: „Wie drücke ich mich am besten vor meinen Verpflichtungen, wenn die Stunde der Erfüllung naht?" Mit einem Wort: eine aufrichtige türkisch-griechische Verständigung, die auch nur die leiseste Belastungsprobe ertragen soll, ist zur Zeit e i n absolutes Ding der Unmöglichkeit. „Eher wird" — um mit Vater Herodot zu reden — „der Himmel unter der Erde sein und die Erde in der Luft, eher werden die Menschen tm Meere wohnen und die Fische da, wo die Menschen sind" — eher werden Zeichen und Wunder geschehen, als daß sich Türken und Griechen versöhnt in die Arme sinken. Wenn sie es d o ch tun, dann eben nur, um die verwundbarste Stelle am Körper des Gegners abzutasten, um dort bei nächster Gelegenheit das Messer ansehen zu können.
Wie stehen die Dinge in Wirtlichkeit? Für Angora kommt e s daraus an, die Vernichtung des griechischen Elements, die 1920 begonnen wurde, restlos durchzuführen. Anatolien ist gesäubert, jetzt wird der Besen in K o n st a n t i n o p e l angeseht. Dort wohnen noch etwa 180 000 Griechen, die nicht unter den Austauschparagraphen fallen. Mit Gewalt können sie nicht abgeschoben werden, also geschieht es auf trockenem Wege in Form jener aalglatten, Schikanen, in denen der Türke unerreichter Meister ist. Bezeichnenderweise beschränkt sich dabei die türkische Offensive nicht allein auf Konstantinopel, auch in Aegypten zieht die nationalistische, zunächst von Angora nur gegen das dortige Griechentum geschürte Bewegung immer weitere Kreise, ilnö zwar in einer Form, daß man in Athen bereits eine Demarche bei der ägyptischen Regierung in Erwägung gezogen
Uraufführung in Vad-Aauheim.
Paul Frank: Grand Hotel.
Uraufführung; gleichzeitig mit Berlin (Lustspiel- Haus) und mehreren Orten in der Provinz. Wie dort die Premieren ausgefallen sind, wird man lesen; in Nauheim war sie ein sehr freundlicher, fast l>erzlicher Erfolg.
Ehe die naheliegende Frage beantwortet wird, ob wir den Erfolg für verdient halten, sei darauf hingewiesen, daß der Autor mit den drei zur Zeit berühmtesten Franks in der Literatur nicht zu verwechseln ist: also weder mit Leonhard noch mit Bruno noch mit Hans, der sich außerdem mit ck schreibt.
Paul, aus Wien, ist aber auch kein Neuling mehr und mit einer Reihe von Dramen und Romanen gut eingeführt, von denen „Das Mangobaumwunder" (1316) hcrvorgehoben sei.
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Was das neue Lustspiel angeht, so verfügt es über zweierlei, was den äußeren Erfolg rechtfertigt oder doch nicht unverdient erscheinen läßt: einen hübschen Einfall und einen anständigen dritten Akt.
Natürlich dürfen auch die Mängel nicht verschwiegen werden. Der recht durchschnittliche, oberflächliche und manchmal platte Dialog, der nur hin und wieder durch ein wienerisches Bonmot belebt wird. Und vor allem: der Mangel an Wirklichkeit. Das scheint viel verlangt; aber auch ein gutes Lustspiel sollte einen Schimmer davon haben; wenn nicht in der Fabel, so doch in der Stimmung und im Stil, in dem die Fabel abgewandelt wird.
(Schwer zu beschreiben: es äußert sich vielleicht darin, daß man mittendrin die Augen zumachen und die Fabel weiterspinnen kann und vielleicht auf ein paar Augenblicke vergißt, daß man im Parkett sitzt; hier verlor man keine Sekunde das Bewußtsein, daß der dritte Akt um 22.15 Uhr beendet jein und daß man bequem den letzten Zug erreichen würde.)
