Dienstag. 2. HpriIJ929
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheflen)
Nr. 76 Zweites Blatt
ler bezahlt den Brandschaden der „Europa"?
Von Herbert JRulanfr.
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, welche ihrerseits vom derben Kolo/it Stubenstilleben wunderlich abstechen.
Marten, der mit seinen Aquarellen ... . für
en „Europa" bisher gekostet hat. ist ein il verloren; Dorderschiff und Mittelschiff
in diesem Fall sind grofte ^lnterversiche- abgeschlossen worden; manche Dersichc>
> drc anstrengende Arbeit der zwanzig er Löschboote hat nicht mehr viel retten Der Norddeutsche Lloyd hatte
^clearaphenstangen.
r g h a r d t, Düsseldorf, zeigt sich ganz ans
Oberhessischer Kunsiverein
Ausstellung der Gruppe „Junges Westfalen".
Uraufführung in Frankfurt.
Leute, die besonders schwarz in die Zukunft sehen, sind vielleicht davon überzeugt, daß die Amerikanisierung Europas und besonders Deutschlands mit Riesenschritten fortschreitet; wird nicht die deutsche Bühne schon großenteils von dem amerikanischen Reiher, dem Kriminal- und De- tektivstück. bcyerrscht. wo doch Namen wie „Der Hcrer". „Der P 'vzeft Mary Dugan". „Broadway" u. a. monatelang ans dem Spielplan dominierten? Nun. der Einsichtige, der daran, denkt, daß auf der Bühne nicht nur Literatur, ipcht nur hohe Kunst geboten, sondern auch handfestes Theater gemacht werden muh, weih, dah es zwecklos ist, sich deyr Zug der Zeit entgegenstemmen zu wollen. Solche Erwägungen stellten wohl auch die Frankfurter Lokaldichter Toni 3mpetoven und Carl Mathern an. Der Erfolg eines Walace lieh jedenfalls die beiden, die nun schon manche handfeste Posse geschrieben haben, nicht ruhen, und sie schrieben ein Detektivstück „Die schwarze Kugel", das am Öfter- samstag int Frankfurter Schauspielhaus seine erfolgreiche Uraufführung erlebte. Es spielt natürlich in Amerika, in der Der» brecherstadt Chicago. Wir haben auch sonst alle notwendigen Requisiten, zwei sich bekämpfende Konzerne, skrupellose Geschäftsleute, belauschte Mordpläne, einen fingierten Mord und vor allem die unerläßliche Gerichtsverhandlung, älnb in dieser ist. zu erkennen, dah das Stück nicht nur unterhalten, nicht nur Spannungsreize Hervorrufen will, sondern auch eine Tendeirz hat. nämlich den Hinweis auf die Gefährlichkeit des Indizienbeweises. Wenn auch alle technischen Mittel von den Autoren angewendet wurden, so liegt doch wohl der Erfolg des Stückes nicht in den Spannungseffekten, die nicht fo stark sind wie in den oben genannten Stücken, sondern in dem Humor. der das Werk stets belebt. Unter der Regie Fritz Peter Buchs bemühten sich die Darsteller nach Kräften, den Erfolg sicherzustellen, was ja auch in vollem Mähe gelang. Erwähnt seien nur aus der langen Reihe Lothar R c - walt. Franz Schneider, Ellen Daub und Leopold B i b c r t i. Die beiden neuen „ Kriminal - schriftsteller" Impekoven und Mathern muhten sich dem beifallklatschendLN Publikum mehrfach actgcTL It-fi
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räum, angelegten Landschaften, mancnal säst zärtliche Tonverbindungen aiy-
Deckuy des entstandenen Schadens herangezogen, so das das Risiko tatsächlich auf die ganze -"■* l verteilt worden ist. Nun läßt cs sich
Die am Ostermontag. eröffnete neue Ausstellung int Oberhessischen Kunstveretm Umsicht eine Auswahl ton Arbeiten der west, deutschen Künstlergruppe „3 u ng es West f alert". Sie gibt mit Oelgemalden. Aquarellen. Zeichnungen, Radierungen und Plastiken einen gut orientierenden Lieberblick Über die künstlerische Wesensart dieses Kreises und seme Bestrebungen. Der Gesamteindruck wird — unbeschadet al.er gesunden und unverkennbaren Indwidualitat durch eine in fast allen Stücken sich auspragende. fortschrittliche Haltung, durch den Seckgenosstschen Charakter des Stils bestimmt: man sieht hier vor allem eine recht gegenwärtige Malerei letzter und vorletzter Richtung; mehr oder minder betonte Sachlichkeit; Liebergangsstil ~.pn
Bei einem Rundgang, der nach dem Ganzen das Einzelne ins Auge saht, Ware etwa auf folgendes aufmerksam zu machen. ~ f,
Gleich am Eingang empfangen den Beschauer sechs Aquarelle von Franz Mart e n. Düsseldorf. Es. handelt sich thematisch um ver chiedene südliche Landschaften: exakt ausgesetzt, mit vieler Freude an einer flüssigen Palette, dabei doch für Aquarellverhältnisse recht disziPlEt in Ö« Form; mit linearen Akzenten übrigens und aruh mü Gefühl für dekorative Wirkung; manches (wie „Avignon" z.B.) scheint fast buhnenbildhaft- ^^Wemge^auf^die' Linie, ganz auf dasKolvrit eingestellt sind die Aquarelle von Gertrud K! o ch. Saarbrücken. Sie schwelgt tn frohen, starken Tönen, auch arbeitet sie grober in dcr Gegenube ftcKung der Farbwerte und deren Bildwirkung. Richt ohne expressionistische Nachklange übrigens, wie im „Waldstück" z D., ferner im Porträt des jungen Mannes und den „Kühen , die auf Lm wegen von Franz Marc Herkommen konnten. Rein koloristisch scheint uns am feinsten ein simpler Blumentopf mit Alpenveilchen.
Ebenfalls Aquarelle sieht man dann von Theo Brün, Hagen; doch ist er weicyer in der Palette, zierlicher und behutsamer im Strich, zarter manchmal fast verträumt — im Ausdruck als die
nenn i"in diesem Zusammenhang: ..Dorfrühlu^g'', „Str<>e mit Cypressen" und ..Zwischen Gärsen .
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schon erwähnt wurde, stammen ferner ei unsem Gefühl wenig reizvolles, auch ungünstig beleu tetes „Küchenstilleben" und einige/grohe Portüts, die sämtlich glatt und korrekt gemalt
guter - it verloren; Dorderschiff und Mittelschiff sind in lammen aufgegangen, Maschinen wurden zerstört mb die anstrengende Arbeit der zwanzig
Mark, o haftet diese Gesellschaft aus ihrem eigenen D:mögen tatsächlich nur mit vielleicht 30 000 Mark^während 70 000 Mark automatisch durch eine - ickversicherungsgesellschaft zu decken sind. Aber e Gesellschaft A wird sich bei großen Objekten mit dieser Verteilung des Risikos nicht begnügn; sie gibt vielmehr sofort noch Unter- beteitiungen ab.
Das Reichsgericht gegen die „Lustraunisteuer^.