'Alles was geschieht, geschieht so unwahrscheinlich, daß die einzige Realität babei nur das Theater sein kann. Es ist ober zuzugeben, daß es sich hier um handfestes, gutes Theater handelt. Es gibt dichterisch viel wertvollere Lustspiele, die technisch viel schlechter sind. Die meisten haben mit dem
zweiten Akt ihr Pulver verschossen. Dieses Stück hat die wirklich seltene Fähigkeit, im letzten nicht nur noch etwas sagen zu können, was zur Sache gehört, sondern sogar erst hier die Pointe zu bringen und infolgedessen die Spannung bis kurz vor dem dritten Vorhang zu halten.
Die Idee: daß ein harmloser junger Mann mit baren zehn Schillingen im Sack sich im Foyer des Grand Hotel in eine unerhört vornehme Dome verliebt, sie anspricht und zum Souper einlädt — mit der totsicheren Chance vor Augen, knapp noch dem letzten Gang mit hörbarem Eklat hinausgeschmissen zu werden.
Der Mittelakt schlachtet die dankbare Idee bis hart an die Schwankgrenze aus. Der junge Mensch, in einem grotesken Anfall von Wundergläubigkett und im verzweifelten Vertrauen auf abenteuerliche Zufälle, lädt noch zwei schwerreiche Bekannte der Dame dazu ein, indes fein nach Hilfe ausgeschickter Freund mit immer leeren Händen zurückkommt.
Im dritten Akt, der schon im „Appartement" spielt, wartet man mit leisem Mitgefühl auf ein unvermeidlich scheinendes tragikomisches Fiasko —, da ergibt sich eine überraschende Lösung mit der geschickten Einführung des Motivs vom betrogenen Betrüger. Der Hochstapler aus Phantasie wird auf eine sehr freundliche und taktvolle Weise dadurch sowohl entlarvt wie gerettet, daß die andern fein Spiel teils durchschaut hoben, teils durch den Mitwisser gebeichtet bekommen ... und teils verliebt, teils großzügig und humorvoll genug sind, dos Spiel auf ihre Art zu einem glücklichen Ende zu führen.
Die Inszenierung (Regie: lanncrt) war lebendig und spannend, mit Sinn für Humor und Gefühl für die starke Theoterwirkung, die aus den drei Akten herauszuholen ist.
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Die Aufführung steht und fällt mit der Besetzung der beiden Hauptrollen; Mario Koch als Dame Glay sah blendend aus: war anfangs uneinheitlich und zu unvermittelt im Uebergang zum zweiten Akt , fand erst im dritten die Wärme des Tons und dos gütig überlegene Lächeln, was beides diese Figur hoben muß, wenn man sie verstehen soll.
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hat. Ob und inwiefern dabei allerdings Engländer und Aegypter unter einer Decke stecken, mit dem Ziel, sich die sehr gefährliche Konkurrenz des griechischen Kaufmanns vom Halse zu schaffen, läßt sich zur Zeit noch nicht klar erkennen. Fest steht nur, daß man in Aegypten seit einiger Zeit nicht nur die uransässigen Griechen, sondern vor allem die aus den ehemaligen türkischen Provinzen stammenden auf jede Weise schikaniert: diese Griechen sollen gezwungen werden. im Laute von sechs Monaten entweder die ägyptische Staatsbürgerschaft zu erwerben, oder nach Ablauf dieser Frist das Land zu verlassen. Beides' wäre gleichbedeutend mit dem wirtschaftlichen Ruin der davon Betroffenen.
Die Mittel, die Aegypten gegen das dortige Griechentum in Anwendung bringt, stehen hier nicht zur Debatte, dafür erläßt Angora jeden Tag neue Verfügungen, die systematisch auf d i c wirtschaftliche Vernichtung der Kospoli-Griechen hinzielen. Kein Tag vergeht, an dem nicht unter geschickter Berufung auf die tatsächliche Rotlage der eingeborenen Türken für die Fremden — das heißt Griechen — ein Beruf nach dem anderen gesperrt wird. Mag es sich um Hebammen oder Lastträger, Direktoren oder subalterne Schreiber, um Kutscher. Wechsler. Rechtsanwälte, Portiers, Straßenhändler oder Fremdenführer handeln — mit allen „erlaubten Mitteln" soll das griechische Element zur Abwanderung gezwungen werden.