Das Reichsgericht Hal. wie schon kurz gemeldet wurde, auf die Feststellungsklage einer Berliner Firma gegen den Berliner Magistrat dahin erkannt. dah die Stadt Berlin nicht das Recht besitzt, für die Benutzung des Luftraums über dem städtischen Strahenland eine Aner- k e n n u n g s g e b ü h r zu verlangen. Die Stadt hatte diesen Anspruch als Eigentümerin des Stra« ftenlanbes geltend gemacht. Das „Grundeigentum" veröffentlicht nun in feiner letzten Nummer den Wortlaut dieser grundsätzlich bedeutungsvollen höchstrichterlichen Entscheidung. Unter Bezug auf das Allgemeine Landrecht, wonach, „der freie Gebrauch der Land- und Heerstraßen einem jeden zum Reisen und Fortbringen seiner Sachen gestattet ist", betont der 5. Zivilsenat des Reichsgerichts, daß der Gemeinbrauch an der Straße nicht auf den fo umschriebenen Verkehr im engsten Sinne be - schränkt i st. vielmehr dient die Straße kraft ihrer öffentlichen Widmung auch sonstigem allgemein ausgeübten Gebrauch. Dabei sind die Straßenanlieger auf Grund ihres räumlichen Derhältnisses zur Strafte in gesteigertem Mafte zu deren Benutzung imstande und auf deren Beanspruchung angewiesen. Auch für die Stadt Berlin kommt die weitere Bestimmung des Allgemeinen Landrechtes in Betracht, wonach der Hauseigentümer Erker und in die Strafte hinein sich erstreckende Schilder nur mit polizeilicher Erlaubnis anlegen, übrigens aber den Bür- gerfteig benutzen dürfe, soweit dies ohne Der« engung, Verunreinigung und Verunstaltung der Straften geschehe; alles dies nach näheren Vorschriften bet Polizeigesehe. Unter die Bestimmung, wonach der Straftenanlieger bestimmte Einrichtungen im Luftraum über b c r Strafte halten darf, wenn sie polizeilich genehmigt sind, fällt auch der Lichtre- kkamekasten der Klägerin. Bei sinngemäßer Auslegung des Gesetzes, wie sie die Entwicklung des Verkehrs und der Technik erfordert, ist eine solche Anlage mit unter die Gesehesvorschriftrn zu begreifen. Der Lichtreklamekasten halte sich innerhalb der Grenzen des zulässig gen Gemeingebrauchs an öffentlichen Wegen, und der Strafteneigen- t ü m e r muh die sich aus der Ausübung solcher Befugnis ergebende Beschränkung seines Privateigentums dulden.
Steuerliche Berücksichtigung der Wiiterungsschüden.
Der lange und starke Frost hat schwere wirtschaftliche Schäden unmittelbarer Art. z. B. in der Landwirtschaft, im Garten- und Weinbau verursacht, er hat aber auch einzelne Erwerbszweige mittelbar erheblich geschädigt; hierher gehören vor allem das Baugewerbe und die Schiffahrt, die längere Zeit stillgelegen haben, die Landwirtschaft und der Gartenbau, deren Frühjahrsbestellung sich hinauszögerte. Auch sonst fanden Arbeitsunterbrechungen in verschiedenen Erwerbs - zweigen statt. Der Reichsminister der Finanzen
rungr abgeschlossen woroen; mancye -venia-e- rungÄesellschaft haftet jetzt nur für den tausendsten Lil der gesamten Summe, also für Beträge HtoTfötrRfr iß nno 45 000 Rkark. 3a-
nimmt; sie wälzt vielmehr einen beträchtlichen Teil Gefahr sofort durch die Deteili- gungilnderer Versicherung en und vor allen ingen durch sog. Rückversicherungen cs. Die großen Gesellschaften haben außerdem Drträgc mit Rückversicherungsgesellschaften. durch fte automatisch ein beträchtlicher Teil der Haftpfcht übertragen wird, und zwar schon in bemfel :n Augenblick, in dem die Police in Kraft tritt. Zersichert man sich also bei der Gesell- gegen einen Brandschaden von 100 000 o haftet diese Gesellschaft aus ihrem eige-
nismäßig selten sind. Generaldirektor Dr. Schmitt hat vor einiger Zeit in einem Vortrag gezeigt, baß die Versicherungsgesellschaften auch eine gewisse Dosis Böswilligkeit in ihre Prämien eln- tatluüeren müssen. Die Gesellschaften gehen zwar nicht so weit, zu sagen, daß jeder ..Abgebrannte' ein Brandstifter sei oder jedes Schadenfeuer auf Brandstiftung beruhe. Sie behaupten aber, daß immerhin ein Drittel aller Schadensfälle auf Brandstift ung zurückzuführen sei. Die Ver- sicherungsstatistiker haben eine graphische Darstellung angefertigt, die die Abhängigkeit der Brände von der WirtschaftSkonjunktur beweisen soll und diese Kurve zeigte eine vollkommene Parallelität des Privatdiskonts mit den Fällen von Brandschaden. Es ist natürlich ausgeschlossen, daß bei dem Hamburger Riesenbrand eine Brandstiftung aus solchen Motiven vorgekommen sein kann, wenn man vorläufig auch noch nicht weiß, ob das Feuer im Schiffskörper nur durch irgendeine Fahrlässigkeit entstanden ist.
nutzen sollen.
Entsprechend große Brände sind in Deutschland bisher kaum vorgekommen, wenn man von Explosionskatastrophen in chemischen Werken ab- sieht, die natürlich auch von Feuer begleitet sind, aber dcch grundsätzlich zu einer anderen Gattung von Llnglücksfällen gehören. 3m vergangenen 3ahre sind in Norddeutsch land einige Dorskomplexe völlig abgebrannt, und die Versicherungen mußten für bedeutende Schäden auf- kommen, die sich aber wieder auf viele Gesellschaften verteilten. Der Hamburger Hasen hat im vorigen 3ahre auch eine große Brandkatastrophe gesehen: damals wurden einige grohe Speicher vernichtet, und es entstand ein Schaden von vielen Millionen Mark. Die Prämiensatze, die für die Versicherungen st> verschiedener Objekte, wie Schiffsneubauten, holsteinische Dörfer oder Hamburger Hafenspeicher zu entrichten sind, sind natürlich sehr verschieden. Die Ver- sicherungsgesellschasten informieren sich eingehend, ob 3nbuftriebetriebe mit Benzin ober anderen feuergefährlichen Flüssigkeiten arbeiten, und sie nehmen z. D. verhältnismäßig hohe Prämien von Wühlen, in denen die Brandgefahr sehr groß ist und die auch durch bk Selbstentzündung von Mehlstaub gefährdet find. Verfügt eine Getreidemühle ober eine Fabrik von Zettuloib- toaren über besonders gute Sicherheitsvorrichtungen, etwa über selbsttätige Löscheinrichtungen. so wird ihr dafür von dem für ihre Klasse üblichen Prämiensah, ein erheblicher Teil vergütet, so daß sie eilte Versicherung unter ilm- ftänben zur Hälfte des gewöhnlichen Preises abschließen kann. Billig sind dagegen die Mobiliar- Versicherungen. Da- ist nicht nur auf die geringere Gefährdung der Wohnhäuser durch »euer zurückzuführen, sondern auch auf die Tatsache, baß Brandstiftungen in Wohnhäusern verhalt-
daß ein Unfall keineswegs zu Lasten weniger Gesellschaften gegangen wäre.
Zum Glück sind Katastropheir, bei denen Werte von 40 oder 50 Millionen Mark vernichtet werden. äußerst selten. Bei den Luxusdampfem tragen meist die Transportversicherungen auch das Drandrisiko. Anders ist es natürlich, wenn ein Schiff noch auf der 2Berft hegt. Die Prämien für ein im Dau befindliches Schiff betragen, solange der Rumpf noch nicht vom Stapel gelaufen ist, etwa % pro Mille im Monat, und dieser Sah erhöht sich um einen kleinen Betrag nach dem Stapellauf, um nochmals ein wenig anzusteigen, wenn das Schiff nur noch einen Monat bis zu seiner endgültigen Fertigstellung braucht. Für den Neubau sind nicht etwa sofort die Prämien zu zahlen, die dem Wert des vollendeten Schiffes entsprechen; um die Prämien niedrig zu halten, versichert man vielmehr von Monat zu Monat den ftetgenben Wert des Neubaues, und falls dieses Verfahren im vorliegenden Fall richtig angewendet worden ist, muß letzt also die Versicherungssumme etwa 45 Millionen Mark betragen. Es ist aber auch üblich, nur „auf erstes Risiko" zu versichern eine Methode, die sich beim Brand der „Europa sehr ungünstig stellen würde. Versichert jemand einen Gegenstand, der 100 000 Mark wert ist. nur mit 60 000 Mark, und erleidet er beim Brand dieses Objektes einen Schaden von 50 000 Mark, so erhält er^nur 60 Prozent seines Schadens vergütet. alfo^OOOO Mark ausgezahlt. Es ,st für den Besitzer dieses Gegenstandes viel vorteilhafter, eine Police zu nehmen, die ohne Rücksicht auf den Wert des Gegenstandes den Schaden bis zu einer Höhe von 60 000 Mark aus- bezahlt; diese Klausel nennt man „eine Versicherung auf erstes Risik o". Wenn die Werft von Blohm & Voß nun angenommen haben sollte, daß ein Brand voraussichtlich nicht den ganzen Neubau veriiichten, sondern höchstens einen Schaden von vielleicht 15 Millionen Mark anrichten könnte, so hätte sie sich diesmal ganz außerordentlich verspekuliert; es gebt daraus hervor, baft vorsichtige Geschäftsleute die beliebte Versicherung auf erstes Risiko nur selten be-