Und die Tragik für Athen liegt darin: es steht mit gebundenen Händen dabei und vermag auch nicht einen Finger für feine Volksgenossen jenseits &ef Grenze zu rühren. Es hat an feinen „Pros-Fhges" schon übergenug zu tragen, jeder einzelne, etwa noch zuwandernde Grieche kann der Tropfen sein, der das Faß zum ileberlaufen
bringt. Denn die Kospoli-Griechen sind Städter, sie können auf dem Lande nicht angcfiebelt werden und in den Städten ist für diese Bedauernswerten weder räumlich noch wirtschaftlich Llntcrbringungsinöglichkeit vorhanden. Ein neuer Massenzuftrom würde für Griechenland nichts mehr und nichts weniger als den völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Daher die verzweifelten Bemühungen Athens mit den Türken, selbst unter den härtesten Bedingungen zu einer Einigung zu kommen..« nur um das „Gespenst der 180 000" zu bannen! Diese Angst vor den eigenen Volksgenossen ist das große Plus, das Angora für sich zu buchen hat. ein Trumpf, den cs nur dann aufgeben wird, wenn Mussolini in der Lage ist. von sich aus zum mindesten Gleichwertiges oder noch Besseres zu bieten. Ist er dazu nicht imstande, dann wird Angora sich erst in dem Augenblick bereit finden, mit Athen den von Mussolini so heiß erstrebten Freundschaftsvertrag zu schließen, wenn der letzte Grieche den Staub Konstantinopels von seinen Füßen geschüttelt hat. Denn ein solcher Pakt — er mag enthalten was er will — muß logischerweise auf der Basis des jeweiligen Status quo abgeschlossen werden. Ter Stein des Anstoßes, die Kospoli-Griechen, ist beseitigt. Angora wird sich bereitwilligst von Athen „Sicherheit", Frieden und Freundschaft garantieren lassen und großmütig das gleiche versprechen. Auch der Heiratsvermittler Mussolini wäre dann am Ziele seiner Wünsche angelangt, nur fragt sich, ob sich das junge Paar dann noch bereit erklären wird, ihm die Vermittlungsgebühren in Form von antijugoslawischer Hilfsstellung zu honorieren. Auch darüber dürfte die Entscheidung wohl ad calendas graecas hinausgeschoben werden ...
Turnen, Sport und Spiel.
Deutsche Leichtathleten in Paris siegreich.
Frankreich imLänderkat Pf 66: 7Sgeschlagen
Dem vierten Leichtathletik-Länderkampf gegen Frankreich sah man in Deutschland mit einer gewissen Skepsis entgegen, denn die französischen Athleten hatten fick) in letzter Zeit derart verbessert, daß ein Sieg der Franzosen diesmal durchaus im Bereich der Möglichkeit stand. Aber unsere Mannschaft schlug sich ganz ausgezeichnet und sicherte mit 79:66 Punkten einen neuen Sieg. Der Kampf fand von 30 000 Zuschauern bei einer wahren Gluthitze auf den klassischen Bahnen des Stade de Colombes bei Paris statt. Die Zuschauer begrüßten die Deutschen mit einer überraschend großen Herzlichkeit und zeigten auch im Verlauf der Kämpfe eine wohltuende Objektivität. Bei dem Festbankett am Abend ließ der deutsche Außenminister Dr. Stresemann unter dem Jubel der Versammlung für die französische Mannschaft einen Goldpokal überreichen, eine Geste, die auch bei den französischen Offiziellen und Behördenvertretern Beifall fand.
Die Ergebnisse:
10 0 M eter: 1. Eldracher-Deutschland 10,6 Sek.; 2. Dr. Wichmann-Deutschland 1 Meter zur., 3. Rousseau-Frankreich weitere 2 Meter zur.: 4. Auvergne- Frankreich.
2 0 0 Meter: 1. Dr. Wichmann-Deutschland 21,4 Sek.' 2. Eldracher-Deutschland Brustbr. zur.; 3. Auvergne-Frankreich 4 Meter zur.; 4. Mour- lon- Frankreich.