on vielleicht 40 000 ober 45 000 Mark. Na- türlidj teilt die Gesellschaft, mit der die Werft
Vertrag abgeschlossen hat, die Police nicht i tausend ober fünfhundert Teile auf; sie behältlich gewöhnlich ein Achtel ober ein Zehntel del zu zahlenden Präniien und haftet dem« entiprchend. während sie ebenso groft? Anteile anders Gesellschaften weitergibt, die sich ihrerseits heiter rückversichern. Soweit sich bisher überfebn läßt, sind erhebliche Summen des Bau- risikosper „Europa" in England rückversichert worden; aber auch amerikanische Gesellhasten und Versicherungen in der S ch w c i z und iranberen Ländern werden automatisch zur
das Sch f bestellt, aber es gehörte ihm noch nicht, nvollendet im Betrieb von Blohm
Wahlreform.
Die Demokratische Partei hat gerade in der Frage der parlamentarischen Technik stets eine Rolle als Anreger gespielt. Deshalb wird man die Vorschläge, die von einem Wahlrechtsausschuß des Parteivorstands und der Reichstags- fraktion jetzt vorgelegt werden und mit denen eine Verbesserung unseres geltenden Wahlrechts bezweckt wird, mit einiger Aufmerksamkeit betrachten müssen. Der frühere Reichsinnenminister Dr. Külz scheint im wesentlichen verantwortlich dafür zu zeichnen; hat er doch schon während seiner Amtszeit diese Frage in ähnlicher Richtung in seinem Ressort bearbeiten lassen.
Gegenüber den bisher bekanntgewordenen Plänen zeigt der Vorschlag nicht mehr 300 Wahlkreise, von denen 150 je 2, die übrigen je einen Abgeordneten wählen sollen, sondern 225 Wahlkreise zu je 2 Abgeordneten. Beibehalten ist der Gedanke, die absolute Mehrheit entscheiden zu lassen, d. h. unbeschadet der auf die durchfallenden Kandidaten entfallenden Stimmzifser, die beiden mit den höchsten Ziffern in jedem Wahlkreis als gewählt zu erklären. Weiter wird am Schlüsse des Wahlakts die ganze Summe der Wahlziffem parteienweise addiert und nach dem Proporz-System die auf jede einzelne Partei theoretisch entfallende Mandatszahl errechnet. Nach dieser Errechnung werden die tatsächlich Gewählten endgültig sestgestellt dergestalt, daß die 225 Abgeordneten, die jeweils als die zweiten eines Wahlkreises in den Reichstag cin- ziehen sollen, den sofort als gewählt geltenden; ersten, also mit der absoluten Mehrheit gewähl- tcruauä den mit der höchsten relativen Mehrheit an zweiter oder folgender Stelle stehenden Kandidaten der betreffenden Partei gleichfalls als gewählt erklärt werden. Eine Reichsliste oder Wahlkreisverbände soll es nicht geben.
Daö scheint auf den ersten Blick sehr kompliziert. ist es aber nicht so sehr, wie der Anschein glauben macht. Am besten veranschaulicht das ein Beispiel. Angenommen, eine Partei hat nach der Gesamtzahl der für ihre einzelnen Kandidaten abgegebenen Stimmen Anspruch auf 100 Mandate. 75 davon standen in ihren Wahlkreisen mit den Resultaten an der Spitze, sind also ohne weiteres gewählt. Der Anspruch der Partei auf weitere 25 wird dann dergestalt befriedigt, daß der prozentuale Anteilsatz an der Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen für diejenigen Kandidaten der betreffenden Partei errechnet wird, die sich an zweiter. nötigenfalls auch an dritter Stelle usw. befinden. 3n der Reihenfolge dieses prozentualen Anteils werden nun 25 weitere Kandidaten der betreffenden Partei — meistens werden es wohl solche sein, die in Wahlkreisen an zweiter Stelle stehen, wo ein Kandidat einer an Der en Partei mit der absoluten Mehrheit gewählt worden ist — ebenfalls als gewählt erklärt.
Unangenehm ist bei diesem Verfahren nur die Möglichkeit, daß auch einmal eine Partei mehr als die ihr zustehenden Abgeordneten im ersten Wahlgang durchbringt, und daß dann, wenn man dos Proporz-System absolut gerecht anwenden will, einzelne vermeintlich bereits Gewählte zu- rückzutreten hätten. Das System bedarf zweifellos noch einer gewissen Verseinerung und Lieberarbeitung. aber im Prinzip bietet es brauchbare Ansätze, um die bekannten großen Mangel unseres geltenden Wahlrechts zu beseitigen. Es sind das: die umfangreiche Reichsliste, die Aufstellung der Kandidaten durch ihre Parteien und deren .Bureaukratie selbst, die zu großen Wahlkreise, der mangelnde Kontakt zwychen Wählern und Gewählten und die Verringerung des Niveaus des Parlamentes durch ein vier Jahre dauerndes Nachrücken der Hintermänner auf der Liste. Man sollte deshalb den demokratischen Vorschlag trotz seiner Llnzulänglichkeiten nickt rundweg ablehnen, sondern versuchen, durch eine Ergänzung und Berücksichtigung der vor- aussichtlich darüber entstehenden Disku-wn wirksam auszugestalten.
sind, und von d-nen wir das Frauenbildnis am Fenster hervorheben möchten.
3osef Hornist am besten mit Theo Brün zusammenzustellen; er bevorzugt ein kleines "Format, sowohl ii seinen Landschaftsbildern tote in seinen Farbei/, die er zu intimen, oft ganz unmodisch anmuienben Koloritwirkungen zu verbinden weiß. Äir nennen die, für unser Empfinden, malerisch feisten Arbeiten: „Bergstraße", „Soest", „Palermo"., ,,.
Von Theo Hölscher, Hamm, ist zunächst ein groftes. sorgfältig aufgeteiltes und vogelper- spektivisch i verkürztes Landschaftsbild mit ab- schlieftendfm Häuserprospekt zu notieren; ..Blick aus dem Fenster", eine klare, sehr objektive Komvosiston. die geflissentlich auch Kleinigkeiten nicht üb/rsieht. Sowohl um eines gewissen Slim- mungsgehaltes wie um der eigenartig haftofen und zAleich überaus peinlichen Technik willen sei au auf den „Winter in Holland" aufmert« sam , macht. Einen ganz andern, übrigens für die neZic Sachlichkeit typiscyen Stil - glatten, spiegelnden. gleichsam poliensn Auftrag -- zeigen die ildcr „Montmartre" und „Landschaft mit B " '.
einer Vitrine vereinigt finden sich Zeich- nu en und Radierungen von Hölscher. B /ü n . Burghardt und Marten, womit dis malerische Kollektion gut ergänzt wird; eine zweite Vitrine zeigt Otto Coe st er mit einer zahl Plaketten auch als Reliefvlastiker.
Bildhauerische Arbeiten führen außerdem . 11 e r m a n n . 3serlohn, und Brün. Hagen, „or; 3tt ermann bringt sehr ausgereifte, tech« nilch sauber durchmodellierte und abgegriffene Porträtköpfe von Profil und Charakter; z. B.: Dr. Sü. Bildnis einer Frau, L. d. T. Brün macht Vollplastikew derbkörperliche Figuren in unkonventionellen Stellungen, die den ©lieber- rhythmus kräftig zur Geltung bringen („Badendes Mädchen"); daneben etliche Gruppen in Holz, gegenständlich und episodenhaft, von einer gewissen, sympathischen Primitivität im Ausdruck, wie das Liebespaar oder die Tanzenden. —
Einige, z. T. vom Kunstverein angekaufle Arbeiten aus früheren Kollektionen — von Lenz, Felixmüller, Franz Hecht — ergänzen die neue Ausstellung, die zu den üblichen Zeiten geöffnet ist, und deren Besuch hiermit empfohlen sei. hth.