4 0 0 Meter: 1. Moulines- Frankreich 48,2 Sek. (Französischer Rekord); 2. Büchner-Dcatsch- land 48,4 Sek.; 3. Stortz-Deutschland; 4. Feger- Frankreich.
800 Meter: 1. Keller-Frankreich 1: 55,8Min.; 2. Dr. Pelher-Deutschland 1:36 Min. 2 Meter
Tannert selbst hat mit dem jungen Mann ohne Geld wieder eine der immer dankbaren, immer sympathischen Rollen, die seinem Bonvivant-Temperament fo sehr entgegenfommen; die hier zu spielende Mischung aus Frechheit und Naivität, Verliebtheit und Verlegenheit, großspurigem Galgenhumor und händeringender Angst vor einem fatalen Ende gelingt ihm reizend und sichert den halben Erfolg.
Von den beiden wirklichen Magnaten war Hais sehr amüsant, Ebert-Gras sow nicht immer glaubhaft, ihm scheinen solche Industriellen großen Stils nicht besonders zu liegen. Zwei gute Chargen: Heinrich Hub und Karl V o l ck. —
Das Premiörenpublikum war angeregt und verständnisvoll bei der Sache; so kam der Erfolg zustande, von dem schon gesprochen wurde.
Dr. Th.
Geschichten von Auflernfreffern.
In einem soeben in London erschienenen Buch „Die ruhmreiche Auster" singt Hector B o l i t h o den Preis dieses wohlschmeckenden Schalentieres und sagt: „Ich bin niemals einem Mann von Witz, Verstand und Feinheit begegnet, dessen Augen nicht groß werden und dessen Gesicht nicht von einem seligen Lächeln überglänzt wird, wenn eine Schüssel mit Austern vor ihn hingesetzt wird." Die Vorliebe für Austern gilt ihm auch als der einzige Entschuldigungsgrund für Gefräßigkeit, so daß er den Titel eines „Austernsressers" nicht für beleidigend hält. Mit Behagen berichtet er von den großen Taten, die solche unermüdlichen Austernfresser vollbracht haben. Er erwähnt den römischen Kaiser Ditellius, der auf einen Sitz 1000 Austern verschlingen konnte. Aus der Autobiographie von George Pauling zitiert er eine Stelle, die auf ähnliche Taten in moderner Zeit hinweist: „Drei von uns — ich unterdrücke die Ramen meiner Gefährten — verspeisten 1000 Stück Austern, die wir mit acht Flaschen Charn- vagner herunterspülten."- Ein berühmter Austern- sresser war der Mann, der „wettete, daß er 12 Dutzend Austern mit Hilfe von 12 Gläsern Champagner in der Zeit vertilgen werde, in der die Kirchturmsuhr 12 schlagen würde. Er gewann die Wette, indem er je 12 frische Austern in 12 Weingläser legte und sie dann immer auf einen Zug mit dem Champagner herunterspülte." Das Buch ist voll von Austerngeschichten aus dem
zur.: 3. Sera Martin 1:57,2 -Min.; 4. Müller- Deutschland weitere 2 Meter zur.
1 5 0 0 Meter: 1. Ladoumegue- Frankr. 3:55,4 Min.: 2. Böcher-Dcutschl. 3:58 Min.; 3. Dabat- Frankr. 4:02 Min.; 4. Wichmann-Deutschl. 4:08,4 Min.
5000 Meter: 1. Dartigues-Frankr. 15: 37,4 Min.; 2. Diekmann-Deutschl. 15:37,8 Min., 3. Helber-Dcutschl. 12 Meter zur.; 4. Marchall- Frankr. 60 Meter zur.
4x100 Meter: Beide Mannschaften disqualifiziert.
110 Meter Hürden: 1. Troßbach-Deutschl.
15 Sek.; 2. Welscher-Deutschl. 3 Meter zur.;
3. Adelheim-Frankr.: 4. Sempe-Frankreich.
Kugelstoßen: 1. Llebler-Deutschl. 14:71,5 Meter; 2. Roel-Frankr. 14:41,5 Meter; 3. Schneider-Deutschland 14:28 Meter; 4. Drecq-Frankr. 13,32 Meter.