Untern« mens und zu einer schweren Erschütte- lerer Versicherungsgesellschaften führen. iic deutsche Wirtschaft ist durch den ge» _____„.I Schaden, der soeben im Hamburger Hasen entlauben ist, zum Gluck' nicht in diesem A—____ gefährdet worden. 3ede Versicherungs-
gesellsch t hütet sich, ihre Existenz dadurch auf das Spl zu setzen, baft sie bas Risiko für einen so bebitenben Gegen staub allein auf sich sie wälzt vielmehr einen beträchtlichen
freilick noch nicht feftftellen, ob bic englischen iln- ternetjien nicht wiederum Rückversicherungen in Deuts« land vorgeuommen haben, so baft schließ- ch ein beträchtlicher Anteil der Schabens- ......। auf bie deutsche Wirtschaft entfällt.
Das Versicherungsgesellschaften in fernen Län- ir einen irgendwo entstehenden Branb^ zu 0„y... ftaben, so baft man von einer, Eolibarhaft ber Helt in solchen Fällen sprechen kann, hat bas Erbbebeu von Sau Frau-
& D o mchwamm; die Reederei Hai daher keinen unmittel iren Schaden erlitten, sondern sich nur dadurch ^schädigt, baft sie das Schiff nicht, wie beabsich jt, am 21. August auf die erste Reise mn. Die „Europa" war also noch im er Werft, die den Neubau in voller
Aquchlle der Koch. Das Bildganze, ob Porträt I- gutes Selbstbildnis! —, Gruppe ober Lanbßaft, ist viel verwischter und unbestimmter als tri, mehr ber impressionistischen Sehweise angesthcrt; bas ..Arbeiterpaar" hat mobersohnsche Züge,Ein subtiles Farbgefühl wirkt sich in ber „Kleitzn Komposition" aus. Brün erscheint stilistisch ergleichsweise am wenigsten mobern unter ben fzr vertretenen Mitgliebern der Gruppe.
Radierungen von Otto C o e st e r . Bar- ellen sehr merkwürdige Figurenblätter dar, an nicht betreiben, bie man nur auf sich strken lassen kann. Groteske ©eftalteu, bie cineatoilbbetoegten Phantasie entsprungen, z. T. auchchohl allegorisch zu deuten sind, und bald an ©bilde von Hieronymus Bosch, bald an das Persnal von George Groft, Dix oder Kubin erinnern Alles höchst wunderliche, krause, übrigens technisch sehr sauber gearbeitete Schilbereier bic kaum jebem Besucher ohne weiteres eingpen unb zusagen bürften.
Vst Webewer, Münster, findet man neben etlichn sehr fett aufgetragenen, dabei ziemlich nüd)lrnen Gartenbildern ein sachlich zwar nicht wenijer dürftiges, koloristisch aber außerordentlich eines unb apartes Stilleben mit Krügen unb stüchten: Akkorb auf ber Tonleiter zwischen Lichbrau unb Orange. Außerbem wieder bie betod nüchternen Lieblingsmotive ber Allerjüng- tf einigen Freilichtstücken: Eisenbahnschienen
Dingsche hingegeben; er malt etwa, mit strengen Konten, glatt unb rund, bie Tulpen m ber Dlun nscherbe ober bas Kinderspielzeug auf dem ----, ohne erkennbare Gemütsbewegung oder .^...velche Spekulation auf ben Beschauer. Stimiung aber finbet man bann, ganz unteftreit*- einigen feiner mit viel Perspektive weit ~ *" " . bie sanft
z. B---------- -- -
zisks gezeigt. Damals mußte eine Münchener Rücknrsicherungsgesellschaft tief in die Tasche greife, um den Bürgern der Westküste der Ver« einigth Staaten den Aufbau neuer Häuser zu ermöckchen. Auch die Amerikafahrt des Z e b | c l i n war durch eine außerordentlich große Zahl son Rückversicherungsverträgen gesichert, so
i»—»«■■hi ' ——————————
Höhe bd einer großen deutschen Gesellschaft berliner hatte. Müßte diese Gesellschaft jetzt 20 ober 25 Millionen ausbezahlen, so würde lern Zusammenbruch eines solchen