Diskuswerfen: 1. Roel-Frankr. 45,40 Meter; 2. Winter-Frankreich 45,35 Meter; 3. Paulus-Deutschland 44,24 Meter; 4. Hoffmeister- Deutschland 41,73 Meter.
Hochsprung: 1. Menard-Frankreich 1,90 Meter- 2. Philippon-Frankr. 1,85 Meter; 3. Köppke-Deutschland 1,85 Meter (durch Stechen entschieden); 4. Rosenthal-Deutschs. 1,80 Meter.
4x400 Meter: 1. Deutschland (Stortz, Engelhardt, Pelher, Büchner) 3:17,6 Min.; 2. Frankreich (Jackson, Martin, Feger, Moulines) 3:20,6 Min.
Weitsprung: 1. Meier-Deutschl. 7,11 Met.; 2. Dobermann-Deutschland 6,89 Meter; 3. Ro- bert-Frankr. 6,50 Meter; 4. Flouret-Frankr. 6,44.
Stabhochsprung: 1. Wegener-Deutschland 3,80 Meter; 2. Ramadier-Frankr. 3,60 Meter; 3. Vontousky-Frankreich 3,60 Meter; 4. Dober- mann-Deutschl.
Speer: 1. Molles-Deutschl. 61,60 Meter; 2. Schlokat-Deutschl. 56,25 Meter; 3. Degland-Fr. 53,42 Meter; 4. Angeli-Frankr. 52,20 Meter.
Gesamtergebnis: 79:66 Punkte für Deutschland.
„alten lustigen England". Da wird von einem 97jährigen Postmeister aus Lismore, Huddy, erzählt, der eines schönen Tages im Jahre 1821 auf Grund einer Wette von feiner Heimatstadt nach Fermoy fuhr, und zwar „in einer Austertonne, die von einem Schwein, einem Dachs, zwei Katzen und einem Igel gezogen wurde; er selbst saß in der Tonne mit einer großen roten Rachtmühe auf dem Kopf, in der einen Hand die Peitsche eines Schwcinetreibers, in der andern ein gewöhnliches Kuhhorn, in das er bl-es, um fein Gespann anzufeuern."
Hochschulnachrichten.
Amtlich wird die (Ernennung des o. Professors Dr. med. et phil. Richard Hönigswald von der Llniversität Breslau vom 1. April 1930 an zum ordentlichen Professor der Philosophie an der iln'iüerfität München als Rachfolger des verstorbenen Geheimen Rcgierungsrates Erich Decher bestätigt. Prof. Hönigswald, dessen Sondergebiete Erkenntnistheorie, Grundlagen der Psychologie, sowie Theorie der Pädagogik sind, ist Herausgeber und Begründer der Schriftenreihe „Wissenschaftliche Grundfragen" (Philosophische Abhandlungen), seit 1924.
Der durch das Ableben von Prof. M. Lidz- barski an der LIniversität Göttingen erledigte Lehrstuhl der orientalischen Philologie ist dem ordentlichen Professor Dr. Rudolf Tschudi in Basel angebotcn worden. Dr. Tschudi. der durch seine Veröffentlichungen auf dem Gebiete der Geschichte und Kultur des Islams bekannt gewordene Gelehrte, ist ein geborener Schweizer (geboren 1884 zu Glarus). In Basel, Erlangen, Berlin und Greifswald oblag er dem Studium der klassischen und orientalischen Philologie als Schüler von Georg Jacob. Friedrich Giese und Ch. Decker und promovierte 1910. Dann wurde er wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Seminar für Geschichte und Kultur des Orients in Hamburg bei Professor Decker. Später widmete sich Dr. Tschudi privaten Studien, unternahm Studienreisen in der Türkei und folgte Michaelis 1914 einem Rufe als Professor nach Hamburg, als Rachfolger von Ch. Decker. 1919 kam Tschudi. nach Zürich und drei Jahre später nach Basel. Professor Tschudi ist Mitherausgeber der von Georg Jacob gegründeten und heran sgegebeneni „Türkischen Bibliothek'.


